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E_1931_Zeitung_Nr.065

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Ausgab« t Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 7. August 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 65 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gttbe List»« Ralblibrlleh Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portonnchlag, Mten nicht postamtlhh bestellt. Zuschlag für postamtUche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnuna 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Freizügigkeit des internationalen Autoverkehrs Zur Ratifikation der schweizerisch-italienischen Vereinbarung über den Automobilverkehr. Die Kantonsregierungen sind durch Kreisschreiben des Eidgen. Justiz- und Polizeidepartements unterrichtet worden, dass am 31. Uuli die Ratifikationsurkunden zur Vereinbarung über den schweizerisch-italienischen Automobilverkehr ausgetauscht worden sind. Mit diesem Zeitpunkt tritt das Abkommen auch in Kraft. Seine wichtigsten Bestimmungen sind kurz fcusammengefasst, folgende: Die schweizerischen Motorfahrzeuge werden in Italien frühestens einer Steuer dann unterworfen, wenn sie sich während mehr als 90 Tagen im Laufe des Jahres auf italienischem Boden aufgehalten haben. Die 90 Tage, sowie das Jahr beginnen mit der ersten Einreise. Für den Rest des Jahres wird für jeden angebrochenen Monat ein Zwölftel der Jahressteuer erhoben. Die italienischen Motorfahrzeuge gelangen in der Schweiz erst nach einem Aufenthalt von 90 aufeinander folgenden Tagen zur Besteuerung. Die Taxe kann alsdann aber für die gesamte Aufenthaltsdauer bezogen werden. Da die Besteuerung der Automobile unter die kantonale Kompetenz fällt, ist es den einzelnen Kantonen unbenommen, für die italienischen Fahr- «Typ Evelin» Autosportroman von Karl Schmidl. Unser neuer Roman. Nachdem -wir zur Abwechslung einmal das Gebiet des Automobilismus in unserem Roman- Feuilleton verliessen, und unsere werten Leser im letzten Roman « Blitz » eine spannende und eigenartige Tiergeschichte kennen gelernt haben, beginnen wir in dieser Nummer mit dem Abdruck unseres neuen Romans, dessen Handlung sich ausschliesslich in Kreisen der internationalen Automobilindustrie und des Autoeportes bewegt. Der Verfasser, Karl Schmidl, verstand es Basgezeichnet, in den grossen Rahmen hinein eine thematisch ganz ungewöhnliche Geschichte zu Hechten, deren Ablauf uns aus mehreren Gründen interessiert. Auf grossgesehenem Hintergrund spielen sich die scharfen Kämpfe zweier bedeutender Automobilfirmen ab. die sich gegenseitig in ihrer Qualitätsproduktion zu übersteigern versuchen. Der Höhepunkt des Wingens dieser beiden gewaltigen Firmen konzentriert sich jeweils auf die giossen Automobilrennen, bei denen es um Sie? und damit gewissermassen um öffentliche Anerkennung geht. Dass die bedeutendsten Rennfahrer dieser Automobilfirmen uns auch persönlich nahegebracht werden, ist ganz besonders reizvoll. Man wirft in dem Roman ©inen Blick hinter die Kulissen des Autosportes und erlebt Dinge, die sonst nicht an die Oberfläche zu dringen vermögen. Die spannend geschilderten Kämpfe um den Sieg auf grossen Berg- und Ueberlandrennen gehören zu den stärksten Stellen des ganzen Romans. Mit fieberhaftem Interesse verfolgt man den Verlauf des Rennens und das wechselnde Glück der Fahrer, an die einem persönliches Interesse bindet. Ganz besonders erwähnenswert ist auch, dass alle fliese Rennen in der Schweiz stattfinden. In die Handlung hinein ist das Schicksal einer simDathischen zeuge das für schweizerische Automobile in Italien vorgesehene Besteuerungssystem von 90 Tagen im Laufe des Jahres in Anwendung zu bringen. Es ist aber zu erwarten, idass sich kein Kanton veranlasst fühlen wird, die Vereinbarung, wie sie von bundeswegen getroffen worden ist, durch eine Ausnahme zu durchlöchern. Die Vereinbarung gilt nicht nur für private Tourenwagen, sondern auch für Autocars und Taxameter aller Art, für welche Fahrzeug-Kategorien Italien bis jetzt vom Tage der Einreise an eine Steuer erhoben hatte. Die üblichen Konzessionsgebühren bleiben aber nach wie vor bestehen. Es tritt im weiteren eine Steuerbefreiung für Lastwagen ein, jedoch nur für solche, die in den folgenden Grenzgebieten resp. Grenzkantonen eingeschrieben sind und auf ihren Reisen nur die Grenzgebiete des Nachbarlandes befahren. Es sind dies für Italien die Provinzen Aosta, Bolzano, Como, Milano, Novarra, Sondrio, Varese und Vercelli, für die Schweiz die Kantone Graubünden, Tessin, Wallis, Waadt und Genf. Die Fahrzeuge, welche nicht unter die oben skizzierte Steuerbefreiung fallen, gemessen in der Steuerbehandlung die nämlichen Rechte, wie die betreffenden Verkehrsmittel irrt eigenen Lande, womit einer steuerlichen Sonderbelastung der Riegel gestossen ist. Die Vereinbarung hat aber noch eine weitere Vereinfachung gebracht, indem nämlich im gegenseitigen Reiseverkehr der internationale Fahrausweis nicht mehr notwendig ist, da die nationalen Dokumente gegenseitig als vollwertig anerkannt werden. Die Fahrzeuge müssen neben den nationalen Ausweisen auch die 'nationalen Polizeischilder und den Nationalitätsschild führen. Diese ergänzende Vereinbarung betreffend Verzicht auf den internationalen Fahrausweis tritt am 14. August 1931 in Kraft und -werden die Zollorgane sowie auch die Polizeiorgane der Kantone in diesem Sinne entsprechend instruiert werden. Es sind im weitern in der Abmachung noch einige Zollfragen, die hauptsächlich für die Grenzgebiete von Bedeutung sind, geregelt worden. Ferner erfolgte die Bereinigung einiger noch nicht abgeklärter Punkte bezüglich der Behandlung der konzessionierten Personentransport-Unternehmungen. Den genauen Wortlaut der Abmachung werden wir in nächster Nummer folgen lassen. Wir möchten für heute nur unserer grossen Befriedigung über den erfolgreichen Abschluss der etwas langfädigen Verhandlungen Ausdruck geben. Gerade die Internationale Alpenfahrt, in deren Zeichen diese Woche steht, hat den Beteiligten neuerdings recht deutlich die Umständlichkeit der bisherigen Regelung des zwischenstaatlichen Automobilreiseverkehrs zum Bewusstsein gebracht, wenn auch gesagt werden muss, dass jungen Frau verflochten, deren, individuelles Glück geschickt mit den Ereignissen in der Welt des Autosportes verknüpft wird. Der Roman « Typ Evelin» ist interessant geschrieben und liest sich sehr gut, dabei vermittelt er einen noch unbekannten Einblick in die Zusammenhänge zwischen Automobilindustrie, Autosport und persönlichen Schicksalen, er belebt somit ein Gebiet, dessen Kenntnis sich im allgemeinen nur auf sachliche Feststellungen beschränkte. Wir sind deshalb überzeugt, dass unser neuer Autosportroman jener Aufmerksamkeit unserer Leser begegnet, die er dank seinem Milieu und seiner spannenden Schilderungen verdient. Die Red. i. Die unsichtbare Hand. «Sinnisfaire hat die Erfindung!» Arnold Dunker kam in Dr. Maurus Arbeitszimmer gestürmt. In seiner rechten Hand flatterte eine Zeitung, die er erregt auf den Schreibtisch warf. Dr. Maurus, ein dicker sich alle Zollbehörden die grösste Mühe für prompte Abfertigung der Fahrer gaben. Speziell für die Schweiz, die als Reiseland ein ganz besonders hohes Interesse an der unbeschränkten Freizügigkeit des Reisen« hat, sind Abkommen mit unsern Nachbarländern, wie nunmehr dasjenige mit Italien vorliegt, von grösster Bedeutung. Wir dürfen «nsern eidgenössischen Behörden das Zeugnis ausstellen, diese Tatsache richtig erkannt zu haben und wenn die bisherigen Bemühungen zu keinem grösseren Erfolg geführt haben, so mag dies grösstenteils bei dem geringeren Verständnis oder kleineren Bedürfnis der andern Staaten für eine vereinfachte Regelung des Reiseverkehrs liegen. Das nunmehr vorliegende Ergebnis der italienisch-schweizerischen Bemühungen soll aber unsere eidgenössischen Instanzen dazu anspornen, ihre Bemühungen in dieser Richtung fortzusetzen, hat es sich doch hier gezeigt, dass zähe Ausdauer und gegenseifiger guter Wille doch zum Ziele führen müssen. Und was zwischen der Schweiz und Italien möglich war, sollte auch mit •unsern weitern Nachbarn erreichbar sein, mit denen uns ebenso enge Wechselbeziehungen von Verkehr und Wirtschaft verbinden. Der Bundesrat kann gewiss sein, dass er die gesamte Automobilgemeinde und die vielen am Verkehr weiterhin interessierten Organisationen hier geschlossen hinter sich hat. B, ^•Und die Gandriastrasse? Verzögert Italien mit Absteht? Die Schweiz wartet seit Monaten auf den Beschluss der italienischen Behörden zum Bau des italienischen Teilstückes Porlezza— Schweizergrenze, damit der Kanton Tessin mit dem Bau der schweizerischen Teilstrecke Lugano—Gandria—Grenze beginnen kann und der Subvention des Rundes teilhaftig wird. In der Zwischenzeit tauchten verschiedene Gerüchte auf, die den italienischen Behörden eine absichtliche Verschleppung aus innerpolitischen Gründen zuschrieben. Es hiess, das Hotelgewerbe am Comersee habe in Rom interveniert, da die neue Gandriastrasse eine Schädigung ihrer Interessen bedeuten würde. Diese Behauptungen zu prüfen ist uns nicht möglich, wir wollen uns auch nicht auf pessimistische Vermutungen Fünfziger mit frischrertem Gesicht, leicht angegrautem Haar und wasserblauen Augen starrte, zu keinem Wort fähig, in Dunkers schmales, blasses Gesicht. Seine Hand zeigte noch immer auf die Zeitung. Plötzlich liess er sich in einen Stuhl fallen, zog ein goldenes Etui aus der Tasche und, nachdem er sich eine Zigarette angesteckt hatte, schrie er Dr. Maurus an : «Machen Sie den Mund zu und handeln Sie! Der Teufel holt Ihr Werk und schenkt es Sinnisfaere!» Er sprang von neuem auf, packte die Zeitung und hielt sie dem immer noch Wortlosen vor die stieren Augen. «Lesen Sie!» Dr. Maurus Augen suchten auf dem Buchstabengewirr des Blattes. Auf einmal weiteten sie sich und blieben auf einer Stelle haften. Dort stand in halbgrossen Lettern: Der neue Sinnisfaere « Knock-out» / Eine grandiose Erfindung! Wieder suchten die ängstlichen Augen, von der Zeitung abschwenkend. Dunkers aufgeregtes Gesicht. Angst vor dem, was die schwarzen Buchstaben enthielten, stand darin geschrieben. Dunker drängte. «Lesen Sie doch! Einmal muss es sein!» In ungesunder Nervosität rauchend, sank er wieder in den Ledersessel, als Dr. Maurus endlich daran ging, zu lesen. Er beobachtete ihn aufmerksam. Das Gesicht des Automobilfabrikanten rötete sich mit jeder Minute mehr, die Adern an den Schläfen schwollen an. Endlich liess er die Zeitung fallen. Dunker sprang auf: «Nun, was sagen Sie, Herr Maurus?» «Sinnisfaere hat die Erfindung!» klang fassungslos die Antwort. Sie lassen sich von diesem Sinnisfaere Ihre Erfindung stehlen und er schlägt Sie damit knock out. Feiner, symbolischer Name,was: Sinnifaere Typ «Knock out»? Meint der Alte von Stockholm wohl uns? Knock out ! 1—2 — 3 — 4 — 5 — 6 — und so weiter. Ich glaube, wir sind bei 7 angelangt. Höchste Zeit zum Aufstehen, bevor wir vollends ausgezählt sind.» Dr. Maurus erhob sich. Er griff an den Kragen. «Was nützen Sie mir, Dunker, und was Soerner, was nützt mir der beste Fahrer und der beste Ingenieur? Bis wir am Ziele sind, ist Sinnisfaere mit der gestohlenen Arbeit immer schon dagewesen. Was soll nun ich tun?» INSERTIOXS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Ctx. lür die Schweiz; tur Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inserntenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nnmmern einlassen, hingegen halten wir es für notwendig, stets von neuem auf diese hängige Frage hinzuweisen. Ausgehend von der Tatsache, dass der Bau des italienischen Stückes der Gandriastrasse immer noch nicht auf dem Provinzial- Strassenprogramm von Como steht, und aul der andern Seite verlautet wird, in der Provinz Como werde der Ausbau der Strasse längs des Ostufers am Langensee immer mehr begehrt, tauchte der Vorschlag auf, die Schweiz möchte Italien den Ausbau der Ostufer-Strasse am Langensee offerieren, um Italien zum raschen Entscheid über den Bau der Gandriastrasse zu zwingen. Wir verstehen ohne weiteres, wie sehr Varese als Ausgangspunkt einer bedeutenden Autostrasse vom Verkehrs auf den Zufahrtsstrassen, speziell auch der Langenseestrasse, abhängig ist und die Rendite der Autostrassen in hohem Masse von der Zahl und der Güte der in Varese mündenden Strassen beeinflusst wird. Die Gambarognostrasse, wie die Strasse von Magadino nach Luino genannt wird, bedeutet für Varese den Anschluss an die Gotthardroute. Wir haben an und für sich nichts gegen den Ausbau dieser Strasse einzuwenden, würden es sogar begrüssen, wenn auch diese Route bald die Rolle einer Fernverkehrsstrasse spielen würde. Ob sich aber ein besonderes Opfer gegenüber Italien, nur um den Bau der Gandriastrasse zu ertrotzen, wirklich lohnt, daran vermögen wir noch nicht zu glauben, ganz abgesehen davon, dass auch dem italienischen Tourismus durch die Erstellung der Gandriastrasse grosse Vorteile erwachsen. Nebenbei haben wir entdeckt, wie sehr auch der italienische Teil der Gambarognostrasse zu wünschen übrig lässt, denn sie nimmt von Luino nach Varese nicht den direkten Weg über Montegrinound Grantola, sondern folgt dem Tal der Stresa bis Ponte Tresa und nimmt erst dann Richtung Süden nach Ghirla—Vaiganna—Varese. Die 10 Kilometer zwischen Luino und Ghirla eignen sich nicht für den Fernverkehr. Auch die Fortsetzung der Gambarognostrasse längs des Langensee-Ufers von Luino über Porto Valtravaglia nach Laveno ist ebenfalls nicht ausgebaut. Das Stück zwischen den letztgenannten Ortschaften kann mit Auto- «Tun? Ja, «tun» müssen wir etwas, sonst fahren uns Holm und Gritt diesmal in den Dreck, dass wir gerne aufhören — und Nähmaschinen bauen, statt Autos. Vorläufig aber keine Angst — ich fahre Ihren Wagen, die Welt glaubt vorläufig immer noch an mich — denken Sie daran, wie wir am Semmering den «Helios» abgesägt haben. Der Bernardino muss Sinnisfaeres Semmering werden f Holm und Gritt gegen Dunker und Soerner — a bah! Schauen Sie, dass Sie mit «Typ Evelin» fertig werden!» Doch Dr. Maurus war wieder in dumpfes Stieren versunken. Er konnte das Unfassbare nicht begreifen. Monatelang hatte er in grösster Heimlichkeit den Bau -seines neuen Wagens «Typ Evelin», der mit seines genialen Chefingenieurs Soerner Erfindung, der automatischen Kurvung, ausgestattet war, betrieben — und nun hatte, trotz aller Vorsichtsmassnahmen, der skrupellose Sinnisfaere auch diese Erfindung gestohlen, gestohlen wie alle andern, die Soerners rastloser Geist erdacht hatte. Der neue Sinnisfare «Knock out» würde jetzt gegen den «Typ Evelin» stehen und die Sportwelt würde am Bernardyio eine Sensation erleben. Wenn man nur den verfluchten Kerl ausfindig machen könnte, der unter irgendeiner Maske frech in ihrer Mitte das Werk ausspionierte und sämtliche Neuigkeiten der Mauruswagen mit unheimlicher Genauigkeit an den Schweden verriet. Der Spion... wer konnte es sein ? Dunker schienen ähnliche Gedanken zu beschäftigen: «Sinnisfaeres Spion ist genialer als Dr. Maurus Chefingenieur!»