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E_1931_Zeitung_Nr.041

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 15. Mai 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 4 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Enebelnt Jeden Dienstag und PreKn* Monatlieb „Gelbe Line" Raibjthriten Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter PortonncNag, Mtera nicht postamtlicb bestellt. Zuschlag für postamtliche BMtellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 89.84 Talegramm-Adresse: Autorevue, Bern Traktion auf Strassen Der vierte Geschäftsbericht der Sesa liegt vor. Er enthält alles Wünschenswerte, was nicht nur den Automobilisten, sondern auch den Volkswirtschafter interessieren muss. Es geht aus dem Ganzen hervor, dass die Sesa erfolgreich arbeitet, steht doch die Geeellschaft nicht nur mit den Bundesbahnen in einer Arbeitsgemeinschaft, sondern es haben sich auch viele Privatbahnen bereits die Dienste der Sesa zu sichern gewusst. So •wurde im Januar 1930 mit den Rätischen Bahnen ein diesbezüglicher Vertrag geschlossen, da letztere es als angezeigt hielten, der "Frage einer systematischen Organisation des Gütertransportdienstes mit Automobilen in die eisenbahnlosen Seitentäler des Kantons Graubünden näher zu treten. Ausserdem sind gleichartige Verträge mit den Verwaltungen folgender Bahnen abgeschlossen worden: Bremgarten-Dietikon, Gland-Begnins, Lyon-St. Gergue, Morez, Rolle-Gimel, St. Legier-La Chaux-de-Fonds, Tavannes - Noirmont, Wohlen - Meisterschwanden, Wynentalbahn, sowie mit der Bielersee-Dampfschiffverwaltuag. In erfreulicher Weise hat die Sesa die bestehenden Privatautomobil-Gesellschaften nicht verdrängt, sondern sie in ihren Dienst genommen. Der Sesa-Franko-Domizildienst, der Ende des Jahres 1929 eingeführt wurde, entwickelte sich zusehends. Es zeigt sich ja länger je mehr, dass die Beförderungen kleinerer Stückgutsendungen auf geringe Entfernungen nicht mehr der Bahn zukommen sollten, sondern dem Automobil. Ebenso beansprucht der Transport für Waren in Güterzügen mit Halt auf jeder Station sehr viel Zeit. Daraus ergibt sich die grosse Konkurrenzfähigkeit des Lastautomobils Tmd dessen bedeutend rentablere Transporte. Es war deshalb für die Sesa gegeben, Untersuchungen durchzuführen, ob nach technischen und wirtschaftlichen Interessen es vorteilhaft wäre, die schweizerischen Bahnunternehmungen von einem grossen Teil des Stückgüterdienstes auf nahe Distanzen durch eine engere Zusammenarbeit zwischen Bahn und Automobil zu entlasten. U I Blitss Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarts. (Verlag Georg Müller, München.) (8. Fortsetzung) • Achtes Kapitel. Eine Stunde vor Sonnenaufgang schlich Blitz zur Höhle. Sie war kalt und stumm. Am Morgen des vorhergehenden Tages war ein Reiter an der Höhle vorbeigekommen. Der Wolfssitte getreu hatte Silber sofort die Höhle verlassen und war mit den Jungen davongegangen, sobald der Reiter ausser Sicht war. Der Tag war heiss gewesen und hatte den Geruch ihrer Spur verweht, der Nachtfrost hatte ihn völlig vernichtet. Blitz lief meilenweit im Kreise, um Silbers Spur zu entdecken, doch vergebens. Auch seine Rufe fanden keine Antwort. Silber war indes mit ihren wackeren Jungen auf dem Marsche nach Norden begriffen, ihren alten Jagdgründen zu. Als die Sonne aufging, machte sie auf einem Höhenrücken halt, blickte zurück und erhob eine letzte Klage nach ihrem Gefährten, der sich nicht mehr zeigen wollte. Dann zog sie weiter, immer höher nach Norden. Auch Blitz trieb es nach seiner alten Heimat, der Bar T Farm, zurück. Am dritten Tag war er bereits in den Wind River- Bergen und wartete den Anbruch der Nacht ab, bevor er sich auf den vertrauten Schauplatz der Farm hinab wagte. Die Untersuchung ging nach dem Sesa- Bericht dahin, die Frage zu prüfen, ob eine einschneidende Rationalisierung im Stückgüterdienst sich derart gestalten liesse, dass künftighin die Sendungen von und nach kleineren Zwischenstationen ausschliesslich mit dem Automobil, dagegen die Güterexpeditionen weiterhin durch die Eisenbahn geschehen könnten. Dabei kam der 'Bericht zum Schluss, dass die Organisation einer kombinierten Bahn- und Auto-Stückgüterbeförderung nur für das Netz der Bundesbahnen und der bedeutendsten normalspurigen Privatbahnen in Frage kommen kö.nne, dass daneben für die Nebenbahnen ein gemischter Dienst, wie er beispielsweise durch die Greyerzerbahnen mit der Sesa ins Leben gerufen worden ist, genügen dürfte. Die Frage wird gegenwärtig, wie wir bereits einmal geschrieben, von den Dienststellen der Bundesbahnen geprüft. Sollten diese mit der Sesa-Auffassung einig gehen, so dürfte noch während des laufenden Jahres auf einer S. B. B.-Strecke die «Bahn-Auto- Stückgüter-Organisation» im Sinne eines praktischen Versuches durchgeführt werden. Was die sogenannten Konkuraenztaxen anbelangt, schreibt die Sesa, dass sie sich gegenüber früheren Jahren in der Gewährung von Konkurrehztaxen eine ausgesprochene; Reserve auferlegt habe und dass ermässigte Bahntaxen nur zugestanden worden seien für den Transport von Gütern, bei denen sich die Kraftwagenkonkurrenz entweder in besonders hohem Masse und in allen Landesteilen in ziemlich gleicher Weise bemerkbar machte oder bei denen die Strassendistanz gegenüber der Tarifdistanz erheblich kleiner war. Um den internschweizerischen Sammelladungsverkehr zu fördern, gewährt die Sesa Unternehmern, die Sammelwagen auf Relationen bilden, welche durch den Kraftwagen besonders stark konkurrenziert werden, Rückvergütung der Ein- und A.usladekosten. Die am 1. März 1930 eingeführte Rabattgewährung auf Stückgutsendungen scheint in Industrie- und Handelskreisen grosses Interesse Ungefähr dreissig Meilen von seinem Ziel fesselte ein Licht seine Aufmerksamkeit. Vorsichtig pirschte er sich heran. Das Licht drang aus dem Fenster einer Hütte. Unentschlossen umkreiste er das Haus; er kannte es nicht, Moran hatte ihn nie zu Brent mitgenommen. Das Licht lockte ihn, er schlich näher und sah mehrere Pferde gesattelt im Hofe. Bei der Türe blieb er stehen und bewegte schnuppernd seine Schnauze den Türspalt entlang — umsonst. Tabaksqualm erstickte jeden anderen Geruch. Trotzdem erregte die ganze Atmosphäre der Oertlichkeit und das Murmeln der Stimmen Missbehagen in ihm. Etwas Unangenehmes und zugleich Bekanntes lag über diesem Ort. Plötzlich sträubte sich sein Haar. Die Nacht am Two Ocean-Pass kam ihm wieder in den Sinn, da er auf den kahlen Höhen vergebens nach dem Lagerplatz der Fremden geforscht hatte. Dort wie hier gab es Stimmen und Gerüche, die irgendwie an Brent erinnerten. Er richtete sich auf den Hinterbeinen zu seiner vollen Höhe auf, stemmte seine Vorderpfoten gegen den Fenstersims und blickte in die Hütte. Drei Männer Sassen in der Stube und mit ihnen Brent. Ueber die Wange des einen zog sich eine zackige Narbe, die vom Ohr bis zum Kinn reichte. Der rote Stoppelbart, der sich stachelig entlang der Wunde sträubte, verlieh dem Gesicht ein finsteres und verzerrtes Aussehen. Der zweite war ein dunkler Mann mit hagerem Antlitz. Der Kopf des dritten, oben breit und flach, schrägte sich plötzlich ab und endigte in einem ungewöhnlich spitzen Kinn, "wodurch. wachgerufen zu haben. Es sollen bis Ende des Jahres mit über tausend Firmen entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen worden sein. Selbstverständlich bekam auch die Sesa die eingetretene Depression im Wirtschaftsleben zu spüren. Die Gesamteinfuhr der für den Transport in Frage kommenden Warenkätegorien über die Plätze Basel, Romaiishorn, Schaffhaüsen und Vallorbe war im Jähre 1930 kleiner als im Vorjahre. Immerhin ist das Resultat der Betriebseinnahmen ein recht erfreuliches. Sie betragen Fr, 334868.12, wovon allerdings die Personalunkosten, Löhne und Reisespesen allein Fr. 209 547.15 wegfressen. Nach Abzug der Bureau-, Agentur- und anderen Kosten bleibt ein Gewinn von Fr. 46 676.68, wovon Fr. 25 000.— zur Ausschüttung einer fünfprozentigen Dividende verwendet werden. • Eisenbahn und Auto Im ausländischen Urteil. Ein bemerkenswerter Expertenbericht. Zur Prüfung des Wettbewerbsverhältnisses zwischen Auto und Eisenbahn ist von der englischen Regierung eine Kommission von zwölf Sachverständigen eingesetzt worden, die den Namen «Königliche Kommission für, Transportwesen» führt. Diese hat nach einer eingehenden zweijährigen Prüfung nunmehr ihren vSehlussbeTicht der Oeffentlichkeit übergeben, der bemerkenswert klare'und gerechte Empfehlungen für die öffentliche Verkehrspolitik enthält. Wir entnehmen ihm folgende interessante Feststellungen: Es sei undenkbar, dass die Verbraucherschaft, nachdem sie einmal die Vorzüge des Strassentransports kennengelernt habe, wieder darauf verzichte. Es sei auch kein vernünftiger Grund für einen solchen Verzicht erkennbar. Die Haus- Haus-Beförderung biete für eine Reihe von Gütern derartig grosse Vorteile, dass ein dauernder Verlust gewisser Transportmengen für die Eisenbahnen unvermeidbar sei. Es könne nicht geleugnet werden, dass die Eisenbahnen in den Zeiten ihrer unbeschränkten Beförderungsmonopole die Bedürfnisse der Oeffentlichkeit in vieler Beziehung nicht genügend berücksichtigt hätten. das dreieckige Gesicht etwas Fuchsartiges bekam. Der Mann mit der Narbe machte eine plötzliche Bewegung; Blitz verschwand sofort vom Fenster und kaum hatten seine Beine den Boden berührt, als das Fenster klirrte. Ein Schuss knallte, er floh und hinter sich hörte er noch zweimal ein dumpfes Krachen. Der Mann war plötzlich aufgesprungen, die anderen hatten ihn angeblickt und sich im Nu flach zu Boden geworfen. Ueber sie hinweg hatte er seine Büchse abgeschossen. Brent schleuderte die Lampe vom Tisch und ein anderer feuerte, auf dem Boden liegend, zur offenen Tür hinaus. Dann sprang er auf und eilte ins Freie. Die anderen folgten ihm und zerstreuten sich im Dunkel der Nacht, um sich nach wenigen Schritten abermals niederzuwerfen. Zwanzig Minuten später brach Brents Stimme das Schweigen. «Zum Teufel, was ist denn los, Hanlin?» fragte er. «Hab* doch die Runde gemacht und niemanden gesehen.» «Er stand, beim Fenster,» sagte Hanlin. «Frag' nur Harte. Hat er nicht im selben Augenblick die Tür geöffnet?» «Nichts als Geistesgegenwart,» antwortete eine kühle Stimme aus der Nacht. «Ich sah keine Menschenseele. Als du zu schiessen begannst, war's für mich sicher, dass sie uns überrumpelt hatten. Deshalb öffnete ich die Türe, damit wir entwischen könnten. Bist recht gesprächig, Roter!» «Ich hab' ihn gesehen, ich schwöre INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inserntenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Dafür sei z. B. bezeichnend, dass in Grossbritannien in den letzten 80 Jahren praktisch keinerlei Erhöhung der Zugsgeschwindigkeiten eingetreten sei. Das Fahrplan- und Tarifwesen müsse neu bearbeitet und der Verkehr beschleunigt werden, wenn die Bahnen weitere Verluste insbesondere im Personenverkehr, verhindern wollten. Die grossen Autobuslinien seien im allgemeinen billiger, gewährten aber trotzdem den Reisenden im Gegensatz zu den Bahnen die Sicherheit, einen Sitzplatz zu erhalten, während man in den Eisenbahnen immer das Risiko habe, stehen zu müssen. Durch eine Politik der Verbesserung und Verbilligung im Sinne einer ständigen Rationalisierung könnten die Eisenbahngesellschaften weit mehr für die Erhaltung und Wiedergewinnung ihres Verkehrsbestandes tun, als durch die gegenwärtig von ihnen angewendeten Kampfmassnahmen. Die Eisenbahnen betrachteten es als die bestgeeignete Schutzmassnahme — oft in Gemeinschaftsarbeit mit'Behörden —, selbst «auf die Strasse zu gehen». Wahrscheinlich würden die Eisenbahngesellschaften innerhalb weniger Jahre auch auf der Landstrasse zu den grössten Peronenverkehrs-Unternehmen zählen. Das könne man nur insoweit gutheissen, als ein Zubringer- und Vefteilerverkehr eingerichtet und eine Zusammenarbeit zwischen Schiene und Strasse erstrebt werde. Jeder Versuch jedoch, die Omnibuslinien auf diese Weise lahmzulegen und einen vernünftigen Wettbewerb zu beenden, würde auf. stärkste Opposition der Oeffentlichkeit stossen und nach Ansicht der Korrtmission durch eine entsprechende Gesetzgebung verhindert werden müssen. Man könne bezweifeln, ob es für die Eisenbahngesellschaften gut sei, grosse Kapitalien gerade in Konkurrenzbetriebe zu stekken. Dieses Kapital würde wahrscheinlich weit besser in einer Elektrifizierung der Vorortstrecken angelegt. Auf dem Gebiet des Behälterverkehrs seien noch grosse Fortschritte möglich. Das Ziel aber müsse sein, die neuere und die ältere Verkehrsform «zu koordinieren und zu harmonisieren», um aus jeder der beiden Transportarten die grösstmöglichste Verkehrsleistung herauszuholen. Wir empfehlen den Bericht den Bahnen und Bahnbehörden zur angelegentlichen Lektüre! euch's!» keuchte Hanlin. «Durchs Fenster hat er uns beobachtet.» «Das können wir leicht herausbekommen,» sagte Harte. Er schlich zum Fenster, hielt seine Hand schützend um ein brennendes Streichholz und untersuchte den Boden. Die anderen guckten über seine Schulter hinab auf die grossen Fussabdrücke im Staub. «Ein verlaufener Hund,» sagte Harte gleichmütig. «Na, hast ihn wohl für einen Kriminalbeamten gehalten, Roter!» «Der macht ja eine Spur wie der Hund, den Clark Moran gehabt hat,» sagte Brent und griff fluchend nach der furchtbaren Narbe an seinem Schädel. «Ich hätte dieses graue Biest zu gern unter meine Hände bekommen, bevor es die Leute von der Bar T Farm vertilgten.» «Dein Hass gegen diesen Hund ist zu lächerlich. Vergiss auch nicht, dass du es seinetwegen schon einmal mit einem Mann zu tun bekommen hast, vor dem du dich hüten musst. Uebrigens warst du mehr oder weniger stets ein Narr, Brent,» bemerkte Harte gelassen. «Gehen wir hinein.» Kurze Zeit darauf verliessen die Männer die Hütte und ritten im Gänsemarsch durch ine Schlucht, die hinauf ins Gebirge führte. Blitz hatte schon vor ihnen dasselbe Ziel gewählt und war ebenfalls auf dem Weg ins Gebirge. Das Erlebnis bei der Hütte hatte die Nacht am Two Ocean-Pass lebhaft in sein Gedächtnis zurückgerufen. Ein Schwärm halbvergessener Erinnerungen an das «Land der vielen Flüsse» wurde wieder lebendig. Unbewusst folgten seine Beine der Richtung dieser Gedanken und ohne bestimmten Vor-