Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1931_Zeitung_Nr.068

E_1931_Zeitung_Nr.068

Strasse, schwanken

Strasse, schwanken feierlich gross und verzerrt und ängstigend über Baum und Haus und Hofstatt Tausend wirre und verwirrende Geräusche, nah und fern, hier und dort und überall. Klänge, Töne, verhallende Schritte hinter Hecken, Worte, unsichtbar Der folgende Auszug ist dem neuen Buche . des deutschen Dichters Joachim Ringelnatz «Mein ' Leben bis zum Kriege» entnommen, das in unübertrefflicher Weise über die Entwicklung einer der eigenartigsten und sympathischsten Dichtergestalten unserer Zeit berichtet. Der Ausschnitt berichtet von einer der vielen Irrfahrten von Ringelnatz als Matrose. (Siehe Biichertisch in dieser Nummer.) I Am 30. Dezember 1901 musterte ich in Bremen auf der «Florida» an. Das war ein Frachtdampfer aus Lussinpiccolo, der auf wilde Fahrt ging. Fünfundzwanzig Mann Besatzung, .dabei einundzwanzig Nationen vertreten, in der Mehrzahl italienisch sprechende. Ich erhielt eine höchst geringe Monatsheuer. Dies Geld wurde, wie das auf allen Schiffen Brauch war, nach Beendigung der Reise ausbezahlt, aber in den Zwischenhäfen gab man auf Wunsch kleinere Vorschüsse. I Vor allen Dingen ass ich mich nun erst wieder einmal zu Kräften. Der Kapitän hiess Nacari. Er hatte eine rauhe Stimme und trug sich malerisch und bunt. Mit mir und einem Amerikaner sprach er englisch. Mit den anderen Leuten italienisch. Wir holten in England Kohlen, die wir nach Venedig brachten. Unterwegs hatten wir schlimme See. Ich half erst in der Küche, ehe ich Decksmann wurde. Dann musste ich für einen erkrankten Trimmer einspringen und in der Hitze des Maschinenraumes vor sechs Feuern Kohlen schaufeln. Stieg ich dann an Deck, so empfing mich eine abscheuliche Kälte. Es war auch in Venedig kalt und regnete Viel. Aber die Stadt gab mir doch seltsame Eindrücke. Von Bordkameraden geführt, die dort heimisch waren, bekam ich eigentümliche Spelunken und ungewöhnliche Privatverhältnisse zu sehen und erlebte allerlei. Auf -der Strasse feierte man Karneval. Nacaris Frau kam mit einem zehnjäh- - ragen Töchterchen an Bord. Das wunderhübsche Kind liess sich immer wieder deutsche Lieder von mir singen. Ich sammelte für mich und für die Geschwister Münzen, Metaillen, Briefmarken, Zigarettenbildchen und Zündholzschachteln. , Wir dampften nach Konstantinopel. — 'ich lernte bald so viel Italienisch, dass ich mich mit den anderen im Notwendigsten verständigen konnte. Es waren lebhafte, recht naive, aber nicht sehr saubere Burschen. Wenn sie sich mittags Brot in die Suppe brockten, dann taten sie's nicht mit der Hand, sondern sie bissen die Stücke mit den Zähnen ab und spuckten sie in die Teller. Sie konnten sehr jähzornig werden. Ich hatte leidenschaftliche Schlägereien mit einem Mann aus Kalabrien. Leider waren unehrliche Leute an Bord. Ich wurde bestohlen. Von Konstantinopel fuhren wir nach Nikolajew am Schwarzen Meer. Das war eine kalte Fahrt. Grosse Eisschollen trieben im Meer. Ich las in der Freizeit Mark Twains Skizzen und die drei Musketiere von Dumas. In Nikolajew drang viel deutsche Sprache an mein Ohr. Deutsche Händler und Handwerker kamen an Bord, Schuster und Schneider, viel Juden und ein von uns gierig beglotztes Wäschemädchen. Alle Hessen sich von uns Kaffee und Schiffszwieback vorsetzen. Dann erschienen Zollbeamte und ein Arzt. Die durchsuchten und untersuchten uns. Ich fand die wohlgeschriebenen, exakten und herzlichen Briefe von Vater vor, die schon durch ihren grellroten Umschlag hervorstachen, die winzig dünn geschriebenen, besorgten von Mutter, die überzär*lichen von Ottilie und die burschikosen Glückauf-Karten von Wolf gang. Mein Schulfreund Tausig teilte mir mit, dass er nach' Westafrika führe. Ich zog über Nacht mehrere Hemden an, "weil ich sehr fror. Morgens war ich froh, wenn- Luca, der Boy, den Kaffee brachte, und war wenig erbaut; wenn uns gleich danach der einäugige Bootsmann zur Arbeit holte. Wir mussten das Eis loshacken, mit dem das Schiff bedeckt war, mussten Schnee fegen, Messing putzen, die Ruderketten reparieren und all das in bitterer Kälte und in einem Gewühl von hundert russischen Schauerleuten. Es trieb sich viel Gesindel herum. Obwohl wir gewarnt waren und sofort Posten ausgestellt hatten, stahl man uns? gleich nach unserer Ankunft am lichten Tago die einer ganzen Bull- Messingeinfassungen augenfront. gesprochen, zu unsichtbarem Ziel heiss gedrängt. Blumen vor allen Fenstern verwehend. Ruhiges Atmen und sanfter Schlaf. Rieselndes Scheinen der Sterne, zart durch die Finsternis leuchtend, flüsternd: Gute Nacht, gute Nacht! E.W. Als Matrose auf der „Florida Von Joachim Rmgelnats. Korn luden wir. Zwei eiserne Rohre spien es aus grossen Speichern in den Schiffsbauch, wo Stauer und Stauerinnen es mit Holzschaufeln verteilten und glattstrichen. Wir Matrosen breiteten Säcke darüber und nähten diese zusammen. Dabei wateten wir in Korn wie in einem Teich. Mittags buono appetito und recht gutes Essen: Unzerkleinerte Bratkartoffeln, ich glaube patati arrosti genannt, — Maccaroni — Polenta oder Parmesankäse mit Zimt. Wir arbeiteten wieder bis sechs Uhr. Dann wuschen wir uns, zogen uns fesch oder akkurat an und stürmten an Land. Mit meinem intimsten Kameraden, dem Amerikaner, unternahm ich eine lustige Wagenfahrt, die nur einen "Bubel kostete. Wir wollten den zerlumpten Kutscher verhauen, weil er uns um zehn Kopeken betrog. Aber sein einfältiges Gesicht rührte uns zu sehr. Am liebsten wäre ich immer allein ausgegangen. Da aber meine Vorschüsse nicht ausreichten, schloss ich mich fremden Kapitänen und Steuerleuten an, die ich kennengelernt hatte. Sie duldeten mich gern, weil ich gebildeter und frecher als die meisten Matrosen war. Diese Herren liessen viel Geld springen. Auch Odessa liefen wir an, um Maiskörner einzunehmen. Dann passierten wir Konstantinopel und die Dardanellen an einem herrlich blauen Ostersonntag und kamen nach Algier. Zehn pompöse englische Kriegsschiffe sichteten wir. Sie hatten Richtung nach Gibraltar und kamen vielleicht mit Kriegsverwundeten von Transvaal. In Algier stellte sich ein langer, zerlumpter Oesterreicher ein. Er sei von der Fremdenlegion desertiert und wolle sich gern nach Europa zurückarbeiten. Kapitän Nacari jagte ihn rauh von Bord. Als wir dann später den Hafen verliessen und. schön auf offener See dampften, entdeckten •wir den Oesterreicher an Bord. Er hatte sich bis an den Hals in die Kohlen eingegraben, • • Was geschieht, wenn der Führer eines !n voller Geschwindigkeit fahrenden Automobils ein Hindernis auf der Strasse erblickt? Nur wenn man sich diese Frage klar zu beantworten sucht, erkennt man die gewaltigen Gefahren, die das Autofahren iri sich birgt. Ein englischer Physiologe beschreibt die Vorgänge, die sich beim Fahrer abspielen, wie folgt: Zunächst bildet sich auf der Netzhaut ein Bild des vor dem Auto auftauchenden Hindernisses. Der Sehnerv überträgt das Bild in die oberen Gehirnzentren, wo auf Grund der Meldung ein Beschluss gefasst wird. Dieser wird den motorischen Zentren übermittelt, die mit Hilfe der Nerven auf die Muskeln des Führers einwirken und die zweckmässigen Bewegungen auslösen. In einem normalen Körper werden alle diese Vorgänge in einer Fünftelsekunde vollzogen. Diese kleine Zeitspanne wird die «Reaktionszeit» genannt. Nun sind wissenschaftliche Experimente gemacht worden, um festzustellen, wie die verschiedenen Reizund Betäubungsmittel auf die Länge der AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N° 68 dass nur sein Kopf herausragte, was sehr unheimlich aussah. Mehrere Tage hatte er hungernd in dieser Lage zugebracht. Der Kapitän fluchte. Wir sollten dem blinden Passagier nichts zu essen geben. Er müsste «totgeschlagen und dann noch aufgehängt werden». Das war so Nacaris Stil. Natürlich fütterten wir den Oesterreicher heimlich doch. Dagegen gaben es die Italiener nicht zu, dass er unser Logis betrat. Er musste auf einem Brett im Kohlenbunker schlafen. Mit der Zeit wurde Nacari etwas weicher und erlaubte dem «Hundesohn von Schwein» mitzuarbeiten. Der lange Deserteur setzte sich also zu uns auf das heisse Eisendeck und sollte wie wir durch wuchtige Hammerschläge den Rost von den Planken klopfen. Dabei stellte sich heraus, dass er ein ganz fauler Bursche war. Er holte zwei-, dreimal mit dem Hammer aus, dann liess er ihn sinken und schlief ein. Vielleicht war er noch erschöpft yßn langen Entbehrungen und Strapazen. Wir fuhren durch den Kanal nach Hamburg, wo wir am 17. August 1902 eintrafen. Ich hatte mich so daran gewöhnt, italienisch oder englisch zu reden, dass ich in kurze Verlegenheit geriet, als mich der Hamburger Lotse deutsch ansprach. Ich konnte ihm die ersten Fragen nur stockend beantworten. Die Polizei erschien und nahm den Oesterreicher aus mir unbekannten Gründen in Gewahrsam. Ich hatte mich an Bord wohlgetühlt. Dennoch gab ich die Stellung dort auf und beschönigte diesen Leichtsinn mit der nicht ganz unrichtigen Erklärung, dass mir Dampferfahrten für meine Karriere wenig nützten, dass ich vielmehr Seglerfahrzeit brauchte. Aus Briefen und anderen Papieren ersehe ich, dass man mir 35 Mark und 20 Pfennige auszahlte, mir ein gutes Zeugnis gab und dass ich an Land hintereinander zwei Beafsteaks, eine Bouillon, vier Semmeln, Wurst, einen Eierkuchen und Feigen verspeiste. Ein besseres Hotelzimmer vertauschte ich bald mit der gewohnten Pension bei Krahl. Wieder ging ich auf die Suche nach einem Schiff. Der Araber und der Amerikaner schlössen sich mir an; sie hatten ebenfalls die «Florida> verlassen. Wir mieteten ein Ruderboot und fuhren im Hafen von Segler zu Segler. Denn nur ein Segelschiff sollte es sein und womöglich ein ausländisches. Ich suchte deshalb auch abends solche Lokale auf, wo Ausländer verkehrten. Es gab einige, wo speziell Engländer und Amerika- Reaktionszeit einwirken. Dabei erwies es sich, dass eine Dosis Alkohol, die 1 y z dl Whisky entspricht, die Reaktionszeit verdoppelt und verdreifacht. Aber nicht nur der Alkohol ist für den Automobilisten sehr gefährlich, sondern auch der Kaffee und Tee, wegen des darin enthaltenen Coffeins, denn diese Droge ruft ähnliche nervöse Störungen hervor. Das bedeutet, dass nach dem Genuss von wenigen Gläsern Wein, resp. Tassen Kaffee, der Autoführer zwei oder gar drei Fünftelsekunden brauchen kann — statt einer — um gegen die drohende Gefahr zu reagieren. Bei einer als massig zu bezeichnenden Geschwindigkeit von 35 km legt aber ein Auto in zwei Fünftelsekunden mehr als 3,8 m zurück. Sehr oft Ist das Hindernis erst auf 3 bis 4 Wagen längen zu erkennen, besonders in Kurven oder Strassenkreuzungen. Wenn nun der Autoführer unter der Wirkung eines guten Trunks auch nur eine Wagenlänge verloren hat, kann der winzige Zeitverlust — die Fünftelsekunde — das Leben kosten I Immer mit Ruhe und Kaffee Hag! ner gingen. Es gab italienische und skandinavische Kneipen. Auf dem Scharmarkt war ein Negerlokal, wo sich Schwarze, Mulatten, Kreolen und andere Farbige trafen. Der Wirt hiess Jim Java und war ein Liberia-Neger. Nach der Sitte seiner Heimat trug er über Stirn und Nasenrücken einen blauen, eingebrannten Streifen. Es ging wüst in seiner Kneipe zu. Man tanzte Step und Machiche und brüllte Lieder aller Sprachen. Einmal sass ich dort mittags mit einem in Lumpen eingehüllten Neger, der mich um einen Penny anbettelte. Ein wohlgekleideter Amerikaner kam an unseren Tisch. Der schenkte dem Neger ein englisches Pfund. Der Neger verschwand grinsend, kam nach einer Weile strahlend zurück. Was hatte er sich für das Pfund gekauft? Allermodernste weisse Schuhe. — Ich war selbst recht abgerissen. Mein teer-r beflecktes Monkey-Jackett konnte ich an Land nicht mehr tragen. Meinem Gehrock war ich zu breit geworden. Und was ein schlechter Schneider aus meines langen Vaters abgelegten Kleidern schuf, das sass schlecht und verbrauchte sich rasch. Auf Drängen wohlmeinender Leute kaufte ich mir einen neuen Anzug. Täglich besuchte ich Kerner und Persson und Mapurko und Bade und Tomsen und wie die Heuer-Agenturen alle Messen, ging zu Reedereien, zum Shipping-office und zum Seemannshaus. Alles erfolglos. Bunte Chronik Mit Flugzeug und Elektrizität gegen Heuschrecken. Milliarden von Heuschrecken verwüsten jetzt die Ernte in fünf Weststaaten der nordamerikanischen Union, in Minnesota, Nebraska, Jowa, sowie Nord- und Süd- Dakota. Das heisse, trockene Wetter hat das ausserordentliche Anwachsen dieser Plage begünstigt; die Insekten sind zu ungewöhnlicher Grosse angewachsen und entfallen einen furchtbaren Appetit. Die Farmer führen daher einen verzweifelten Kampf gegen die Heuschrecken, ohne aber die völlige Vernichtung ihrer Ernten verhindern zu können. In vielen Gegenden sind die Felder in eine tote Wüste verwandelt und die Obstgärten leergefressen; selbst auf Loder und Leinwand stürzen sich die Tiere. Im Volke ist der Glaube verbreitet, dass Truthühner gefährliche Feinde der Heuschrecken sind, aber wenn man auf den Ge- , flügolfarmen die Tiere gegen die feindlichen Heerscharen losliess, so soll es vorgekommen sein, dass ihnen von den riesigen Insekten sämtliche Federn ausgerupft wurden. Flugzeuge werfen grosse Mengen Gift, auf das Gewimmel hernieder, und Haufen von toten Heuschrecken werden in weithin lodernden Feuern verbrannt. Aber die Vernichtung von Millionen nützt nichts, sondern die Massen wandern unaufhaltsam ostwärts, Verwüstung hinter sich lassend. In einigen Staaten haben die Landwirte grosse metallene Gestelle errichtet, die elektrisch geladen sind; in ihnen fangen sich die Insekten und werden durch den Strom getötet. Man hat die Hoffnung, etwas von der Ernte retten zu können, in den heimgesuchten Staaten aufgegeben und versucht nur noch, die Pest von andern Staaten abzuwehren. Ein Denkmal für den ersten Film. Der erste Film, der überhaupt jemals vorgeführt worden ist, wurde in einer kleinen Villa von La Ciotat in Südfrankreich gezeigt. Dort besassen die Brüder Lumiere ihren Sommersitz und zeigten ihre neue Erfindung zum erstenmal einem ausgewählten Kreise. Man bekam in diesem Film Arbeiter zu sehen, die aus einer Schiffswerft herauskamen. Um dieses denkwürdige Ereignis im Gedächtnis zu erhalten, hat man jetzt beschlossen, ein Denkmal vor dem Rathaus von La Ciotat zu errichten, und ein Komitee ist gebildet worden, um die nötigen Summen aufzubringen. Die Insel aus Stahl. Da die Spielbank von Monte Carlo in diesen Zeiten der wirtschaftlichen Krise offenbar ihren Reiz verliert, hat das geschäftstüchtige Fürstentum eine andere Attraktion ausgedacht. Seit einigen Tagen besitzt Monte Carlo eine künstliche Insel und auf dieser Insel ein — Freilufttheater. Etwa hundert Meter von der Küste Monte Carlos entfernt, erhebt sich diese neue Insel. Sie besteht aus 18 000 Kilogramm Stahl. Ihre Oberfläche beträgt zwölf mal 18 Meter. Ein gigantischer Kran hob diese Stahllast und setzte sie, wie die Plombe auf einen hohlen Zahn, dem Felsen auf dem Meeresgrund auf, der die solide Unterlage bildet. Dieses künstliche Stück Land soll fortan die, Rolle einer Märcheninsel spielen. Leuchtende Wasserspiele und Feuertänze haben die Kur- und Spielbankgäste zu entzücken. Das Merkwürdigste an dieser Insel aber ist, dass sie jederzeit von dem Felsen wieder ab genommen und anderswohin transportierl werden kann.

NO 68 - 1931 AUTOMOBIL-REVUE 19 CD CG EP Alle unsere Handlungen, unsere Stellungnahme zu den Dingen verraten viel mehr über unsere Person als wir gemeinhin annehmen. Und so ist auch .unser Verhältnis zur Mode, unsere Art, mit Kleidern umzugehen, wohl recht aufschlussreich. Die einen Frauen «bekleiden sich», die andern «ziehen sich an». Kleidung als Schutz des Körpers vor Kälte und Sonne ist die primitivste Bestimmung. Darüber hinaus über diese blosse praktische Forderung geht das Verlangen nach Schmuck, nach schöner Erscheinung. Aesthetische Befriedigung von uns selbst, wie für unsere Umgebung fliesst zusammen mit der Absicht, unsere Persönlichkeit durch das Kleid anziehend zu machen. Die Kleidung wirkt gleichsam als Rahmen, der unsere Vorzüge hebt; die Toilette sagt manches über uns aus, verrät unsern Geschmack, unser Bestreben, etwas vorzustellen und manchmal auch, etwas zu scheinen, was wir — nicht sind. Sich anziehen, heisst zu wählen verstehen. Wählen, den Effekt der Toilette voraussehen. Selbstkritik dient als unerlässliche Grundlage jeder gelungenen Toilette. Sie geht zusammen mit jener Kunst des Auslassens, des Verzichts, die ja auch der Künstler üben muss. Nur das Passende soll herausgegriffen werden. Und die Frauen dürfen hier nicht wie begehrliche Kinder sein, die nach jeder Blume, jeder glänzenden Kleinigkeit greifen ohne zu fragen, wohin damit. Mode verträgt keine Laune, sondern ruhiges Denken, und will keine Hast, vielmehr braucht sie Vertiefung in ihre Vielgestaltigkeit. Unsere Kleidung verrät Sinn für Farbe und Kenntnis der Stoffe, Gefühl für Proportion und Gesamtform, Verständnis für Zweckmässigkeit. Die mehr spielerische Natur, wie die sachliche drückt sich in der Kleidung aus, wie die nachlässige oder aufmerksame. Phantasie und Raffinement werden ebenso betont wie primitves Wesen und seelische Armut. Es zeigt sich aber auch die Tendenz zur Verschwendung wie der bei Frauen oft entwickelte kleinliche Geist. Und namentlich eines kündet die Mode an: Stilgefühl in den verschiedenen Phasen der Toilette, die uns das Tagesprogramm vorzeichnet und die wir auszuwerten haben. Und darin, wie im Verhältnis von Toilette nnd Accessoires künden sich Grade von Kultiviertheit oder Unsicherheit des Geschmacks deutlich an. Für das Stilleben des Malers kann eine Toilette aufgebaut sein und dadurch ein merkwürdiges Gleichgewicht erzielen, das «JOBOB SEB7C OQZ^ Was die Mode verrät Eine Neuheit, die Sie interessiert: auf uns beruhigend, die Sicherheit steigernd, wirkt. Manche fühlen es nicht, dass sie Dinge nebeneinander tragen, die nicht zusammengehören, andere spüren wohl, dass in ihrer Toilette etwas nicht klappt und sind dadurch oft beinahe linkisch im Auftreten. An sich unsichere, unselbständige Naturen zeigen sich auch in Wahl und Ensemble ihrer Kleidung als unausgeglichen. Altmodisch einhergehende, oder das kleinlich konventionelle Suchende sind oft in ihrem Wesen kleinlich, vielleicht auch knickerig und engherzig. Auch jene Frauen, die ihre Kleider zu eng, ihre Hüte und Schuhe oder Handschuhe zu knapp und klein wählen, verraten damit ein Streben, etwas scheinen zu wollen, was sie nicht sind, sie zeigen damit eine Eigenschaft, die sich bei ihnen auch sonstwie auswirkt. So wird also auch das Verhältnis des Menschen zur Mode zum Spiegel der Seele. E. Seh. SchönheitnachBestellang Qlossen von Anja Trivas. Wenn es der Wunsch Heinrich IV. war, dass jeder Bauer allwöchentlich sein Huhn im Topf haben sollte, so ist der Wunsch jeder wirklich berufenen Schönheits-Fanatikerin, also jeder Leiterin eines modernen Schönheitssalons, dass jede Frau ihre latente Schönheit kultiviere. Denn, so predigen diese optimistischen Damen: alle Frauen sind schön! Sie müssen nur lernen, diese ihre Schönheit zur Geltung zu bringen. Früher sagte man, es gebe in Paris keine hässlichen Frauen, sondern lediglich Frauen, die nicht verstünden, gut auszusehen. Anno 1931 wird diese Ansicht über Pariserinnen von den weiblichen Schönheitsaposteln auf alle Frauen Europas übertragen. Standardisierung hat auch hier gesiegt! Schöne Frauenköpfe werden serienweise am laufenden Band hergestellt, ganz nach Wunsch der Kundin: «Aetherisch blass und schmal? bitte sehr!* »Rotbackig und vergnügt? gern!» , «Verträumt und sphinxähnlich? sofort, meine Gnädigste!» m »Welches Kleid ziehen Sie heute an?» erkundigte sich mein Schönheitsapostel, als ich mich vor einem grossen Ball ihren geheimen Künsten anvertraute. Ich wurde verlegen. «Ja ich weiss noch nicht... Ich habe es Wunden aller Art, (Brandwunden, Krampfadern, Beingeschwüre, Umlauf, Verletzungen eto.) werden rasch und sicher geheilt mit RESOPON (Sa be und Lösung) Erhältlich in den Apotheken Generaldepot: Adlerapotheke A. Hauser Gemeindest*. 3, Zürich 7. Preise: Tube 1.75 Büchse 3.—. Flasche 3.50. Resopon gehört in jede mir noch nicht überlegt... Das rote oder das schwarze !> «Das muss ich aber wissen!» entsetzte sich die Dame. «Bei Rot müssen Sie mir eine Farbprobe Ihres Kleides mitbringen, damit ich mich bei Ihrem Gesichtsrouge danach richten kann. Zu Schwarz hingegen werden jetzt nur blasse Gesichter getragen !> fügte sie belehrend hinzu. Nicht nur die Farbe des Kleides, auch die Tageszeit, zu der man sein Gesicht braucht, muss auf so einer Schönheits-Fabrik genau angegeben werden. Morgens: diskrete, gedeckte Farben. Sportliches Genre. Nachmittags: schon lebhafter; etwas Rouge wird aufgetragen, aber nur ein wenig, Im Ganzen sehr dezent. Abends: grelle Farben. Vergnügte, lebensfrohe Gesichter, zu den Kleidern passend. Ist ein dunkler Teint erwünscht, geht es rasch unter die Höhensonne! Interessante Blässe? — eine kleine Schälkur ist jeder Haut zuträglich! Selbst das Alter kann man sich aussuchen! Es gibt Cremes für alle Lebensstadien, von 20 bis 50. Für 30jährige, die eine 20erin markieren; für 40erinnen, die wie dreissig aussehen wollen; und falls eine reifere, repräsentative Figur gemacht werden muss: aus einer 20erin eine solide 40erin! Die neuen Schönheitsfanatikerinnen sind für Demokratisierung ! Schönheit soll allen Frauen zugänglich sein; auch auf diesem Gebiet muss es deswegen Konfektion geben! Aber begehrt von den Frauen sind doch immer die paar besonderen Quellen, die wenigen wirklich berufenen weiblichen Schönheitsapostel, die hinter die letzten Geheimnisse des Kultes der Frauenschönheit gedrungen sind. Und die Adresse eines guten Schönheitssalons wird jetzt von Frauen ebenso ungern verraten, wie die einer guten Schneiderin. » Als der Herzog von Sagan mit Abel Hermant zum Duell antrat, stöhnte der Herzog: «Ich werde mich nie mit diesem Mann versöhnen können ... ! Aber man nenne mir seinen Schneider !» „Männer, trägt Frauenröcke!" Ein neuer Prophet. Es ist der überraschende Vorschlag des englischen Graphikers Eric GilL Er ist als witziger Kopf bekannt. Aber diesmal beabsichtigt er kaum, einen Witz zu machen. Sondern es scheint ihm sehr ernst zu sein; denn er erhebt die Forderung in einem höchst ernsthaften Buch: «Kleider». Autoapotheke Die neue Mode Der Hosenrock wird modern! Ein elegantes Hosenrock-Ensemble für den Sport: Hosenrock und Weste aus weissem Leinen. Dazu eine Jacke aus zartblauem, -weissgepunktem Crepe-Satin. Ein grosser, aber sehr leichter Strohhut vervollständigt dieses aparte Sportensemble. «Der heftige Gegensatz zwischen dem jungen Mann und der jungen Dame auf der Strasse ist nicht nur absurd, sondern hat auch gefährliche Folgen», schreibt er. «Dadurch ist der Kampf der Geschlechter ent- FREUDIGE FERIEN haben Sie nur, wenn Sie die schönen Stunden mit Ihren Photos festhalten. Alle Postsendungen werden raschestens erledigt. Apparate, Platten, Filme, Kopieren, Vergrössern. Entwickeln, Looping-Purophon das Grammophon fOr Sport und Reise, das In jeder Lage, trotz starker Erschütterungen zuverlässig spielt and Jederzeit den natürlichen Ton stark und rein wiedergibt. Solide gründliche Schwelzerarbeit hat eine grosse Anzahl von Koffermodellen geschaffen, unter denen Sie gewlss eines finden werden, das Ihren besonderen Wünschen entspricht — und dabei nicht teuer zu stehen kommt. — „Lassen Sie sich den Looping-Purophon Im nächsten Musikhaus vorführen. Sie werden sicher sofort einen kaufen wollen." Sprechmaschinenfabrik PUROPHON - LOCARNO „SILBA" ; der vorteilhafteste, ' bewährte Kühlschrank kein Motor Kompressor daher dauernd geräuschlos Schweizerfabrikat in 3 Grossen für Haushaltung nnd Kleingewerbe hergestellt von Fabrik automat. Kühlapparate, BASEL. verlangen Sie Angebot. LAUSANNE SILBA A.G., Sohne, die rar Erlernung der französischen Sprache wob. Lausanne kommen, finden Aufnahme in guter Familie. Sohöne Villa mit grossem Garten. Sonnige, grosse Zimmer mit prachtvoller Aussicht. Schönes Familienleben in kultiviertem Milieu mit französischer Konversation. Gewissenhafte Beaufsichtigung. Sehr gute Verpflegung. Beste Referenzen von Eltern rar Verfügung. Villa Melrose, MornexS. Lausanne. C. VONWILLER, ZÜRICH 1 Mitgl. d. T.C.S. Photohaus, Bahnhofstr. 22, b. Paradeplatz Sichere Kapitalanlagen verschaffen wir dem anlagesuchenden Publikum. Auf Grund von Auskünften, die uns immer aus Originalquellen zur Verfügung stehen, bieten wir unsern Kunden die Gelegenheit, erstklassige Wertschriften in geschickter Risikoverteilung zur Kapitalanlage auszuwählen. Lassen Sie sich bitte von uns kostenlos beraten. SPAR- & LEIHKASSE IN BERN Einnehmereien: Bolligen, Bümpliz, Gümligen, Köniz, Muri, Niederscherti, Zollikofen.