Aufrufe
vor 9 Monaten

E_1931_Zeitung_Nr.032

E_1931_Zeitung_Nr.032

zielbewusster und

zielbewusster und energischer ihre Sache verfechten. Die Befürchtungen, die im Qlarnerland an die Ausführung des Norduferprojektes geknüpft werden, entbehren nicht einer gewissen Berechtigung. Es wird betont, dass der grösste Teil des Durchgangverkehrs zwischen Graubünden und Zürich — soweit er nicht durch das Toggenburg führt, heute über den Kerenzerberg geht. Dass dieser Verkehr selbstverständlich für die Gemeinden des Qlarner Unterlandes und des Kerenzerberges wirtschaftlich von Bedeutung ist (Gasthäuser, Garagen, etc.), ist einleuchtend. Bei Verwirklichung der Norduferstrasse wird der Verkehr durch das Qlarnerland und über den Kerenzerberg auf ein Minimum beschränkt. Und wenn auch eine Stimme verlautete, dass ungeachtet einer Durchgangsstrasse unten am See, der Kerenzerberg als Touristen- und Feriengebiet nur gewinnen könnte, so möchten wir in diese Behauptung doch unsere Zweifel setzen. Zusammengefasst: Man begreift den glarnerischen Standpunkt, der eine Schwächung seiner wirtschaftlichen Vorteile im Ausbau einer Norduferstrasse sieht. Dies sind traditionelle Argumente, wenn man so sagen darf, mit denen der Kanton St. Gallen, der heute noch keine Norduferstrasse besitzt, nicht operieren kann. Welches Ufer vom bautechnischen Standpunkt aus vorzuziehen ist, darüber erlauben wir uns kein Urteil. Es scheinen sich auch die Meinungen selbst der Fachleute diametrag gegenüberzustehen. Schwierigkeiten werden beide Projekte antreffen, aber beim heutigen Stand der Technik sollten diese nicht ausschlaggebend ins Gewicht fallen. Die primär zu entscheidende Frage scheint uns die zu sein, welches Strassenprojekt wird am besten allen verkehrspolitischen und wirtschaftlichen Anforderungen gerecht. In ganz interessanter Weise wurde jüngst in den «Qlarner Nachrichten» das Projekt der Walenseestrasse mit demjenigen der Prageistrasse verknüpft. Es braucht keine langen Auseinandersetzungen, um die Zusammenhänge, die zwischen diesen zwei Strassenbauten bestehen, zu erläutern. Ein Blick auf irgendeine Schweizerkarte zeigt mit aller Deutlichkeit den Zusammenhang zwischen Pragel- und Walenseestrasse. Nach unserm Dafürhalten ist der Ausbau sowohl der einen wie der andern nicht nur tunlich, sondern dringendstes Befürfnis. Das Projekt einer Prageistrasse, das die Kanzleien von Schwyz und Qlarus und die schweizerische Presse nicht nur seit Jahren, sondern seit Jahrzehnten beschäftigt, sollte nun nicht nur bald spruchreif, sondern überreif sein. Wen auch heute hie und da schon die bislang noch müssige Frage aufgeworfen wird, ob Susten- oder Prageistrasse zuerst auszubauen seien, so scheint uns eine solche Fragestellung nicht unverfrüht, sondern vollständig überflüssig. Die beiden Projekte konkurrenzieren sich nicht, sondern gehen parallel und müssen beide miteinander,' je eher je besser, ausgeführt werden, und zwar als Glieder einer Kette, in die auch die Walenseestrasse gehört. Es ist im Grunde genommen unbegreiflich, dass in einer Zeit, In der Verborgenheit des grossen Hotelparks zu Cannes steht zwischen der hohen Gartenmauer und dem steil zur Strasse abfallenden Fels eine einsame Bank, von der aus man durch künstlich gestutzte Pinien einen Zipfel blauen Himmels und des noch blaueren Meeres erhaschen kann. Es ist ein stilles Fleckchen, denn es liegt hinter den Tennisplätzen, die für die meisten Gäste die Grenze ihrer Entdeckungsreisen bilden. Die alten Pinien schützen vor Zugwind, und die Lage gen Süden gönnt der Sonne freien Zutritt Wenn es am grauesten Tage nur irgendwo einen Sonnenstrahl gibt, so scheint er in diese verwunschene Nische. Sturm und Regen hatten die ganze Nacht bis in den späten Vormittag getobt. Aber um die Mittagshöhe gleisste die Sonne wieder und verwandelte all die feuchten Tropfen an Strauch und Blumen in schimmernde Diamanten. Joan Averil hatte dies friedliche Plätzchen am Tage ihrer Ankunft entdeckt. Wieder sass sie jetzt dort und genoss den würzigen Geruch der Pinien und des nassen Grases, das nach satter Erde duftete. Vier Uhr war es erst, doch ihre Gedanken eilten sehnend um eine Stunde voraus. Denn um fünf Uhr hatte Dave versprochen zu kommen. Zeitig in der Frühe schon hatte er mit ihr telephoniert, und der tiefe Klang seiner Stimme schuf ihr süsse Erregung und seligen Frieden zugleich. Ob sie geschlafen habe, fragte er. Ein wenig. — Ob sie sehr müde sei nach dem wilden Abenteuer von gestern? 0 ja, einigermassen. — Er müsse sofort nach Nizza fahren, erklärte er, weil Ardisson darauf bestehe, ihn wegen der Protokollierung des "alles auf die Präfektur zu schleppen. Um fünf aber werde er zurück sein. Er hätte ja in der die Strasse wieder eine angeahnte Bedeutung erlangt hat, eine Bedeutung, die ihr eigentlich früher nie zukam, die Ausführung grosser Strassenprojekte gerade in der Schweiz solchen Schwierigkeiten und derartigen Verzögerungen begegnet, wie es bei den vorgenannten Projekten der Fall ist. Unsere Grossväter und Urgrossväter, auf die wir sonst gerne von unserm Standpunkt des fortschrittlichen Menschen etwas herabsehen, handelten in strassenpolitischer Hinsicht weit tatkräftiger und grosszügiger. Wenn wir den ganzen Fragenkomplex um die Walenseestrasse uns näher ansehen, so scheint uns wichtig, dass überhaupt eine der Seeuferstrassen gebaut wird. Der alleinige Ausbau der Kerenzerbergstrasse genügt modernen Anforderungen nicht mehr. Ob Nordoder Süduferstrasse, diese Frage mögen die Kantonsregierungen und übrigen Interessenten in gemeinsamer und weitblickender Arbeit baldmöglichst lösen. Man lasse sich nicht von lokalen Interessen leiten, sondern denke vor allem auch an die Zusammenhänge mit bestehenden und kommenden grossen Durchgangsstrassenzügen, denn Strassenneubauten lassen sich heute nur noch lösen, wenn man dieselben in das Gesamtstrassennetz eines Landes einbezieht und von dieser Warte aus beurteilt. Lr. Arbeits- und Ruhezeit im Verkehrsgesetz. Wir erhalten aus wohlinfonnierten parlamentarischen Kreisen nachstehende Ausführungen, die sich mit der durch die bisherigen Beratungen des Verkehrsgesetzes geschaffenen referendumspolitisohen Lage befassen und denen wir gerne Raum geben. Wenn wir auch der Auffassung beipflichten, dass das Verkehrsgesetz besser nicht durch Materien beschwert worden wäre, welche auf anderem Wege hätten gesetzlich festgelegt werden können, so haben die Automobilisten sicher doch alles Interesse, dass der zweite Entwurf endlich einmal Gesetz werde. Mit dieser Ansicht .deckt sich anch die Berichterstattung unseres parlamentarischen Korrespondenten, der materiell zur Angelegenheit des Artikels 17 keine Stellung bezogen hat. sondern nur die Methode unter die Lupe nahm, mit welcher die sozialdemokratische Fraktion ihr Begehren im Rate vertrat. Die Red. Zum Artikel 17 des neuen Motorfahrzeuggesetzes. Bekanntlich hat der Nationalrat mehrheitlich den Antrag der Kommissionsmehrheit verworfen, welcher nicht nur die Ordnung der Ruhezeit, sondern auch die der Arbeitszeit für die Chauffeure vorsah, und hat einem Antrag der Kommissionsminderheit zugestimmt, der hur die Ruhezeit ordnen will., Es soll nicht mehr auseinandergesetzt werden, worin der Unterschied der beiden Anträge besteht. Dagegen ist festzustellen, dass der Kommissionsbeschluss gegen den ursprünglichen Antrag des Bundesrates mehrfache Abänderungen aufweist. Zunächst wurde dem Wunsche der Kreise, welche die Arbeitszeitordnung lieber in einem Gewerbegesetz sähen, in der Weise Rechnung getragen, dass dem Artikel folgende Einleitung gegeben wurde: «Bis zum Erlass eines einschlägigen Bundesgesetzes und soweit nicht andere Bundesgesetze zur Anwendung kommen.» Den Bedenken der gleichen Kreise Rechnung tragend, wurde ferner folgender Schluss beigefügt: «Der Bundesratsbeschluss soviel mit ihr zu bereden. «Schlafen Sie einstweilen wieder ein!» bat er. «Und ob Sie von mir träumen oder nicht — Sie werden immer bei mir sein!» Und dann hatte er abgeläutet. Eine Zeile aus einem alten Schulbuch kam ihr in den Sinn, als sie sich auf der Bank zurücklehnte, und die sanft schwingenden, regenfeuchten Pinienzweige betrachtete. Wer war der Mann, der sie ihre Vergangenheit vergessen liess? Sie wusste es nicht und es kümmerte sie nicht. Ob er Geld hatte? Sie besass genug für beide. Würde sie in dem einsamen Haus am Felsgebirge wohnen? Sie war bereit, ihr Heim in einer Grabstätte aufzuschlagen, wenn sie nur bei ihm sein durfte. Liebte er sie? Welch törichte Frage! Und auch sie liebte ihn! Und er, der standhaft und unverrückbar war wie seine thebanischen Berge — er würde sie niemals enttäuschen... Da sah sie ihn plötzlich vor sich stehen! Er musste geräuschlos in weichen Tennisschuhen über den dichten Rasenteppich gegangen sein. In seinem blauen Rock und der weissen Flanellhose wirkte er beinahe elegant. Er nahm den Hut ab und schaute sie aus ernsten Augen an. «Lassen Sie uns vernünftig miteinander sprechen! Darf ich mich setzen.» Wie sachlich! dachte sie belustigt Schweigend machte sie ihm Platz an ihrer Seite. «Sie wissen im allgemeinen wohl gar nichts von mir, nicht wahr?» begann er und sah zu Boden. «O doch! Sie gehören zur Familie Barrasford, und Ihr älterer Bruder fiel bei den Grenzkämpfen in Indien.» Er blickte sie verwundert an. «Das stimmt AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N° 32 unterliegt der Qenehmigunr der Bundesversammlung^ Anderseits wurde mit Stichentscheid des Präsidenten die Wirksamkeit dieses Artikels mit bezug auf die Chauffeure, die Gütertransporte besorgen, in der Weise ausgedehnt, dass nicht nur die Chauffeure der gewerbsmässigen Gütertransportunternehmungen, sondern alle, die dauernd oder vorwiegend mit Gütertransport beschäftigt sind, unter die Wirkung dieser Arbeits- und Ruhezeitordnung fallen sollen. Der so durch diese drei Zusätze bereinigte Passus wurde in der definitiven Abstimmung mit 12:3 Stimmen einem Antrag vorgezogen, der nur die Ruhezeit, nicht aber die Arbeitszeit ordnen wollte. Dieser letztere Antrag wurde als Minderheitsantrag im Rate wieder aufgenommen. Herr Bundesrat Häberlin wollte vermitteln und schlug vor, den ursprünglichen Bundesratsantrag, versehen mit dem erwähnten Einleitungs- und Schlusssatz, anzunehmen. Das bedeutete also, dass diejenigen Sätze, die den Wünschen der Rechten entsprachen, bleiben sollten, derjenige aber, der den Wünschen von links entsprach, gestrichen wurde. Der Artikel wurde also, von links gesehen, gegen den bundesrätlichen Entwurf in doppelter Weise verschlechtert. Das führte dann zur bekannten Stellungnahme der sozialdemokratischen Fraktion. Bekanntlich ist nachher der Artikel noch einmal an die Kommission zurückgewiesen worden, die voraussichtlich in der Juni-Session dem Rate neuerdings Antrag stellen wird. Es soll hier nicht untersucht werden, wer materiell Recht hat, wohl aber abstimmungstaktisch. Bleibt der Artikel so wie er nun angenommen ist, so wird die sozialdemokratische Partei das Referendum ergreifen. Bei der Stimmung, die namentlich auf dem Lande herrscht wegen der Aufhebung der Geschwindigkeiten, dürfte das Gesetz dann kaum eine annehmende Mehrheit finden. Dabei darf man sich nicht täuschen lassen dadurch, dass sich die Strassenliga auf den Ja-Standpunkt stellt. In den Kreisen, die sie zu vertreten glaubt, sind solche, die der Parole der sozialdemokratischen Partei absolut zustimmen würden, so vor allem die Chauffeur-Verbände; aber auch der Schweiz. Radfahrerbund umfasst etwa zu 90 Prozent Arbeiter und wie diese in der Mehrzahl stimmen werden, ist kein Rätsel. Wer will, dass das Gesetz diesmal angenommen werde, kann sich mit einer solchen Situation absolut nicht befreunden. Es ist aber auch möglich» dass das Referendum von anderer Seite her ergriffen wird. Wer soll dann das Gesetz annehmen? Man hat die Nummerntafel der Radfahrer abgeschafft, um letztere als Jasager zu gewinnen. Glaubt aber jemand im Ernst, durch die Verschlechterung des § 17 etwa die Bauernschaft geschlossen zur Annahme des Gesetzes bewegen zu können? In diesen Kreisen werden unter allen Umständen die grossen Massen der Neinsager zu finden sein. Ihnen gegenüber muss eine kompakte Truppe von Jasagern stehen, wenn das Gesetz Gnade finden soll, und eine solche kann am ehesten die sozialdemokratische Partei ins Feld führen, mit der auch die Velofahrer und die Chauffeur-Verbände marschieren werden. allerdings. Aber ich will Ihnen etwas anderes sagen. Mein Vater und ich vertragen sich nicht mehr recht, seit ich den diplomatischen Dienst quittiert habe. Ich beziehe von ihm eine Jahresrente von nur 500 Pfund. Er würde mir bedeutend mehr geben, aber er knüpfte eine Bedingung daran, die ich nicht annehmen wollte. Da mein einziger Bruder tot ist, erbe ich, wenn mein Vater stirbt, sein Vermögen, ferner sein Einkommen von 12 000 Pfund im Jahr und den Titel.» Sie starrte ihn an. «Was für einen Titel?» «Aber ich dachte — Sie sagten doch eben selbst, es sei Ihnen bekannt, dass ich ein Barrasford bin?» «Wollen Sie mir das nicht näher erklären?» «Da gibt es nicht viel zu erklären. Mein Vater ist Lord Barrasford und ich — ... nun, ich bin sein Sohn!» «Warum führen Sie aber dann nicht das Prädikat Honourable?» Er wurde ein wenig verlegen. «Das tut man gewöhnlich nicht, ausser auf Briefen und Dokumenten. Und ausserdem wäre es mir bei dem Leben, das ich führte, nur. lästig gewesen. Wenn ich mich jedoch in England niederlasse, wie das in meiner Absicht liegt, dann werde ich den Titel wohl wieder annehmen müssen...» «Wollen Sie denn Aegypten verlassen?» Er schwieg einen Augenblick, dann platzte er heraus: «Wenn ich die Bedingung meines Vaters annehme, so kann ich es.» «Darf ich erfahren, wie diese Bedingung lautet, oder ist es ein Geheimnis?» «Es gibt keinen Erben für den Titel. Und seit Jahren drängt mich mein Vater, zu heiraten. Ich habe mich geweigert... bis jetzt.» Sie lächelte, und trotzdem ihre Augen vor Uebermut sprühten, suchte sie ihre Mienen in erhabene Würde zu kleiden. «Und haben Sie sich jetzt zu einer Ehe entschlossen?» Minutenlange Stille. Dann hob er den Kopf Diese Lare muss man sich klar vor Augen halten. Wünscht man die Annahme des Gesetzes, so muss man dem Kommissionsantrag zustimmen, wie sie ihn mit Vierfünftelmehrheit beschlossen hat Andern Anträgen, z.B. dem nunmehr angenommenen Minderheitsantrag, kann zustimmen, wem das Gesetz gleichgültig ist oder wer glaubt, das Gesetz in der Abstimmung mit den Stimmen derjenigen retten zu können, die auf alle Fälle nein sagen. Gegen automobilistische Bagatellvergehen. Die Strafkammer des st. gallischen Kantonsgerichtes hat im Jahre 1927 grundsätzlich erklärt, dass ein Motorfahrzeug, dessen Führer auf öffentlicher Strasse den Vorschriften des Konkordates zuwiderhandle, immer eine öffentliche Gefährdung bilde, weshalb in solchen Fällen bei fahrlässiger Eigentumsbeschädigung die Strafeinleitung auch ohne Strafantrag des Geschädigten von Amts wegen zu erfolgen habe. In strikter Anwendung dieses Grundsatzes wurden nun ein AutofahreT und ein Motorradfahrer, die znsammenstiessen, wobei von einem Klagebegehren abgesehen wurde, zur Aburteilung an die Gerichte geleitet. Dabei erklärte die Staatsanwaltschaft, dass die absolute Durchführung dieses Prinzipes In der Praxis mit nicht unerheblichen Nachteilen verbunden sei und bereits heute schon würden denn auch keine 80 Prozent aller Fälle von Automobilvergehen tatsächlich und im Sinne des genannten Entscheides an die Gerichte geleitet. Die neue Praxis werde gar nicht strikte durchgeführt und wo es sich um ganz leichte Fälle von Konkordatsverletzungen handle, müssten unbillige Härten eintreten; sie hätte auch zur Folge, dass die Gerichte mit einer Unmenge von Bagatellsachen überlastet würden und erschwere auch in manchen Fällen die gütliche Einigung und 'Schadendeckung der Parteien. Aus allen diesen Gründen hat die Strafkammer als im Interesse einer gesunden Rechtspflege liegend, ihren Entscheid von 1927 in dem Sinne modifiziert, dass öffentliche Gefährde immer dann anzunehmen sei, wenn der Führer eines Motorfahrzeuges den Konkordatsvorschriften erheblich zuwiderhandle. Dabei sei die Erheblichkeit sowohl nach den allgemeinen Verumständungen des Falles (Zustand des Fahrers und des Wagens, Tageszeit, Witterung, Strassenverhältnisse, Verkehrsdichte etc.), als auch nach der Bedeutung der verletzten und bedrohten Rechtsgüter zu beurteilen. Im vorliegenden Falle hat denn auch di« Strafkammer die beiden Angeschuldigten mangels Strafantrages der Geschädigten freigesprochen. E. D. Eine interessante Fussgängerverordnung. hat dieser Tage die Stadt Basel eingeführt, da nach den Wahrnehmungen der Verkehrspolizei die Fussgänger die für sie geltenden Vorschriften der Verordnung über den Strassenverkehr immer noch nicht genügend beobachten. Derartige oder ähnliche Verordnungen bestehen auch schon in anderen und sah sie an. Sie begegnete diesem Blick und sagte kein Wort Da schloss er sie in die Arme, und mit einem linden Seufzer überliess sie sich seinem Kuss... «Warum tatest du das nicht gleich, als du zu mir kamst?» fragte sie mit zärtlichem Eifer. «Weil ich dir doch diese Aufklärung über mich schuldig war!» antwortete er erleichtert. «Du wusstest aber doch auch nichts von mir!» «Ich habe dich!» triumphierte er. «Und das genügt!» Sie legte ihre Wange an die seine. «Und ich habe dich — das hätte auch mir genügt! Ich hätte dich am liebsten geschüttelt, Dave, als du dasassest und die Zeit vertrödeltest! Einer Frau einen Heiratsantrag zu machen, indem man von ihren künftigen Söhnen spricht, das nenne ich den Wagen vor das Pferd spannen. Was wäre gewesen, wenn ich nein gesagt hätte?» «Joan...!» flehte er. Darauf fiel so tiefes Schweigen auf das Plätzchen unter den Pinien, dass die zierlichen Eidechsen mit den glänzenden Augen erstaunt hervoräugten und in keckem Spiel über die Steine huschten. Ende. (Der Roman «Ramosl» Ist In Buchform beim Verlag Georg Müller in München zu beziehen.) In nächster Nummer beginnt unser neuer Roman Blitz Der Roman eines Wolfshundes, Von H. G. Evarts.

N° 32 - 1931 ÄUTOMOBIL-REVUB Städten; was aber an der Basler Verordnung neu ist, sind die in der Verordnung angedrohten Bussen für den Fall von Zuwiderhandlungen. Das Gesetz bestimmt, dass da, wo Bürgersteige vorhanden sind, die Fussgänger diese und nicht die Fahrbahn zu begehen haben; sie sollen auf 'dieser nicht stehen bleiben. Sind keine Bürgersteige vorhanden, oder ist der Fussgängerverkehr so dicht, dass sie nicht mehr genügen, oder sind die Bürgersteige sonst nicht begehbar, so haben die Fussgänger den äussersten Teil der Strasse oder der Fahrbahn zu benützen. Personen, die auf Bürgersteigen oder Fusswegen trotz polizeilicher Mahnung durch Nebeneinandergehen mehr als die halbe Breite beanspruchen, oder verkehrshindernd einzeln oder in Gruppen stehen bleiben, sind strafbar. Das Auftreten und Marschieren in geschlossenen Abteilungen, ausgenommen von Schülern und Kindern unter 14 Jahren, ist auf Bürgersteigen und Fusswegen verboten, sobald mehr als die halbe Breite beansprucht wird; Schüler und Kinder dürfen jedoch in diesem Falle nur zu zweien marschieren. Auf Bürgersteigen und Fusswegen ist ferner verboten: das Stossen von Fahrrädern, ausser zum Ueberqueren; das Tragen von Gegenständen, die durch Form, Grosse oder sonstige Beschaffenheit die Vorübergehenden gefährden, belästigen oder verunreinigen (z. B. Kisten, Koffern, Tragkörbe, spitzige oder schneidende Werkzeuge, Glastafeln n. dergl.) Die Fussgänger sollen rechts ausweichen. Verkehrshemmende Ansammlungen von Personen auf der Fahrbahn oder auf Strassen ohne Bürgersteige sind untersagt. Die Polizeiorgane können Veranstaltungen und Ankündigungen, welche solche Ansammlungen hervorrufen, verbieten. Herannahenden Fahrzeugen ist durch Ausweichen oder Stehenbleiben die Durchfahrt frei zu geben. Bei dichtem Fahrzeug- oder Fussgängerverkehr kann vorgeschrieben werden, dass die Fussgänger die Fahrbahn nur an Strassenkreuzungen oder an besonders bezeichneten Stellen überschreiten dürfen. Die Zeichen der Fahrzeugführer sind auch vom Fussgänger zu beachten. An Orten, wo der Verkehr durch Verkehrsposten der Polizei geregelt wird, haben die Fussgänger auf Zuruf oder Winkelzeichen hin anzuhalten und sich erst nach Aufforderung weiter zu begeben. Auf die Züge der Strassenbahn ist an Haltestellen, auf den Schutzinseln, in den Schutzzonen oder auf den Bürgersteigen zu warten. Die Fahrbahn darf zum Einsteigen erst beim Herannahen des Strassenbahnzuges überschritten werden. Das Herumtragen von Reklametafeln und dergleichen auf Bürgersteigen und Fusswegen ist verboten; auf der Fahrbahn oder auf Strassen ohne Bürgersteige kann es von der Polizei bewilligt werden. Das Verteilen von Drucksachen in den Strassen ist nur mit Bewilligung der Polizei gestattet; ausgenommen hiervon sind Drucksachen, mit deren Verteilung ausschliesslich gemeinnützige, wohltätige, wissenschaftliche, politische oder religiöse Zwecke verfolgt werden. R. F. Sportnachrichten Die Mille Miglia 1931 Rekordbeteiligung von Fahrern und Publikum. — Grosse Ueberraschungen - bei den Resultaten. — Caracciola stellt mit einem Stundenmittel von 101,147 km einen neuen absoluten Streckenrekord auf. 1000-Mellen-Fieber. .- (1. Vorbericht.) Brescia, den 9. April 1931. In Renn-Ekstase. Schon wenn man Riva passiert, mehr als «80-km-Tempo» fährt und womöglich noch einen Kompressor heulen lässt, rotten sich die Einwohner sekundenschnell zusammen und schreien, gestikulierend den Weg weisend: «per Brescia ...!» Was den Engländern ihr «Henley» oder «Wimbledon», den Franzosen ihre «six jours» und den Amerikanern ihre «Cricket Matchs» bedeuten, sind den Italienern ihre «Goppa's», ganz gleich ob sie «Targa Florio» oder «Goppa Mille Miglia» heissen. Das Volk macht mit. Lässt sich kein X für ein U und kein Alfa für ein Omega vormachen. Sie wissen Bescheid. Sie zucken mit keiner Miene, wenn beim Training der 1635 km langen Strecke mal etwas unsanft ein Hauseingang berührt wird oder gar eine Hofmauer oder ein Bretterwagen in Stücke gehen — sie stehen mit der Stoppuhr in der Hand von Brescia über Bologna —Florenz—Rom—Ancona—Verona, die alten Frauen schneiden Grimassen vor Freude, wenn sie Staubwolken verschlingen, und Geistliche winken emphatisch den fliegenden Schatten nach. Das verschlossene Paradies. Der Automobilclub von Brescia. Tausendkopfige Menge, die ihn umlagert. Jeder ankommende Wagen wird gemustert. Und dann verkündet prompt einer der gutorientierten Burschen: «II Varzi, il Campari, il Principessa!» Die Kontrolleure ha- ben den richtigen Blick. Sie wissen, auch ohne langwieriges Inkognitolüften, wer dazu gehört. Hat man die Barrieren hinter und die Abnahme vor sich — kommen von der einen Seite die Reporter mit den Bleistiften und von der anderen die Photographen. Beim Wechseln der Seiten präsentiert der eine bereits sein fertiges Manuskript und der andere weist das entwickelte Bild zur Unterschrift vor. «So schnell kann ich nicht mal denken!» meint Cortese, der Alfa-Favorit für innengesteuerte Wagen ohne Kompressor. Diktator Giovannini. der verantwortliche Rennleiter, der bereits in den letzten 2 Tagen 6 Pfund abgenommen und 30 graue Haare bekommen haben will. Aber 151 Teilnehmer zu begrüssen, unterzubringen, aufzuklären, zu beruhigen, und das in 5 verschiedenen Sprachen, ist keine Kleinigkeit. Der Einfachheit halber hat er sich zum «Du> bekannt, und er sprudelt ebenso schnell seine Sätze auf Deutsch wie in seiner Heimatsprache, wenn er sich mit Garacciola und Stuck unterhält. «Du — geh' dahin — mach' jetzt keine Sachen, steh' endlich still — ich muss das Bild haben — wo ist deine Linzenz — und das Internationale? — Was ist dein Name zum Rufen? — Darf ich dir vorstellen — den Sekretär — unterschreibe die Versicherung — kostet nur 200 Lire — gib dein letztes Geld — irh borge dir neues — aber du musst schreiben — kannst dann umfahren, was du willst — ich bitte dich für 100 000 Lire — geh' jetzt essen — in Galo — auf WiVdprsphen in eine Stunde — lass' dein Hund nicht hier — grüsse deine Frau ...» Oh, dass ich nicht «tausend Zungen», sondern nur eine — wie Giovannini hätte! Was war — und was sein wird... Zum 5ten Male wird die 1630 km lange Strecke, die durch 30 italienische Provinzen führt, den Anhängern des Automobilismus zeigen, was die Industrie heute zu leisten in der Lage ist. Eine Feuerprobe für Serienwagen — ein Preisringen, das die besten Typen des Jahres wertet. Die erste «Coppa» wurde von dem 0. M. 2-Literwagen gewonnen, demselben, der dann später in Le Mans gleichfalls den Lorbeer an sich brachte. Die anderen drei «Milles« sicherten Alfa stolz die Spitze, und die beiden Konkurrenten, die ihnen dieses Jahr das Leben schwer machen dürften, sind in Caracciola auf seinem verbesserten SSK-Sportwagen und in Varzi auf dem neuen Bugatti mit 2 Nockenwellen — dem Sieger von Tunis — zu erblicken. Stuck dürfte mit seinem SS- Kabriolett, das für diese Fahrt zu schwer und nicht schnell genug ist, noch kein Wort mitzusprechen haben; er muss sich bis zur Fertigstellung seines Rennwagens gedulden. Uebermorgen wird der Verteidiger Nuvolari als seine härtesten Gegner Caracciola (Mercedes), Varzi (Bugatti), Campari (Alfa Romeo), Arcangeli (Alfa Romeo), Morandi (OM), Borzacchini (Alfa Romeo) anzusprechen haben. In der 1100-cc-Kategorie ist der Sieger des Grossen Preises von Irland (in derselben Klasse), Goodacre, (mit Trevisan) auf Austin favorisiert. Kein Platz mehr in Brescia und kein Bett! Auch die Vororte sind überfüllt. Wimpel wehen und Blumenguirlanden flattern zwischen den Häuserreihen. Die Menschen gehen nicht mehr schlafen. Sie können die Stunde nicht erwarten, in der das donnernde Tönen der rasenden Wagen ihre Sensationslust aufstachelt — die Stunde, in der 151 Fahrer mit demselben Fieber, das sie auf ihre Umgebung übertragen, in das Spiel mit Rekord — Sieg — und Tod gehen... «1000 Meilen» und ein Tag! (2. Vorbericht und Rennbericht.) Brescia, den 12. April. Wie vor einer Revolution, einem Wahltag oder nach einer Schlacht. Die Strasse lebt. Kopf an Kopf promenieren die Menschenmassen — wanken und weichen nicht —; der Automobil-Club hinter seinen eisernen Gittern gleicht einer belagerten Festung. Jeder weiss etwas Neues. Gerüchte entstehen und zerflattern. Man welss nicht" wie. «Campari, der fahrende Sänger», fährt nicht — wenn er nicht den « Achtzylinder» Alfa bekommt! Letzte Nachricht: «Er hat den Sechszylinder erhalten und streikt!» Vorletzte Nachricht: «Er bildet ein Team mit Varzi auf Bugatti!» Allerletzte Nachricht: «Er fährt doch Alfa! » Die Helden der modernen Romantik sind ohne Sagen nicht denkbar. Caracciola liegt — umgeben von Photographen auf einem Divan im Bresciahotel, sein Hund Moritz hat nicht gefressen und Frau Charly telephoniert Tag und Nacht. — Nuvolari Ist mit seinem «Achtzylinder» auf den Geraden mit mehr als 200 Std.-km gefahren! Borzachini hat sich die rechte Hand geritzt. Sämtliche Fahnen und Wimpel mussten erneuert oder verbessert werden, weil die «IX» vergessen war. (9. Jahr des Faszismus.) Die Zeitungen haben eine doppelte Auflage. Die Mercedes- Vertreter legten Stuck nahe, nicht zu starten, da er in seinem «SS-Cabriolet» keine 3hancen hat und die Fabrik Wert darauf egt, dass der Deutsche erstmalig als Mercedesmann auf seinem Rennwagen mit Aussichten auf Sieg in Erscheinung tritt. Stuck hat das resignierend eingesehen — die Masse nicht. Die Hotels sind überfüllt. Die Kellner vergessen das Servieren — nur noch 12 Stunden — nur noch 10! Immer mehr Autos kommen angejagt — immer mehr Fahrer sammeln sich beim Start. Die Minuten schleichen — und man kann es doch nicht erwarten! Im wesentlichen besteht Brescia aus Friseurläden und Garagen! Aber was für Garagen! Ganze Wolkenkratzer! Die Hauptgarage hat 7 Stockwerke. 3 Meter breite ausausgebaute Betonkurven. Wendeltreppe für «Sechs- und Achtzylinder», die hier im «80-km-Tempo» in ihren Stall brausen können. Dort hinter 85 Eisenkäfigen werden die wilden Bestien aufbewahrt, gepflegt und gefüttert. Alles gibt es — Wagenheber mit allen Schikanen — Waschvorrichtungen, wie OMA mss Die 1635 km lange Rennstrecke mit den wichtigsten Städten. sie das Ritz in Paris nicht für Menschen bietet — Oele, Fette, Ueberspritzvorrichtungen, Reifenflickkammern — alles Erdenkliche und Unerdenkliche. Nur kein Benzol! Und doch schreit jeder nach Benzol — das wahre « doping» für den hochgezüchteten Motor. Die Depots sind unterwegs! Alfa hat 90 Mann auf der Strecke verteilt — mit Extratankstellen, 17 Lastwagen mit Reifenvorräten und in Frage kommendem Werkzeug. Der brave Neubauer, Caracciolas rechte Hand, entwirft immer wieder einen besseren Schlachtplan. 3—4mal muss getankt werden. Das « Wann » und « Wo » kann die Entscheidung bedeuten. Giovannini, der überlaufene Sportkommissär meint: «Sechstagerennen ist nichts gegen Sechstagelaufen! » Der Marktplatz von Brescia. Da stehen sie nun — die dichtgedrängten Reihen von 2 Uhr mittags bis früh 5 Uhr. Sie haben ihre Zigaretten zwischen den Lippen — ihre Chiantiflasche in der Hand und blicken auf die Namen und Bilder, die ringsum den Platz schmücken, auf die Namen, die ihnen eine Welt bedeuten. Die Sieger und Favoriten der «Mille Miglia» prangen hier im Glorienschein lOOkerziger Lampen — auf der gegenüberliegenden Seite geben leuchtende Transparente den jeweiligen Stand des Rennens, eine illuminierte Streckentransparente (Fortsetzung Seite 5)