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Bern, Dienstag, 25. August 193V III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 70 Wiedersehen mit meinem Schulbild /on Hans Natonek. Und dann wurde der neue Anzug aus dem Schrank geholt — er passte gar nicht — und beim Photographen traf sich die ganze Klasse, die morgen teils in eine neue Schule entlassen wurde, zum letztenmal. Der gute Lehrer Hoffmann setzte sich in die Mitte und ringsherum, amphitheatralisch geordnet und malerisch zu seinen Füssen sassen und lagen wir. Was aber sonst an diesem Tage geschah, es war ein Sommertag am Schluss des Schuljahres, weiss ich nicht mehr. Es ist, als wäre der Tag in die Tiefe gesunken, verschwunden, nie gewesen, und es sind doch erst 20 Jahre her. Genügen 20 Jahre, um einen Tag — und es war sicherlich ein schöner, erlebnisreicher Kindheitstag mit all der Ferien- und Reisestimmung — so völlig auszulöschen? Da sitze ich Zehnjähriger zwischen Hans Keller und Oskar Feldstein, mit halboffenem Munde und etwas ängstlichen Augen. Wahrscheinlich hat der Photograph gesagt: Wenn ich zu zählen anfange, müsst ihr ganz still sitzen. Und dieses Stillsitzen auf Photographenkommando ist mir bis heute fatal geblieben, weil ich justament zucken muss, wenn ich stillsitzen soll. Die runden Gesichter haben noch die weichen, vollen Linien der Unberührtheit. Ganz leidenschaftslos das Kinn, die Stirn ein seliges Eiland der Unschuld. Das Haar kindlich ungeschickt, zackig in der Stirn, als hätte man mit der Schere selbst darin herumprobiert. Kein Hemd, kein Kragen, sondern nur ein sogenanntes buntes Sommerleibchen, das man an heissen Tagen trug. Aber unter den 62 Schülern — ja, so grosse Klassen hatte man da- Uli. « Typ Evelin » Autosportroman von Karl Schmidl. (Fortsetzunjr aus dem Hauptblatt.) « Das muss man sich heute von seinem Kind sagen lassen,! » « Und wenn dieser Frank Hörn ein Sinnisfaerespion ist ? » Ueberrascht blickte Maurus seine Tochter an. Dann meinte er : « Nein, das kann nicht sein, sonst hätte er nicht die Sache mit dem Fenster verraten.» c Wie aber, wenn er diese Sache verraten hätte, weil sie für ihn keinen Wert mehr hat — und weil er durch dies schlaue Spiel dein Vertrauen zu erringen hofft ? » « Na, man kann ja Erkundigungen über den Mann einziehen lassen. Aber lassen wir ihn erst einmal seine Stelle antreten. Ich glaube nicht, dass ich mich täusche. > « Mag sein, dass er es ehrlich meint. Auf jeden Fall heisst es vorsichtiger sein als bisher; denn ihr wart nicht vorsichtig — für Sinnisfaere noch lange nicht vorsichtig genug.» Dunker hatte Frank Hörn noch mit dem Hausmeister plaudernd im Hofe angetroffen und liess sich min von ihnen das Fenster zeigen. Er war sprachlos vor Staunen, als Frank den Haken löste und das Gitter sich ^in Scharnieren seitwärts bewegte. «Sie sa- Tien den Kerl, der meinen armen Freund ermordete ? » fragte er Hörn. «Nur sehr undeutlich, leider, Herr Dunker, ich sah eigentlich nur eine verschwommene, dünkte Gestalt mals — sind einige, die mit Ausdauer bis zu ihrem 16. Jahre sitzenblieben und dann gleich in die Lehre gingen. Sie tragen bereits lange Hosen, steife hohe Kragen, genähte Krawatten und haben Schatten unter den Augen. Sie machen missmutig-spöttische Gesichter und passen gar nicht unter uns Knäblein im blauen Matrosenanzug. Und der brave Lehrer Hofmann mit dem grauen Schnauzbart und der genähten, etwas dörfischen Seidenkrawatte macht schon ganz wehmütige Abschiedsaugen, weil er wieder eine Klasse hergeben muss, die er fünf Jahre lang emporgeführt hat. Es gibt keinen Lehrer, dem ich mehr verdanke als diesem: er hat mich Schreiben und Lesen gelehrt, das ist doch gewiss etwas, aber was mich die anderen gelehrt haben, ist zum mindesten zweifelhaft, und das meiste davon habe ich weder gebraucht noch behalten. Ob er noch lebt, der alte Lehrer Hofmann? Was ist wohl aus den Mitschülern geworden? Einer ist nach Amerika gegangen und verdient gut, einer ist Rechtsanwalt geworden, der hat Selbstmord verübt. Viele sind untergegangen im grossen Strom der Unbekannten, und alle haben ihr fremdes Schicksal. Ich drehe das Bild um, und nun steht die ganze Klasse Kopf. Und je länger ich hinstarre, um so deutlicher lösen sich aus der Wir sind in der Lage, unsern Lesern aus der Feder eines in amerikanischen Verhältnissen bekannten Journalisten einen ungewöhnlich interessanten Einblick in das moderne Amerika, für Amerikanische Eindrücke. Von Werner Berghaas. das das Automobil bekanntlich, zu grösster Bedeutung wurde, zu vermitteln. Die Red. Viele Helden feiert Amerika. Mit Triumphzügen, mit Papierschnee aus dem Himmel der Wolkenkratzer, mit den Fanfaren der Presse und Zehn-Minuteh-Beifall in den grossen Sälen. Aber die Unsterblichkeit, die aus dem Jubel der Masse winkt, ist befristet. Es gibt Eintagshelden, eine sehr amerikanische Erscheinung, die, «gemacht» vom Morgenblatt, vom Abendblatt schon vergessen sind. Es gibt Sportsleute, Schlagersänger, Film- und Revuesterne, die es auf eine Saison bringen, ein paar Jahre vielleicht. Aber wenn man einmal die Scheinwerfer der künstlichen Propaganda ausknipst, dann leuchten nur wenige noch, und das sind die Sterne der Nation. Dazu gehört Lindy, dieser Lausbub aus Amerika, dessen Sprung über den Ozean seinen Landsleuten einen Sieg bedeutet wie keiner im Weltkrieg, und — unmittelbar neben ihm — Henry Ford. Wer sich nach den Lieblingen des Volkes erkundigt, wird diesen kurzen Namen immer wieder zu hören bekommen: Ford. «Es ist unser Bester.» Die 26 Millionen Autos, die in den Vereinigten Staaten laufen, hat er nicht samt und sonders gebaut. Aber aus dem einst umneideten, unerschwinglichen Luxusbesitz weniger, hat er ein Besitztum aller gemacht. Er hat den Fussgänger «erlöst*, und auf, weiche Räder gesetzt. Und das war ein Geschenk, mit dem in der Kulturgeschichte etwas wie ein neues Kapitel anfing. Seht euch ein amerikanisches Kind von heute an. Hat es Vater und Mutter sagen gelernt -r das dritte Wort, das in sein kleines Wörterbuch kommt, heisst «Car»: so nennen sie drüben ihren Wagen. Es hat nur drei Buchstaben, aber es wird in seinem Leben eine Rolle spielen. Ich denke an den Knirps Harold, vier Jahre, alt, mit dem ich viele Tage lang über Land,fuhr. Das Sprechen bereitet ihm noch Beschwerden, die Marke eines Autos jedoch erkennt er ein Kilometer weit an der Silhouette. Sein halbes junges Dasein nämlich verrollt auf Gummireifen. Morgens « Es muss ein ziemlich kräftiger Bursche gewesen sein! > «Kräftig? — Ja...» Frank dachte nach. « Gross war er, gut mittelgross, etwas grösser als Sie.» « So. — Sie haben im Büro drüben Stellung bekommen — werden froh sein, wie ? » Der Ton, in dem Dunker sprach, klang etwas hochmütig. «'Doch, sehr froh! > antwortete Frank kurz. — Als Frank seiner bescheidenen Wohnung zuging, war der anfängliche Freudenrausch über seine neue Stellung schon halb und halb verflogen. Fast bereute er den Schritt. Die Leute waren alle so merkwürdig unaufrichtig. In Maurus hatte er anfangs geglaubt, einen der Menschen zu finden, denen ehrliche Herzlichkeit nicht fremd ist. Und doch, als die Zeit gekommen war, da hatte er fühlen müssen, dass eine Mauer zwischen ihm und diesen Menschen stand. Er hatte diese Mauer in dem kalten Händedruck Dr. Maurus, in dem kalten Blick der blauen Augen Evelins und in dem selbstverständlichen Hochmut Dunkers gespürt. Das Leben war , nicht sentimental. Es war klar, diesen Menschen bedeutete er nicht sehr viel. In seinem Wesen lag aber eine sehr starke Sehnsucht nach Geltung. Er raffte sich zusammen. In seiner Seele brannte plötzlich Erkenntnis und Vorwurf, dass er fast zu müde, zu willenlos, zu tatenlos geworden war im Nachtbetrieb seines unsichern- Musikantendaseins, um aufs neue erfolgreich ein Leben zu beginnen. Kraft, Kraft und nochmals Kraft brauchte er, um sich wieder emporzuringen. War das Chaos, in dem sich das Mauruswerk durch die Photographie seltsame Fratzen, totenähnlich mit gebrochenen Augen, Köpfe wie aufgedunsene Quallen, Gesichter wie alte Mandrille. Es ist das Bild unserer Kindheit, die so unfassbar, so unwiederbringlich in die Tiefe gesunken, so unwirklich, so frauenhaft fremd geworden ist.... Autofahren — die neue Lebensform nimmt ihn Mamy mit. Weil sie noch keine Millionärin ist und Dienstboten deshalb unerschwinglich sind, besorgt sie das Einholen selber. Aber Mamy geht nie zu Fuss. Und wenn auch der Milchmann nur hundert Meter weiter wohnt und der Gemüsemann hundertfünfzig — sie nimmt den «Car». In einem seiner Filme ist Buster Keaton ein so entsetzlich reicher und so faul wie reicher Milliardär, dass er, um von einer Strassenseite zur gegenüberliegenden zu gelangen, sein Auto benutzt. In diesem Land, in dem auch die Waschfrau im eigenen Wagen von einem Kessel zum andern fährt, übertreibt Busters Filmscherz die Wirklichkeit nur um ein kleines. Und um vom Hosenmatz Harold zu reden: er ist nicht gerade in der Limousine geboren worden, aber in ihr empfing er die unvergesslichen frühen Eindrücke, die er noch im Alter wissen wird. Sonntags zum Beispiel, wenn er mit den Eltern ins Grüne durfte. Im Auto hat er die köstliche Eiscremetüte, die ihm der Vater von der Bude an der Landstrasse hereinholte, leergeleckt; im Auto hat er, weil das Polster nass war, seinen ersten Klaps gekriegt und gebrüllt — und geschwiegen wieder, wenn dann der Wagen so wunderbar sauste... Im Sausen lernt er die Zahlen, wie sie gross auf den Nummerntafeln der Highways, dieser prachtvollen Heerstrassen des amerikanischen Ueberlandverkehrs, an jeder Wegkreuzung stehen. Und, kaiue Uebertreibung, an den Reklameplakaten lernt er lesen, noch ehe er zur Schule geht. Riesenhafte Schilder zu beiden Seiten des Fahrdamms sind wie die Seiten einer Fibel, in der er zu buchstabieren beginnt. Es sind bunte Bilder dabei, und die Lettern sind gross. In der geistreichen Einfalt ihrer Propagandasätze reden und lehren sie die Qptimistensprache eines kaufmännischen Landes. Harold wird früh wissen, mit welcher Rasierklinge er sich später einmal zu rasieren hat, warum mit dieser und mit keiner andern, und welches der beste Zigarettentabak, der ideale Staubsauger und Radioapparat ist und was ein amerikanisches Menschenpaar — ausser der Car! — haben muss, um ganz glücklich zu sein. Und in der Gemäldegalerie Schwächlichkeiten seiner leitenden Persönlichkeiten befand, nicht ganz besonders geeignet, um einen jungen Menschen, der seine Ellenbogen zu gebrauchen weiss, Gelegenheit zu geben, sich emporzuarbeiten ? Gewiss, also los! Sein Ringen ging um den Platz an der Sonne. V. Sonja. Die Russin Sonja wartete in ihrem ärmlichen Zimmer auf Frank Hörn. Sie machte keine Bewegung als er, von Maurus zurückkehrend, bei ihr eintrat. Erst nach längerm Schweigen fragte sie leise : « Du warst heute schon fort, Frank ? > « Ja, Sonja, ich war fort», antwortete der junge Mann fast verlegen, «ich habe einen wichtigen Schritt getan, — Ich habe endlich einen anständigen Beruf.» Sonjas grosse, schwarze, bezaubernd schöne Augen blickten erstaunt: « Wo warst du ? » «Ich war drüben bei Dr. Maurus. > « Bei dem Autofabrikanten ? » « Ja, Sonja. Ich habe drüben eine Stellung bekommen — im Büro. » Die Studentin schwieg lange und überlegte. Frank spielte nervös mit einer halbzerbrochenen Tasse auf dem abgescheuerten Tisch. «Ist es dir nicht recht, Sonja ? > Mit einem merkwürdig lauernden Blick stellte sie die Gegenfrage : « Wie kamst du zu Dr. Maurus ? > « Ich habe, als ich spät in der Nacht heimkam, den Mörder des Ingenieurs aus dem Fenster steigen sehen. Das sagte ich Dr. Maurus. Und dann bat ich ihn um eine Stellung. Ich glaube, ich habe ihm gefallen.» Der Verlassene Ich kann nicht begreifen und fassen, Dass sie fortgegangen ist. Dass ich letzt allein bin und verlassen, Dass nun das alles — vergangen ist... Dass ich ihr nicht mehr die Hand geben kann, Nicht mehr ihre Augen kann seh'n, Und dass ich am Abend dann Einsam am Fenster muss steh'n. Ganz allein trage ich meinen Schmerz, Dass sie fort ging, ohne einen letzten Kuss, Und ich nun so an ihr leiden muss, Die mich vergass wie einen flüchtigen Scherz. Ratoh Reger. dieser Freiluftreklame setzt sich's vielleicht fest, wie süss und rosig das Mädchen aussehen muss, mit dem er, wenn er ein grosses Kind ist, einmal Puppe spielen wird. Durch die Windschutzscheibe lernt er sein Land! Er kennt nicht nur die Strasse, in der er wohnt; er kennt die Welt im Siebenmeilenkreis ringsherum. Er misst sie an den Verkehrsampeln der Landstrasse. Eines Abends, als wir müde auf dem Heimweg sind und wieder einmal halten müssen vor einer roten, gähnt Harold: «Noch drei Lichter,» sagt er und meint die Ampeln, «dann sind wir zu Hause.» Wenn sie älter werden, die jungen Amerikaner, verwachsen sie mit ihrem Auto wie die Hunnen mit ihrem Pferd. Fast unvorstellbar ist ein Bild wie bei uns: dass ein älterer Herr, vom Fahrlehrer betreut, an Kupplung und Steuer Griffe klopft. Man lernt fahren drüben, wie man gehen lernt; amtlich geprüft wird man so wenig wie auf zweckmässigen Gebrauch der Gehwerkzeuge. Alle Gymnasialwönne ist verknüpft mit der Car. Die Sportfreude, die Fahren heisst, Sausen, Steuern, Ausweichen, Bremsen — das Herz auf die Ferne gerichtet, die Nerven, in der Bereitschaft zu blitzschnellem Entschluss, .auf die Nähe — manchmal denkt man: das formt die Menschen... Und die Lust, «Indianer» zu sein, ein Zelt aufzubauen, das man im Auto mitgebracht hat — für die erste, wunderbare Nacht unter freiem Himmel! Wo dem Herrn Sohn kein eigner Wagen gekauft werden kann, tut's ein Motorrad. Eines Samstagsnachmittags sah ich weit draussen vor der Stadt einige hundert halbwüchsige Motorradfahrer versammelt. Am Fuss eines grünen Hügels, an dem sie ihre Gefahrbedürfnisse befriedigten. This • hill was never topped, erklärt mir einer, der vielleicht zwölf Jahre alt ist, wichtig. Dann springt er auf den Sattel seiner knatternden Maschine — Holzstücke zwischen Pedal und Sohle, sonst wären die Beine zu kurz —, rast, Sonja schien überrascht. « Du sahst den Mörder ? » Er erzählte Sonja von der merkwürdigen Fenstervergitterung und den andern sonderbaren. Umständen des Verbrechens. Sie hörte aufmerksam zu. Als er geendet hatte, fragte sie mit schmerzlich bewegter Stimme : « Frank, waren wir nicht glücklich ? » •Der junge Mann kämpfte sichtlich mit sich seihst. Wie wenn er sich vor den Worten fürchtete, stiess er halblaut hervor : « Sonja, ich nicht!» Zusammenzuckend fragte sie leise : « Habe ich dir nicht alles gegeben ? » « Du schon, Sonja. Aber das Leben nicht. > « Das Leben ist schwer, Frank, » «Nein, Liebste, nein! Das kann nicht sein !» t «Frank, manchmal fürchte ich mich vor mir selbst. Es ist etwas in mir, das mich vernichten will. Frank, glaube es mir — ein unwandelbares Geschick bestimmt unser Leben und wir sind machtlos gegen dieses, wir können es nicht brechen und nicht biegen. Wer unter einem bösen Stern geboren ist, wird nie sich im warmem Strahl des Glückes sonnen. Lies Dostojewski, Frank, und du wirst begreifen, wie sehr Schuld und Verhängnis zusammenwirken, um unser Herz mit tödlicher Unruhe zu erfüllen. Frank, auch uns wird die Fülle des goldenen Überflusses, von der du Schwärmer träumst. Unser Reichtum liegt in uns selbst, Frank, du hast unser Schicksal gestört. Wirf dich nicht den unaufhaltsamen Lauf der Ereignisse entgegen. Sie werden dich zermalmen. Was warst du ? — Ein Künstler! Was bist du nun ? — Ein Sklave, ein kleiner BüroanEcestellter ! » (Fortsetzung folgt.)