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E_1931_Zeitung_Nr.064

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16 AUTOMOBIL-REVUE

16 AUTOMOBIL-REVUE 1931 — N° 64 Modelle im Jahre 1931 mit Benzin- und Rohölmotoren Lastwagen von 3—6 t Tragkraft Dreiseitenkipper von A—6 t Tragkraft Schnellastwagen von 3—41 Tragkraft Car Alpin u. Omnibus bis zu 50 Plätzen MOTQRWAGENFABRIK BERNA A.-G., ÖLTEN Chauffeur- Mechaniker in allen Reparaturen und elektr. Anlagen bewandert, 19 Jahre Praxis, sucht Dauerstelle. Würde Hauswartstelle und Ueberwachung von Anlagen jegl. Art übernehmen. —• Offerten unt. Chiffre Z 2002 an die Automobil-Revue, Bureau Zürich. zu vergeben in allen Kant. d. Schweiz f. unerreicht einf. u. bill. Licht- u. Sonnenblender. Jeder Autofahrer ist Käufer. Zur Uebern. eines kl. Auslief.-Lagers Fr. 3-400 nötig. — Eiloff, an Postfach 14 819, Thun. auf Saurer-Kipper. Solcher, der auch im Möbeltransport bewandert, erhält den Vorzug. Ohne la» Zeugn. Anmeldung unnütz. Monatslohn nebst Kost u. Logis. Offerten unter Chiffre 50971 an die Automobil-Revue. Bern. 4-Plätzer, neueres Modell, 8-10 PS, auch mit Brücke. 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Bern, Dienstag, 4. August 1931 111. Blatt der „Automobil-Revue" No. 64 Das grosse Erlebnis Von Rolf C. Reiner. Er hatte eine peinlich wirkende Manie, Geschichten ohne Pointe zu erzählen, sehr zarte Gebilde, die immer irgendwie in weicher Melodik ausklangen, wo man es am wenigsten vermutete. Wie alle Menschen, die sich aus einer schüchternen Hemmung heraus stets abseits vom Erleben halten, war er auf der ewigen Suche nach Erlebnissen. Und er erlebte immerfort irgend etwas. Belanglosigkeiten, die, mit dem Schleier poetischer Sensibilität umnebelt, alle wirklichen Konturen verloren. Aber stets war er glanzvoller Mittelpunkt. Dean er gefiel sich sehr. Er freute sich seiner ausgesuchten Eleganz, seiner « Blue Boy »-Zartheit; des Kontrastes zum sportgestählten Zeittyp wegen pflegte er seine sehr schmalen und unmännlichen Hände mit aufdringlicher Akuratesse und posierte mit seinen Gliedmassen wie eitle Frauen mit ihren Schwächen. Jede Geste war überlegt, durchdacht, belangreich; jede Handlung sakrale Zeremonie. Sogar eine Fahrt auf dem beängstigend vollen Autobus — was kann es prosaischeres geben — verlor in seinen Augen die hartkantigen Merkmale der Realität. Ueberhaupt der Autobus : welch unversiegbare Quelle zarter Erlebnisse ! Ja, neulich wieder, er war auf dem Wege zum Souper, einer Art Abendandacht in seinen Augen,' evening dress — natürlich ausserordentlich soigniert — und stand auf dem Perron des Autobus, freute sich der wechselnden Glanzreflexe seiner Lackschuhe und der Duftmischung seiner Morris mit dem nicht genau zu definierenden Parfüm der Dame neben ihm. Irgendeine natürlich rätselhafte Aeusserung seines überfeinerten Instinkts heisst ihn aufblicken: ein junges Mädchen steht vor ahm, sehr zart, mit einem unwahrscheinlichen Blau in den Augen, sehr grazil, sehr jung, sehr blond,, sehr hübsch. Alles in Superlativen. Infolge einer efeentümlichenldeenverbmdung muss er an Gainsborough den-: ken. Er steht fasziniert, bewegungslos. Das plötzlich, allzuplötzliche Gegenübergestelltsein seinem lancrgesuchten Idol verwirrt ihn und — Tragik seiner mimosenhaft ätherischen Veranlagung — die Schüchternheitshemmung gestattet nur einen stummen, tiefen, achtungsvollen Gruss. Ich putze Auto (Schluss vom Hauptblatt) Gute Freunde, ältere Chauffeure, mit denen mich plötzlich das ganz neue Gefühl einer «technischen Kameradschaft», jedes Herkommen überbrückend, verband, Bekannte, denen nicht abzugewöhnen war, grundsätzlich in Gegenwart meiner Frau arglos zu fragen : «Was kostet Sie nun eigentlich so ein Auto im Monat ? » (Eine Frage, die ich hasste). — Alle diese guten Menschen redeten auf mich ein, die Hauptsache sei «Wagenpflege » ! Das müsse man selber machen, wenigstens in der ersten Zeit, und die, die sich des Zustandes meines Fahrrades gern erinnerten, pflegten warnend und spitz zu bemerken: < Wenn Sie Ihr Auto behandeln wie Ihr Rad...! > Und es kamen die Ratschläge, Vorschläge und Beispiele. In kurzer Zeit war ich Fachmann in « Oelen und Fetten». Empfohlen wurde vor allem Petroleum. Das hielte den Lack für ewig. Dazu musste man eine Spritze kaufen. Das auch noch. Sie sah, verzeihen Sie, genau wie eine Einlaufspritze aus. Ich kaufte im nächsten Lädelchen Petroleum — ein peinlicher Gang : Sämtliche Dienstmädchen der Gegend beobachteten mich bei meinen Petroleumeinkäufen, die für einfältige Gemüter keine andere Deutung zuliessen, als dass ich damit Haarläuse zu vernichten Von Adrienne Thomas. Mit freundlicher Erlaubnis des Propyläen-Verlages (Berlin) entnehmen wir dem Buche «Die Katrin wird Soldat> der Elsässerin Adrienne Thomas die folgende Stelle. Die Tagebuchblätter dieser jungen Metzer Rot-Kreuzschwestor lassen die Schrecklichkeit des Krieges, gesehen von Hinterland aus, nochmals mit äusserster Schärfe erstehen. (Siehe Rubrik «Büchertisch» in der gleichen Nummer des «Autler-Feierabends».) Die Red. 18. Oktober 1914. Eine Feldpostkarte: «Sehr geehrtes gnädiges Fräulein, im Auftrage des Herrn Leutnant Larron teile ich Ihnen mit, dass er von einem Granatsplitter verletzt wurde. Er befindet sich zur Zeit auf dem Hauptverbandsplatz der Garde- Ersatz-Division und wird in den nächsten Tagen in ein Metzer Lazaratt kommen. In welches ist noch unbekannt, jedoch wird • er es Sie wissen lassen. Er dankt herzlich für Ihren lieben Brief, mit dem er sich unendlich gefreut hat und grüsst Sie viele Male. Hochachtungsvoll Gefreiter Kolleng.» Ich hab doch manchmal an diesen, mir gedächte, nach einem volkstümlichen und bewährten Rezept. Bald troff mein Wagen nur so, das Spritzen machte Spass, und so viel war richtig : Er schien gegen Regen gesichert. Leider regnete es in diesen Wochen gar nicht. Dafür spielte die Sonne in allen Farben in dem Petroleumaufguss aui der Kühlerhaube. Das fiel einem «Fachmann » auf offener Strasse auf. Wenn sonst vor dem petroleumtriefenden Tier alles auseinanderstob, dieser Fachmann wagte eine Annäherung, kam dicht heran, als ich irgendwo hielt und belehrte mich über das Unzweckmässige, ja Verderbliche meiner Petroleumkur : « Wachs, mein Herr, nehmen Sie Wachs — erst dies hier aller runter, und dann tüchtig Wachs auftragen. » Er nannte ein paar Sorten und empfahl mir zur künfti- Ansprechen ? Absurd ! Sich vielleicht sein Idol zerstören ? Nähere Bekanntschaft könnte möglicherweise enttäuschen, würde es sogar sicher. Während so, so blieb ihm das Erlebnis ungetrübt in poetischer Reinheit erhalten. Er sah ihr nicht nach, als sie ausstieg: vielleicht war ihr Gang plump, fehlerhaft, desillusionierend... ? An diesem Abend ass er andächtiger denn je und trarfk einen sehr duftigen und blumigen Rheinwein dazu, in irgendeinem der glanzvollen Restaurants, in deren Schaufenster glückselig rote Hummern lächeln, als träumen sie dem erhebenden Moment entgegen, wo ein zartbesaiteter Gourmand sie geniesserisch zerlegen und mit sauce aux fines herbes, Champagner schlürfend, verzehren würde. Das Bild des jungen Mädchens verfolgte ihn. « Welch Erlebnis », dachte er, «welche Zartheit». Rührung stieg ihm in die Kehle, und ganz im .Banne einer unendlich wehmütigen Zärtlichkeit hauchte er einen leisen Kuss auf seine eigene weisse, feine, zierliche, so ganz unmännliche Hand. Und träumte sich ein paar Jahre weiter, in eine junge Ehe hinein, in der die Gewohnheit und die gestillte Neugierde bereits den ersten Sturm der beiderseitigen Gefühle etwas nivelliert hatte, und hörte sein Idol erinnerungsversunken dem nicht mehr übergalanten Gatten das zarte Erlebnis erzählen: «Ein entzückender junger Mann... eine Schönheit direkt... sieht mich an... fasziniert ... bewegungslos ... langsam hebt er die Hand zum Hut... eine wunderschöne gepflegte Hand ... grüsst tief... ganz tief... und spricht kein Wort... verbeugt sich... ich habe ihn niemals wiedergesehen und ... nie ... wieder hat ein Mann ... auch Du nicht, mein Lieber... mir so zart,.. so schön ... so voller Achtung gehuldigt... wie Er.» Und während er versonnen durch die nächtlichen Strassen heimwärts geht, aufgewühlt im Tiefinnersten, beschliesst er, seinen Freunden dies Erlebnis vorzuenthalten.- Sie verstehen ihn ja doch nicht. .Die Katrin wird Soldat im Grunde genommen fremden Menschen gedacht und freue mich, dass er herkommt. Ich glaube, wenn er noch daran denken kann, ein immerhin ziemlich fremdes Mädel benachrichtigen zu lassen, wird zu Besorgnissen wohl kein Grund vorhanden sein. 20. Oktober 1914. Kriegsfreiwillige, Kriegsfreiwillige, Kriegsfreiwillige. — — — Und an mich kommt ein Feldpostbrief: «Sehr geehrtes gnädiges Fräulein, ich erfülle hiermit die traurige Pflicht, Ihnen von dem heute, den 19. Oktober, gegen sieben Uhr früh erfolgten Ableben des Herrn Leutnant Larron Mitteilung zu machen. Als er bemerkte, dass alle ausser ihm abtransportiert wurden, bat er mich, Ihnen den beifolgenden Brief zurückzuerstatten mit seinen herzlichsten Grüssen und Wünschen. Er starb wie ein Held. Möge Sie das trösten. Hochachtungsvoll Gefreiter Kolleng.» —Der beigelegte Brief ist mein eigener. Und unter meinen Namen sind mit Bleistift die Noten des Schubertliedes hingeworfen: «Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus. » Ich weiss nicht, was es bedeuten soll, ich weiss ja gar nichts von Victor Larron, nicht woher er kam, nichts. Vielleicht hat er das nur so aus Spielerei hingeschrieben, vielleicht aus Musikhunger — vielleicht auch war er so fremd und allein, dass ihn dieser Text getroffen und gequält gen Behandlung Watte. Das Wachs mit Watte auftragen, mit sauberer Watte nachpolieren und tüchtig reiben. « Sie werden sehen ! » Ich hatte die Petroleum-Schweinerei auch schon längst satt. Nicht zu reden von meiner Frau, die ihre Abneigung gegen das übelriechende Erdöl, das in die Lampe gehört, immerhin mit der höchst unerwünschten, aber unwiderleglichen Feststellung begründen konnte : « Nicht nur alle deine Anzüge sind durch deine widerlichen Petroleum-Orgien ruiniert — was du auch nur anfassest ist fettig und hin —, die ganze Wohnung riecht bereits darnach : so geht es nicht weiter. » Das sah ich ein und griff mit Zuversicht zu Wachs und Watte. Watte ist ein empfindlicher Stoff. Ich weiss nicht, woran es lag, sie zerging mir unter den Händen und unterm Reiben, ganz ähnlich wie das Wachs. Dreimal in der Woche mindestens hielt ich vorm Drogisten und kaufte Watte. Auch diese Einkäufe fingen an, mich psychisch zu belasten. Es wurde mir unangenehm : Der Mann, der, wenn ich nur in die Türe trat, schon nach der Watte rannte, der arglose Drogenhändler musste mich für einen Aussätzigen oder sonst wie geheimnisvoll-bresthaften Kranken halten. «Was macht der Mann mit diesen Wattemassen ? » So dachte er, ich sah es ihm deutlich an und im Laden sprach man darüber : Es war unangenehm und peinlich, und so hielt ich eine loyale Erklärung dieser etwas obskuren verlegensanitären Einkäufe für geboten. « Sie müssen wissen, lieber Herr, das ist fürs Auto. Sehen Sie, wie es glänzt: Man muss den Lack mit Watte behandeln.» Der Mann begriff, aber wusste auch zu raten : « Sie tragen Wachs auf, wenn ich recht verstehe —•Wachs... Und eh ich mirs versah, hatte ich einen Kübel Bohnerwachs käuflich erworben, genug, um sämtliches Parkett eines Königsschlosses in Spiegel zu verwandeln. Ich fuhr es stolz nach Hause. Derartige Einkäufe aber sieht meine Frau nicht gern. Sie pflegt sie mit der Sentenz zu empfangen : « Natürlich wieder fürs Auto!» Es liegt so viel Vorwurf — ich muss Ihnen gestehen, berechtigter Vorwurf in diesem Satz. Aber das Bohnerwachs brachte meine hat. «Starb wie ein Held.» Mein Gott, mein Gott, alle Kameraden werden abtransportiert — er allein bleibt zurück, weiss, was das zu bedeuten hat, weiss, dass es nun heisst, allein sterben — ist so unfassbar einsam, dass er vor dem letzten Auszug an ein ganz fremdes, kleines Mädchen denkt. Und so eine welterschütternde Tragödie katalogisiert man mit «Held». Victor Larron — Victor LaTron — ich sage seinen schönen Namen vor mich hin. So wenig weiss ich von ihm und weiss doch, er ist auch ein schöner, klarer Mensch gewesen. Meine Augen weinen. 30. Oktober 1914. Immer noch Kriegsfreiwillige. Endlose Züge mit Kriegsfreiwilli-' gen. Ein Stabsarzt, etwa vierzig Jahre, kommt in unsere Küche, bittet um eine Tasse starken Kaffee. Er geht auf Erholungsurlaub. Seine Hände zittern, als sie Suzanne die Tasse abnehmen. «Ich bin alter, aktiver Arzt, aber das draussen zu ertragen, ist unmöglich. Wir sind ratlos, meine Damen, sudeln im Blut und in Menschenfleisch, ohne helfen zu können...» Er stürzt seinen Kaffee hinunter, fährt fort: «Man müsste sich das Trinken angewöhnen oder Morphium oder was weiss ich. Hier, bitte — lesen Sie doch das!» Und er nimmt aus seiner Brieftasche eine blutbefleckte Karte. Mit Bleistift sind drei Linien gezogen und in KindeThandschrift ist — schön sorgsam, wie wir alle zu schreiben angefangen haben, Haarstrich, Grundstrich — Haarstrich. Grundstrich — darauf zu lesen: «Lieber Vater, hoffentlich geht es dir gut. Wir bitten den lieben Gott täglich, er möge dich gesund heimkommen lassen!» Der fremde, grosse, kräftige Mann rennt in unserer Küche herum, dass wir nicht sehen sollen, wie ihm die Tränen in den Bart laufen. «Die Karte», sagte er endlich, «ist an meinen besten Freund... Vorgestern... haben wir ihn... begraben. Aus. Schöner lieber Gott das. Wir müssen an die Arbeit. Ein Transport mit Kriegsfreiwilligen donnert in die Halle. 31. Oktober 1914. Die Schlacht brüllt ihren Höllenlärm zu uns herein. So ungeheuerlich war es noch nie. Seit dem frühesten In der nächsten Nummer unseres Blattes beginnt der spannende Autosport-Roman «Typ Evelln» von Karl Schmidl. Putzpassion sozusagen in eine gewisse hauswirtschaftlich - bürgerlich - vernünftige Ordnung. Stand meine Frau meinen Polierübungen am Auto mit äusserster, um nicht zu sagen : skeptisch-ablehnender Reserviertheit gegenüber, weil ihr mein fortwährendes Hantieren mit Wachs und Watte ganz einfach widerlich war, so rangierte Bohnerwachs unter die für sie handelsüblichen Haushaltungsgebrauchsgegenstände, und sie war überdies in der Lage, aus eigener Praxis heraus beweisen zu können, dass man auch Bohnerwachs zwar reiben muss, aber keineswegs mit Watte, sondern mit Wolltüchern. Ich rieb per Tuch. Es ging famos, Das Auto glänzte spiegelhaft, wenn ich die letzten Lichter aufpolierte. Fuhr ich, so wirkte mein Wachsaufguss wie «Fliegentöter». Alle Insekten in meinem Wege, die meine Hupe überhörten, blieben kleben, und meine Kühlerhaube war stets von einer höchst aparten Bewegtheit : Ueber und über war sie. bedeckt mit winzigen, teils aufgeregt, teils in der Agonie ganz langsam sich bewegenden Insektenflügeln. Ich hatte wohl zu viel vom Bohnerwachs genommen. Unter uns: Es war ekelhaft und unappetitlich und meine Frau verbot mir schliesslich auch das Bohnerwachs. Auch lief ich Gefahr, gegen humanitäre Grundsätze des Tierschutzvereins zu verstossen. Und nun bin ich auf der Suche nach einem neuen Putzmittel. ENDE