Aufrufe
vor 10 Monaten

E_1931_Zeitung_Nr.058

E_1931_Zeitung_Nr.058

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 14. Juli 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 58 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISEt Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „CMfc* Lbtt" HMbSthrfleh Tr. 5.—, Jahrlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portcstnchlag, tetern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche BwteUung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATIONs Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk S9.84 Telegramm-Adresse: Autorevu«, Bern Schutz nationaler Arbeit Wie die schweizerische Verkehrsliga mitteilt, hielten die Delegierten der internationalen Vereinigung der Automobilkonstrukteure Ende Juni 1931 in Paris ihre ordentliche Jahresversammlung ab, die Gelegenheit bot, die Lage zu prüfen, die durch die dem Automobil gegenüber von den Eisenbahnverwaltungen an den Tag gelegte Haltung in den meisten Ländern hervor gerufen wurde. Ohne Zweifel beeinflusst durch die Beschlüsse des internationalen Madrider Eisenbahnkongresses im Jahr 1930, suchen die Eisenbahngesellschaften das Automobil zum grossen Teil für die Verminderung ihres Verkehrs und ihrer Einnahmen verantwortlich zu machen. Wir begreifen, dass die Vertreter der Automobil-Industrie gegen eine derartige Darstellung der Lage im Verkehrswesen protestieren und ihrer Verwunderung darüber Ausdruck geben, dass man einen Gegensatz zwischen zwei Transportmitteln zu konstruieren versuchte, da gewiss beide ihre Existenzberechtigung bewiesen haben. Es wäre aber auch volkswirtschaftlich didirekt unverantwortlich, wollte man von bahnamtlicher Seite in den heutigen Tagen das Automobil weiter bekämpfen. Die schweizerische Automobilindustrie und das schweizerische Automobilgewerbe bilden heute bereits einen bedeutenden Faktor in unserm Erwerbsleben. Seien wir froh, dass durch das Automobil sich ganze Erwerbszweige bilden konnten, die Arbeit und Brot beschaffen in einem Augenblick, da andere Zweige unserer Volkswirtschaft am Boden liegen. Wir sind Ja erfreulicherweise In der Schweiz von der Krise noch lange nicht derart getroffen, wie andere Staaten Europas. Allein auch bei uns ging sie nicht spurlos vorüber. Früher blühende und einträgliche Industrien sind beinahe verschwunden. Wir erinnern an die Stickereiindustrie. Unsere ostschweizerische Textilindustrie kämpft einen schweren Kampf; auch für sie sind die goldenen Tage vorbei. In der Uhrenindustrie müssen alle guten Kräfte angespannt werden, um aus der gänzlichen Deroute heraus zu kommen. Erst vor einigen Tagen hat der Bundesrat eine Kommission ©ingesetzt, die zu untersuchen hat, ob im Jura neue Industrien eingeführt werden könnten. Er hat dies wohl aus der Ueber- legung getan, dass auch unsere schweizerische Uhrenindustrie so ziemlich sicher ihren Höhepunkt überschritten hat. Wir fragen angesichts dieser Lage: wäre es wirklich nicht töricht, ja unverantwortlich, wollte man den Kampf gegen das Automobil in gleicher Weise weiterführen, wie dies geschehen ist? Tausende von Arbeitern finden ihr Brot in der Automobilbranche, Millionen von Franken sind darin investiert. Es kann deshalb nur im Interesse unserer Volkswirtschaft liegen, wenn möglichst viele Automobile unsere Strassen befahren, denn jedes Wir geben es zu: Wir haben am Landrate des Kantons Uri wegen seiner wenig autofreundlichen Einstellung und wegen seinem ursprünglichen Verhalten in der Konkordatsfrage im besonderen, Kritik geübt. Es war vielleicht schon etwas mehr als Kritik Aber die Zurechtweisung ergab sich von selbst. Man brauchte nur die Dinge -beim richtigen Namen zu nennen und : schon war sie da. Wir sind die ersten, die sich glücklich schätzen werden, wenn* uns kein Anlass zu solchen Ausfällen mehr geboten wird. Soibald dieser' kleinliche Regionalgeist überwunden sein wird, der sich über gesamtschweizerische Interessen leichthin hinwegsetzt, wird auch die einzig mögliche Antwort darauf ausbleiben. Die « Gotthard Post » hat an unserer Kritik Anstoss genommen und sich verpflichtet gefühlt für die Regierung und den Landrat des Kantons Uri eine Lanze zu brechen. Fürwahr ein ritterliches Unterfangen, das wir nur loben könnten, wenn die «Gotthard Post» in diesem ehrenvollen Kampfe nicht eine etwas merkwürdige Taktik einschlagen würde, offenbar vom Grundsatz ausgehend, dass der Zweck die Mittel heilige. Da sie gegen unsere Angriffe keine nur einigermassen stichhaltige sachliche Einwände zu machen imstande war, greift sie zu Uhrenarbeiter, die niemals mehr alle ihren verlorenen Verdienst in der Uhrenindustrie finden werden, könnten sich wohl auf den Beruf des Automobilmechanikers umstellen und in diesem prosperierenden Zweige der Volkswirtschaft ihre Verwendung finden. Viele Gewerbetreibende konnten sich nur durch Umstellung ihres Betriebes auf Automobilsattlerei, Automobillackierung usw. über Wasser halten. Das Automobil ist keine Modesache, es wird seinen Platz behaupten und wird deshalb immer wieder Tausenden von Menschen Arbeit verschaffen können. Es liegt deshalb im Interesse unseres ganzen Volkes, den Automobil verkehr nach. Kräften zu heben und damit mitzuhelfen an der Ausgestaltung eines volkswirtschaftlichen Einkommenfaktors, als Entgelt für alle diejenigen, die unserem Schweizer- Automobil gibt Arbeit. Je stärker wir den Automobilismus zu entwickeln vermögen, desto mehr neue Arbeitsgelegenheit wird ge- { land bereits verloren sind oder noch verschaffen werden können. Gerade unsere loren zu gehen scheinen. D Wenn die Urnerhörner ertönen... einer altbeliebten, wenn auch niemals bewährten Waffe: sie versucht es mit gehässigen Anfeindungen und Verunglimpfungen, die dem, was man Verleumdung nennt, schon ziemlich nahe kommen. «Es dürfte allgemach auch jedem bekannt sein », so schreibt die < Gotthard Post >, dass hinter der ; * Automobil-Revue » das Grosskapital steht, das sich mit der Serienherstellung von Wagen und Material befasst oder sich um Völker und Länder wegen des Petrols und dessen. Veredlung in Form von Benzin streitet. » Die « Automobil-Revue» werde dafür bezahlt, dem Autogotte zu opfern und Weihrauch zu spenden.» Es ist allerdings eine leichtfertige Meinung, dass Journalisten und Zeitungen käuflich seien, einfach weil sie für bestimmte Rechte und Ideen eintreten. Es würde sich nicht lohnen zu versuchen, dieser naiven Vorstellung entgegenzutreten, wenn sie von ebenso naiven Menschen stammt, denen dieses ganze Gebiet vollständig fern liegt. Die « Gotthand Post» gehört nun aber sicher nicht zu dieser Gruppe, denen die Sachkenntnis im Pressewesen abgeht. Sie dürfte, so scheint uns wenigstens, über Presseverhältnisse einigermassen unterrichtet sein. Ein leiser Verdacht steigt in uns auf und verdichtet sich: Am Ende sind wir diejenigen, die bisher hinter dem Mond wohnten, INSERTTONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle Ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland SO Cts. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratensehlus« 4 Tage vor Erscheinen der Nummern und andere wissen aus eigener Erfahrung besser Bescheid; es kann sein, dass wir uns nun sechsundzwanzig Jahre redlich abmühten, während hinter anderen Organen «Kapital » steht. Eigentlich sollten wir uns nicht beklagen, wenn die Kritik, sobald ihr sachliche Argumente fehlen, sich als letzten Trumpf zu solchem Verdacht, versteigt: denn wir müssen der automobilistischen Sache gut gedient haben, wenn es ein bezahlter Vasall nicht hätte besser machen können! Die «Gotthard Post» geht dann nach diesen' persönlichen Angriffen zu nicht viel glücklicheren sachlichen Einwendungen gegen die Verbreitung des Automobils in der Schweiz über. Durch ungezählte Kanäle fliesse aus dem Automobilbetriebe täglich ein enormes gutes Schweizergeld ins Ausland, ohne dass unser Land dafür die geringste Kompensation erhalte. Wenn unser Lebensindex eine solch enorme Höhe erreicht habe, so sei dies nicht zuletzt dem übertriebenen Autobestande in der Schweiz zuzuschreiben. Die Kosten für deren Haltung müssen herausgeschlagen werden, und das sei nur durch Verteuerung der Waren in Handel und Gewerbe möglich. Das Auto verursache viele Kosten," die sonst nicht entstehen würden. Dieser zweite Vorwurf ist so lächerlich, dass man ihn kaum zu widerlegen braucht. Wir müssen in diesem Zusammenhang streng trennen: das Auto als Luxusgegenstand und das Auto als Wirtschaftsfaktor. Die Waren verteuern könnte natürlich nur das Auto als Wirtschaftsfaktor. Die «Gotthard Post» scheint aber eine etwas seltsame Meinung vom Schweiz. Industriellen und Handelsmann zu haben, wenn sie im Ernste behaupten kann, sie würden auf die Dauer und in immer stärkerem Umfange das Auto in den Dienst ihrer Unternehmung stellen, trotzdem ihnen dadurch nicht kompensierte Kosten erwachsen, sodass die Waren teurer zu stehen kommen. Und wie steht es mit der Entwicklung dar Eisenbahntarife und den Verbesserungen im Stückgutverkehr, im « Haus zu Haus »- Dienst? Datieren all die Tarifvergünstigungen und die ersten Versuche eines Dienstes am Kunden bei den Eisenbahnen, die früher auf ihr Monopol pochten, nicht aus der Zeit, da sich das Automobil nicht nur als Luxusreisemöglichkeit, sondern als wichtiger Wirtschafts- und Verkehrsfaktor ergab ? Hat je eine bessere Anpassung der Transporttarife an die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Benutzer stattgefunden, als seit Blitz Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarts. (Verlag Georg Müller, München.) (23. Fortsetzung) «Sie sprechen von Nash!» rief Moran aus. «Stimmt!» sagte Vermont. «So heisst der Mann. Uebrigens, wenn wir ihn auch hier aufgreifen sollten, könnten wir ihm doch nichts anhaben. Jeder Mensch hat das Recht, sich hier aufzuhalten. Habe ihn zudem nie vors Gesicht bekommen und wäre gar nicht imstande, ihn zu erkennen. Wissen Sie, wie er aussieht?» «Nur zu gut,» erwiderte Moran. Vieles war ihm nun klar geworden. Er hatte sich stets gefragt, wie diese Leute, die das Mädchen überfallen hatten, es zuwege brachten, den langen Winter und Frühling im Gebirge durchzuhalten, wo doch die Pässe verschneit und unpassierbar waren. Sie konnten zwar den Herbst über genug Wild erlegen, um damit eine Zeitlang ihr Auslangen zu finden. Im Winter gefror das Fleisch und hielt sich gut, aber sie benötigten noch vieles andere und durften es kaum wagen, sich in den Städten zu zeigen, um Lebensmittel einzukaufen. Sie hätten es vielleicht mit Raub, Ueberfall und raschem Verschwinden in den Bergen versuchen können. Eine grössere Zahl von Männern jedoch konnte sich auf die Dauer nur dann regelrecht verpflegen, wenn sie von aussen Hilfe bekam. Aus dem Umstand, dass Nash in ständiger Verbindung mit der Verbrecherbande war, Hess sich unschwer folgern, wer die Mittelsperson machte. Moran dachte an Brent und dessen häufige Abwesenheit vom Hause; an die Abgelegenheit seiner Hütte in dem versteckten Winkel, von dem aus ein bequemer Weg in diese Berge führte. Zwei, drei Märsche mit einem Packtierzug im Laufe des Sommers und Herbstes konnten das Problem, der Winterverpflegung lösen. Er teilte Vermont seine Gedanken mit. «Das hat viel für sich,» erwiderte der Polizeibeamte. «Was meinen Sie, wie könnte man wohl am besten diese Bande aufstöbern?» «Blitz wird uns führen,» sagte Moran. «Es ist doch kein Spürhund,» entgegnete Vermont. «Solche Wolfsstämmlinge sind nicht fähig, eine Spur festzuhalten.» «Aber nur deshalb, weil sie auf andere Arbeit dressiert sind,» betonte Moran. «Nichtsdestoweniger könnte man ihm das bald beibringen.» «Das dürfte mindestens einen Monat in Anspruch nehmen,» war Vermonts Einwand. «Nicht mehr als ein, zwei Tage,» sagte Moran. «Höchstens drei. Mit einem richtigen Hund wäre uns übrigens gar nicht gedient. Für dieses Geschäft brauchen wir ein Tier, das uns führt, ohne jemals Laut zu geben. Wir könnten den Unterricht damit beginnen, dass wir Blitz auf die Spur, eines Freundes hetzen — zum Beispiel auf die Ihrige.» Vermont sah ungläubig drein. «Ich verstehe mich selbst so ziemlich auf Hunde,» sagte er, «und wäre gar nicht entzückt, wenn man diesen Wolf auf mich hetzen wollte. Man wäre durchaus nicht sicher, dass er im letzten Moment haltmacht.» «Ein Grund mehr, ihn an der Leine zu führen,» erklärte Moran. «Falls wir Sie einholen und Blitz zeigen, dass wir nicht mit Ihnen kämpfen, so wird er rasch begreifen, dass es uns nicht um das Töten zu tun ist. Nach etlichen Versuchen Wird er wissen, dass dieses Aufspüren von Menschen nur ein harmloser Zeitvertreib für uns ist. Wir werden auf diese Art auch weniger Schwierigkeiten mit ihm haben, wenn wir ihn schliesslich auf die richtige Spur hetzen.» «Das wäre einen Versuch wert,» willigte Vermont ein. Er war ein Mann raschen Entschlusses. «Wir können sofort beginnen,» sagte er. Moran schüttelte den Kopf. «Morgen,» erwiderte er. «Jetzt will ich ihn mit einer Botschaft fortschicken, auch muss er nachts meine Pferde bewachen.» Moran schrieb einige Zeilen auf ein Blatt aus seinem Notizbuch und befestigte es zusammengerollt an dem Halsband des Hundes. Sowie Blitz Morans Notizbuch erblickte, wurde er lebhaft. Er wusste, was das hiess, lief auf Moran zu und blickte ihn voll Erregung an. «Geh!» sagte Moran, «geh!» Er schwenkte den Arm und Blitz stürmte fort. Die Männer sahen ihm nach, wie er mit grösster Geschwindigkeit in einem Seitental verschwand. «Ein prächtiger Hund,» sagte Vermont bewundernd. Blitz eilte geradewegs zur Hütte; nur einmal machte er halt, um sich zu überzeugen, ob die Pferde alle an Ort und Stelle waren. Er stürzte in die Hütte und umsprang das Mädchen in massloser Freude. Noch nie war er solange von ihr weg gewesen. Das Gefühl der Zugehörigkeit verstärkte sich in ihm, besonders jetzt durch das plötzliche Zusammentreffen mit so vielen fremden Menschen. Während seines Räuberlebens hatte er alle Menschen meiden müssen, und später waren Betty und Moran sein einziger Umgang gewesen. Selbst Kinneys Anwesenheit erfüllte ihn mit Unbehagen. Er konnte sich nicht so rasch in die geänderte Situation finden und war nun ganz selig, wieder mit dem Mädchen allein zu sein. Betty las den Brief und liebkoste den Hund. «Oh, wie froh wäre ich, hätte er sich nie in diese Sache eingelassen,» seufzte sie. «Ich habe solche Angst um ihn, Blitz. Ich möchte ihn bei mir haben, er fehlt mir — fehlt mir jede Sekunde, die er fern ist. Ja, so sieht es mit mir aus, Blitz, und ich schäme