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E_1931_Zeitung_Nr.074

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 8. September 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. — N° 74 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscbelnt Jeden Dienstag and Freit«. Monatlieb „G«Ih* Utt«" HatbJIhrneh Ft. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portonnehtag, vttern nicht poftamtlieb bestellt. Zuschlag tor postamtliche Bwtellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegranun-AdrwM: Autorevue, B«m Zum Kapitel Fremdenfrage Die Frage des Fremdenzuzuges hat die schweizerische Presse und auch die Kreise der Hotelindustrie in den letzten Wochen stark beschäftigt. Der Sommer ist im Wasser verflossen. Das Deutsche Reich hat versagt. Tausende von Gästen sind ausgeblieben. Die schweizerische Post als Gradmesser weiss etwas davon zu erzählen. Mehr als sie, unsere schweizerischen Hotels. Der erwartete Zuspruch blieb aus und damit Erwerb und Verdienst. Die Krisenerscheinung ist nicht leicht zu nehmen, hängt doch vom Gang der Hotelindustrie wesentliches für unsere Volkswirtschaft ab. In unseren Hotels sind Millionen und Millionen investiert. Tausende von Arbeitskräften sind mit ihr verbunden. Gewerbe und Landwirtschaft stehen in enger Interessengemeinschaft. Gründe somit genug, um dem Problem in allem Ernst entgegenzutreten. Einfach sich mit dem Gedanken abzufinden, eine allgemeine Krise beherrsche den Markt, geht nicht an. Die Krise muss bemeistert und den Ursachen auf den Grund gegangen werden. Unsere Eisenbahnen geben sich alle Mühe, den fremden Touristen in unser Land zu ziehen. An der nötigen Propaganda fehlt es nicht. Auch die eidgenössische Post unterlässt nichts, um auf die Schönheiten unseres Landes und auf die Annehmlichkeiten einer Fahrt im eidgenössischen Postwagen aufmerksam zu machen. Unsere Verkehrszentrale wirkt im gleichen Sinn. — Allein dies alles genügt nicht mehr. Dies einzusehen, fällt unsern Offiziellen schwer, trotzdem die Statistik beweist, dass E U I «Typ Evelin» TON Autosportroman von Karl Schmidl. (9. Fortsetzung) « Kein Mensch ist treu! > Es hatte wie ein verzweifelter Schrei geklungen, dann hörte Frank fassungsloses Schluchzen. Verärgert drehte eT das Licht an. < Was ist das, Sonja ? Ich glaubte dich mit meiner Nachricht zu erfreuen und du beleidigst mich mit diesem unsinnigen Verdacht. Ich bitte dich, beruhige dich! Du bist ja vollständig hysterisch! Deine Nerven sind kaput. Ich bitte dich, lass das viele ZiigaTettenrauchen! Es tut dir nicht gut.» Sonja erhob sich und trocknete ihre Tränen. «Du hast recht, Frank! Verzeih mir! Und geh jetzt zu Bett! Morgen ist alles gut.» «Nein, Sonja! Ich gehe nicht zu Bett. loh möchte diesen Tag ein wenig feiern — mit dir. Wo wollen wir hingehen? > «Frank, gehe heute allein! Morgen dann! Ich fühle mich nicht wohl und möchte schlafen. » Frank küsste seine Geliebte, sie erwiderte seine Liebkosung mit Leidenschaft. «So mein Kind. Sei wieder vernünftig! Und morgen beginnen wir ein schönes Leben. > Sonja senkte den Kopf. ,«Ja, Frank! Gute Nacht!» i In einem der grossen Hotels im Zentrum feierte Frank Hörn seinen Erfolg. Von seinem Tisch aus, der in einer molligen Ecke stand, überblickte er das Leben und Treiben der bunten Menge, der eleganten Welt, zu der er sich nun auch wieder rechnen durfte. Süss sangen die Geigen und Frank erinnerte sich daran, dass er vor gar nicht langer Zeit ebenfalls auf einem solchen Podium gestanden hatte — und für die andern gespielt hatte. Am Morgen stand er zeitig auf, um Sonja zu begrüssen. Lächelnd trat er in ihr Zimmer, einen grosesn Blumenstrauss in der Hand, den er in einem nahen Blumengeschäft besorgt hatte. Ueberrascht hielt er inne. Das Zimmer war leer. Alles war sauber aufgeräumt. Sollte Sonja schon so früh ausgegangen sein ? Eine bange Ahnung überkam ihn. Er eilte auf die Ottomane zu. Da lag ein Brief. « Herrn Frank Hörn. » Rasch riss er die Hülle auf und las. « Frank! Meine Seele war schon lange krank. Gestern ist sie gestorben. Du bist nicht schuld, das Schicksal hat es so gewollt. Du warst gut — aber ich war nicht das, wofür Du mich hielt. Ich habe Dich getäuscht und belogen. Ich hätte es nicht weiter getan, doch das Schicksal, an das ich glaube, entreisst Dich mir. Du steigst zur Sonne empor, wie ich in die Nacht zurücksinke, die mich geboren hat. Forsche mir nicht nach! Du wirst mich nicht finden! Dein letzter Kuss war meine letzte Freude. Sonja.» Frank war sehr blass geworden. Er setzte sich. Was bedeutete das ? Sonja war geflohen. Wohin ? Zurück nach Russland ? Er las den Brief nochmals. Sie schrieb : «...ich habe Dich getäuscht und belogen.» jährlich Tausende ausländischer Automobilisten unsere Schweiz mit eigenen Wagen befahren und Millionen Franken in unserem Lande zurücklassen. Dieser Automobilgast wird leider in unserem Lande noch zu wenig gewürdigt. Wir betonen leider, da er heute bereits in unserer Fremdenindustrie eine wichtige Komponente bildet. Zahlen beweisen es. Aber auf diesem Gebiet des Verkehrswesens bewegen wir Schweizer uns äusserst schwerfällig und langsam, und zwar zu unserem grossen Nachteil. Andere Völker und Staaten sind weit anpassungsfähiger. Wir hingegen kommen den internationalen Bedürfnissen nur zögernd nach. So erwächst die Gefahr, dass die sich stets steigernde Kategorie der Autofahrer und Auslandsreisenden zwangsläufig unserem Lande ferngehalten werden. Die «Automobil-Revue» hat im Verein mit Verkehrspolitikern wiederholt und eindringlich auf die schwerwiegende Frage aufmerksam gemacht. Unsere übrige Schweizerpresse scheint leider das Problem weniger zu beschäftigen. Haben unsere Kritiken berechtigte Gründe? Gewiss. Man fahre nur im Auslande. Der Kontrast wirkt. Niemand wird ihn abstreiten können. Die uns umgebenden Staaten arbeiten an der Herstellung eines grosszügigen Strassennetzes. Frankreich und Italien gehen vorbildlich voran. Auf französischen oder italienischen Strassen zu fahren ist direkt eine Freude. Nicht nur wegen des Belages. Komplikationen, Nörgeleien kennt man nicht. Das Auto findet grösstes Verständnis bei der Bevölkerung, es wird in seiner kulturfördernden Arbeit anerkannt. So weit sind wir leider noch nicht. Nur zu gerne wird der «arme Fussgänger» gegen den «rücksichtslosen Automobilisten» ausgespielt. Die Verkehrssicherheiten spielen zudem eine grosse Rolle. Strassenfonds werden geäufnet, Millionen-Kredite für Beseitigung von Bahnübergängen bewilligt, Alpenstrassen und internationale Reiserouten erstellt. Es wäre töricht, die bei uns gemachten Anstrengungen nicht anerkennen zu wollen. Aber wir wollen aufrichtig sein. Wie vieles muss bei uns monate- ja jahrelang in den Kommissionen erdauert, von Ausschuss zu Ausschuss geschleppt werden, bis irgend ein dringend notwendiges Projekt Gestalt annimmt — oder verworfen wird? Bieten nicht die bestehenden Alpenstrassenproiekte ein treffendes Beispiel eidgenössischer Trölerei? Was unsere Hotellefie anbetrifft, liesse sich dies und das sagen. Wir wollen mit ihr nicht rechten. Sie bemüht sich, den heutigen Anforderungen gerecht zu werden. Allein kann sie's nicht vollbringen. Sie muss um den Ruf einer guten Küche und sorgfältigen Bedienung besorgt sein und sollte Verkehrs- und Propagandafragen anderen Instanzen und Behörden vertrauensvoll überlassen können. • Auto im Dienste des Gewerbes. Anlässlich der eidgenössischen Betriebszählung 1929, deren Ergebnisse nunmehr in einer Reihe wohldokumentierter Arbeiten vom Eidgenössischen Statistischen Amt veröffentlicht werden, wurden auch die Kraftfahrzeuge erfasst, welche in den Gewerbebetrieben verwendet werden. Den Zahlen entnehmen wir, dass in den 217,792 Betrieben aller Grössenklassen insgesamt 42,590 Kraftfahrzeuge benützt werden. Somit standen auf Ende des Jahres 1929 mehr als ein Drittel aller in der Schweiz verkehrsberechtigten Motorfahrzeuge im Dienste gewerblicher Betriebe. Davon entfielen allein 20,376 auf Industrie und Handwerk, 13,042 auf Handelsunternehmen, 6129 auf Betriebe zur Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln und 5659 auf Betriebe zur Herstellung von Baustoffen und Wohnungseinrichtungen. Schon diese wenigen Zahlen, die sich seither bestimmt noch beträchtlich erhöht haben, zeigen, welche bedeutsame Rolle das Motorfahrzeug heute in der schweizerischen Volkswirtschaft spielt. Bemerkenswert ist weiterhin die Tatsache, dass am meisten Kraftfahrzeuge, nämlich 8913, in Betrieben, welche, 2inschliesslich des Betriebsleiters, 2—3 Personen beschäftigen, Verwendung finden. An zweiter und dritter Stelle /stehen Betriebe von 6—10 Personen mit 6453 Fahrzeugen und Betriebe mit 4—5 Personen, wo 5616 Fahrzeuge benötigt sind. Der Umstand, dass gerade die kleinsten Betriebe am meisten auf das Motorfahrzeug angewiesen scheinen, illustriert, wie sehr sich Automobil und Motorrad vom Luxus- zum ausgesprochenen Nutz- und Gebrauchsfahrzeug entwickelten. Man kann sich auch leicht vergegenwärtigen, dass gerade in den kleineren und kleinsten Gewerbeunternehmungen die Kostenfrage für Betrieb und Unterhalt des im Geschäft verwendeten Fahrzeuges im Budget mit an erster Stelle steht. Sonja, seine Geliebte seit vier Jahren, deren Seele er bis in den entlegensten Winkel zu kennen geglaubt hatte — sie sollte ihn belogen, betrogen haben. «... ich war nicht das, wofür Du mich hieltst...» Frank dachte lange nach und je mehr ihn seine Gedanken zurückführten, desto mehr sah er ein, dass die Russin für ihn immer ein Rätsel gewesen war. Sie hatte sich als Studentin bezeichnet, doch besuchte sie nur selten eine Vorlesung. Er hatte eigentlich nie erfahren, was sie studierte. Auf seine Frage danach hatte sie ihm immer ausweichende Antworten gegeben. Und warum floh sie ihn jetzt, in dem Augenblick, da er in der Lage war, ihr ein schönes Leben zu bieten^ jetzt da er damit rechnen konnte, sie bald zu heiraten? Er hatte mit ihr öfters von einer zukünftigen Ehe gesprochen, denn bei all der tiefen Liebe, mit der sie ihn umgab, war ihm dieses Boheme-Dasein zuwider. Doch Sonja hatte ihm immer nur mit einem bitteren, ungläubigen Lächeln geantwortet. Sie hatte ihre eigene, recht russische Ansicht von der Ehe. Gestern hatte sie ihm vorgeworfen, dass er sie vernachlässige. Frank fühlte sich nicht ganz frei von Schuld. Er hatte sich tatsächlich in den Tagen wenig mit ihr beschäftigt, seit blonde Evelin... Missmutig erhob er sich, warf noch einen Blick auf das ärmliche Zimmer, in dem er viele Stunden des Glückes erlebt hatte und begab sich auf die Strasse. Heute noch würde er eine andere Wohnung suchen. In der Fabrik arbeitete man mit fieberhaftem Eifer an den Vorbereitungen zum grossen Bergrennen von 'Bernardino. In acht Tagen sollte es stattfinden. Frank wurde so- INSERTIONS-PRE1S: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU> GrOssere Inserate nach Seitentarll. Inseratenscblus« 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Dies lässt den von uns immer wieder betonten Schluss zu, dass einmal das Automobil nicht endlos das Objekt fiskalischer Belastung sein kann und zweitens die Wirtschaftlichkeit vieler solcher kleiner Betriebe mit der Höhe der durch Verwendung eines Motorfahrzeuges knüpft ist. verursachten Kosten eng ver- ß Vorgänge auf dem internationalen Petroleummarkt Zur Zeit vollziehen sich in der amerikanischen Petroleumindustrie wichtige Konzentrationsbewegungen. Die Standard Oil Comp. of New Jersey steht, wie wir bereits meldeten, mit der Standard Oil of California vor einer Fusion, was zur Bildung des grössten Einzelunternehmens in den U. S. A. führen würde. Da die beiden Unternehmungen, die sich jetzt zusammenschliessen, miteinander schon seit langem in Fühlung standen, dürfte die Stellung des Standard Oil-Korizerns auf dem Weltpetroleummarkte hierdurch kaum gestärkt werden. Daneben schweben aber noch eine Reihe anderer Erdölfusionen. So verhandeln die Standard Oil of Ohio und die Solar Refining Comp. ebenfalls über einen Zusammenschluss. Ferner steht bekanntlich die Sinclair Consolidated Oil Comp. im Begriff, mit mehreren andern unabhängigen Petroleumgesellsehaften zu einem Milliardentrust sich zusammenzuschliessen. Neuerdings hat Sinclair auch Verhandlungen dahin aufgenommen, um die Einbeziehung der Standard Oil Comp. of Nebraska einzuleiten. Ausserdem sind Besprechungen hinsichtlich einer Fusion der amerikanischen Continental Oil Comp. mit der Shell-Gruppe im Gange. Dieser letztern Fusion kommt deshalb grössere Bedeutung zu, als die Continental Oi! Comp. zum Interessenkreis des Morgantrusts gehört. Kürzlich hatte sich die Standard Oil of New York mit der Vacuum Oil zu einem neuen Unternehmen unter der Firma Socony Vacuum Corp. vereinigt. Stärkste Ueberraschung hat die letzte Woche ausgewiesene beträchtliche Zunahme der Rohölgewinnung der Vereinigten Staaten um täglich 109 000 Fass auf 2 608 000 Fass hervorgerufen. In Anbetracht der Stillegung eines grossen Teils der Petroleumquellen in fort von Maurus gerufen. Er fand den zweiten Sekretär Veitler dort. « Herr Hörn, Sie werden mit Herrn Veitler noch einen geschickten Artikel in die Blätter lancieren — verstehen Sie, — einen Artikel, der die allgemeine Aufmerksamkeit etwas von den Stockholmern ablenkt und der uns in den Vordergrund des Interesses rückt. Nehmen Sie auch Sealson zu Hilfe. Er wird Ihnen einige Einzelheiten sagen können — und Dunker, ja, dem muss man sofort antelephonieren.» Als Frank gehen wollte, hielt ihn Maurus noch zurück. « Sie werden uns in die Schweiz begleiten, Herr Hörn. Legen Sie sich Garderobe zu für Strasse und Abend! » VIII. Der Tag von Bernardino. Die Mittagssonne eines vollen Frühlingstages strahlte über der alten Graubündener Bischofsstadt Chur... Vor der Pforte des grössten Hotels hielt ein grosses, elegantes Auto. Evelin, ihr Vater und Frank entstiegen ihm. Sie hatten sich entschlossen, hier Rast zu machen. «Habe ich mein Wort gehalten, Herr Hörn? » « Jawohl, allen Respekt! Es sind sogar noch gute zehn Minuten bis Mittag. Sie fahren aber auch ausgezeichnet. Eigentlich ist es eine Schande, dass wir dem schwachen Geschlecht die Führung überlassen müssen.» « Ach was, Schande! Dieses « schwache » Geschlecht hat immer das Steuer und die Hauptsache ist, dass wir jetzt etwas Warmes in den Leib kriegen.» (Fortsetzune im «Autler-Feierabend».)