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E_1931_Zeitung_Nr.071

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 28. August 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. - N° 71 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Encbaint Jaden Dlenstas, nnd FnlUf Monatlich „Gelbe liste** HtfblUrrflek Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Partoxnetriag, nicht poftamtllcb bwtellt. Zuschlag für postamtllehe BMtellunc 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Rappen. Poctcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk »9.84 ' Telegramm-Adresse i Autorevue, Bern Aktuelle Fragen bei Staatsbahnen Das Problem Eisenbahn und Automobil beschäftigt die Gemüter nach wie vor. Nicht nur bei uns, sondern auch im Ausland. In gewissen Ländern scheint man sogar ziemlich radikal vorgehen zu wollen. Die Bahnen wagen den Schritt und gehen auf die Strasse Das heisst, sie schaffen sich eigene Autos an oder treten mit andern Organisationen in Verbindung, um ihre Monopolstellung nicht zu verlieren und bis heute sichere Einnahme- Quellen nicht verloren gehen zu lassen. Was da alles probiert und in die Wege geleitet wird, ist in unserer Tagespresse in Artikeln zu lesen, aus denen man den Zweck leicht erkennt: Für die Bahnen und gegen das Automobil, d. h. gegen das freie, von keinem Beamten beschwerte Automobil Stimmung zu machen. Die deutschen Reichsbahnen werden angeführt. Sie hätten in den vergangenen Jahren ihren Motorwagendienst ausgebaut und ihre Strassengüterlinien auf 50 Kurse erhöht. Die Autobuslinien hätten sich während der Jahre 1930 bis 1932 auf 131 Kurse gesteigert. Allerdings würden von der Reichsbahn nur zirka 12 Prozent der Personenautobuslinien mit eigenen Fahrzeugen betrieben, die Reichspost und private Unternehmungen besorgten den Rest. Auch in Oesterreich habe die fühlbare Automobilkonkurrenz dje Bundesbahnen ver- "anlasst, den Motorwagenverkehr im Eigenbetrieb einzuführen. Die Beispiele mögen stimmen. Ob sie schlechtweg auf die Schweiz anwendbar wären, dürfte aber doch fraglich sein. Was Oesterreich anbetrifft, so steht dieses Land vor dem Abgrund. Der Ruf nach Reform der Staatsverwaltung wird immer dringender. Wenn nicht eine Entstaatlichung der österreichischen Wirtschaft einsetzt, so halten wir sie für verloren. Die übertriebene Verstaatlichungstendenz und Ausbreitung der Regieunternehmen hat Fiasko erlitten. Nicht viel besser steht es in Deutschland. Die Wirtschaft liegt am Boden. Nicht nur wegen der Friedensverträge. Ein Hauptgrund mag auch darin liegen, dass man den Staat allzuviel mit Wirtschaft belastet und die Wirtschaft allzustark verstaatlicht hat. Der deutschen Wirtschaft wurden nicht nur von aussen, sondern auch von innen Fesseln angelegt. Der freierwerbende Mittelstand wurde erdrückt, die Lasten türmten sich derart hoch, dass er erliegen musste. Selbstverständlich kann man heute von Staates wegen leicht Kurse erhöhen, die Monopolwirtschaft auf die Strasse ausdehnen, das freie Gewerbe ausschalten. Ob die ganze Organisation rentiert, ist allerdings eine andere Frage. Der Staat zahlt, aber zur Deckung seiner enormen Ausgaben pumpt er die Wirtschaft aus, und eines schö. nen Tages kracht das ganze Gebäude samt Sozialversicherungen und dergl. zusammen, nachdem Müliarddnwerte verlorengegangen. Wir glauben deshalb, dass auch das Beispiel der deutschen Reichsbahn für uns nicht ohne weiteres massgebend sein darf. Es soll in Deutschland ein Verkehrsgesetz in Vorbereitung sein zwecks «rationellerer Arbeits- und Verkehrsteilung», wie dies so schön begründet wird. Mit dem Wörtchen «rationell» wird heute jedoch bereits schon der grösste Unfug getrieben; so auch in allen Verkehrsfragen. «Rationell» heisst für den deutschen vom Etatismus infizierten Gesetzgeber nichts anderes als auf legalem Wege dem freien Automobilgewerbe eine Tarifbindung aufzuerlegen, um ihm auf diese Weise «die Möglichkeit zu nehmen, die Bahn in den hochtarifierten Positionen einfach ad libitum zu unterbieten». Mit anderen Worten: Mag die Wirtschaft zum Teufel gehen, Hauptsache ist, dass das Automobil nicht billiger fahren kann als die Eisenbahn, wenn schon billigere Tarife zur Wiederbelebung der Wirtschaft dringende Notwendigkeit wäreh. Nun kommt das grosse Aber — Tarifermässigung bedeutete eventuell auch Lohnermässigung, Widerstand der Gewerkschaft, Kampf, Streit — also kuscht man und zieht frisch fröhlich mit dem Wörtchen «rationell» gegen das Automobil in den Krieg. Und nun lesen wir in einer bernischen Ta- gelung der Arbeitszeit zweifellos dazu beitragen wird, auch im Lastwagenverkehr Geschwindigkeiten zu entwickeln, welche über die heute üblichen weit hinausgehen.» Der das geschrieben, ist jedenfalls von grossen Kenntnissen nicht beschwert. Erstens sind die Geschwindigkeiten auch der Lastwagen bereits fixiert und zweitens ist auch die Arbeitszeit der Chauffeure durch die Normen zwischen Aspa und Chauffeurenverband derart reguliert, dass Lastwagenrennen auch in Zukunft nicht zu fürchten sind. Aber mit einigen Phrasen wird immer wieder versucht, für die Bahnen und gegen die Autos Stimmung zu machen. Vor einer «tiefgreifenden Rationalisierung des Transportsystems » sollen auch die französischen Bahnen stehen. Auch bei ihnen gewaltige Defizite. So greift man nach einer « radikalen Umgestaltung ». Das ganze Land soll in kleine Automobilrayons aufgeteilt werden, deren Zentren durchschnittlich 25 km auseinanderliegen. Nur diese Zentren sollen für den direkten Eisenbahnverkehr in Frage kommen. Der Verkehr zwischen allen übrigen Orten soll durch das Auto besorgt werden. Man verspreche sich von dieser Neuerung eine viel rationellere Ausnützung der Traktionskraft, eine raschere Abwicklung des Grossgüterverkehrs und eine viel bessere Anpassung des Kleinverkehrs an die individuellen Bedürfnisse. Der betreffende Artikelschreiber, der sich «über diese Frage verbreitet und der Post Nahestehen dürfte, glaubt* dass auch unsere Bundesbahnen vor «einschneidenden» Aen- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 3 mm hohe Grundzelle oder denn Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarit. laserattnsehlust 4 Tage vor Enehelnen der Nnmmern Autobahnen heute und in Zukunft. lag. Dr. Rappaport, ein Verkehrsfachmann von grosser Erfahrung, hat sich kürzlich in einem vorzüglichen Aufsatz zu obigem Thema geäussert. Er untersucht