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E_1931_Zeitung_Nr.038

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18 AUTOMOBIL-REVUE

18 AUTOMOBIL-REVUE 1931 — N° 38 Chauffeur erhielt er die Bestätigung, dass Sie den Strauss aus dem Fenster geworfen hätten. Nun hat Willy endgültig mit mir gebrochen. Es sei glatt bewiesen —» wieder flössen die Tränen über das hübsche Gesicht — «dass ich mit Ihnen — ja — ach — gut bekannt sei. Ich bin so unglücklich. Herr Beauclair!» «Sie hingen wohl sehr an Ihrem Willy, liebe Nea?» fragte Beauclair teilnehmend. «Gewiss,» seufzte die Tänzerin, «er bezählte mir immer so schnell meine monatliche Schneiderrechnung.» «Und wie hoch ist diese, liebes Kind?» «Ungefähr 100 Franken,» schluchzte Nea erschüttert. «Wissen Sie was, mein Kind,» rief Beauclair plötzlich; «von heute an — übernehme ich die Schneiderrechnung! • Meine Dampfkessel bringen das ein!» Frau Hilpert, die durchs Schlüsselloch guckte, sah eben, wie die reizende junge Dame ihm freundlich zulächelte. «Ein Schwerenöter ist dieser Herr Beauclair, ein Schwerenöter! Ich werde ihm die Miete um 5 Franken steigern. Der junge Mann scheint's zu haben.» Fünfzehn Millionen für alte Autos Das Schicksal abgenutzter Autos in Amerika. Auf der Fahrt durch die Vereinigten Staaten sieht man überall am Rande der Landstrassen alte, verlassene Automobile stehen, die sich mitunter so häufen wie Wrackholz am Strande nach einem Sturm. Es sind Automobile, die verbraucht, wie sie sind, plötzlich den Dienst versagt haben und von ihren Eigentümern im Stiche gelassen worden sind, weil diese für das Altmaterial nicht einmal so viel bekommen würden, als der Abtransport des unbrauchbar gewordenen Gefährtes kosten würde. Konzentriert man aber die Demontierung der Wagen en masse an einer Stelle, so lohnt sie sich wohl. Das hat, wie das «N. W J.» berichtet, Henri Ford erkannt, der, als die Vereinigung der amerikanischen Autofabrikanten eine «Aktion für die Sicherheit der Strassen» einleitete, der Kampagne einen kräftigen Impuls gab, indem er in Dearborn eine Zentrale für die Demontierung von alten Automobilen einrichtete. Von zwei Schichten Arbeitern, die zusammen 16 Stunden tätig sind, werden dort täglich 375 unbenutzbar gewordene Autos auf solche Weise zerlegt, dass mit dem geringsten Arbeitsaufwand die grösste Menge Material m verwendbarer Form genommen wird. Ford kauft die Autowracks zum festen Preis von 20 Dollar das Stück, gleichgültig, wie sie aussehen, nur müssen noch die Gummireifen und die Batterie vorhanden sein. Die Demontierung geht an drei fliessenden Bändern vor sich- Eines dient für alte Ford- Wagen, das zweite für andere Marken und das dritte für den Transport des Materials zu den Lastautos oder zu den zehn Oefen, die im selben Gebäude ununterbrochen altes Eisen und Gussstahl zu neuem Stahl zusammenschmelzen. Bevor der Wagen auf das fliessende Band kommt, holt man aus ihm sorgfältig die letzten Reste Benzin und Schmieröl, die in grösseren Massen gereinigt werden, bis sie wieder brauchbar sind. Am Anfang des Bandes entfernt man die Linsen aus den Lampen sowie die Lampen, dann die Kerzen und die Batterie sowie die Reste von Glas. Alle Glasstücke, die noch zerschnitten werden können, werden zu Bestandteilen neuer Autos hergerichtet, während der Bruch als Rohstoff für neues Glas in die Fordsche Glasfabrik wandert, die in der Nähe liegt. Die Bodenbretter gehen in die Kistenrabrik, die Füllung der Kisten und die Belachung werden in Wolle und pflanzartige Stücke gesondert und hierauf zu Ballen geiormt. Der Baumwollbelag der Bedachung und der Kissen wird zu Scheiben gestanzt und aus diesen werden Bündel für das Polieren von allerlei Metallbeständen gemacht. Das Kunstleder wird Arbeiterinnen an elektrischen Nähmaschinen übergeben, die Handschuhe und Schürzen für Schmiede und andere Arbeiter, die derartige Schutzhüllen benötigen, erzeugen. Die Benzintanks werden platt gestampft und ermöglichen die Wiedergewinnung von Zinn, Eisen, Blei usw., die Gummireifen werden geprüft, ob sie noch als alte Pneumatiks verkauft oder nur zu neuem Gummi verarbeitet werden können, die Kupferdrähte der elektrischen Leitungen liefern wieder gutes Kupfer usw. So erlangt man viel Bronze, Eisen, Kupfer, Aluminium usw., alles wird in grossen Fässern sortiert, zum Schlüsse vom Wagen übrigbleibt, wird unter eine starke hydraulische Presse gebracht, welche die Masse plattdrückt, worauf alles zum Transportband geht. Die amerikanischen Autofabrikanten haben einen Fonds von 15 Millionen Dollar zusammengetragen, mit dessen Hilfe nicht bloss völlig unbrauchbare Wagen, sondern auch noch emigermassen verwendbare Autos beseitigt werden sollen, so dass diese nicht Lied eines armen Mannes Von Jakob Haringer. "Ach, wie wird's im Frühling wieder schön sein, wenn die Blumen blüh'n Und die liebe Sonne zärtlich den alten Kurpark küsst, Vom Cafe drüben klingt ein schmeichelnd Lied aus Wien, Ach Gott, wie hab' ich diesen Winter so arg verbüsst. Dann sitz' ich wieder mit einem lieben Buch auf einer verträumten Lindenbank, Und manch' schöne, stolze Unbekannte werd' ich schau'n. 0 Gott, was war ich diesen ewigen Winter arm und krank, Und ich frier ja noch in Nacht und Tod und Grau'n. Und doch träumt mein Herz schon von Laub und Amselsang Und Wind und gold'ner Fenster Märchemvehn — Und ich will auch wieder, Gott, in deine alten Kirchen geh'n, Wo die Mädchen süss ihr Glück in der Maiandacht hinjubeln. Ach Gott, was werden die armen Leuf froh und glücklich sein, Dann weinen sie nimmer frierend und harrend in eiskalten Stuben. Kein Postbot, kein Christkind bracht' ihnen silbern' Hoffnungswein, Aber im Sommer und im Frühling, da blicken die Sterne in die Kammern, Und aus den Gärten weh'n liebe Düfte herein, — Und die jungen Gesellen jauchzend über die schönen Berge wandern, Vielleicht bin auch ich dann nimmer so arm und klein. Ach Frühling, lieber Frühling... Und manch verlass'ne, von der Welt betrog'ne Frau, Wie wird ihr heisses Sehnen still' wie ein Bergsee am Abend, 0 Frühling, mach' du die Welt und unsre dunkeln Herzen wieder blau Und die Stunden wieder wie alte Heimatsagen. Und ich glaub', dann ist nimmer so viel Neid und Hass und Falsch in der Stadt, Vielleicht neigt sich ein Engel dann. Und eine stille Magd Zündet meines Herzens letzte Ampel an und ich bin nimmer so tot und matt, Da sie mich gütig nach meinen unsäglichen Leiden fragt. O Frühling, lieber Frühling, du musst noch einmal kommen, Lass' mich nicht verdorr'n, eh' ich gut ward und grün, Schau, der arge Winter hat uns alles genommen... Ach Gott, was werden die armen Leuf fein, wenn die Veilchen blüh'n! die an der richtigen Stelle aufgestellt sind. Am Ende des Bandes werden die Motoren entfernt und in einem kochenden Bad von Wasser und Soda von allen Oelresten befreit. Sie werden sodann inspiziert, ob es sich noch verlohnt, sie auszubessern und als gebrauchte Ware zu veräussern oder ob man sie ebenfalls in ihre Bestandteile zerlegen soll, um das Material zu bekommen. Was Wie die Tolstois Grafen wurden. Ein russisches Blatt gibt folgende Tolstoi- Anekdote zum besten : Vor einer der Türen im Innern des Palastes Peters des Grossen stand ein einfacher Soldat auf Wache. Da kam jemand herbei. Es war ein Aristokrat» der an dem Soldaten vorbei hineingehen wollte. « Es tut mir leid >, sagte der Soldat, « aber Väterchen hat mir befohlen, niemanden vorbeizulassen.» «Ich bin ein Fürst!» herrschte der Aristokrat den Soldaten an. «Ich bin der Soldat Tolstoi und tue, was man mir befohlen hat! » Ohne jedes weitere Wort packte der Fürst seine Reitpeitsche und schlug mit ihr dem Soldaten das Gesicht blutig. Da öffnete sich die Tür : Peter der Grosse fragte mit finsterer Miene : « Was für ein Lärm ist da ? » Der Fürst erzählte, mehr noch eine kurze Weile benutzt werden können, bis sie durch eine Panne den Verkehr stören. Die ärmeren Leute, die sonst solche Wagen kaufen, werden nun etwas teurere, aber dafür neue Autos erwerben- Man hofft, auf diese Weise 400,000 alte Wagen vom Markte zu entfernen und dadurch die Nachfrage nach neuen Fahrzeugen noch wesentlich zu heben. Der Tagesfilm was •geschehen war. Der Zar hörte zu, dann wandte er sich an den Soldaten mit den Worten: < Hör' ! Dieser Ritter hat dich misshandelt, weil du meinen ßefehl ausführen wolltest. Nimm meinen Stock!» Soldat Tolstoi nahm den Stock und schaute den Zaren fragend an. « Hau' dem Fürsten eins herunter ! Nimm Rache ! » Der Fürst wurde blass und rief: «Unmöglich, Majestät, der Mann ist ja ein gemeiner Soldat!» Lachend erwiderte Peter : « Ich befördere ihn zum Kapitän. » «Ich bin aber einer der Gardeoffiziere Eurer Majestät. > « Dann ernenne ich den Kapitän zum Oberst der kaiserlichen Garde. > < Ich erlaube mir, Euer Majestät daran zu erinnern, dass ich General bin.» Wieder lachte der Zar. « Gut», erklärte er, «ich kann einen General nicht von einem gewöhnlichen Soldaten verprügeln lassen. Auch nicht von einem Kapitän. Auch nicht von einem' Oberst der kaiserlichen Garde. Was soll der Zar also tun ? Er befördert den Mann zum General. Das ist in Ordnung. Ich befördere Sie zum General! Und nun, Herr General, nehmen Sie meinen Stock und geben Sie dem Fürsten seinen verdienten Lohn. Sie schlagen nun einen Ihresgleichen.» Soldat Tolstoi nahm den Stock des Zaren in beide Hände und versetzte dem Fürsten einen tüchtigen Schlag auf die Schulter. Der Zar lachte. Am nächsten Tag wurde dem Soldaten seine Ernennung zum General und Grafen schriftlich bekanntgegeben. Einer seiner Nachkommen, Graf Leo Tolstoi, aber kannte keinen sehnlicheren Wunsch, als die Grafenwürde loszuwerden. Mark Twains erster Verdienst. Ein amerikanisches Blatt erzählt, wie Mark Twain zum erstenmal Geld verdiente. Er verdankte dieses Geld nicht einem seiner Bücher, durch die er später so berühmt wurde, sondern einem Spass, der eigentlich ein kleiner, niedlicher Betrug 1 war. Er streifte arbeits- und ziellos durch die Strassen von Chicago, als plötzlich ein prachtvoller Windhund an seiner Seite auftauchte und neben ihm herlief. Eine Zeitlang hatten Mark Twain und der Hund gemeinsam ihren Weg zurückgelegt, da kam ein Polizeiinspektor, trat auf Mark Twain zu und fragte ihn, ob er nicht den Hund verkaufen möchte. «Weshalb nicht?» erwiderte gelassen der spätere Autor vieler amüsanter Bücher. «Für drei Dollar können Sie das Tier haben.» Ohne ein Wort weiter zu sagen, griff der Inspektor in die Tasche, holte drei Dollar hervor und gab sie Mark Twain. Kaum war dieser sonderbare Kauf abgeschlossen, wurde Mark Twain neuerlich angesprochen. Diesmal war es ein Fremder, der erzählte, dass ihm sein geliebter Windhund soeben entlaufen sei. Ob Mark Twain den Hund nicht gesehen habe? Da kam Twain eine glänzende Idee. Er könne ehrlich bleiben, sagte er sich, und doch Geld verdienen. «Wenn Sie ein wenig Geduld haben», erklärte er dem Fremden, «und sechs Dollar opfern wollen, bringe ich Ihnen den Hund.» Der Fremde war einverstanden, Twain machte rasch kehrt und lief dem Polizeiinspektor nach. Endlich erreichte er ihn. «Geben Sie mir den Hund zurück», rief er ihm von weitem zu. «Bitte, geben Sie ihn mir wieder»* bat er, näher kommend, mit Tränen in seinen Augen. «Sie können Ihr Geld zurückhaben. Ich kann mich unmöglich von meinem lieben Freund trennen, ich kann ohne ihn nicht leben.» Der Inspektor war durch diese Anhänglichkeit gerührt und willigte in die Rückgängigmachung des Kaufes. Glückstrahlend eilte Twain mit dem Vierfüsser zu dem Fremden, der aus Freude über die Wiedergewinnung des Hundes dem ehrlichen Finder nicht bloss sechs Dollar gab, sondern auch ein Glas Whisky spendierte. Seit wann gibt es keine wilden Pferde mehr? Wilde Pferde gibt es in unserer Gegend schon lange nicht mehr. Doch kamen sie noch im 16. Jahrhundert, jedenfalls aber ganz bestimmt noch im 15. Jahrhundert in unsern grossen Waldgebieten vor. Wann das letzte wilde Pferd erlegt wurde, kann nicht gesagt werden, da es hierüber kein eigentliches Material gibt. Dass die Waldgegend Mitteleuropas im Altertum aber von Rudeln wilder Pferde belebt gewesen war, wird durch eine Reihe geschichtlicher Zeugnisse bewiesen. Auch später noch fehlt es nicht an Belegen' für das Vorkommen des wilden Pferdes bei uns. So bittet beispielsweise Graf Gregor III. im Jahre 732 den Heiligen Bonifazius, den Genuss des Fleisches wilder Pferde nicht mehr zu gestatten. Doch ist es bekannt, dass noch um das Jahr 1000 die Bewohner von Sankt Gallen solches Fleisch gesessen haben. Im Jahre 1593 werden die wilden Pferde, die in den Vogesen Jebten, ausführlich geschildert, und in Preussen jagte man noch zur Ordenszeit wilde Rosse, zu deren Erhaltung Herzog Albrecht im Jahre 1543 einen Schonungsbefebl erliess. Nach den neuesten Forschungen scheint es festzustehen, dass es sich dabei nicht um verwilderte, sondern um wirklich wilde Pferde harb delt, von denen es zwei verschiedene Rassen gab. Die Frau des Arbeitslosen. An einem Dauerschwimmen, das in Sidney veranstaltet wurde, nahm auch eine Maori- Frau namens Katerina Rehua teil und errang den zweiten Preis von 500 Dollar. Wie nach Beendigung des Wettschwimmens bekannt wurde, hatte die junge Frau, deren Gatte seit neun Monaten ohne Arbeit ist, vier Kinder, darunter ein neun Wochen altes Baby. Da die Not im Hause immer grösser wurde, entschloss sich die junge Frau, die eine ausgezeichnete Schwimmerin ist, an dem ausgeschriebenen Wettbewerb teilzunehmen. Der letzte Rappen wurde zusammengekratzt, um den Einsatz zu dieser Veranstaltung bezahlen zu können. Nach dem Bekanntwerden dieser Umstände beschloss die Siegerin des Wettbewerbes, die bekannte Dauerschwimmerin Miss Gleitze, von ihrem 1500 Dollar betragenden Preis 500 Dollar an ihre bedürftige Konkurrentin abzutreten. Es wurde auch eine Sammlung veranstaltet und verschiedene bei dem Wettbewerb anwesende Unternehmer erklärten sich bereit, Arbeit für den Mann zu beschaffen, so dass die tapfere Frau nunmehr der drückenden Sorgen enthoben ist. iaretteri-si

N"38 - 1031 AUTOMOBIL-REVUE 19 HDB DE EDIE EP Dem zarten, überaus feinen Erinnerungsbuch der französischen Schriftstellerin Colette « Mein Älternhaus » (deutsch bei Paul Zsolnay, Berlin) ist diese duftige Schilderung der ersten reinen Regung eines unvercjuälten Mädchenherzens entnommen: «Am Tage, da die Opera Comique brannte, wollte mein ältester Bruder, von einem andern Studenten, seinem besten Freunde, begleitet, zwei Plätze nehmen. Doch andere arme Musikliebhaber, Stammgäste auf den Dreifrancs-Sitzen, hatten keine Karten mehr für sie übriggelassen. Die zwei enttäuschten Studenten assen auf der Terrasse eines kleinen Restaurants-im selben Viertel zu Nacht, und eine Stunde später brannte, 200 m von ihnen entfernt, die Opera Comique ... Ehe der eine auf das Telegraphenamt lief, um seine Mutter zu beruhigen, und der andere zu seiner Pariser Familie, schüttelten sie einander die Hand und blickten sich mit Verlegenheit, mit jener Unbeholfenheit an, unter der sehr junge Leute echte Bewegtheit verbergen. Keiner von beiden sprach von der Fügung des Schicksals, noch von der geheimnisvollen Vorsehung, die über ihnen gewaltet hatte. Als aber die Ferien herankamen, begleitete Maurice — nehmen wir an, er habe Maurice geheissen — meinen Bruder zum erstenmal nach der Heimat und verbrachte zwei Monate bei uns. Ich war damals ein schon recht grosses « kleines Mädchen», ungefähr 13 Jahre alt. Er kam, also jener Maurice, den ich um der Freundschaft willen, die meinen Bruder mit ihm verband, blind bewunderte. Im Verlaufe von zwei Jahren hatte ich erfahren, dass Maurice die Rechte studierte — allerdings konnte ich mir unter dem Wort nichts vorstellen —, dass er, ebenso wie mein Bruder, die Musik liebte, dass er mit seinem Schnurrbart und einem ganz kleinen Knebelbart dem einst berühmten Bariton Taskin ähnelte, dass seine reichen Eltern chemische Produkte en gros verkauften und nicht weniger als 50 000 Franken im Jahre verdienten —' man merkt wohl, dass ich von einer lernen Zeit spreche. Er kam, und meine Mutter rief sogleich, dass er hundertmal netter sei als auf seinen Photographien, ja selbst all das noch übertreffe, was mein Bruder seit zwei Jahren an ihm gepriesen hatte: den feinen Wuchs, das samtene Auge, die schönen Hände, den rötlichbraunen Schnurrbart und die liebenswürdige Ungezwungenheit eines Sohnes, der seine Mutter nur selten verlassen hat. Was mich anbetrifft, so sagte ich nichts, eben weil ich die Begeisterung meiner Mutter teilte. EFERX^ Der Freund Von Colette. Er erschien in Blau gekleidet, trug einen Panamahut mit gestreiftem Band, brachte mir Bonbons, Affen aus dunkelrotem, goldgelbem und giftgrünem Seidensamt, die eine greuliche Mode überall hinhing, und ein kleines Portemonnaie aus türkisfarbenem Plüsch. Aber was bedeuten all die,se Geschenke, so teuer sie gewesen sein mochten? Ich stahl ihm und meinem Bruder, was mir sentimentalen Elster in die Finger geriet: leicntfertige illustrierte Zeitungen, orientalische Zigaretten, Hustenpastillen, einen Bleistift, dessen oberes Ende Zahnspuren aufwies, hauptsächlich aber leere Streichhölzerschachteln — eine neue Art Schächtelchen, die mit Photographien von Schauspielerinnen geschmückt waren; es dauerte nicht lange, und ich kannte sie alle, wusste sie mit Namen zu nennen: Theo, Sybil Sanderson, Van Zandt... Eine wie die andere hatte sehr grosse Augen, sehr schwarze Wimpern, dichte gekräuselte Haarfransen auf der Stirn und einen Tüllschleier über eine Schulter gehängt, während die andere nackt blieb... Indem ich Maurice sie nachlässig nennen hörte, vereinte meine Phantasie sie allesamt zu einem Harem, über den er in königlichem Gleichmut herrschte, und am Abend vor dem Schlafengehen versuchte ich die Wirkung eines meiner Mutter gehörigen Schleiers auf meiner Schulter. Acht Tage lang war ich störrisch, blass oder plötzlich rot, mit einem Wort verliebt. Dann aber, da ich im Grunde ein recht vernünftiges kleines Mädchen war, ging diese Zeit der Ueberspanntheit vorüber, und ich genoss die Freundschaft und die fröhliche Laune Mauricens, die ungezwungenen Gespräche der beiden Freunde. Eine klügere Koketterie beherrschte nun alle meine Bewegungen, ich war mit dem Anschein völliger Natürlichkeit so, wie ich sein musste, um zu gefallen: ein hoch aufgeschossenes Mädchen mit langen Zöpfen, ein breites Band mit Schnalle um die Taille, auf dem Kopf einen grossen Strohhut, unter dem ich mich wie eine lauernde Katze verbarg. Man sah mich wieder in der Küche, die Hände in einem Kuchenteig vergraben, oder im Garten, den Fuss auf dem Spaten, und auf Spaziergängen umkreiste ich die Arm in Arm wandelnden Freunde wie eine getreue Hüterin. Welch eine warme Ferienzeit, so glücklich und so rein... Aus einem Gespräch der beiden jungen Leute erfuhr ich von der — allerdings noch recht fernen — bevorstehenden Heirat Mauricens. Eines Tages, als wir allein im Garten waren, fand-ich den Mut, ihn zu bitten, er möge mir das Bild seiner Braut zeigen. Er reichte es mir: ein lächelndes, hübsches, junges Mädchen, äusserst kunstvoll frisiert und in tausend Spitzenrüschen eingehüllt. «Oh,» rief ich ungeschickt, «was für ein schönes Kleid!» Er lachte darüber so herzlich, dass ich mich nicht entschuldigte. «Und was werden Sie denn machen, wenn Sie verheiratet sind?» E$ hörte zu lachen auf und betrachtete mich. «Was ich machen werde? Aber ich bin ja jetzt schon fast Advokat, das weisst du doch!» «Das weiss ich. Aber Ihre Braut, was wird die machen, wenn Sie Advokat sind?» «Was bist du komisch! Sie wird meine Frau sein. Was denn sonst?» «Wird sie denn viele andere Kleider anziehen mit solchen kleinen Rüschen?» «Sie wird sich um die Wirtschaft kümmern, sie wird Besuche empfangen... Machst du dich über mich lustig? Du weisst doch sehr gut, wie man lebt, wenn man verheiratet ist.» «Nein, das weiss ich nicht sehr gut. Aber ich weiss, wie wir seit einem halben Monat leben?» «Wer wir?» «Sie, mein Bruder und ich. Geht es Ihnen nicht gut hier? Waren Sie nicht glücklich? Haben Sie uns nicht lieb?» Er hob seine schwarzen Augen gegen das gelbgestreifte Schieferdach, gegen die zum zweitenmal blühende Glyzinie, streifte auch mich mit einem flüchtigen Blick und antwortete wie zu sich selbst: «Doch, doch...» «Wenn Sie verheiratet sind, dann können Sie wohl nicht mehr hierher auf Ferien kommen? Dann werden Sie wohl nie mehr mit meinem Bruder spazieren gehen und mich an meinen Zöpfen halten, als wären es Zügel?» Ich zitterte am ganzen Körper, aber ich wandte die Augen nicht von ihm ab. Irgend etwas veränderte sich in seinem Gesicht. Er blickte zuerst rings um sich, dann schien er von Kopf bis zu den Füssen das kleine Mädchen zu messen, das sich da an einen Baum lehnte und den Kopf hob, indem es mit ihm sprach, weil es noch nicht gross genug war. Ich erinnere mich, dass er ein gezwungenes Lächeln zeigte, die Achseln zuckte und ziemlich^ albern antwortete: .«Nein,*" natürlich, das ist doch selbstverständlich ...» fir entfernte sich in der Richtung des Hauses, ohne ein Wort hinzuzufügen, und in mein kindliches Bedauern darüber, dass ich Maurice so bald verlieren würde, mischte sich, zum erstenmal empfunden, etwas vom siegreichen Kummer einer Frau.» Neue Modeschöpfungen Der berühmt« amerikanische Filmstar Clara Bow in einem eleganten Nachmittagskleid aus grünem Chiffon,, der Mantel aus grün-gelbem Samt, mit Weissfuchs besetzt. Eine Frau wartet. . . Die folgende kleine Skizze ist keiner Schriftsteller-Phantasie entsprungen. Das. Leben selbst bat dieses Drama erfunden. Die Skizze ist dem lokalen Teil des «Berliner Tageblattes» entnommen: Seit Mitte März steht in der X-S'trasse (der Name tut nichts zur Sache) eine Frau und wartet auf einen Mann. Sechs Wochen lang wartet sie. Jeden Tag und manchmal auch in der Nacht. Der Mann wohnt in dem Hause an der Ecke. Manchmal kommt er herunter auf die Strasse. Dann fällt sie ihm •ImAuto durch die Oslschweiz Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich In O. R. Wagners CH Touring, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. O. S. ii/ 6fJ9Qwn4 a/tJfJjJtg&tf-i Seit Jahren ist das tannengrüne ... . _ A M A V i K m f f i n äT% mlt seinen guten Strassen O^?wirGÖUl4Ci' ein begehrtes Reiseziel, mit seinen heimeligen Ferienorten ein beliebter Erholungsaufenthalt. Gute Verpflegung bei massigen Preisen an unsern gutbürgerlichen Gaststätten. Prospekte beim TOGGENB. VERKEHRSBUREAU LICHTENSTEIQ. wer einkehrt — Garage. EMIL Blütenschmuck Sie den Autler zum Ku nden durch den Äutler Feierabend Bekannt vorzügl. Küche u, Keller. Garage. Tel. 143. J. KRÄUTLI. Prächtiger Ausflugsort und Kuraufenthalt Küche nnd Keller bekannt sorgfältig gepflegt Grösste Garagen am Untersee. Reparaturwerkstätte. Tankanlagen. Elektr. Pneupumpe. 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Mi.: abends 8 1 /« Uhr: Der Hauptmann v. Köpenick, Komödie von Karl Zuckmayer. Do.: abends 8'/< Uhr: Der Hauptmann v. Köpenick. FT.: abends 8 1 /, Uhr: Der Hauptmann v. Köpenick. Sa.: abends 8 1 /« Uhr: Der Hauptmann v. Köpenick. So.: nachm. 3Vi Uhr: Der Hauptmann v. Köpenick. abends 8'/, Uhr: Der Hauptmann v, Köpenick. CORSO: Abends 8 Uhr u. Sonntags auch nachm. 3 Uhr: Qai Paris, die grosse Original Pariser Revue. CINEMA: APOLLO: Fein« Im Blut, Grosser Kulturfilm. ZÜRICH Waldmannstrasse 10 bügeln Ihren Anzug so, dass er Ihnen wieder tip-top sitzt Ami. uwvwawm oSm iwamuch Sorgfältige Postablleferungl inallen Qualitäten undPreitlaäen ! uehUn; Wolle, Mohair. Kämelhaar 21® 32so 40- 69- 75- Auswahlen zuDfenttetL Zürich