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E_1931_Zeitung_Nr.038

E_1931_Zeitung_Nr.038

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 5. Mai 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. - N° 38 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Bnchetnt laden Dienstag und Freitag Monatlieh „G«n>e Liste" HalbJIhrHeb Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozmchlag, REDAKTION tu ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern wZern nicht postamtilch bestellt. Zuschlag für postamtliche BMtellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84. Talegramm-Adreue: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctla Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratensehlusü 4 Ta«e vor Erscheinen der Nummern Abstimmungs-Politisches Vorschläge zur « Verschlimm-Besserung » des Verkehrsgesetzes. Kürzlich machte eine Korrespondenz die Runde in verschiedenen Tagesblättern, deren Verfasser sich berufen fühlte, der «Automobil- Revue» und den Verkehrsinteressenten politische Lehren zu erteilen. Unsere Stellungnahme zum Automobilgesetz, hiess es darin, sei nicht nur «taktisch unklug», sondern auch geeignet, «Zwiespalt in die eigenen Reihen zu tragen». Wir könnten wegen der Vorwürfe an unsere Adresse ruhig zur Tagesordnung übergehen und das Urteil darüber unsern Lesern überlassen, ob ein derartiges Vorgehen wirklich den langjährigen Traditionen unseres Blattes entspricht. Es handelt sich aber darüber hinaus um weit wichtigere Fragen, zu denen es gilt, rechtzeitig Stellung zu nehmen und die es verdienen, an dieser Stelle vor einem grösseren sachverständigen Leserkreis erörtert zu werden. Das politische Rezept, welches uns die betreffende Korrespondenz verschreibt und immerhin bezeichnend ist für die Einstellung einer gewissen Presse, ist folgendes: « Es ist davon auszugehen, dass einerseits die Landschaft von der unbeschränkten Höchstgeschwindigkeit nichts wissen will, aber an den Arbeitszeitbestimmungen nur ein sehr sekundäres Interesse hat, während andererseits die Arbeiterschaft die letztern als conditio sine ernst non betrachtet, währfnd ihr die Aufnahme von Bestimmungen über Höchstgeschwindigkeiten wahrscheinlich höchst gleichgültig ist. Nun ist aber anzesichts der grossen Zahl notorischer Neinsager, die es bei uns gibt, und angesichts der erheblichen Unzufriedenheit, die beispielsweise bei den Fussgängern gegen andere Bestimmungen dos Gesetzes bestehen, ein Durchbringen der Vorlage weder gegen die Landschaft noch gegen die Arbeiterschaft, am allerwenigsten aber gegen die geschlossene Opposition beider möglich. Das heisst ganz einfach, dass überhaupt an ein Durchbringen in der Volksabstimmung nur gedacht werden kann, wenn sich die Vorlage in der Form, in der sie vor das Volk gelangt, auf dem Wege des geringsten Widerstandes bewegt. Es ist also erforderlich, das Fallenlassen der Beschränkung der Höchstgeschwindigkeiten rückgängig zu machen, gleichzeitig aber die Blitz Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evartt. (Verlag Georg Müller, München.) (5. Fortsetzung) Bisher erschienener Inhalt. In den grossen Einöden der amerikanischen Bergwildnis hausten einsame Jäger. Einer von ihnen — Moran — zog einen jungen Wolfshund, einen Bastard zwischen Hund und Wolf, mit grasser Mühe auf und lernte ihn zu den Menschen Vertrauen fassen. Rasch gewöhnte sich das Tier in seinem grossen Instinkt an seinen guten Herrn, und bald wurde Blitz der beste Hirtenhund der Gegend, VOT dem kein Pferd mehr auszureissen wagte. Blitz machte schon mit wenigen Wochen Alter die Bekanntschaft seines zukünftigen Todfeindes Brent, einem durch seine viehischen Grausamkeiten berüchtigten Jäger. Auf der Streife durch die gewaltigen Wälder fand Blitz ein Lager von drei Menschen — zwei Männern und einer Frau —, die ihn bei seinen Streifzügen jeweils gerne empfingen. Auch Brent zeigte sich wieder mit dem dubiosen Advokaten Nash. Tief unten sahen sie schon einzelne grüne Flecken, die das gleichmässige Braun des Hügellandes unterbrachen. Es waren die kleinen Felder der Ansiedler, die ersten Ansätze zur Urbarmachung dieses Landstrichs. Auf einer Wiese in einem kleinen Seitental schlugen sie das Lager auf. « Möchte gerne wissen, ob sie jung und hübsch ist,» sagte Moran, als er seine letzte Pfeife vor dem Schlafengehen schmauchte. «Liegt auch mir der verdammte Zauber des .kurzen blauen Mondes' in den Knochen?» seufzte er. «Bald kommt auch deine Zeit, Freund Blitz, dann -wirst du alles verstehen, Bestimmungen über die Ruhezeit durch solche über die Arbeitszeit zu ergänzen.» Dazu sei zunächst grundsätzlich nur soviel vorweg bemerkt: Zu einem Zurückkrebsen in der Frage der Geschwindigkeitsvorschriften liegen weder sachliche noch abstimmungspolitische Gründe vor. Ueber die Lösung der Arbeitszeitfrage schweben zurzeit Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden. Das Resultat bleibt abzuwarten. Drittens: Wir haben seit 20 Jahren ein eidgenössisches Verkehrsgesetz befürwortet, aber es kann sich für die Automobilisten nicht darum handeln, schlechthin jede Vorlage, auch eine schliesslich noch so durchlöcherte und verwässerte, um jeden Preis und jedes Opfer durchzubringen, nur damit wir einmal ein Gesetz haben, gleichgültig, was für eines. Die Geschwindigkeitsvorschriften. Die Gegnerschaft in der landwirtschaftlichen Bevölkerung, von der unsere Kritiker ausgehen, wird ganz entschieden überschätzt. Das Automobil hat glücklicherweise auch in der Landwirtschaft seinen Platz bereits erobert und einen schönen Teil der Landbevölkerung durch seine vielseitigen Vorzüge und Verwendungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft für sich gewonnen. Nicht nur die führenden Persönlichkeiten, sondern zahlreiche Landwirte sind heute schon überzeugte Automobilisten. Schon im Jahre 1929 wies eine nach Berufen ausgearbeitete Statistik des Kantons Zürich (der u.W. allein eine solche Erhebung durchführte) rund 700 Automobile aus, welche Landwirten gehören, und dabei ist dieser Kanton bei weitem nicht derart landwirtschaftlich orientiert wie z.B. Bern, Thurgau, Waadt u. a. Möglich, dass in den Urkantonen eine beachtenswerte Gegnerschaft vorhanden ist, die aber auf eine angestammte Antipathie dem Motorfahrzeug gegenüber zurückzuführen ist und in einem Abstimmungsergebnis gegenüber den fortschrittlichen agrikolen Kantonen keine Rolle spielen kann. Wir dür- was wir in diesen Tagen gesehen und gehört haben. Uns Menschen geht's nicht anders als euch. Merk dir's: jede Kreatur braucht ein Etwas, um ihr Leben abzurunden — eine Gefährtin.» Moran schlief ein und Blitz kletterte eine Anhöhe hinauf. Oberhalb des Tales, in dem Brent am späten Nachmittag mit seinen Packtieren Halt gemacht hatte, flammte ein Licht auf. Es schwankte hin und her, als ob es in der Luft hinge. In weiter Ferne, auf den kahlen Höhen nahe dem Two Ocean-Pass, blitzte als Antwort ein winziges Lichtpünktchen auf, das ebenfalls flimmernd hin und her pendelte. Aufmerksam verfolgte Blitz -liese Signale, bis sie nach einiger Zeit verschwanden. Er lauschte lange im Dunkel der Nacht dem wilden Rören des Elchhirsches und dem pfeifenden Schnaufen des Schwarzschwanzbockes, das aus der Tiefe heraufdrang. Eine Pferdeglocke erklang, sie mahnte ihn an seine Pflicht. Er nahm Abschied von dem Land der vielen Flüsse und stieg hinab zu Moran und der Welt der Menschen. Sechstes Kapitel. Trotz seiner frostigen Unnahbarkeit war Blitz der erklärte Liebling der Bar T Farm. Er schien wie ausgewechselt. Seine frühere Munterkeit war einer kopfhängerischen Mutlosigkeit und Niedergeschlagenheit gewichen. Moran war aus seinem Leben geschwunden und damit auch alle Freude. Er konnte nicht wissen, dass sein Herr entweder bald zurückkehren oder nach ihm schicken werde. Er wusste nur das eine: Moran war fort! Und die Sehnsucht frass wie eine Krankheit an ihm. fen also ruhig auf das gesunde Urteil der Landschafter bauen und dem Entscheid der Bauern entgegensehen. Im übrigen verkennt der Korrespondent die rechtliche und technische Besonderheit gerade des Geschwindigkeitsartikels. Anstatt seiner Kritik ein sorgfältiges Studium des Vorentwurfes zugrundezulegen, verfällt er wegen der Oberflächlichkeit seiner Kenntnisse des Gesetzestextes in den bedauerlichen Fehler eines weiten Publikums, das Aufhebung der Geschwindigkeitsmaxiina mit zügelloser Freiheit und Willkür für die Automobilisten identifiziert. Dabei enthält schon das Gesetz unzweideutige Vorschriften, welche dem Führer starke Mässigung im Tempo in vielen Fällen zur Pflicht machen. Im übrigen ist gerade für diesen Artikel die Möglichkeit vorhanden, ohne die ganze Gesetzesmaschinerie wieder in Gang setzen zu müssen, eine Aenderung im Sinne der Einführung von Maximalgeschwindigkeiten auf Veranlassung des Bundesrates herbeizuführen, sofern es sich aus den Ergebnissen kommender Unfallstatistiken als notwendig erweisen würde. Gerade diese Befürchtung glauben wir indessen des bestimmtesten von der Hand weisen zu können, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil der formelle Verzicht auf eine ziffernmässige Feststellung von Maximalgeschwindigkeiten an den bisherigen tatsächlichen Verhältnissen nicht viel ändern wird. Dass nach Aufhebung der Maximalvorschriften plötzlich alles nur noch mit Tempi von Hundert an aufwärts fährt, glaubt der betreffende Artikler doch wohl selber nicht. In polizeilicher Hinsicht ergibt sich allerdings aus der neuen Fassung des Artikels 25 eine Besserstellung des Automobilisten. Aber nur, weil der Fahrer nicht schon allein dann ins Unrecht gesetzt wird, wenn er eine veraltete Konkordatsvorschrift, an die auch die Polizei nicht mehr ernsthaft glaubt, zäffernmässig überschritten hat. Anderseits wird auf diese Weise endlich von Bundes wegen dem unwürdigen und schikanösen Fallenwesen auf offener Strecke der Riegel geschoben. Es handelt sich hier um eine wirklich grosszügig gedachte, ganz unbureäukratische, Oft verschwand Blitz für einige Zeit von der Bar T Farm. Nachträglich erfuhr man, dass er wiederholt in Harmons Hütte gewesen und auch einige Tage bei Vater Kinney zugebracht hatte. Darnach wusste man späterhin, so oft er verschwand, dass er an einem dieser Orte, die er mit Moran in Verbindung brachte, sicher zu finden sein würde. Was er in der Beaufsichtigung des Viehs leistete, war nach wie vor ein Meisterstück an Intelligenz. Doch allmählich erstarrte seine Tätigkeit in einem mechanischen Befolgen aller Lehren, die er von Moran empfangen hatte. Seine Arbeit freute ihn nicht mehr. Eines Tages sass er auf einer Anhöhe, die einige hundert Yard von dem Wohnhaus entfernt war, als er deutlich seinen Namen rufen hörte. Mit bitterer Entschlossenheit wandte er sich ab von dieser Lockung und trabte fort, hinaus ins Dunkel der Nacht. Vergeblich hatte er jede menschliche Wohnstätte der Umgebung abgesucht, von Moran war keine Spur zu finden. Allmählich verlor er alle Hoffnung und damit auch den Zusammenhang mit der Welt der Menschen. Immer mehr nahmen ihn die geheimnisvollen Stimmen der Nacht gefangen, denen er in der Einsamkeit der Berge lauschte. Ziellos streifte er bis Tagesanbruch umher, dann hielt er auf einer Höhe, siebzig Meilen von der Farm entfernt, und kauerte sich zum Schlafe nieder. Der kräftige, kalte Wind hatte den frischgefallenen Schnee weggefegt, der nur noch in den Schluchten zusammengeweht lag und die Berggipfel in fleckenlosem Weiss erstrahlen Hess. Mit Sonnenaufgang erhob sich eine steife Brise und Blitz musste eine geschütztere Stelle aufsuchen. moderne Lösung, einer der wenigen Lichteffekte, die der Parlamentarismus dem Gesetz gelassen hat, eine Bestimmung, auf die wir um so weniger Ursache haben freiwillig Verzicht zu leisten, als das Opfer von keiner massgebenden Seite verlangt wird. Die Regelung der Arbeitszeit. Nun die Frage der Arbeitszeitverhältnisse! Wenn Bedenken laut geworden sind, deren Regelung in ein Verkehrsgesetz aufzunehmen, so aus der richtigen Erkenntnis heraus, dass das Autotransportgewerbe damit in Fesseln geschlagen werden könnte, wie sie die Bahnen zu ihrem Nachteil nicht mehr losbringen. Es ist bemerkenswert, dass gerade der Vertreter der Eisenbahner im Nationalrate sich so angelegentlich für solche Arbeitszeitvorschriften einsetzte, obwohl ausgerechnet er wohl am wenigsten für ein Automobilgesetz zuständig sein dürfte. Brauchen wir Bestimmungen über Arbeits- oder Ruhezeit? Wenn die ganze Angelegenheit nicht in einen gehässigen und dogmatischen Streit ausarten soll, so wird sich sicher eine Lösung finden lassen, welche den gemeinsamen Absichten der Parteien gerecht wird. Wir wollen keine übermüdeten Chauffeure, aus verkehrssicherheitlichen Gründen; die Sozialisten dringen auf Arbeitszeitvorschriften aus programmatischen Ueberlegungen heraus. Aber diese Rücksicht auf die Chauffeure darf nicht dem Gewerbe zum Strick um den Hals werden! Wir erhalten die erfreuliche Kunde, dass Herr Bundespräsident Häberlin sich redlich Mühe gibt, die Delegierten von hüben und drüben an den gemeinsamen Verhandlungstisch zu bringen und ihnen zu helfen, die vermittelnde Formel zu finden. Vorläufig ist die Frage also noch nicht spruchreif. Immerhin ergibt sich wohl von selbst, dass die Chauffeure offenbar kein Interesse daran haben, ihre eigene Existenz aufs Spiel zu setzen, um die Mühlen der Bahnen betreiben zu helfen, die bekanntlich auf jede nur mögliche Weise versuchen, die Automobilkonkurrenz einzuschränken, um ihren eigenen kostspieligen Haushalt weiter über Wasser zu halten. Einer vernünftigen Formel, die im Interesse der Verkehrssicher- Unten sah er einen Reiter, der mit dem Sammeln des Viehs beschäftigt war. Blitz verfolgte mit Aufmerksamkeit seine Bemühungen. Ein Stier war durchgegangen und der Reiter machte kehrt, um ihn zurückzuholen. Die Macht der Gewohnheit Hess Blitz hinabeilen. Er wollte den Stier zur Vernunft bringen. Im Augenblick, da er auftauchte, riss der Reiter sein Pferd zurück und legte die Büchse an. Sofort warf sich Blitz herum; da verspürte er auch schon einen Schlag, ein sengender Schmerz fuhr über seinen Leib und ein scharfer Knall krachte an seinen Ohren. Er floh und hinter ihm dröhnten in rascher Aufeinanderfolge die Schüsse. Der Sand spritzte auf und winselnd pfiff es um seine Ohren. Schon längst war Blitz mit der Wirkung der Feuerwaffen vertraut. War er doch oft dabei gewesen, wenn Moran oder andere diese Waffe gebrauchten. Nach jedem Knall hatte er gesehen, wie entweder ein wildes Kaninchen am Boden verzappelte oder eine Antilope sich in letzten Todeszuckungen quälte. Er verstand, dass dieser Mann, ohne ersichtlichen Grund, ihn hatte töten wollen. Eine halbe Stunde später trabte er langsam über die Ebene. Da hörte er den scharfen Knacks, wie ihn ein Geschoss mit hoher Geschwindigkeit verursacht, wenn es knapp an den Ohren vorbeisaust. Es setzte zur Flucht an und gleichzeitig ertönte von ferne der Knall. In einer Entfernung von vierhundert Yard lehnte ein Mann an der Tür einer Sodhütte und feuerte seine Buchse auf die graue Gestalt ab, die mit unheimlicher Geschwindigkeit in der Ebene dahinflog. Blitz betrat die Mündung eines langen