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E_1931_Zeitung_Nr.059

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 17. Juli 1931 Nummer 20 Cts. 27 Jahrgang. — N° 59 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinieressen ABONNEMENTS-PREISE: Bncbetnt Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb« Uste" Halbjlhrlleb Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.—. Im Autland unter Portoxuschlag, taiora nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtllcbe ßMtellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnuna II1/414. Härten der Automobil-Besteuerum Das Automobil und seine Betriebsstoffe während viele hundert Automobilisten, besonders in den schneereichen Gebirgsgegen- sind zu einem beliebten und gesuchten Steuerobjekt für Kantone und Bund geworden. Die vielleicht zu Beginn des schwei- überhaupt nicht verwenden können. Und den, für vier bis sechs Monate ihr Fahrzeug zerischen Automobilismus vor 30 Jahren während das Automobil, für das die Steuer berechtigte Auffassung, dass der Besitz eines entrichtet ist, unbenutzt in der Garage stehen Automobils nicht nur ein Luxus, sondern muss, entstehen den Besitzern noch weitere auch ein Zeichen grösster Wohlhabenheit Kosten durch die Notwendigkeit, andere Verkehrsmittel, wie Schlitten etc., als Ersatz her- darstelle, haben Steuerbehörden aller Formate hartnäckig in die Jetztzeit hinübergerettet, obwohl die Praxis hundertmal das anzuziehen. Die Verbände haben uns in verdienstlicher Gegenteil bewiesen hat. Wir wissen nicht, Weise in diesen Bemühungen um die Erzielung gerechter Steuervorschriften unterstützt ob diese bequeme Formel, dass der Automobilist diese und jene Belastung schon ertrage, einfach noch dazu dient, um even- und dieser Tage hat der Bernische Kantonalverband des A. C. S. einen neuen Vorstöss in tuelle behördliche Bedenken oder gar Gewissensbisse zu besänftigen, denn anders dieser Richtung unternommen. Er richtete an das kantonale Strassenverkehrsamt ein können wir uns diese vollständige Verkennung der Tatsachen nicht erklären. Dazu Gesuch um Einführung der vierteljährlichen Steuer, womit allen jenen Fahrzeugbesitzern kommt noch die ungeheure Belastung des geholfen wäre, welche aus irgendeinem Benzinimportes durch einen Zoll, wie er in Grunde während einiger Monate im Jahre das Europa wohl einzig dasteht. Und dieser Automobil nicht verwenden können oder wollen. Gerade in Kantonen mit Gebirgsgegen- mehr als lOOprozentige Zollaufschlag ist sanktioniert worden, obwohl es einen Verfassungsartikel gibt, der für die Erhebung den erweist sich die jetzige einjährig zu entrichtende Steuer als doppelt hart. Die Eingabe des A. C. S. zitiert einen instruktiven der Zölle Richtlinien weist und vorschreibt, dass die für die inländische Industrie und Fall, der die bestehenden Verhältnisse krass Landwirtschaft erforderlichen Stoffe möglichst gering zu taxieren sind. Oder haben beleuchtet. St. Immer ist durch vier Ueberlandstrassen mit der übrigen Schweiz verbunden. Drei davon, nämlich die Strassecl wir uns vielleicht geirrt und fällt das Benzin gar nicht unter diese Rubrik, sondern unter Mont Crossin, Cibpurg und Pontins, sind Alinea c des nämlichen Artikels, der bestimmt: «Die Gegenstände des Luxus unter- während wenigstens vier Monaten im Winter durch den Schnee vollständig eingedeckt liegen den höchsten Taxen»? und unbenutzbar. Die Schneemassen haben Der Automobilist hat sich wohl oder übel bisher allen vorzeitigen Räumungsversuchen bis jetzt mit diesen harten Steuern abgefunden und würde sie noch willig entrichten, Minimum reduziert und die Verwendung der getrotzt und damit den Verkehr auf ein wenn sie einmal als Zwecksteuern behandelt Motorfahrzeuge vollständig verunmöglicht. würden und demzufolge dem Verkehr und Dieser eine Fall wiederholt sich allein im damit dem Strassenwesen wieder restlos zugute kämen und wenn im weiteren die schaften, ganz abgesehen von den Hunderten Kanton Bern für Dutzende von weitern Ort- Steuern gerecht und sinngemäss bemessen von Dörfern und Städtchen in der übrigen wären. Gerade in der Steueranlage treten Schweiz. Alle Automobilisten in diesen Ansiedelungen zahlen die Verkehrssteuer für aber noch ganz ungerechtfertigte Härten auf, die eine steuerrechtliche Benachteiligung diese Wintermonate, ohne auch nur irgendeine Möglichkeit zu haben, die Strassen zu nicht nur der direkt Betroffenen, sondern überhaupt der Motorfahrzeugiührer darstellen. benützen! Diesen besonderen Umständen Wir haben immer wieder (letztmals Leitartikel A. R. 31) auf die Ungerechtigkeit hin- dürften die Steuerbehörden füglich Rechnung tragen und den benachteiligten Besitzern die gewiesen, welche in der Verpflichtung zur Möglichkeit geben, ihre Nummer bei Eintritt Steuerleistung für ein ganzes Jahr liegt, des Winters, im November oder Dezember, zu F E U I L L E T O N Blitz; Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarts. (Verlas Georg Müller, München.) (24. Fortsetzung) Am Morgen des dritten Tages ritten Moran und Vermont vom Lager ab, kurz nachdem Blitz von einem nächtlichen Ausflug zur Hütte zurückgekehrt war. Moran kannte die Gegend so gut wie kaum ein zweiter, und bevor noch die gefährliche Jagd begann, hatte er sich genau zurechtgelegt, welche Punkte für einen Aufenthalt der Bande ernstlich in Betracht zu ziehen waren. Dadurch war die Arbeit von vornherein vereinfacht. Vor allem schlugen sie die Richtung nach der Wapiti-Wasserscheide ein, aber sie hielten sich dort nicht lange auf, denn der Umstand, dass der Shoshone- Abhang jedes Jahr zur Herbstzeit von zahlreichen Jägern besucht wurde, von denen doch einer oder der andere im Laufe der Zeit das Nest sicher hätte aufstöbern müssen, sprach gegen die Wahrscheinlichkeit, dass die Bande hier ihr Versteck hatte. Die gefährliche Suche bot nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn sie sich auf die unwegsamsten Punkte der Gegend beschränkte. So verbrachten sie auf Morans Vorschlag den ersten Tag damit, die zerklüftete Wasserscheide zwischen Thoroughfare und Yellowstone abzusuchen. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern deponieren, wobei ihnen entweder die zuviel bezahlte Steuer für die Monate der Nichtbenützung des Fahrzeuges zurückvergütet oder für das nächste Jahr gutgeschrieben würde. Gewiss ergäbe sich dadurch eine bestimmte administrative Mehrarbeit für die Motorfahrzeugkontrollen und Verkehrsämter. Aber sie wäre sicher zu bewältigen und steht den verursachten Mehrausgaben nach in keinem Verhältnis zu den den Automobilisten zu Unrecht belasteten Steuern. Zudem stellt schon die jährlich zu entrichtende Gebühr für die Erneuerung der Fahrbewilligung mit 5 bis 10 Franken eine Entschädigung für durch den Staat geleistete Bureauarbeiten dar, die weit über das Arbeitsmass hinausgeht, welche die einfache Abstempelung des Fahrausweises verursacht! Wenn also die Verwaltung die Mehrarbeit auch auf sich nähme, so wäre sie schon zum vornherein dafür bezahlt, es sei denn, man habe auch aus dieser sogenannten Gebühr de facto bereits eine Steuer gemacht. Die ungerechtfertigte Besteuerung für Monate der Nichtbenützung des Fahrzeuges steht in der Steuerpraxis sicher auch einzig da. Wenn ein steuerpflichtiger Einwohner seinen Wohnort wechselt und gar ins Ausland zieht, so wird ihm niemand zumuten, dass er am bisherigen Orte der Niederlassung für ein ganzes Jahr Steuern entrichtet, nur weil er das Jahr dort angebrochen hat! Solche und ähnliche Steuer-Sinnwidrigkeiten würden von der Oeffentlichkeit empört als Ungerechtigkeit und Zumutung sondergleichen zurückgewiesen, Dass aber die Automobilisten auf ähnliche Weise belastet werden, das übersiehtman. gerne allzuleicht. Es ist gerade in der heutigen Zeit, wo es gilt, alle wirtschaftlichen Kräfte zu schonen, richtig anzusetzen und voll auszunützen, doppelt notwendig, dass man endlich solche Steuerhärten aufhebt. Deren Beseitigung ist auch ein Beitrag zur Hilfe für die Gebirgsbevölkerung, denn gerade diese wird je härter betroffen, je mehr sich das Automobil dort als Verkehrs- und Transportmittel durchsetzt. Hier ist Gelegenheit, das Verständnis für die Nöte der Gebirgsgegenden auf dem modernen Gebiet der Verkehrspolitik zu bestätigen und damit eine Steuerhärte auch für alle anderen Automobilisten aus dem Wege zu räumen, die jeglichem Empfinden nach gerechter und sinngemässer Steuerveranlagung widerspricht, was doch schliesslich auch den Behörden zum Bewusstsein kommen muss. b. Blitz fand keine Spur von Menschenwitterung und auch die beiden Männer sahen keinerlei Anzeichen, die auf die Nähe der Bande schliessen lassen konnten. Sie hatten noch nicht die Hälfte des Rückens hinter sich, als Moran bereits sicher war, dass auch hier nichts zu finden sein werde. Blitz' scharfe Sinne hätten längst eine noch so schwache Spur der Bande wittern müssen. Nichtsdestoweniger setzten sie die begonnene Nachforschung fort, und um ganz sicher zu gehen, lugten sie in jeden Winkel dieser schrecklichen Wildnis; doch alle Mühe war vergebens. Nachts waren sie bereits am Ende der Wasserscheide angelangt, dort, wo sie sich mit der Masse der Hauptgebirgskette vereinigte. Die nächsten zwei Tage suchten die beiden Männer die Gegend des Yellowstoneflusses ab, auch hier ohne Erfolg. Sie stiessen auf viele alte Menschenspuren, einige Fetzen Papier, die Asche von zwei Lagerfeuern, ein Dutzend undeutlicher Fussspuren, die aus der Zeit des beginnenden Frühlings stammten, wo die Erde infolge der Schneeschmelze noch feucht und schwammig ist. Moran und Vermont zweifelten keinen Augenblick, dass diese Zeichen von der gesuchten Bande herrührten. Andere Leute kamen kaum so zeitig im Frühjahr ins Hochland herauf. Durch neun Monate des Jahres konnten sie ungefährdet im ganzen Gebirge herumstreichen: nur solange die Pässe schneefrei waren und von Zeit zu Zeit Packtierzüge passierten, waren sie zur Vorsicht gezwungen und mussten sich auf ihren eigentlichen Schlupfwinkel zurückziehen. Doch sogar zu dieser Zeit durften sie es wagen, in kleinen Gruppen zu zweit oder dritt herumzustrolchen, ohne besondere Gefahr, gesehen, geschweige denn erkannt zu werden. Nacht für Nacht lief Blitz zur Hütte zurück, und jeden Morgen sandte ihn Betty wieder zu Moran. Die beiden Männer waren schon recht weit von ihrem Ausgangspunkt entfernt und Blitz hatte jedesmal eine hübsche Strecke zurückzulegen. Doch da die beiden tagsüber nur langsam vorwärts kamen und im Durchschnitt kaum acht Meilen machten, war es für Blitz keine besondere Anstrengung, seine nächtlichen Besuche fortzusetzen. Am vierten Tage der Jagd ritten sie morgens den Yellowstone abwärts. Sie beabsichtigten, die Wasserscheide zwischen diesem und dem Snakefluss aufzuklären, nahmen die Richtung auf das Atlanticflüsschen, das sich dem Yellowstone zuwendet und Messen ihre Pferde nahe seiner Mündung in einem dichten Gehölz zurück. Ein ausgetretener Wildpfad führte von hier das Flüsschen aufwärts. Auch da fanden sie zahlreiche Anzeichen von Menschen und mancherlei Beweise dafür, dass dieser Steig viel von Pferden begangen war. Kaum waren sie einige Yard flussaufwärts gekommen, als Moran Blitz' wachsende Unruhe wahrnahm. Der Hund wusste recht gut, was es da oben Neues gab, und Moran studierte sein Benehmen genau. Blitz meldete keineswegs, dass er irgendeine Witterung oder einen Laut aufgenommen habe, aber er zeigte INSEHTlOXS-PHLIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Gmndxetle odef deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grfissere Inserate nach Seitentaril. Inserntenscblus* 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmern Voreilige Berichterstattung. Vor wenigen Tagen ereignete sich ausserhalb Zweisimmen ein Auto-Unfall, der leicht schwere Folgen hätte nach sich ziehen können. Der Wagen, der von zwei Brüdern bemannt war, fuhr in einer Kurve über die Strassenböschung hinaus, wobei der Fahrzeugführer beträchtlichen Verletzungen davontrug und in Spitalbehandlung gebracht wurde. Die Meldung machte alsbald die Runde in einem Teil der Berner Presse und war durch eine Mitteilung ergänzt, wonach der Unfall in der Bevölkerung berechtigten Unwillen hervorgerufen habe, da er nur auf eine dumme Raserei zurückzuführen sei, indem die beiden Brüder eine Wette abgeschlossen hätten, in höchstens zwei Stunden von Zweisimmen nach Bern zu fahren. Wir hatten uns vorgenommen, den Fall tiefer zu hängen, sofern sich die Meldung als den Tatsachen entsprechend ergeben sollte. Wir hegten aber berechtigte Zweifel, ob es trotz aller Aufklärung noch derart unverantwortliche Automobilisten gebet welche die öffentliche Strasse zur Austragung einer sinnlosen Wette benützen möchten. Erkundigungen zuständigenorts ergaben bald die völlige Haltlosigkeit der Anschuldigung und die Blätter, welche in übereiliger Dienstfertigkeit diese Phantasie-Geschichte kolportierten, mussten sich alsbald zu einer Berichtigung bequemen. Einmal ergab djgr., Tatbestand, dass nur eine Fahrt von Zweisimmen nach Boltigen beabsichtigt war- Weiterhin konnte fest-" gestellt werden, dass den Automobilisten ein Schotterhaufen zum Verhängnis wurde, der für die Bekiesung der Strasse bereitgestellt worden war, aber reichlich weit in die enge Strasse hineinreichte. Der Automobilist wurde wegen eines entgegenkommenden Fahrzeuges beim Ausweichen gezwungen, den Schotterhaufen anzufahren, wobei trotz verlangsamtem Tempo dem Führer das Steuer aus der Hand geschlagen und der Wagen über die Böschung hinausgetragen wurde. Damit reduziert sich diese schwer aufgebauschte Angelegenheit zu einem an und für sich einfachen Tatbestand, der eher den Strassenwärtern, welche die ungeschickte Placierung des Schotterhaufens veranlassten, zur Last gelegt werden muss, als den beteiligten Automobilisten. Der Vorfall keine rechte Lust, seinem Herrn weiter zu folgen. Daraus schloss Moran, dass etwas an diesen alten Spuren in dem Hunde Unbehagen erweckte. Moran beobachtete ihn aufmerksam. Kaum eine Viertelmeile von der Mündung des Flüsschens entfernt blieb er plötzlich stehen, sein Haar sträubte sich, ein Knurren kam aus seiner Kehle.-Er witterte die Spur eines Mannes, der ihm bekannt war. Moran drehte sich um und nickte Vermont zu. «Er hat die Spur eines Menschen,» sagte er. «Den Mann selbst riecht er nicht, er wäre sonst viel aufgeregter.» Die beiden Männer gingen weiter und untersuchten sorgfältig den Boden nach irgendeinem Zeichen. Blitz sah diese Bewegungen und verband sie unmittelbar mit Morans Tätigkeit während der zwei Tage seines Trainings. Die Spuren, die Moran früher verfolgt hatte, hatten Freunden zugehört. Diesen Mann hier erkannte er als Feind. Er kannte ihn von jener Nacht am Lagerfeuer. Der Mann hatte während des nächtlichen Gefechtes wiederholt des Hundes Zähne zu spüren bekommen. Die Witterung' der Spur war zwar vom Abend vorher und schon kalt, aber sie war genügend stark, um ihm die Richtung nach dem Lagerplatz der Gesuchten zu weisen. Blitz zog an der Leine und Moran folgte. Seine Schnauze war dicht am Boden und tief sog er den verhassten Geruch ein. Moran entdeckte einige schwache Fussspuren auf dem hartgetretenen Wildpfad. Sie kamen aus einer Seitenschlucht und führten dem Hauptpfad zu. (Forts, folgt.)