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E_1931_Zeitung_Nr.050

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Aassrabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 16. Juni 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. — N° 50 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und FraltM Monatlich „G«Ib« Liste« Haibjinrlfch Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portonnchlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltcnralnstr. 97, Bern ••tarn nicht postamtllch bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Posteheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 38.8* Telegramm-Adresse! Autorevue, Bern EVSEKTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Ct». für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cta. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inwrnlennchlns» 4 Tage vor Erseheinen der Nnmmern Der Schuss in Der Kanton Uri hat zweifellos das Recht, seine Grenzen den grossen Gesellschaftswagen zu verschliessen. Ihm steht, einmal aus dem Konkordate ausgetreten und seiner Bindung anderen Kantonen gegenüber befreit, die unbeschränkte Hoheit über seine Strassen zu. Und er hat unzweifelhaft das Recht, von dieser Hoheit den Gebrauch zu machen, der ihm gefällt. Selbst den unsinnigsten Gebrauch. Es gibt keinerlei Kontrolle des Bundes über kantonale Angelegenheiten, wo es die Verfassung nicht vorsieht und es gibt kein staatsrechtliches Mittel, das erlauben würde, so notwendig dies oft zu sein scheint, die Kantone anzuhalten, bei ihren Massnahmen und Entschlüssen nicht lediglich von einem engen, ängstlichlokalen Gesichtskreis auszugehen, sondern auch etwelche Rücksichten auf gesamtschweizerische Interessen zu nehmen. Es bleibt dem Kanton Uri also offen, sich stolz auf seine Souveränität zu berufen und frostig und gelassen den Entrüstungssturm, den sein überstürzter und sachlich nicht gerechtfertigter Austritt aus dem Konkordate im ganzen Lande ausgelöst hat, an sich abprallen zu lassen. Immerhin scheint uns kein Grund vorzuliegen, sich so selbstbewusst zu geberden. Wenn man nämlich tiefer in die Sache eindringt, so muss man dem Kanton Uri den Vorwurf machen, durch sein Verhalten nicht nur in politischer Courtoisie gefehlt, auch die eidgenössischen Behörden in Verlegenheit gebracht und damit den Geist verletzt zu haben, der selbstverständliche Grundlage unserer gegenseitigen Beziehungen zwischen Kantonen unter sich und mit den Bundesbehörden sein soll. Zunächst wollen wir die Massnahme des umerischen Landtages in ihrer Wirkung auf die Gesamtwirtschaft und den schweizerischen Verkehr hin prüfen. Man beobachtet immer wieder, dass man sich in der Schweiz, Obwohl schon verschiedene Gegenden und Industrien in Schwierigkeiten gekommen U I Wie der Kanton Uri schweizerische Interessen wahrt. Blitz Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarts. (Verlag Georg Müller, München.) (17. Fortsetzung) «Die Erklärung liegt in seinem Coyotengehirn,» antwortete Moran. «Der Coyote ist das klügste Tier auf Erden. Das ist eine Tatsache, die bis heute noch nicht genug bekannt ist. Darum ist es nicht zu verwundern, dass man sooft von dem feigen Coyoten spricht, während er in Wirklichkeit zu den verwegensten Räubern gehört. Es ist unmöglich, ihn auszurotten. Dieses Völkchen ist heute zahlreicher als vor zehn Jahren, denn es ist in erstaunlichem Masse anpassungsfähig. Einst bewohnte es nur das Präriengebiet, seither hat es sich derart vermehrt, dass man es auch in allen westlichen Gebirgen hier findet. Gegen Norden haben sie ihre Jagdgebiete bis Britisch-Columbia ausgedehnt, gegen Osten bis Michigan. Es wird nicht lange dauern und man wird ihr Auftauchen auch in den Staaten von Neu- England und sogar im Gebiet des nördlichen Polarkreises melden können. Ich bin sicher, dass meine Prophezeiung in Erfüllung geht. Allen widrigen Umständen zum Trotz haben sie sich ständig vermehrt. Man hat ihren Pelz teuer bezahlt, man hat ein beträchtliches Schussgeld auf sie ausgesetzt, ihr schlaues Gehirn hat aber alle diese Widerstände besiegt. Und ein solches Gehirn hat auch Blitz.» «Und trotzdem bezweifeln Sie, dass er unsere Worte versteht?» Rücken sind, immer noch nicht genügend klar ist, dass jetzt kaum der Moment ist, sich über die Interessen anderer Landesteile oder Bevölkerungsgruppen hinwegzusetzen oder sich gar gegenseitig Steine in den Weg zu legen. Selten aber dürfte in dem Masse Lokalgeist und kleinliche Gesinnung hartnäckig durchgesetzt worden sein, wie jetzt im Kanton Uri. Wer alles würde in Mitleidenschaft gezogen, weil sich einige Land- und andere Wirte in der Zentralschweiz nicht enthalten können, ihren autophoben Gefühlen freien Lauf zu lassen oder weil sie es als herrliche und mühelose Einnahmequelle empfinden, den Sommer durch eine recht stattliche Anzahl von Bussen zu verhängen? In erster Linie natürlich die Fremdenindustrie. Es ist allerdings wahr, wenn auch sehr merkwürdig, dass ein Teil der Hoteliers dies nicht, wahr haben will. Kurzsichtigerweise wird eben oft geglaubt, dass die Gesellschaftswagen nur Tagesgäste ins Land bringen. Daran aber, dass sie eines der besten Propagandamittel sein können, wird nicht gedacht. Es ist ja selbstverständlich, dass die ausländischen Unternehmer, wenn sie in der Schweiz immer und immer wieder Anstände haben, ihre Wagen in anderen Gegenden Europas Taufen lassen werden, im Tirol, im Schwarzwald,, an der Riviera usw. Dass schweizerische Reisetourenunternehmer zum grossen Teil nur deshalb Mühe haben, sich wirtschaftlich durchzusetzen, weil sie im ewigen Kampfe mit den Behörden liegen und eine Flut von neuen Dekreten, Verordnungen und Verboten jegliche Kalkulation über den Haufen wirft, ist ja zur Genüge bekannt. schweizerische Automobilindustrie und die Karosseriewerke wirkt ein Erlass, wie der jetzt in Uri gefällte, nicht gerade fördernd. Wenn man sich die Lage des Kantons Uri vergegenwärtigt, der erstens einmal den ganzen Komplex der Schweizeralpen quer durchschneidet und deswegen die wichtigsten Ost und West verbindenden Passstrassen, Furka, Oberalp und Klausen, in der «Ich weiss es und will es Ihnen auch beweisen. Er hat es heute ein dutzendmal gehört, wie ich Sie Betty rufe, und doch hat diese häufige Wiederholung ihn nicht dahin gebracht, mit diesem Wort mehr zu verbinden als mit irgendeinem anderen, das ich im Gespräch mit Ihnen öfters gebrauche. Anderseits aber verknüpft sich für ihn mit dem Wort Moran die deutliche Vorstellung meiner Person. Ich will es Ihnen sofort zeigen.» Er rief den Hund an und sogleich sah B'itz zu ihm auf. Absichtlich wiederholte er öfters das Wort Betty, der Hund blickte ihn verwirrt und verständnislos an. Er bewegte den Kopf von einer Seite zur anderen, er spitzte die Ohren und bemühte sich, zu verstehen. Seine Aufmerksamkeit hatte sich völlig auf Moran konzentriert, dem Mädchen schenkte er keinen einzigen Blick. «Nun versuchen Sie es,» wendete sich Moran an Betty. Sie richtete einige Worte an Blitz und sogleich bewies er ihr gegenüber dieselbe gespannte Aufmerksamkeit, wie vorhin für Morans Worte. Jetzt sprach sie zweimal das Wort Moran aus, Blitz wandte sofort den Kopf und blickte nach seinem Herrn. «Sie haben recht.» rief sie aus. «Es ist doch wunderbar, wie Sie sich auf ihn verstehen!» «Er ist physisch ausserstande, die Sprache der Menschen zu sprechen und das macht ihn auch geistig ungeeignet, sie zu verstehen. Nur durch häufige Wiederholung eines Wortes kann sich eine Gedankenverbindung bei Hand hat, sodann die Nord-Südtransversale, den Gotthard, beherrscht, also die Verbindung zwischen Nordostschweiz und Tessin verriegeln kann, so wird man sogleich erkennen, von welcher Tragweite der gegen das Gesellschaftsauto gerichtete Schlag ist. Das Vorgehen des Kantons Uri ist aber nicht nur aus diesen wirtschaftlichen Gründen zu verurteilen. Es ist ausserdem geeignet, dem Bundesrate und der Oberpostdirektion die grössten Schwierigkeiten zu bereiten. Bekanntlich erteilt die eidgenössische Oberpostd(rektion die Konzessionen für regelmässige. oder gewerbsmässige Personenbeförderung mit Automobilen. In der Konzession wird als zulässige Anzahl der Sitzplätzen 27—30 angegeben.. Gerade diesen Winter und Frühling — die Unternehmer warten natürlich nicht bis im letzten Augenblicke — sind eine überaus grosse Anzahl von Konzessionen (Konzession B) an ausländische Unternehmungen italienischer, englischer, holländischer Staatszugehörigkeit erteilt worden. Im Besitze dieser Konzession, auf der die zulässige Grosse der Gesellschaftswageh'ausdrücklich angegeben ist, glauben sich diese Unternehmer berechtigt, mit allen ihren Wagen, die den Anforderungen der eidgenössischen Postdirektion entsprechen, auf den schweizerischen Strassen verkehren zu dürfen. Ihr Erstaunen wird deshalb nicht gering sein, wenn sie auf urnerischem Boden plötzlich Anstände erleben oder gar am Weiterfahren verhindert werden. 'Was^werden sie tun? Das ist leicht vorauszusehen. Sie werden sich an ihre Konsulate, an ihre Gesandtschaft oder an ihre Regierung wenden und um diplomatische Intervention -ersuchen. Da man aus mehrfacher Erfahrung weiss, wie schwierig es ist, dem Auslande die internen staatsrechtlichen Grundlagen der Schweiz, speziell die Abgrenzung zwischen Bundes- und kantonalen Auch auf dieKompetenzen verständlich zu machen, kann man sich vorstellen, welche Komplikationen entstehen werden. Wahrscheinlich wird sich aber die Sache bedeutend anders, wenn auch nicht viel erfreulicher, abspielen. Die Behörden des Kantons Uri werden, sobald sie einsehen, dass mit dem Auslande Konflikte entstehen und dass es nicht möglich ist, den ausländi- ihm einstellen. Aber die Modulation der Stimme vermag er richtig zu deuten und ebenso den Gefühlsakzent unserer Worte. I Gewiss ist er intelligent genug, jedes Ktmststück oder jede Arbeit zu erlernen, die innerhalb der Grenzen seiner physischen Fähigkeiten liegt. Jede solche Lektion müsste ihren Ausgangspunkt von irgendeiner Grundtatsache nehmen, die ihm bereits bekannt ist, und von da aus müsste man schrittweise weitergehen. Zum Beispiel könnten wir ihn leicht dahin bringen, eine Art Verbindungskurier zu sein und Briefe zwischen uns hin und her zu tragen.» «Wie wurden Sie das anstellen?» fragte sie. «Bitte, zeigen Sie mir das.» «Gehen wir von folgenden Tatsachen aus: Er kennt das Wort ,Geh' in Verbindung mit dieser Bewegung — dem Auswärtsschwingen meines Armes. Ich brachte ihm das bei, als ich ihn lehrte, die Pferde und Rinder zu hüten. Gegenwärtig hat er die natürliche Neigung, zwischen uns hin und her zu laufen. Wir wollen uns das zunutze machen. Anfangs wird er nicht wissen, wohin er gehen soll, aber so viel wird er verstehen, dass ich ihn wegschicke. Aus Gewohnheit wird er zu Ihnen zurückkehren, Sie könnten ihn dann wieder zu mir schicken, indem Sie das gleiche Wort und die gleiche Bewegung mit meinem Namen verbinden. Abgesehen davon, dass er meinen Namen kennt, wird er schon von selbst nach mir Umschau halten. In kurzer Zeit wird er die Absicht hinter dem Ganzen erraten und rasch begreifen, was wir von ihm wollen.» Die folgenden Tage hatte Blitz viel zu tun. Schon am nächsten Morgen flocht Moran ein Halsband aus Elchhautriemen und führte Blitz in einige Entfernung von der Hütte. Er rollte ein Blatt aus seinem Notizbuch rund um das Halsband und befestigte es mit einer Nadel. schen Unternehmern gegenüber ihre Bussenverfügungen zu realisieren, nach altbewährtem Muster es mit der Methode des Nichtsehens versuchen. Es wird dann im Kanton Uri der liebliche Zustand herrschen, dass der Ausländer 'bessergestellt ist als der Schweizer... Auch mit der Oberpostdirektion wird ein Konflikt entstehen, da sie mit einem 27- plätzigen Autobus Postkurse über den Klausen zu führen gedenkt. Die Souveränität und die Würde des Kantons Uri hätten jedenfalls weniger gelitten, wenn man sich vorher mit den Bundesbehörden in Verbindung gesetzt und gemeinsam nach einer vernünftigen Lösung gesucht hätte, statt sich mit Eigenwillen in ein Abenteuer zu stürzen, da die unangenehmsten Konflikte zur Folge haben kann, -y- Begnacligungspraxis gegenüber « Autosündern ». Aus den Begnadigungsverhandlungen der Bundesversammlung. Am letzten Donnerstag hatte sich die Vereinigte Bundesversammlung (d. h. Nationalrat und Ständerat in gemeinsamer Sitzung) mit 116 Begnadigungsgesuchen zu befassen. Drei der Fälle bezogen sich auf Vergehen, wo das Automobil eine aktive Rolle gespielt hatte. In zwei Fällen waren die Petenten mit ihrem Wagen in eine geschlossene Barriere hineingefahren. Der eine erhielt dafür eine Busse von 200 Franken, die er nicht rechtzeitig bezahlte, weshalb sie in zwanzig Tage Gefängnis umgewandelt wurde. Seinem Gesuch entsprechend wurde gnadenhalber vom Vollzug der Umwandlungstrafe abgesehen. Der andere fuhr, wie gesagt, gleichfalls eine Bahnschranke zusammen, die er, geblendet von den Lichtern eines in Gegenrichtung befindlichen Lastwagens, nicht gesehen hatte. Ausserdem behaupten die Akten, er sei zu rasch gefahren. Erschwerend fiel hier in Betracht, dass er auf Zuruf hin, mitten auf dem Bahndamm Gas gab und auch noch die andere Schranke durchbrach. Urteil: 2 Tage Gefängnis. Petent ersuchte um deren Erlass, weil er jetzt nicht mehr Automobilist sei und darum den Verkehr nicht mehr gefährden könne. Der Bundesrat war geneigt, dem Ge- «Geh! Blitz,» befahl er und schwang den Arm in der Richtung nach der Hütte. «Geh, geh doch, Bursche, bring ihr das Briefchen!» Blitz machte einen Satz in die angedeutete Richtung, blieb dann stehen und blickte zuzurück. Er verstand wohl, dass Moran ihm befahl, irgendwohin zu gehen. Doch gab es hier weder Pferde noch Rinder. Er setzte sich nieder und beobachtete seinen Herrn, ganz im unklaren, was man eigentlich von ihm wünsche. Morans unaufhörlich wiederholter Befehl überzeugte ihn, dass er zu gehen habe. Er verstand das Wort. In seltsamen Zirkeln umschlich er Moran und winselte. Schliesslich machte er sich davon. Sowie er Moran aus den Augen verloren hatte, folgte er seinem natürlichen Streben, das ihn zu dem Mädchen zurücktrieb. Er eilte schnurstraks zur Hütte. Betty löste die Papierrolle von dem Halsband, las das Briefchen und richtete nach Morans Anweisung lobende Worte an Blitz. Dann befestigte sie das Papier wieder an dem Halsband und wies in die Richtung, wo Moran sich befand. «Geh, Bursche,» drängte sie, «geh, Moran! Moran! Moran! Bring's zu Moran, Blitz! Geh!» Blitz begriff, dass er hier ebenfalls weggeschickt wurde, er verstand auch, dass sie von Moran sprach, aber den eigentlichen Sinn des Verlangten hatte er nicht erfasst. Wieder folgte er bloss seiner natürlichen Neigung und kehrte zu Moran zurück. Jedesmal lösten sowohl Moran als Betty das Papier in demselben Augenblick von dem Halsband, da er ankam, prüften es und lobten Blitz. Gleichzeitig hielten sie dem Hund das Briefchen hin, damit auch er es