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E_1931_Zeitung_Nr.061

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Derweilen warten wir in

Derweilen warten wir in der Schweiz mit teilweise verschränkten Armen und bilden uns immer noch > ein, das interessanteste Reiseland zu sein, das seine unveränderte Anziehungskraft beibehalten hat und' alle übrigen Staaten aussticht. ' Wer aber die Anstrengungen unserer Nachbarn,? die Frem-' den an sich zu ziehen, und die Besucherzahlen genauer verfolgt, der wird mit zunehmendem Unbehagen feststellen müssen, dass einzelne Länder auf dem besten Weg sjhd» uns zwar noch nicht den Rang abzulaufen, aber doch zu einer immer ungemütlicheren Konkurrenz zu werden. Es braucht dann nur noch eine Anzahl kritischer .Aeusserungen in der fremden Presse, die weniger schonend mit unserem ' Strassenwesen verfahren als der Korrespondent des «Daily Telegraph » und von der Drehscheibe Europas werden wir zu einem Sackbahnhof! Sorgen wir deshalb für gute Reisestrassen und die Schweiz wird nach wie vor der Mittelpunkt des Touristenverkehrs bleiben. " b. 140 Prozent Zollgebühren! Sicher wird jedermann mit uns einiggehen, dass 140 Prozent Zollabgaben einen geradezu •ptohibitiven Charakter annehmen. Wenn man über die Praxis der Zollansätze etwas orientiert ist, so wird man vermuten, dass es sich bei diesem Ansatz um die Belastung von Luxusartikeln oder um einen Schutzzoll handelt, mit dem eine massgebende inländische Industrie gedeckt werden soll. Keines von beiden! Die 140 Prozent, genau genommen 140,22 Prozent, stellen die Höhe des im ersten Semester 1931 entrichteten Benzinzolles dar, wenn dessen Ertrag von 18,18 Millionen Fr. mit dem Handelswert von 12,9 Millionen Fr. der importierten 79,08 Millionen kg Benzin verglichen werden» Der Preiskampf auf dem internationalen Benzinmarkt hat diese Entwicklung nach oben natürlich begünstigt, indem unsere eidgenössische Zollverwaltung, unbekümmert um Preisschwankungen nach unter oder oben, einfach ihre 23 Fr. pro 100 kg Benzin einzieht. Da wird immer vom Tribut ans Ausland gejammert und dabei ganz vergessen, dass sich der eidgenössische Fiskus auf der andern Seite bei der Einfuhr des Betriebsstoffes auf > Kosten der Automobilisten tüchtig schadlos hält. Mit einem derart exorbitanten Zollansatz steht die Schweiz wohl einzig da Und ist diese äusserst harte Belastung umso •bedauerlicher, als sie nur zu ; einem germgen- Teiä wieder dem Verkehrswesen zugute kommt, anderseits aber die Verkehrswiftschaft und damit wiederum die Volkswirtschaft in'mancher Beziehung beträchtlich behindert, ß Schülerkampagne des T.C.S. In Beantwortung der in einem letzten Leitartikel (A. R. Nr.57) aufgeworfenen Frage über die Stellungnahme der verschiedenen kantonalen Erziehungsdepartemente zur Verkehrskampagne unter den Schülern erhalten wir vom Zentralsekretariat des T.C.S. folgende Aufklärung: «Es sind von sämtlichen Kantonen Antworten auf unsere Anfragen eingegangen, und zwar „durchwegs in • zustimmendem Sinne. Allerdings Hessen verschiedene Rückantworten längere Zeit auf sich warten. Diese Verspätung hat sich dann auf die Fertigstellung des Materials übertragen, welches wir den Schulen zur Verfügung stellen werden, indem die endgültige Auflage der Drucksachen erst nach der Aeusserung aller kantonalen Instanzen festgelegt werden konnte. Die Zusagen haben uns zu einer Erhöhung der vorgesehenen Auflagen veranlasst. So werden nunmehr 5500 anstatt 5000 Plakate, 530,000 anstatt nur 400,000 Klebebilder und 18,000 anstelle von den vorgesehenen 15,000 Leitfaden für Lehrer erstellt. Es wäre uns aber dennoch möglich gewesen, die Verteilung des Materials rechtzeitig vorzunehmen. Diese wurde aber absichtlich, teilweise mit Rücksicht auf die im Juni einsetzenden Schulferien, verschoben. Um die Kampagne nicht zu überstürzen, wurde es vorgezogen, den Schulen erst nach Schluss der Ferien die Möglichkeit zur Verwendung des Materials zu geben. Deshalb wird der Versand im August vorgenommen, sodass bis Mitte dieses Monats alle Erziehungsbehörden im Besitz der Drucksachen sind. Erfreulich ist auch das Interesse, welches die Lehrerschaft unserer Sache entgegen!) ringt, sind wir doch ersucht worden, einen vierwöchigen Ferienkurs in Locarno, an welchem über 400 Lehrer teilnehmen, mit genügend Unterlagen zu versehen, damit die Kampagne bereits dort besprochen werden kann. Es kann mit Sicherheit darauf gerechnet werden, dass die Behandlung der Materie in den Schulen spätestens ab Monat September einsetzt.» Aargau und das Konkordat. Zweite Ergänzung der Grossratsverordnung zum Konkordat. Der Grosse Rat des Kantons Aargau behandelte in der Sitzung vom 14. Juli die regierungsrätliche Vorlage für eine zweite Ergänzung der revidierten Grossratsverordnung zum Motorfahrzeugkonkordat. Der Referent der Staatsrechnungskommission, die den Auftrag hatte, diese Vorlage zu prüfen und auszuarbeiten, setzte auseinander, das Konkordat vom 1. April 1914 habe sich lange Jahre bewährt, sei aber erst in den letzten Jahren durch den ungeahnten Aufschwung des Motorfahrzeugverkehrs überholt worden. Die Kommission habe verschiedentlich die Justizdirektion aufgefordert, neue Vorschläge zu einer Grossratsverordnung auszuarbeiten, um der wachsenden Flut von Begehren zur Behebung von Verkehrsmissständen Dämme entgegenzusetzen. Der Grosse Rat beschloss Eintreten auf die Vorlage der Staatrechnungskommission, deren Paragraph 1 folgende Fassung hat: «Die Erteilung der Verkehrsbewilligune für Motorfahrzeuge -wird an die Voraussetzung des Abschlusses einer Haftpflichtversicherung geknüpft. Dieselbe muss mindestens betragen: 1. Für Motorpersonenwagen, Motorlastwagen, Traktoren, Arbeitsmaschinen und dergleichen: 50 000 • Franken für ©ine-Person, 100000 Fr. für ein Schadenereignis, 10 000 Fr. für Sachschaden. 2. Für Autoomnibusse und für Motorlastwagen, welche auch zum Personentransport benützt werden, für ein Unfallereignis: • ; >ä) Fr. 160000 bei einer bewilligten ^HöcbsteaJ^ zu transportierender Personen bis 10; ' C b) Fr. 300000 bei einer bewilligten Höchstzähl zu transportierender Personen von 11—20; * c) Fr. 500 000 bei einer bewilligten Höchstzahl zu transportierender Personen von über 20. 3. Für Motorräder: Fr. 40 000 für. eine Person, Fr. 60 000 für ein Schadenereignis, 10 000 Fr. für Sachschaden.» Der neue Artikel wurde vom Rate gutgeheissen. Mit 75 gegen 71 Stimmen heisst der Rat einen Antrag gut, wonach Uebertretung der Ruhezeitvorschriften der Verordnung nach den Paragraphen 19 bis 22 und nicht nur nach Paragraph 19 allein zu bestrafen seien. Der Zusatz bezweckt eine Erweiterung der Straf mö glichkeiten. Da die neuen Gebühren die Ansätze anderer Kantone (z. B. der Kanton Zürich) überschreiten, wurde ein Antrag auf Gebührenreduktion gestellt, der aber in Minderheit blieb. Die hohen Gebührenansätze wurden damit motiviert, der Grosse Rat habe für genügende Einnahmen zur Instandstellung der Strassen zu sorgen. Eine Ermässigung der Traktorgebühren von 80 Fr. auf 50 Fr. wurde hingegen genehmigt. Auch ein Antrag um Reduktion der Händlergebühren, die mit Fr. 400.— eingesetzt sind, fand Gnade, indem nun in Zukunft für eine erste Händlernummer Fr. 350.—, für die zweite Nummer Fr. 250.— bezahlt werden muss. Aus der Mitte des Rates wurde der Vor- AUTOMOBTL-REVUE 1931 — N° 61 schlag gemacht, es seien Bestimmungen in die Verordnung aufzunehmen über die Rückerstattung von Autosteuern. Der Referent der Staatsrechnungskommission gab die ständigen Ungerechtigkeiten, die sich beim Bezug der Autosteuern ergeben, offen zu, wies aber darauf hin, dass die Staatsrechnungskommission ein Postulat stelle, der Regierungsrat möchte tunlichst, bald eine Vorlage zu einer umfassenden Verkehrsregelung ausarbeiten, worin auch eine Gebührenordnung festzulegen sei. In der Schlussabstimmung nahm der Grosse Rat die Verordnung an und überwies das Postulat der Staatsrechnungskommission der Regierung. Ob eine neue Gesamtregelung des Motorfahrzeugverkehrs im Kanton Aargau in Berücksichtigung des fortgeschrittenen Standes der eidgenössischen Verkehrsgesetzgebung zweckmässig ist, möchten wir sehr bezweifeln. Es dürfte den kantonalen Instanzen genügen, die krassesten Fälle von Lücken im Konkordate und in den kantonalen Verordnungen auszumerzen, um dann zuzuwarten, bis das eidgenössische Verkehrsgesetz und die dazugehörige Verordnung in Kraft tritt. Mit gutem Willen bei den verwaltenden und richterlichen Behörden eines Kantons lassen sich selbst schwere Missstände überbrücken. Neuer Rechtsfal! oder neue Falle? Eine Richtigstellung. In Nummer 56 der « Automobil-Revue »> werden von einem T.-Korrespondenten unter obigem Titel gegen die Behörden der Gemeinde Uster Anschuldigungen erhoben, die ich nach Form und Inhalt zurückweisen muss. Ich bedaure, dass der Einsender sich vor der Publikation bei den Ustener Behörden nicht besser informiert hat. Die Verhältnisse sind kurz folgende: Seit 1926 erfreut sich das Jungholz, links der Strasse Näeder-Uster—Greifensee mit seinem weiten Badestrand und seinem herrlichen Waldbestand eines wachsenden Zustromes der Badegäste von Zürich und der ganzen Ostschweiz- Unter der grossen Zahl leider bisweilen unvernünftigen Besuchern entstand naturgemäss Schaden am Waldbestand und an der in privatem Eigentum stehenden Nutzung des Strandgebietes. Die frühern Eigentümer leiteten daher 1928 ein Badeverbot sein. s, f , ,, :i,.,,., ,. ,,,Um den herrlichen Strand dem freietr Zutritt der Badelustigen erhalten zu können, wurden im Winter 1928—29 von privater Seite Land- und Nutzungsrechte erworben und dem Publikum, trotz vielfach böswilliger Schädigungen, zur freien unentgeltlichen Benützung zur Verfügung gestellt. Die Zahl der Besucher und namentlich die Zahl der Autos nahm mit Bekanntwerden des schönen Badeplatzes von Woche zu Woche zu. Schon 1930 wurden an schönen Sonntagen bis gegen 200 Autos gezählt, die häufig ohne Rücksicht auf Kulturschaden in Wiesen und Wälder gestellt, odeT den Verkehr hemmend, längs der schmalen Strasse plaziert wurden. Die unübersichtliche Parkierung zog dann auch Diebe an, welche aus der Plünderung der unbewachten Autos ein Geschäft machten. Es verging wohl kein Sonntag, ohne dass verschiedene Diebstähle zur Anmeldung gelangten. In den meisten Fällen blieben die Nachforschungen nach dem unbekannten Täter resultatlos. Das Statthalteramt Uster hat deshalb nach den unliebsamen Erfahrungen des Jahres 1930 die zuständigen Gemeinderäte von Uster und Greifensee eingeladen, Ordnung zu schaffen. Speziell wurde darauf hingewiesen, dass die Strasse beim starken Sonntags-Autoverkehr zu schmal sei, um weiter eine Längs-Parkierung gestatten zu können. Die Behörden wandten sich an den Eigentümer des Badegebietes, der weiter eine Wiese zur Verfügung stellte, die durch Kieszufuhr zu einem eigentlichen Parkplatz mit entsprechender Parkbezeichnung hergerichtet wurde. Nachdem Parkgelegenheit geschaffen war,, verboten die Gemeindebehörden von Uster und Greifensee das Parkieren längs der Strasse Niederuster-Greifensee. Im weitern wurde beschlossen, den Parkplatz an starkbesuchten Samstagen und Sonntagen bewachen zu lassen und hiefür eine kleine Gebühr zu erheben (Wagen von Uster und Greifensee 50 Cts., im übrigen 1 Fr.).. Die Schaffung eines Parkplatzes erfolgte also auf Veranlassung des Statthalteramtes, weil die Strasse für eine Längsparkierung zu schmal ist. Mit der Bewachung wollte man den Autodieben das Handwerk legen. Von einer Geldmacherei oder Bussenschinderei zu Lasten der Automobilisten ist keine Rede, es wurde bis heute noch keine Busse ausgesprochen. Der unterzeichnete Polizeivorstand ist seit Jahren zur Ausübung seines Berufes auf sein Auto angewiesen und weiss, dass die Automobile heute mit wenigen Ausnahmen keine Luxuswagen sind, und dass der Grossteil der Automobilisten auch mit dem Franken rechnen muss. Es darf aber dem Automobilisten für das Einstellen in einen bewachten Park schon ein Platzgeld von 1 Franken zugemutet werden, wenn ihm anderseits eine ideale Badegelegenheit und Benützung von Privateigentum unentgeltlich gestattet wird. Um vollständig zu sein, muss ich noch darauf hinweisen, dass vertragsgemäss der allfällige Ueberschuss der Parkgebühr über die Bewachunsrskosten zum Ausbau des freien Strandcebietes Verwendung findet, mit anderen Worten, dass der Eigentümer auch für die Zurverfügungstellung des Parkplatzes nichts beansprucht. Im übrigen hätte der T-Korrespondent die Bezeichnungen wie «unsichere Rechtsbegriffe» und «auf die Geldbörse des Automobilisten abgesehen» etc. kaum gebraucht, wenn ihm bewusst gewesen wäre, dass ein bekannter Automobilist, Herr Rechtsanwalt Dr. E- Stadler in Uster, Wald und Strandnützung erworben hatte, nur um diese zur freien unentgeltlichen Benützung der Oeffentlichkeit zu überlassen. 'Polizeivorstand der Gemeinde Uster. . V*~-I*«~l,.. Das Projekt der Wallenseestrasse ist seiner Verwirklichung wieder um einen Schritt näher gerückt. Das provisorische Komitee für den Bau einer Wällenseestrasse macht die Mitteilung, dass es seine ihm zukommende Aufgabe als erfüllt betrachten kann. Bekanntlich ist es dank der finanziellen Unterstützung und dem Entgegenkommen der direkt interessierten Kantone Glarus und St. Gallen, sowie der Weiteren Stände Zürich und Graubünden des A.C.S. und T.C.S., des Schweizerischen Autostrassenvereins. der Gemeinden Zürich, Chur und Wallenstadt möglich gewesen, die Projektierung der Strassenanlage sowohl auf dem rechten als auf dem linken Ufer durchzuführen. Die Frage der Projektwahl und die Aufgabe der Verwirklichung des definitiven Projektes soll nun einem offiziellen Aktionskomitee übertragen werden, in welchem die vorgenannten Behörden und Verbände, sowie verschiedene Verkehrsvereine und die Ostschweizerische Verkehrsvereinigung vertreten sein sollen. Die Konstituierung des offiziellen Initiativkomitees, das voraussichtlich einen Arbeitsausschuss einsetzen wird, ist auf Ende dieses Monats vorgesehen. z. verfehlt. Daraufhin hatte er von einem Höhenrücken aus Brent durch Lichtsignale seinen Aufenthaltsort anzeigen wollen. Der Gang dieser Geschehnisse stand deutlich vor Morans Augen. Nash lag nun tot in der Tiefe einer finsteren Schlucht. Und Betty? Brent. hatte sie fortgeschleppt; irgendwohin in.einen versteckten Winkel des: Gebirges. • Es war keine angenehme Vorstellung! Morans Fäuste ballten sich, Ströme von Schweiss liefen über sein Antlitz, als er sich seine völlige Hilflosigkeit vergegenwärtigte. Im stillen verfluchte er sich selbst, dass er an dieser Verfolgung teilgenommen hatte, verfluchte Harnion und Vermont, dass sie, so lange auf sich warten Hessen und verfluchte Kinney, weil er das Mädchen allein gelassen hatte. Er war hier festgehalteh: und • hatte nicht die geringste Aussicht, Betty nachzufolgen, und wenn er es trotzdem versuchte und den Tod dabei fand, war das Mädchen ebenfalls verloren. Mit dem Aufgebot seiner ganzen Willenskraft kämpfte er das tolle Verlangen nieder, aus seinem Versteck hervorzubrechen. Fieberhaft wartete er auf einen Laut, der nahende Hilfe versprach. Unruhig stampften die Pferde in dem Dickicht hinter dem Feuer, das in der kleinen Lichtung auf und ab tanzte und phantastische Schatten auf die Umgebung warf. Die harten Gesichter und die bunten Trachten deT Männer vervollständigten das wilde Bild, das jedoch keinerlei Wirkung auf die Männer auf der Felsenkante übte. Morans inbrünstiger Wunsch war, die Männer möchten endlich aufbrechen und ihm die Möglichkeit geben, dem Mädchen nachzusetzen. Kinney betrachtete die Situation kühler und in anderem Lichte. Wenn die Bande die :Nacht durchreiten und sich erst in einiger Entfernung zerstreuen wollte, so würde Brent ihnen ohnedies mit dem Mädchen nachfol- !gen. Es musste aber auf jeden Fall vermieden werden, die Bande geschlossen abziehen zu lassen, falls Harmon und Vermont nicht rechtzeitig eintrafen. Nach und nach wurde die Gesellschaft am Feuer unruhig. Man äusserte die Absicht, ohne Nash und Brent, die längst fällig waren, aufzubrechen. Seeley gähnte und streckte sich. Er sprach von Harte und wusste es sich nicht zu erklären, warum er nicht zurückgekehrt sei. Die Leute ahnten nichts von dem Zusammenstoss in der Nähe der Hütte. Ihre Worte waren ein schlagender Beweis dafür, dass sie erst duTCh Nash von der Existenz dieser Hütte erfahren hatten. Sie wussten auch nichts von Kinneys Ankunft, noch dass Moran die Hütte vor einigen Tagen verlassen hatte. Nash hatte bestimmt damit gerechnet, dass die Situation dort unverändert wäre und dass Brent in der Hütte bloss Moran und Betty antreffen würde. Siggens, Fox Tarrat und Cole sprangen auf. Ruhelos liefen sie um das Feuer herum. Hanlin ging aufgeregt hin und her. «Zum Teufel!» brach er los. «Gehen wir doch, Brent wird schon wissen, wo er uns zu suchen hat.» Kinney hatte sich auf den Knien erho"ben. Die Zweige, die ihm bisher so freundschaftlichen Schutz gewährt hatten, schienen ihn jetzt zu behindern, als er nun hinunterlugte auf die Männer, die rund um das Feuer versammelt waren. Er schüttelte den Kopf und senkte den Lauf seiner Büchse, während er sich zu Moran hinunterbeugte. «Versäume den Augenblick nicht und mach' dich rasch davon, um nach Betty zu sehen'» flüsterte er «Viel Glück, Junge!» Der alte Mann sprang von seinem Versteck zu Boden und begann zu schiessen. Im nächsten Augenblick stand Moran neben ihm, der scharfe Knall seines Repetiergewehres wechselte ab und mit dem schrecklichen Gedröhne von Kinneys Mordwerkzeug. Siggens und Cole sanken neben dem Feuer nieder. Jarrat machte drei ruckartige Schritte und stürzte zusammen. Hanlin griff nach seinem Gewehr, aber schlaff fielen seine Arme zurück. Die verzweifelte Wut in seinem Antlitz wich einem Ausdruck blanken Erstaunens. Er presste die Hand aufs Herz, drehte sich auf seiner Ferse und stürzte vorüber. (Schluss folgt.) Demnächst beginnt unser neuer Roman «Typ Evelin». Ein spannender Autosportroman.

N°61 - 1931 AUTOMOBIL-REVUE s„ td» •*•«§•# Technische Betrachtungen zum Nürburgring-Rennen. Dem Techniker kam der Sieg von Mercedes-Benz nicht allzu unerwartet. Durch den Fahrer Caracciola, einem der überhaupt besten Rennfahrer der Gegenwart, war schon eine grosse Chance dazu vorhanden. Aber auch sonst startete Mercedes-Benz diesmal unter ganz besonders günstigen Vorbedingungen. Als grosse Chance muss gewürdigt "werden, dass die Mercedes-Fahrer von Anfang an über beste Bahnkenntnis verfügten. Und die genau Bahnkenntnis ist gerade auf dem Nürburgring von eminenter Wichtigkeit. Alle ausländischen Fahrer, die nach dem Training in diesem Punkt interviewt wurden, bezeichneten einstimmig den Nürburgring als eine hervorragend schöne und technisch höchst wertvolle, dabei aber in Bezug auf Orientierung sehr schwierige Rennstrecke. Jede Kurve stellt an den Fahrer neue und ganz verschiedene Anforderungen. Jeder durchfahrene Kilometer muss auswendig gelernt sein, wenn man nicht vor seinem Gegner sekundenweise Zeit verlieren will. Der zweite günstige Umstand von Mercedes trat ein, als Petrus vor dem Rennen seine Schleusen öffnete. Nach dem Start erwies es sich so einmal mehr, dass die schweren Mercedes-Wagen auf der nassen Fahrbahn viel sicherer lagen als ihre Konkurrenten. Während ihre Räder noch ohne weiteres durch Schmutz und Nässe bis auf den festen Untergrund der Strasse durchgriffe^ schwammen diejenigen der leichten Konkurrenz viel mehr darüber weg und erlaubten dem Fahrer keine allzuhohen Kurventempi. Die Mercedes-Leute hatten sich überdies noch einen ganz glänzenden Boxendienst organisiert. Unter der Regie des Rennleiters Oberingenieur Neubauer wickelte sich der Verkehr zwischen den Fahrern und Boxenmannschaften mit mathematischer Präzision und Regungslosigkeit ab. Jeder scheinbar noch so nebensächliche und zufällige Handgriff war eingedrillt wie der Gewehrgriff eines Jubiläumsv-Ausgabe-Rekruten. Nur so ist es aber auch zu verstehen, dass Caracciola das Kunststück fertig brachte, in der Zeit von einer Minute neun Sekunden zu tanken und die Hinterradreifen zu wechseln. Es gehörte wohl mit zu den fatalen Irrtümern der Bugatti-Familie, dass sie sich eine solche Fixigkeit der Konkurrenz nicht im entferntesten hatte träumen lassen. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Franzosen fest auf irgendeine etwa zweiminütige Verspätung der Deutschen spekuliert hatten, die dann nicht eintraf. Sie hätte sich aus zweimaligem und langsamem Reifenwechsel ergeben können. Im Boxen-Tempo der Mercedes-Leute hatten sie sich aber gründlich verrechnet und ihr eigenes vermochte nicht entfernt dagegen aufzukommen. Für Mercedes stellte sich unter diesen Voraussetzungen lediglich die Aufgabe, genügend lange durchzuhalten. « Durchhalten » stellt aber gerade die erste Qualität der Mercedes-Wagen dar. Ihrem ganzen Aufbau nach handelt es sich ja beim Mercedes S.S.K. um einen strapazierbaren ausdauernden Sportwagen und nicht um ein ausgesprochenes Rennfahrzeug, dessen Dauerhaftigkeit vielfach nur nach Stunden berechnet ist. Der Mercedes-Motor dreht mit einer Maximaltourenzahl von etwa 3500, während die Maximaltourenzahl manches Gegners das Doppelte betragen haben mag. Als leichter verletzliche Stellen haben sich bei den bisherigen Rennen an den Mercedes-Wagen nur die Reifen und die Zündkerzen er- Dar Start zum Rennen auf dem Nürburgring. Zu äusserst rechts: von Morgen; in gleicher Linie links: BurgRaller, dahinter Merz auf Mercedes, weiter hinten folgen Fagioli auf Maserati, sowie Stuck und Caracciola auf Mercedes. (Photo