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E_1931_Zeitung_Nr.044

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16 AUTOMOBIL'-REVUE

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Berne, Dienstag, 26. Mai 1931 III. Blatt der„Automobil-Revae" No. 44 Wandlangen Ein Sechzehnjähriger schrieb vor vielen, Jahren diese Verse, die durch einen Zufall jetzt der Betrachtung zugänglich werden. Es handelt sich um den Wettbewerb einer illustrierten Zeitung über das Thema Schleppe: Die Schleppe ist nun Mode — Verwünscht zwar tausendmal Schleicht keck sie sich nun wieder Ins neueste Journal! Und so dann diese Mode Nicht mehr zu tilgen geht, Da wird, sich auch empören Die strenge Sanität: Ist sie dann auch im Spiele Und gegen diese Qual, Dass man geduldig schlucken Soll Staub nun sonder Zahl — Schnell, eh' man es noch ahndet, Die Schlepp' vergessen sei, Eh' sich hinein noch menget Gar erst die Polizei. Die müsste an den Ecken Mit grossen Scheren steh'n, Um eiligst abzutrennen, Wo Schleppen noch zu seh'n. Nehmen wir an, der Verfasser wäre heute 16 Jahre alt und wir hätten aus diesem seinem ersten gedruckten Reimversuch seine Zukunft vorauszusagen. Nun, ich sehe den Jungen — Hans Natonek schreibt dies in der «Köln. Ztg.» — zehn Jahre später, als flotten Journalisten, Mode- und Ballberichterstatter etwa; er wird im Betriebe des Lebens munter mitplätschern, reizende, leichte Sächelchen schreiben, ein netter Dutzendmensch, zuletzt vielleicht Chefredakteur einer illustrierten Zeitung. Möglich auch, dass er ein beliebter Unterhaltungsschriitsteller wird oder auch ein eleganter Konfektionär. Ist der Unterschied so gross? Jedenfalls ist keine Tiefe, kein Dichter- und Schöpfertum spürbar. Der Sechzehnjährige, der auf diesem äusserst banalen Versmist krähte, blieb nicht der, der er war, als er das Gedicht schrieb, sondern wurde — Rainer Maria Rilke. Man soll nicht prophezeien. Zahllose, unsägliche Wandlungen führen den Rene Rilke, der dieses Gedicht 1891 an die Redaktion des «Interessanten Blattes », Wien, sandte, von diesem schrecklichen Anfang fort zu der Erhabenheit und reinen Strenge der Duineser Elegien, in denen er sich vollendete. Wohlgemerkt, es kommt nicht darauf an, dass das Schleppengedicht nicht gut ist, sondern dass es überhaupt ist. Wie nahe, wie grauenhaft nahe war damals der junge Rilke, der Sphäre des «Interessanten Blattes» zu verfallen. Und ob er, einmal eingetaucht, dann noch die Kraft gehabt hätte, sich zu bewahren und den einsamen steilen Weg seiner Entwicklung zu gehen — diese Frage kann niemand beantworten. Was wissen wir von den in Schutt verschollenen Rilkes! Es gibt so ungeheure Entwicklungen wie diese hier: aus dem Flachland der Banalität, aus der Gewöhnlichkeit des Wortes zu einer FEUILLETON Blitz Der Roman eines Wolfhundes. Von H. G. Evarls. (Verlast Georg Müller, München.) (Fortsetzune aus dem HaiiDtblatO An Geruch und Stimme erkannte Blitz einige Männer, die sich am Two Ocean-Pass herumgetrieben hatten. Für ihn bedeutete Ihre Nähe Gefahr, sogar Tod. Ob dem Mädchen Gefahr drohte, darüber war er sich nicht ganz klar. Er hatte nie recht klug werden können aus der Art, wie Menschen untereinander verkehrten. Solche, zu denen er Vertrauen empfand, sah er oft mit Menschen beisammen, die sich seinen Sinnen als höchst gefährlich verrieten. Ueber die Art, wie Männer mit Weibern verfuhren, wusste er überhaupt nichts. Es war möglich, dass diese Männer, die für ihn den Tod bedeuteten, seiner geliebten Herrin nichts antun würden. Die Stimmen, die er so deutlich vernahm, hörte das Mädchen erst, als sie eine jähe Biegung der Schlucht passiert hatte. An ihr Öhr dräng das Gelächter eines Mannes und im selben Augenblick sah sie ein flackerndes Feuer trüb durch den Nebel schimmern. Es schien weit entfernt, war aber in Wirklichkeit kaum fünfzig Fuss vor ihr. Es hatte nichts Furchterregendes für sie, es. konnte priesterlichen abseitigen Kunst, die jedem Wort den Atem der Seele und der Ewigkeit verleiht. Es ist so unerhörte Wandlung möglich, und nicht nur von 16 zu 40, sondern stets, solange der Mensch nicht ausgebrannt ist und nur noch lebt, wie ein aufgezogener Mechanismus abschnurrt. Weil der Verfasser der Schleppe und der Dichter des Stundenbuches ein und dieselbe Person ist, übe man Bescheidenheit und äusserste Zurückhaltung 99 Unersetzlich in der Voraussage menschlicher Entwicklung. Menschenprognose ist Vermessenheit. Die Seele liegt nicht fix und fertig auf dem Servierbrett; sie arbeitet sich durch Schlacken, Dreck und Trübheit durch, bis sie ihre eigne Klarheit schaut. Sie folgt nachtwandlerisch dem unerklärlichen Gesetz der Selbstgestaltung. Man kann von einem Bogen, der irgendwo schlaff in deT Gosse liegt, nicht sagen, wohin er den Pfeil abschnellen wird. der Preu ersetzen sollte: Wenn er sich auch auf dem Posten alle Mühe geben würde, so sei ihm doch bewusst, dass, was den Jubilar beträfe: Unersetzlich... unersetzlich... unersetzlich... Die Stimmung stieg. Mit ihr die Rührung. Alle hatten sie geredet. Alle sahen sie jetzt auf den Gefeierten. Er würde danken müssen. Na ja, man wusste, wie: Bescheidene Abwehr, das Alter habe abzutreten, an der Jugend sei es, an dem stolzen Bau der Firma und so weiter... Ohne dass es im Programme vorgesehen gewesen wäre, riss es da die alte Putzfrau in die Höhe, die dem Scheidenden seit Jahrzehnten treu das Pult gesäubert hatte, wofür sie dann und wann von ihm ein Trinkgeld einkassierte. Auch in ihrer Rede klang's in Putzfrauenweise: Unersetzlich... unersetzlich. .. unersetzlich... Da überkam's den Jubilar. Er nahm die hohlen Kugeln, welche aus umhegtem Drahtkorb auf der Rede Wasserstrahlen tänzeln, plötzlich voll., Mag sein, dass den Gebildeten der Mund überging, von dem das Herz nicht voll war — durch die schlichte Putzfrau aber war's bewiesen: Er, Max Preu, war wirklich unersetzlich. «Verehrte Anwesende,» schüttelte es den Alten von echter Rührung, «ich — ich — ich bleibe —» Der Oberbuchhalter Preu «ging». Eigentlich «ging» er schon vor zehn Jahren, als er sechzig wurde. Aber damals «ging es nicht». Die Firma hatte viel zu tun. Eingelerntes Personal war selten. Unbedingte Zuverlässigkeit noch seltener. Also blieb er. Zum zweitenmale «ging» er, als ihn nur ein halb Jahrzehnt mehr von den Siebzig trennte. Andre Eingelernte waren langsam herangewachsen. Also blieb er wieder. Jetzt war er siebzig. Jetzt ging er wirklich. Unwiderruflich, wie er seinem Prinzipal gestanden hatte. Mit lauter Stimme. Der murmelte was von unersetzlich. Murmeln steckt an. Der alte Preu dämpfte sein «Unwiderruflich!» bis zum Flüsterton. Jetzt wurde sein Direktor plötzlich wieder laut. Er fasste Preu mit beiden Händen an den Schultern: «Aber eine Abschiedsfeier lassen wir uns nicht nehmen, lieber Preu — unter keinen Umständen — ich werde dafür sorgen — Sie sollen mit der Ueberzeugung in Pension gehen, dass Sie — na, Sie wissen schon . . .» Herr Preu wusste plötzlich nichts mehr. Alle Worte eines langen Lebens waren ! hm wie durchgestrichen. Eins nur war ihm geblieben: Unabänderlich. Die paar Tage, die er bis zum Abschiedsfest noch vor den fünfundvierzig Jahr lang betreuten Büchern sass, glotzten ihn vom Morgen bis zum Abend an mit einem Wort: Unabänderlich. Die Kontenseiten füllten»sich mit:, .,4£T konnte nicht mehr weiter. .Er wartete. Unabänderlich, unabänderlich . .'. Der Hände wartete er, die sich ihm "entgegenstreckten, der Stimmen, welche jubelnd Das Fest brach an. Der Saal war festlich hell. Es drängten sich die Leute. Oben an der ihn ümbrausten. Tafel, an der Seite des Direktors sass der Es erhob sich keine Hand. Es brauste keine Gefeierte. Stimme. Blanker Schrecken ringsum: Er Das Mahl begann. Zwischen einem Gange wird doch nicht — doch nicht in Wirklichkeit— und dem andern stiegen Reden. Erst sprach der Direktor. Der Direktor dachte nur: Verflucht! Der In den Schiessbuden gibt es Drahtkörbe. Aufsichtsrat: Da soll doch gleich... Der Aus ihnen steigt ein feiner Wasserstrahl. Auf Nachfolger: Unglaublich, dieser alte Dattel! der Spitze dieses Strahles tanzt ein dünner Die Putzfrau: Und der Neue hat mir gestern roter Ball, schaukelt, fällt, steigt abermals erst das Doppelte an Trinkgeld... hinauf . . . Max Preu durchschaute es mit einem jähen In der Rede des Direktors tanzte ein Blick über den Abgrund seiner Siebzig hinüber. Durchschaute die Dünnwandigkeit aller dünnes rotes Wort: «Unersetzlich!» schaukelte, fiel in den Phrasenkorb zurück, ward Bälle dieser Erde. Und da alles dies nicht wieder hochgehoben: Unersetzlich... unersetzlich . . . unersetzlich . . .» zitternd auf dem Strahle einen Sekunden- länger dauerte, als ein Schiessbudenball sich Nach dem Direktor sprach ein Mann vom bruchteil hält, konnte er in seiner Rede weiterfahren: «ich —ich bleibe unter keinen Um- Aufsichtsrat: Strahlen, Strählchen, und aufund abwärtstänzelnd: «Unersetzlich . . . unersetzlich ... unersetzlich ...» Und er setzte sich, weiss wie die Wand, inständen.» . Nach dem Aufsichtsrat sprach der Mann, des sie, aufatmend, gläserklingend von allen ja nur eines bedeutenr jvinney war endlich gekommen und hatte Begleiter mitgebracht. In dem befreienden Gefühl, endlich den Schrecknissen dieser Nacht entronnen zu sein, lief sie der wirklichen Gefahr, dort beim Feuer, entgegen. Die Stimmen übertönten das Geräusch ihrer Schritte, aber sie. verstummten plötzlich, als das Mädchen wie ein Gespenst aus dem Dunkel der Nacht auftauchte. Ungläubig starrten sie die sechs Männer an, die rund um das Feuer sassen. Auch sie war durch die unerwartete Zahl ausser Fassung gebracht, und besonders dadurch, dass sie kein bekanntes Gesicht unter ihnen entdeckte. Kinney war nicht unter ihnen! Ich bin verloren, dachte sie in einem Gefühl lähmender Unsicherheit. Sie sah einen gierigen Glanz in den Augen der Männer aufblitzen, das Lagerfeuer beschien Gesichter, die hart und verwegen waren. Diese Männer hatten lange den Umgang mit weiblichen Wesen entbehren müssen. Die Erscheinung des wunderschönen Mädchens mitten unter ihnen wirkte auf sie wie der Geruch von Fleisch auf ein Raubtier, das dem Verhungern nahe ist. Jeder einzelne von ihnen wäre -ohne weiteres bereit gewesen, seinen besten Freund zu ermorden, um dieses Mädchen auch nur für eine Stunde zu besitzen. Ausserhalb des Feuerkreises überwachten zwei gelbe, funkelnde Augen die.Szene..Blitz spürte die Gefahr, die seiner Göttin drohte, und in gewissem Sinne war er sogar befriedigt, dass sie hier, so schlecht aufgehoben war. Ein einziger unter den Männern hatte kühlen Kopf behalten. «Wo lagern Ihre Freunde?» fragte er. «Ich weiss nicht.» antwortete sie. Eine innere Stimme riet ihr zu dieser Lüge. «Sie können aber nicht weit sein. Ich stand unter einem Felsen... Ich suchte Schutz Nicht weit vom Lager...» Ihre Stimme stockte, einer der Männer sprang auf. «Ich will Sie führen,» bot er sich an. «Kommen Sie nur mit mir!» Ein zweiter sprang auf: «Ich will mir Bewegung machen, ich werde mit Ihnen gehen!» Einer nach dem anderen war aufgesprungen und verschlang das Mädchen mit den Augen. Diese Männer hatten alle grossen Respekt vor Harte, aber die Schönheit des Mädchens hatte sie derart erregt, dass sie alle Vorsicht vergassen. Einer drängte sich näher an sie heran. Kaum hatte er diese Bewegung gemacht, als aus dem Nebel ein stummer Schatten vorschnellte, der sich eng an den Boden geschmiegt hielt. Auch Hartes Blut wallte heiss auf bei der Nähe des Mädchens; aber er wusste, dass die zügellose Gier der anderen nicht zu bändigen sein würde, sobald auch sein Gehirn aufhörte, so kühl zu.arbeiten wie.sonst. Von Jakop Hannger. Manchmal such' ich mich noch in einem alten Lied, auf einem Kinderbild oder im Mohn, der verblüht. In einem uralten Brief und einem spielenden Hund, ach und ich bin mir so fremd, Gott! und das Herz ist so wund. Manchmal such' ich mich lang' in einem Mädchengebet, in einer Fahne, die rot durch die Märzgassen hinweht. Manchmal such' ich mich noch auf einem Berg oder Meer, in einem Kleid, einem Haar — und find' mich doch nimmermehr. Seiten auf ihn eindrangen: «Ja,- was ein Preu sagt, ist gesagt... welch ein Charakter ... auch darin unersetzlich, wir wussten's ja — Ihr Wohl, Herr Preu, Ihr Wohl, Sie Unersetzlicher ...!» Ftitz Müller'Partenkiröhen. ! « ' In Deutschland gingen vor einiget Zeit seltsame Mitteilungen durch die Presse. Man konstatierte an einer gewissen Strässenstelle bei Bremen besonders viele Unglücksfälle, die dadurch mysteriös erschienen, als die Strasse ari jener berüchtigten Stelle gerade und übersichtlich ist. Nun weiss die « Motorpöst » nähere Angaben über die Hintergründe dieser seltsamen Erscheinung zu mächen. Sie schreibt: An der Landstrasse Bremen-Bremerhaven waltet bei Kilometerstein 23,9 in der Nähe des Dorfes Nagen ein tragisches Geschick, denn hier haben sich die Autounfälle in einer geradezu unheimlichen Fülle gehäuft, trotzdem die Streeke hier durchaus gerade und übersichtlich ist. Zeuge dieser vielen Unfälle ist eine derartige Ansammlung von mehr oder minder zertrümmerten Autozubehörteilen an dieser Stelle, dass man daraus fast ein neues Auto herstellen könnte. Erst kürzlich wieder ist hier ein schwerer Sechszylinder verunglückt, wobei u. a. der bekannte erhält den Autofährer frisch Poem Die mysteriöse Strasse Leichte vollhaltige Nahrung Münsterhof, ZÜRICH Verlangen Sie Preisliste A «Ueberlegt doch, was ihr tut!» mahnte er mit ruhiger Stimme. «Wjsst ihr denn nicht, was das heisst, eine Gesellschaft von Jägern uns an den Hals zu hetzen? In einer Woche hätten wir eine ganze Polizeibande hinter uns her.» • «Was liegt daran, die «Höhle» ist zwanzig Meilen von hier,» sagte einer, dessen Augen gierig an dem Mädchen hingen. «Die muss mein sein, bevor sie geht!» Er umschlang sie; aber kaum hatte er sie berührt, als eine teuflische Erscheinung mit blitzenden Augen und Zähnen den Nebelvorhang zerriss und stracks nach seiner Kehle sprang. Die Zähne schlugen tief in seine Schulter ein, die Wucht des Anpralles warf ihn zu Boden. Der Nebel hatte Hund und Mädchen verschlungen, bevor noch einer der Männer begriff, was geschehen war. Doch sie war kaum zwanzig Schritte weit gelaufen, als die Bande schon hinter ihr herstürzte. Ausserhalb des Bereiches des Lagerfeuers verloren sie sich sofort in dem samtenen Dunkel unter den Bäumen, ihre Augen fanden sich nicht gleich zurecht und blindlings stolperten sie vorwärts. Der vorderste streckte seine Hand aus, um das Mädchen zu ergreifen, da riss plötzlich etwas mit solcher Kraft an seinem ausgestrecktem Arm, dass er strauchelte. «Ein Hund!» schrie er gellend. «Sie hat einen Hund! Gebt acht!» i (Fortsetzune folgt.) t