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E_1931_Zeitung_Nr.037

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 1. Mai 1931 Nummer 20 Cts. 27 Jahrgang. — N° 3 7 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISES Erscheint Jeden Dienstag and Freltaa Monatlich -Gelbe List«« Hatbjlhrfleb Fr. 5.-, JAhrllch Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoxnchlag, Ufern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliebe Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenratnstr. 97, Bern Rappen. Poslcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundnlla oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inserntenseblus« 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Eisenbahn und Automobil haben bis heute als Antipoden, als gehässige Konkurrenten gegolten. «Caveant Consules» warnte die Bahn. Das Automobil sollte wieder in den Hintergrund treten. Heute beginnen die Anschauungen sich abzuklären. Man hat nicht nur bei uns in der Schweiz, sondern auch in andern Ländern eingesehen, dass der Kampf gegen das Automobil unnütze Zeit- und Geldverschwendung bedeutet. Heute ertönt von allen Seiten der Ruf «das Ganze Halt!». Die Neuorientierung beginnt. Wo früher gegenseitiger Kampf und Vernichtungswille herrschte, nimmt der Plan der Zusammenarbeit greifbare Formen .an. In der Tschechoslowakei sind über 5 Mill. Fr. Kapital gezeichnet worden zur Gründung einer Autobus-Transportgesellschaft im Anschluss an die tschechoslowakische Eisenbahn. Es handelt sich um eine südböhmische Gesellschaft, die ihre Autobusse und Lastautos im Anschluss an die Eisenbahnzüge verkehren und Frachten auszuführen gedenkt, mit Transportdokumenten, die gleichzeitig für die Eisenbahn und den Autotransport ausgestellt werden. Der Gedanke einer raschen, billigen und bequemen Transportweise von Haus zu Haus verwirklicht sich. Auch in Oesterreich haben die österreichischen Bundesbahnen die Einführung eines «Haus-Haus-Verkehrs» beschlossen. Der Zweck dieser österreichischen Sesa liegt darin, die Vorteile des Transportes mittelst des Kraftwagens auf den Eisenbahnverkehr zu übertragen. Der Verkehr zwischen dem Geschäftslokal oder der Wohnung des Absenders und den Lokalen des Empfängers soll zu amtlich festgesetzten Gebühren ermöglicht werden. Es ist geplant, 150—160 österreichische Ortschaften mit Wien direkt durch den Automobildienst zu den «Haus-Haus »- Frachtsätzen zu verbinden. Man rechnet dabei damit, dass die Gesamtfracht « Eisenbahn und Automobil» billiger zu stehen kommen werde, als dies heute mit der normalen tarifmässigen Bahnfracht und den Kosten für die An- und Abfuhr in der Versand- bzw. Bestimmungsstation möglich ist. Zugelassen sind nur Sendungen im Gewichte von über 20 bis zu 2000 Kilogramm. Die Eisenbahn haftet für die gesamte Transportstrecke, also auch für den Weg, der mit dem Automobil zurückgelegt wird. Erfreulich ist dabei, dass sogar die österreichischen Bundesbahnen nicht an ein Blitz; Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarts. (Verlag Georg Müller, München.) (4. Fortsetzung) Bisher erschienener Inhalt. In den grossen Einöden der amerikanischen Bergmldnis hausten einsame Jäger. Einer von ihnen — Moran — zog einen jxingen Wolfshund, einen Bastard zwischen Hund und Wolf, mit grosser Mühe auf und lernte ihn zu den Menschen Vertrauen fassen. Rasch gewöhnte sich das Tier in seinem grossen Instinkt an seinen guten Herrn, und bald wurde Blitz der beste Hirtenhund der Gegend, vor dem kein Pferd mehr auszureissen wagte. Blitz machte schon mit wenigen Wochen Alter die Bekanntschaft seines zukünftigen Todfeindes Brent, einem durch seine viehischen Grausamkeiten berüchtigten Jäger. Moran durchstreifto mit Blitz die gewaltigen Wälder; dabei erwachte in dorn Tier der Wolfsinstinkt, so dass es jeweils nachts allein umherstreifte und Beute suchte. Auf einem dieser Streifzüge fand Blitz Spuren menschlicher Siedelungen. Zwei Stunden später stand Blitz in einem kleinen Tal, in der Luft schwebte noch der Geruch eines erloschenen Lagerfeuers und lebender Menschen. Er lief talaufwärts, der Spur nach, und hatte bald festgestellt, dass die Gesuchten sich kaum dreihundert Yard von ihm entfernt befanden. Bahn-Auto ausschliessliches Monopol gedacht haben, da die Zu- und Abfuhr der Güter von jedem zuverlässigen Privat-Spediteur besorgt werden kann. Jedem Spediteur ist die Gelegenheit geboten, mit den österreichischen Bundesbahnen einen solchen Vertrag abzuschliessen. Damit hat Oesterreich einen unserer Sesa ziemlich ähnlichen Betrieb eingeführt. Eine Konzentrationsbewegung etwas anderer Art zeigt sich in Deutschland. Durch die Automobilindustrie und Vertreter des Handels angeregt, zeigen sich heute im deutschen Autotransportgewerbe Bestrebungen, den Automobilgüterverkehr in einer über das ganze Reich sich erstreckenden Organisation zusammenzufassen. Es soll eine Autotransport-Kontor G. m. b. H. errichtet werden, der sich sämtliche kleinern und mittleren Speditionsbetriebe anschliessen würden. Es handelt sich hiebei eher um eine Konzentration im mittleren Autotransportgewerbe, da in diese Gesellschaft weder die Reichspost, noch die Reichsbahn, noch die grossen bereits unter sich organisierten Automobilverkehrsgesellschaften miteinbezogen werden sollen. Was besonders weittragend sein dürfte, ist die Aufstellung eines für den gesamten Umfang des Betriebes verbindlichen Tarif. Zudem soll durch Ausarbeitung einer obligatorischen Betriebsordnung durch Abschluss einer gemeinsamen Transportversicherung und durch die Einrichtung von Clearing-Stellen zum Ausgleich des Güterverkehrs die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der Betriebsführung erheblich gesteigert werden. Man hofft dabei, die Betriebsführung des Güter-Automobilverkehrs auf kaufmännische, gesunde Basis zu stellen, Preisschleudereien zu unterbinden, die gegenseitige unwirtschaftliche Konkurrenz zu verhindern und zugleich den Kampf gegen die Schiene und die Post, da, wo ein solcher aufgezwungen wird, mit Erfolg durchzuführen. Unsere Schweizerischen Bundesbahnen verfolgen die automobilistische Entwicklung mit wachsamsten Augen, Das hat die vor einiger Zeit herausgegebene Kampfschrift mit aller Deutlichkeit gezeigt. Nun haben wir durch einen Vortrag des Herrn Dr. Schrafl, dem Präsidenten der Generaldirektion der S. B. B., vernehmen können, dass die Bundesbahnen einen Schritt weiter zu gehen gedenken. Der Kampf gegen das Automobil soll eingestellt werden, mit dem Automobil soll Vorsichtig umschlich er das Lager von allen Seiten. Hier gab es etwas, was ihm neu war. Eifrig setzte er seine Untersuchung fort. Schritt für Schritt schlich er sich lautlos von Baum zu Baum, bis er in zwanzig Fuss Entfernung drei schlafende Gestalten erblickte. Sie lagen in einer kleinen Lichtung und das volle Mondlich bestrahlte sie. Blitz wusste nicht, dass beim Menschen auch die Sinne ruhen, wenn er schläft. Er vermochte zwar jeden wiederzuerkennen, dem er einmal begegnet war, doch das war jetzt auch alles, denn Witterung und Gehör sagten ihm hier nichts Genaueres, anders als sonst, wenn der Mensch wach war, dachte und sprach. Den einen erkannte er — es war Vater Kinney, den er oft bei Moran gesehen hatte. Der andere war ihm fremd, aber beide interessierten ihn nicht. Der dritte war von einer Art, die er nie gesehen. Sofort spürte er, dass dies das Weibchen der Gattung Mensch sei, das erste Weib, das er kennen lernte. Sie strahlte eine sprudelnde Lebenskraft und Gesundheit aus, eine erquickende, herzliche Anteilnahme an ailen Dingen. Daraus schloss Blitz, dass sie nicht schlief. Sie lag wach und erfreute sich an dem silberhellen Chor der kampfeslustigen Bullen, die von nah und fern zu hören waren. Ganz umfangen von dem Liebeszauber des jedoch der Kampf gegen die privaten Automobiltransportunternehmungen seine Fortsetzung finden. Es soll also die Konkurrenz mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden. Prinzipiell dreht sich heute der Kampf um den Besitz der Strasse. Interessant dürfte dabei die Konkurrenz zwischen den beiden Staatsbetrieben Eisenbahn und Post werden. Herr Direktor Schrafl äussert sich über den ganzen Fragenkomplex unter anderem in folgender Weise: « In eingeweihten Kreisen ist es kein Geheimnis, dass der Stückgutverkehr auf kurze Entfernungen für die Eisenbahnen ein Verlustgeschäft ist. Für die Bundesbahnen ist der aus diesem Verkehr sich ergebende Verlust sogar recht beträchtlich. Dazu kommt, dass die Bahnspedition eines Stückgutes vom Hause des Absondere zum Hause des Empfängers, und darauf kommt es an, namentlich wenn es sich um kurze Entfernungen handelt, sehr umständlich ist und viel Zeit erfordert. Von Haus zu Haus erfordern Transporte mit der Bahn zwei, vielleicht sogar drei Tage, während sie mit dem Auto in einem Tag an ihren Bestimmungsort gelangen könnten. Die Bundesbahnen prüfen daher gegenwärtig, ob es sich nicht empfiehlt, für den Stückgut-Nahverkehr eine besondere Organisation zu schaffen, die sich des Automobils bedient und die Eisenbahn entlasten würde. Zwischen die Post und die Eisenbahn würde sich eine dritte Transporteinrichtung eingliedern, die von Hauptstation zu Hauptstation auf der Strasso in Automobilen die Stückgüter des Nahverkehrs transportiert. Dieses Zwischenglied der Transportorganisation gehört zu den Eisenbahnen und nicht etwa zur Post, weil es gleichzeitig auch den Zubringer- und Verteilerdienst für .die Eisenbahnen zu besorgen hätte. Durch eine derartige Organisation würe der Stückguttransport im Nahverkehr stark beschleunigt. Die damit bewirkte Entlastung der Eisenbahnen hätte aber auch zur Folge, dass der Stückgut-Fernverkehr eine raschere Behandlung erfahren könnte. Auch die Abfertigung der Stückguttransporte im Nahverkehr könnte vereinfacht werden, indem man sich an Stolle des Frachtbriefes eines Beförderungsscheines oder sogar nur der Adres.se bedienen könnte. Mit der Schaffung einer solchen Transportorganisation könnte mit der Zeit auch eine starke Vereinfachung des Tarifsystems und der Giiterklassifikation in Frage kommen, die ohnehin sehr zu wünschen wäre. Es handelt sich beute um ein Projekt, das in erste Linie von der Sesa ausgeht und das zunächst von den Schweizerischen Bundesbahnen auf seine Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit genauer geprüft werden muss.» Bevor das Projekt in allen Einzelheiten bekannt ist, wäre es müssig, bereits heute schon einlässlicher darauf einzutreten. Heute möchten wir nur feststellen, dass kurz nach der Veröffentlichung der Kampfschrift der Bundesbahnen diese bereits das Automobil und dessen Dienste in weitem Umfang in Anspruch zu nehmen gedenkt. Die Frage dürfte allerdings nicht so leicht zu lösen sein. Auch wir teilen die Auffassung, dass das ganze «Kurzen blauen Mondes» lauschte sie in die helle Nacht hinaus. Unwiderstehlich zog es Blitz zu ihr hin. Er hatte den Wunsch, nahe heranzukriechen und dieses sonderbare Wesen zu untersuchen. Er fühlte sich von ihr beobachtet, trat unter den Bäumen hervor, hinaus in den strahlenden Mondschein und blieb stehen. Da erhob das Mädchen ihre Stimme. « Komm! » sagte sie. Bei dem Klang ihrer Stimme öffneten die beiden Männer, die hinter ihr lagen, sogleich die Augen, bewegten sich aber nicht. Blitz merkte, dass sie erwacht waren. «Komm doch!» sagte sie wieder und streckte die Hand aus. Blitz glitt einen Schritt näher, seine buschige Rute schnellte für einen Augenblick in die Höhe, Zoll für Zoll schob er sich vorwärts, sein vorsichtiges Auge immer auf die zwei schweigenden Beobachter im Hintergrunde geheftet. Schon berührte seine Schnauze die Spitzen ihrer ausgestreckten Finger. Das Mädchen langte nach ihm und streichelte seinen Kopf. « Komm doch her zu mir — fürchte dich nicht,» sagte sie mit schmeichelnder Stimme. Er kroch näher, bebend unter der sanften Berührung ihrer Hand. Er rieb seine Schnauze an ihrem Kinn und drückte sie in die Fülle ihres braunen Haares, dessen Problem einer genauen Untersuchung unterzogen werden muss. Die geplante Verkehrsteilung zwischen Eisenbahn und Automobil bedingt eine Revision der Tarifsysteme und eine Abklärung der Frage, in welchem Masse die Bundesbahnen die unter kantonaler Souveränität stehenden Strassen mit oder ohne Entschädigung benützen dürfen. Wesentlich scheint uns ebenfalls die Frage zu sein, ob die Bundesbahnen gewillt sein werden, die freien Automobilunternehmungen in ihre Dienste zu nehmen oder ob sie diese Gütertransporte durch eigene Wagen auszuführen gedenkt. Sollte letzteres der Fall sein, so wäre mit einer Konzentrationsbewegung zu rechnen, ähnlich derjenigen in Deutschland. Wir glauben annehmen zu dürfen, dass die Bahnen nicht die Erdrückung des freien Automobilgewerbes bezwecken, sondern eine Zusammenarbeit zwischen den Bahngesellschaften und dem Autotransportgewerbe beabsichtigt ist, womit das volkswirtschaftliche Verkehrsproblem auf eine neue, aussichtsreiche Basis gestellt würde. D Die Fahrbarkeit der Alpenstrassen. Der gewaltige Alpenbogen, der sich von der Riviera in mächtigem Zuge bis gegen Wien hinzieht, bildet ein Verkehrshindernis, zu dessen Ueberwindung Millionen und aber Millionen ausgegeben wurden. Während im Altertum und Mittelalter es nur einige wenige Strassen waren, über die sich der Verkehr während einer beschränkten Zeitspanne des Jahres bewegen konnte, kamen in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts die grossen Tunnelbauten, die dann den Bahnen einen durchgehenden Jahresverkehr gestatteten- Mit dem Auftauchen des Automobils aber kam auch wieder die Bedeutung der Strasse mehr zur Geltung, und sie ist heute von eminenter Wichtigkeit geworden. Noch vor Jahren kümmerte sich kaum jemand aus der breiten Oeffentlichkeit darum, wann die Alpenpässe für den Verkehr geöffnet werden. Heute gehört dies beinahe zur Tagesfrage eines jeden Automobilisten. Bestrebungen sind im Gange, einige Alpenstrassen überhaupt ganzjährig für den Verkehr offen zu halten. Bis heute ist das bei der Maloja- und der Brennerstrasse der Fall. Wie lange es beim Julierpass noch geht, bis man versucht, ihn ganzjährig offen zu halten, wissen wir nicht; es ist aber sehr zu hoffen, dass es bei den heutigen tatkräftigen Bemühungen doch in absehbarer Zeit Wohlgeruch er tief einatmete. Jetzt hob er plötzlich den Kopf und lugte wieder nach den beiden Männern, da einer von ihnen die Stimme erhob. «Es ist das erstemal, dass er sich von jemandem andern als Moran berühren lässt,» sagte Kinney. « Du kennst ihn?» fragte der Fremde. « Es ist Blitz,» antwortete Kinney. « Er gehört Clark Moran. Hat's dich nicht etwas nervös gemacht, zu sehen, wie der Wolf immer näher auf sie zuschlich?» «Keine Spur,» erwiderte der andere « Wäre es ein Wolf, der hätte sich niemals so nahe herangewagt. Auch ist es mir nicht entgangen, wie er seine Rute hob, während Betty mit ihm sprach. Ein Wolf tut das nicht, das ist ein Hund.» Dieser Fremde mit dem kurzgeschnittenen, grauen Bart und der harten Aussprache des Ostens war offenbar ein Kenner der Tierwelt. Ihre Stimmen tönten freundlich, Blitz blieb ruhig ausgestreckt neben dem Mädchen liegen. « Wer ist dieser Moran? » fragte sie. « Ich will den Hund kaufen.» Kinney kicherte und schüttelte den Kopf. « Unmöglich,» sagte er. « Aber ich muss ihn haben,» rief sie. « Er wird mir ihn sicherlich verkaufen.» «Den nicht,» sagte Kinney. « Moran