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E_1931_Zeitung_Nr.069

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN. Freitag, 21. August 1931 s Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 69 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG ZentraSblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Honatllen „CMb* Urt«" Htrt>JIhrtlen Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoamehlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern sotern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Telephon Bollwerk S9.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Zum Werdegang des Automobilgesetzes Nach erfolgter Behandlung durch den Nationalrat führt der legislatorische Weg durch den Ständerat, dessen Kommission vom 28. Juli bis 1. August in St. Moritz tagend über das Ergebnis der Beratungen ein offizielles Bulletin erlassen hat. Eine endgültige Beschlussfassung wird erst in einer zweiten Zusammenkunft, die auf heute Freitag angesetzt ist, erfolgen, doch ist wohl mit fundamentalen Neuerungen um so weniger zu rechnen, als die durch die erste Sitzung abgeklärte Lage besonders Wichtiges nicht gebracht hat, indem die nationalrätliche Kommission, wie das Communique selbst betont, fast in allen wesentlichen Punkten den Beschlüssen des Nationalrates zustimmt. Wenn schon im Nationalrat Entscheidungen ersten und zweiten Ranges fielen, so begnügte sich die ständerätliche Kommission, ihre Astronomie auf Sterne zweiter und dritter Grosse zu konzentrieren. An sich soll dies durchaus keinen Vorwurf bedeuten, ist doch diese Resignation dazu angetan, das Gesetz vor weiterer Zersplitterung nach Möglichkeit zu bewahren. Unter den Abänderungen findet sich sub -«besonderer Führerausweis» die Vorschrift, dass der zur Ausführung von gewerblichen Personenfransporten rjjit schweren Motorwagen erforderliche Permis.nur an Personen erteilt werde, die das 22. Alters] ahr vollendet haben. Diese Vorschriftsmassregel, welche dem bundesrätlichen Entwürfe entspricht, wurde vom Nationalrat als überflüssig taxiert, mit dem Effekte, dass die Altersgrenze auf 20 Jahre herabgesetzt wurde. Ich wies damals («Automobil-Revue» Nr. 40) in meinem Artikel : «Im Zeichen des Kompromisses » darauf hin, dass gegen die Reduktion auf diese Altersstufe wohl nicht viel eingewandt werden könne, da unser Zivilgesetzbuch die Handlungsfähigkeit als solche an die Mündigkeit und Urteilsfähigkeit knüpft und die Mündigkeit unter dieser Voraussetzung mit der Vollendung des 20. Lebensjahires eintreten lässt. Ausserdem ist auch nicht zu übersehen, dass der wehrpflichtige Jüngling mit 20 Jahren zur Rekrutenschule einberufen wird, wo ihm, sofern er beim M.W.D. Von Rechtsanwalt Dr. G. Brennwald, Zürich. Dienst tut, der Staat ein Lastfahrzeug anvertraut. Wenn der junge Mann als Militärfahrer die nötige Qualifikation besitzt, dann soll ihm auch der Weg im Zivilleben im gleichen Alter offenstehen. Welterschütternd ist die Ansetzung der zweiundzwanzigj ährigen Altersstufe so wenig, wie der zwanzigjährigen, nur ein klein wenig inkonsequent. Nicht recht verständlich ist die Bestimmung, wonach der Führerausweis ausschliesslich durch die zuständige Verwaltungsbehörde des Wohnsitzkantons und nicht als Nebenstrafe durch den Richter entzogen werden kann. Gerade bei Delikten, welche wohl in stark überwiegender Mehrzahl die Voraussetzung des Entzuges sein werden, wird der erkennende Richter besser als die fernstehende Verwaltungsbehörde in der Lage sein, die Situation zu beherrschen. Eine Reduktion bedeutet der ständerätliche Antrag, dass das Gesamtgewicht eines beladenen Motorwagens 10,5 Tonnen nicht übersteigen darf, wobei aber der Bundesrat für Spezialwagen Ausnahmen bis zum Maximalgewicht von zwölf Tonnen zulassen kann. Wieso die Kommission gerade auf 10,5 Tonnen gelangte, an Stelle des im bundesrätlichen Entwürfe, Art. 23, vorgesehenen'Maii-, malgewichtes von zwölf Tonnen, wird vorläufig nicht verraten. Im übrigen fügt das Communique bei: «Die Verwendung von Anhängern soll nur gestattet sein, wenn das Gesamtgewicht von Motorfahrzeug, Anhängern und Ladung 15 Tonnen nicht übersteigt.» Dazu bemerkt eine Korrespondenz des «St. Galler Tageblattes» vom 6. August 1931 (Nr. 364, Leitartikel) in schwer zu folgendem Gedankengange: «Es ist dafür gesorgt, dass die 12 Tonnen nicht die Regel, sondern die Ausnahme bilden und dass auch im Anhängerverkehr in keinem Falle über 15 Tonnen hinausgegangen werden darf. Letzteres ist deswegen besonders wichtig, weil eine bezügliche Bestimmung ursprünglich vollkommen fehlte, wodurch das Lastauto im Konkurrenzverhältnis zur Bahn ungebührlich bevorzugt wurde. Nunmehr ist auch hier dafür gesorgt worden, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen.» Ist es gestattet, den Herrn Korrespondenten zu fragen, wer mehr Anhängewagen hat, ob ein Automobillastwagen oder ein Güterzug und wie es jeweilen mit dem Gesamtgewicht beschaffen ist? Was berührt im übrigen die Konkurrenz von Automobil und Bahn das Gesetz, welches den Motorfahrzeug-und darüber hinaus noch den Strassenverkehr regeln, nicht aber der Eisenbahn Vergünstigungen zu Lasten des Automobils schaffen soll? Es zeugt von bedenklicher Begriffsverwirrung, zu wähnen, ein etwas schwereres Gesamtgewicht von Lastwagen und Anhänger könnte die Bäume des Automobils — um diesen anmutigen Vergleich des «St. Galler Tageblattes» zu gebrauchen — in den Himmel wachsen lassen! Vielleicht ist der Herr Korrespondent auch über seine weitere Behauptung belehrbar, darin gipfelnd, dass im ganzen Gesetz für Motorlastwagen keine Höchstgeschwindigkeit festgesetzt sei. Bedeutet dies nicht Sophistik übler Art angesichts von Art. 26 des Entwurfes, der vorschreibt: «Für schwere Motorwagen setzt der Bundesrat die Höchstgeschwindigkeit auf dem Verordnungswege fest. Für andere Motorfahrzeuge kann der Bundesrat Vorschriften über die Höchstgeschwindigkeit auf dem Verordnungswege erlassen.» Zu dem genannten Artikel besagt aber die Botschaft des Bundesrates: j. ^ «Von dem allgemeinen Grundsatz, für die \26tofrahrzeuge keine Höchstgeschwindigkeiten aufzustellen, werden die schweren Motorwagen ausgenommen. Der Bundesrat ist verpflichtet, für sie in der Vollziehungsverordnung Höchstgeschwindigkeiten festzuset" zen (Art. 26). Dabei werden die zu Güterund die zu Personentransporten dienenden schweren Motorfahrzeuge wohl verschieden behandelt werden müssen. Vor der Festsetzung dieser Geschwindigkeitsvorschriften wird noch mit den interessierten Kreisen Rücksprache genommen werden. Der Bundesrat ist berechtigt, dagegen nicht verpflichtet, auch für andere Motorfahrzeuge j Höchstgeschwindigkeiten aufzustellen (Art. 26). Diesen Vorbehalt schulden wir der Gesamtheit der Strassenbenützer. Wir legen damit das Schicksal der von den Automobilisten erstrebten Neuerung in deren eigene Hand. Sollte sich das Vertrauen in ihre Selbstzucht nicht rechtfertigen und die Auf- INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle odef deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inserateiwehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern hebung der Höchstgeschwindigkeit auch für Tourenwagen eine vermehrte Verkehrsgefahr herbeiführen, so müsste grundsätzlich zum alten System, mit angepassten Höchstzahlen, zurückgekehrt werden. Selbstverständlich dürften nicht vereinzelte Fälle den Ausschlag geben. » Aus diesen Erwägungen des Bundesrates dürfte auch das Postulat des Vorstandes des Schweiz. Bauernverbandes an die ständerätliche Kommission (vide «Bauern- und Arbeiterbund Baselland» vom 7. August 1931, Nr. 16), dahingehend, Art. 26 einen Zusatz beizufügen, gemäss welchem den Kantonen das Recht vorbehalten bleibt, da, wo der Verkehr besondere Gefahren mit sich bringt, zu den in Art. 3, Abs. 2 aufgestellten Bedingungen Geschwindigkeitsgrenzen festzusetzen, abgelehnt worden sein. Ich glaube nicht, dass es geboten erscheint, Art. 3, Abs. 3, wonach für besondere Strassenverhältnisse die örtliche Regelung durch polizeiliche Verkehrsvorschriften vorbehalten ist, a priori auf Art. 26 anzuwenden, denn für schwere Motorwagen setzt der Bundesrat die Höchstgeschwindigkeit, wie gesagt, auf dem Verordnungswege fest, und diese Regelung wird sicher eine für alle Teile annehmbare sein, für die andern Motorfahrzeuge aber kann er Maximalvorschriften erlassen, sofern er es für notwendig erachtet. Ueber allen aber steht Art. 25, Abs. 1: - « Der Führer muss sein Fahrzeug beständig beherrschen und die Geschwindigkeit den gegebenen Strassen- und VerkßhrsverhältnisKen anpassen. Er hat namentlich in Ortschaften, bei Bahnübergängen und auch sonst überall da, wo das Fahrzeug Anlass zu Verkehrsstörung, Belästigung des Publikums oder Unfall bieten könnte, den Lauf zu massigen oder nötigenfalls anzuhalten.» So ist kaum anzunehmen, dass sich Führer von Motorfahrzeugen, die sich den Vorschriften von Art. 25 nicht unterziehen und dadurch schon straffällig werden, durch weitere Anordnungen zur Vorsicht werden bewegen lassen. Weiter meldet das Communique, dass die vom Nationalrat beschlossene Regelung der Haftpflicht keine grundsätzlichen Aenderungen erfahren habe. Das juristische und moralische Monstrum der prinzipiellen Haftpflicht des Motorfahrzeughalters für fremdes Verschulden bei eigenem Nichtverschulden (vide «Automobil-Revue» Nr. 52, Leitartikel: Der Phönix) hat also auch vor den Augen der ständerätlichen Kommission Gnade ge- FElilLLETO «Typ Evelin» Äutosportroman von Karl Schmidl. (4. Fortsetzung) Inhalt des bisher erschienenen Teils. Die Maurus- Automobil werke werden von ih- Tem schärfsten Konkurrenten, dem Sinnisfaere- Werk in Stockholm, durch geheimnisvolle Spione ausgeforscht, die alle neuen Ideen der Konstrukteure von Maurus verraten. Wieder beschäftigt der Diebstahl einer Erfindung die Direktion der Maurus-Werke, als der Chefkonstrukteur Soerner Enthüllungen von einer sensationellen neuen Erfindung macht, mit der er Sinnisfaere endgültig zu schlagen hofft In diesen Tagen, da man auf die Sensation der Maurus-Werke wartet, findet man den Chefingenieur Soerner eines Morgens tot in seinem Bureaustuhl. Er wurde das Opfer eines verbrecherischen Anschlages. Nichts ahnend lebte unterdessen die junge, schöne Evelin Maurus in ihrem Heim an der italienischen Riviera ihren Vergnügungen. «Woher hast du denn diese Ideen, Antonio? Soviel ich weiss, liest du doch nie ein Buch?» fragte Evelin. «Nie, Signora! Dazu hat er das Lesen zu schlecht gelernt», rief Martino vom Mast her, «aber wer nicht arbeitet, muss denken, und wenn man viel denkt, kommt man auf allerlei. Arbeiten macht blöde, weil es das Denken verhindert.» «Auch ein Standpunkt!» lachte Evelin, «vielleicht hast du nicht einmal so unrecht.» Nach einer halben Stunde — der Wind hatte noch mehr nachgelassen — langten sie am Landungsquai an. Am Ufer wartete Evelins Zofe Giulia. «Ein Telegramm, Signora — von Ihrem Herrn Vater!» «Gib her!» Hastig öffnete Evelin die Depesche. Sie las: «Kehre sofort zurück. «Typ Evelin» wird diese Woche fertig. Papa.-» Mit einem leisen Ausruf freudiger Ueberraschung lief sie über die Parkwiese davon. Der Chauffeur Franz Kopp, ein untersetzter, breitschultriger Bursche, war nicht wenig erstaunt, als mit roten Backen und zerzaustem Bubikopf, immer noch im Badekostüm, seine Herrin in die Garage gestürmt kam, in der er eben daran ging, den Wagen Evelins auf höchsten Glanz herzurichten. «Franz, den Wagen richten! Morgen fahren wir!» «Wohin, gnädiges Fräulein?» «Nach Hause, Franz!» Mit zufriedenen Augen überblickte Evelin den schwarzblau glänzenden Wagen. Kopp sagte zufrieden und stolz: «Ja, gnädiges Fräulein mit 'ner Dreckkarre fahren wir nicht.» Evelin lachte. « Sie sind eine Perle, Franz! Wollen Sie Giulia helfen, die Koffer packen?» « Der schwarzen Katze? Hm...» « Hat sie Sie schon gekratzt? » «I wo. Ich werde mich hüten, ihr das Fell zu streichen. Schliesslich hat das Biest irgendwo einen schwarzgelockten Leander, der mich dann mit seinem « Gruss aus Solingen » aus der Welt hinauskitzelt. Gelosia e vendetta — nein, ich danke für Apfelsinen. Wenn so'n Kerl eifersüchtig ist, dann funkelt er wie Chianti.» «Aber Sie müssen doch helfen! > « Jawohl, ich muss helfen, das sehe ich ein, denn diese Dschulia und dieser Antonio und Martino wären an Weihnachten noch nicht fertig und dann würden wir wieder die Zahnbürsten unter den Schinkenbroten finden. Nee!» «Also gut Franz! Um neun Uhr fahren wir via Gotthard!» Die weiche, warme italienische Nacht sank über die schöne Landschaft hernieder. Auf den Höhen blitzten Lichter auf. Auch auf der glasüberdachten Terrasse der Villa Maurus strahlte heller Lichterglanz. In leichten Korbsesseln sass hier eine fröhliche Gesellschaft. Weisse Kleider leuchteten, rote Lippen lachten. In lebhaftem Geplauder unterhielten sich Evelins Gäste. Im Hintergrunde baute Franz Kopp unter Martinos Hilfe zwischen grossen Blattstöcken eine Radioanlage auf und bald tönten aus dem Lautsprecher voll und melodisch die Klänge der zweiten ungarischen Rhapsodie von Liszt. Das Geplauder brach ab. Auch Evelin gab sich ganz dem Zauber der Märchenstimmung hin. So seligwarme Luft strich vom Meere herauf, die warme Nachtluft der Riviera, die sie so über alles liebte und die ihr jetzt das Scheiden und die Rückkehr in die rauhe Aprilluft des Nordens schwer machte. Die wuchtigen Rhythmen waren verklungen. Ein jüngerer Herr, seinem Aeusseren nach unbedingt ein Deutscher, erhob sein Weinglas und rief enthusiastisch: «Auf Bordighera, die weisse Braut! » Freudig bewegt und erfüllt von frohem Lebensgefühl stiessen alle an. «Warum verlassen Sie uns eigentlich so plötzlich, — jetzt in der schönsten Zeit? » wurde Evelin Maurus gefragt. Sie lächelte glücklich. «Ich gehe gern — und doch ungern. Doch ich werde wieder da sein, ehe die Levkojen von Ventimiglia verblüht sind. Unser neuer Rennwagen ist fertig und als Patin muss ich doch bei seiner Taufe anwesend sein.» «Ein neuer Maurusrennwagen! Er bekommt Ihren Namen? In welchem Rennen wird er das erstemal starten?» fragten mehrere Herren und Damen durcheinander. «Beruhigen Sie sich! Soviel in meinen Kräften steht, will ich Ihre Neugier befriedigen. Unser «Typ Evelin» wird der schnellste Rennwagen Europas sein. Wir haben ihn ganz im geheimen gebaut. Und was für Sie wohl das Interessanteste an der Sache ist — Herr Brun, Sie können die Sache jetzt ruhig in die Presse geben — der Wagen ist durch unsern Chefingenieur Soerner mit einer genialen Neuerung versehen worden, die ihn allen anderen Motorfahrzeugen weit überlegen macht — mit einer automatischen Kurvung.» Ich will versuchen, Ihnen die Sache, soweit ich es kann und darf, zu erklären. Soerner ging von dem Gedanken aus, dass es hauptsächlich in Bergrennen die vielen Kurven sind, die die Durchschnittsgeschwindigkeit drücken. Jede Kurve hat einen bestimmten Winkel. Durch einen Hebel und eine Skala, die am Steuerrad angebracht sind, ist es möglich, den Wagen genau auf diesen Winkel einzustellen. Durch diese Einstellung wird