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E_1931_Zeitung_Nr.034

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II AUTOMOBIL-REVUE

II AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N° M BESUCH IN DEN PEUGEOT-WERKEN Antriebswellen dienender Monstren, bis zum kleinen automatischen Schraubendrehbank, Drehbänke zur Herstellung von Ventilen, von Bolzen und den fast unbekannten Teilen, die irgendwo im wundersamen Organismus des Automobils Verwendung finden. Parallel zu den Drehbänken sind in dieser Halle Fräsen aufgestellt, Werkzeugmaschinen, aus denen nach einigen mysteriösen Manövern fertige Zahnräder oder andere bis zu einer unglaublichen Präzision ausgearbeitete Maschinenteile herauskommen. Fortwährende Kontrollen, die mit einer unvorstellbaren Sorgfalt durchgeführt werden, schalten nach und nach alle Teile, deren Dimensionen nicht absolut den Anforderungen entsprechen, aus dem Fabrikationsvorgang aus. Wir haben hierin einen der Grundsteine der Fabrikation am laufenden Band und den wichtigsten Faktor am Erfolg oder Misserfolg dieser Fabrikationsmethode. Toleranzlehren, äusserst kostspielige Apparate, erlauben die Erfassung von Abmessungen im Bereich von einem Hundertstel Millimeter. Durch eine Spezialmaschine, die den Werkstätten der «Societe d'Instruments de Physique de Geneve» entstammt, werden wieder die Toleranzlehren selbst nachgeprüft. Die Prüfmaschinen ihrerseits arbeiten mit einer Messgenauigkeit von 1/10,000 mm. Andere Maschinen, denen man Genialität zusprechen möchte, dienen zum Ausschleifen der Zylinder oder der Pleuelstangenköpfe. Die Arbeitsgenauigkeit beträgt hier 1/100 mm. Die Mittelhalle der mechanischen Werkstatt. Die Montage-Werkstätten. Wir befinden uns jetzt im Zentrum oder gleichsam im Herzen des Werkes. Aus den verschiedensten Abteilungen strömen alle Einzelteile hier zusammen. Wir gelangen zum grossen Wunder der modernen Fabrikation: Dem laufenden Band. Es handelt sich hier um eine Art rollenden Werktisch, auf dem ein Teil des in Entstehung begriffenen Wagens ruht. Vielleicht ist der Teil ein Gehäuse, das soeben die Schmiede-Werkstätte verlassen hat. An ein und derselben Stelle hat nun der Arbeiter nichts weiter zu tun, als ein Gehäuse nach dem andern auf das laufende Band zu legen, wo es dann von einem zweiten Spezialisten weiter behandelt wird. Automatisch läuft das Band von Arbeiter zu Arbeiter. Und jeden Schritt weiter nimmt das Werkstück neue Formen an, bis es schliesslich am Ende des Bandes fix und fertig abgehoben wird. Wir haben dabei erst eine der Einzel- Montage-Werkstätten betrachtet, wie sie eben für den Aufbau der einzelnen mechanischen Gruppen, beispielsweise den Motor, das Getriebe, die Hinterachsbrücke usw. verwendet werden. Alle Einzel-Montage-Bänder laufen aber wieder auf einer gemeinsamen grossen «Strasse» zusammen, und erst auf diesem Fertig-Montage-Band vollzieht sich dann der Zusammenbau der einzelnen Gruppen zum fahrzeugartigen Gebilde. Allerdings liegen zwischen der Endstation der Einzelmontageketten und dem Fertigmontageband noch allerhand Prüfstationen, die ähnlich wie ein Sieb alle irgendwie defekten Stücke aussondern. Die Werkstücke kommen auf den Prüfstationen auf einen Prüftisch, wo sie von Spezialisten genauestens untersucht werden. Im ganzen arbeiten an diesen Kontrolliertischen nicht weniger als 600 Spezialisten. Nach der Prüfung gelangt das Werkstück genau in dem Moment an der Hauptmontage-«Strasse» an, in chem es zum Einbau benötigt wird. Bei den Motoren erstreckt sich die Prüfung über mehrere Stunden, da hier noch die Bremsleistung gemessen und ein grösseres Einlaufpensum erledigt werden muss. Das Abbremsen des Motors geschieht bei Tourenzahlen bis zu 4000 pro Minute. Zum Schluss gelangen an das Fertigmontageband nur Teile, die auch hinsichtlich Uoiprodufctionsmaschiuen Ein Piiifstand für Peujreot-Motoren. wel- ihrer Beansp ruchbarkeit der höchsten Zerreissprobe standhalten. Peugeot verfertigt sein Werkzeug selbst. Zahlreiche Spezialmaschinen wurden von der Peugeot-Gesellschaft speziell für den Zweck geschaffen, die erforderlichen Kontrollen an den Einzelstücken der Wagen mit einem Maximum von Zuverlässigkeit und Easchheit durchzuführen. Es resultiert daraus eine wesentliche Verbilligung und eine viel bessere Ausnützung der manuellen Arbeit bei gleichzeitiger Steigerung der Genauigkeit. Vorzugsweise werden Maschinen mit fortlaufender Bewegung und mit mehrfach angeordneten Werkzeugen benützt. Die Bearbeitung der grossen Kurbelgehäuse geschieht beispielsweise durch 20 grosse Bohrmaschinen. Die Werkstücke passieren eines nach dem andern vor Fräsmaschinen verschiedener Dimensionen und verschiedener Arbeitsweise: Fräsen für Grobarbeit, Fräsen für feine Arbeit, während gleichzeitig die Bohrung zur Aufnahme der Bolzen durch Maschinen mit 50—60 Bohrung ausgeführt werden. Zylinder-Schleifmaschinen schleifen nicht nur in einem Arbeitsgang die vier Zylinder eines Blockes, es werden sogar zwei Blöcke gleichzeitig bearbeitet. Eine der interessantesten Maschinen, sowohl hinsichtlich ihres ingeniösen Aufbaues, wie hinsichtlich die Genauigkeit ihrer Arbeit, ist die Nockenwellenschleimaschine. Während die Nockenwelle sich dreht, führen die Schleifscheiben automatisch die zur Bildung der richtigen Nokkenform nötigen Bewegungen aus. Bei noch grösserer Genauigkeit erzeugt diese Maschine eine komplette Nockenwelle in ebenso wenig Zeit, wie eine andere ältere Maschine zum Schleifen einer einzigen Nocke erfordert. Andere Bohrmaschinen und Schleifmaschinen dienen zur Herstellung der Schmierkanäle in den Kurbelwellen. Sie arbeiten mit besonders langen und feinen Bohrern, wobei jeder dieser Bohrer durch Fabrikation v-on Matritzen für das Schmiedewerk. einen eigenen kleinen, elektrischen Motor angetrieben wird. Trotzdem bedient der Arbeiter die Maschine mit einem einzigen Handrad. Es würde zu weit führen, alle die andern Wunder zu beschreiben, die Maschinen, die zur Herstellung der übrigen teilweile höchst komplizierten Stücke dienen. Immerhin sei erwähnt, dass nicht weniger als acht automatische Maschinen ausschliesslich zur Erzeugung von Schmiede- Matrizen Verwendung finden. Bei einigen davon durchläuft der Fräser genau den Weg, den ihm eine Schablone vorschreibt. Die Werkzeugausrüstung der Peugeot- Werke stellt das Ergebnis bis zum äussersten getriebener Studien dar, bei denen man als Hauptziel grösste Wirtschaftlichkeit im Auge hatte. Wie wir gesehen haben, arbeiten die Maschinen soweit wie möglich automatisch, wodurch sich wiederum bei einem Minium von Unkosten ein Maximum von Sicherheit ergibt. Di« Chassis. Das Prinzip der Fabrikation am laufenden Band findet nicht nur bei der Motorbearbeitung Verwendung, sondern in ebenso ausgedehntem Masse auch bei der Montage des Chassis. Alle seine Einzelteile, so das Getriebe, die Uebertragungswellen, die Hinterachsbrücke, die Federn, die Lenkstange usw. langen an der Montagekette genau an dem Punkte an, wo der Einbau in das vorher vorbereitete Chassis erfolgen kann. So kann man, wenn man der Montagekette entlanggeht, von Schritt zu Schritt verfolgen, wie der Wagen immer mehr seine definitive Form annimmt Der berühmte Peuireot-Löwe. und schliesslich unter eigener Kraft davonrollt. Noch vor seiner endgültigen Fertigstellung wird das Chassis sehr schweren Prüfungen unterworfen, die sich auf alle Organe erstrecken. So werden geprüft die Federung, die Lenkung, die Stabilität, die Strassenhaltung, die Beschleunigung usw. 10 Prozent der Chassis werden aufs Geratewohl aus der Produktion herausgenommen und von besondern Kontrollorganen weiteren schweren Prüfungen unterworfen, und zwar diesmal auf der Strasse, auf der Rennbahn, über grosse Distanzen, auf ungewöhnlich lange Dauer oder auf anormal hohe Geschwindigkeiten. Die Rückschlüsse, welche aus diesen Prüfungen gezogen werden, erlauben in jedem Moment eine Verbesserung oder Abänderung der Fabrikationsbedingungen. Alles in allem gibt also die Serienherstellung mindestens dieselben Chanen für eine gründliche Durcharbeitung der Wagen wie eine noch so sorgfältige Einzelproduktion. Liebenswürdiger Empfang durch die Direktoren. — Einige Zahlen. « Die Mittagszeit rückt heran. Der grosse Rundgang durch das Werk hat unsern Appetit dermassen angeregt, dass wir gegen ein uns angebotenes feudales Mittagsmahl in den «Balances» wirklich nichts anzuwenden haben. Beim Dessert heisst uns M. Coulon, Directeur administratif der Peugeot-Werke, herzlich willkommen ind unterhält uns über die sozialen Einrichtungen von Peugeot, von denen wir dann im Laufe des Abends noch mehrere kennen lernten. Wir hatten gleichfalls

N"34 - 1931 AUTOMOBIL-REVUE II VON SOCHAUX-MONTBELIARD das Vergnügen, dem Direktor der Fabrikationsabteilung M. Mattern, vorgestellt zu werden, der uns noch eine Unmenge interessanter Auskünfte verschaffte. Von «Y ihm erfuhren wir beispielsweise, dass in der Fabrik nicht weniger als 20,000 PS am Werke sind. Der elektrische Strom gelangt unter einer Spannung von 52,000 Volt in eine eigene Transformatorenstation, wo er auf eine Spannung von 9000 Volt heruntertransformiert wird. Diese Transformerstation speist allein 15 andere Stationen. Die Dampferzeugung geschieht in drei zentralisierten Gruppen von Dampfkesseln mit mechanischem Rost und automatischer Beschickung. Sie sind neugierig, und möchten die Kosten wissen, die mit der Einführung des Typs 201 verbunden waren: Sie belaufen dich auf die kokette Summe von 25 Millionen, allein für die Studien und 100 Millionen für neue Einrichtungen und neues Material. Die Peugeot-Werke beschäftigen ungefähr 20,000 Arbeiter, wovon allein 12,000 in den Automobil-Abteilungen tätig sind. 38 Prozent davon sind Ausländer, worunter wiederum 700 Schweizer. Die Schweizer erfreuen sich übrigens bei der Direktion besonderer Wertschätzung. 500 Arbeiter sind von der Firma in eigenen Wohnstätten untergebracht, verheiratete vorzugsweise in koketten kleinen Villen, ledige in sehr schönen, grossen Wohnhäusern, die den letzten hygienischen, sozial - wirtschaftlichen Anforderungen entsprechen, enthalten sie doch Versammlungsräume, Badsäle, Spielsäle, Leseräume usw. Was den Sport anbetrifft, kennen wohl alle Liebhaber die berühmte Fussball- Equipe von Sochaux. Am Nachmittag setzten wir unsern dass zwischen Karosserie und Chassisrahmen keine Verschiebungen stattfinden, die Anlass zur Geräuschbildung geben können. Der Aufbau der Karosserie geschieht ebenfalls auf dem laufenden Band. So letzten Teil auseinandergenommen. Jeder Teil hat nun eine Prüfung unter der Lupe zu bestehen. Anderseits wird jeden Montag ein gleichfalls aufs geratewohl aus der Produktion herausgenommener Wagen nach Paris geschickt, wo er auf Die Chassis-Montage-iietlen, von den Galerien aus gesehen. linden wir zuerst den rohen Blechkasten, der dann poliert und mit einem Rostschutzüberzug versehen wird. Einige Schritte weiter hat die Karosserie ihren ersten Farbenüberzug erhalten, weiter vorn werden die verschiedenen Garnituren angebracht, die Polster eingesetzt bis schliesslich, wenn der Anstrich die letzte Politur erhalten hat und die Kotflügel montiert sind, der Zusammenbau mit dem Chassis erfolgt. Bevor der nun fahrbereite Wagen die Halle verlässt und in die Stockgarage fährt, muss er noch vom «Client» abgenommen werden. Der «Client» ist ein Arbeiter, der an der Endstation der Fertigmontagekette wartet. Er prüft das Fahrzeug noch einmal auf Herz und Nieren und spielt ganz die Rolle des zukünftigen Käufers, der voller Misstrauen ist, bevor er seinen Kaufvertrag unterschreibt. Der «Client» meldet alle noch so kleinen Defekte unfehlbar der verantwortlichen Stelle. Nur die ganz einwandfreien Wagen gelangen zum Stock, und zwar werden sie hier in verschiedenen Etagen einmagaziniert. Erst jetzt ist der Fabrikationsprozess eigentlich beendet. der sehr schweren Bahn von Montlhery einige hundert Kilometer abrollen muss. Bei der Rückkehr wird der Wagen unter Fall alle seine Beobachtungen mitzuteilen hat. Selbstverständlich kommen alle diese Beobachtungen und Erkenntnisse nicht nur der Fabrik, sondern auch dem Käufer zugute. Höchste Rationalisation. Es • ist, wie man sieht, vor allem einer weitgetriebenen Rationalisation der Fabrikationsmethode zu verkanken, wenn es der Firma Peugeot gelungen ist, solche Wunderwerke an Präzision, wie sie die verschiedenen Modelle darstellen, zu einem so niedrigen Preis herauszubringen. Die Rationalisation gestattet übrigens auch eine sehr weitgehende Anpassung an jeden Spitzenbedarf. Jedenfalls ist es erfreulich, festzustellen, wie ein schöpferischer Geist sowohl Arbeitsinstrumente schafft, wie auch gleichzeitig Tausenden von Arbeitern neue Existenzmöglichkeiten bringt. C. F. F. - Wl. Das futuristische Restaurant. Der italienische Vater des Futurismus, Marinetti, machte seit einiger Zeit durch seine Tiraden gegen die Makkaroni von sich reden. Nachstehend einige authentische Sätze aus dem Manifest, das Marinetti gegen die «unpatriotischen» Makkaroni erlassen hat: «Neapolitaner sind tapfere Krieger, inspirierte Künstler, hinreissende Redner, scharfsinnige Rechtsanwälte und hart arbeitende Landwirte — sie sind es trotz der grossen Schüsseln Makkaroni, die sie sich täglich zu Gemüte führen. Nun hat Marinetti in Turin, unter dem grössten Interesse des In- und Auslandes ein Restaurant der Futuristen eingerichtet. Das Die Stookhalle. Rundgang zur Besichtigung der Karosseriewerke fort. Die Karosserie-Werke. Um die Chassis zu «bekleiden», muss die Herstellung der Karosserie im gleich raschen Tempo vor sich gehen, und die alten Konstruktionsmethoden sind offensichtlich nicht mehr am Platze. Die modernen Ganzstahlkärosserien entstehen nach einem Prozess, der dem Pressprozess der Rahmenlängsträger ähnlich ist. Blechtafeln, deren Abmessung und Form vorher genau berechnet wurden, werden in mächtige Pressen geschoben, die der Tafel in einem einzigen Arbeitsgang ihre endgültige Form verleihen. Die einzelnen so erzeugten Karosserieteile werden schliesslich durch elektrische Schweissung und maschinelle Nietung miteinander verbunden. Die elektrischen Schweiss- und Nietmaschinen vermögen den kompliziertesten Formen mit grösster Leichtigkeit zu folgen. Die fertigen Karosserien zeichnen sich durch grosse Widerstandskraft aus, da sie praktisch aus einem Stück bestehen. Da alle Fugen ausfallen, wird auch vermieden, dass die Karosserie mit der Zeit zu quietschen oder zu klappern beginnt, wie es bei Stahlkarosserien anderer Systeme gelegentlich beobachtet werden konnte. Der Aufbau der Karosserie auf das Chassis geschieht ebenfalls unter Berücksichtigung einer dauernden Geräuschlosigkeit. Speziell wurde darauf geachtet, Kaufmännisches Gewissen. Und nun einige Tatsachen, die darlegen, wie weit die geschäftliche Gewissenhaftigkeit der grossen Firma am Doubs geht! Jeden Tag wird aufs Geratewohl ein Wagen herausgegriffen, auf eine 350 km lange Reise geschickt und dann bis zum Endmontasrekette für Karosseriekasten. Montasekette für das 6-PS-Chassis. Typ 201. Anwesenheit seines Fahrers wieder vollkommen auseinandergenommen, wie auch der Fahrer selbst über den geeigneten «Partei-Restaurant» wurde festlich eröffnet, einige hundert Personen wohnten der feierlichen Weihe bei. Das Festessen stellte sich aus folgenden Gängen zusammen: Vorspeise: Suppe («Die Sonne»): ein mit Wein und Bier (!) gekochtes Risotto; dann ein Fleischgericht: «Die Plastik»; ein Gericht «Ultra-virile» («über-