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E_1931_Zeitung_Nr.049

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 12. Juni 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. — N° 49 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG ZentraSblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ericheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „CMbc List«" Halbjährlich Fr. 5 . jährlich Fr. 10.—. Im Autland unter PortowncM»g, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern totem nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtlicbe Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk, 39.84 Telegramm-Adrette: Autorevue, Bern Soll das Rad rückwärts gedreht werden? Als Strassen-Rowdies werden diejenigen Fahrer bezeichnet, die, ohne auf das übrige Publikum Rücksicht zu nehmen, die Strasse als ihren ausschliesslichen Besitz ansprechen und durch übermässige Geschwindigkeiten den Unwillen des Publikums erregen. Durch fortgesetzte Aufklärung von seiten unserer grossen schweizerischen Automobilverbände und dank einer grossen Erziehungsarbeit seitens der Fachpresse hat jedenfalls auch die Disziplin der Fahrer bedeutend zugenommen. Trotz steigender Frequenz, trotz zunehmender Belastung der Strasse sind die Strassenverkehrsunfälle im Verhältnis langsamer nachgefolgt oder gar gesunken. Die Fortschritte der Technik, das sich steigernde Verantwortungsgefühl der Automobilfahrer, nicht zuletzt auch die bessern Strassen haben dazu wesentlich beigetragen. So konnten denn nach langen Anstrengungen im kommenden schweizerischen Automobilgesetz SchnelligkeitsvorschrMten fallen gelassen werden. Dafür hat man denn auch die Haftpflicht der Automobilisten wesentlich erhöht. Wir erinnern nur an die in der letzten Woche gepflogene Debatte im Nationalrat. Etwas verwunderlich erscheinen uns deshalb gerade in den letzten Tagen erschienene Meldungen in verschiedenen Zeitungen, wonach man mit Bangen dem Moment entgegensieht, da die gesetzlichen Schnelligkeitsmaximas fallen sollen und wo man bereits heute nach vermehrten Verkehrspolizisten ruft, um den « Wildlingen » zu zeigen, dass eine Aufsicht da ist und dass man sich bei Verkehrsflegeleien wenigstens unbehelligt und sicher fühlen darf. Es ist immer gefährlich, sich allgemeinen Beschuldigungen zu ergehen. Die betreffenden Pressenotizen gehen denn auch viel zu weit. Sie sehen vor lauter Pessimismus alle die vielen anständigen, zuverlässigen und rücksichtsvollen Fahrer nicht, die heute den überwiegenden Grossteil der schweizerischen Automobilistengemeinde bilden. Auch wir stehen ein für Strassendisziplin und Verkehrssicherheit. Allein, es gilt heute nicht mehr, in der alten, glücklicherweise überwundenen Standpunkt zurückzufallen, als könnte man den Automobilisten beständig als quasi gemeingefährliches Individuum unter Polizeikontrolle stellen. Sogenannte Strassen-Rowdies können nicht allein durch Polizei zu einem Bessern erzogen werden. Die Gefährlichkeit ihres Tuns wird ihnen auch durch die erhöhte kommende Haftpflichtverpflichtung klar vor Augen geführt werden. Uebrigens werden die sogenannten Höchstgeschwindigkeiten mit dem zunehmenden Automobilbestande in der Schweiz von selbst illusorisch, indem die grosse Zahl der fahrenden Automobile ganz F E U I L L E T O N Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarts. CVerlag Georg Müller, München.) (16. Fortsetzung) Moran merkte, dass nicht die geringste Spur von Koketterie in dieser Erlaubnis lag, sie beim Vornamen zu rufen. Es mussten tieiinnere Gründe sein, weshalb sie sich scheute, ihren vollen Namen zu verraten. War dieses Geheimnis einmal aufgeklärt, so würde alles andere verständlich sein. Kaum hatte er seine Decken ausgebreitet, als ihn ein plötzlicher Schauer überfuhr. Ein Schrei drang aus der Schlucht, der Löboschrei, die entnervendste unter allen Stimmen der Wildnis. Sie brach sich an den Wänden der Schlucht und langsam verhallte das schauerliche Echo. Moran hörte, wie das Mädchen ihm mit leiser Stimme aus der Hütte zurief: «Glauben Sie noch immer, dass Blitz einen solchen Schrei von sich gibt?» besonders über Wochenende dem einzelnen Automobilisten eine allzu hohe Geschwindigkeit von selbst verunmöglichen. Dass etwas nervös veranlagte Menschen beim Betrachten des heutigen gewaltigen Strassenverkehrs sich nicht mehr ganz zurechtfinden können, begreifen wir wohl. Das Rad der Zeit kann aber nicht mehr rückwärts gedreht werden. Geschwindigkeiten kontrollieren zu wollen hat keinen grossen Wert. Der modernen Strassenpolizei harren ganz andere Aufgaben. Sie wird in Zukunft den Verkehr straffer zu regeln haben, sie wird das richtige Verhalten beim Ausweichen, beim Vorfahren, beim Kreuzen in der Kurve, das unnötige. Lärmmachen usw.. scharf ins Auge nehmen müssen. Wie oft hat der Kanton Schwyz schon zu reden gemacht. Neuerdings kommt er, wie die « A.-R.» schon in Nr. AI berichtete, mit einem Nachtfahrverbot für Motorlastwagen und Motorfahrräder. Man reibt sich die Augen aus und fragt sich, ob eine solche Verfügung im.Jahre 1931 von regierungsrätlicher Seite überhaupt noch möglich sei. Aber der Erlass ist draussen. Die Schwyzer Regierung scheint wieder einmal etwas von sich hören lassen zu wollen. Ueber die rechtliche Seite der ganzen Materie wollen wir uns nicht mehr des langem auslassen. Sicher steht fest,, dass der Erlass für die ganze Automobilistengemeinde ein schwerer Schlag bedeutet und für den Kanton Schwyz selbst von-grösserem Nachteil sein dürfte. Auch die Motorlastwagen sind heute derart technisch ausgebaut, dass sie sozusagen ohne Lärm fahren können, sofern sich allerdings die- Strasse nicht durch einen miserablen Zustand auszeichnet, wie dies leider im Kanton Schwyz der Fall ist. Geht es auf einer Strasse über Berg und Tal, dann allerdings wird auch der modernste und bestausgeführte Motorlastwagen nach Noten durchgerüttelt. Dass die Schwyzer ihr Steuergesetz, mit dessen Erträgnissen sie Strassen bauen wollten, nicht unter Dach brachten, daran tragen jedenfalls die ausserkantonalen Automobilisten keine Schuld. Die Gründe des Erlasses sind deshalb unklar. Eines allerdings sollte die Regierung des Kantons Schwyz nicht.zu vergessen denken: eine gewisse Autofeindlichkeit' kann dem Kanton nur von Schaden sein. Wir wollen alle die Gründe gar nicht mehr detailliert anführen, die gerade dem Kanton Schwyz es nahebringen sollten, dem Automobil nach Möglichkeit die Strasse freizugeben. Es sind Gründe wirtschaftlicher und verkehrstechnischer Art. Schwyz bildet mit seinen Durchgangsstrassen einen Automobilknotenpunkt, wir möchten fast behaupten, von internationaler Bedeutung. Eine solche, dem «Ohne Zweifel, das war Blitz — niemand anderer!» «Ein so lieber Hund — und dieser entsetzliche Ruf,» staunte sie. «Doch nun, da ich weiss, dass es nur Blitz ist, brauche ich nicht mehr zu schaudern, wenn ich es wieder höre.» Moran lachte leise. «Sie täuschen sich,» sagte er er. «Und wenn Sie tausend Jahre leben und Nacht für Nacht diesen Ruf hören, es wird doch immer gleich bleiben. Wenn Sie auch keine Furcht empfinden, der Wolfsschauer wird Sie jedesmal von neuern packen.» .Zum erstenmal seit ihrer Ankunft unterliess es das Mädchen, die Türe bei Nacht zu verriegeln. Sie Hess sie angelehnt — ein stiller Beweis ihres unbedingten Vertrauens zu Moran. Eine halbe Stunde später stiess eine kalte Schnauze an Morans Hand. Blitz schnupperte ein wenig und ging dann hinein zu dem Mädchen. Er streckte sich auf dem Fnssboden aus und legte sein Kinn auf die Kante der Schlafbank, während Betty seinen Kopf streichelte. Verkehr günstige Lage sollte man nicht zwangsweise und ohne Grund schachmatt setzen. Wir glauben deshalb annehmen zu dürfen, dass ganz besonders die Automobilisten des Kantons Schwyz sowie auch die schweizer. Lastwagenbesitzer sich nicht ohne weiteres mit dieser Tatsache werden abfinden können, und dass auch im Kantonsrate durch eine Interpellation wenigstens die nähern Gründe des regierungsrätlichen Vorgehens einer weitern Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden. Der Verkehr kann übrigens heute nicht mehr nur Sache der einzelnen Kantone sein; er ist eine Angelegenheit der gesamten Eidgenossenschaft. Es sind vor allem auch schweizerische Interessen, die verlangen, dass der Verkehr nicht grundlos an irgendeiner Stelle des Strassenverkehrsgesetzes ohne näheren Grund kurzweg unterbrochen werden kann. Die kantonalen Barrieren sind denn doch schon lange gefallen. Dieser Art krankhaften Föderalismus, der solche Schranken wieder aufstellen möchte, gilt es mit aller Energie entgegenzutreten. Sollte es im Kanton Schwyz mehr lärmende Vehikel geben als anderswo, so ist ihnen gewiss auf andere Art und Weise und ohne Nachtfahrverbot beizukommen. WiT hoffen deshalb, dass das Rad der Zeit auch im Kanton Schwyz nicht zurückgedreht werde. • Erneute Klagen. • Es dürfte allseitige Ueberraschung bereitet haben, dass die! ganze erste Hälfte des Monatsbulletins einer unserer grossen Bankgesellsehaften einer Abhandlung über die Finanzlage der Schweizerischen Bundesbahnen gewidmet worden ist. (Siehe auch A.-E. Nr. 44). Nicht bloss leichte Ueberraschung, sondern geradezu etwelches Befremden empfindet man aber, wenn man bei näherem Studium des Artikels entdeckt, dass sich an die statistischen Angaben über den Geschäftsgang des vergangenen Jahres in gedrängter Form alle Argumente und Forderungen aus der am Ende des Jahres herausgegebenen Kampfschrift « Oaveant Consules » anschliessen. Man kann, hauptsächlich wenn man berücksichtigt, dass sich schon seit den ersten Monaten des verflossenen Jahres die wirtschaftliche Depression geltend machte, das Geschäftsergebnis der Schweizerischen Bundesbahnen kaum schlecht nennen. Ja, die Ziffern sehen im allgemeinen so wenig alarmierend aus, dass die Abrechnung eigentlich sehr wenig geeignet erscheint, an der Spitze und als Einleitung zu den nachgerade etwas langweilig wirkenden Jeremiaden über die vernichtende Konkurrenz des Autos zu dienen. Wie soll man zum Beispiel die immer wieder laut werdenden Befürchtungen der Bundesbahnen, das Auto drohe, den Bah- «Blitz!» flüsterte sie, «Blitz! Hätte es nicht ein Mann sein können wie dieser da draussen — wie Clark Moran?» Nach einem Weilchen schlich Blitz wieder hinaus und kauerte sich neben Moran nieder. «Du alter Räuber,» begrüsste ihn Moran, «hast mir eine schöne Geschichte eingebrockt! Du, ich glaube, ich habe die Richtige gefunden, ich fühle es, Blitz! Und ist sie nicht prachtvoll schön? Hast du je ein Mädchen gesehen, das sich mit ihr vergleichen Hesse? Was denkst du, Freund Blitz?» Blitz dachte nichts, er war nur ungeheuer zufrieden. Nichtsdestoweniger fand er keine Ruhe und den grössten Teil, der Nacht verbrachte er damit, geschäftig und aufgeregt zwischen Betty und Moran hin und her zu pendeln. Dreizehntes Kapitel. Moran sass auf einem vorspringenden Felsen oberhalb der Schlucht und suchte mit seinem Feldstecher die Gegend ab. Plötzlich erschien Blitz neben ihm, verweilte einige Minuten, um sich dann ebenso plötzlich, wie er gekommen war, wieder davonzumachen. INSERTIOXS-PREIS: Die achtgespattene 2 mm hohe Grundzelle ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. GrAssere Inserate nach Seitentaril. Inseratenscblns* 4 Tage vor Erseheinen der Nummern nen in unerträglicher Weise die Passagiere wegzuraffen, noch ernst nehmen, wenn man in der Veröffentlichung der Betriebsergebnisse feststellt, dass die Zahl der jährlich beförderten Passagiere nicht nur nicht abgenommen, sondern sogar erheblich zugenommen hat. Sie hat im vergangenen Jahr die 130-Mülionen-Grenze beinahe erreicht, was .eine Zunahme von 30 % gegenüber dem Vorkriegs jähr 1913 und eine Verbesserung von nahezu 60 % gegenüber 1922, dem schlechtesten Jahr seit Ende des Krieges, bedeutet. Da die Einnahmen aus der Personenbeförderung 38 % der Gesamteinnahmen ausmachen, so darf der aufwärtsgehenden Bewegung auf diesem Zweig keine nebensächliche Bedeutung zugemessen werden. Etwas weniger günstig lauten allerdings die Angaben über den Frachtverkehr. Die Zahl der 1930 beförderten Tonnen ist gegenüber dem Vorjahre von 19,5 auf 18,5 Millionen zurückgegangen. Aber auch dieser Rückgang erscheint keineswegs erschreckend, wenn nian die Gesamtbewegung der letzten Jahre vor sich hat und den nähern Gründen des Rückschrittes nachgeht. Der Frachtverkehr ist weit abhängiger von den Konjunkturschwankungen als der Personenverkehr und weist deshalb eine viel bewegtere Kurve auf. Immerhin ist eine deutliche Aüfwärtsbewegung zu konstatieren. So sind zum Beispiel die drei letzten Jahre die einzigen, die sich über die 18-Miilionen-Grenze erheben. Allerdings fügt die Direktion der Bundesbahnen, um ihre Klagen' und Forderungen nicht durch den wenig ungünstigen Eindruck dieser Zahlen zu entkräften, bei, dass die schon vorliegenden Resultate der ersten Monate dieses Jahres ein weit schlechteres Ergebnis für das laufende Jahr befürchten lassen. Darüber lässt sich aber vorläufig kaum reden, da die wirtschaftliche Entwicklung selbst der allernächsten Zeit, wie die Erfahrung gelehrt hat, nicht vorauszusehen ist. Und wenn auch der Frachtverkehr in dem befürchteten Masse zurückgehen' sollte, so wäre, wie in den Ausführungen der Bundesbahndirektion selbst zugegeben wird, vor allem die Wirtschaftskrisis dafür verantwortlich zu machen. Ganz verfehlt ist es jedenfalls, die Schuld an dem Rückgang dem Automobil in die Schuhe zu schieben, da dieser nicht auf eine Abnähme des Binnenverkehrs, sondern auf eine Verminderung des Transitverkehrs und des Exportes zurückzuführen ist, wo ja der Lastwagentransport sozusagen keine Rolle spielt. Was bei den an den Geschäftsbericht sich anschliessenden Ausführungen über das Verhältnis Auto-Eisenbahn, genau wie damals in der Kampfschrift, besonders Bevor er ganz hinter den Felsen verschwand, zögerte er einen Augenblick lang und warf noch einen Blick auf Moran zurück. «Armer Blitz, wirst bald mager wie ein Skelett sein, wenn du's nicht aufgibst, mit mir und Betty zugleich in Fühlung zu bleiben,» lachte Moran. In kaum einer Stunde hatte Blitz viermal den Weg zwischen der Hütte und der Felsenhöhe zurückgelegt. «Diesmal könntest du sie doch mitbringen,» setzte er hinzu. «Sie versprach uns ohnedies ihren Besuch.» Eine halbe Stunde später kam Blitz wieder, nun in Begleitung des Mädchens. Moran trat mit ihr an den Rand des Felsenvorsprungs, der wie ein kleines Vorgebirge über der Tiefe der Schlucht hing. Ein welliges Meer von Hügeln entrollte sich vor ihren Augen, am Horizont die kahlen, sturmgepeitschten Bergesspitzen, tief unten an den Ufern die grünen Wiesen, eingerahmt von Fichten, aus deren Dunkel das blasse Grün der Espen aufschimmerte. Blitz war endlich beruhigt. Die zwei waren wieder beisammen! Lang ausgestreckt lag er auf dem Boden und, den Kopf zwi-