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E_1931_Zeitung_Nr.070

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 25. August 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. — N° 70 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISEt Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „G«lb* LIM»« HaR>]lhr!fcb Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.—. Im Auiland unter Portcaascnl«g, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Mlern nicht postamtitch bestellt. Zuschlag für postamtlich* BWUllung 30 Rappen. Postcheck-Hechnung II1/414. Telephon Bollwerk S9.S4 Telegr«mm-Adresie: Autorevu«, B«rn Zum Internationalen Autostrassen-Kongress in Genf Der Zustand der Strassen ist ein Maßstab für den Wohlstand und die Kultur eines Landes. Nur noch wenige Tage trennen uns von dem ersten internationalen Strassenkongress. Die Tatsache, dass diese internationale Tagung von grösster verkehrstechnischer Bedeutung in unserem Lande abgehalten wird, darf uns mit Stolz und Freude erfüllen. ner ebenso starken Kotschicht bedeckt waren. Das galt aber nur für die allerbesten Strassen. Diegrosse Masse der übrigen Verkehrsädern sahen die Walze nach ihrer Erstellung jähre- und jahrzehntelang nicht mehr. Zur Neubekiesung und zu Reparaturen wurde nicht geschlagener Schotter, sondern gewöhnlicher Rundkies verwendet und das Einwalzen Liess man die verkehrenden Fahr- selber besorgen. Es verlohnt sich, bevor wir uns mit Zu-zeugkunftsfragen befassen, zu deren Lösung uns der Da kam das rasch fahrende Automobil. Es Kongress hoffentlich einen Schritt weiter kamen die schweren Motorlastwagen mit Eisenreifen, dann mit Vollgummireifen. Das bringt, einen kurzen Rückblick zu werfen auf die Entwicklung unseres Strassenwesens. weiche Material spritzte zur Seite. Die* lokkeren Kiesel wurden zerschmettert und zu Diese Entwicklung ist allerdings derart Tapid und vollständig vom allgemeinen Aufkommen Pulver zermalmt. Die ganze Oberschicht des Automobilwesens diktiert, dass wir uns unsere Betrachtungen im wesentlichen auf die beiden letzten Jahrzehnte beschränken können. Die Staubplage. Das Automobilwesen ist in der Schweiz erst In den letzten Jalrren vor dem Weltkrieg so richtig aufgekommen. Die Autofrage war zu dieser Zeit hauptsächlich eine Staubfrage.be dingt durch den damaligen Stand der Strassenbautechnik. Diese ist über die wassergebundene Kies- oder SchotteTstrasse bis dahin noch nicht hinausgekommen. Nahm man gutes Material, harten Schlagschotter verschiedener Körnung, sparte nicht an der Walzung und setzte dieses Verfahren auch bei Tegelmassigen Reparaturen und Neubeschotterungen getreulich fort, so wurden zwar auch bei dieser Technik ganz achtbare Resultate erzielt. Regelmässige Schwertransporte auf längere Strecken gingen ausserdem ausschliesslich über den Schienenweg und entlasteten die Strasse bedeutend. Was an «Niemals Schwerfuhrwerken verblieb, kam Ober langsamstes Schrittempo nicht hinaus. Trotzdem war es nicht zu vermeiden, dass auch die bestunterhaltenen Strassen bei Trockenheit fingerdick mit Staub, bei Regenwetter mit ei- F E U I L L E T O N «Typ Evelin» Autosportroman von Karl Schmidl. (5. Fortsetzung) Inhalt des bisher erschienenen Teils: Zwischen den Maurus-Automobilwerken und •dem Sinnisfaere-Werk in Stockholm bestehen seit längerer Zeit geschäftliche Reibereien. Wieder hat die Stockholmer Firma den Mauruswerken eine Erfindung durch Spione geraubt, mit der auch die Ermordung des Chefingenieurs von Maurus, Dr. Soerner, in Zusammenhang gebracht wird. Die Tochter von Maurus, Evelin, reist auf die bestürzende Mitteilung hin von Italien aus sofort nach Hause, wo gerade die gerichtlichen Untersuchungen wegen des Mordes stattfinden. Maurus öffnete unwillig den Brief: «Ich habe in der Mordsache Aussagen zu Rückblick und Ausblick wurde zerstört, zahlreiche Schlaglöcher verwandelten die Fläche in eine Mondlandschaft. Meterhoch wirbelte der Staub! Die vierjährige Kriegszeit drosselte zwar den Aütomobilverkehr, liess aber das 'schon im argen liegende Strassenwesen noch weiter verlottern. Mit dem raschen Wiederanschwellen des Verkehrs von 1918 an wurden die Verhältnisse unhaltbar. « Die Stimmung des Volkes », die in der Folgezeit noch für manches Unerfreuliche herhalten musste, war entschieden autofeindlich geworden und verlangte nach drakonischen Abwehrmitteln. Noch waren die Leute am Volant eine kleine Minderheit. Die Folgen traten bald in Erscheinung. Das interkantonale Konkordat vom 7. April 1914 über den Verkehr von Motorfahrzeugen und Fahrrädern gab Kantonen und Gemeinden weitesten Spielraum, um den Automobilisten das Leben sauer zu machen. darf die Fahrgeschwindigkeit, selbst im flachen Lande und offenen Felde », schrieb der ominöse Artikel vor, « 40 Kilometer in der Stunde überschreiten.» Artikel 37 ging noch weiter: « Auf Bergstrassen sowie auch auf allen andern engen oder gefährlichen Strassen darf die Geschwindigkeit 18 kräftet zu haben. Auf dieser Basis galt es systematisch weiterzuarbeiten. Die starke Vermehrung der Automobile und die stets wachsenden Automobilsteuern, wozu noch die Automobilzölle kommen, lieferten gewaltige Mitgefallen wäre. Verzeihen Sie, dass ich Sieges Pech nicht. heute belästige, doch ich dachte, dass ich Ihnen vielleicht Wichtiges in der betrüblichen Angelegenheit, die Sie in diesen Tagen in Aufregung setzt, mitteilen kann.» MauTus fühlte, dass ihm der junge Mann, der diese Worte in flüssiger, warmklingender Rede zu ihm sprach, sehr sympatisch wurde. «Nehmen Sie bitte Platz, Herr Hörn!» «Ich danke verbindlich. Und nun erzählte Frank, was er in jener Sturmnacht gesehen hatte. Maurus hörte höchst interessiert zu. Als der junge Musiker seine Erzählung beendet hatte, sagte er: «•Herr Hörn, als ich vorhin Ihre Zeilen bekam, sprach ich gerade telephonisch mit dem Präsidenten der Mordabteilung. Sie werden machen; ich beobachtete den Täter, als er verstehen, dass ich ihm sofort von Ihrem das Haus verliess. Frank Hörn.-* Zeugenangebot Mitteilung machte. Ich erwarte ihn in einer Viertelstunde. Würden Ueberrascht blickte Dr. Maurus auf. Dann gab er dem Diener kurz die Anweisung: «Der Sie vor der Polizei Ihre Angaben wiederholen, Herr Hörn?» Herr soll einen Augenblick warten!» Dann «Aber selbstverständlich gerne, Herr Maurus.» «Ich danke Ihnen. Sie sind Künstler?» Frank zwang sich zu einem Lächeln. «Hm... Künstler?... Ich mag den Beruf, den ich gegenwärtig ausübe, nicht als den wandte er sich wieder ans Telephon. «Herr Präsident, eben erhalte ich eine wichtige Mitteilung.» Er erzählte, was vorgefallen war. «Ah!... Halten Sie den Mann fest! Wir kommen sofort! Auf Wiedersehen!» Dr. Maurus legte den Hörer auf. Kurz darauf liess der Diener Frank Hörn eintreten. «Ich nehme nicht an, Herr Maurus, dass ich Ihnen bekannt bin, obwohl ich in Ihrer Nachbarschaft wohnte.» «In der Tat, Herr Hörn, ich hatte noch nicht die Ehre...» Frank lächelte. «Ich habe mir keinen Augenblick geschmeichelt, dass Ihnen meine geringe Person, auf- eines Künstlers bezeichnen. Ich bin ein ehrlicher Handwerker in meinem Fach, der arbeitet, um Brot zu verdienen, weil er nicht verhungern will.» Maurus blickte den jungen, elegant gekleideten Mann erstaunt an. «Herr Maurus, der Schein trügt Es ist unmöglich, in einem ungeliebten Beruf vorwärtszukommen, und in einem anständigen Beruf, der ein menschenwürdiges Leben gestattet, unterzukommen, gestattet mein ewi- Kilometer in der Stunde, bei Kurven 6 Kilometer in der Stunde, nicht überschreiten. » Ein wahres Dorado für einen Autofallenbetrieb, der, über ein Jahrzehnt in vollster Blüte stand. Die Gemeinden versahen ihre «engen und gefährlichen Strassen» mit beliebigen Tempovorschriften. Auf offener Strecke, hinter Bäumen urid Hägen, lauerten die Wächter des Gesetzes auf die Silberlinge der Automobilisten. Kaum ein Fahrer blieb unbestraft. Die Redaktion der « Automobil-Revue », die von «Wegelagerern und Erpressern » geschrieben hatte, wurde vor die Assisen gestellt, kam aber mit einer Busse von 20 Franken und allerdings den Kosten in der Höhe von 1000 Franken davon. Dazu kamen die Sonntagsverbote, die jahrelang als europäisches Kuriosum in fast allen Kantonen ihr Wesen trieben. Gewöhnlich vom 1. Mai bis zum 1. Oktober, zwischen 1 und -7 Uhr nachmittags^ war in den betreffenden Kantonen jedes Zirkulieren mit Motorfahrzeugen strikte verboten. Die freigebliebenen Kantone wurden in einer Kartenskizze der «Automobil-Revue» als grüne Oase markiert, in die man sich bei sonntäglichen Ausflügen hinüberretten konnte. Den Rekord hielt der Kanton Graubünden mit einem totalen Automobilverbot Sonntags und Werktags, Sommer und Winter, und der Kanton Bern, über dessen rigorose Bussenpraxis und schlechte Strassen zahllose Klagen einliefen, wurde eine Zeitlang boykottiert. Es war eine eigentliche Periode des Kampfes! & Bessere Strassen! * Seit den letzten fünf, sechs Jahren ist aber doch auf der ganzen Linie eine merkliche Besserung der Verhältnisse zu konstatieren. In den massgebenden Strassenbaufachkreisen war allmählich die Erkenntnis eingezogen, dass die bloss wassergebundene Strassenoberfläche ihre Rolle' endgültig ausgespielt haben müsse. Es entstand zunächst die Hartschotterwalzung mit Oberflächenteerung. Nach dem Walzen der Fahrbahn wurde der Teer auf Siedehitze erwärmt, heiss auf die Strasse gebracht und mit Bürsten verteilt. Unter der Einwirkung der Sonnenstrahlen und der Luft dringen die Oele in die Fugen und Poren der Decke ein und verharzen und Unglückliche Verhältnisse haben mir Feder und Buch aus der Hand gerissen. Ich bin ein armer Teufel.» «Ich bin überrascht, mein Herr. Doch ich weiss, es ist heute schwer, ein Unterkommen zu finden. Ich würde schliesslich gerne etwas für Sie tun, denn...» Frank horchte auf, dann unterbrach er den Fabrikanten rasch: «Um die mindeste Schreiberstelle in Ihren Bureaus bin ih Ihnen dankbar. Nur ein sicheres Einkommen, eine anständige Arbeit und nicht jeden Tag die Angst, dass man vielleicht schon am nächsten Morgen stellenlos auf der Strasse sitzt! Mehr will ich nicht!» «Ich fürchte, dass Sie doch etwas sehr bescheiden sind, Herr Hörn. Mit Ihrer Bildung halte ich Sie für fähig, mehr zu leisten. Wir werden nachher weiter darüber sprechen.» Es klopfte. Auf Maurus kräftiges «Herein» trat Kommissar Friedstedt mit einem zweiten Herrn ein. Nach kurzer Vorstellung begann er: «Herr von ReuteT wurde plötzlich abberufen. Er hat mich beauftragt, heute die Untersuchung zu führen. Also — die Todesursache ist endgültig festgestellt — es stimmt, was Ihnen der Herr Präsident am Telephon andeutete. Nun, Herr Hörn, bitte ich Sie, uns Ihre Wahrnehmungen mitzuteilen. Frank erzählte, während Friedstedt schweigend zuhörte und sein Begleiter eifrig stenographierte, zum zweitenmal die Erlebnisse jener Nacht. Als er zu Ende gekommen war, sagte Friedstedt: «Also aus dem Fenster im Erdgeschoss kam der Fremde?» ;«Jawohl, Herr Kommissar, aus dem dritten INSEHTIO1VS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundielle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 00 Cts» Grössere Inserate nach Seltentarlt. InserntenBchlusü 4 Tage vor Erscheinen der Nummern verkitten die Decke, so dass das Oberflächenwasser keine Möglichkeit mehr hat, in die Strassendecke einzudringen. Damit waT zunächst einmal der Staubplage abgeholfen. Wie man aber durch einen Oelfarbenanstrich Tannenholz nicht in Hartholz verwandeln kann, so ist natürlich auch die blosse Oberflächenbehandlung kein Allheilmittel. Wo eine grössere Inanspruchnahme der Strassen vorhanden ist,, muss auch ein widerstandsfähigerer Belag her. Man fand denselben in der Innenteerung. Ein Teermakadam-Belag ist ein Teerbeton. Das Schottermaterial wird in zweckentsprechender Mischung getrocknet, entstaubt, und mit heissem präpariertem Teer gemisch und auf Haufen gelagert. Das Gemisch wird dann auf gut planierten und gewalzten Unterbau ausgebreitet und kalt eingewalzt. Der Vollständigkeit halber müssen wir hier auch noch die Kleinplästerungen erwähnen, die bei uns vielfach mit den Teerstrassen in erfolgreichen Wettbewerb getreten sind. Als Unterbau wird gewöhnlich die bestehende Strasse durch Einplanieren und Einwalzen hergerichtet. Hierauf werden die Pflastersteine bogenförmig versetzt. Als Zukunftstrasse (Autosonderstrasse!) dürfte sich wahrscheinlich die Betonstras.se in weiterem Masse durchsetzen. Sie wird nach den neuesten Erfahrungen in zwei Schichten hergestellt. Eine kräftig armierte Unterschicht als Tragschicht und darüber die besonders gegen Oberflächenabnützung widerstandsfähig zusammengesetzte eigentliche Fahrbahn, mit Beimengungen von Kieselsteinhartsplit. Neben der noch grösseren Widerstandsfähigkeit gegen starke und andauernde Beanspruchung hat die Betonstrasse gegenüber der Teerstrasse den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass sie weniger Licht schluckt, sie ist aber teurer. Dem Teer gebührt für unsere Verhältnisse zunächst jedenfalls das grosse Verdienst, zuerst die Staubplage beseitigt und damit den Hauptgrund zur Automobilfeindlichkeit ent- Fenster an der Seite gegen die Privatwohnung zu, von der Strasse aus gesehen.» «Wir wollen uns einmal dorthin begeben. Herr Hörn wird dann die Güte haben, den Weg des Fremden an Ort und Stelle zu demonstrieren. Es wäre auch notwendig, den Hausmeister mit dabei zu haben.» Dr. Maurus nickte. Man erhob sich und begab sich auf die Einfahrt zwischen der Privatwohnung und den Bureaus hinab. Ein Diener holte den Hausmeister. « Hier hinter diesem Pfeiler links stand ich», erklärte Frank Hörn, «aus diesem Fenster — ich glaube nicht, dass ich mich täusche — kam der Fremde...» « Herr Hausmeister, war nicht dieses Fenster stark beschmutzt ? » « Jawohl, Herr Kommissar ! » ' « Gut, stimmt also ! » Frank fuhr fort : « Dann eilte er quer über die Einfahrt durch das Tor, am rechten Torpfeiler vorbei gegen die Stadt zu.» « Was können Sie über das Aeussere dieses Mannes sagen ? » « Nun, ja — seine Gestalt war gut mittelgross und zeigte nichts besonders Auffallendes. Er trug eine Sportmütze mit grossem Schild. Sein Gesicht konnte ich nicht sehen; es war nachts zwischen 2 und 3 Uhr und es regnete in Strömen.» « Hm, ja ! — Nun ist die Sache aber leider so, dass das Fenster dort, durch das der Mörder kam, stark vergittert ist. Ob Sie sich doch nicht getäuscht haben, mein Herr ? » Der Kriminalist untersuchte das Fenster und seine Vergitterung. Er rüttelte an jedem der Querstäbe, aber da das Fenster ziemlich hochlag, ohne Erfolg. Nachdem eine Leiter gebracht worden war, begann er seine Arbeit aufs Neue. Doch die Stäbe hiel-