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E_1931_Zeitung_Nr.036

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 28. April 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. - N° 36 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag tmd Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portowschla«. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern •olern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheek-Rechnung II1/414. Telephon Bollwerk 19.S4. Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Aargausscher Verkehr und Suhrentalbahn Die viel diskutierte Frage der aargauischen Suhrentalbahn hat durch, den dieser Tage er schienenen Expertenbericht eine vorläufige Abklärung gefunden. Ganz abgesehen von dessen Befund, ist vor allem die Tatsache erfreulich und für die heutige Verkchrsanschauunj* symptomatisch, dass Vorkehrsprojekte nicht nur kurzerhand als Bahnangelegenheiten betrachtet werden. Die Fälle mehren sich in erfreulicher Weise, wo in jedem einzelnen Falle auch die Zwecfcmässigkeit einer Automobilverbindung an Stelle der Sekundär- oder Strassenbahn mit der nämlichen Sorgfalt geprüft werden. So ist für die rechtsufrige Thunerseestrasse vor wonigen Monaten ein Expertenbericht dieser Art erschienen, so hat die Stadtverwaltung Luzern ein Gutachten einverlangt, um die Frage «Autobus oder Strassenbahn?> weiter abzuklären; so hat die Stadtverwaltung Winterthur sich seinerzeit durch Sachverständige darüber aufklären lassen, ob nach dem Aussenquartier Rosentoerg eine Strassenbahn- oder Autobuslinie zweckinässiger sei. Die Zahl dieser Beispiele lässt sich noch weiter vermehren. Sie zeigen alle, dass eine bemerkenswerte Neuorientierung in weiten Kreisen stattgefunden hat, wobei versucht •wird, dem Automobil den Platz einzuräumen, der ihm in der neuzeitlichen Verkehrswirtschaft zukommen mus3. Die Abklärung der aargauischen Verkehrsfragen i st ein weiteres erfreuliches Exempel in dieser Richtung. Ende 1930 beauftragte die Aargauer Kegierung ein Dreierkollegium, bestehend aus den Herren H. Hürlimann, Direktor der Frauenfeld-Wil-Bahn, F. Weinmann, Direktor der Surbtalbahn, und K. Oftinger, Postknrs-Inspektor der Oberpostdirektion mit dem Studium einer Reihe aargatiischer Verkehrsfragen. Sie haben sich ihrer Aufgabe nunmehr entledigt und ihre Untersuchungen sowie Schlüsse in einem sorgfältig ausgearbeiteten Expertenbericht niedergelegt, welcher dieser Tage den Auftraggebern unterbreitet worden ist. Die Frage, ob der Ausbau der drei Bahnen Bremgarten-Dietikon (B. D. B.), Aarau-Schöftland (A. S.) und Wynentalbahn (W.T.B.) als zweckmässig erachtet werde, wurde dahin beantwortet, dass durch den fortschrittlich gedachten und grosszügig geplanten Ausbau der Strassen mit gleichzeitiger Verlegung der Strassenbahnen auf eigenes Trasse der Verkehrssache der interessierten Landesgegend in hohem Masse und auf weite Sicht gedient sei. Dagegen wird beantragt, unter Hinweis auf die für die Hauptdurchgangsstrassen F JE JJJI Blitz Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarfs. (Verlag Georg Müller, München.) (3. Fortsetzung) Bisher erschienener Inhalt. In den grossen Einöden der amerikanischen Bergwildnis hausten einsame Jäger. Einer von ihnen — MoTan — zog einen jungen Wolfshund, einen Bastard zwischen Hund und Wolf, mit grosser Mühe auf und lernte ihn zu den Menschen Vertrauen fassen. Rasch gewöhnte sich das Tier in seinem grossen Instinkt an seinen guten Herrn, und bald wurde Blitz der beste Hirtenhund der Gegend, vor dem kein Pferd mehr auszureissen wagte. Blitz machte schon mit wenigen Wochen Alter die Bekanntschaft seines zukünftigen Todfeindes Brent, einem durch seine viehischen Grausamkeiten berüchtigten Jäger. Später, als Blitz schon erwachsen war, kam es zu einem furchtbaren Kampf zwischen Brent und dem Tier, aus dem der Jäger nur mit schweren Verletzungen hervorging. Auf Händen und Knien kroch Brent vorwärts, Blitz hinter ihm, Moran nachschleifend, und zweimal noch gruben sich seine Fangzähne in Brents Beine, bevor dieser die Kraft fand, sich zu erheben. Schwankend lief er auf sein Pferd zu, hintendrein Blitz, seinen Herrn mit sich reissend. Der Blutverlust und der verzweifelte Kampf, die Kette zu zerreissen, hatten Blitz sehr geschwächt. Sonst hätte Moran sich vergeblich bemüht, ihn zurückzuhalten. Als Ein Expertenbericht im Kanton Thurgau, und andernorts, so bei Emmen, bei Zollikofen und durch das Sihltal gewählten Breiten von 5,5 bis 6 m die nutzbare Strassenbreite von 7 auf 6 m zu ermässigen und zwei Meter von der Bahn entfernt das Bahnprofil abgrenzende Betonschwellen einzusetzen und an Stelle des vorgesehenen Lichtraumprofils für Schmalspurbahnen das für den Betrieb bei Normalbahn-Fahrzeugen massgebende vorzusehen. Es sollen die Eisenbahnfahrzeuge, die als Abschluss des Bahntrasses vorgesehene Betonschwelle keinesfalls überragen. Wenn die vorbildliche Abgrenzung zwischen Bahn- und Strassentrasse auch verkehrserleichternd wirkt, so mag doch die Strassenbreite von 6 Meter als knapp erscheinen. Ein Vergleich mit bahnlosen Strassen im Thurgau und anderswo ist deshalb nicht ohne weiteres angängig, da die Ausnutzung einer nicht bahnflankierten Fahrbahn besser ist. Jeder Fahrzeugführer wird sich eben auf der Strasse mit gleichverlaufendem Schienenweg so einrichten, dass zwischen ihm und der Eisenbahn ein Mindestabstand von 1 Meter verbleibt, wodurch die zur Verfügung stehende Fahrbahn eben auf 5 Meter redu-^ ziert wird. Die Bahnen sollen zur Kostendeckung des Strassenausbaues durch das Wynenund Suhrental beigezogen werden. Der Bericht weist darauf hin, dass die für die Eisenbahnen vorgesehenen Belastungen hauptsächlich durch den projektierten Einbau von Rillenschienen einen beträchtlichen Betrag erreiche. Dazu berichten die Experten, dass e*s sehr wohl begreiflich sei, wenn der Strassenbenützer überall dort Rillenschienen wünsche, wo das Geleise der Eisenbahn in die Strasse verlegt werde, da sich die Schienen stossfreibefahren lassen. Dagegen bringe diese Schienenart dem Strassenbenützer nur Vorteile, der Eisenbahn aber auch erhebliche Nachteile. Da der neuzeitliche Strassenverkehr stossfreie Fahrbahn wünsche, sei es der Strassenbenützer, der primär nach Rillenschienen verlange und deshalb sei gerechterweise ein Teil der dadurch ihn der Wolf an einem Pfosten vorbeizog, der im Hofe stand, ergriff er mit der Rechten fester das Halsband und mit der Linken schlang er die Kette rasch zweimal um den Balken. Das Pferd wich zurück bei dem Geruch des Blutes, doch Brent ergriff die Zügel und schwang sich in den Sattel. Schon wollte er losreiten, da sah er, dass der Wolf festgebunden war; er hielt an. «Verflucht, dieser geifernde Teufel hätte mich fast skalpiert,» raste er. «Er soll's mit dem Tod bezahlen, Moran.» «Mach' dich, fort, Brent, bevor ich mir's überlege und ihn loslasse», sagte Moran. «Und lass dich nie wieder blicken!» Als Brent verschwunden war, nahm Moran des Wolfes Kopf zwischen seine Hände. «Eigentlich tut's mir leid, dass ich dich zurückhielt,» sagte er. «Das nächste Mal aber gehört er dir, Blitz!» Viertes Kapitel. Schon zwei Wochen lang hatte Blitz kein menschliches Wesen ausser Moran gesehen. Als gegen Ende Juni in den Hochgebirgspässen der Schnee zu schmelzen begann, sattelte Moran seine Pferde und machte sich auf, das « Land der vielen Flüsse » zu durchwandern. Es waren grosse Tage für Blitz. Zum erstenmal lernte er den Wald des Hochgebirgs kennen. Ungezählte Meilen zogen sie durch diese mächtigen Wälder. Weit hinter ihnen lag die Welt der Menschen,, und entstehenden Mehrkosten auf Strassenbaukonto zu übernehmen. In diesem Punkt nun können wir die Auffassung der Experten keineswegs teilen. Die Strasse war von jeher als aussehliessliche, Fahrbahn für Fussgänger und Fuhrwerke gedacht, zu denen sich im Laufe der Verkehrsentwicklung das Motorfahrzeug als hauptsächlichster Ersatz des Tiergespannes gesellte. Dagegen weist die ganze Entwicklung daraufhin, dass für die Eisenbahn ein eigener Fahrdamm bestimmt war, Wenn nun die Bahn sich die Strasse zunütze macht und damit die Rechte und die Bewegungsfreiheit der eigentlichen. Strassenbenützer beeinträchtigt, so seheint es nur logisch, dass sie ihrerseits alles dazu beitrage, um dem Verkehr auf der Strassenfahrbahn möglichst unbehelligt zu lassen. Nachdem die kantonalen Bauämter das vielfach allzuschleppende Tempo im Ausbau der Strassen mit dem Mangel an Geldmitteln begründen, und heute ein Grossteil der benötigten Summen aus Motorfahrzeugsteuern herrühren^ scheint es uns um so ungerechtfertigter, das Baudepartement und damit indirekt die steuerzahlenden Motorfahrzeugbesitzer zu einem Beitrag für den Schienenbau herbeizuziehen. Keine durchgehende Bahnanlage. i Die Anfrage, ob die Erstellung einer -düSrchgehenden schmalspurigen Bahn nach dem Projekt der Sursee-Triengen-Bahn als angezeigt befürwortet werden könne, verneinen die Experten ganz entschieden. Nach ihrer Auffassung sollte, bevor dem Bau und Betrieb einer durchgehenden Suhrentalbahn nähergetreten wird, das vom Schienenstrang zur Zeit noch nicht erfasste, aber durch den Postautobus noch ungenügend bediente Verkehrsgebiet durch das motorisierte Strassenverkehrsmittel noch besser erschlossen werden. Erst wenn die Anlagen und Einrichtungen eines solchen, sich selbst zu erhaltenden Betriebes den Anforderungen des Verkehrs nicht mehr zu genügen vermöchten, wird die Verlängerung einer der vorhandenen Schienenstränge näher zu prüfen sein. Bekanntlich sind die Verkehrs Verhältnisse im Suhrental, wie dies auch von den Experten bestätigt wird, einzigartige, in- I dem auf einer nur 30 Kilometer langen, Blitz hatte Moran für sich allein. Wie mit einem Menschen unterhielt sich Moran mit diesem.Hunde, der ihm so teuer war wie der beste Kämerad. Oft erzählte er ihm, dass es keinen tüchtigeren Hirtenhund auf Erden gebe, und wenn auch Blitz die Worte nicht verstand, so war er doch so klug, aus ihrem Klang das Lob herauszuhören. Und es war wohlverdientes Lob, denn meisterhaft verstand es Blitz, Morans Pferde zu hüten und beisammenzuhalten. Die Liebe und das Verständnis, die Moran seinen Pferden entgegenbrachte, waren ganz ausserordentlich. Dennoch beging er als alter Praktiker nicht den Fehler, ihnen übertriebene Tugenden zuzusehreiben. Er wusste recht gut, dass jedes Pferd, wenn es in die Fremde kommt, unfehlbar den Versuch macht, nach der Heimat auszureissen — ein Wallach nach dem Ort, an dem er geboren wurde, eine Stute dorthin, wo sie zuerst gefohlt hat. Konnte er sich also auch jedesmal denken, wo er seine Pferde später wiederfinden werde, so war dies doch nur ein schwacher Trost, wenn er bei solchen Gelegenheiten wie jetzt, mitten im Gebirge, plötzlich nur auf seine eigenen Beine angewiesen bliebe. Mit Blitz an seiner Seite konnte er aber ruhig schlafen. Der Hund wusste, dass sein Herr die Pferde stets in der Nähe haben wollte. Oft hob er nachts seinen Kopf — Witterung und Gehör erzählten ihm Dinge, von denen sein Herr nichts ahnte — und rasch schlüpfte er ins Dunkel hinaus. Beim INSERTIONS-FREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. GrAssere Inserate nach Seltentarif. Inseratensehluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummern zusammenhängenden Talstrecke drei voll-- ständig verschiedene Transportmittel ihr Dasein fristen. Seit 1901 besteht auf einer 11 Kilometer langen Strecke von Aarau nach Schöftland eine schmalspurige elektrische Strassenbahn. Vom andern Talende her wurde im Jahre 1912 auf einer Strecke von 9 Kilometern eine normalspurige Dampfbahn vorgetrieben, und das noch schienenfreie Zwischenstück verfügt seit 1924 über einen motorisierten Postverkehr. Die Untersuchungen haben nun ergeben, dass auch bei einer durchgehenden Suhrentalbahn keine beträchtliche Zunahme des Verkehrs zu erwarten sei. Andererseits würde der Ausbau unverhältnismässig hohe Kosten, welche in Millionenbeträge gehen, verursachen, deren Verzinsung und Amortisation aus bahneigenen Mitteln nicht möglich wäre. Selbst die Direktion der A. S., welche für das Projekt des Bahnausbaues verantwortlich zeichnet, macht in ihrem Bericht folgendes Zugeständnis : « Eine schmalspurige Anrau-Triengen-Bahn dürfte lebensfähig sein, ohne indessen je eine Dividende auszahlen zu können. » Der Expertenbericht weist überzeugend nach, dass die im Bahnprojekt eskomptierte Verkehrssteigerung viel zu optimistisch eingeschätzt worden ist. Ihre Auffassung geht deshalb dahin, dass weder eine normalspurige Bahn mit Dampf, noch mit elektrischer Traktion sich gegenwärtig rechtfertige. Ebenso könne einer Verlängerung der schmalspurigen A. S. das Wort nicht gesprochen werden. Welche Omnibusbetriebsart ? Die für die drei Betriebsmöglichkeiten Benzinauto, Rohölautobus oder Trolleybus mit elektrischer Oberleitung durchgeführten Betriebsberechnungen ergeben, dass, sofern die erforderlichen Rücklagen gemacht werden sollen, jedes der drei Verkehrsmittel jährlicher Betriebszuschüsse bedarf, wobei diejenigen für Rohölautobusbetrieb mit 20 700 Fr. als die geringsten in Rechnung gestellt sind. Es wird deshalb für das Zwischenstück Schöftland- Triengen die Einführung des Rohölautobusbetriebes mit erweitertem Fahrplan in Vorschlag gebracht. Der Autobusbetrieb wäre durch die A. S. auf Grund der Bedingungen, wie sie für den Bahnbetrieb gelten, zu besorgen. Erwachen fand Moran die Pferde stets in der Nähe grasend. Blitz lernte Tiere kennen, die ihm bisher fremd gewesen waren. Sie begegneten Herden von Elchkühen in den Tälern, Rudeln von schwarzschwänzigen Rehgeissen und -kälbern entlang der Wasserläufe, höher oben in den Felsenklüften nahe der Baumgrenze sahen sie die Böcke mit ihrem mächtigen Geweih. Widder mit riesigen Hörnern äugten von den Klippenrändern auf sie herab, während Mutterschafe und Lämmer auf den weiten üppigen Almen in der baumlosen Region weideten. Moran erzählte Blitz auch, weshalb man diese Tiere so selten gepaart findet und wie unter allen bloss der Wolf und seine Vettern das Familienleben lieben, dass nur bei Wölfen, Füchsen und Coyoten das Männchen die Jungen .aufziehen hilft und Nahrung für Weibchen und Junge herbeischafft. In Blitz vereinigte sich der Familiensinn des Wolfes mit der Menschenliebe des Hundes zu einer ganz einzigartigen Ergebenheit gegenüber Moran. Trotzdem Hess sich der Kampf und Widerstreit in seinem Mischblut nicht ganz unterdrücken. Hier in der Wildnis, fern von jeder menschlichen Behausung, schienen die Stimmen der Nacht eine neue Bedeutung anzunehmen und während Moran schlief, lag Blitz Nacht für Nacht wach und lauschte ihrem Rufe.