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E_1931_Zeitung_Nr.032

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 14. April 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 32 ERSTE Zentrallblsft Wir stehen, vor der Fremdensaison. In Tausenden von Exemplaren schwirren unsere Reklamen in Form von Plakaten, Reiseführern, Hotelprospekten usw. ins Ausland. Die Summen, die hiefür ausgegeben werden, sind jedenfalls gewaltig. Die interessierten Kreise hoffen jedoch auf die Fruktifizierung der ausgegebenen Mittel. Bundesbahnen und Post stehen mit ihrer Reklame nicht nach. So wird eigentlich nichts unterlassen, um unser Land dem Verkehr zu erschliessen und das Minus unserer Handelsbilanz durch Hebung unserer Fremdenindustfie zu verkleinern. Wir betrachten es als überflüssig, auf das wirtschaftliche Problem der ganzen Frage näher einzutreten. Jedes Schulkind kennt nachgerade die Bedeutung dieses Zweiges unserer Volkswirtschaft. Mit dem Gedeihen unserer Hotelindustrie und unserer Fremdenplätze hängt das Wohl und Weh unserer Landwirtschaft und unseres Gewerbes aufs engste zusammen. Nur allzu gerne jedoch vergisst man, dass heute ein grosser Teil der Fremdengäste nicht mehr per Eisenbahn, sondern im eigenen Automobil zu uns reist. Die Berechnungen der letzten Jahre haben den steigenden Automobiltourismus in Zahlen unzweideutig festgelegt. Dessen Bedeutung wächst für unser Land von Jahr zu Jahr in die Millionen von Franken. Im letzten Jahre allein sind von den fremden Automobilisten schätzungsweise nicht weniger als 60 Millionen Franken zurückgelassen •worden, Die Behauptung, der Automobilist jage von Ortschaft zu Ortschaft und durchquere unser Land in ein bis zwei Tagen, hält gegenüber den Tatsachen nicht stand. Zugegeben sei, dass der Fremde der Nachkriegszeit nicht mehr der gleiche, wie derjenige der Vorkriegszeit ist. Das beschauliche Ferienleben hat der Wanderung, der Fahrt, der sportlichen Betätigung weichen müssen. Die heutige Generation will anschauen, will sehen und in der Betätigung das Erlebnis finden. Unsere Fremdeplätze haben sich anders einstellen müssen. Neben dem modernen Zimmer mit dem fliessenden Wasser dürfen Strandbad, Golfplatz, Tennisplatz usw. nicht fehlen. SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlieh „Gelbe tlste" HMbltbriteh Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Autland unter Portososchlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern totem nicht postamtlicb bestellt. Zuschlag !ür postamtltche BMtellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung UI/414. Telephon Bollwerk 89.84 Telegramm-Adresse! Autoreyue, Bern Verkelirswerbung im Ausland Aber auch die gute, sorgfältig ausgebaute Strasse muss da sein. Nicht um einer durchgehenden «Invasion» fremder Autos zu genügen, sondern um den Fremden die Schönheiten unseres Landes zu erschliessen und ihn auch in abgelegenere Gegenden zu führen. Wie gewaltig das Automobil die Fremdenindustrie zu heben vermag, zeigt wohl am deutlichsten der Kt. Graubünden, der seit Oeffnung der Strassen für das Automobil wirtschaftlich einen neuen erfreulichen Aufschwung genommen hat. In dieser Beziehung heisst es, unsere Verkehrs- und Fremdenfragen nicht mehr einseitig nach alten Verkehrsmöglichkeiten bewerten und beurteilen zu wollen, sondern nach dem Zug der Zeit sich fortschrittlich einzustellen. Wir können am Beispiele des Auslandes immer wieder lernen. Die gewaltigen Bestrebungen der nachbarlichen Länder zeigen uns deutlich, unter welchen Kraftanstrengungen der Fremdenverkehr diesen Staaten gesichert werden soll. Ganz besonders haben die meisten europäischen Staaten frühzeitig die Wichtigkeit gut erhaltener und gut ausgebauter Strassen erkannt und deshalb keine Gelder gescheut, um durch ein grosszügig angelegtes Strassennetz den Automobilverkehr und damit den Fremdenverkehr an sich zu ziehen. Reisen nach Frankreich, Italien, Oesterreich, Ungarn, nach der Tschechoslowakei und nach Süd-Bayern bewiesen^hs mit aller Deutlichkeit, dass die Schweiz die ernsten Bestrebungen der Nachbarländer zur Förderung ihres Fremdenverkehrs nicht unterschätzen darf. Mit unseren schönen Tälern und Seen, mit unseren Alpen, Wäldern und Höhen allein ist es nicht mehr getan. Zur Erhaltung unseres Fremdenstromes leisten wir aber im Grunde genommen sehr wenig. Wir haben allerdings den Publizitätsdienst der Schweiz. Bundesbahnen, der gewiss in vorteilhaftester Weise für die Bahnen arbeitet. Auf der anderen Seite benützen wir die Schweiz. Verkehrszentrale, die sich bis heute jedoch nur teilweise mit dem Automobiltourismus befasst hat. Eine Zeitlang war die Frage akut, ob die beiden Propagandazentralen nicht zu vereinigen wären. Glücklicherweise wurde bis heute der Gedanke nicht realisiert. Wir glauben nicht, dass er zu einem sichtbaren Erfolge geführt hätte. Eisenbahn und Automobil sind Konkurrenten. Das liegt im Charakter der beiden Verkehrsarten. Man kann den Bahnen nicht zumuten, ihrer Konkurrenz von heute mit einer ausgedehnten Propagandatätigkeit zu dienen und sich damit eigentlich den Lebensnerv selber zu durchschneiden. Vielleicht Hesse sich die Frage auf eine andere Art und Weise lösen. Der Publizitätsdienst der Bahn arbeite weiterhin für seine Interessen. Dagegen könnte die Verkehrszentrale sich ausschliesslicher auf den Automobil- und Fremdenverkehr einstellen. Eine Zusammenarbeit mit den beiden schweizerischen Automobilclubs und der Fachpresse wäre sicherlich eine leichte Sache. In den 15 Weltstaaten, in welchen Verkehrsbureaus unterhalten werden, könnte damit für den Automobiltourismus in unserem Lande anhaltend geworben werden. Um die Werbung In letzter Zeit werden in der glarnischen Presse wieder in vermehrtem Masse Stimmen laut, die sich mit dem Projekt der Walenseestrasse befassen. Es kann als bekannt vorausgesetzt werden, dass zwei Projekte zur Diskussion stehen. Das eine, das hauptsächlich vom Kanton St. Gallen unterstützt wird, befürwortet eine nordseitige Walenseestrasse, während das zweite eine Strasse am Südufer des Sees vorsieht, und das lebhaft von glarnerischer Seite propagiert wird. Die beiden indirekt interessierten Kantone Zürich und Graubünden legen sich weniger auf das eine oder andere Projekt fest, sondern bekunden einfach ein prinzipielles Interesse an einer Walenseeuferstrasse. Es scheint allerdings, als ob nach der heutigen Gesamtlage Graubünden eher dem Norduferprojekt zuneige. Von glarnerischer Seite ist darauf hingewiesen worden, dass eine Seeuferstrasse gar nicht so notwendig sei, wenn der Ausbau der Kerenzerbergstrasse in grosszügiger Art so INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grandzelle oder deren Raum 4S Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cta> Grossere Inserate nach Seltentarit. Inseratenschlusa 4 Tage vor Erscheinen der Nummern noch intensiver gestalten zu können, brauchte es für die Zentrale unbedingt einen erhöhten Bundesbeitrag. Auch dies wäre heute kein Ding der Unmöglichkeit. Wenn wir daran denken, dass sich heute unsere ausländischen Touristen bereits mit mehr als der Hälfte aus Automobilisten und Motorradfahrern zusammensetzen, und dass unser ganzes Land an der Förderung unserer Hotelindustrie eminentes Interesse besitzt, so glauben wir doch, dass diese wichtige und grundsätzliche Frage eines eingehenden Studiums wert wäre. Erst vor kurzer Zeit hat sich in unserer Bundesversammlung eine Vereinigung gegründet, die speziell den touristischen Fragen erhöhte Aufmerksamkeit schenken will. Wir glauben, speziell in diese Volksvertreter unser ganzes Vertrauen setzen zu können. Sie werden an dieser Kardinalfrage nicht vorbeigehen können, sondern sich veranlasst sehen, zum Wohl unseres ganzen Landes unsere Verkehrswerbung nach einheitlichen und grosszügigen Gesichtspunkten zu organisieren. ö Das Projekt der Walenseestrasse rasch gelöst werde. Dagegen sind aber begreiflicherweise wieder Stimmen laut geworden, die besonders nach den schlechten Wegverhältnissen des vergangenen Winters betonen, dass auch bei einem grosszügigen Ausbau der Kerenzerbergstrasse dieselbe nie und nimmer die Vorzüge einer Uferstrasse erfüllen würde. Sie führe zu hoch hinauf und Unpassierbarkeit infolge Schneefall und schwierige Fahrverhältnisse wegen Vereisung, seien immer zu befürchten. Es sei deshalb von glarnerischer Seite ganz energisch das Projekt der Süduferstrasse zu fördern, besonders da es den Anschein habe, als ob die Befürworter des Gegenprojektes Autler-Felerabend. Die dieswöchentliche Unterhaltungsbeilage «Autler-Feierabend» findet sich aus technischen Gründen auf Seite 19—24, als Fortsetzung zum allgemeinen Teil und nicht als separate Beilage. Ramosi Roman von V. Williams. Ana dem EnrH»chen übersetz» von Otto Element (34. Fortsetzung und Sohluss) Der Gefesselte im Sessel regte sich nicht Cradock blickte zu Ardisson hinüber. «Wenn Sie all dem folgen konnten, was hier festgestellt wurde...» «Gewiss! Ich verstehe sehr gut Englische «Ich wollte Ihnen den Nachweis erbringen, dass dieser Aegypter ein ganz gefährlicher Verbrecher ist Ich hatte die Absicht, mit seiner Verhaftung zu warten, bis die beiden Detektive, die jetzt von Kairo unterwegs sind, mit den Auslieferungspapieren hier eingetroffen wären. Aber angesichts der Tatsache, dass der Halunke, wenn ich nicht irre, diese Dame in sein Haus gelockt hat, um sie hier gegen ihren Willen festzuhalten, und im Lichte der schriftlichen Zeugenaussagen Ismails, die ich Ihnen gab, fühle ich mich berechtigt, Sie zu ersuchen, Said Hussein alsbald den Gerichten zu überliefern. Sind Sie meiner Meinung?» «Unter allen Umständen!» beteuerte der Inspektor. «Ein Bursche wie der, passt ins Gefängnis wie eine Erbse in ihre Schote!» «Dann wäre es also das beste, Sie führten ihn gleich ab?» «Wir werden ihn erst durchsuchen», meinte der Beamte. Mit geschulten Händen tastete er den Gefesselten ab, der noch immer apathisch in seinem Sessel kauerte. Ein dickes Notizbuch, ein Zigarettenetui, ein Schlüsselbund und ein Messer fielen nacheinander auf den Löschkarton des Schreibtisches. Bald kam ein geladener Revolver aus der Hüftentasche dazu. «Vorwärts nun!» donnerte der Inspektor, riss •seinen Gefangenen in die Höhe und stiess ihn zur Tür. Als Ardisson einen Schritt vortrat, knirschte etwas unter seinem Fuss. Cradock wies auf den zerbrochenen Cham- •pagnerkelch auf dem Teppich. «Ach so!» sagte Ardisson und streifte ein paar Glassplitter von den Fingern. Als der Prinz an Joan vorbeiging, sah er sie an Ein undurchdringliches Lächeln lag auf seinen Lippen. «Meine alte Amme hat also doch recht gehabt! Aber sind nun Sie die Frau oder ist es Nadja?» «Weiter!» kommandierte Ardisson, und die beiden traten über die Schwelle hinaus. Ismail folgte ihnen — ein Ausdruck höchster Befriedigung verklärte sein ausgemergeltes Gesicht. Cradock blickte den Entschwindenden nach. «Was wollte er damit sagen?» fragte er Joan. «Er meinte eine Prophezeiung. Man hat ihm einst angedeutet, dass er den Tod durch eine Frau im 'Zeichen des Ram finden werde.» «Im Zeichen des Ram?» wiederholte Cradock und stand eine Weile sinnend. Dann hob er Joans Mantel vom Boden auf und hüllte sie darin ein. «Gott sei Dank, dass Ihnen kein Leid widerfahren ist!» Er blickte ihr warm in die Augen. «Was hatte diese Bestie mit Ihnen vor?» «Reden wir nicht von ihm!» antwortete sie mit leisem Zittern. «Aber wie in aller Welt haben Sie mich hier gefunden?» «Nicht weit entfernt ist eine leere Villa. Dort wohne ich schon seit fünf Tagen und beobachte abwechselnd mit Ardisson dieses Haus und seine Bewohner. Ich lag auch heute abend auf der Lauer und sah Sie ankommen. Der Inspektor war dienstlich auf eine Stunde nach Cannes gefahren, und ich musste auf seine Rückkehr warten, da ich niemand entwischen lassen Wollte.» Von unten rief plötzlich eine heissere Stimme: «Hallo! Hallo!» Doch Cradock achtete nicht darauf. Er sah nur Joan... «Wie kommen Sie nach Cannes?» Das Blut schoss ihr in die blassen Wangen. Ihre Augen waren unter den langen Wimpern verborgen. Sie drehte das Taschentuch zwischen den Fingern. «Ich wollte», begann sie und brach ab. «Es waT... ich dachte, ich wollte .. Sie wiedersehen!» Sein Gesicht war jetzt ganz nahe bei dem ihren, aber sie wandte scheu den Kopf zur Seite. Er legte die Hände auf ihre Schultern und zog sie sanft an sich. «Joan...?» flüsterte er zärtlich. «Joan!» Sie hob den Kopf und sah ihn an — eine Besiegte. In diesem Augenblick wurde heftig die Tür aufgerissen. Ein Polizist in Uniform stand auf der Schwelle. «Mein Herr, Sie müssen sofort herabkommen!» Cradock folgte eilig seinem Wunsch. Joan trat ans Fenster. Vor dem Tore hielt ein Automobil, dessen blendender Scheinwerfer einen Ausschnitt leuchtend grüner Palmen aus der Gartenfinsternis heraushob. In seinem Lichte blitzten die niederstürzenden Regentropfen wie schräge Lanzen. Nach einer Weile vernahm man das Murmeln von Stimmen und unruhige Schritte in der Halle. Gleich darauf kam Cradock wieder. «Der Wagen des Inspektors steht draussen. Wir fahren in die Stadt zurück.» Schweigend gingen sie zusammen die Treppe hinab. Am Haustor brannte die Lampe. Von Ardisson und seinem Gefangenen sah man nichts. Draussen im strömenden Regen wurde der schwarze Umriss eines grossen, offenen Autos erkennbar. Ein Polizist stand bei der Haube und füllte den Kühler aus einer Wasserkanne. Sie blieben einen Augenblick stehen und schauten ihm zu. «Ich muss ihm zu trinken geben,» meinte der Beamte munter. «Der Wagen ist heute nacht schon tüchtig gefahren, und die Maschine hat sich heiss gelaufen. Das Wasser gluckste im Kühler, und klatschend prasselte der Regen. Der Mann stellte seine Kanne auf den Kies und begann die Kühlerschraube zuzudrehen, auf der als Glückstalisman eine Maskotte, ein glänzender, silberner Gegenstand, befestigt war. Das weisse Metall glänzte hell im Strahl der Seitenlichter. Joan legte die Hand auf Davids Arm. «Oh, sehen Sie doch!» flüsterte sie mit furchtsamer Stimme. Die Maskotte war der Kopf eines Ram. — «Die Prophezeiung!» flüsterte sie und schmiegte sich zitternd an den Geliebten. Er schwieg und schaute ihr ernst und forschend ins erregte Antlitz. «Was was ist geschehen?» fragte sie in banger Ahnung. «Hussein muss in einem Ring Gift bei sich gehabt haben. Er ist tot.»