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E_1931_Zeitung_Nr.030

E_1931_Zeitung_Nr.030

den Kurven die Fahrbahn

den Kurven die Fahrbahn etwas zu verbreitern. Dies© Verbreiterung soll auf der innern Seite erfolgen. Sicherungen am Strassenrand. Als weitere Sicherung des Verkehrs ist die Kennzeichnung des Strassenrandes, Sichtbarmachung der Kurven aus grösserer Distanz, Kennzeichnung aller andern Hindernisse, wie Bahnübergänge, Hauptstrassen usw. Damit aber der Verkehr auf den Hauptverkehrsstrassen nicht gehindert bzw. verlangsamt wird, sollen nicht die untergeordneten Nebenwege auf der Hauptstrasse gekennzeichnet werden, sondern es ist auf diesen das entsprechende Zeichen «Kreuzung mit der Hauptstrasse» anzubringen und der in die Hauptstrasse Einlenkende soll sich vorerst über die freie Einfahrt vergewissern. Der Strassenrand selbst kann mit Geländern, deren Pfosten weiss und die Röhren schwarz gestrichen sind, mit Bäumen, Wehrsteinen oder Holzpfosten, die ebenfalls weiss gestrichen und rat einem schwarzen Ring versehen sind, sichtbar gemacht werden. In den Kurven ist der äussere Rand durch sogenannte Bretterblenden, in abwechslungsweise schwarze und weisse Felder getrennt, Holzpfosten oder Hecken von Tännchen oder Hainbuchen etc. sichtbar zu machen. Diese Bretterblenden, Pfosten etc. sollen aber so erstellt werden, dass sie unbedingt in den Bereich der Scheinwerfer fallen, um des Nachts ihre Wirkung ebenfalls zu haben. Im übrigen sind diese Zeichen nicht zu tief und nicht zu hoch zu machen und soll dabei auf Augenhöhe des Fahrers Rücksicht genommen werden. Die Hecken sind aus starken Pflanzen zu errichten, wenn sie die Wirkung nicht verfehlen sollen und unter Umständen sogar ein auf Abwege geratenes Fahrzeug aufzuhalten haben. Die Pflege dieser Hecken soll ebenfalls nicht vernachlässigt werden. Sicherung von Niveauübergängen. Die Bahnübergänge sind rechtzeitig und deutlich zu kennzeichnen, d. h. in bestimmter Entfernung vom Hindernis soll das Gefahrenzeichen aufgestellt werden. Als Radikalmittel zur Sicherung vor Bahnübergängen muss natürlich die Aufhebung der Niveauübergänge erwähnt werden. Doch die 'Beseitigung aller Uebergänge verursacht so viele Kosten, dass nur einer nach dem andern verschwindet und oft erst dann, wenn ein solcher Uebergang für den Verkehr nicht' mehr haltbar ist. In erfreulicher Weise geht es in der Schweiz vorwärts mit der .Aufhebung der gefährlichsten Uebergänge, aber noch Millionen von Franken werden aufzubringen sein, bis einigermassen die hauptsächlichsten verschwunden sind. Wie wäre es, wenn ein Teil des Benzinzolles hiezu in Zukunft verwendet werden könnte, ohne den Kantonen den bisher bewilligten Anteil am Benzinzoll zu schmälern ? Da die Beseitigung der Niveauübergänge ohne Zweifel nicht alleiniges Interesse der Bahnen ist, so dürfte gegenseitige Unterstützung der Bahnen, Bund, Kantone und unter Umständen auch Städte und Ortschaften vieles beitragen zur Behebung eines der grössten Uebelstände im Verkehr. Rasche Orientierung. Ein weiterer nicht ausser acht zu lassender Punkt ist der, dem Fahrzeuglenker stets rasche Orientierung zu ermöglichen, so bei Abzweigungen, Kreuzungen von Strassen und auf grossen Plätzen. Es heisst also AUTOMOBIL-REVUE 1931 - Orientierungsmöglichkeit schaffen auf den Ueberlandstrecken wie in den Städten und Ortschaften. Die Hauptstrassen als solche sollten daher mit einheitlichen Wegweisern und Warnungszeichen versehen werden. Diese Zeichen sind zweckmässig, gut sichtbar und wenn möglich ebenfalls auf Augenhöhe des Fahrers anzubringen. Es hat, wie konstatiert werden darf, bereits ein intensiver Zug zur Anbringung von Wegweisern begonnen. Punkto Farbe, Schrift und Form bestehen gelungene Vorschläge. Wenn sich aber nur in der Schweiz der Verkehr in Zukunft reibungslos abwickeln soll, so wird es als grösste Wichtigkeit erachtet, in den 22 Kantonen endlich einmal etwas Einheitliches in Bezug auf Verkehrsverordnung, Orientierungsmöglichkeit und weitere Signalisiening zustande zu bringen. Es sollte nicht vorkommen, dass z.B. ein und dasselbe Zeichen in verschiedenen Städten wieder andere Bedeutung hat; ich nenne das Zeichen rote runde Tafel mit weissem Balken. Diese Tafel wird als Fahrverbot und als Embahrtstrasse verwendet. Wer will hier sich noch zurechtfinden ? Die internationale Strassenverkehrskonferenz hat nun etwas Definitives schaffen können, mit dem wir vorläufig zufrieden sein wollen. Zur bessern Orientierung kann auch eine Numerierung der Strassen und in der Folge die Erstellung einer Karte mit der Eintragung der Nummern Vieles beitragen. Alle längs den Strassen aufgestellten Reklamen sind für den Verkehr in gewisser Beziehung lästig und bilden auch eine Gefahrenquelle. Die vielen Reklamen können daher, hauptsächlich in Orten den Fahrzeuglenker ablenken oder in Verwirrung bringen. Daher sollte für die Reklamen überhaupt keine Farbe geduldet werden, die mit den Farben der Strassensignale übereinstimmen. Ebenso wäre es angezeigt, wenn innerhalb einem Abstande von 4,5 bis 5 m von der Strasse entfernt Reklamen verboten werden. Numerierung der Strassen. Die Numerierung der Strassen kann aber auch ersetzt werden durch eine gute deutliche Strassenkarte. Es ist nicht ausgeschlossen, dass in Verbindung mit den grossen Automobilverbänden, Strassenfachmännern usw. sich mit der Zeit eine vorzügliche Orientierung schaffen lässt. Aus den Ausführungen geht hervor, dass trotzdem heute viel getan wird im Sicherungswesen für den Strassenverkehr, noch vieles getan werden muss, und wenn es sich nur um Kleinigkeiten handelt, so dürfen sie unbedingt nicht vernachlässigt werden. Die Hauptsache aber wäre die, dass alles einheitlich durchgeführt werden sollte und wenn es international nicht möglich ist, so muss wenigstens ein so kleiner Staat wie die Schweiz endlich doch einmal etwas Einheitliches schaffen. E. M. Bessere Aussichten in der amerikanischen Automobilindustrie. Wie sehr dieser Industriezweig als massgebender Faktor für das amerikanische Wirtschaftsleben betrachtet wird, geht aus der von der Börse mit Argusaugen verfolgten Entwicklung hervor. Seit einigen Tagen bekundet die New Yorker Börse ein bemerkenswertes Interesse für Automobilaktien, die seit 3 Wochen meistenteils im Mittelpunkt des Börsengeschäftes stehen und infolge der lebhaften Nachfrage fast durchwegs kräftigere Kurse herausholen können. Die in nachstehender Tabelle veranschaulichte Aufwärtsbewegung der Automobilaktien, die sieh gegenüber dem Kurstiefstande von Mitte Dezember 1930 um rund 25 Prozent befestigt haben, muss einigermassen über- raschen, wenn man die äusserst ungünstigen Abschlüsse für das Krisenjahr 1930 überhaupt beiseite lassend in Betracht zieht, dass auch Januar und Februar der Automobilindustrie die erhoffte Geschäftsbelebung noch nicht brachten. Kotierung General Motors Chrysler Hudson-Essex Packard Studebaker Nash Mitte Mär* NO 30 Anfang Mär» 1930 1931 33.25 43% 15.75 2VÄ 21.50 22M 8.50 10% 20.12 23^ 24.00 35 Der Absatz der beiden Automobilgrosskonzerne Amerikas ist im Januar 1931 erheblich hinter dem Vorjahresergebnis zurückgeblieben. Etwas freundlicher lassen sich dann die Ergebnisse für den Monat Februar ansehen. Man rechnet für den März mit einer noch stärkeren Zunahme, so dass für das erste Quartal 1931 mit einer um 40 Prozent höheren Produktion gegenüber dem 4. Quartal 1930 kalkuliert wird. Die Ursache des plötzlichen Stimmungsumschwunges in Wall Street gegenüber den Automobilaktien ist in erster Linie auf Berichte zurückzuführen, die auf eine Geschäftsbesserung in allerletzter Zeit ninweisen. Darunter sind insbesondere die letzten Ausweise über den Beschäftigungsgrad in der Stahl- und Eisenindustrie zu zählen, die übereinstimmend eine derartige Zunahme der Stahlkäufe der Automobilwerke verzeichnen. Ob die Belebung des Auftragseinganges aus der Automobilindustrie tatsächlich den Beginn eines allgemeinen Wirtschaftsaufstieges anzeigt, lässt sich zur Zeit noch nicht mit Sicherheit feststellen. Aus den umfangreichen Bestellungen darf man jedenfalls schliessen, dass sich in Kreisen der amerikanischen Automobilindustriellen über das Mass der saisonmässig zu erwartenden Absatzbelebung hinaus wieder ein gewisser Optimismus bemerkbar macht. In diese Linie ist die Nachricht der Fordwerke einzureihen, wonach sie vom 3-Tagebetrieb zu der üblichen 5Tage- Arbeitswoche überzugehen gedenken. Auch andere Automobilgesellschaften haben in der letzten Zeit Betriebserweiterungen angekündigt. Die Bedeutung einer eventuellen Besserung in dieser Branche wird durch die überragende Stellung in der amerikanischen Wirtschaft genügend bezeichnet. Wy. gegen die Motorenabnützung Band III Taschenbuch um Automobilfahrer Uebersiohtljche Technika des Automobilisten und derer, die es werden wollen. Frels hr

Bern, Dienstag 7. April 1931 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 30 Autofahrt ins Indianerpueblo Von F. J. Lentz. Die nachfolgende Skizze ist dem im Verlag Ton Strecker und Schröder (Stuttgart) erschienenen Werk «Aus dem Hochlande der Maya> entnommen. Dieses umfangreiche, mit herrlichen, zum Teil farbigen Aufnahmen versehene, zur Zeit einzige Guatemala-Buch gibt in anschaulicher Weise ein vollkommen gerundetes Bild von Natur und Menschen eines Landes, das zu den schönsten und interessantesten der Erde zählt. Das Auto bringt uns, wenn auch nach mancherlei kleinen Schrecknissen, die eben das Leben hier erst lebenswert machen, des Abends getreu wie die Mula zu jenen behaglichen Ladinoörtchen mit Plaza, Kirche, kleinem Markt und Pila, wo aus dem reichsten Hause ein grausam verstimmtes Klavier tönt und die Nachbarn auf der Schwelle Neuigkeiten und Scherze erzählen; so von den Töchtern jener bekannten Familie, die ihr schwarzes indianisches Haar mit künstlichen Mitteln in blondes verwandeln wollten, aber fuchsrot dabei wurden; und einer setzt hinzu, damit sei es wie ehemals mit dem Erdessen, das manche Eingeborenen heute noch trieben, um eine weisse Hautfarbe zu erzielen; und man führt den Fremden zu einem Verschlag, in dem die erste Sehenswürdigkeit des Ortes steht, ein Automobil, das vom grossen Fortschritt zeugt; es ist wahrhaftig eine staunenswerte Leistung •des menschlichen Unternehmungsgeistes, bei den Wegeverhältnissen sich so etwas anzuschaffen; man projektiert elektrisches Licht, diskutiert mit schwingendem Pathos herzustellende Verbindungen mit Nachbarorten und Pariser und nordamerikanische Moden und bleibt sich mit einer gewissen Resignation der Enge seines Gesichtskreises bewusst, der überdies noch beschränkter ist bei so vielen unserer guten Landsleute in der Heimat, deren hauptsächliche Geistes- Ramosi Von V. Williams. Ana dem Englischen übersetzt von Otto BJement. CFoTtsetzunt: aus dem Hauptblatt.') Im ersten Stock, vor einer Tür der Treppe gegenüber, wartete der Prinz und führte sie in ein matt beleuchtetes, violettes Zimmer, dessen Wände bis zur Decke mit Büchern bekleidet waren. In der Mitte stand ein Schreibtisch und dahinter sah man, halb Verborgen, eine zweite Tür. Hussein wies auf ein schwarzseidenes Sofa. Auf dem Schreibtisch standen eine Flasche Champagner und ein paar Gläser auf einem Tablett. Er füllte ein Glas und reichte es Joan. Sie lehnte schweigend ab und beobachtete ihn gespannt aus ihrem Sofawinkel, während er das Weinglas unberührt wieder zurückstellte und sich dann in den Lehnstuhl an den Schreibtisch setzte. Er zündete eine Zigarette an und neigte sich vor. «Ich weiss, dass ich mich scheusslich gegen Sie betragen habe, Joan, doch es arbeit darin besteht, immerzu auszuforschen, dass der lieb« Nächste zu viel freie Zeit hat und noch lange nicht genügend Steuern zahlt... In Ruhe und Gleichmut werden vom Lädino die wenigen Geschäfte erledigt, und wenn der Fremde kommt, pflegt man Gastlichkeit in angenehmen, freundlichen Verkehrsformen, im Haus, bei Tisch, im Hotel, auf der Strasse, wie zur Urgrossväterzeit; nur dass an Stelle der guten gelben Postkutsche das staubbedeckte Auto in die Strassen hereinschwankt, dessen Fahrten allerdings noch weit romantischer sind als die jenes vielbesungenen Dekorationsstückes der Biedermeierepoche. Wir rollen in ein enges Bergnest hinunter: San Jago-Sacatepequez, und alles, was an den Hausmauern und Schwellen sitzt, zieht auch hier eiligst die Füisse zurück, damit wir unbeschädigt hindurchkommen. An einer Riesenpila wimmelt es von roten Huipiles — ich sah Pilas in Guatemala von 600 Quadratmeter Wasserfläche. Oben schimmert San Bartolome in gelbrotem Schein auf der Höhe. Dort gedeiht eine gute Birnenart, die man auch in der Hauptstadt auf dem Markt sieht, eine Merkwürdigkeit in tropischen Landen. Die Aepfel der Tierra fria sind noch geringer als die kalifornischen, die heute in Europa auf die Märkte gelangen. Heisse, blendende Berglehnen folgen. In einem Engpasis reisst sich ein grosser Mulatrupp von den Arrieros los und trabt in irrsinnigen Aengsten vor uns her, ohne einen rettenden Seitenweg zu finden: wir verlangsamen unsere Gangart, die Mulas ebenfalls; wir fahren schneller, sie traben von neuem an; wir versuchen zu überholen, sie rasen in erneutem Entsetzen mit verdoppelten Kräften bergan; in gleichbleibender, wohlgewahrter Distanz von fünfzig Schritt galoppieren sie Kilometer um Kilometer vor uns her, ihr Hinterteil, ihre Lasten, ihre langen Ohren springen auf und ab, bald flotter, bald langsamer, je nach unserer Geschwindigkeit, in den wehenden Staubwolken, die sie rückwärtswerfend fort und fort in unser Gesieht schleudern. So geht's eine Legua nach der anderen; an die mit leeren Händen zurückgebliebenen Arrieros denkt keiner mehr. Die seltsame Kolonne, zwanzig galoppierende Mulas und ein Auto hinterher, braust durch mehrere Dörfer, wo die Ladinos von den Türen aus belustigt dem Schauspiel zusehen. Es gelingt nicht, die Tiere vom Weg. abzubringen; ein grosser Zug Karreten kommt uns wieder entgegen; wir jagen gemeinsam zum Staunen der Menschen vorbei, als ob wir zueinander gehörten. Dann erscheint ein anderer Lasttiertransport; wir durchkreuzen auch ihn geschlossen; die uns entgegenkommenden Tiere lassen sich entsetzt einen steilen Hang hinabgleiten oder stellen die Vorderfüsse verzweifelt auf die senkrechte Böschung und warten mit scheuem Rückwärtsblick das Vorüberrasen unseres Geisterzuges ab. Das Land starrt in Dürre; beiderseits Kiefernwald, Bachrunsen, trockene Talwannen; dann ein kleines Wässerlein und daran dichtes Grün und Hütten. Ueber allem trockenen Staub stehen ferne tiefblaue Bergkämme von hellen Wolken umlagert und trösten uns, dass diese Wüste ihre Grenzen hat. Grosse Maisgebreite erscheinen; plötzlich erheben sich über dem •weitgebreiteten Dunst die hohen-Vulkane,* rein, tief, dunkel und ernst. Der Weg windet sich auf und ab; wir müssen durch Flüsse; die Mulas sind endlich verschwunden. Hinter Grün und Maiszäunen liegt das Dorf Zumpango, eine von Alvarado gegründete Siedlung. Hier auf diesen freien, fruchtbaren Gefilden lernten die indianischen Naturkinder gründlich die Tücken mancher ihrer weissen Unterwerf er kennen. Auf den Höhen liegen vergessene Tumuli; in der Nähe, bei Paizicia, fand man ein Riesenidol des Quezalcoatl. Frauen und Männer pressen sich vor unserem Wagen in die Zäune zurück, Mädchen stürzen aus den Ranchos, um das lärmende Gefährt zu sehen, oder stecken ihre hübschen oder hässlichen Gesichter durch die Maisstäbe; Weiber und Kinder reissen Hunde, Hühner und Sehweine zu sich zusammen und halten ihre lebendige Habe verzweiflungsvoll fest, dass sie nicht unter die Räder gerate. Aber alles lacht uns vergnügt an; Buben eilen herbei, suchen Schritt zu halten und klatschen im Uebermass des Entzückens wie besessen in die Hände; man war nicht meine Schuld. Sie haben mich vom ersten Augenblick an bezaubert, als ich Sie sah. Man nennt mich einen Frauenkenner, aber Sie sind in so vielem anders als Ihre Evaschwestern, und bei Ihnen haben alle meine Bemühungen mich nicht weitergebracht. Wir waren gute Freunde — und sonst nichts. Jedesmal, wenn ich trachtete, das Weib in Ihnen zu wecken, stiess ich auf Schranken aus Eis. Das hat mich halb wahnsinnig gemacht...» Er streifte die Asche von seiner Zigarette und betrachtete ihr glühendes Ende. «Ich habe in meinem Leben manche Frau geliebt, aber keine so begehrt wie Sie.. Sie haben es nicht gemerkt oder nicht merken wollen. Sie wissen nicht, welche Anstrengungen es mich schon an Bord des Schifies kostete, mich im Zaum zu halten. An jenem Abend dann, als Sie mit den Richboroughs bei mir zu Gaste waren und wir nachher mitsammen in den Garten gingen — nun — da habe ich beschlossen, dass Sie mein sein sollten. Ich war bestrebt, Ihnen auf europäische Art meine heisse Verehrung anzudeuten, langsam, behutsam, als sei eine Frau eine Blüte, die bei der Berührung vergeht, und nicht ein Lebewesen mit pulsendem Blut. Aber Ihre Kälte blieb. Ich versuchte es mit jubelt und schreit; das knatternde Ding macht ihnen neidlose, herzliche Freude; man wirft Stöcke, reisst Hüte vom Kopf und schleudert sie in den Weg, um zu sehen, wie die Gummiräder darüber hinwegschnurren; auch Steine fliegen, es Romantischer Den Weltrekord der Geschwindigkeit brechen, 395 Kilometer in der Stunde machen, mit dem Leben davonkommen dort, wo Segrave gestorben ist, das, sollte man meinen, ist doch Abenteuer genug für einen Mann ! Aber nicht für Sir Malcolm Campbell. Soeben kommt — wie die «B. Z.» aus London erfährt — ein Buch von ihm heraus mit dem Titel « Mein grösstes Abenteuer». Und behandelt nicht seine halsbrecherische Autoleistung in Daytona Beach, sondern seine Schatzsuche auf der Kokos-Insel. Und wie es sich herausstellt, hat der tüchtige Mann vor, sehr bald ein noch grösseres Abenteuer zu erleben: 1925 hat er nach dem Schatz nur gesucht, 1931 aber will er ihn finden. Die Kokos-Insel liegt im südlichen Stillen Ozean, etwa auf dem halben Wege zwischen den Galapagos-Inseln und dem Panama-Kanal. Die Länder, denen sie am nächsten liegt, sind Costarica und Columbia. Aber sie liegt von jeder Küste mindestens 800 Kilometer entfernt. Die Geschichte des 250-Millionen-Frankenschatzes führt zurück in die südamerikanischen Freiheitskriege. Als Simon Bolivarl813 .auf Caracas marschierte in jenem unvergesslichen Feldzug, der ihm den Titel des Befreiers eintragen sollte, flüchteten die spanischen Bewohner einiger südamerikanischen Städte mit ihren unermesslichen Schätzen, die zum Teil noch aus der Inkazeit stammten, auf das englische Schiff « Mary Dyer ». Goldbarren aus den Banken wurden an Bord des englischen Kauffahrers geschleppt, viele Säekeyell gemünzten Goldes, Goldschüsseln, t?oTfcFglsfpse, Juwelen und' zwei Holzkisten, mit der goldenen Muttergottes und dem goldenen Jesuskind. Der Kapitän der «Mary Dyer», Thompson, sah die Schätze, sah die Spanier, fasste einen Entschluss und führte ihn gleich aus. Er ljess den Spaniern im Schlaie die Kehlen durchschneiden und segelte mit den unermesslichen Schätzen nach der Kokos-Insel. Kapitän Thompson war kein Pirat. Aber er wurde es. Die Kokos-Insel wurde seine Pirateninsel. Er verbarg seine Schätze mit seiner Mannschaft in einer Höhle, vor deren Eingang eine solide schwarze Felsplatte gewälzt wurde, die mittels eines Hebebaumes bewegt werden konnte. Diesen Hebebaum versorgte er in einem Loch der Felsenwand. Das Geheimnis der Schatzhöhle. Zwei Matrosen des Kapitäns Thompson kehrten später auf die Kokos-Insel zurück; sie hatten sich eine Skizze zu verschaffen ge^ wusst, aus der die Lage der Schatzhöhle mit einiger Genauigkeit zu etsehen war, fanden einem Geschenk, einer Kleinigkeit nur, aber einzig in ihrer Art. Ich kannte Frauen des Westens, deren Herzen ein solcher Smaragd geöffnet hätte. Aber wieder besiegten Sie mich. Oft habe ich mich gefragt, wie es mir damals in jener Nacht gelungen ist, meine Gefühle zu bezähmen. Vielleicht hatte mich Ihre Kälte entwaffnet. Doch ich weiss, dass ich, nachdem Sie gegangen waren, im Marmorhof auf und ab raste wie ein Verzweifelter... .» Er warf die Zigarette fort und trommelte wild mit den Fingern auf der Platte des Schreibtisches, als ringe er nach Selbstbeherrschung. Starr, mit einer Apathie völliger Hilflosigkeit, lauschte Joan den erregten Worten, während seine langen, schlanken Finger klopften und klopften. «Ihr Frauen des Westens wisst nicht, was Liebe ist. Ich sagte Ihnen das schon damals — erinnern Sie sich. Ihr küsst und heiratet, bringt Kinder zur Welt und sinkt ins Grab, ohne euch jemals aus eurer unerschütterlichen Ruhe aufrütteln zu lassen. Und doch, Sie... Sie... haben die Fähigkeit, zu lieben. Ihre Beherrschtheit und Ihre Kälte sind nur ein Schild, den Sie zwischen Ihr glutfähiges Herz und die Welt stellen. Aber Ihre Augen kön kommt nicht darauf an; hätten sie Bomben, sie würfen sie mit derselben Begeisterung unter den Wagen und freuten sich unbändig, wenn das fabelhafte Spielzeug in tausend Stücke fliegen und alle Insassen die Hälse brechen würden... Geschwindigkeitskönig Sir Malcolm Campbell, der Schatzgräber. die Höhle, es gelang ihnen sogar, die schwarze Felsplatte mittels des Hebebaumes, den sie auch fanden, um ihre Achse zu bewegen, ja, sie wollen sogar die Schätze gesehen haben. Sie wollen etwas gesehen haben, was sie an Aladins Wunderhöhle erinnerte. Ob diese zwei Matrosen etwas von den Schätzen an sich nehmen konnten, weiss man nicht. Man erzählt sich von ihnen nur, dass sie später von unbekannten Seeleuten auf einer vollkommen öden und menschenleeren Insel des Stillen Ozeans ausgesetzt wurden, wo sie offenbar elend ums Leben kamen. Aber 80 Jahre später, um die Jahrhundertwende, tauchte jene Skizze des Weges, der zur Schatzhöhle führen soll, wieder auf. Sie befindet sich in Sir Malcolm Campbells Besitz. Vor sechs Jahren hielt sich Campbell eine Woche lang auf der Kokos-Insel auf; diese Woche schildert er in seinem Buch. Es war unerträglich warm, um 45 Grad herum; man musste sich durch ein fast undurchdringliches Dschungel mit der Axt den Weg bahnen, über steile Hügelabhänge steigen und, in Ermangelung von Wasser, Kokosmilch trinken. Schlieslich schlug das Wetter um, und man musste das Unternehmen aufgeben. Immerhin hatte man zwei Dinge gefunden, die die Hoffnung nicht sinken Hessen: eine Piratenschaufel und einen Sonnentempel der Inkazeit. Sir Malcolm beschloss, zurückzukehren. Nur verschob sich seine Rückkehr immer wieder, weil er inzwischen den Weltrekord der Autageschwindigkeit aufstellen musste. Die Expedition zusammengestellt. Nun, da er das geschafft hat, lebt der Schatzsucheplan wieder auf: «Selbstverständlich,» erklärte er, «werde ich nicht auf die 'Schatzsuche gehen, wenn das Britische Reich mich an anderer Stelle brauchen kann. Vielleicht gehe ich nach Neu-Seeland und versuche, der britischen Autoindustrie neue Absatzmöglichkeiten zu verschaffen. Und wenn ich nicht nach der Kokos-Insel fahren kann, mache ich einen Sprung nach Westafrika, wo es auch verborgene Schätze gibt; ich möchte nicht sagen, wo. Die Kokos-Insel würde ich aus Gründen des Klimas erst gegen Ende des Jahres besuchen. Sir Malcolm tut geheimnisvoll, aber man weiss, dass er seine kleine Expedition schon zusammengestellt hat. Sie wird nur aus ganz wenigen Teilnehmern bestehen, aber mit den modernsten Instrumenten ausgerüstet sein, auch mit Wünschelruten. Warum sollte er's nicht schaffen ? Die 395 Kilometer waren nicht unwahrscheinlicher als der 250-Millionen-Schatz. nen Sie nicht verhüllen. Und Ihre Augen sind hungrig. Sie hungern nach Liebe....» Langsam fasste sie wieder Mut. Wenn er nur dort blieb, wo er war. Solange sich der Schreibtisch zwischen ihnen befand, hatte sie nichts zu fürchten. Aber wenn er näher kam, wenn diese Basiliskenaugen über den ihren glühten, meinte sie, dass ihr Herz aufhören müsse zu schlagen. Worauf nur zielte er hin? Und warum, warum dieses fortwährende Trommeln mit den Fingern? Sie hatte sich von ihren Gedanken ablenken lassen. «... Ein Motorboot erwartet uns am Fusse des Felsens, drei Minuten von hier. Es bringt uns zu meiner Jacht — sie liegt bei Golf Jouan dampfklar vor Anker. Wir fahren irgendwohin — nur wir beide — Sie und ich. Und ich will Ihnen den Himmel auf Erden bereiten!» Er schwieg und blickte sie erwartungsvoll an. Was war das für ein wahnwitziger Vorschlag? Wild hämmerten ihre Pulse. Er hatte sich erhoben — ging langsam um den Schreibtisch — setzte sich neben sie. «Wenn Sie wollen, dass ich Sie heirate — nichts stünde dem entgegen. Wir werden (Fortsetzung siehe Seite 21.)