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E_1931_Zeitung_Nr.030

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 7. April 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° SO ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraiblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE» Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Honatiich „Gelb« liste" Halbjlhrllch Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuichlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Erstellung 30 REDAKTION «. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Eisenbahn und Alpenstrasse Zum Projekt einer Piorastrasse. Die « Automobil-Revue » hat in Nr. 10 (16. Febr. 1931) das Projekt der Piorastrasse eingehend besprochen und auf die Notwendigkeit und Zweckdienlichkeit einer solchen Strasse hingewiesen. Sie hat auch vor nicht gar langer Zeit neuerdings das Projekt der Sustenstrasse gewürdigt und deren Ausbau angeregt. Es scheint sich nun tatsächlich etwas zu regen im Odenwald. Eine ausserordentlich gut besuchte Versammlung aus dem ganzen Berner Oberland, hat erst vor wenigen Tagen in einer an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassenden Resolution den bernischen Regierungsrat gebeten, dem Projekt der Sustenstrasse näher zu treten und wenn immer möglich es zu realisie- •renw Etwas Aehnliches erleben wir heute im Kanton Graubünden, wo das Projekt der Piorastrasse langsam in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion tritt und — man höre und staune — sogar von bahnamtlicher Seite empfohlen wird. So scheint es doch als ob mit der maschinellen Entwicklung auch der menschliche Geist Schritt halten möchte, die Horizonte sich weiten wollten und im Interesse unserer gesamten Volkswirtschaft und unseres Staates etwas Grosses geschehen sollte. Ganz sicher wäre die Verwirklichung des Piorastrassenprojektes als ein grosser Fortschritt in unserm Verkehrsleben zu bezeichnen. Erfreulich an der heute sich bahnbrechenden Auffassung ist die Orientierung nach dem elementaren Grundprinzip, dass Verkehr jeglicher Art, also nicht nur Eisenbahnverkehr, Arbeit und Wohlstand auch in die entlegensten Bergtäler zu bringen vermögen. Ein Einsender im «Biindner Tagblatt », der der Rätischen Bahn jedenfalls sehr nahe stehen dürfte, befürwortet neben dem ganzjährigen Betrieb der Oberalpbahn Disentis-Andermatt zugleich die Erstellung einer Verbindungsstrasse Sta Maria-Piora- Airolo. Wir sind mit seinen Vorschlägen vollständig einverstanden und möchten seine Argumentation in allen Punkten fest unterstreichen. Der Korrespondent hat uns völlig aus dem Herzen gesprochen. Wenn er auch, wir dürfen dies wohl erwähnen, eigentlich vollständig im Sinn und Geiste der « Automobil-Revue » schreibt, so freut es uns um so mehr, wenn diese seit Jahr und Tag von uns verfochtenen Ansichten sich endlich auch in andern Interesse- ja sogar in bahnamtlichen Kreisen den Weg zu bahnen wissen. Es leuchtet ohne weiteres ein, dass der vorgeschlagene ganzjährige Betrieb der Furka-Oberalpbahn für das weitere Bestehen der Rhätischen Bahn mit der Zeit von ausschlaggebender Bedeutung werden dürfte. Der Geschäftsbericht Nr. 40 der Rhätischen Bahn weist darauf deutlich hin, wenn er schreibt : « Die Furka-Oberalpbahn hat uns nicht nur während ihrer fahrplanmässigen Betrieibszeit, wie auch dieses Jahr wieder einen gegenüber dem Vorjahr noch gesteigerten Verkehrszuwachs gebracht, sondern sie wurde, während der Kreis Disentis infolge des Hochwassers und der Rufe sowohl zwischen Tavanasa und Truns, wie auch am Lukmanier vom Verkehr abgeschnitten war, geradezu zum Segen für die Gegend Truns-Disentis-Tavetsch und Medels. Es wird wohl so sein. Die Fur'ka-Oberalpbahn das ganze Jahr dem Verkehr offen stehend, wäre die Schlagader, welche den Rhätischen Bahnen das notwendige frische Blut zuführen und in heute vielleicht leider noch zu vergessene prächtige und ausserordentlich günstige Sportsgebiete neues Leiben und noch ungeahnte Verdienstmöglichkeiten bringen würde. Es ist selbstverständlich, dass der gleichzeitige Ausbau der Piorastrasse die kurz skizzierten Bestrebungen in ausscrordentlich hohem Masse unterstützen könnte. Auch sie würde als Verbindungslinie Lukmanier-Airo'o den Verkehr ausserordentiich beleben. Die Strecke Disentis-Luktnanier-Airolo beträgt höchstens 25 km. die mit einem Postautomo'bil m ca. anderthalb Stunden, von einem Privatwagen in knapp 45 Minuten bewältigt werden könnte. Die Strasse stünde nicht im Gegensatze zur Bahn, im Gegenteil, sie könnte und miisste sogar als überaus vorteilhafte Zubringerlinie angesehen werden. Sie wäre die eigentliche Rochadelinie zwischen der Gotthardbahn und der Rhätischen Bahn und wäre befähigt, aus dem Süden vor allem immer wieder neuen Impuls in die bündnerischen Täler zu führen. Dass die Oberpostdirektion nicht nur die Wichtigkeit dieser Piorastrasse, sondern überhaupt die Notwendigkeit besserer Verkehrslinien in diesen Bergtälern einsieht, beweist die Tatsache, dass bereits in diesem Sommer versuchsweise Ausflugsbillette zu ermässigten Preisen zwischen Disentis, Santa Maria und ChuragJia zur Ausgabe gelangen sollen. Die ganzjährige Offenhaltung des Lufcmaniers, die bis heute abschlägig beurteilt wurde, tritt ebenfalls wieder in den Vordergrund der Diskussion und ist deren Verwirklichung mit eine der Hauptvoraussetzungen des ganzen Projektes. Es dürfte wohl klar sein, dass die vorgesehene Piorastrasse die Postlinien erst recht zu lukrativen Einnahmen bringen müsste. Wir glauben deshalb, dass auch die verantwortlichen Stellen der eidg. Post für den Ausbau der Piorastrasse alles Interesse und Verständnis besitzen werden. Das liebe Geld spielt hier vielleicht einmal nicht die ausschlaggebende Rolle. Gewaltige Summen liegen heute brach. Der Zinsfuss ist immer noch in rückläufiger Bewegung begriffen. Billige Anleihensmöglichkeiten sind überall vorhanden. Das grosse Problem besteht einzig darin, dieses aufgetürmte Geld wieder in Zirkulation zu bringen und der Wirtschaft zuzuführen, Tausenden von Arbeitslosen wieder Verdienst zu schaffen. Sie zögen Arbeit der Unterstützung ? VOT. Also sollte man sich eigentlich nicht mehr lange besinnen. Besonders in einem Zeitpunkte, da es überhaupt schwer halten dürfte, durch die steigenden Rationalisierungsmassnahmen und durch die Mechanisierung unserer Wirtschaft die Menschen noch zu beschäftigen. Auf dem Gebiete des Verkehrs liegen noch ungeahnte Möglichkeiten offen; sie zu fruktifizieren ist die kommende Aufgabe. Das Geld wäre nicht «auf die Strasse geworfen», sondern brächte gewiss höhern Zins, als ihn heute die Banken auszuschütten vermögen. Wir warten auf die Interessengruppen, die sich heute unverzüglich zusammenschliessen sollten, um .die wertvollen Gedanken verwirklichen und die volkswirtschaftlich bedeutsamen Projekte greifbare Gestalt annehmen zu lassen. • INSERTIOXS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; tur Anzeigen aus dem Ausland 60 Cti. Grßssere Inserate nach Seitentarif. Inserntenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Verkehrspolizei auf Landstrassen. Nach amerikanischem und englischem Muster sind in Deutschland und anderswo Kontrollen in Form fliegender Pölizeipatrouillen seitens der zuständigen Polizeibehörden eingerichtet worden, die den Zweck haben, Ordnung in den vielgestaltigen Verkehr auf den Landstrassen zu schaffen. Die Notwendigkeit zur Schaffung einer Landstrassen-Verkehrspolizei kann nicht ausschliesslich mit mangelnder Selbstdisziplin der Landstrassenbenützer begründet werden, wenngleich in der Tat sehr viele Personen zur Rücksichtnahme auf andere Menschen mit mehr oder weniger scharfen Mitteln erzogen werden müssen. Es ergibt sich aber die Dringlichkeit einer behördlichen Verkehrsüberwachung auf Landstrassen durch den immer mehr wachsenden Verkehr, der den einzelnen nicht immer Zeit und Ueberlegung lässt, von sich aus für einen reibungslosen und störungsfreien Verkehr Sorge zu tragen. Gerade die Tatsache, dass 'der disziplinierte Amerikaner schon seit Jahren Verkehrsposten auf Landstrassen und bewegliche Verkehrsbeamte, die auf Motorrädern alle viel befahrenen Durchgangsstrassen regelmässig abkontrollieren und für die Innehaltung der Verkehrsvorschriften sorgen, kennt, weist darauf hin. dass mit steigender Verkehrsentwicklung auch bei uns diese Einrichtung notwendig geworden ist. Es ist in erster Linie daran gedacht, dass die fliegenden Patrouillen erzieherisch wirken sollen, das heisst sie sollen nicht ihren Hauptzweck darin erblicken, möglichst viele Uebeltäter und Gesetzesübertreter zur Strecke zu bringen, sondern mehr darauf achten, dass die vielfach aus Unkenntnis oder aus mangelnder Ueberlegung nicht gehörig beachteten Verkehrs Vorschriften innegehalten werden. Im Laufe der Zeit wird man feststellen können, dass dieser erzieherische Einfluss mehr und mehr zur Wirkung gelangt und dass man auch auf den Landstrassen zu einer stärkeren, gegenseitigen Rücksichtnahme unter gleichen oder verschiedenen Verkehrsmitteln und Landstrassenbenützern gelangt. Die Aufgaben dieser Patrouillen sollen die folgenden sein: Die Fussgänger und Wagenbenützer müs- üamosi Roman von V. Williams. Atu dem Englischen fibersetzt von Otto Element. (32. Fortsetzung) Sie fand keinerlei Gefallen an Cannes und seinem geräuschvollen Kasinobetrieb. Die überhitzten Spielsäle mit ihren drängenden Massen von raffgierigen Gesichtern verursachten ihr Unbehagen, und über die aus Vornehmheit und aufgeschminkter Halbwelt zusammengewürfelte Gesellschaft in der Bar entrüstete sie sich. Sie war keineswegs prüde. Sie wusste, dass alle möglichen Fische im Netz einer Riviera-Spielbank zappeln; in einer andern Stimmung hätte sie vielleicht die Abwechslung der Bilder, die Pracht der Toiletten, der Nervenreiz des Hasardspiels gefesselt oder belustigt. Aber »Jean war ruhelos; und ihre Ruhelosigkeit machte sie tadelsüchtig. Nun weilte sie also hier in Cannes und wusste nicht weshalb. Und doch, wenn sie spazieren ging oder den Wellen zusah, die donnernd mit weissen Schaumkämmen gegen den Damm prallten, ertappte sie sich dabei, wie sie die Gesichter der ihr Begegnenden mustert, ob sie nicht zwei brennende Blauaugen in einem sonnengebräunten Gesicht erspähen könne ... Es wurden wöchentlich Listen mit dem Verzeichnis der Hotelbesucher herausgegeben. Sie kaufte sich eine und verbrachte eine öde Stunde mit ihrem vergleichlichen Studium. Sie ging mit der schwachen Hoffnung ins Kasino, Cradock vielleicht dort zu treffen, aber die Hoffnung erwies sich als trügerisch. Wenn sie nur gewusst hätte, was sie ihm sagen sollte! Denn dann hätte sie ihm ja schreiben können: Briefe postlagernd Cannes würden ihn, wenn die Auskunft des Kairoer Hotels stimmte, doch jedenfalls erreichen. Aber vermochte sie ihm die Frage zu beantworten, die er ihr sicher stellen würde, wenn sie sich wieder gegenüberstanden? Sie brauchte jemand, dem sie sich anvertrauen konnte. Sie hätte gern Rachel Hannington ihr Herz ausgeschüttet, aber sie fürchtete, bei deren etwas zynischen Lebensansichten nicht dem richtigen Verständnis zu begegnen. Und ausserdem: Was mochte ihr ein freundschaftlicher Rat nützen? Hier ging es um grundsätzliche Dinge, die sie selbst und allein entscheiden miisste. Sie erstand noch ein Kleid für das Souper bei Rachel. Gegen die Abendgewänder, die sie in Aegypten getragen, fühlte sie eine Abneigung. Dieses neue bestand aus plissiertem Crepe Georgette; es wirkte sehr schlicht und war daher ganz besonders teuer. «Madame sehen aus wie eine Braut!» hatte die hübsche Verkäuferin gesagt. Joan lächelte bitter; ihr Brautkleid hatte sie beim Tode Mark Averils verbrannt... Aber das Mädchen hatte recht, gab Joan zu, als sie am Donnerstag abend noch einmal in den Spiegel blickte, bevor sie hinunterging und in das wartende Auto stieg. Das Kleid verlieh ihr ein jugendlich-mädchenhaftes Aussehen. Das Auto ratterte rasch davon — an den Lichtern des Kasinos vorüber zum Hafen, wo weisse Jachten in langen Reihen längs des Ufers verankert waren, und federte auf der Strasse von La Bocca am Meeresstrande dahin. Nach einer Weile verlangsamte es sein Tempo und bog in einen Weg zwischen den Mauern und Villen ein. die hinter hohen Bäumen hervorlugten. Dann wieder kam eine steil ansteigende Strasse, unter einem Blättergewölbe. Als sie an zwei Granitsäulen vorbeifuhren, spritzte der Schlamm unter den Reifen der schweren Limousine hervor. Im Hinauslehnen sah Joan ein weisses Haus mit grünen Fensterläden im Lichtkegel der Scheinwerfer auftauchen. Ueber dem Tor glänzte ein beleuchtetes Fenster; sonst aber lag die Villa in Finsternis. Keine anderen Automobile waren an der Auffahrt zu erblicken. Spassig, dachte Joan; da kam sie also wirklich einmal pünktlich als erste an! Der Chauffeur half ihr beim Aussteigen. Er hatte den Motor nicht abgestellt, und sobald sie draussen stand, schlug er die Wagentür zu, sprang auf den Lenkersitz und glitt lautlos um die Ecke zur Rückseite des Gebäudes. Ein elektrisches Licht glomm an der Vortreppe. Gespenstisch öffnete sich das Haustor. Da niemand sichtbar war, schritt Joan hinein. Die Tür hinter ihr fiel zu. Sie sah sich um und erblickte einen Neger. Er war in Abendkleidung, schien sich aber in seinem Anzug sehr unbehaglich zu fühlen. Als Joan in sein dunkles, mürrisches Gesicht blickte,, meinte sie, den Mann schon irgendwann gesehen zu haben. Ein plötzliches Gefühl des Grauens stieg in ihr hoch. Rachel Hannington konnte natürlich einen schwarzen Diener haben, aber dergleichen Leute gaben sich meist lächelnd, dienstbeflissen und geschäftig und waren nicht solch ungeschickte, finster blikkende Wilde wie dieser Kerl hier. War sie versehentlich in ein falsches Haus geraten? Unmöglich! Rachel hatte doch ihr eigenes Auto geschickt, um sie abzuholen. Da sagte eine wohlbekannte Stimme hinter ihr: «Guten Abend, Frau Averil!» «Said Hussein !» In jähem Entsetzen wandte sich Joan wieder zur Tür. Doch dort hatte sich drohend der Neger aufgepflanzt! — Sie riss sich zusammen, um ihre Fassung zu bewahren. Aber die weisse Halle schien sich um sie zu drehen. «Wie wunderschön Sie sind!» Sie träumte nicht! Es war wirklich Husseins gleissnerische Stimme. Er stand am Fuss der Treppe, in tadellosem Smoking, der eine der schwarzen Perlen seiner Hemdenbrust sehen Hess. Er hielt die Hände verschlungen und sagte, während sich ihr Busen hob und senkte, nochmals und wieder: Wunderschön, wunderschön!» Sie hüllte sich fester in ihren Mantel und versuchte, der Situation mit Ruhe beizukommen. «Ich bin scheinbar in das unrichtige Haus geraten. Dieses gehört nicht Rachel Hannington?»