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E_1931_Zeitung_Nr.034

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Aucfa&«» DetttffCti* fcfiwe&i BERN, Dienstag, 21. April 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. - N° 34 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralbiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjährlich Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.-. Im Ausland nnter Portoswehlat •otern nicht postamtlich bestellt. Zusehlag für postamtliche Basteilung SO Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. „Autokultur" Der Begriff «Kultur» ist verschiedentlich definiert worden. Es führte sicherlich zu weit, in der A.-R. sich diesbezüglich in Erörterungen ergehen zu wollen. Wir postulieren heute den neuen Begriff « Autokultur.». Ob es eine solche gibt? Das Motorfahrzeug schafft Kultur, es ist zum Vorspann einer ganz neuen Richtung geworden. Autokultur! Eine neue Wertsteigerung des Lebens durch Ueberwindung der Abgeschlossenheit, ein ideales Mittel zugleich zur Individualisierung und Dezentralisierung des Verkehrs. So bedeutete das Auto zuerst im Leben des amerikanischen Farmers tatsächlich eine Revolution. Indem es ihn aus seiner Isolierung befreite und in regelmässige Beziehungen zur Umwelt brachte, glichen sich seine Lebensformen denen des Stadtbewohners an. Das Auto gestattete ihm den häufigeren Besuch der Stadt, ermöglichte es ihm, in einem Umkreis von durchschnittlich 50 Meilen bequem Verkehr zu pflegen, am städtischen Clubleben usw. teilzunehmen. Weit mehr als das Radio, welches ihm täglich die Marktberichte, auf Grund deren er in seiner Wirtschaftsführung zu disponieren vermag, oder sonstige wichtige Nachrichten ins Haus spricht, ist das Auto für den Farmer, mag er auch noch so abseits wohnen, eine wichtige Förderung. Früher tageweit entferntes Farmland wurde äurch das Auto nur noch stundenweit entfernt. Gewann das Land selbst dadurch an Wert, so war die gleichzeitige Wertsteigerung des Lebens noch grösser; wie denn das Auto im Bewusstsein des amerikanischen Menschen eine Wertsteigerung des Lebens schlechthin bedeutet. Aehnliches haben wir in Europa, ja sogar in der kleinen Schweiz erlebt. Das Rucksackidyll ist verschwunden. An dessen Stelle ist in weitgehendstem Masse das Auto getreten, das grosse Teile der Bevölkerung aus der Enge der Stadtmauer wieder ins Land hinausführt, über Berge und Täler weg in Neuland bringt. Die Entfernungen sind kein Hindernis, der Horizont weitet sich, im Weekendhaus, auf einsamer Bergeshöhe, beim Wellenschlag eines klaren Sees holt der Mensch wieder Einkehr mit sich selbst, Enebetnt Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" REDAKTION o. ADMINISTRATION: Brcltenrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 89.84 Telegramm-AdresseJ Autorevue, Bern fühlt er sich mit der Natur wieder näher verwandt. Der Motor -erschliesst ihm die Schönheit der Technik und der Natur und singt ihm vom ehernen Gesetz unwandelbarer, ewiger Kräfte. Werden dabei nicht neue innerliche Werte für den Menschen geschaffen? Nehmen wir ein klassisches Beispiel: Frankreich, das nicht nur im Automobilverkehr, sondern auch im Erfassen dieses Vehikels als Mittel zur Hebung des Fremdenverkehrs in Europa wohl die Führung an sich gerissen hat. Wir kommen von Nordfrankreich, dem ehemaligem Kriegsgelände zurück. Das ganze Land ist mit einem Netz vorbildlicher Autostrassen durchzogen, deren Anziehungskraft auf das autobegeisterte ausländische Reisepublikum, besonders den Amerikaner, der seinen Wagen auf den Europa-Trip häufig mitnimmt, um auf dem Kontinent in erster Linie die Länder mit guten Autostrassen aufzusuchen, ausserordentlich stark ist. Mit verschwindend kleinen Ausnahmen sind denn auch die vielfach um die Ortschaften herumführenden und mit Tankstellen besäten, schnurgeraden, breiten, staubfreien* glatten, gut markierten Autostrassen, die sich in der Geraden, kaum von einer Kurve unterbrochen, Hunderte von Kilometern hinziehen, und wie die 500-km-Strecke Paris—Lyon Stundengeschwindigkeiten von durchschnittlich 70 km gestatten, in mustergültigem Zustand. Die kleinsten Ortschaften besitzen Garagen und Reparaturwerkstätten, die Hotels an den grossen Durchgangsstrecken sind ganz auf den Autoverkehr eingestellt. Wenn deshalb in Frankreich heute fast jedermann im Auto reist, « Erpressfahrten », den Schnellverkehr Paris—Lyon—Nizza (Rom) usw.. vermitteln, ist das in erster Linie der vorzüglichen Strassenbeschaffenheit zuzuschreiben. Das Auto ist tatsächlich im Begriff, Frankreich zu erobern, und zwar — als Freund, nicht wie anderswo als Feind des Volkes. Mit dieser Werterhöhung des Landes durch das Auto, geht dio Wertsteigerung seines staatlichen Lebens und somit des Lebens jedes seiner Bürger durch die fortschreitende Autokultur Hand in Hand. Frankreich, das klassische Land der Zentralisierung, dezentralisiert sich mehr und mehr, indem sich die Provinz, dieses seines künstlichen Uebergewichtes beraubend, von dem Zentrum Paris unabhängig macht. Barres prophetische Worte, dass die Provinzen noch immer die Frankreich erwärmenden und belebenden grossen inneren Feuer seien, beginnen sich zu erfüllen, und zwar nicht erst, seitdem die Regierung, der Verödung des flachen Landes vorbeugend, den Zuzug nach dem übervölkerten Paris einzudämmen suchte, sondern, wie alle Kenner der Ver- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct*. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratensehlass 4 Tone vor Erseheinen der Nummern fahrzeugsteuer gedeckt werden kann. Es war bei dieser Sachlage einerseits hältnisse einstimmig versichern, vom Au-kaugenblick an, da das Auto neues Leben in die seits aber auch keine besonders starke eine nennenswerte Opposition, ander- Provinz zu tragen begann. Wenn diese Stimmbeteiligung zu erwarten. In der Tat heute nicht mehr tot ist, von ihr seit geraumer Zeit sogar «eine neue Energie zur men auf sich vereinigt, denen nur 6368 Nein hat das Anleihen 33,112 befürwortende Stim- Pflege der Heimatkunst und des Heimatgefühls» ausgeht, wenn Mistral, der Sänger mand zu ergründen vermag, da irgendeine gegenüberstehen, deren Ursprung wohl nie- der Provence, noch vor dem Krieg als solcher eine Einzelerscheinung, heute in allen bekannt geworden ist. bestimmte Opposition oder Kritik gar nie Teilen Frankreichs Nachahmer fand, wenn Die sich rund auf 20 Prozent beziffernde Paris nicht mehr das alles überragende Zentrum Frankreichs ist, hat an dieser Stimmbeteiligung, welche in diesem Aus- überraschenden Entwicklung die Kultur des Autos den Hauptanteil. So viel von Frankreich. Das gleiche könnte von andern Ländern gesagt werden. Eine Reise in den Balkan bestärkte uns in der Gewissheit, dass überall das Auto Strassen und damit Kultur schafft. In der Schweiz ist es auch am Werke. Das Strassennetz von heute gleicht dem vor 10 Jahren nicht mehr. Prächtige, aber nicht unbekannte Gegenden sind erschlossen. Wohlstand, Kunstsinn, .blühen auf. Die Autokultur beginnt langsam, dem was wir unter Leben zusammenfassen, den Stempel aufzudrücken. O, Die Berner 5-Milllonen-Strassenanleihe genehmigt. Die Diskussion über das vom Regierungsrat vorgelegte Projekt der Aufnahme einer 5 Millionen-Anleihe für die beschleunigte Durchführung des Strassenbauprogrammes hat vor der Abstimmung keine grossen Wellen geworfen. Es bat aber keineswegs an teilung der Arbeiten und der Wahl der in Frage kommenden Strassenverbesserungen die Arbeitslage in den einzelnen Kantonsgegenden ganz besonders berücksichtigt werden. Auch in finanzieller Hinsicht musste der Vorschlag die weitgehende Zustimmung der Bevölkerung finden, da er ja keine neue Belastung der Kantonsfinanzen bringt, indem der gesamte Zinsen- und Amortisationsdienst aus den Mitteln aus Benzinzoll und Motor- mass zu erwarten war, tut dem Zeugnis moderner Einstellung zu Strassenbaufragen, welches dem Bernervolk ausgestellt werden kann, keinen Abbruch. Gerade weil man sich stillschweigend mit dem regierungsrätlichen Vorschlag einverstanden erklärte, fand man den Gang zur Urne in der mit Abstimmungen sowieso gesegneten Zeit, nicht für nötig. Auf alle Fälle haben die Berner das Arbeitslosenproblem richtig angepackt und mit viel praktischem Sinn wenigstens einer teil— weisen Lösung entgegengeführt. Die Erkenntnis — welche wir schon seitdem sich die Krisis bemerkbar gemacht hat, vertreten haben —, wonach der Zeitpunkt för den Strassenbau besonders günstig sei, scheint sich in weiten Volkskreisen glücklicherweise durchzusetzen. Erinnert man sich der gewaltigen Summen, welche im nahen Auslande von Staates wegen für den Ausbau des Strassennetzes zur Verfügung gestellt worden sind, und zwar ohne dass damit hauptsächlich nur eine Beschäftigung von Arbeitslosen beabsichtigt gewesen wäre, so müssen wir mit Bedenken feststellen, wie bei einem weitgehenden Interesse für den Vorschlag gefehlt. Begrüsst wurde er beson- der Verkehrsentwicklung in ähnlicher Weise uns das Tempo im Strassenbau keineswegs ders von jenen Kantonsteilen, welche von gerecht zu werden vermag. Es sollten deshalb, nachdem sich der Bund selbst nicht der Regierung dringende Hilfe für die herrschende Arbeitslosenkrise erwarteten. Im aktiv im Strassenbau betätigt, wenigstens Bauprogramm soll bekanntlich bei der Ver- die Kantone keine Gelegenheit unbenutzt las- F E U I L L E T O N Blitz Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarts. (Verlag Georg Müller, München.) (1. Fortsetzung) Inhalt des ersten Romanteiles. In den riesigen Einöden von Nordamerika waren früher Büßelherden zu Hause, die eines Jahres ihre gewohnte Frühjahrswanderung gegen Norden antraten und nicht mehr wiederkehrten. Die Viehzüchter folgten den Büffelherden, bis plötzlich grosse Wölfe vom Gebirge herabkamen und in den Herden Unheil anrichteten. Gegen diese neue Wolfsrasse, die man «Lobo» nannte, wurde ein Vernichtungskrieg organisiert. Unter diesen Wolfsjägp.rn befand sich Vater Kinney. der mit Clark Moran einen Vertrag abgeschlossen hatte, falls einer von beiden die Wolfshöhle ausheben sollte, würde Clark Moran ein lebendiges Wolfsjunges und Kinney die Prämie für die ganze Wolfsfamilie erhalten. Als sie eines Nachts im Freien kampierten, hörten sie von Ferne her das langgezogene Geschrei eines tLobo», dem eine Wölfin mit heiserem Schrei antwortete. Dieser Schrei brachte die Jäger zur Auffassung, dass die vermeintliche Wi' J fin ein Bastard aus einem Hund und einem Wulf sei. Zehn Tage später hattp Moran bereits sein Wolfsjunges zwischen rlen Knieen und Kinney die Kadaver der Wolfsfamilip auf seinen Pferden. Woran taufte das tolle Wolfsjunge mit dem Namen «Blitz« und versuchte das Vertrauen des Tieres zu gewinnen, was ihm auch gelang. Moran lehrte Blitz das Fressen, indem er ihm Stücke frischen Fleisches vorsetzte, die derselbe hungrig beschnüffelte, aber nicht verschlingen wollte, denn er hatte von seinen Eltern gelernt, kein Fleisch zu berühren, das er nicht seihst irisch getötet hatte. Eines Nachts führte der Aus solchen Vorfällen hatte Blitz die Wind den Geruch faulen Fleisches zu, und Moran fand, der Spur nachgebend, einen Wolfshund, der gegen ein Eisen, das sein Bein um- Nahrung, sondern Tod bedeutete, und dass Lehre gezogen, dass kaltes Fleisch nicht klammer hielt, wütend die Zähne fletschte. Blitz nur warmes, zuckendes Fleisch ohne Gefahr geniessbar sei. musste erkennen, dass faules Fileisch Unheil bedeutet Wieder einmal musste Blitz die Wirkung Ein anderes Mal waren sie an einem jungen Ochsen vorbeigekommen, den der Vater ein heftiger Widerstreit entstand in dem des Mischbluts in seinen Adern fühlen und zwei Nächte vorher gerissen hatte. Zwei Coyoten hatten dort gelegen, tot und aufgedunsen, ein dritter, der sich in tollen Kreisen drehte und von entsetzlichen Zuckungen und einem rasselnden Husten geschüttelt wurde, war vor ihren Augen verendet. Nun begriff Blitz, dass es auch Unheil brachte, zu einer verlassenen Beute zurückzukehren. Auf Schritt und Tritt hatte die Wolfsfamilie solche verlockende Stücke Fleisch und Fett gefunden. Blitz wusste nicht, dass jeder Reiter in dieser Gegend Strychnin mit sich führte, um jedes Aas, das er auf dem Wege fand, zu vergiften, dass er es dann in Stücke zerschnitt und als Lockspeise auswarf. Seine Eltern aber wussten es, und ein böses Schnappen scheute jedes Junge zurück, das sich einem solchen Stück Fleisch nähern wollte. Eine seiner Schwestern war ausgerissen, hatte bloss ein winziges Stückchen solchen Fleisches verschlungen und duckte sich schon in der Erwartung der mütterlichen Züchtigung, als bereits der Todeskrampf sie packte. Die ganze Familie stand dort und musste zusehen, wie sie elend zugrunde ging, ebenso wie der tolle Coyote» Tiere. Hunger und die hündische Zuneigung, die es für Moran zu empfinden begann, spornten das Verlangen nach der dargebotenen Nahrung, doch das wölfische Misstrauen gegen alles, was Mensch hiess, und die schrecklichen Dinge, die es erlebt hatte, in Verbindung mit dem Abscheu vor dem Geruch kalten Fleisches, hielten es zurück. Schliesslich fand Blitz einen Ausgleich: er beleckte das Fleisch, das ihm Moran entgegenhielt, noch immer, aber weigerte er sich standhaft, das Fleisch zu verzehren. Auch der Abend des zweiten Tages fand Moran bei seinem geduldigen Bemühen, Blitz zum Fressen zu bringen. Ein Pferd klapperte in den Hof — Ash fragte Brent beim Eintritt und stiess mii dem Daumen gegen das Wolfsjunge. Brent stieg vor dem Hause ab. «Das ist mein neuer Hund,» sagte Mo- « Wie gefällt er dir.» Aengstlich wich das Pferd vor ihm zu-ranrück, als er sich niederbeugte, den Sattelgurt zu lockern Daraufhin riss er so graurischen Grinsen. Brent verzog seinen Mund zu einem mürsam an den Zügeln, dass das Blut zu beiden Seiten des schweren Gebisses herab- er. « Will nicht fressen? « Ist ein sonderbares kleines Biest,» sagte » tropfte. Er schritt zur Tür, blieb stehen und sah ins Haus — ein hochgewachsener Mann mit allzu kleinem Kopf, der niedrig auf breiten Schultern sass. Seine hellen Augenbrauen standen in scharfem Gegensatz zu dem dunklen Rot seiner Gesichtsfarbe, und kalte, blaue Augen sahen gleichgültig in'die Welt, an der sie nichts Gutes fanden. «Hallo, Moran! Ich will Harmon sprechen ! » sagte er ohne weiteren Gruss. « Wo steckt er? » « Jeden Augenblick kann er zurück sein,» antwortete Moran. «Tritt ein, Brent, tritt ein und warte! » Hinter dem herzlichen Ton der Einladung verbarg sich Morans starke Abneigung gegen diesen Menschen, diesen Tierschinder. Moran war selbst Gast hier und da Brent mit Harmon zu tun hatte, durfte er seinern wahren Gefühl für diesen Menschen auch keinen Ausdruck geben. Rauhe Männer sogar, die selbst nicht ällzusanft mit Pferden umgingen, schüttelten angewidert den Kopf über Brents tolle Grausamkeiten, die er aus den lächerlichsten Anlässen an ängstlichen oder halsstarriger Pferden zu begehen pflegte. « Was hast du denn da herbeigeschleppt? * «Und beweist damit seine Klugheit!» erklärte Moran. «Hat schon gelernt, nicht alles zu schlucken, was er sieht: hab ihn erst ein, zwei Tage, wird aber rasch umlernen, sobald nur sein Vertrauen zu mir stärker ist als seine Wolfsvorsicht.»