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E_1931_Zeitung_Nr.038

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16 AUTOMOBIL-REVUE

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Bern, Dienstag, 5. Mai 1931 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 38 Alter Mann im Mai £) er komplizierte Blumenstrauss Der alte Mann kommt aus dem Dunkel "seines Hauses, das auf einer kleinen Anhöhe steht. Die Wunder des Frühlings schäumen vor seinen Augen auf; weisse duftige Blütenfahnen wehen über das Grün der Halden hinweg, steigen die sanften Höhen empor, um sich im tiefblauen Himmel zu verlieren. Sein Fuss geht leise durch das reif wachsende Gras der Wiesen, und die warme erwachte Erde gibt den tastenden Schritten leise nach. Manchmal bückt er sich leise und greift nach einem kleinen Halm, um ihn langsam mit seinen knochigen, alten Fingern zu zerreissen. Die warmen Wellen der jungen Erde fluten in Stössen über ihn weg. Wind wühlt in seinen weissen Haaren. Er setzt sich auf eine kleine Bank, von der aus der trunkene Blick ins Tal schweift, in dem der Frühling ruht. Blütenblätter taumeln über ihn auf die Erde. In seinem Herzen ist eine seltsame Kühle, die in sich selbst in kristallener Klarheit ruht. Mit müden Beinen sitzt er da; er atmet gepressten Herzens. Die Sonne erwärmt den alten Körper; sie lässt den Greis schläfrig werden. Er schliesst die Augen langsann; die Farben sind ihnen zu grell. Sonne ruht auf dem alten, schönen Gesicht und bestreicht die welken Hände. Der Mann ruht, hingegeben der Gnade dieses Maientages, auf einer kleinen Bank und ist. doch voll von einer tödlichen Angst. Um ihn wächst aus tausend Quellen der Frühling, der sich in weichen Farben verkündet, in warmen Düften, in rauschenden Tönen. Der alte Mann spürt nichts denn eine grosse Leere, ein Ausgeschöpftsein ohne Mass und Ziel. Zusammengeknickt ruht er in dem Sonnentag, einer finstern Warnung gleich. Seine Hände haben tausend Tage sich geregt, sein Herz hat tausend Wonnen empfunden, denen dieses Frühlingstages vergleichbar, und in seinem grauen Gesicht furchen die Züge eine schöne Lebenslinie. Er war ein kleiner, unbedeutender Mensch, der sich durch das Leben schlug wie Millionen andere, dessen Genügsamkeit sein grösstes Glück und seine Stütze war. Er kam, und. sein Kom.men war für ihn Beginn der Well; er labte, liebte, litt, und sein Leben, Lieben, Leiden war für ihn Anfang und Vrbcginn aller Schöpfung und alles Erlebens; er wurde alt, und er vergass darüber zu klagen — vvd. mm sitzt er alt und schwach auf einer kleinen Bank und spürt ein Ende alles Laufes und eine Unfähigkeit, sich aufzuraffen vnd mit. einem Schrei sich in den Jubel des Tages zu werfen. Er ahnt wohl den Taumel, doch er gleitet an ihm vorbei. AU und müde ruht er in der jungen Welt, die in grausamer Freude neu erwacht und sich -laut verkündet. Er ist dankbar für die Gnade einer kleinen Sonnenwärme und der ffrossen Stille, die über den weiten Wiesen zittert, über denen sich in gewaltigem Schwung die ungeheure blaue Himmelskuppel wölbt, und er schlummert leise dem Ende entgegen, dem Ende seines Lebens, dem Ende der Welt... bo. JSliXtBS Der Roman eines Wolfhundes. Von H. G. Evarts. (Verlas Georz Müller, München.) fFortsetzune aus dem HauDtblatO Hirtenhunde waren eine Seltenheit in dieser Gegend, denn früher oder später wurden alle ein Opfer der überall ausgestreuten Giftköder. Die Bar T Farm schwor auf ihren Blitz und war mächtig stolz auf ihn. Man pries ihn als den besten Hirtenhund der Welt, ja man dachte sogar daran, ihn im Triumph nach der Hauptstadt zu bringen und dort einen allgemeinen Wettbewerb zu veranstalten. Tausend Dollar wollten sie wetten, dass Blitz' Leistungen unübertrefflich seien. Der Eigentümer der Bar T Farm hatte Moran selbst 500 Dollar für den Hund angeboten. Die Viehzüchter vom Wind River waren seit einiger Zeit in heller Verzweiflung. Sie mussten wieder einmal eine Prämie von hundert Dollar für den Skalp eines Lobo aussetzen, der sich jüngst in der Gegend gezeigt hatte und mit unheimlicher Regelmässigkeit seinen Tribut eitihob. In einer einzigen Woche richtete er mehr Schaden Es war 11 Uhr vormittags. Frau Hilpert klopfte bereits zweimal erfolglos an der Türe ihres «möblierten Herrn». Sie trat deshalb vorsichtig ins Zimmer und rief dem Schlafenden ins Ohr: «Herr Beauclair! Herr Beauclair!» Moritz Beauclair öffnete schlaftrunken die Augen; durch einen dünnen Nebel sah er das gutmütige Gesicht seiner Wirtin, ohne noch zu begreifen, dass sie leibhaftig vor ihm stand. Wann war er eigentlich nach Hause gekommen? Auf diese Frage vermochte er sich selbst keine Antwort zu geben, nur die Tatsache stand bei ihm fest: er hatte sich auf dem Ball ganz wunderbar amüsiert. «Herr Beauclair, sind Sie endlich wach?» flötete wiederum Frau Hilpert. «Was ist denn los?» rief Beauclair, sich im Bette aufsetzend, «warum stören Sie mich so früh?» «Früh?» sagte die Frau beleidigt, «ich bitte Sie, mein Herr, es ist 11 Uhr und draussen steht seit einer halben Stunde ein Polizist, der Sie dringend zu sprechen wünscht.» «Mich? Ein Polizist?» «Jawohl, Sie, Herr Beauclair. Uebrigens, der Polizist trägt einen wunderbaren Blumenstrauss in der Hand.» «Sie verwechseln wohl Gummiknüppel mit Blumenstrauss,» lachte Beauclair, «seit wann werden die Polizisten mit Blumen ausgerüstet?» «Es ist aber so,» beharrte die Frau, «es sei eine sehr wichtige Sache, sagt er!» Die Wirtin ging. Beauclair fuhr rasch in die Hosen. Da trat der Polizist schon ein. «Guten Morgen, sind Sie Herr Beauclair?» «Jawohl, Moritz Beauclair, Reisender in Dampfkesseln. Was verschafft mir die Ehre?» Und auf den schönen Blumenstrauss deutend, fügte er hinzu: «Ich habe aber heute nicht Geburtstag, mein Herr.» «Darum handelt es sich nicht, Herr Beauclair, sondern um ein Strafmandat. Sie haben diesen Blumenstrauss auf die Strasse geworfen. Es ist streng verboten, irgendwelche Gegenstände aus den Fenstern zu werfen.» — «Sie irren sich, ich habe diese Blumen nicht aus dem Fenster geworfen, sie gehören mir gar nicht!» «Keine Ausreden, Herr Beauclair, ich habe gleich nach dem Wurf festgestellt, dass an der ganzen Front nur Ihr Fenster offen stand.» «Ich pflege allerdings bei offenem Fenster zu schlafen, aber —» «Na, da sehen Säe. Wollen Sie die 5 Fr. bezahlen?» «Ich denke nicht daran,» rief Beauclair aufgebracht. «Dann geht die Sache eben weiter, mein Herr. Die Sache kostet dann bedeutend mehr.» «Ich bin es aber gar nicht gewesen,» schrie Beauclair. «Warum sträuben Sie sich wegen dieser unter ihren Rindern an, als die Prämie betrug. Keiner ahnte, dass Blitz die Ehren eines ganz ungewöhnlichen, doppelten Ansehens Eine tragikomische Geschichte von Ernst Tritten. Kleinigkeit, Herr Beauclair? Ihr Fenster stand offen — ich schwöre — das genügt, da helfen alle Ausflüchte nichts.» «Sie sind wenigstens offen,» höhnte Beauclair. «Immer, mein Herr, aber entschliessen Sie sich. Denken Sie an die Vorladungen, an die Gerichtsverhandlungen und schliesslich — wie gesagt — Sie bleiben doch hängen...» Einen Augenblick schwankte Beauclair noch, dann holte er rasch entschlossen 5 Fr. hervor und gab sie dem Polizisten. Er kannte die Scherereien. «Sehr vernünftig,» sagte der Polizist, «hier ist eine Quittung und hier ist Ihr Blumenstrauss. Guten Morgen, Herr Beauclair.» «Morgen!» Beauclair betrachtete den Strauss: Orchideen, Nelken, Rosen sogar! Er stellte das Bukett in den Waschkrug und wollte eben wieder ins Bett steigen, als Frau Hilpert neuerdings eintrat. «Herr Beauclair, es steht schon wieder ein Herr draussen, der Sie zu sprechen wünscht.» «Donnerwetter, wie sieht er denn aus?» «Ich glaube, es ist ein Chauffeur,» versicherte Frau Hilpert. «Herein mit dem Mann!» rief Beauclair. Der Mann trat ins Zimmer. «Sie wünschen?» empfing ihn Beauclair kühl. «Sie sind der Herr, der die Blumen» — er deutete auf den Waschkrug — «auf die Strasse geworfen hat?» «Wer sagt Ihnen denn das?» entrüstete sich Beauclair. «Der Polizist, den ich eben unten im Hausflur traf.» «Also gut, weiter. Ihr Anliegen?» «Ich fahre unten mit meinem Auto in ziemlich scharfem Tempo vorbei. Da fliegt mir plötzlich etwas vor die Augen, es kommt von o.ben, kur?, ich scheue wie ein Pferd, es gibt einen' Ruck .und der Wagen prallt gegen einen Baum. Der ganze Kotflügel ist futsch.» «Ich verstehe,» lachte Beauclair, «ich soll Ihnen wohl den Schaden ersetzen, was?» «Gewiss, mein Herr, Sie haben ja die Blumen geschmissen.» «Gesetzt den Fall, ich zahle nicht? Was geschieht dann?» forschte Beauclair. «Gleich geh' ich aufs Gericht. Das verteuert die Chose gewaltig, lieber Herr,» sagte der Chauffeur wichtig. «Gut,» murrte Beauclair, «wieviel wollen Sie haben?» «Aeusserst berechnet 100 Franken.» «Was?» brauste Beauclair auf, «dafür kaufe ich mehr als ein Dutzend Kotflügel. Mensch, Sie wollen mich verkohlen.» Der Chauffeur überlegte. «Wenn die Sache gleich erledigt wird, will ich Ihnen entgegenkommen und auf 75 Franken heruntergehen. Das ist aber der letzte Preis.» Beauclair entnahm seiner Brieftasche das Geld und reichte es dem Chauffeur, der dankend abzog. «Die Nachwehen des schönen Balles,» genoss; denn der Meisterschaftshund der Bar TFarm und der berüchtigte Lobo vom Wind River waren ein und derselbe. So oft er auf einige Tage verschwand, glaubte man ihn auf der Suche nach Moran. Inzwischen aber räuberte er fleissig unter den Rinderherden am Wind River. Auf diesen Streifzügen war er ganz und gar Raubtier. Er fürchtete zwar die Menschen, Hess sich aber nicht in einen blinden, unvernünftigen Schrecken jagen, sondern ging ihnen klug aus dem Wege, da er ihre Macht zu schaden genau beurteilen gelernt hatte. Seine Coyotenschlauheit bewahrte ihn vor sinnloser Flucht im freien Gelände. Bei der ersten Spur menschlicher Annäherung legte er sich platt auf den Boden, um den gefährlichen Feind vorbeizulassen, und wartete auf den passenden Augenblick, um ungesehen zu entwischen. Hatte er sich genügend ausgetobt, so erwachte wieder das Verlangen nach dem Umgang mit Menschen, und in aller Harmlosigkeit, wie wenn nichts geschehen wäre, fand er sich wieder in der Farm ein. Schon zwei Monate führte er dieses Doppelleben, als sich langsam trotz all seiner Schlauheit das Netz immer dichter um ihn zu ziehen begann. Vater Kinney übersiedelte nach dem Wind River. Der Winter war das Gebirge herabgekrochen und hatte die mächtigen Massen bis zur Ebene hinab in blendenden Schnee gehüllt. Mit Hilfe einer ganzen Relaiskette gut gefütterter Pferde begann Kinney seine unermüdliche Jagd nach dem Fünfhundert- Dollar-Wolf. Die grösste Schwäche seines Feindes, sich mit warmem Fleisch vollzuschlingen und dann recht bequem der Ruhe zu pflegen, war Vater Kinney wohlbekannt. Ein schnelles Pferd kann einen solchen Gesellen, der sich überfressen hat, bei zäher Verfolgung leicht erschöpft machen. Es ist hergebrachte Gewohnheit, dass jeder Reiter, der zufällig Zeuge eines solchen Rennens wird, selbst daran teilnimmt und sein frisches Pferd in den Kampf einsetzt. Das war die bewährteste Methode, besonders bei Neuschnee, und der meisten dieser riesigen Grauwölfe hatte man nur durch solche Stafettenjagden Herr werden können. Tag um Tag verstrich, der zähe Verfolger Hess nicht locker. Unerbittlich blieb er dem Wolf auf den Fersen. Immer wieder musste Blitz, wenn er sich schon befreit glaubte, in seinem Rücken diesen winzigen Fleck auftauchen sehen, der am Horizont erschien, seufzte Beauclair tiefsinnig, «jetzt will ich aber den Schla! nachholen.» Da stand Frau Hilpert schon wieder im Zimmer. Beauclair empfing sie mit einem fürchterlichen Fluch. «Diesmal ist es eine Dame,» sagte die Frau bedeutungsvoll. «Eine Dame?» staunte Beauclair. «Jawohl, eine junge, hübsche Dame, ich sage Ihnen, reizend, und wünscht Sie zu sprechen.» «Mein Kragen! Mein Schlips!» rief Beauclair, «die Weste, den Rock. So, jetzt noch mit dem Kamm durch die Haare. Frau Hilpert, ich lasse bitten.» Das Fräulein trat herein. Beauclair musterte sie mit Wohlgefallen. Ein entzückendes Wesen! «Ich bin Nea Pandra, Tänzerin, wohne hier im Hause im 1. Stock, gleich unter Ihrem Zimmer —» «Und davon hatte ich keine Ahnung,» rief Beauclair begeistert. «Jawohl! Sonst hätten Sie nicht so gehandelt, Herr Beauclair. Sie haben mich unglücklich gemacht.» Nea Pandra fing an zu schluchzen. «Das ganze Unglück haben Sie verschuldet.» «Liebes Kind — pardon — verehrtes Fräulein, wie käme ich dazu? Ich sehe Sie leider heute zum erstenmal. Erklären Sie mir, bitte —» Nea Pandra weinte bitterlich. «Wie konnten Sie so etwas tun?» «Fräulein Pandra, beruhigen Sie sich, erzählen Sie mir, was ich verbrochen haben soll? Ich schwöre Ihnen —» «Mein Glück ist zerstört! Ach, ich gehe ins Wasser, denn ich ertrage es nicht. Von Ihnen, mein Herr, hätte ich das nicht erwartet, hu, hu.» Beauclair rang verzweiflungsvoll die Hände. Hier musste offenbar eine Verwechs 1 lung vorliegen. Wie süss war diese kleine Tänzerin! Er näherte sich ihr und nahm ihre Hände. «Liebes Fräulein, wir wollen vernünftig miteinander sprechen, trocknen Sie Ihre Tränen, bitte, vielleicht lässt sich alles wieder gutmachen.» «Niemals. Es ist zu spät. Sie haben zugegeben, dass Sie den Blumenstrauss auf die Strasse geworfen haben. So eine Lüge, hu, hu.» Ein neuer Tränenstrom schüttelte die schlanke Gestalt. «Ach, es handelt sich um die Blumen?» staunte Beauclair. «Natürlich, um was denn sonst,» sagte Nea Pandra, die Tränen trocknend. «Mein Bräutigam schickte mir die Blumen heute morgen; ich stellte den Strauss aufs Fensterbrett, um ihn frisch zu erhalten. Da hat ihn wahrscheinlich ein Windstoss fortgefegt, was weiss ich. Plötzlich kommt mein Willy und macht mir eine furchtbare Szene. Ich sei ihm untreu, ich hätte einen andern Herrn bei mir empfangen und der hätte aus Wut seinen Strauss auf die Strasse geworfen. So ein Unsinn, nicht wahr? Ich beteuerte meine Unschuld, aber er lief drohend weg und lag drüben im Restaurant auf der Lauer. Er sah den Polizisten ins Haus gehen und herunterkommen; von ihm und nachher auch vom sich langsam, aber stetig vergrösserte, bis die Konturen eines Reiters, seines unheimlichen Verfolgers, scharf hervortraten. Es gab kein Entrinnen, der Erfolg des Reiters schien nur eine Frage der Zeit. Eines Morgens, mitten im Dezember, stiess Kinney auf einen Stier, der vor kaum zwei Stunden getötet worden war. Er spornte sein Pferd und vorwärts ging's, immer der Spur nach, die sich im frischgefallenen, weichen Schnee deutlich zeigte. Blitz hielt Rast auf einer sanften Anhöhe, fünf Meilen von seinem Opfer entfernt. Er hatte fest geschmaust und war zu trag, sich zu erheben. Erst als der Reiter auf zwei Meilen sichtbar wurde, verliess er unlustig seinen Ruheplatz. Kinney sah die dunkle Gestalt über die weisse Schneefläche trotten und trieb seinen Rotfuchs zu einem flotteren Tempo an: für Blitz begann der schrecklichste Tag seines Lebens. Nach dem üppigen Mahl war sein Körper schwerfällig und unbeholfen, das Laufen fiel ihm lästig, aber der Zwang trieb ihn vorwärts. So ging es siebzig Meilen weit, bis an den Fuss der «Wind River»-Berge. Es war eine wellenförmige, nahezu flache Gegend. Von Zeit zu Zeit raffte sich Blitz auf, gewann seine Geschwindigkeit und einigen Vorsprung. (Fortsetzung folgt.)