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E_1931_Zeitung_Nr.060

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Ausgabe; Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 21. Juli 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 60 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblaft für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Enchelnt Jeden Dienst** und FrtltM Monatlich MG*tb* Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jahrlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portonnchlag, •ufern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtlicbe BwUllunf 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenratnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk »9.S4 Telegramm-Adrene: Autorevue, Bern Der überspannte Bogen Die Schweiz ist im grossen ganzen ein an Steuern gesegnetes Land! Wer wollte dies verneinen? Einzig die direkten Steuern bilden bereits eine grosse, schwere Kette. Bing an Ring reiht sich an: Einkommensteuer I. und II. Klasse, Erbschaftssteuer, Couponsteuer, Armen- und Kirchensteuer, Feuerwehrsteuer, Hundesteuer, Autosteuer — fast kein Ding, das vom heiligen Fiskus nicht ergriffen würde. Als Entgelt ein stets schwerer werdender Beamtenstaat und eine darniederliegende Wirtschaft, we"il nicht zuletzt durch Abgabe der modernen «Zehnten» der Unkostenposten der Betriebe eine gewaltige Steigerung erfährt und die Reineinnahmen auf ein Minimum herabsinken. Man lese die Berichte im Handelsteil unserer Tagespresse und gehe den Problemen nur ein wenig tiefer auf den Grund. Im Staatseozialismus haben es sogar ältere bürgerliche Demokratien herrlich weit gebracht! Die Automobilsteuern bilden ein Kapitel für sich. Auch sie sind um etliche Runden angedreht worden. Betrug noch im Jahre 1927 die durchschnittliche Steuerbelastung für Personenautomobile 384 Fr., so erhöhte sich dieser Betrag im Jahre 1931 auf 422,70 Fr. Es beträgt demnach die Steigerung « nur » 10 Prozent. Für Motorlastwagen und Gesellschaftswagen beträgt diese Steigerung bereits 12,8 Prozent; sie stieg nämlich von 389,50 Fr. im Jahre 1927 auf 439,22 Fr. im Jahre 1931. Den Traktoren erging es ähnlich. Für gewerbliche Traktoren zahlte man 1927 noch 425/71 Fr., im Jahre 1931 bereits 452,32 Fr., also 6,3 Prozent mehr, für landwirtschaftliche" im Jahre 1927 69,36 Fr., im Jahre 1931 109,29 Franken, was eine Mehrbelastung von « nur » 57,5 Prozent beträgt. Dabei ist nicht zu vergessen, dass sich im gleichen Zeitraum die Automobile, Traktoren und Anhänger um rund 24 000 Stück vermehrt haben, was an sich eine wesentlich erhöhte Steuereinnahme bedingte. Die Frage nach dem « Warum » der sich beständig erhöhenden Automobilsteuern dürfte berechtigt sein. Die Antwort allerdings ist nicht so leicht zu geben. Unsere Baudirektoren werden selbstverständlich um sie nicht so verlegen sein. Sie werden auf die gewaltigen Aufwendungen für Strassenbauten und Strassenkorrektionen hinweisen. Dass hierin etwas geleistet wurde, geben auch wir ohne weiteres zu. Allerdings nicht von jedem Kanton gleich zielbewusst und gleich tatkräftig. Immerhin sei das Geleistete dankbar anerkannt, zugleich aber darauf hingewiesen, dass heute die Automobilisten sozusagen allein für die Strassenkosten aufzukommen ha^ ben, wo doch alle, auch die Fussgängerliga, von den instandgestellten Strassenzügen profitieren. Nicht zuietzt unsere eidgenössische Post, die ganz ungeschoren wegkommt und dafür unsere Gesellschaftswagenbesitzer stark konkurrenziert.. Mit dem Argument des forcierten Strassenbaues ist aber die beständige Steuererhöhung nicht gerechtfertigt. Es. gilt nämlich, auch an die Wirtschaft zu denken. Und dabei nicht zu vergessen, dass das Automobil schon länge nicht mehr Luxusgegenstand, sondern erstes Hilfsmittel unserer Wirtschaft geworden ist. Ein Hilfsinstrument, das heute sowohl der Industrie als auch dem Gewerbe und" der. Landwirtschaft unentbehrlich geworden." ist, weil es ganz wesentlich zur Vergrösse^ rung des Aktionsra'dius und rascher •Geschäftserledigung beiträgt. Gerade aber unsere freierwerbetiden Berufsgruppen sind bereits mit derart vielen direkten und indirekten Steuern belastet, dass ein Mehr unmöglich wird. Es gilt denn auch, die Wirtschaft von staatswegen nicht zu erdrücken, sondern gute, lebenskräftige Quellen freizumachen. Und hierin wird unserer Ansicht nach stark an der Wirtschaft gesündigt. Der Unwille in den freierwerbenden Berufsschichten ist denn' auch beständig im Wachsen begriffen. Es ist dies zu begreifen. Verwunderlich ist eigentlich dabei bloss, dass trotz stetig überhandnehmender Fronarbeit Geist und Hand der werktätig Arbeitenden nicht erlahmen. Einmal aber könnte der Augenblick da sein, da trotz bestem Willen der überlastete Esel zusammenbrechen könnte. Einmal aber könnte auch der Augenblick da sein, da im entscheidenden Moment, da der gleiche Staat zur Bürgerpflicht ruft, Tausende und Tausende den Gang zur Urne nicht mher finden könnten. Mit der wachsenden Last wächst das Desinteressement dem Staate gegenüber, von dem man zur Ueberzeugung gelangt, dass er nur noch einseitig eingestellt und auf die Wirtschaft und seine bis dahin treuesten Anhänger keine Rücksicht mehr nimmt. Wir glauben deshalb, dass es im ureigensten Interesse unserer bürgerlichen Demokratie läge, wenn der Bogen nicht überspannt würde und wenn ein weiterer Steuer auf bau unterbliebe. Q Ein schweizerisches Automobilamt. Ein Mitarbeiter wirft nachstehend die Frage der Schaffung eines schweizerischen Automohilamtes auf, ein Vorschlag, der vor Jahren erstmalig zur Diskussion stand und heute angesichts des werdenden einheitlichen Verkehrsgesetzes wiederum besondere Bedeutung gewinnt. Red. Angenomrrien, das schweizerische Autornobilgesetz tritt glücklich in Kraft, wie soll die- Ueberwachung und Exekutive des materiellen Rechtes geregelt werden? Die Frage eines eidgenössischen Automobilamts ist bekanntlich schon vor Jahren angeschnitten'worden, und zwar noch bevor der Entwurf der materiellen Regelung 1 durch den Bund seine erste Gestalt angenommen hatte. Wie leicht man damals die paar Tausend Automobilisten abfertigen zu können glaubte, "beweist der Umstand, dass man ohne eine solche materielle Gesetzesgrundlage den ganzen komplizierten Fragenkomplex einfach dem Post- und Eisenbahndepartement INSERTTONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grnndzelle odef deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 80 Ct«. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inserntcnscülus» 4 Tnno vor Erscheinen der Nummern unterstellen wollte. Der damalige Eisenbahnminister Dr. Robert Haaib dachte allen Ernstes daran, die Funktionen des eidgenössischen Automobilamtes dem Luftamt im Nebenamte zu übertragen. In diesem Zusammenhange darf wohl • gesagt werden, ist es das bleibende Verdienst der «Automobil- Revue» zuerst auf die unhaltbaren Konsequenzen einer solchen Kombination aufmerksam gemacht, und durch ihre energische Aufklärungsarbeit das Projekt zum Scheitern gebracht zu haben. In der Tat wollte dann Herr Haab mit der ganzen Angelegenheit nichts mehr zu tun haben und empfahl die Automobilisten der Fürsorge seines juristischen Kollegen. Aber auch Herr Häberlin seinerseits war stark versucht, nach der ersten Verwerfung des Automobilgesetzes, den schwierigen Ball an das Allerweltsdepartement des Innern weiterzugeben, dem unter anderm ja auch das Strassenwesen unterstellt ist. Dagegen ist von militärischer Seite auch schon mit dem Gedanken geliebäugelt worden, ein kommendes Automobilamt dem eidgenössischen Motorwagendienst anzugliedern. An departementalen Anwärtern, die das neue Amt, das wohl mit dem Inkrafttreten des Automobilgesetzes ziemlich sicher kommen wird, gerne unter ihre Fittiche nehmen möchten, wird es also auch in Zukunft nicht fehlen. Dabei möchten wir von vornherein nach zwei Richtungen unsere Bedenken äussern. Mit einer Unterstellung unter das eidg. Post- und Eisenbahndepartement dürfte wohl die öffentliche Meinung nicht einverstanden sein. Es ist nicht Usus, dass man den Bock zum Gärtner macht, gerade die Eisenbahnen haben in der letzten Zeit wieder in nicht zu verkennender Weise gezeigt, wie sie sich dem Automobil gegenüber einstellen. Daran ändert nichts, dass sie sich in einzelnen Fällen die Vorteile der rationelleren Beförderungsart ebenfalls zunutze zu machen suchen. Einschränkung der privaten Initiative, durch Konzessions- und Steuerverschärfuingen, eine weitere Ueberspannung des staatlichen Transpqrtmonopols wäre die direkte Folge der Unterstellung unter das Post- und Eisenbahndepartement. Aber auch die Angliederung an das Militärdepartement kann ernstlich nicht in Frage kommen. Das Automobil hat zwar einmal die Schlacht an der Marne gewinnen helfen, als Marschall Joffre die sämtlichen Pariser Autobusse und Taxi an die Front fahren Hess; trotzdem ist das Automobil keine rein militärische Angelegenheit. Der zehnte Teil der heute in der Schweiz laufenden Auto- F E U I L L E T O N Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarts. (Verlag Georg Müller, München.) (25. Fortsetzung) Das Tal war tief eingeschnitten und düster. Die kleinen Nebenflüsse, die dort einmündeten, gingen durch ein finsteres Felsengewirre. Es gab eine Menge solcher Seitenschluchten, von denen jede einzelne ein vorzügliches Versteck für die Bande abgeben konnte. Moran und Vermont wussten, dass der Weg von nun an gefahrvoll war. Jagdgesellschaften, die in der weiteren Umgebung ihres Schlupfwinkels sichtbar wurden, waren von der Bande stets unbelästigt geblieben, schon aus Furcht, dass durch einen Zusammenstoss die Aufmerksamkeit auf sie gelenkt werden könnte; diese zwei einsamen Jäger jedoch, die dem Versteck allzu nahe gekommen waren, mussten jeden Augenblick darauf gefasst sein, angeschossen zu werden. Moran schlug Vermont vor, zurückzubleiben und in einiger Entfernung nachzufolgen. Der Polizeibeamte musste zugeben, dass es ein unnützes Opfer wäre, gemeinsam bei Blitz zu bleiben. Er hätte selbst mit Freuden die Gefahr auf sich genommen und geführt, aber er wusste, dass der Hund ihm nicht gehorchen würde. Bedauernd schüttelte er den Kopf und Hess Moran vorausgehen. In einer Entfernung von hundert Yard folgte er nach. Als Blitz sah, dass Moran die Spur weiter verfolgte, wurde er stutzig. Dieser Mensch war des Mädchens, also auch Morans Feind. Falls sein Herr, so dachte er, die Absicht haben sollte, sein kindisches Spiel von früher auch hier fortzusetzen, so musste dies auf einem Irrtum beruhen. Moran glaubte offenbar, es auch jetzt mit einem Freund zu tun zu haben. Nur widerstrebend unterwarf sich Blitz diesmal dem Willen seines Herrn und blieb auf der Spur. Bald jedoch sah er, dass Moran diese Spur anders behandelte als die früheren. Er blieb häufig stehen, ohne sich zu regen und lugte durch das Dickicht. Manchmal tastete er nach der Waffe, die er am Gürtel trug. Hie und da sah er auch nach Vermont, der sich geräuschlos vorwärts bewegte und seine Winchesterbüchse schussbereit im Arm hielt. Nie überquerte dieser eine der kleinen Lichtungen im Walde, bevor nicht Moran auf der anderen Seite unter den Bäumen verschwunden war. Blitz war oft Zeuge gewesen, wie Moran Wild beschlich. Ganz in dieser Art gebärdete sich auch jetzt sein Herr, und endlich erfasste er den vollen Ernst der Situation. Hier galt es eine Jagd auf Leben und Tod! Zugleich mit dieser Erkenntnis erwachten in Blitz alle wilden Triebe, noch gehemmt durch seine stets wachsende Unruhe. Immer zahlreicher wurden die Fussspuren, die aus den vielen Seitenschluchten kamen. Des Hundes Sinne waren in lebhafter Tätigkeit, aus allen Richtungen empfingen sie vielsagende Botschaft. Die beiden Männer verfolgten mit gespannter Aufmerksamkeit sein Benehmen. In jeder offenen Lichtung konnten sie feststellen, dass hier regelmässig Pferde geweidet hatten. Hier musste der Weg von Brents Packpferden führen, die er bei seinen häufigen Ausflügen in diese Gegend mit Lebensmitteln beladen heraufbrachte. Plötzlich änderte sich BlUz' Benehmen bei der Mündung einer Seitenschlucht, aus der ihm der Wind unmittelbar die Witterung der gesuchten Männer zutrug. Der Hund schrak davor zurück, diese gefährliche Stelle bei vollem Tageslichte zu betreten. Aber auch Moran ging nicht weiter. Er hatte sein Ziel erreicht und seine Aufgabe war vorderhand erfüllt. Blitz hatte die Witterung der Bande bekommen. In dieser Seitenschlucht also steckten sie. Es wäre Selbstmord gewesen, jetzt diesen unheimlichen Ort zu betreten. Ueberdies hätte weiteres Vordringen die Bande zu früh warnen können. Der Eingang in die Schlucht war schmal und an beiden Seiten von hochragenden Felsklippeh flankiert. Moran und Vermont kehrten um. Blitz war dieses plötzliche Aufgeben der Verfolgung unverständlich, doch er sah ein, dass es jedenfalls so besser war. Es konnte zu nichts Gutem führen, bei Tag in diese düstere Schlucht einzudringen. Die beiden Männer ritten den Yellowstone abwärts, bis zu seiner Vereinigung mit dem Thoroughfare und diesen weiter hinauf ihrem Lagerplatz zu. «Morgen werden wir den Eingang der Schlucht besetzen,» sagte Vermont, während sie sich dem Lager näherten. «Jetzt müssen wir vor allem unsere Burschen verständigen, dass wir das Nest gefunden haben. Ich will ganz sicher gehen. Wenn die Bar T.- Leute kommen, können wir die Gesellschaft von zwei Seiten einschliessen.» Das Briefchen, das Blitz diese Nacht zu Betty trug, berichtete alle Neuigkeiten. Als Blitz ankam, war sie nicht in der Hütte. Er folgte ihrer warmen Spur den Abhang hinauf und fand sie mit Kinney auf dem Felsenvorsprung sitzen. Es war bereits dunkel und der Alte musste ein Streichholz zu Hilfe nehmen, um bei dessen Schein die Botschaft zu lesen. Sie war sehr beunruhigend, und das Mädchen wurde von grosser Angst um Morans Leben erfasst. Eine .gegenteilige Wirkung übte das Briefchen auf den Mann neben ihr. Er blickte auf mehr als fünfzig Jahre eines bewegten Lebens voll Abenteuer und Gefahren zurück, und gerade seine wildesten Jugendjahre waren es, deren er am liebsten gedachte. Er ahnte, dass er den bevorstehenden Kämpfen nicht fernbleiben würde. «In ein, zwei Tagen wird in diesen Bergen die Hölle los sein,» prophezeite der Alte und das Mädchen entdeckte einen gierigen Klang in seiner Stimme, der ihr neu war. In der Ferne, dort wo Vermonts Lager war, zeigte sich düstere Glut. Eine lodernde Flamme tanzte auf dem Höhenrücken, der vom Lagerplatz in die Berge hinaufführte, für Kinney ein Zeichen, dass Harmon mit den Burschen der Bar T. eingetroffen war. Noch ein anderes schwaches Licht erweckte des Alten Aufmerksamkeit. Nahe dem Two Ocean-Pass hob und senkte sich ein Feuerpünktchen. Weither vom Sunlight Cap antwortete ein kurzes Aufblitzen. Kinney klopfte dem Mädchen auf die Schulter. «Siehst du's, Betty, wie die Feuersignale von Berg zu Berg gehen? Kriegszeiten sind gekommen, Mädchen, Kriegszeiten!» Einundzwanzigstes Kapitel. Als im Osten die ersten grauen Streifen den Himmel erhellten, erhoben sich Vermonts Leute — und fanden Vater Kinney auf einem