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E_1931_Zeitung_Nr.035

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Ausgabe: Deutsche Schweiz RF.R1M Fraf** 24: Anril 193f Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. - N° 35 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralbiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jaden Dlenstaf und Freite«, , Monatlich „Gelbe Liste« Halbjlhifleh Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portonnchlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitennünstr. 97, Bern Mfern nicht postamtlicb bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung SO Rappen. Postcheck-Rcchnung HI/414. Telephon Bollwerk 19.84 TeUjraram-Adresse: Autorevue, Bern Die frühzeitige Oeffnung der Alpenpässe Mit Ostern setzt — sofern das Wetter nur einigermassen leidlich ist — gewöhnlich der Autoreiseverkehr ein. Oster- und Pfingstfeiertage werden mit Vorliebe für grössere Touren benützt. Aber der ausländische Automobilist, der die Schweiz besuchen möchte und der inländische Fahrer, welcher einen Abstecher ins Ausland unternehmen will, hat im Frühjahr nur eine beschränkte Auswahl an Routen. Die Möglichkeit, eine genussreiche Alpenfahrt im Reiseprogramm zu berücksichtigen, fehlt, und wenn die Fahrt nach Italien oder von dort in die Schweiz gehen soll, so müss die Bahn mitbenutzt werden, da die Alpenpässe jeweilen kaum vor dem Monat Juni schneefrei oder doch passierbar sind. Damit ist nicht nur der Aktionsradius des Automobils, wenn nicht beschränkt, so doch erschwert, sondern auch die Zweige der Volkswirtschaft, welche am Autoreiseverkehr ein direktes Interesse haben, so das Garage-, Gastwirtschafts- und Hotelgewerbe erleiden eine empfindliche Einbusse. Sie haben am Frühjahrsverkehr um so grösseres Interesse, als gerade diese Monate in eine zwischensaisonmässige Zeit fallen, wo jede Hebung des Umsatzes nur willkommen sein kamt Wenn die Bahnverwaltungen auch den Urnlad der Fahrzeuge auf die Schiene durch Vereinfachung der Transportformalitäten und Herabsetzung der Tarife' etwas erleichtert haben; so sind die Bedingungen für den Autotransport durch die grossen Alpentunnels doch noch nicht derart, dass sie den Automobilisten nicht mehr veranlassen könnten, entweder auf die Fahrt zu verzichten oder die Reiseroute umzustellen. Ob auch von einer Offenhaltung der Pässe im Winter noch nicht die Rede sein kann, so ist es doch durchaus möglich, wenigstens die dem Fahrverkehr auferlegte Winterpause durch lange Offenhaltung der Strecken im Spätherbst und vorab durch möglichst rasche Oeffnung im Frühjahr beträchtlich ab- F E U I L L E T O N Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarts. SCVerlajr Georg Müller, München.) (2. Fortsetzung) Bisher erschienener Inhalt In den grossen Einöden der amerikanischen Bertrwildnis hausten einsame Jäger. Einer von ihnen — Moran — ZOJJ einen jungen Wolfshund. einen Bastard zwischen Hund und Wolf, mit grosser Mühe auf und lernte ihn zu den Menschen Vertrauen fassen. Rasch gewöhnte sich das Tier in seinem grosüen Instinkt an seinen guten Herrn, und bald wurde Blitz der beste Hirtenhund der Gegend, vor dem kein Pferd mehr auszureissen wajt8. Blitz machte schon mit weniepu Wochen Alter die Bekanntschaft seines zukünftigen Todfeindes Brent, einem durch seine viehischen Grausamkeiten berüchtigten Jäger. Drittes Kapitel. Nur ab und zu beschäftigen sich Naturforscher mit dem seltenen Zwergfuchs, der einen bestimmten Teil der «Badlands» und Zedernbrüche an den Obstabhängen der « Rockies » bewohnt. Moran war schon lange auf der Suche nach einem Bau dieser winzigen Kerle, die, kaum grösser als ein Eichhörnchen, ein verkleinertes Ebenbild des Coyoten sind. Ausser dem Umstände, dass man jedes Jahr einige Stück in Coyotenfallen oder mit Strychninköder fängt, weiss man recht wenig über sie. Um diese Gesellschaft genauer kennenzulernen, änderte Moran im nächsten Frühjahr seinen Aufenthaltsort und übersiedelte in ein Blockhaus, das zur Bar T Farm gehörte und bloss im Winter bewohnt war. zukürzen. An Forderungen und Wünschen! in dieser Hinsicht hat es nicht gefehlt und; es kommt ihnen mit ständig zunehmendem' Autoreiseverkehr eine immer grössere Berechtigung und Bedeutung zu. Für den Kanton Qraubünden, als Hüter vieler wich-; tiger und verkehrspolitisch hervorragender.; Alpenpässe gehört die Frage der Fahrbar-; keit der Hochgebirgsrouten zu den vitalsten seines Fremdenverkehrs. Es ist deshalb; nicht verwunderlich, dass dort die Initiative zu einer möglichst langdauernden Betriebsbereitschaft der Passstrassen ergriffen und auch tatkräftig weiterverfolgt wurde. Gemeinsam mit dem bündnerischen Baüdepartement haben die Sektion Graubünden A. C. S. und mit ihr die zentrale Touristikkommission die Möglichkeiten beraten und: holten letztes Jahr zum ersten grossen Versuch in dieser Richtung aus. Der Julierpass, der sich als klimaterisch der mildeste uiid vor Lawinen am besten geschützte ; Pass weitaus am besten für das Exernpel eignete, wurde auf 7. Mal voni Schriee freigelegt und war damit mindestens 4' Wochen früher passierbar, als in den Vorjahren. Diese frühzeitige Herstellung der direkten Verbindung mit Italien über Chur,' Julierpass, Maloya und Chiavenna war um ..so bedeutender, als die Passstrasse im Öberengadin mit einer Roiite verbunden vist, w.e*ichj£ den ganzen Winter bis zur Laridesgrenzebei Castasegna Und ah den Comersee geöffnet blieb. Die auf die stark vorgerückte Eröffnung der internationalen Route gesetzten Hoffnungen haben sich nicht ganz in dem. Masse verwirklicht, als man anzunehmen berechtigt war. Es setzte, wie erinnerlich, bald nach der Freigabe der Strasse ein äusserst unfreundliches regnerisch-kaltes Wetter ein, das den Maiverkehr nicht nur auf dem Julier, sondern überhaupt weitherum im Lande stark beeinträchtigte. Die beteiligten Instanzen liessen sich glücklicherweise da- Gleich am ersten Tage machte Blitz Jagd auf einige dieser Zwergfüchse. Seither hatte Moran zu wiederholten Malen etwas wie einen lebendigen gelben Strich vorbeihuschen gesehen, und daraus schloss er, dass der Bau irgendwo in der Nähe sein müsse. Der Wolf, der nun schon ein Jahr alt war, hatte immer Lust, seine unheimliche Geschwindigkeit mit der seiner zwerghaften Vettern zu messen. Das passte nicht zu Morans Absichten, und zu seinem grossen Missvergnügen wurde Blitz jetzt oft an die Kette gelegt, die an dem Schlosshaken- der Haustüre befestigt war. Morgens und abends lag Moran auf einem nahen Hügelrücken, der guten Ausblick bot, und suchte mit seinem Feldstecher das Gelände ab, um den Aufenthaltsort der schnellfüssigen Familie auszuforschen. Oefters kamen Leute von der Bar T Farm vorbei, die gerne ein Weilchen anhielten, um mit Moran zu plaudern oder wenigstens im Vorbeireiten aus dem Sattel einige Worte durch nicht entscheidend beeinflussen, wohl in der richtigen Auffassung, dass prinzipiell die frühzeitige Ermöglichung des durchgehenden Autoverkehrs wirtschaftlich bedeutungsvoll sei und auch durch einen unerwarteten Witterungsumschlag nicht widerlegt werden könne. So erfahren wir von der Sektion Graubünden A. C. S., dass die Freilegung der Passstrasse dieses Jahr wiederum auf den Monat Mai erfolgen soll und dies trotz des abnormal heftigen Spätwinters und der diese und letzte Woche neuerdings erfolgten Schneefälle. Die Arbeiten sollen so gefördert werden, dass ev. schon arri 1. Mai die Reise angetreten werden kann. ; Damit steht dem internationalen Autoverkehr eine äusserst dankbare und interessante Nord-Südverbindung zu einer Zeit zur Verfügung, Welche für' Ftühjahrsreisen zu den schönsten gehört. Das internationale Autoreisepublikum .wird sich diese Möglichkeit sicher gerne zu Nutzen machen, insbesonders wenn die Tatsache der vorzüglichen Fahrbarkeit der Route rechtzeitig und weitherum im Auslande bekanntgemacht wird. Dass Hotelbe'trieW und Autogewerbe längs dieser berühmten Transversälverbindung in erster Linie und der Autotourismus im allgemeinen davon eine bemerkenswerte Belebung erfahren werden, steht für uns ausser Zweifel. Pas Beispiel zeigt aber auch, was bei gutem" Willen möglich ist und wie die ausländischen Touristen zu einem möglichst ;,fpühzeitigen Besuch, unseres Landes angelegt Werden^ können. Wenn der Julierpass auch in seiner Lage ganz besonders bevorzugt ist, so ist er nicht die einzige Auslandsverbindung, welche ihrer Bedeutung nach nicht eines ähnlichen Versuches wert wäre. Wie das Raüpenauto begonnen hat, sich den Winter überhaupt untertänig zu machen, so sollte man sich im .Interesse des schweizerischen Fremdenverkehrs, der weite, wirtschaftliche. Kreise zieht, von den Fesseln der Jahreszeit soweit als irgend angängig befreien. Die an und für sich sehr knapp bemessene Saison verdient mit allen Mitteln zu Gunsten der Gäste und der Gastgeber verlängert zu werden. Hoffen wir, dass das mit ihm zu wechseln. War Moran nicht daheim, so verabsäumten sie nicht» Blitz ein paar freundliche Worte zuzurufen, hüteten sich aber, ihm nahe zu kommen. Es war bekannt, dass dieser mächtige Wolfshund mit den funkelnden gelben Augen keine Berührung von fremder Hand duldete. Bevor sie noch in Sicht kamen, hörte das Tier bereits den dumpfen Hufschlag und das Knarren des Sattelleders, auch witterte seine schnuppernde Nase schon lange vorher das Nahen jedes Fremden. Eines Morgens ritt Brent zu Morans Hütte. Dort erwartete ihn schon Blitz, steif und starr mit gesträubtem Haar. Brent sprang vom Pferde und schritt gegen die Türe. An Blitz bewegte sich nichts als die Augen, die Brent aufmerksam verfolgten. Da Moran ausgegangen war, machte er kehrt, um sein Pferd wieder zu besteigen. In der Hand hielt er eine schwere Peitsche. Als er an Blitz vorbeikam, schmitzte er achtlos nach dem Wolfe. Dieser schnappte nach der Peitsche, die ihm eine blutige Strieme über die Lefzen zog. Ohne einen Laut von sich zu geben, stürzte sich das Tier stracks gegen Brent. Drei Fuss hoch schwang sich sein geschmeidiger Körper, als das Ende der Kette es zurückriss, Die Wucht des Anpralls warf es flach zu Boden. Einen Fussbreit vor dem Gesicht des Mannes hatte das furchtbare Gebiss des Wolfes gefunkelt —einen Augenblick lang hatte er dem Tod in den Rachen gesehen. Kaum hatte er sich von dem jähen Schreck erholt, als ihn blinde Wut erfasste. Sinnlos hieb er mit der Peitsche drein. In seiner Raserei handhabte er die Peitsche schlecht. Er schlug wie mit einer Keule und die Hiebe sassen nicht Seine erste Wut war abgekühlt, er besann sich und wohlbedacht trat er einen Schritt zurück. «Du gelbäugiger Teufel! Zur Hölle mit dir! » Brent war ein Meister im Gebrauch der Peitsche. Im weiten Schwünge sauste sie herab; ein schärfer Ruck aus dem Handgelenk bewirkte einen Knall, der wie ein Flintenschuss dröhnte. Das Ende des Peitschenriemens biss sich in das Fell des Tieres und zog blutige Striemen. Die einzige Antwort auf den entsetzlichen Hieb war ein neuerlicher wilder Ansprung. Gemählich setzte Brent seine Arbeit fort. Mit dem Stolz eines Kenners wählte er sorgsam den besten Platz ftir jeden Hieb. Jetzt traf er das Kniegelenk des Hinterbeines, das nur spärlich behaart war, jetzt riss er einen Hautfetzen aus der zarten Flanke. EVSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundieile oder deren Raum 43 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland SO Cts. Grfissere Inserate nach Seitentaril. Inseratenschlus« 4 Tnge vor Erscheinen der Nummern erfreuliche bündnerische Beispiel so oder anders nicht vereinzelt bleibe! b. Das Automobil Im Postbetrieb. Von dem ganzjährlich bedienten Netz der Ueberlandposten entfallen, laut Bericht des Post- und Eisenbahndepartementes, 5379 Kilometer auf die Automobillinien. Diese wurden im letzten. Jahre neuerdings um 202 Kilometerstrecken verlängert- Pferdetraktion entfällt noch auf 1063 Kilometer Strecken. Der Fahrzeugpark umfasst 466 Einheiten, wovon 222 Personenwagen und 9 Gepäckwagen für die Reisepost. Die Hauptgarase in Bern hat 62 Hauptrevisionen an Wagen und dazu 134 Teilrevisionen durchgeführt. Gestützt auf die Erfahrung werden grundsätzlich alle wichtigeren Reparaturen in Bern vorgenommen, wo im Winter bis zu 60 Personen beschäftigt waren. Die Alpenposten haben insgesamt 316,102 Gäste befördert bei einer Fahrleistung von .814,040 km. Die Fahrleistung gegenüber dem Vorjahr ist durch Wegfall der Rundfahrt Zürich-Klausen-ZiJrich um rund 10,000 Kilometer zurückgegangen, die Frequenz hat ihrerseits um 12,000 Personen abgenommen, was aber meistenteils auf das schlechte Wetter mit mehrfachen Betriebsunterbrechungen 'zurückzuführen ist. Im Berichtsjahre wurden bedeutend mehr Kilometerabonnements, im gän'- zen 42,126 (gegen 33,615), 3151 Schülerabonnements (gegen 1087) und 13,752 Arbeiterabonnements (gegen 7002), ausgegeben- Die Gesamteinnahmen, inklusive Postsachenbeförderung, betrugen 1,8 Millionen Franken, denen 1,6 Millionen Franken Ausgaben gegenüberstehen, in welchem Posten 637,000 Fr allein für Abschreibung und Verzinsung des Anlagekapitals figurieren. Der Reinertrag beziffert sich immerhin noch auf 167,000 Fr Was den Betrieb der Winterpostkurse anbetrifft, so wurde bereits in Nr. 31 der « A.-R.» ausführlich darauf hingewiesen- ' Interessant ist die Mitteilung betreffend der als Ersatz für die Surbtalbahn geführten Re ! gielinie, wonach dieselbe andauernd eine starken Verkehr aufwies. Die Reisendem zahl ist sogar von 317,500 auf 399,600 ange: wachsen. B. Ohnmächtiger Hass schüttelte den gemarterten Körper. Ein grauenhafter Hieb riss ihm eine halbzolltiefe Wunde in den Augen Winkel und das strömende Blut verdunkelt*, sein Auge. Seine Sinne umnebelten sich aber er blieb stumm. Brent war voll Gier, einen Schmerzensschrei des Wolfes zu hören. Mit derselben Peitsche hatte er schon oft das zähe Fell eines Ochsen bearbeitet und das gequälte Tier hatte vor Schmerzen gebrüllt. Aber diese verglasten, gelben Augen des Wolfshundes starrten ihn nur an, hasserfüllt, und immer wieder stemmte sich Blitz gegen die Kette, die ihn von Brent trennte. « Du grauer Teufel, ich will dir das Maul schon öffnen», keuchte Brent. «Du sollst mir brüllen lernen! » Und abermals sauste die Peitsche nieder. Moran kam von dem Hügelrücken herabgestiegen, der sich zweihundert Yard hinter der Hütte hinzog, und sah Brents hohen Rotschimmel im Hofe stehen. Als er schärfer hinblickte, fiel ihm auf, dass das Pferd sich bäumte und einen halben Schritt seitwärts wich. Immerfort wiederholte es diese sonderbare Bewegung. Moran blieb lauschend stehen. Er hörte ein schwaches Zischen, g3- folgt von einem scharfen Knall. Wieder warf das Pferd den Kopf hoch und tänzelte seitwärts. Jetzt vernahm er das Rasseln einer Kette und einen dumpfen Schlag, der sich anhörte wie das Stampfen eines Stieres der angefesselt ist. Im vollen Lauf eilt» 3 Moran gegen das Haus zu. «Sing mir etwas,» lallte Brent, «sinr mir etwas, singen sollst du! » Eine derbe Faust packte ihn beim Kragen und schleuderte ihn wild zurück. Die Peitsche fiel zu Boden und im Sturz griff Brent nach seiner Pistole, die sich entlud. Ein