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E_1931_Zeitung_Nr.055

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 3. Juli 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 55 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG ZentraSblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Bncbelnt laden Dienstag und Pnttag Monatlich „Gatbe Liste** HaTbJlhrHch Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portonnehlag, totern nicht pottamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Baotellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Rappen. Posteheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 19.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Die Rückkehr Die Standeskanzlei Uri gibt bekannt, dass der am 29. Juni besammelte Landrat auf Antrag des Regierungsrates die Schlussnahme vom 29. Mai betreffend Austritt aus dem Konkordat in Wiedererwägung gezogen habe und mit offensichtlicher Mehrheit dem Vorschlag, den Austritt aus dem Automobilkonkordat rückgängig zu machen, zustimmte. Die Genugtuung über diesen Entschluss dürfte in Verkehrskreisen ebenso gross sein, als seinerzeit die Freude des biblischen Vaters bei der Rückkehr des verlorenen Sohnes! Wir haben in einem Leitartikel (« A.-R.» Nr. SO vom 16. Juni 1931) den übereilten Beschluss des Urner Landrates kommentiert und auf die zahlreichen und verschiedenartigen ernsten Konsequenzen hingewiesen, welche ein Festhalten an diesem Entscheide nach sich gezogen hätten. Ganz abgesehen von der bedenklichen wirtschaftlichen Beeinträchtigung des Omnibus-Gewerbes und der Fremdenindustrie wären Komplikationen mit der eidgenössischen Postverwaltung, welche einen Postkurs über den- Klausen führt,.-und ausländischen Verkehrsunternehmungen, die im Besitze der Postkonzession für Wagen bis zu 27 Plätzen sind, unausbleiblich gewesen. Die letzteren Schwierigkeiten hätten womöglich noch diplomatische Auseinandersetzungen auf Kosten des ganzen Landes nach sich gezogen. Nun ist diese Gefahr glücklicherweise noch rechtzeitig, und dank der Einsicht des Urner Parlamentes, beseitigt worden. Offiziell wird zu der Angelegenheit folgendes berichtet: «In der Landratssitzung -vom 29. Mai wurde mit grosser Mehrheit der Austritt aus dem Konkordat beschlossen, sofern keine Zugeständnisse in bezng auf die ivom Bundesgexiohte beanstandete Bestimmung des § 12 der kantonalen Vollziehungsverordnung vom 22. Februar 1929 zum Konkordat — Beschränkung der Sitzplätze für Gesellschaftswagen auf 23 — gemacht werden könnten. Die kantonale Vollziehungsverordnung zum Konkordat wurde als kantonale Verordnung über den Verkehr von Motorfahrzeugen und Fahrrädern erklärt, damit kein gesetzloser Zustand eintrete, und zugleich eine Kommission mit der Prüfung und Formulierung von Anträgen über anzubringende Aenderungen beauftragt. Nachdem nun seitens der IBlitss Der Roman eines Wolfshundes. Von H. G. Evarts. (Verlag Georg Müller, München.) (20. Fortsetzung) Blitz' Ungeduld freizukommen hatte sich nach und nach zu einem wahrhaften Toben gesteigert. Wie ein Rasender bearbeitete er mit seinen Krallen die Türe und verbiss sich wütend in den Riegelbalken, der ihm den Weg ins Freie versperrte. Sein Winseln steigerte sich zu einer heulenden ununterbrochenen Wehklage, denn auf die Dauer wurde ihm dieser Zustand unerträglich. Moran empfand schliesslich Mitleid und öffnete die Türe. Blitz schoss hinaus. Der Hunger trieb ihn vor allem auf die Jagd nach frischem Fleisch. Er stürmte die Höhe oberhalb der Hütte hinan, auf deren kaMem Rücken er eine unglückselige Wildkatze ertappte, die dort herumstrich. Weit und breit war kein rettender Baum! Schon beim erstenmal, da Blitz auf eine Katzenspur gestossen war, hatte er sie in dem klaren Bewusstsein verfolgt, es hier mit einem natürlichen Feind zu tun zu haben. Sein ererbter instinktiver Hass hatte nach einiger Erfahrung auch bald den richtigen Weg gefunden, wie diesem Erbfeind am sichersten beizukommen war. Der Wind war günstig und erst als Blitz ganz nahe war, merkte die mächtige Katze die Gefahr. Zur Flucht war es schon zu spät, also machte sie blitzschnell kehrt und stellte Der Kanton Uri bleibt im Konkordat. Bundesbehörden dem Kanton Uri in aller Form das Recht zugesprochen wurde, eine Sonderbestimmung, wie sie in § 12 der zit. VV. besteht, zu erlassen und Uebertretungon derselben durch Bussen zu ahnden, sofern diese Bestimmung nur für die eigentlichen Pass-Strassen angewendet werde, bat der Regierungsrat dem am 29. Juni 1931 wiederum besammelten Landrate beantragt, die Schlussnahme vom 29. Mai in WiedererwägunK zu ziehen und gestützt auf die von den Bundesbehörden erhaltenen Zusicherungen den Austritt aus dem Automobilkonkordate rückgängig zu machen. Dem Antrage wurde mit offensichtlicher Mehrheit beigepflichtet und sodarnn folgende 2 hauptsächliche Aenderungen der kant. Vollziehungsverordnung nach Vorschlag der Kommission beschlossen: Der § 12 erhält folgenden Wortlaut: «Für das Befahren von Bergstrassen mit Gesellschäftswagen gilt folgende Vorschrift: Die Gesamtlänge eines Wagens inklusive Gepäckträger darf 8.50' m, die Höchstbreite 2,20 m, die Höchstbelastung (Gesamtgewicht) 9 Tonnen und die Höhe des Wagens mit der Last über den Boden 4 m nicht übersteigen. Auf Bergstrassen dürfen nur solche Wagen verkehren, welche nicht mehr als 23 erwachsene Fahrgäste aufnehmen können. Als Bergstrassen gelten sämtliche Strassen des Kantons, mit Ausnahme der Strecke Sisikon-Amsteg.» Der § 38 schreibt nun. vor: «Gesellschaftawagen und Lastwagen aller Ait dürfen den Wagen der Strassenbahn innerorts AHdorf und Flüelen. und sämtliche Motorfahrzeuge bei den ' ZwisSFehhaHestellen während des Ein- und' Aussteisens nicht vor-, bzw. vorbeifahren^ Schliesslich ist der, Regierüngsrat ermächtigt worden als Uebergangsstadium für das Jahr 1931 den Verkehr grösserer Wagen bis zu äet im Konkordat normierten Höchstgrenze von 30 Sitzplätzen zu gestatten, mit Rücksicht auf die vom Bund erteilte Postkonzession B für Wagen mit über 23 Sitzplätzen. > Wie aus obigem Text ersichtlich ist, wurde (wohl aus Schönheitsgründen) an der Beschränkung der Zahl der Sitzplätze auf 23 festgehalten. Die Klippe, wegen der in der Postkonzession B erlaubten 27 Plätze wurde so umsegelt, dass sowohl den einheimischen, wie den ausserkantonalen und ausländischen Konzessionsinhabern ein Weg offen gelassen wird, um mit grösser karossierten Fahrzeugen den Kanton zu befahren. sich mit Zähnen und Krallen dem Feind zum Kampf. Mit hochgewölbtem Katzenbuckel stand sie angriffsbereit, schon schnellte ihre Pfote vorwärts, um mit einem überraschenden Hieb die Augen des anstürmenden Wolfes zu treffen. Doch Blitz bremste mit allen vieren, so dass er knapp einen Schritt vor seinem Opfer zum Stehen kam. Es war nicht die erste Katze, auf die er jagte, und manches hitzige Gefecht hatte ihn gelehrt, wie sehr diese gekrümmte Pfote zu fürchten war. Es war ihm bekannt, dass sich.die Wildkatze, sobald man sie von vorne angeht, sogleich auf den Rücken wirft und mit ihren scharfen Krallen Schenkel und Bauch des Angreifers zerfleischt. Anstatt dessen begann er sein Opfer langsam zu umkreisen, wobei die Katze unausgesetzt seinen Bewegungen folgte und keinen Blick von ihm Hess. Sie schrie nicht, wie es ihr zahmer Vetter tut, sondern ein kurzes Brummen drang stossweise aus dem klaffenden roten Maul. Die Kreisbewegungen des Hundes wurden immer rascher, bis er in einem solchen wirbelnden Tempo war, dass die Katze durch diese verblüffende Taktik in äusserste Verwirrung geriet und — sich zur Flucht wandte. Er hatte seine Absicht erreicht! Kaum zeigte sie ihm den Rücken, als er auf sie losstürzte und ihr seine furchtbaren Zähne ins Genick schlug. Sofort warf sich die Katze auf die eine Seite, damit sie ihrem Angreifer mit den Krallen an den Leib könne, doch Blitz hatte dies vorausgesehen. Behend sprang er über sie hinweg und brachte sich so aus dem Bereich dieser gefährlichen Waffen. Noch zweimal warf sich die Wildkatze Die betreffenden Omnibus-Unternehmungen haben einfach ein entsprechendes Gesuch an die urnerische Polizeidirektion zu machen und sich dabei als Konzessionsinhaber auszuweisen. Wir wollen es der urnerischen Eigenliebe nicht nachtragen, wenn dieser etwas verklausulierte Weg eingeschlagen worden ist, wenn schliesslich nur das Endresultat den Erwartungen entspricht. Dies ist zweifellos der Fall, nachdem einmal die beabsichtigten Schwierigkeiten für den Omnibusverkehr durch Erhöhung der Sitzzahl aus dem Wege geräumt sind und anderseits Uri wieder in das Konkordat zurückkehrt, womit sich die ganze Angelegenheit glücklicherweise auf einen Sturm im Wasserglas reduziert. Freilich hätte auch dieser noch vermieden werden können, wenn in freundeidgenössischer Weise dem übereilten Beschluss vom 29. Mai Besprechungen mit den massgebenden eidgenössischen Instanzen vorausgegangen wären. Wir wollen es aber mit dem Vater des zurückgekehrten verlorenen Sohnes halten und nachträglich nicht mehr rechten, sondern uns lediglich über die Rückkehr freuen; wenn auch in Abweichung von der Ueberlieferung, zur Feier kein Kalb geschlachtet werden soll, denn der glückliche Entschluss des Landrates wird dem Kanton sicherlich ebensosehr zu Nutz und Frommen gereichen, wie den an dieser Lösung teilhabenden Verkehrsinteressenten. b. Unfallverhütung an Bahnübergängen. Unter dieser—Devise meldet sich ein Einsender in der « N. Z. Z.» zum Wort, der sich -nochmals mit dem illustrierten Aufsatz « Verhängnisvolle Fehler an Bahnübergängen» befasst,. der im der « S.B.B.-Revue » erschienen, ist. Wie erinnerlich, haben wir uns in einem Leitartikel « Bessere Reklame, bitte ! > mit dieser Arbeit auseinandergesetzt. Der Gewährsmann der obengenannten Tageszeitung glaubt, unsere Ausführungen, die er als « von ungewöhnlicher Schärfe » bezeichnet, mit dem Hinweis richtigstellen zu müssen, dass die Entrüstung in der Automobilpresse nur auf ein Missverständnis zurückzuführen sei, da vom überparteilichen Standpunkt der Verkehrssicherheit aus jede Anstrengung auf Verminderung der Unfälle zu begrüssen sei. Diese letztere Auffassung deckt sich vollkommen mit der unsrigen und bedarf es zu ihrer Erkenntnis nicht einmal dieses überparteilichen Standpunktes. Wir unterschreiben auch jedes Wort, wenn der betreffende Einsender feststellt, dass « die Oeffentlichkeit ein grosses Interesse daran hat, dass die solcherart von einer Seite zur anderen und jedesmal wich Blitz flink aus. Den zermalmenden Griff lockerte er nicht. Seine mächtigen Kiefer schlössen sich langsam, die langen Eckzähne drangen durch den Nacken und trafen sich endlich. Jetzt riss er sein Opfer in die Höhe, schüttelte und zerrte es wild, dann Hess er es fallen und sprang einen Schritt zurück. Der Wind wurde zum Sturm. Heulend fuhr er durch die engen Felsschluchten, pfiff und stöhnte im dichten Gehölz. Von Zeit zu Zeit trat für einen Augenblick plötzliche Windstille ein, worauf der Sturm sich meist aus einer anderen Richtung erhob. Schwelgend im Gefühl der Freiheit strolchte Blitz weiter, bis ans Ende des Rückens, von wo es steil in ein enges Tal hinabging. Als er dort anhielt, trat eben eine jener plötzlichen Windstillen ein. In seinem feinfühligen Ohr zitterte ein ferner Klang, wie wenn Pferdehufe auf felsigen Boden aufschlügen. Es war ein Zug von Packtieren, der vom Rampart-Pass herabgestiegen kam. Er war beunruhigt und knurrend kehrte er um. Auf dem halben Weg zur Hütte blieb er plötzlich stehen. Seine Nase hatte die deutliche Witterung eines einzelnen Mannes empfangen. Im nächsten Augenblick war sie in einem jähen Windstoss zerflattert. Aber Blitz wusste genug. Sie kam von einem der Männer, die in jener Nacht in Brents Hütte geweilt und die er durchs Fenster beobachtet hatte. Am Two Ocean-Pass hatte er später wiederholt dieselbe Spur gefunden, auch war der Mann unter den Leuten gewesen, an deren Lagerfeuer sich Betty einst in Nacht INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit odef deren Raum 45 CU. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland «0 Cti. Grössere Inserate nach Seltentarif. Inseratenschliiss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern verschiedenen Verkehrsmittel wenigstens auf dem Gebiet des Unfallverhütungsdienstes sich die Hände reichen ». Wer aber den Artikel in der « S-BjBä-Revue» durchliest, wird von dieser guten Absicht auf der Seite der Eisenbahn herzlich wenig verspüren. Einerseits wird festgestellt, was die Bundesbahnen in finanzieller Hinsicht alles schon für die Sicherung und Beseitigung der Bahnübergänge getan haben, um dann die anklagende Gegenfrage folgen zu lassen, was diese Anstrengungen alles nützen, wenn die Fahrer doch jede Vorsicht und Rücksicht ausser acht Hessen. Von irgendeinem Zugeständnis, dass auch die Bahnen zu einem beträchtlichen Teil mitverantwortlich an den schwersten Unfällen der letzten Jahre sind — eine Feststellung, welche eindeutig aus den entsprechenden Gerichtsentscheiden hervorgeht — suchen wir aber vergeblich in dem betreffenden Aufsatz. Ebenso vermisst man auch die Zusicherung, dass die Bahnverwalturog weiterhin nichts unversucht lasse, um die beidseitige Gefahr der Niveauübergänge raschmöglichst einzudämmen. Auch derjenige, der den überparteilichen Standpunkt glaubt gepachtet zu haben, wird mit uns einig gehen müssen, dass das vom Einsender gewünschte «Reichen der Hände » nur dann möglich ist, wenn sich beide Parteien auf gleicher Linie begegnen, nicht aber einfach einseitig Vorwürfe anhäu-i fön, wie dies die «S.BJ3.-Revue» zu tun beliebt. Im übrigen möchten wir auch bezweifeln, ob eine Aufklärung der Automobilisten, sofern wirklich nur eine solche beabsichtigt war, ausgerechnet in der Revue der Eisenbahn die erwartete Wirkung haben dürfte, nachdem doch ein beträchtlicher Prozentsatz der Automobilbesitzer nicht oder nur selten als Fahrgast der Bahnen und deshalb noch viel weniger als Leser der Bahnzeitung in Frage kommt. Man kann sich deshalb des Eindruckes nach wie vor nicht erwehren, dass mit den betreffendenAusführungen mehr eine Rechtfertigung pro domo gegenüber dem eisenbahnreisenden Publikum anstatt eine Propaganda unter den Automobilisten beabsichtigt war. Wir glauben deshalb immer noch an unserer Aufforderung an die Adresse der « S.B.B.-Revue » : Bessere Reklame, bitte ! » mit Recht festhalten zu können, ohne deswegen in den vom Einsender und Nebel verirrt hatte. Er musste ganz in der Nähe sein, denn es war nicht bloss der Geruch seiner Fährte, sondern auch sein Körpergeruch zu spüren. Ohne zu überlegen, raste er zur Hütte zurück. Moran sass auf der Schwelle, aber Betty war fort. Blitz fand ihre warme Spur, die, kaum fünf Minuten alt, entlang des Abhanges hinführte. Der Wind war in seinem Rücken und er konnte ihren Körpergeruch nicht bekommen. Das Aechzen der Bäume im Wüten des Sturmes erstickte das Geräusch ihrer Schritte. Aber er fühlte, dass sie ganz nahe vor ihm war. Wieder trat eine Windstille ein, der ein jähes Umschlagen des Sturmes folgte. Gleichzeitig ging eine auffällige Veränderung mit Blitz vor. Aus dem Hund, der nach seiner geliebten Herrin suchte, war unvermittelt der Wolf geworden, der einen gefährlichen Feind beschlich. Behutsam kroch er von einem Baumstamm zum anderen. Er knurrte nicht, es hätte den Feind nicht schrecken können, den er jetzt beschlich — es würde ihn nur warnen. Jetzt blies ihm der Wind voll entgegen und meldete, dass Betty sich knapp vor ihm durch das Gestrüpp des Unterholzes den Weg bahnte und dass der Fremde in ihrer unmittelbaren Nähe war. Gleich darauf erblickte er sie auch schon, wie sie etwas abseits von dem Wildpfad auf einem gestürzten Baumstamm sass. Den Hang aufwärts, fünfzig Yard von ihr entfernt, lag der Mann lauernd auf dem Boden. Eben war er daran, sich vorsichtig zu erheben und Blitz sah zu, wie er sich geschmeidig hinter einen Baumstamm schlich, wo er