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E_1931_Zeitung_Nr.068

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 18. August 1931 Nummer 20 Cts. 27 Jährgang. — N° 68 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Rubllhrllcb Ft. 5,—, Jlhrllch Fr. 10.—. Im Ausland unter Portonnehlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Micrn nicht poftamtlicb bestellt. Zuschlag für postamtliche BMtellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 , Teltgramm-Admie: Autorevue, Bern Fragens vom Tag© Die Zeiten sind vorbei, da unsere Bahnen im Besitze des Verkehrsmonopols stunden und ohne grosse Sorgen in die Welt hinausfahren konntea Es ist ohne weiteres zuzugeben, dass das schnellere und gewandtere Automobil die Bahn aus ihrem behaglichen Dasein herausgerissen hat. Zudem hat sich auf allen wirtschaftlichen Gebieten das Tempo der Zeit derart stark vergrössert, dass auch die Bahnen der Frage der schnelleren Beförderungsart nähertrete^ müssen. Nicht von ungefähr kommen deshalb die Versuche mit sog. Schnellbahnen, die kürzlich zwischen «Typ Evelin» Autosportroman von Karl Schmidl. (3. Fortsetzung) Inhalt des bisher erschienenen Teils. Die Maurus-Automobilwerke werden von Jhtem schärfsten Konkurrenten, dem Sinnisfaere- Werk in Stockholm, durch geheimnisvolle Spione ausgeforscht, die alle neuen Ideen der Konstrukteure von Maurus verraten. Wieder beschäftigt der Diebstahl einer Erfindung die Direktion der Maurus-Werke, als der Chefkonstrukteur Soerner Enthüllungen von einer sensationellen neuen Erfindung macht, mit der er Sinnisfaere endgültig zu schlagen hofft. "In diesen Tagen, da man auf die Sensation 'der Maufus-Werke wartet, wird der abends spät heimkehrende Geiger Frank Hörn vor den Mauruswerken unfreiwilliger Zeuge eines seltsamen Vorfalls. Am Morgen findet man den Chefingenieur Soerner tot in seinem Bureaustuhl. Er wurde das Opfer eines verbrecherischen Anschlages. «Von Reuter!» stellte der eine sich vor; der Arzt erkannte in ihm den Chef der Mordabteilung des Polizeipräsidiums, «hier Kommissar Friedstedt. Nun w-ie liegt die Sache, Herr Doktor? Schlaganfall oder ....» Der Arzt schüttelte den Kopf. «Ich vermute sehr, dass Sie hier mehr am Platze 1 sind als ich, Herr Präsident. Die Anzeichen des Schlaganfalls sind in keiner Weise vorhanden. Der Tod ist durch äussere Einwirkung und soviel ich in oberflächlicher Untersuchung feststellen konnte, durch ein augenblicklich wirkendes Gift hervorgerufen worden, das eine Lähmung des Gesamtorganismus bewirkte. Eine genaue chemische Untersuchung kann allein Klarheit schaffen und ich bitte Sie, derselben sehr viel Aufmerksamkeit zu widmen, da diese Gifte sehr selten sind und Sie sicher auf eine Spur hinführen.» «Ich danke Ihnen, Herr Doktor. Wir wollen einmal das Zimmer untersuchen.». Hamburg und Berlin stattgefunden haben und wobei eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 170 km und die Höchstgeschwindigkeit von 230 km pro Stunde erreicht wurde. Im Mittelpunkt der Interessen stehen gegenwärtig Propellerwagen, d. h. Eisenbahnwagen, welche durch Luftschrauben angetrieben werden. Ob allerdings diese Versuche zu einem positiven Ergebnis führen, dürfte, unserer Ansicht nach, wenigstens für die Schweiz sehr zweifelhaft sein. Bereits hat sich auch das S. B. B.-Nachrichtenblatt in einem Aufsatz mit dieser Frage beschäftigt. Die sog, Schnellbahnen müssen versuchen, den Bau leichter Fahrzeuge zu fördern. Dass damit, ganz abgesehen von den erhöhten Fahrgeschwindigkeiten, die Unfallmöglichkeit gewaltig gesteigert wird, ist begreflich. Zudem besitzen wir in unserem Lande nicht diejenigen geraden Strecken, um an die Einführung solcher Schnellbahnen überhaupt denken zu können. Wir glauben deshalb, dass für unsere Schweiz. Bundesbahnen das Problem der Schnellbahn noch nicht besonders aktuell oder dringend sein wird, sie haben noch andere Nöte und Kümmernisse genug, die einer Lösung harren. Die Fragen, die sie in allererster Linie beschäftigen müssen, sind in den gegenwärtigen Zeitläufen gewiss mehr wirtschaftlicher Natur, wenn auch der technische Ausbau und die Vervollkommnung im technischen Betriebe gar nie aus den Augen gelassen werden darf. Da jedoch die Bundesbahnen keinen Eigenzweck verfolgen und nicht als Staat im Staate aufzufassen sind, sondern im Dienste unserer Volkswirtschaft stehen, haben sie sich auch nach deren Bedürfnissen zu richten. Ganz besonders wäre unserem Wirtschaftsleben mit einem allgemeinen Taxabbau mehr als gedient. Wir wissen, dass dies leichter geschrieben als ausgeführt werden kann. Infolge der zunehmenden Konkurrenz schweizerischen Handels und schweizerischer Industrie, nicht zuletzt auch infolge der gewaltig sich türmenden Zollmauern, sind letztere je länger je mehr auf billigen Transport angewiesen. Nicht von ungefähr erklären sich heute sowohl die Alkoholverwaltung als auch andere eidgenössische Instanzen bereit, entweder die Fracht landwirtschaftlicher Produkte teilweise oder sogar ganz zu übernehmen. Dieses Entgegenkommen ist jedenfalls den landwirtschaftlichen Exportbedürfnissen förderlich, im Grunde genommen aber doch als unnatürlich zu bezeichnen. Die Bundesbahnen sollten von sich aus den Bedürfnissen der exportierenden Industrien entgegenkommen können. Eine andere Gefahr mapht' sich geltend. Es ist diejenige des Ümfahrenwerden unseres Landes, das noch vor wenigen Jahren als eigentliches Durchgangsland bezeichnet werden konnte. Der Durchgangsverkehr sicherte sowohl der Eidgenossenschaft als den Bahnen gewaltige Einnahmen. ... Diese sind heute bereits teilweise verloren oder in Frage gestellt. Was es für uns heissen würde, den Durchgangsverkehr gänzlich zu verlieren, dürfte wohl jedem Eingeweihten klar sein. Man vergesse jedoch nicht, dass die Grenzverhältnisse nach dem Kriege andere geworden sind und sich zuungunsten der Schweiz verschoben haben. Daneben tauchen immer wieder andere Sorgen auf. Das Gespenst des Todes sitzt noch an jedem Niveau-Uebergang. Erst vor Friedstedt nickte stumm. Die beiden begannen Fussboden, Wände, Möbel und Fenster einer genauen Untersuchung zu unterziehen. Der Präsident lächelte. «Herr Doktor, täuschen Sie sich nicht?» «Ich glaube nein!» erwiderte der Gefragte erstaunt. «Hm ....'! Herr Kommissar, was meinen Sie dazu?» Friedstedt schüttelte den Kopf. «Vorläufig bin ich gezwungen, den Glauben an einen gewaltsamen Tod zurückzuweisen. Man sollte doch ein paar Fingerabdrücke finden. Auch sonst zeigt das Zimmer eine Ordnung, die sicherlich einen Kampf ausschliessen dürfte. Herr Sealson, Ihnen ist doch wohl der sonstige Zustand des Zimmers bekannt. Finden Sie eine auffällige Abweichung?» «Nein, nicht das geringste! Ich habe mir auch schon Gedanken darüber gemacht. Ob Sie sich nicht doch getäuscht haben, Herr Doktor?» «Ich sage Ihnen, ich habe mich nicht getäuscht. Ich glaube doch, dass mein ärztlicher Ruf Ihnen sagen sollte, dass ich imstande bin, festzustellen, ob Schlaganfall vorliegt. Aber Sie können auch einen zweiten Arzt beiziehen,» antwortete der Arzt unwillig. «Lassen Sie die Leiche untersuchen, statt lange herumzuraten und Sie werden vielleicht meine Vermutung bestätigt finden!» «Gut! Herr Kommissar, telephonieren Sie, dass die Leiche abgeholt werden soll. Dann werden wir die Anwesenden vernehmen müssen.» Alle verliessen den Raum. Ohne auf Dr. Maurus Reden zu achten, fragte von Reuter: «Herr Maurus, können Sie uns für eine Stunde ein Zimmer für die notwendigen Vernehmungen zur Verfügung stellen?». wenigen Tagen ist die Kunde vom Unglück bei Bussigny durchs Land gedrungen. Die Schuld am grässlichen Unglück trifft die offene Barriere. Sie wird den Bundesbahnen wohl Tausende von Franken kosten. Nun wissen wir sehr wohl, dass letztere bereits Millionen von Franken für die Beseitigung gefährlicher Niveau-Uebergänge ausgegeben haben und dass ihnen infolge ihrer gespannten Finanzlage und der hohen Personalausgaben ein Mehr beinahe nicht möglich ist. Damit dürfen wir uns aber nicht einfach abfinden. Dringende Abhilfe tut not. Da, wie betont, die Bundesbahnen nicht über die notwendigen Kapitalien verfügen, um die noch vielen bestehenden, gefährlichen Niveau-Uebergänge kurzfristig zu beseitigen, so muss nach andern Ftnanzquellen Umschau gehalten werden. Ein Weg wäre sicher gangbar mit Hilfe des Bundes und der Kantone, event. auch der Gemeinden. Wir haben schon wiederholt über das Arbeitslosenproblem geschrieben. Heute sehen sich sowohl Bund als Kantone genötigt, eminente Summen für die Arbeitslosenfürsorge aufzuwenden. Noch wissen wir nicht, wie weit die Hilfsmassnahmen gehen müssen, haben wir es doch nicht mit einer vorübergehenden Krise, sondern mit einer Wirtschaftsumstellung zu tun. Dazu wird es längere Zeit benötigen. Die Beseitigung der Niveau-Uebergänge böte einen Ausweg aus dem Dilemma und bedeutete eine willkommene auf lange Sicht. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 CU. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctfc Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Arbeitsbeschaffung Mit der Arbeitslosenfürsorge kann es doch auf die Länge nicht getan sein. Wir hoffen, dass sowohl Politiker als Wirtschafter mit dieser Auffassung einig gehen werden. Aber auch die Einführung neuer Industrien dürfte auf grosse Schwierigkeiten stossen. Eine Umstellung in der Arbeit ist erstes Gebot. Man ist nie alt genug, um neues zu lernen. Wir wissen sehT wohl, dass eine Arbeitsumstellung schneller gefordert als durchgeführt ist. und dass es auch da eine gewisse Zeit brauchen wird, um uns die notwendigen schweizerischen Arbeitskräfte zu sichern. Niemand wird uns aber die Behauptung abstreiten wollen, dass es doch gewiss wirtschaftlicher «Gerne, Herr Präsident!» «Und Friedstedt, Sie telephonieren sofort und rufen den Schreiber herauf.» Als erster machte Dr. Maurus seine Aussagen. Er konnte nicht mehr mitteilen, als dass ihn Sealson etwa um 7 Uhr telephonsich anrief und ihm das Schreckliche mitteilte. Auf die Frage, ob Sealsons Stimme erregt oder irgendwie ungewöhnlich geklungen habe, meinte er: «Nein, er sprach ruhig, sehr ruhig, wie er immer spricht, ganz in seiner sachlichen, englischen Art.» «Haben Sie an Sealsons Charakter Fehler irgendwelcher Art beobachtet oder hatte er mit Dr. Soerner einmal tiefergehende Meinungsverschiedenheiten?» «Lassen Sie diesen Verdacht fallen. Sealson ist einer meiner Besten. Ich schenke ihm viel Vertrauen, er arbeitet an meiner neuen Maschine, weil Soerner es so wollte. Solche Arbeiten übertrug Soerner nur ganz guten und verlässigen Leuten, und dass die beiden hier zusammenarbeiteten mag Ihnen ein Beweis dafür sein, dass sie sich gut verstanden. Soerner duldete nur die besten Charaktere um sich.» «Selbst der beste Menschenkenner täuscht sich manchmal, Herr Maurus. Doch wir fragen nicht, um Herrn Sealson in Verdacht zu bringen, sondern um seine Person aus der Verdachtssphäre, die bei einer solchen Sache nun einmal immer vorhanden ist, zu entfernen. Je mehr es uns gelingt diesen Kreis zu verkleinern, desto mehr nähern wir uns dem Ziele.» «Gestatten Sie, Herr Präsident?» wandte sich Friedstedt an seinen Chef, «ich möchte eine Frage an Herrn Maurus richten.» «Bitte!» «Herr Maurus, Sie sprachen etwas von einem neuen Wagen. Das bringt mich auf einen Unsinn bedeutet, Tausende fremder Arbeitskräfte in unser Land einzuführen, um auf der andern Seite mit Millionen Franken Tausende Schweizer Arbeiter durch Arbeitslosenspenden über Wasser zu halten. Wir betonen noch einmal, dass eine systematische Beseitigung der noch vielen gefährlichen Niveau-Uebergänge Arbeit auf lange Sicht böte, die jedenfalls ihre guten Früchte in einer weitern Behebung unseres Verkehrs zeitigen müsste. Die Generaldirektion der Schweizerischen Bundesbahnen könnte sich ein grosses Verdienst erwerben, wenn sie mit aller Grundsätzlichkeit an die Lösung dieser Frage herantreten würde. Es könnte bezüglich der Finanzierung dieser aconto-Arbeitslosenunterstützung gehenden Bauten allen Ernstes auch die Möglichkeit ventiliert werden, ob dazu nicht die Einnahmen aus dem Benzinzoll zu verwenden wären, soweit sie nicht durch den an die Kantone abgehenden Benzinzollviertel schon gebunden sind. England zahlt von staateswegen bis zu 50% der Baukosten von Unteroder Ueberführungen zum Zwecke der Vermeidung eines Niveauüberganges. Die Mittel stammen aus dem Strassenfonds, der aus den Motorfahrzeugsteuern gespiesen wird. Frankreich stellt im Rahmen seines ausserordentlichen Strassenbudgets mehrere hundert Millionen Franken ZUT ^Verbreiterung der Routes nationales und zur Beseitigung von gegen zweihundert Niveauübergängen zur Verfügung. Warum soll ausgerechnet in der Schweiz nichts geschehen, warum sollen wir uns als Reiseland allein mit dem Schnekkentempo begnügen, in welchem die Bahnen selbst die gefährlichen Niveaukreuzungen beseitigen können? Wir können nur das Reiseland par excellence bleiben, wenn wir mit unseren Massnahmen zur Sicherheit und Bequemlichkeit des Reisens nicht hinter den Anstrengungen unserer Nachbarn zurückbleiben. Kommt noch das Problem der Arbeitslosen und die fast periodische Kunde von Unfällen an Uebergängen hinzu, so dass man wahrlich glauben sollte, dass nun das Mass voll wäre und man endlich kräftig zugreifen würde! • Gedanken. Hatten Sie nicht seinerzeit einen Prozess mit einer Konkurrenzfirma wegen unberechtigter Aneignung einer Ihrer technischen Neuerungen? Sie verloren diesen Prozess, soviel ich weiss, weil Ihr Gegner nachweisen konnte, dass er die strittige Erfindung schon selbständig vor Ihnen gefunden hatte. War es nicht Sinnisfaere in Stockholm?» «Ja,» antwortete Maurus, «Sinnisfaere....» Er hatte den Namen leise, sinnend vor sich hingesprochen. Dann plötzlich brach es aus ihm hervor: «Sinnisfaere hat ihn umgebracht!» Friedstedt lächelte. «So schnell zu urteilen ist uns nicht gestattet, Herr Maurus. Doch wollen Sie mir sagen, was Sie zu dieser Vermutung veranlasst!» «Soerner hat eine Erfindung gemacht, mit der er unsern neuen Wagen ausstatten wollte. Gestern noch hat er davon zu mir gesprochen, doch Genaues wollte er erst dann mitteilen, wenn er mit den Plänen fertig war. Wahrscheinlich hat er die Nacht durchgearbeitet. Er tat das manchmal. Dabei hat ihn Sinnisfaeres Spion überrascht und ermordet. Aber diesmal bringe ich Sinnisfaere ins Zuchthaus — die beiden Erfindungen gestohlen, das ist zu arg!» «Weshalb vermuten Sie, dass Sinnisfaere Ihnen einen Spion in Ihr Werk gesetzt hat?» fragte von Reuter. «Weil uns alles, was wir neu konstruieren, als Projekt schon gestohlen wird. Dieser Sinnisfaere ist ein Dieb, ein ein Mörder!» «Hm,» brummte Friedstedt, «schauen wir doch mal erst nach, ob diese neue Erfindung auch wirklich nicht mehr da ist!» Die Vernehmung wurde ausgesetzt, und man begab sich wieder in das Konstruktions-