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E_1931_Zeitung_Nr.066

E_1931_Zeitung_Nr.066

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 11. August 193t Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. — N° 66 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ralbllhrileh Ft. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Porttwuschlag, »lern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtllche Bwtellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Zukunfts-Autoverkehr Unter dieser Aufschrift ging eine Agenturmeldung durch die Presse — sie dürfte wohl unsern Eisenbahnen nicht ferne stehen —, die die in No. 10 der « Automobil- Revue » vom 6. Februar 1931 enthaltene Schlussfolgerung, dass im Jahre 1930 rund 500 000 ausländische Reisende per Auto in die Schweiz eingereist sind, einer Kritik unterzog. Es wird ausgeführt, die Annahme, dass die zirka 160 000 zu vorübergehendem Aufenthalt in die Schweiz eingereisten fremden Atitos durchschnittlich mit drei Personen besetzt waren, treffe nicht zu. Man glaubte, dies an Hand des französischen Kontingentes dieser Fahrer beweisen zu können, indem ausgeführt wird, dass von den 160 000 Autos mehr als die Hälfte, d h. 89 000 auf französische Herkunft entfielen, wogegen anderseits die schweizerische Hotelstatistik der wichtigsten Plätze (sie.) für das ganze Jahr 1930 nur zirka 130 000 Franzosen als Gäste verzeigt habe. Da ein Teil derselben per Eisenbahn eingefahren sei, können daher höchstens 100 000 derselben auf den Automobilreiseverkehr entfallen, was einer Autobesatzung von maximal 1K Person pro Wagen (!) entspreche. Der Autor der Agenturmeldung geht in seiner Rechnung davon aus, dass 1930 89000 französische Autos in die Schweiz zu vorübergehendem Aufenthalt eingefahren sind. Nach der vorliegenden Zusammenstellung der Eidg. Oberzolldirektion lautet diese Angabe dahin, dass 89.202 Motorfahrzeuge, d. h. Autos und Motorräder, über französische Zollämter in unser Land eingereist sind, wobei festgehalten wird, dass bei denjenigen Wagen, die mit der provisorischen Einreisekarte und Kontrollscheinen eingefahren sind, nicht auf das Land wo das Fahrzeug domiziliert ist, abgestellt würde, sondern auf dasjenige, von wo die Einreise in die Schweiz erfolgte. Es sind daher unter den 89,202 Motorfahrzeugen auch alle diejenigen deutschen, italienischen belgischen, englischen, österreichischen, etc. Autos aufgeführt, welche von einem französischen Zollamt her mit F E U I L L E T O N «Typ Evelin» Autosportroman von Karl Schmid!. (1. Fortsetzung) Dr. Maurus stöhnte vor Aufregung. Soerner sah den Industriellen ruhig anT «Sie haben natürlich nie die Absicht gehabt, die Werke zu verkaufen, Herr Maurus. Sinnisfaere glaubt, dass durch den Diebstahl der automatischen Kurvung die Erfüllung eines von ihm längstgehegten Wunsches in greifbare Nähe gerückt sei.» «Ich habe nie eine solche Absicht gehabt», schrie Dr. Maurus in lodernder Wut, «wie kann der — der — Lump das behaupten? Soerner, ich biete Ihnen mehr als Sinnisfaere — sind Sie nicht die geistige Leitung meines ganzen Werkes — und was das Finanzielle anbetrifft...» «Ich schreibe die Beleidigung, die in Ihren letzten Worten für mich liegt, Ihrer Erregung zu, denn mit klarem Verstande dürften Sie mir nicht einmal den Gedanken zumuten, Spiessgeselle eines Verbrechers zu werden. Ich bin mit dem, was Sie mir bezahlen, zufrieden, "für mich allein ist das schon genug, und Angehörige, für die ich Geld zusammenscharren müsste, habe ich nicht. Mein Leben hat den einen Zweck, dafür zu sorgen, dass Sinnisfaere der Teufel holt, samt seinem schmutzigen Geld.» Maurus sah beschämt auf die dunkelbraune Platte des Schreibtisches. Die Welt dieses Mannes war und blieb ihm fremd. Es wäre ihm zehnmal lieber gewesen, Soerner hätte von ihm eine zweihundertprozentige Gehaltserhöhung gefordert. Erscheint Jeden Dienstag und Freit«« ~i fl Monatlich „Gelh* tlrt«" REDAKTION n. ADMINISTRATION! Brcltenralnstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse« Autorevue. Bern Fünftagekarte und Kontrollschein 1930 in die Schweiz einreisten. Schon in diesem Punkte stimmt also die Rechnung des Autors der zitierten Einsendung keineswegs. Wenn man bedenkt, dass 1930 rund 50 Prozent der ausländischen Autotouristen mit dieser Fünftagekarte in die Schweiz eingefahren sind, so wird man leicht feststellen können, wie sehr diese Zahl von 89,202 Autos für die Berechnung des rein französischen Kontingentes unmassgebend ist und zu ganz falschen Schlüssen Anlass gibt. Aber auch die Zahl von 130,000 französischen Gästen an den wichtigeren Plätzen der Schweiz ist keineswegs zutreffend. Allein in der Stadt Zürich sind im Jahre 1930 13,595 Franzosen abgestiegen; für die ganze Schweiz berechnet, darf wohl mit einer ganz bedeutend höhern Anzahl als 130,000 gerechnet werden. Eine bezügliche Statistik fehlt leider, doch darf man mindestens das Dreifache annehmen, wenn man weiss, wie sehr die West- und Nordwestschweiz stets stattliche Kontingente französischer Reisenden aufweisen. Schon diese beiden Richtigstellungen zeigen deutlich, auf welch schwachen Füssen die beanstandete Agenturmeldung steht. Es ist in keiner Weise übertrieben, wenn, in der «Automobil-Revue» an Hand der zahlenmässigen Unterlagen der Zollverwaltung s. Z. festgestellt wurde, dass 1930 Ca. 500,000 fremde Gäste per Auto zu vorübergehendem Aufenthalt in die Schweiz eingereist sind. Dieser Verkehr war effektiv da,, und wenn es noch eines Beweises dazu bedarf, so zeigt dies so recht deutlich die offizielle Fremdenstatistik von St. Moritz pro 1930.. In diesem Jahre sind in der Oberengadiner Metropole total 3244 Privatautos bei den Hotels angekommen und haben insgesamt 9536 Gäste gebracht. Durchschnitt pro Auto ziemlich genau 3 Personen, wie dies der Berechnung in der «Automobil-Revue» zugrunde gelegt war. Aus diesem Fremdenkontingent haben ^ 1,469 Hotelnächte resultiert, somit durchschnittlicher Aufenthalt dieser Autotouristen «Verzeihung, Soerner », sagte er, ruhiger geworden, «ich hätte meinen alten Mitarbeiter besser kennen sollen. Aber tragen Sie es einem Manne nicht nach, der in der Anbetung des goldenen Kalbes erzogen wurde und der tausendmal die verderbliche Wirkung des Goldes erlebt hat. Was glauben Sie, was zu machen ist ? » « Vor allem bemühen wir die Polizei nicht mehr ! Sie ist Sinnisfaere einfach nicht gewachsen. Und dann machen wir Reklame für den « Typ Evelin». Leider fehlt uns dazu der rechte Mann. Ja, Herr Maurus, Ihnen fehlt der Reklame- und Pressemann Sinnisfaeres. Hier ist eine Lücke in Ihrem Werk. Ohlders und Veitler sind tüchtige Beamte, bis zum Pflichtmasse fleissig, aber ohne jeden Funken Genie, ohne den für Reklame so "notwendigen zündenden Funken der Initiative. » « Schon recht, — aber diese Leute liegen nicht mehr auf der Strasse,» warf Maurus missmutig dazwischen. « Man muss sie suchen. Es muss ja nicht heute sein... und so ein Mann kostet ein Höllengeld jährlich. » « Und der Spion ? » « Den werde ich bald kennen.» Soerner setzte sich, zog eine dicke Zigarre hervor, zündete sie langsam und mechanisch an und starrte in eine Zimmerecke. Plötzlich sagte er: «Kennen Sie schon meine neueste Erfindung? Nein,, Sie kennen sie noch nicht, niemand kennt sie und niemand wird sie kennenlernen vor übermorgen.» Eine neue Erfindung?» fragte Maurus zweifelnd. « Jawohl — und die wird den Sinnisfaere «Knock out» — knock out schlagen, und Sinnisfaere wird sie nicht bekommen. » allein in St. Moritz 5Vz Tage, während in unserer Berechnung nur mit einem durchschnittlich 5tägigen Aufenthalt für die ganze Schweiz gerechnet war. Uebrigens hätte allein schon die Behauptung, dass 89,000 fremde Wagen, die in die EVSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit ode» deren Baum 45 Cts. für die Schweiz; lür Anzeigen aus dem Ausland OU litlr Grössere Inserate nach Scitentarit. Inserntenscliluss 4 Tane vor Erscheinen der Nnmmeni Schweiz eingereist sind, durchschnittlich nur chend immer kleiner werden. mit V/* Person (!) besetzt waren, dem Autor des betreffenden Agenturartikels sagen Automobil zugeschoben. Der eigentliche Sün- Eine Zeitlang wurde ja alles Unheil dem sollen, dass dies nicht stimmen kann. Wer denbock war gefunden. Er diente als willkommenes Ablenkungsmittel, wenn notwen- auf der Strasse fährt, sieht nur ganz ausnahmsweise ausländische Wagen mit nur einer Person besetzt. So unrationell denken derstand der Nebenregierung scheitern wolldige Rationalisierungsmassnahmen am Wi- und handeln auch die ausländischen Autotouristen nicht, dass sie allein mit ihrem fahrenen Arbeitszeiten oder Gehältern zu rütten, oder wenn man nicht wagte, an festge- Wagen in der Schweiz herumgondeln. teln. Heute hat man eingesehen, dass auch der Kampf gegen das Automobil zweck- und Anstatt sich bei uns der so prächtigen aussichtslos ist. Entwicklung des Autotourismus zu freuen und denselben durch Erleichterungen zu fördern, glaubt man, seine kostbare Zeit damit rung. Wie im « Eisenbahner » zu lesen ist Man plant eine neue Stückgüterbeförde- verwenden zu müssen, dem Automobil wie- und wie man übrigens schon vorher wusste, der « eins anzuhängen », indem man die Bedeutung des Autoreiseverkehrs herabzusetzen sucht. An der Entwicklung und hohen Bedeutung des Autoreiseverkehrs der Schweiz, wie dies in der « Automobil-Revue » vom 5. Februar 1931 zahlenmässig belegt dargetan worden ist, gibt es nichts zu rütteln und zu deuteln. 500,000 fremde Gäste per Auto zugeführt und 2,500,000 bezügliche Logiernächte pro Jahr, stehen für 1930 als Minimum endgültig fest. Sie bilden ein Aktivum für unsere Hot^Ilerie und die damit verbundenen GewerbeSzweige, das wohl niemand mehr missen will. Bedauerlich bleibt ja nur, dass dieser Agenturartikel in zahlreichen Tageszeitungen Aufnahme gefunden hat, ohne dass redaktionell auf das Unlogische der kurzerhand aufgestellten Behauptungen hingewiesen worden wäre. S. Stückgüterbeförderung. Man weiss, dass sich ganz besonders unsere Bundesbahnen mit dem Problem der Zusammenarbeit Bahn-Auto zu befassen beginnen. Ihre wirtschaftliche Lage zwingt sie dazu. Vermehrte Konkurrenz ausländischer Unternehmungen, Krisenstimmungen und Wirtschaftsdepressionen in einem müden Europa, nicht zuletzt aber eine gewaltige Es klopfte. Dunker trat ein. «Nun, Herr Maurus, hat Ihnen Soerner helfen können?» Zu seinem grossen Erstaunen antwortete ihm' der Ingenieur im Tone freudiger Zuversicht: «Sinnisfaere wird nicht siegen, trotzdem er die « automatische Kurvung » gestohlen hat. — Ich will nicht Soerner heissen, wenn Sinnisfaere das Rennen macht!» « Wieso? » fragte Dunker sehr erstaunt. « Soerner besitzt wieder eine neue Erfindung, » erklärte Dr. Maurus. « Ja, Dunker — Sie brauchen nicht die geringste Sorge zu haben — Sie werden auf unserm « Typ Evelin » das Rennen machen — Sinnisfaere wird verlieren, aber fragen Sie nicht weiter. Einzelheiten verrate ich vor übermorgen niemanden.» « Können Sie « Typ Evelin » noch mit der neuen Sache versehen? > «Kann ich! Wir werden zwei Tage länger brauchen, aber das spielt jetzt keine Rolle. Leben Sie wohl, meine Herren, und fassen Sie Mut! » «Kommen Sie heute in die Alhambra, Soerner?», rief Dunker dem Ingenieur nach. «Nein, mon eher, heute heisst es noch arbeiten. Keine Zeit! Ceterum censeo, Sinnisfaere esse delendam! > Er lachte laut und fröhlich, als er auf den Gang hinaustrat. Die beiden andern blickten sich verständnislos an. «Er ist doch ein Teufelskerl. Ich glaube fest, dass es ihm gelingt, uns aus dieser Patsche zu retten. Sie dürfen sehr froh über diesen Mann sein, Herr Maurus — sehr froh! » « Gott gebe, dass es ihm gelingt!» antwortete der Fabrikant. Er hatte keinen Personallast sind Gründe ernsthaftester Natur genug, um nach neuen Einnahmequellen zu fahnden. Es ergeht, nebenbei betont, den S.B.B, ähnlich wie andern staatlichen Regiebetrieben: das Unkostenkonto wächst derart, dass die Reineinnahmen dementspre- wird geplant die Beförderung der Stückgüter von den Eisenbahnen auf kurze Strecken dem Auto abzutreten. Diese beabsichtigte Neuerung sei «bereis zum Schlagwort an offiziellen Vorträgen und das Steckenpferd der höchsten Stellen der Bahnverwaltung geworden. » Und deshalb wird es dem « Eisenbahner » ungemütlich. Man möchte an jener Stelle vom Automobil am liebsten nichts wissen, deshalb wird auch nichts unterlassen, um ihm im kommenden schweizerischen 1 Verkehrsgesetz die erdenklichsten Schwierigkeiten auf den Weg zu legen. Man befürchtet, dass das Automobil aus der Neuerung Nutzen ziehen könnte und dass dem so sein könnte, das beweist den Herren die Tatsache, « dass die neue Stückgüterbeförderung in der Automobilpresse eine ausserordentlich günstige Aufnahme» gefunden hat. Die Automobilisten gingen jetzt schon daran, aus dieser Neuerung Nutzen zu schlagen! Man denke doch! Allzulange habe man die Automobilinteressen zu stark anwachsen sehen. Je länger mit der definitiven Regelung des eidgenössischen Verkehrsgesetzes zugewartet werde, um so weniger würden die Interessen der Bahnen darin berücksichtigt werden können. Auf Seite der Automobilinteressen stünde heute ein grosses Kapital- und eine gefügige Presse. Die Gründung von Fussgängerverbänden (In Zürich hat man bei der Funken von Optimismus in sich und wunderte sich, wie schnell Soerner über die gestohlene « automatische Kurvung hinweggekommen war. Dunker hatte seine Ruhe wieder gefunden. « Fassen wir wieder Mut! Noch ist Polen nicht verloren. Der Wagen drunten im Werk VII hat mir die Zuversicht wieder in weit höherem Masse gegeben, als Soerners neue Erfindung. Es tut mir fast leid, dass sich die Probefahrten wieder um ein paar Tage verzögern. — Wann kommt Fräulein Evelin zurück? » « Evelin? — Ach so! Ich muss ihr sofort telegraphieren. Ich wollte es schon vorher tun, da kamen Sie mit Ihrer verfluchten Zeitung. Sagen Sie mal, Dunker, haben Sie gar keinen Verdacht? » «Hm, Verdacht? Genaues wussten nur Sie, Soerner, Sealson und ich. Aber das Gerücht von einer wichtigen Erfindung ging im ganzen Werk um. Das Gerücht hat dem Spion jedenfalls Anlass gegeben, zu trachten, dass er mit der Sache näher bekannt wird. Wer hat denn alle Schlüssel zum Konstruktionszimmer und zu den Geheimschränken? Doch niemand als Soerner und Sie.» Er schüttelte den Kopf. Maurus sah verloren auf ein grosses Oelgemälde, das ihm gegenüber an der Wand hing. Dunker verabschiedete sich. Als der Rennfahrer gegangen war, raffte er sich zusammen und schrieb ein Telegramm. Ein Diener erschien. «Bringen Sie dies sofort zur Post!» Zehn Minuten darauf stand er drunten auf dem grossen Hof, der zwischen den Büroräumen und Werk II lag. Eben kam Soerner mit zwei Ingenieuren daher. Maurus hielt ihn zurück, (Fortsetzung im «Autler-Feierabend».)