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E_1931_Zeitung_Nr.063

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AU gab Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 31. Juli 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 63 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE! Eneheint Jeden Dienstag and FreltM Monatlich „Gtlk* Liste** Hafttflnrlteh Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoxmehiag, Wtern nicht poitamtlich bestellt. Zuschlag für postamtltche Bwtellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rcchnung HI/414. Telephon Bollwerk 89.84 Twegnunm-AdresM: Autorevue, Bern Der Tag der Besinnung Zum ersten August Nun ruht der Wagen. In steiler Kurve hat er den Berg bezwungen. An dessen Fuss leuchten die hellen Lichter der Stadt. Ueber ihm spannt sich der Himmel in Sternenpracht. Von den Höhen herunter flackern unzählige Friedensfeuer. Der Bergler griisst den Städter. Dieser antwortet mit hundertstimmigem Glockengeläute. So verbinden sich Himmel und Erde, Dorf und Stadt, Berg und Tal zu dem gewaltigen und immer wieder packenden Akkorde: Rufst Du mein Vater-. land! 1. August! Mahnt dieser Tag nicht zur Besinnung, heute mehr denn je ? Das Vaterland ruft mit eherner Stimme, dich, mich, uns alle, die wir das Glück besitzen, und Schweizer nennen und auf seiner Erde wohnen und leben zu dürfen. Es ruft und mahnt zu Einigkeit, zu loyaler und zielbewusster Zusammenarbeit, zu Opfersinn und eidgenössischer Tatkraft. Not überall. Wirtschaftliche und geistige Not. Sie mahnt uns mit Flammenschrift zur Einigkeit. Wir erleben heute ein gewaltiges Beispiel, wie tief ein Volk, das sich in Bruderhass spaltet, sinken kann; wir erleben es, wie tief wirtschaftliche Not ein Volk zu beugen vermag. Wir Schweizer haben noch wenig Grund zum Klagen. Der Weltkrieg hat uns keine giftigen Narben geschlagen. Not beginnt steh- da und dort abzuzeichnen. Einverstanden. Es gibt Industrien, die mit aller Energie .ihren Existenzkampf zu führen haben. Sie sollen wissen, dass das gesamte Schweizervolk mit ihnen fühlt und denkt und dass es bereit, ihre heute brachliegenden Arbeitskräfte wirksam zu unterstützen. Einigkeit und Zusammenstehen in den betroffenen Industrien selber wird zur Bezwingung der Not mit das wirksamste Mittel bilden. Not in den Bergtälern ! Wir kennen unsere Bergler, ihre Sorgen und Mühen, wir verstehen ihre harte Arbeit, ihr Ringen mit dem kargen Boden, mit den Naturgewalten, ihr Fürchten und Hoffen um kleinen Verdienst. Wir wissen, welch hohen Danktribut wir tmsern Bergeidgenossen schulden. Denn nicht wir Grossstadtmenschen halben unser Vaterland geschmiedet, sie waren es, jene kleinen, aber weitblickenden Vorfahren, denen schmaler Boden und trotziger Felsen Alles waren. Bei ihnen ist heute Not eingekehrt; ihnen müssen wir heute helfen mit offener Hand. Unsere Berebevölkerung soll wissen 1 , dass es noch eine Heimat gibt und dass brüderlicher Sinn nicht verloren geeransren. Gerade der Automobilist, für welchen eTne ^_^^^^^^^^^^^^j Wir schieben vor dem Beginn unseres neuen Interessanten Autosportromanes «Typ Eveline» von Karl Schmidl noch zwei Feuilletons ein, die, als Abwechslung an Stelle des laufenden Romanes gedacht, unsern Lesern, so hoffen wir gerne, zusagen werden. Ich fahre dreissig Std./km. Von Paul Edmund Hahn. «Die ersten 800 Kilometer nicht über 30», sagte der Meister, als die neuen Kolben eingebaut waren. Aber da er mir soviel Geduld nicht zutraute, setzte er eine Sperrplatte in den Vergaser ein. So dass mein restaurierter Motor statt des bisherigen feinen Brummens nun ein ohnmächtiges Schlürfen ertönen lässt, wenn ich mehr Gas geben will. Gebirgsfahrt' zu den schönsten Erlebnissen zählt, hat in den letzten Jahren des aufstrebenden Tourismus in erhöhtem Masse Einblick in die Verhältnisse der Gebirgsbevölkerüng erhalten. Er kennt deshalb die mannigfachen Nöte und bringt den Bemühungen um unsere Bergler ein grosses und reges Verständnis entgegen. Die Automobilisten haben erkannt, dass eine grosszügige Strassenpolitik mit zu den wichtigsten Aufgaben der Gebirgskantone gehört, denn der dadurch erleichterte Verkehr und Warenaustausch kann die so bescheidene Wirtschaft der Gebirgsgegenden nur beleben, ihr einen neuen Aufschwung verleihen. Die Verbände und Presse der Automobilisten haben sich deshalb unentwegt für die Erschliessung der höher gelegenen Gebiete durch neue Verbindungen unter sich und den Tälern beidseitig der Alpenwälle eingesetzt, erachten sie doch in einem baldigen Strassenaus- und -neubau einen bedeutsamen -Faktor in der Hilfe für die Gebirgsbevölkerung. Wir haben uns deshalb auch immer für eine bessere Berücksichtigung der Gebirgskantone bei der Verteilung der eidg. Strassensubventionen verwendet, da in der Diskrepanz zwischen Strassennetz und -Unterhaltungspflicht und den dafür vom Bund bereitgestellten Mitteln sich mit eine Hauptwurzel des schleichenden Uebels findet. / " Opfersinn und festes Zusammenstehen werden immer wieder Wunder wirken. Schweizerboden birgt keine grossen Schätze. Sie könnten uns nicht erhalten. Unser Nationalvermögen liegt in unserer Arbeitskraft. Diese gilt es zu erhalten. Dieses feste Zusammenstehen ist gerade jetzt doppelt notwendig, da die wirtschaftlichen Wirren im Auslande auch unsere Wirtschaft und vor allem die Hotellerie schwer beschatten. Das Hotelgewerbe wiederum ist mit den Existenzbedingungen der Gebirgsbevölkerung eng verknüpft, stellt es doch für den Bergbauern eine wichtige, oftmals fast die einzige Absatzmöglichkeit dar und bietet noch zahlreiche anderweitige Verdienstmöglichkeiten. Die deutsche Einreisegebühr hat aber den Hotels einen schweren Schlag versetzt, der in dieser Saison kaum mehr gutzumachen ist, wenn > nicht die schweizerische Solidarität auch hier einsetzt und bei der Wahl der Ferienorte den einheimischen Kur- und Fremdengebieten unter allen Umständen der Vorzug gewährt wird. Wenn wir unter normalen Verhältnissen der Freizüsdekeit, welche uns ja gerade das Automobil ermöglicht, das Wort geredet haben, so zwingen doch die jetzigen Ereignisse, auch in dieser Richtung das eigene Land unbedingt tatkräftig zu unterstützen. Unser Denken soll aber nicht nur im Wirtschaftlichen ersticken. Wir haben nämlich auch eine geistige Not. Sie äussert sich darin, dass unser Volk sich kaum mehr auf ein Ideal einigen kann, dass es an Führerpersönlichkeiten mangelt. Wir brauchen deshalb vor allem ganze Menschen. Spezia* listen besitzen wir genug. Wirtschaft und Politik kranken an diesem Spezialistentum. Was wir jedoch in den kömmenden Jahren brauchen, sind noch mehr Menschen, diu sich auszeichnen durch Tatkraft und Mut und weiten Horizont. Die das Ganze des Wirtschaftsprozesses und des menschlichen und staatlichen Geschehens zu überblicken vermögen. Und nun läutet ihr Glocken von Tal zu Tal, brennt ihr Feuer von Kuppe zu Kuppe, rüttelt laue Seelen, wärmt erkaltete Herzen auf, verkündet allen Schweizern von Gau zu Gau, dass opferfreudiger Schweizersinn lebendig und der alte Wahrspruch : « Einer für alle-und alle für einen», mächtig in uns weiter wirkt. ö Durchlöcherung der deutschen Ausreisesteuer. Im Moment, da Deutschland bei seinen Nachbarstaaten Kredite für die Behebung des finanziellen Notstandes sucht, erscheint es uns zweckwidrig durch den Erlass einer 100-Mark-Ausreisesteuer die deutsche Grenze gegen das Ausland abzuriegeln und den deutschen Fremdenverkehr zu unterbinden. Reisende Deutsche haben im Vorjahre, offiziellen deutschen Statistiken gemäss, im Ausland mehr als 300 Millionen Mark ausgegeben und damit die verkehrswirtschaftlichen Beziehungen in erfreulichem Masse gefördert. In Oesterreich wurden 58 Millionen, in Italien 54, in der Tschechoslowakei 40, in Achthundert Kilometer! Das ist ja noch ich weiss nicht mehr, wie weit es von Meter viel weiter als bis nach Venedig! zu Meter ist. Dreissig, das ist sechsmal so Geduldig und schaukelnd erreicht der Wagen draussen die Landstrasse. Der Tacho- das ist doppelt so schnell, als ein Radler über schnell, als ein Fussgänger rüstig marschiert, meter zeigt genau dreissig. Und da es nicht Land strampelt, dreissig, das ist ein Sprint anders ist, will ich nun wenigstens meinem von hundert Metern 'in 12 Sekunden, kein Fuss die lächerliche Arbeit am Gaspedal ersparen und stelle genau Handgas ein: Rekord, wie wir wissen, aber eine gute Zeit so, nun fahr dahin, Maschinchen, wohin du willst, fresse in Müsse die langen Kilometer herunter. Tu so," als ob ich nicht dabei wäre. O du schaukelnder Müssiggang. Die Erde steht still, kaum ein Lüftchen weht ins Fenster, draussen zirpen die Grillen, oben im Blauen trillern die Lerchen, das Korn steht mächtig da, so breit sind die Felder — das habe ich lange nicht gesehen, man kann ja Halm für Halm zählen — die Erde ist gross, sie hat kein Ende, sie ist voller Raum. Den Radlern kann man beim Ueberholen sacht den Hut abnehmen und wieder aufsetzen, Fussgänger kann man en passant zum Mitfahren einladen, ich könnte ein bisschen aussteigen und neben herlaufen, aber das ist nun doch ein sehr unsachlicher Einfall: Lieber gar nicht fahren, als so langsam fahren. Siehe, die Welt bewegt sich nun rückwärts, die Häuser wanken lachend und wollen sich über mich stürzen, selbst die verschwiegenen Verkehrspolizisten an denich Automobilist bin eine verdorbene Kreatur, ich weiss nichts mehr vom Erdboden, Kreuzungen erstrahlen plötzlich in Mitleid, wenn ich mühsam heranschnaube. INSEimONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grnndzelle oAet deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 00 Cts. GrOssere Inserate nach Seitentarif. Inserntensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern verkehr ruckweise nachgelassen. Die Erwartung, dass das deutsche Reisepulblikum der Schweiz 37 (ca. 46 Millionen Fr.), in Frankreich 20, in Polen 18, in Skandinavien sich in vollem Umfang auf die deutschen 10, in England 8*5, und in Holland 8 Millionen Mark durch deutsche Reisende ausbe- trügerisch erwiesen...»; « Der deutsche Zugs- Kurorte stürzen würde, hat sich leider als zahlt. Wir heben hervor, dass die Schweiz verkehr im ganzen Reich meldet in den letzten Tagen einen auffallenden Verkehrsrück- gegenüber Holland ungefähr den 4V2-fachen Betrag aufweist und damit im Vergleich zu gang. » ihrer Fläche beinahe die grösste Prozentzahl Verschiedene Erleichterungen, speziell für der deutschen Reisenden aufweist.. Nicht nur berufliche und gewerbliche Reisen, für Gesellschaftsreisen, die in Deutsichland begin- Oesterreich, das die absolut grösste Einnahmesumme aufweist, erleidet durch die deutsche Absperrung einen enormen Ausfall, sonkrafttreten der Ausreisesteuer durch Internen und enden, konnten kurz nachdem Indern auch die Schweiz mit ihrem relativ hohen Anteil am deutschen Fremdenverkehr. Neuerdings hat auch der Automobil-Club von vention deutscher Verbände erzielt werden. Der Bundesrat und die am schweizerischen Deutschland sich: in einer Eingabe an den Fremdenverkehr interessierten Verbände ha- Reichskanzler darüber beschwert: dass An- ben angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftslage alle Veranlassung, gegen die deutsche Ausreisesteuer energisch Front zu machen. Glücklicherweise haben nicht nur die österreichische, italienische und die schweizerische Regierung Schritte unternommen, die eine baldige Beseitigung der hemmenden 100-Mark-Steuer verlangen. In Deutschland selbst ist in der Presse und in verschiedenen Landesverbänden scharfe Kritik gegen diese unrühmliche Notverordnung geäussert worden, da Deutschland bei der herrschenden Wirtschaftslage alles Interesse habe, seine internationalen wirtschaftlichen Beziehungen zu wahren. Wir sind uns zwar bewusst, dass nicht nur diese Ausreisesteuer allein den Fremdenstrom aus Deutschland zum Versiegen gebracht hat. Die Einschränkungen des Zahlungsverkehres, vor allem die gehemmte Auszahlung der Sparguthaben und die ratenweise Zahlung der Beamtengehälter täten das übrige, um die Ferienpläne der Deutschen für die Sommermonate einzudämmen oder gar zu verunmöglichen. Bestimmt'wird auch die deutsche Fremdenindustrie durch die ausserordentlichen Beschränkungen des Bankverkehrs empfindlichen Schaden leiden. Die zahleichen Proteste grosser Wirtschaftsorganisationen, die auf eine ungebührliche Erschwerung des Geschätfsverkehrs mit dem; Auslande hinweisen, hervorgerufen durch dier Notverordnung über die Ausreisesteuer, skizzieren in genügendem Masse die schwierige Lage, in die der deutsche Handel und die Verkehrsunternehmen durch die verfehlte Notverordnung gebracht worden sind. Die deutsche Presse selbst urteilt mit den Worten : «Mit Oesterreich, der Schweiz, der Tschechoslowakei, mit Belgien und Holland verknüpfen uns Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, die heute weniger als je leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden dürfen...» oder : «Wir haben uns schliesslich auch ins eigene Fleisch geschnitten. So hat der bayrische Fremden- für athletische Girls und etwas bejahrte Läufer. Mithin: meine Fortbewegung ist doch als recht behend anzusprechen. Die Stadt ist sogar schon ausser Sicht. Ich würde auch bereits ganz fröhlich sein, nur, es zeigen sich nun komische Begleiterscheinungen. Das sind die anderen Autos und die Motorräder. Ich versichere Ihnen, ich zähle Ihnen die Wagen, die mich je überholt haben, an meinen Fingern auf. Ich kann Ihnen genau sagen, was das für Marken waren, wo sie mich erwischt haben, und warum das überhaupt möglich war. Und jetzt? Niemals gab es soviel Autos auf dieser Strecke, ich muss mich ganz rechts an den Rand der Strasse halten, wie ein AusgestosseneT, ein Maroder; triumphierend rauschen sie vorbei, die meisten hupen nicht einmal, nur die Frauen und jungen Mädchen, die oftmals neben dem Lenker sitzen, blicken sich nach mir um, Mitleid und Verachtung erweisen sie mir, ich täusche mich nicht. Und was für Klappermaschinen muss ich da ziehen lassen. Und alle Lastautos donnern vorbei, sogar die dicken Möbelzüge. Vielleicht halte ich doch von Zeit zu Zeit an, damit es nicht so dumm aussieht. Sei stille, mein Herz. Der Wagen rollt ohne Anstrengung, ich strecke die Beine weit von mir in die rechte Ecke, ich liege mit der linken Schulter im Fenster, mit einem kleinen Finger halte ich ein bisschen das Lenkrad fest. Mein Gott, wie weit ist diese Strecke, was ist da alles zu sehen. Felder ohne Aufhören, soviel Besitz nebeneinander gereiht, so exakt gereiht; dort mähen sie Heu, und hier, dicht unter meinen langsamen Rädern, liegen die Schnitter am Böden, unter einem dicken Baum. Was haben doch die Menschen markante Gesichter, wenn man sie mit Geduld anschaut. Sie essen ihr Vesperbrot und trinken aus Emailflaschen. Was trinkt ein schweizerischer Schrtitter zum Vesperbrot? Ich sollte anhalten und danach fragen, aber ich sitze jetzt so bequem,