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E_1931_Zeitung_Nr.051

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18 AUTOMOBIL-REVUE

18 AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N« 51 ist vom Berner Oberland und von Bern her leicht erreichbar. Die Organisation, deren lautlos arbeitender Apparat bis in alle Einzelheiten jedes Jahr klappte, dürfte auch dieses Jahr wieder zu einem vollen Erfolg des Gurnigel-Bergrennens beitragen. bo. Die Geschichte des Gurnigels. Das erste Gurnigelrennen fand bereits im Jahre 1910 statt. Die Veranstaltung, für die die Sektion Bern des A. C. S. zeichnete, kam auf der Strecke Dürrbach-Gurnigelhotel zum Austrag. Die beste Tageszeit fuhr der bernische Fahrer Edmond von Ernst auf Martini, indem er die Strecke in 7'27" zurücklegte. Schon vom ersten Jahr an bewies der Gurnigel seine Anziehungskraft auf Fahrer und Publikum. Die landschaftlichen Schönheiten der Umgebung und die zentrale Lage der Rennstrecke lockten jedes Jahr grössere Massen nach dem Gurnigel. Im Jahre 1911 wurde wieder ein Berner Fahrer, diesmal Max von Ernst, auf Pic- Pic, Sieger, indem es ihm gelang, den Streckenrekord auf 5'53" hinunterzudrücken. In den Jahren 1912 und 1913 sah man von der Durchführung des Gurnigelrennens ab; die darauffolgenden Kriegsjahre unterbanden ohne weiteres die Austragung des Rennens, so dass erst im Jahre 1920 wieder die aktive Sektion Bern des A. C. S. den Entschluss fasste, das Gurnigelrennen nach neun Jahren Unterbruch erneut durchzuführen. Diesmal war es ein Genfer, W. Ramseyer, dem es gelang, die viereinhalb Kilometer lange Strecke bis zum Hotel mit der neuen Rekordze.it von 5'21,2" zu fahren. Der Erfolg des Gurnigelrennens in diesem Jahre war über alles Erwarten gross. Zwei Jahre später, im Jahre 1922, wurde der Rekord des Genfers von dem Basler Fahrer Nieth, auf Hispano-Suiza, unter die Fünfminutenmarke hinuntergedrückt, indem er die Strecke in 4'46,2" zurücklegte. Die Rekordleistung des Fahrers wurde damals viel bestaunt. Das Jahr 1923 brachte einen wahren Rekordtag am Gurnigel. Von 46 gemeldeten starteten 40 Wagen. Die beste Zeit der Tourenwagen fuhr Mario Lepori, auf Ballot, in 4'26,6". Der gleiche Fahrer vermochte bei einem neuen Start ausser Konkurrenz, wieder auf Ballot, den Rekord auf 4'17" zu reduzieren. Er erreichte jedoch trotzdem nicht die glänzende Zeit von Georg Beck, der mit einem Bugatti bei den Sportwagen einen Rekord von 4'16,8" aufstellte. Doch alle diese neuen Rekorde wurden bei den Rennwagen übertrumpft. Der italienische Rennfahrer Lampiano erledigte alle bisherigen Bestleistungen mit seinem Fiat, indem er die Zeit auf 4'2" herunterdrückte. Das Rennen von 1927 gestaltete sich zu einem grossen Erfolg der Organisatoren. Das Wetter machte gute Miene und erleichterte auf diese Weise die Aufstellung neuer Rekorde. Delmar, auf Steyr, erzielte bei den Sportwagen mit 9'15,6" einen neuen Rekord. Bei den Rennwagen triumphierte Vicomte de Moraes, auf Bugatti, mit 9*31,8". Das grosse Ereignis des Tages war, dass ein Sportwagen den Rennwagen den Tagessieg wegholte. Bei den Tourenwagen erzielte Waeny auf Chrysler mit 11'13" die beste Zeit. Der Gurnigel 1929 ergab wieder in allen Blick vom Selibühl gegen die Strasse nach dem Schwefelbergbad. Im Hintergrund: Nünenen (links) und Gantrist. Im Jahre 1925 wurde das Rennen zum erstenmal auf der erweiterten Rennstrecke Dürrbach-Selibühl ausgetragen. 37 Wagen starteten bei wenig günstiger Witterung. Die beste Zeit der Tourenwagen fuhr Müller, auf Buick, in 12'21,6". Bei den Sportwagen gewann Kirchhofer auf Salmson, der bei wolkenbruchartigem Regen die drei Kategorien neue Rekorde, die unter den schwersten Verhältnissen aufgestellt werden mussten. Das anfänglich vielverheissende Wetter verwandelte sich bald in einen gelinden Wolkenbruch, so dass die Konkurrenten bei den ungünstigen Verhältnissen mit grösster Konzentriertheit fahren mussten. Bei den Tourenwagen Strecke in 15'54,2" zurücklegte. Der bekannte Fahrer Merz, auf Bugatti, stellte aufgestellten Rekord mit der neuen Best- unterbot Waeny auf Chrysler seinen selbst die für das ausserordentlich schlechte zeit von 10'50". Dr. Karrer, auf Bugatti, Wetter phantastische Bestzeit von 9'25,4" vermochte bei den Sportwagen den absoluten Rekord des Gurnigels von Delmar auf. Der Tessiner Fahrer Lepori, auf Bugatti, vermochte sich mit 10'8,8" ebenfalls mit der neuen Bestzeit von 8'48,6" zu gut zu plazieren. schlagen. Zu einer Meisterleistung gestal- KAUFEN SIE NICHTS tete sich die Fahrt des bernischen Fahrers Hans Stuber, auf Bugatti, der trotz des prasselnden Regens und der aufgeweichten Strecke einen neuen Rekord aufstellte, der zugleich als die heute noch geltende automobilistische Bestzeit des Gurnigels gilt: 8'25". Die Organisation der Sektion Bern des A. C. S. funktionierte wiederum tadellos. Unsere Rekordtabelle vermittelt einen Ueberblick über den Stand der gegenwärtigen Kategorien- und Klassenrekorde. Die gegenwärtigen Rekorde des Gurnigel. Tourenwagen Klasse Fahrer Marke Zeit 1100 cem Widler (Amilcar) 14.50.4 1500 » Keller (Alfa Romeo) 10.52.2 2000 » Botta (Diatto) 12.29.8 3000 » Moser (Bugatti) 10.56,8 5000 » Waeny (Chrysler) 10.50,0 8000 » Schölten (Studebaker) 11.14,0 Beste Zeit der Tourenwasen: Waeny auf Chrysler (Stundenmittel 49,8 km). Sportwagen • (Salmson) 10.21,4 1100 cem Kirchhof er 1500 » Schneider (Bugatti) 10.13.4 2000 » Strittmatter (Bugatti) 9.40,6 3000 •-.» Dr Karrer (Bugatti) 8.48.6 5000 » Delmar (Steyr) 9.15,6 Beste Zeit der Sportwagen. Dr. Karrer auf Bugatti (Stundenmittel 61,3 km). Rennwagen . 1100 cem Rampinelli (Amilcar) 9.44,4 1500 » Soldati (Bugatti) 11.08,4 2000 » Stuber (Bugatti) 8.25.0 3000 » Merz (Bugatti) 9.46,0 Beste Zeit der Rennwagen. Stuber auf Bugatti (Stundenmittel 64,1 km). Die Rekordinhaber der verschiedenen Gurnigel- Rennen, Alte Strecke 4 km 400. 1910 Ed. von Ernst, Bern (Martini) 1911 M. von Ernst, Bern (Pic-Pic) 1920 W Ramseyer. Genf (Pic-Pic) 1922 J Nieth, Basel (Hispano-Suiza) 1923 Lampiano, Italien (Fiat) Neue Strecke 9 km. 1925 J. Merz, Zürich (Bugatti) 1927 W Delmar. Budapest (Steyr) 1929 H. Stuber, Bern (Bugatti) 7.27,0 5.53,0 5.21,2 4.46,2 4.02,8 9.25,4 9.15,6 8.25,0 UNNÖTIGES! Wanun wollen Sie die Kanne, die Ihr Schmieiöl enthält, mitbezahlen? Wir leihen Sie Ihnen gern — gegen ein Pfand von 50 Rp. — das Sie beim ersten Mobiloilkauf hinterlegen. Später wechseln Sie immer nur die leere Kanne gegen eine volle ein — Sie bezahlen dann nur das Oel. Damit schaffen Sie sich die Gewissheit, stets die flache 2 Kilo-Kaone Mobiloil im Wagen zu haben. Die Kanne ist völlig dicht, handlich, und nimmt wenig Platz ein. Den richtigen Oelstand können Sie stets durch Nachfüllen kleiner Mengen einhalten, genau wie es die Fabriken empfehlen. 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N°51 - 1931 Die Rennstrecke. Die Gurnigelstrecke hat den Beinamen « Klausen der Mittelschweiz » nicht umsonst. An Kurvenreichtum und Höhendifferenz kann sie sich wirklich sehen lassen, und an Schönheit ist sie in ihrer Art vielleicht unübertroffen. Der Start liegt am Beginn der grossen Steigung beim Gasthof Dürrbach, auf Höhe 834 m, das Ziel bei der Stierenhütte, Punkt 1610. Auf 9 Kilometer Distanz ist somit die hübsche Höhendifferenz von 776 m zu überwinden, was einer Durchschnittssteigung von 7 % entspricht. 7 % machen zwar dem modernen Autler im allgemeinen keine Sorgen. Aber am Gurnigel gewinnt dieser Durchschnittswert ein etwas anderes Gesicht dadurch, dass einzelne fast ebene Stücke in der Strecke liegen, um derentwillen sich dann natürlich die Maximalsteigung um so höher hinauf bemühen muss. Tatsächlich haben die Wagen mehrmals bis 15 % zu überwinden. Gleich nach dem Start schon wird es sich zeigen, ob man sich in der gewählten Uebersetzung nicht verrechnet hat, und um das Debüt noch zu würzen, folgt auf die erste 200-Meter-Gerade eine neckische Haarnadel, die fast zum Stillstand zwingt. Bis zu Kilometer 1 haben Motor und Fahrer jedenfalls « alle Hände voll » zu tun. Von hier bis zur Einfahrt in den Wald kommt dann schon mehr Geschwindigkeit zum Wort. Aber kaum ist der Wagen im besten Schwung, schlägt die Strasse einen Haken nach links. Das nun fast ebene Streckenstück vor Kilometer 2 kann nicht ausgenützt werden, weil sofort eine Kurve nach rechts, der bekannte «finstere Kehr», folgt, der, wenn man drin ist, scheinbar kein Ende nehmen will. Dass der «finstere Kehr» immer zu Ueberraschungen aufgelegt ist, beweist jeweils das hier immer dicht gedrängte Publikum. Der nächste Kilometer könnte, der geringeren Steigung entsprechend, einer der schnellsten sein, wenn auf halber Strecke nicht auch hier wieder ein recht trügerisches S eingeschaltet wäre. So bleibt denn nichts anderes übrig, als wenigstens vor und hinter diesem S gehörig auf den AUTOMOBIL-REVUE 19 n.Riggisber « Knebel » zu treten. Das Gebüsch beidseitig der S-Kurve hat übrigens schon mehrmals eine mysteriöse Anziehungskraft, speziell auf grössere Wagen, bekundet, so dass es nicht angezeigt erscheint, sich als Zuschauer hier häuslich niederzulassen. Die Kurve vor Kilometer 3 weiss vorläufig nicht viel zu erzählen; offenbar sparen hier die Fahrer ihre Kräfte für das Duell mit der starken Steigung, die nun knapp vor dem Hotel wieder rassig einsetzt. Aber sei es nun, dass das Hotel auf Fahrer und Motor beschleunigend einwirkt oder dass wir die Steigung überschätzen: Tatsache ist, dass die Konkurrenten gerade beim Hotel vorbei wie aus der Kanone geschossen kommen. Wer den Eindruck von Geschwindigkeit sucht, kommt, wenn er sich in der Nähe der Hotelgaragen postiert, sicher voll auf seine Rechnung. Uebrigens sollen hier schon Tempi von weit über 100 Stundenkilometern gefahren worden sein. Vom Hotel bis kurz vor Kilometer 5, wo die Strasse wieder in den Wald eintritt, werden nur die ganz starken Wagen besondere Sensationen bieten können; die Steigung bremst tüchtig ab, und stärkere Kurven fehlen. Dafür aber bieten die Ränke und Windungen durch den Wald hinauf wieder um so grössere Genüsse. Die Strasse ist nun schon ziemlich schmal, und jedes Nebenaus kann für den Rennfahrer zum Steckenbleiben werden, wenn nicht zum Sprung den Abhang hinunter. Das fahrtechnisch schwierigste und anspannendste Stück aber beginnt erst, nachdem die starke Steigung nach Kilometer 6 überwunden ist. Die Strasse steigt nun zwischen Gebüsch und Jungholz in unzähligen schwachen Biegungen bergan. Hier erkennt' man, wer sich aufs Kurvenfahren bei hohem Tempo versteht! Künstler scheinen sich förmlich einen Weg zu schneiden und die Kurven strecken zu können, während die weniger Routinierten mühsam von Strassenrand zu Strassenrand manövrieren. Dem Fahrtempo ist hier wirklich nur durch die Geschicklichkeit eine Grenze gesetzt. Bis beim zweitletzten Kilometer wieder eine Haarnadel zu fast völligem Abstoppen zwingt. Von hier an gilt es, nur noch die Beschleunigungskraft des Motors möglichst voll auszunützen. Noch einmal zwingt ein scharfer Richtungswechsel den Fahrer unter die 20 km, dann kann er seinen Pferden bis durchs Ziel die Zügel schiessen lassen. V«B» !*«!»•• Die höfliche Verkehrspolizei — in Leipzig. Für den Platz vor dem berühmten Konzertgebäude Gewandhaus sind neue Verkehrsvor'schriften herausgegeben worden, um den sehr beträchtlichen Automobilverkehr an Konzertanlässen zu regulieren. iFahrzeugbesitzer, welche in Unkenntnis der Vorschriften falsch parkieren, werden nun weder rapportiert noch vor den Kadi zitiert, sondern finden in ihrem Wagen eine gedruckte Mitteilung folgenden' Inhaltes : «iNeue Verkehrsvorschriften regeln den Verkehr sowie das Parkieren auf diesem Platz. Ihr Wagen war nicht den Vorschriften entsprechend aufgestellt. Auf der Rückseite dieser Notiz finden Sie einen Situationsplan mit den korrekten Parkplätzen eingezeichnet. Sofern Sie weitere Auskunft benötigen, wollen Sie bitte das Verkehrsamt aufläuten.» ß Sicherung von Eisenbahnübergängen in Deutschland. Gegenwärtig schweben bei der Deutschen Reichsbahn Verhandlungen über Einführung einer wertvollen Neuerung zur Sicherung von Eisenbahnübergängen. Es handelt sich hierbei um eine Verbesserung der Schrankenbeleuchtung, insbesondere bei Nebel. Durch diese Neueinrichtung soll die Schranke bereits während der Schliessung beleuchtet werden. Die Kraftfahrer könnten daher schon aus grosser Entfernung erkennen, ob sich die Schranke schliesst oder ob die vorher geschlossene Schranke bereits wieder geöffnet ist und den Bahnübergang zum Passieren freigibt. A. E. Sie finden eine eingehende Berichterstattung in Wort und Bild über das Gurnigelrennen in Nr. 52 der Automobil-Revue. KUGEL-UND ROLLENLAGER GERINGSTER REIBUNGSVERLUST CROSSTE SICHERHEIT GENERALVERTRETUNG FÜR DIE DEUTSCHE SCHWEIZ UND KANTON TESSIN LKUNDERT LIMMATQUAI 34ZURICH TELEPHON 4-4.?90.TElEGRAMME ESSERO ZÜRICH