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E_1931_Zeitung_Nr.067

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Ausgabe: Deutsche Schweiz m**tthe* F»s*to Nummer 20 Cts. BERN, Freitag, 14. August 1931 JfziT: Jtl'SSm 27. Jährgang. - N° 67 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Fr»lt»§ Monatlich „Gelbe Uste" HynbJIhrtleh Fr. 6.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portonnchtag, tmtem nicht postamtlich bestellt. Zusehlag für postamtliche BMtellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97. Bern Rappen. Postcheek-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk S9.84 Tfelegramm»Adrcue: Autorevue, Bern Italien und die Gandriastrasse Eine ag.-Meldung, welche die Runde in der schweizerischen Presse gemacht hat, berichtet über eine Unterredung eines Vertreters des «Secolo Sera» mit dem Präsidenten der Provinz Como, wegen der Haltung Italiens bezüglich des Gandria-Strasseiibaus. Der Meldung war folgendes zu entnehmen: « Emein Vertreter des «Secolo Sera> gegenüber gab der Präsident der Provinz Como über den Bau der Gandriastrasse auf italienischem Gebiet u. a. die Erklärung ab, dass auf italienischem Boden in Erwartung der Stellungnahme der Schweiz die Teilstrecke Porlezza-Albogassia bereits erstellt worden sei. Der Bau des letzten Kilometers sei bis jetzt unterblieben und werde ausgeführt, sobald man nach, einem Abkommen mit der Schweiz wisse, wo das schweizerische und das italienische Teilstück der Gandriastrasse an der Grenze zusammentroffen sollen. Vom touristischen Standpunkte aus sei der Bau der Gandriastrasse von grosser Bedeutung, da u. a. die Verbindung zwischen St. Moritz und Lugano abgekürzt werde.» Diese Notiz hätte an und für sich keine besondere Bedeutung, weil damit nur bereits Bekanntes aufgewärmt wurde. Wir haben schon seit langem auf die Tatsache hingewiesen, dass die italienische Strasse von Porlezza bis ungefähr einen Kilometer an die Schweizergrenze herangeführt worden ist und man italienischerseits seit Jahren auf den schweizerischen Beschluss wartete, die Strasse auf unserem Gebiet abzunehmen. Nachdem .dieser Entschluss vom. Parlament im "letzten Herbst gefässt wurde; harren wirunserseits wieder bald seit einem Jahr, dass endlich der verbleibende italienische Kilometer dem bestehenden Strassenzug noch angefügt werde. Der ausführliche Text, welcher in dem Mailänder Blatt aber über diese Aussprache erschienen ist, gibt nun allerdings ein etwas anderes Bild von der italienischen Auffassung in dieser Strassenangelegenheit, so dass es zur Abklärung der Lage wohl gerechtfertigt ist, den italienischen Text auszugsweise folgen zu lassen: «Die Provinzbehörden von Como haben schon vor einiger Zeit die definitive Fassung des Strassenprojektes studiert und sind über den Anschluss der Strasse auf schweizerischem Gebiet mit den dortigen Behörden zu einem einhelligen Entschluss gekommen. Die Pläne und das Budget für die Baukosten wurden daraufhin dem Ministerium für öffentliche Arbeiten überwiesen, da es sich um eine «Typ Evelin» Autosportroman von Karl Schmidl. (2. Fortsetzung) Inhalt des bisher erschienenen Teils. Die Maurus-Automobilwerke werden von ihrem schärfsten Konkurrenten, dem Sinnisfaere- Werk in Stockholm, durch geheimnisvolle Spione ausgeforscht, die alle neuen Ideen der Konstrukteure von Maurus verraten. Wieder beschäftigt der Diebstahl einer Erfindung die Direktion der Maurus-Werke, als der Chefkonstrukteur Soerner Enthüllungen von einer sensationellen neuen Erfindung macht, mit der er Sinnisfaere endgültig zu schlagen hofft. In diesen Tagen, da man auf die Sensation der Maurus-Werke wartet, wird der abends spät heimkehrende Geiger Frank Hörn unfreiwilliger Zeuge eines seltsamen Vorfalls. Im Erdgeschoss eines der Kontorblöcke war noch ein Fenster hell erleuchtet. Schon wollte er weiter gehen, da erlosch plötzlich das Licht und der Schein einer Blendlaterne blitzte einen Moment auf. Frank sah, wie sich ein Mann gewandt aus dem Fenster schwang, er hörte ein leises Geräusch, wie wenn ein Schloss einschnappte und bemerkte dann Schritte auf das Gittertor zukommen, an dem er stand. Der strömende Regen und der tiefe Schatten des Hauses verbarg ihm die Gestalt des Kommenden. Rasch trat er in den dunklen Schatten eines Torpfeilers zurück. Frank hörte, wie der Fremde mit einem Schlüssel das Tor Strasse handelt, bei welcher der Staat eine Subvention bis zu 50 Prozent zu leisten hat. Der Regierungschef hat sich mit der Sache noch persönlich befasst auf Grund eines Rapportes, der ihm von J. Milani, Präfekt von Como, erstattet worden war. In diesem Rapport wurde mit ganz besonderem Nachdruck auf die internationale Bedeutung dieses Strassenzuges hingewiesen. Die gesamten Unterlagen befinden sich nunmehr beim Kriegsministerium, das sich noch zum Strassenbau zu äussern hat, indem es sich um eine Strasse in der Grenzzone handelt. Selbst wenn, wie dies wahrscheinlich ist, die aufsperrte, leise heraustrat und wieder abschloss. Dann entfernte er sich in der Richtung nach der Stadt zu. Vorsichtig spähend, sah Frank einen Augenblick ganz verschwommen eine hohe, schlanke Gestalt, die jedoch rasch in den dunklen Häuserschatten versank. Kopfschüttelnd setzte Frank Hörn seinen Weg fort. Die Sache war entschieden merkwürdig. Seinem Auftreten nach musste der Geheimnisvolle ein Mitglied oder Angestellter des Hauses Maurus sein. Doch warum nahm er den ungewöhnlichen Weg durchs Fenster? Frank bemühte sich, eine harmlose Geschichte zusammenzureimen, denn an Verbrechergeschichten glaubte er nicht. Er dachte sich, dass einer der Ingenieure bis spät in die Nacht arbeitend den Hausschlüssel vergessen hatte, und da er den Hausmeister nicht mehr wecken wollte, den Weg durchs Fenster des Erdgeschosses nahm. Aber er fühlte selbst, dass diese Erklärung nicht sehr wahrscheinlich klang. Plötzlich blieb er stehen. War das Fenster nicht vergittert gewesen? Ja ! Deutlich sah er vor sich im Geiste die gebogenen Stäbe vor dem heilerleuchteten Fenster. Und der Fremde hatte sich nicht mühselig durchgezwängt, sondern war in raschem Sprunge durch das Fenster gekommen. Wie war das zu erklären? Das Unheimliche der Sache erregte ihn jetzt. Ein Verbrechen? Ob es nicht seine Pflicht war, sofort die Polizei zu verständigen? Der Regen rann unaufhörlich, und durchnässt und frierend entschloss sich Frank Schweiz demnächst die Bauarbeiten- auf ihrer Seite aufnehmen würde, so käme Italien immer noch mit- seinem Schlussstück rechtzeitig, da ihm zum Bau nur mehr 1400 Meter verbleiben gegenüber den 6 Kilometern, welche schweizerischerseits anzulegen sind.» Der schweizerische Standpunkt weicht nun freilich von dieser letztern Auffassung etwas ab, indem man bei uns die Bauarbeit nicht in Angriff nehmen möchte, bevor wir die absolute Sicherheit haben, dass Italien nunmehr das Schlussstück' in Angriff nimmt, während Italien seinerseits die Ansicht vertritt, es habe keine Eile, nachdem die Bauperiode auf Schweizerseite bedeutend mehr Zeit in Anspruch nehme. Die Auffassungenlaufen ' also nebeneinander vorbei und i$t vielleicht der Zeitpunkt gekommen, dass die beiden Regierungen nochmals in dieser Sache Kontakt nehmen, um die genauen Baudaten endgültig festzulegen. Nach dem grosszügigen Strassenbauprogramm zu urteilen, das in Italien in Ausführung begriffen ist, wird die bei uns geäusserte Vermutung, dass das Gandriaprojekt in den Schubladen des italienischen Kriegsministeriums verschwinde und verstaube, kaum zutreffen. Es scheint vielmehr das Räderwerk der Bureaukratie irgendwo nicht ganz im Eingriff zu sein und deshalb ist es doppelt erwünscht, dass von beiden Seiten für die Beseitigung dieses Leerlaufes gesorgt wird. Nach Ausbau der gesamten Strecke von Castagnola nach Albogassia, wäre eine um rund 35 km kürzere Verbindung nach dem Comersee hergestellt. Es wird damit aber auch eine direkte Verbindung zwischen den Kantonen Tessin und Graubünden via Splügen, Maloja, Bernina und Umbrail geschaffen, deren touristische Bedeutung keiner besonderen Erläuterung bedarf. Es ist deshalb begreiflich, dass der Kanton Tessin dieses Projekt seit Jahren vertritt und schon anno 1924 wurde um einen Bundesbeitrag für den Bau der Gandriastrasse nachgesucht. Im September vorigen Jahres ist der Bundesbeschluss betr. Bewilligung einer eidg. Subvention von 50% der Baukosten, bis zum Höchstbetrage von 1,295 Mill. Fr. rechtskräftig geworden. Es schien damit alles auf dem besten und raschesten Wege der Verwirklichung, bis die Administration in Italien, welche trotz Energie des neuen Regierungschefs ihren « Gang » nicht restlos beschleunigt zu haben scheint, die Angelegenheit wieder in ihre Finger nahm. Man sollte nun wirklich ineinen, dass es bei einer nochmaligen gegenseitigen Fühlungnahme möglich ist, dem Kanton Tessin endlich zu seiner langerwarteten Gandriastrasse zu verhelfen und damit in dieser kritischen Zeit auch einer beträchtlichen Zahl gezwungenermassen feiernder Hände wieder Arbeit zu verschaffen und der Fremdenindustrie eine neue Quelle zu eröffnen. B. schliesslich doch, nach Hause zu gehen. Morgen früh würde er dann schon sehn. Morgengrauen. Verregnet lag die Vorstadt. Das blasse Dämmerlicht des frühen Tages schlich matt über die Dächer herein. Im Konstruktionszimmer des Mauruswerks lag noch tiefe Dämmerung. In dem weichen Ledersessel, vor einem langen und breiten Tisch ruhte lässig eine unbewegliche Männergestalt, das Haupt vornübergeneigt, die Arme schlaff über die Lehne hängend. An die verschlossene Tür klopfte es nun schon zum zweitenmal — diskret, unaufdringlich — dann nach einer kleinen Pause wieder, etwas stärker. Wieder war eine Zeitlang Ruhe, dann entfernten sich Schritte von der Tür — wieder lag tiefe Ruhe in dem geräumigen Zimmer. Nach einigen Minuten nahten wieder Schritte. Ein Schlüssel wurde ins Schloss gesteckt und umgedreht; die Türe öffnete sich und das grelle Licht der elektrischen Lampen erfüllte den Raum. Der Hausmeister trat ein, hinter ihm ein kleiner, schmalhüftiger Bürodiener. «Herr Doktor!» Keine Antwort. Die Gestalt im Lehnsessel rührte sich nicht. Der Hausmeister machte ein paar Schritte vorwärts. Etwas lauter klang es: «Herr Doktor!» Plötzlich fühlte sich der Hausmeister von einer zitternden Hand am Arm gepackt. Erstaunt drehte er sich um. Das Gesicht des Bürodieners war leichenblass und verzerrt. I INSERTTONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundteile odef deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland SO CU. Grfissere Inserate nach Seitentarlf. bseratensehloss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Nicht 140, sondern 200 Prozent Zollbelastung des Benzins. In Nr. 61 der A. R. machten wir die Mitteilung, dass der Benzinzoll im ersten Semester 1931 18,18 Millionen Fr. ergab, was beim Vergleich mit dem zollstatistisch er« fassten Handelswert des eingeführten Benzins von 12,9 Millionen Fr. einer Zollbelastung von 140 Prozent entspricht. Aus Kreisen der Benzin-Importeure werden wir nun darauf aufmerksam gemacht, dass diese 140 Prozent in der Praxis noch beträchtlich überboten werden, was folgendes Rechen-* exempel zeigt. Der gegenwärtige Importpreis für prima Mittelschwerbenzin liegt zwischen 11.50 Fr. und 13 Fr. pro 100 kg, wogegen auf diesem Quantum ein Zoll von 23,5 Fr. erhoben Wird. Die Abgabe an der» Fiskus nähert sich also ganz bedenklich der 200 Prozent-Marge. Wird aber gar der Zoll mit dem schweizerischen Durchschnittserlös verglichen, der einen Handelswert von ca. 9 Fr. pro 100 kg ergibt, so rückt der Zollbetrag nahe an die 300 Prozent vom. erzielten Erlös, eine Belastung, wie sie kaum den allerteuersten Luxusartikeln zugedacht istt Unser Aussenhandel in Motorfahrzeugen im Monat Juli Leichte Zunahme der Einfuhr im Vergleich zum Juli 1930 und Abnahme der Ausfuhr. fuhr setzt sich aus rückläufigen Beträeen äfi sämtlichen Kategorien zusammen. Trotzdem wir für rund Fr. 133 000 Traktoren ohne Ka* rosserie ins Ausland exportiert haben (ein Posten, der noch nicht in der Ausfuhrliste des Monats Juli 1930 figurierte), bleiben unsere Verkäufe unter den Ergebnissen de» Juli 1930, da in allen anderen Kategorien bedeutende Minderwerte zu notieren waren. Erinnern wir an die offiziellen neun Kategorien der Motorfahrzeugstatistik der eidge- Der Gesamtwert der Einfuhr im Monat Juli erreichte den Betrag von Fr. 6,43 Millionen im Juli. 1931, gegenüber Fr. 6,41 Millionen im Juli 1930. Die Vermehrung der Einfuhr um FT. 24217 lässt sich hauptsächlich auf die Kategorien Automobile und Chassis im Stückgewicht zwischen 800 und 1200 kg, zwischen 1200 und 1600 kg und auf die Kategorie Elektrokarren zurückführen. Alle anderen Kategorien verzeichnen eine Verminderung. Die Herkunft der 1036 Automobile und Chassis (847 im Juli 1930) erfolgte aus den nachstehenden Staaten: Vereinigte Staaten von Amerika 530 (438), Deutschland 229 (78), Italien 142 (155), Frankreich 116 (163), Grossbritannien 10 (4), Oesterreich 6 (8) und Belgien 3 (1). Der Gesamtwert unserer Juli-Ausfuhr beläuft sich auf Fr. 1,19 Millionen, gegenüber Fr. 1,62 Millionen im entsprechenden. Monat des Vorjahres, was einen Minderwert von Fr. 435 000 ergibt. Der Minderwert der Aus- nössischen Oberzolldirektion: a) Motor-Zwei-und-Dreiräder ohne Leäeräbemag} b) Motor-Zwei- und Dreiräder mit Lederüberzug; c) Automobile und Chassis im Stückgewicht bis und mit 800 kg*); d) Automobile und Chassis im Stückgewicht vom. 800 bis und mit 1200 kg; e) Automobile und Chassis im Stückgewicht von' 1200 bis und mit 1600 kg; *) Beim Export kommen noch hinzu: elektrische Anlasser und Dynamos für die elektrische Beleuchtung. (Fortsetzung siehe Seite 7) «Was ist, Müllner?» «Ich weiss nicht,» antwortete stotternd eine flüsternde Stimme. Plötzlich ein Aufschrei; «Er ist tot!» Der «Hausmeister hielt einen Moment inne. Dann schüttelte er den Angestellten resolut von sich ab und ging mit schnellen Schritten auf den Sessel zu. Doch kaum hatte er einen Blick auf den Ruhenden geworfen, da fuhr er erschrocken zurück. Den Ausdruck dieses blassen Gesichtes, diese verkniffenen Lippen kannte er nur zu gut — das war der Tod. Rasch entschlossen trat er zurück. «Kommen Sie, Müllner, Dr. Soerner ist tot.» Leise schlichen sie hinaus. Draussen auf dem Gang stand der Hausmeister still. Müllner sah hilflos zu ihm auf. Eine schlanke, elastische Gestalt kam in raschem Tempo gegangen. «Ist Dr. Soerner bereits da? Doch — Was haben Sie?» «Dr. Soerner muss etwas zugestossen sein. Er ist da drinnen.... tot.» Sealson sah masslos erstaunt von einem zum andern, dann eilte er rasch in das Zimmer. Nach kurzer Zeit kam der Engländer zurück. «Haben Sie am Zustand des Zimmers etwas geändert?» «Nein, Herr Sealson, nicht das geringste. Wir haben keinen Gegenstand berührt.» Er eilte davon. In weniger als zehn Minuten hatte Sealson die Polizei und den Arzt