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E_1931_Zeitung_Nr.031

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 10. April 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. — N° 31 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ADONNEMENTS-PnEISEi Enehetnt Jeden Dienstag nnd Freitag Monatlieb -Gelbe Liste" HaTbJlhrlteh Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portcntnchtag, •oiern nicht postamtlich bestellt. Zusehlag für postamtliche BMtellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Recnnung II1/41-i. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!" Reformen und Vorschläge zur Automobilbesteuerung Diesen klassischen Entscheid in einem biblisch überlieferten Steuerkonflikt braucht man den Automobilisten wohl am wenigsten in Erinnerung zu rufen. Bund und Kantone haben auf ihre Weise reichlich dafür gesorgt, dass der Anteil des «Kaisers» nicht zu knapp ausfalle, und dennoch wird von Finanzgewaltigen, wenn es gilt, neue Steuerquellen zu finden, immer wieder der Motorfahrzeugverkehr in den Kreis der Betrachtungen gezogen. Die Kunde von einer Steuerreduktion auf diesem Gebiete mutet deshalb im Zeitpunkt der hohen fiskalischen Beanspruchung des Automobils fast wie eine Legende an und dennoch ist sie, allerdings in Deutschland, zur Wirklichkeit geworden. Mit Wirkung ab 1. April wurde eine Verordnung rechtsikräftig, welche eine Ermässigung der Motorfahrzeugsteuer für ältere Personenwagen mit sich bringt. Die Vergünstigung betrifft Fahrzeuge, welche mindestens seit fünf Jahren in Deutschland im Verkehr stehen und einen Zylinderinhalt von wenigstens 3.5 Liter aufweisen. Im Durchschnitt entspricht diese Verfügung eineT Steuererleichterung um einen Drittel des bisherigen Ansatzes. Fahrzeuge bis zu 5,2 1 Inhalt werden zukünftig nur die Steuer eines Wagens mit 3,5 I .Zylindervolumen entrichten müssen. Für Deutschland, das sich zur Zeit ja nicht die geringste Steuereinnahme entgehen lassen kann und das zudem eine stattliche eigene Automobilproduktion besitzt, könnte diese Massnahme auf den ersten Blick überraschen. Sie zeigt aber bei genauerem Studium, wie richtig man dort die Verhältnisse auf dem Automobilmarkt einzuschätzen verstand. Die Auswirkung der Steuererleichterung füT Altwagen ist eine vielseitige. Einmal wird sich dadurch das Geschäft auf dem Markt für Occasionen wesentlich beleben. Die älteren Wagen fanden vielfach deshalb keine Liebhaber, weil die Interessenten die erheblichen Ausgaben für hohe Steuern bei grösserem Zylinderinhalt und dem gewöhnlich stärkeren Benzinkonsum dieser «älte- Ten Semester > fürchteten. Diese finanziellen Bedenken werden durch die neue Steuerregelung wesentlich gemindert. Die geringere Belastung wird es nun auch einem erweiterten Kreis von Interessenten ermöglichen, sich FEUILLETON Ramosi Roman von V. Williams. Aas dem Englischen öierselzt ron Otto Element (33. Fortsetzung) Verflogen war die Unentschlossenheit, verflogen Zweifel und Qual vieler peinvoller Stunden. Als sich beider Blicke trafen, fühlte sie, dass der Wahrsager richtig prophezeit hatte. Das Ende ihrer unruhereichen Fahrten war da, und der Name ihres Rastortes hiess Friede! — Erschöpft von banger Erwartung stand sie zwischen Lachen und Weinen, und ihre Liebe zu ihm strahlte ihr aus den Augen. Als Cradock dies Lächeln sah, erhellten sich seine Züge. Hinter dem Schreibtisch reckte der Prinz zähneknirschend die Hände in die Höhe; denn in einer Entfernung von kaum zehn Schritt hielt ihn der Mann im steifen Hut mit schussbereiter Waffe in Schach. «Ich würde an Ihrer Stelle keine Schwierigkeiten machen, Hussein,» rief Cradock und näherte sich dem Tisch. «Makhmud liegt unten in der Halle mit einer Kugel im Schenkel. Er war unvernünftig, und mein Freund hier, Kriminalinspektor Ardisson von der Kriminalpolizei in Cannes, musste ihn warnen. Und Ihr Helfershelfer Voronian hat sich in Ihrem ein Fahrzeug anzuschaffen. Wir denken da vor allem an eine Erleichterung oder Rationalisierung des Geschäftsbetriebes bei Kleinhändlern und Gewerbetreibenden, die mit ihren knappen Betriebsmitteln äusserst haushälterisch umgehen müssen. Im weiteren wird die durch unverkäufliche Altwagen auf dem ganzen Automobilmarkt spürbare Stauung behoben werden, was hauptsächlich auch den Handel und den Absatz in neuen -Fahrzeugen vorteilhaft beeinflussen kann. DeT Staat als Finanzmann macht trotz des bescheideneren Steueransatzes dennoch das bessere Geschäft als bisher. Eine beträchtliche Zahl von Occasionen, welche seit Monaten aus dem Verkehr ausgeschaltet, in Garagen und Remisen aui einen Käufer warteten, werden wieder zu Ehren kommen. Ihre Inbetriebnahme bedeutet aber ihre neuerliche Versteuerung, bedeutet erhöhten Konsum an Betriebsstoffen, Pneumatiks usw., der indirekt durch Zölle auf diesen Waren oder direkt durch bessere Beschäftigung der einschlägigen Industrie dem Staate wiederum Nutzen bringt. Aber auch ganz allgemein ist die bessere Auswertung der älteren Wagen volkswirtschaftlich nutzbringend, denn die vorzeitige Ausserbetriebsetzung der Fahrzeuge bedeutet doch'einen Verlust an Werten, der keineswegs unterschätzt werden darf. Die Idee der Belebung des Altwagengeschäftes durch fiskalische Erleichterungen ist auch für die Schweiz keineswegs neu. Sie ist zuerst in Händlerkreisen eingehend diskutiert worden und wie wir vernehmen konnten, wird auch die schweizerische Organisation der Garagisten in absehbarer Zeit eine Aktion in dieser Richtung unternehmen. Aber auch in AutomobilistenkTeisen wird diese Frage allen Ernstes erörtert. So hat z. B. die Zürcher Sektion des T. C. S. auf eine Anregung hin in der letzten Generalversammlung beschlossen, beim Kanton direkt und durch den Zentralsitz in Genf gemeinsam mit der Händlerörganisation den Behörden einen Antrag zu unterbreiten, der eine Steuerreduktion von 40 Prozent für Wagen, welche wenigstens sechs Jahre im Betrieb Standern, vorsieht. Mit der Angelegenheit der Altwagen ist aber das Thema der Automobilbesteuerung Motorboot davongemacht. Handschellen bereit, Inspektor? Ich schiesse Sie nieder wie einen tollen Hund, Hussein, wenn Sie versuchen, irgendwelche Kniffe anzuwenden!» Er hob die Pistole, die bisher in seiner gesenkten Rechten verdeckt war. Der Mann im steifen Hut zog einen klirrenden Gegenstand aus der Rocktasche. «Her die Hände!» — Ein Klicken. — «Fertig!» verkündete Ardisson. Langsam hob der Gefesselte den Kopf und blickte Cradock höhnisch an. « Das schlägt doch eigentlich kaum in Ihr Fach? Ich wusste nicht, dass Sie bei der Polizei angestellt sind. Bin ich das Wild, oder ist es diese Dame ? « Ich bin schon seit langem hinter Ihnen her, das wissen Sie! > entgegnete Cradock scharf. «Aber nun habe ich Sie endlich, Monsieur Ramosi! » Hussein zog die Brauen in die Höhe. < Wie war der Name ? » « Verstellen Sie sich nicht länger — das Spiel ist aus ! Die Kairoer Polizei hat das Versteck Ihrer Diebesbeute aufgespürt.» « Wirklich ? Und wie wollen Sie beweisen, dass die Einzelstücke einer Kunstsammlung gestohlen sind ? > «Durch die auf Ihr Anstiften geraubte Anubisfigur, die eine Zeugin in Ihrem Besitz sah.» Des Prinzen Augen waren voll Hass. < Mein Gott, Cradock», murmelte er, « Sie und seiner ungerechtfertigten Härten noch keineswegs abgeschlossen. Es darf bei dieser Gelegenheit wohl erneut auf die fiskalischen Ungerechtigkeiten hingewiesen werden, welche die jährlich erhobene Steuer mit sich bringt. Wie viele unserer Hotels, Handels- und Gewerbebetriebe weisen ein rein saisonsmässiges Geschäft auf. Die für ihre Zwecke benötigten Fahrzeuge können, wenn es • gut geht, 6—7 Monate im Jahre benützt werden. Fällt nun die Inbetriebnahme nicht ausgerechnet mit einem Quartals- oder Semestertag zusammen, so ist die Steuer für das ganze Jahr zu entrichten. In Gebirgsgegenden, deren wirtschaftliche Not, deren durch Höhendifferenzen und weite Distanzen bedingten Beschwerden durch' das Motorfahrzeug gemindert werden konnten, wirkt sich diese starre Besteuerung doppelt ungünstig aus. Sobald der WinteTschnee einsetzt, der sich eben nicht an Kalenderdaten _Wir haben über die Verhandlungen der Strassenverkehrskonferenz in Genf während der Session eingehende Berichte veröffentlicht und ergänzen nachstehend unsere Orientierung durch den Wortlaut des Offiz. Bulletins, das nur in französischer und englischer Sprache erschienen ist: «Die europäische Strassenverkehrskonferenz tagte in Genf vom 16.—30. März. Die Einladung der Vertreter erfolgte letzten September durch den Völkerbundsrat. Die Konferenz erhielt die nachstehende Tagesordnung: 1. Projekt zu einem Abkommen über die internationale Regelung der gewerblichen Automobiltransporte. 2. Projekt zu einem Abkommen über die Vereinheitlichung . der Strassenverkehrssignale. 3. Projekt zu einem Abkommen über die Steuerbefreiung ausländischer Automobile. Die Konferenz erhielt ferner die Aufgabe, die Möglichkeiten zu einer Verständigung zwischen den Zollbehörden zu prüfen Und Erleichterungen für die Bereinigung nicht gelöschter oder verlorener Triptyks zu schaffen. Haben Sie diehaben lange gewartet, um sich wieder zu nehmen, was einst Ihnen gehörte. Jedenfalls >, fuhr er fort, wieder in seinem hämisch-scherzhaften Tone, « hoffe ich in Ihrem Interesse, dass Sie glaubwürdigere Zeugen haben als Radja Alexandrowna. Und, nebenbei bemerkt, möchte ich gern wissen, ob Ihnen ein derartiger Argwohn das Recht gibt, mein Haus in La Bocca zu überfallen und mir Handschellen anzulegen...» « Sie haben noch weit mehr auf dem Kerfoholb, Said Hussein...» Die rotgelben Augen sandten einen flakkernden Blick zu dem Engländer hinüber. « Wenn unser Gespräch noch weitergeführt werden soilil», sagte er mit übertriebener Gleichgültigkeit, «so möchte ich um die Gunst bitten, mich setzen zu dürfen — falls Ihr leicht erregbarer französischer Freund nichts dagegen hat! » Er Hess sich lässig in einen Sessel fallen. « Erinnern Sie sich zum Beispiel an Seaton, Hussein ? » fragte Cradock kühl. «Ich habe diesen Namen nie gehört.» « Und doch lernten Sie den Mann hier in diesem Hause, ja sogar in diesem Zimmer, vor kaum zwei Monaten kennen!» «Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden !» « Seaton wurde — zwei Tage nach dieser Zusammenkunft — in der Telephonzelle eines Restaurants in Monte Carlo tot aufgefunden. Man vermutete Selbstmord, aber ] INSERTIONS-PItEIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Gmndzeile oder deren Kaum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seltentarit. Inseratensehlnss 4 Tone vor Erscheinen der Nnmmern hält, so ist es für viele mit der Verwendung des Automobils für fünf bis sechs Monate vorüber. Sie müssen andere Verkehrsmittel, den Schlitten, das Pferd heranziehen und dennoch läuft für das in der Garage verstaute Auto die Steuer, welche zum voraus für ein Jahr entrichtet werden musste, weiter. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass diese steuerliche Sonderheit sich kaum auf einem anderen Gebiete des täglichen Handels und Wandels wiederfindet, weil sich dort deren Wirkung vielleicht in noch groteskerer Form oder für eine viel grössere Zahl von Steuerzahlern geltend machen würde. Weil es aber in unserem Fall «nur» den Motorfahrzeugbesitzer trifft, so schreitet die breite Oeffentlichkeit, wie auch der Fiskus, darüber zur Tagesordnung weg. Je unentbehrlicher das Motorfahrzeug für die Volkswirtschaft wird, um so mehr wird sie selbst durch derartige Steuermassnahmen geschädigt und es muss deshalb der Zeitpunkt kommen, wo man auch bei uns diese Verhältnisse einer Revision unterzieht. Die Motorfahrzeugbesitzer haben sicher bis heute in weitgehendem Masse und ohne grosses Aufhebens der eingangs zitierten überlieferten Steuerregel nachgelebt. Wir dürfen deshalb um so eher auch eine loyale Berücksichtigung unserer Wünsche nach Steuergerechtheit und sinngemässer Besteuerung erwarten. b. Europäische Strassenverkehrskonferenz Offizielles Bulletin Herr J. Avenol, Sekretär-Generaladjunkt des Völkerbundes, eröffnete die Konferenz, indem er die Vertreter willkommen hiess und den allgemein interessierenden Charakter der Traktanden betonte. Die Konferenz bezeichnete Herrn Eckardt (Deutschland) als Präsidenten und als Vizepräsidenten die Herren Gianni (Italien) und Rubik (Tschechoslowakei). Hierauf konstituierte die Konferenz vier Kommissionen: Erste Kommission: Gewerbliche Automobiltransporte; Präsident Rasinski (Polen). Zweite Kommission: Vereinheitlichung der Strassensignale; Präsident Stievenard (Belgien). Dritte Kommission: Steuerbefreiung ausländischer Automobile; Präsident Borduge (Frankreich). Vierte Kommission (Spezialkommission): Triptyks; Präsident Carlos Resines (Spanien). Die nachstehenden Länder und Verbände nahmen an der Konferenz teil: Deutschland, Oesterreich, Belgien, Dänemark, Froistadt Danzig, Spanien, Frankreich, Grossbritannien, Griechenland, Ungarn, Freistaat Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Polen, Por- Sie werden darüber besser orientiert sein. Soll ich Ihnen sagen, wie sich die Sache verhielt ? Ein Privatdetektiv Mayer, der in Seatons Auftrag Ihre Spur verfolgte, hatte Sie als Ramosi identifiziert und rief Seaton an, um ihm das mitzuteilen. Wegen dieser für Sie gefährlichen Erkundung wurde der arme Seaton von Ihnen oder von einem Ihrer Leute meuchlings umgebracht. Auch Mayer blieb seither verschwunden, und es ist sehr wahrscheinlich, dass ihn das gleiche Schicksal ereilte.» Husseins Gesicht war hart wie Granit. «Mein guter Cradock, Sie nehmen Ihren neuen Beruf viel zu ernst! Was soll all der Unsinn über Seaton und Mayer und Ramosi, lauter Leute, mit denen ich nie etwas zu tun gehabt habe ! » « Und Simopulos ? » Die Züge des Prinzen schienen leichenfahl; vielleicht aber erweckte das violette Licht diesen Eindruck. « Ein höchst widerwärtiges Subjekt, dieser Grieche », bemerkte er wegwerfend. « Sie haben ihn vergiftet, weil Sie fürchteten, dass man ihn von uns unter Kontrolle genommen hatte ! » « Lieber Freund, Sie sind nicht ganz bei Trost... •» « Der Pförtner in Östnan el Maghrabys Haus hat ein Geständnis abgelegt. Er half Makhmud bei der Zubereitung des präparierten Kaffees.».