Aufrufe
vor 3 Monaten

E_1931_Zeitung_Nr.074

E_1931_Zeitung_Nr.074

Grosse? Fagiol! aui

Grosse? Fagiol! aui Maserati beendet den Kampf als Sieger. — Zweiter Borzacchini auf Alfa- Romeo. — Scaron auf Amilcar Sieger des Grossen Preises der Kleinwagen. — Schwerer Unglücksfall. — Riesige Zuschauerinengen. Der grosse Preis von Monza vom vergangenen Sonntag gestaltete sich wiederum zu einer eindrucksvollen Manifestation des internationalen Automobilsportes. Erneut stand Monza im Zeichen seiner grossen Automobilrennen; nicht nur aus Italien, aus ganz Europa richteten sich die Interessen der Sportfreunde nach der idealen Rennstrecke in der Po- Ebene, wo sich am Sonntag der letzte grosse Kampf dieses Jahres abspielte. Wieder drängten sich riesige Menschenmassen schon lange vor Beginn des Rennens auf den Tribünen und der Strecke entlang. Die italienischen Zeitungen veröffentlichten schon seit vielen Tagen ausführliche Berichte über die interessanten Trainingsfahrten, bei denen sich die Fahrer mit der Strecke vertraut machten. Dank der ausgezeichneten Organisation, deren tadellose Arbeit bedauerlicherweise durch ein schweres Unglück unverschuldeterweise getrübt wurde, erlebten gegen 100 000 Zuschauer ebenso spannende wie abwechslungsreiche Kämpfe. Aufs neue bewies die Begeisterung der Mengen die Eignung der beim neuen Monza- Rennen angewendeten Formel, die bekanntlich ständig für raschen Szenenwechsel sorgt. Auf den Tribünen bemerkte man selbstverständlich wiederum die Spitzen des Automobilsportes, sehr viele repräsentative Behördenvertreter und die ganze elegante Gesellschaft aus den italienischen Grossstädten, Die Schweizerbesucher waren in Monza erfreulich gut^ vertreten; man bemerkte vor allem viele Os'tschweizer. Der grosse Tag von Monza begann schon am frühesten Morgen mit dem Ansturm der Besucher, die mit Automobilen, Fahrrädern, Fahrzeugen aller Art, per Bahn und zu Fuss nach Monza gepilgert kamen. Die Hunderttausend Zuschauer belebten bald die Tribünen und die Strecken längs der Bahn entlang, die vorläufig noch rein und harmlos sich darbot, als würden nicht schon mach kurzer Zeit die wildgewordenen Wagen toi? auf ihr dahinjagen. Die Italiener waren in ihrer Begeisterung und ihrem brennenden Interesse für die einzelnen Fahrer nicht mehr zu halten, als die Uhren auf 10 Uhr standen. Die Starterfahne zum Zeichen des Rennbe- Rinns für den von Moftza Grossen Preis der Kleinwagen war gesunken, das Rennen um den Grossen Preis von Monza 1931 war eröffnet! Das wilde Donnern der davon rasenden 17 Wagen stieg zum Himmel, der die Rennbahn mit einem seidigen Blau überspannte. Schon nach kurzer Zeit löste sich aus der rasenden Meute ein Amilcar, es war Scaron, der Fagioli auf Maserati, Sieger des Grossen Preises von Monza. (Photo «Auto-Revue».) vorzügliche Kleinwagenfahrer, der sich bereits einen Vorsprung zu schaffen gewusst hatte. Schon die zweite Runde erledigte er mit dem Stundenmittel von 138,14 km. Dem Belgier setzte der Italiener Premoli auf Salmson sehr scharf zu, allein an dem Elan Scarons zersplitterte jeder noch so verzweifelte Versuch, ihn zu überholen. Schon nach wenigen Runden hatte der Belgier einige Fahrer tiberrundet, und seinem Siegeslauf war bis zum Schluss nichts mehr anzuhaben. Nach guter Fahrt konnte sich Graf Arco- Zinneberg auf Amilcar hinter den ersten beiden versierten Kleinwagenfahrern als Dritter placieren. Scaron legte die 20 Runden der 6,86 km langen Rundstrecke mit dem für AUTOM OBIL-REVUE 1931 — N* 74 einen Kleinwagen ausserordentlichen Stun- gen, dies wusste man längst, mit dem festen denmittel von 135,4 km zurück. Willen in den Kampf, coute que coute den Sieg Die Resultate: an sich zu reissen. Ihre Fahrt gestaltete sich l. Scaron auf' Amilcar, 137 km in 1:00:47,4 denn auch zu einer wirklichen Glanzleistung. (StundenmiUel 135,436 km); 2. Premoli auf Salm- Die anderen Konkurrenten blieben vor diesem son, 1:03:06,4; 3. Graf Arco-Zinneberg auf Amilcar, Sturm der Energie bald zurück. Der Europa- 1K)3:27; 4. Cabantous auf Gaban; 5. Klinger auf meister Minoia auf Alfa-Romeo Und LehOUX Maserati. au{ Bugattj der Sieger von Genf, rangen ver- Der Grosse Preis der Kleinwagen hatte gebUch um eine wirksame Annäherung an die das Publikum in die richtige Rennstimmung blitzscnnei len Spitzenfahrer, die zur Begeistegebracht, so dass es mit Ungeduld, die sich rung der itaij enisch en Zuschauer mit grosser immer und immer wieder in lauten Rufen Regelmässigkeit und höchster Geschwindigund Beifallskundgebungen ausserte das Ren- kejt vorbeibrausten. Das ganze Rennen nen der drei Klassen erwartete. Um 11.30 wurde so zu einer grossen Sache für Maserati. Uhr starteten die 17 Konkurrenten für den Beide erste p]ätze konnten von der gldchen ersten Vorlauf Marke belegt werden. Mit ganz kleinen Zeitder Klasse 1100—2000 ccm. Am Start war unterschieden ging Fagioli als Erster und u. a. auch der Schweizer Pedrazzini auf Ma- Dreyfus als Zweiter durch das Ziel. serati. Schon nach wenigen Kilometern Fahrt Die Resultate: ging Ruggeri auf Maserati an die Spitze vor. 1. Fagioli (Maserati). 36:55,8 (Stvraaenmitte.l Czaikowski Und Biondetti lagen längere Zeit 155,987 km); 2. Dreyfus (Maserati) 36:57 6; 3. Mihart hinter dem Führer der Gruppe, allein £»#«• £%SS^X ' * °' der schnelle Italiener wusste jeden Angriff TT .. TT, f , , , um 14 unr I01£te aer seiner Verfolger glücklich abzuschlagen. Auch ein durch einen kleinen Defekt erfolgter dritte Vorlauf Zeitverlust von Ruggeri in der zweiten Hälfte der Klasse über 3000 ccm. Im Publikum stieg des Rennens vermochte ihm die Siegesstel- nun die Spannung; die berühmten Internatiolung nicht mehr zu rauben. Die Schweizer nalen rückten auf! Die beiden Bugattisten Besucher konstatierten mit grossem Vergnü- Varzi und Chiron starteten nicht mit den gegen die ebenso sicher wie regelmässige Fahr- meldeten 16-Zylinder-Modellen, sondern mit weise des Tessiners Pedrazzini, der sich ei- den 8-Zylinder-Wagen (4900 ccm). Nuvolari nen guten vierten Platz schon im Laufe des und Campari gingen mit den Zwölfzylindern Rennens sichern konnte und den er dann Alfa-Romeo in das Rennen, während E. Maseatch bis zum Schiuss nicht mehr verlor. To- rati den neuen 16-Zylinder-Maserati bestieg, selli (Bugatti) und Pirola (Alfa Romeo) Kurz nach dem Start schob sich Varzi an die machten in der letzten Runde noch mit dem Spitze vor, stark bedrängt von seinen harten Strassenbord Bekanntschaft, dabei zog sich Gegnern. Hinter ihm rasten die gefährlichen Pirola einige ungefährliche Verwundungen Konkurrenten Chiron und Nuvolari. Immer zu. Hinter Ruggeri vermochte sich als Zwei- erbitterter gestaltete sich nun in den nächsten ter Biondetti zu placieren. Die ersten vier Runden der Kampf um die Spitze; während Klassierten qualifizierten sich somit für den Varzi sein unheimlich scharfes Tempo durch- Endlauf, während der Fünfte bis und mit dem hielt, steigerte Nuvolari noch und rückte Achten am Hoffnungslauf noch teilnehmen immer näher. Die Siedehitze der Spannung können. j m Publikum stieg rasch. Plötzlich lag Nuvo- Die Resultate: lari an erster Stelle, Varzi war überholt! Allein l. Ruggeri (Maserati), 96,054 km in 38:48,6 — kaum dass der Alfa-Romeofahrer richtig (Stundenmittel 148,498 km); 2. Biondetti (Bugatti), an der Spitze führte, brachte ihm ein Rad- 39:25 8; 3. Czaiiowski (Bugatti), 39:41.2; 4. Pe- wechsel Zeitverlust Der nun wieder aufdrazzini (Maserati), 39:56,8; 5. Morand (Bugatti), _ ns J I ff.? 1 .,;' tT Q J nun Wieder am 40:18,2. geruckte Varzi hielt mit dem gleichen ruhigen Unterdessen war es Mittag geworden. Schon Temp0 durdl - Sein Stallgenosse Chiron hatte rüsteten die Fahrer der Klasse 2000-3000 ccm sich unterdessen an Campari vorbei an die zu ihrem ebenfalls über 14 Runden führenden zw^te Stelle vorgearbeitet. Nuvolari konnte sich, ein Upier seines allerdings eindruckszweiten Vorlauf. vollen Draufgängertums, noch an die dritte Hier kam es zu so etwas wie einer Gewalts- Stelle retten, während hinter ihm Campari Revanche von Maserati für eine nicht ganz be- folgte, der am Sonntag nicht ganz in Höchstfriedigende Saison. Dreyfus und Fagioli gin- form zu sein schien. Maserati, der ..mit Grosser Preis 1 FAGIOLI auf Maserati 3. VARZI auf Bugatti ferner 3 Sieger in den Vorläufen. Bergprüfungsfahrt Kriens-Eig absoluter Sieger STUBER auf Bugatti • Kategone Sportwagen • Dr. KARRER auf Bugatti 2. BURQGALLERauf Bugatti alle mit Krlert8-Elgenthal, 6. September 1931. BESTE TAGESZEIT Neuer ftreckenrekord Kategone Rennwagen: STUBER auf BESTE ZEIT und neuer wieder überlesen! Kategorie Sportwagen: Dr. KARRER auf BUGATTB NEUER KLASSENRESCORD Kategorie Tourenwagen 2—3000 ccm : Mme. DOLD-USTER auf BUGATTI Schweiz. Meisterschaft in allen Kat. auf BUGATTI 90 /o der gesamten Bugatti-Produktion sind Tourenwagen mit der Dauerhaftigkeit und Rasse der Rennwagen. Bugatti- Garage Kühlebach A.-G. Holbeinstrasse Telephon 44.650

N° 74 — 1931 AUTOMOBIL-REVUE grossen Hoffnungen gestartet war, endete an fünfter Stelle. Der grosse Sieg von Bugatti in dieser Klasse wurde überall lebhaft vermerkt. Die Resultate: 1. Varzi (Bugatti), 96,054 km in 36:21 (Stundenmittel 158,548 km); 2. Chiron (Bugatti), 36:48; 3. Nuvolari (Alfa Romeo), 37:07,8; 4. Campen (Alfa Romeo), 37:22,6; 5t E. Maserati (Maserati), 38:37,4. Am detti verzichteten. Neun Fahrer stellten sich vor 5 Uhr dem Starter: Varzi, Chiron und Lehoux (Bugatti), Nuvolari, Borzacchini, Minoia und Minorzi auf Alfa Romeo, Dreyfus und Fagioli auf Maserati. Wieder zeigte sich Von Beginn des Rennens an bei Fagioli der feste Wille zum Sieg Schon nach kurzer Zeit führte er das Rudel der Fahrer an, die mit tollen Geschwindigkeiten an der Tribüne vorüber pfeilten. Varzi versuchte dem Maseratifahrer heiss zu machen, allein sein Versuch brachte vorläufig keinen Erfolg. Schon nach der dritten Runde musste Nuvolari anhalten. Chiron, der erst hinter ihm lag, ging nun an die dritte Stelle vor. Das Glück schien Nuvolari nicht mehr hold. Kurz nach seinem ersten Halt musste er bereits wieder an der Boxe anlegen, gleich darauf wurde sein Verzicht auf die Fortführung des Rennens bekannt gegeben. Auch Varzi und Chiron'«hielten bei der Boxe, dabei verlor der Südfranzose ziemlich viel Zeit. Nun führten die beiden Maseratifahrer Fagioli und Dreyfus; ihr Tempo Hess bereits den Sieg vorausahnen. In der 17. Runde hielt der Europameister Minoia auf Alfa Romeo vor den Boxen an. Zum Erstaunen des Publikums musste er seinen Wagen Nuvolari überlassen und abtreten. Minoia gegenüber bedeutete diese Haltung jedenfalls kein besonderes Kompliment. Nach 20 Runden lagen Fagioli und Dreyfus noch immer an der Spitze, an Tonrenwagen (2. Serie) . Sportwagen (2. Serie) : : Rennwagen (1. Serie) Mme Dold-Uster A. Muff O. Zwimpfer B. Duval „Netlochs" G. Gunten Dr J. Karrer E. Schneider H. Wehrli G. Willy f H. Kessler H. Stuber H. Stuber Dr A. Avondet L. Wittwer Bugatti Chrysler Chrysler Chrysler Lancia Bugatti Bugatti Derby Rally Amiloar Peugeot Bugatti Bugatti Bugatti dritter Stelle figurierte Borzacchini auf Alfa Romeo. Durch den Halt von Fagioli und später auch von Dreyfus vor ihren Boxen, schrumpften die mit grösster Anstrengung herausgefahrenen zeitlichen Distanzen zwischen den Spitzenführern und den an mittlerer Stelle liegenden Konkurrenten stark zusammen, so dass aufs neue der Kampf um die Spitze einsetzte. Fagioli schien von Varzi bereits erfolgreich bedrängt, als im entscheidenden Moment Varzi schwärzestes Pech beschieden war. Durch eine Panne verlor er ziemlich viel Zeit, so dass sich auch der schnelle Borzacchini an Varzi vorbei hinter Fagioli schieben konnte. Dreyfus lag nicht mehr im Rennen. Nuvolari vermochte sich auf dem vierten Platze bis zum Schlüsse zu halten. Eine Viertelstunde nach 6 Uhr beendete Fagioli als der Sieger des Grossen Preises von Monza das Rennen. Mit seinem Erfolg brachte er Maserati nach der flauen diesjährigen Saison einen ausserordentlich bedeutsamen Sieg. Das Duell zwischen Bugatti und Alfa Romeo, das während den verschiedenen Rennen dieses Jahres stets offen blieb, ergab auch am Sonntag keine Entscheidung. Eingeweihte rechneten wohl von Anfang an mit der ernsthaften Konkurrenz von Maserati. Allen drei Equipen konnte man vor dem Rennen ungefähr gleiche Chancen voraussagen. Die Fahrer von Bugatti und Alfa Romeo haben jedenfalls auch am Das Endklassement der schweizerischen Automobilmeisterschaft 1931. Kategorie (2. Serie) Fahrer Marke Grand Saconnex 89.48 100.00 99.55 94.93 88.15 53.81 95.85 71.72 100.00 48.15 100.00 100.00 90.53 66.32 Garnigel 82.76 94.59 86.40 83.07 100.00 87.47 91.02 100.00 100.00 Itlelneek- WalzBDlaiisen 92.47 98.04 100.00 85.29 100.00 100.00 Krieng- Eigenthal 92.95 85.67 100.00 100.00 100.00 Total 357.66 292.63 185.22 181.33 171.22 53.81 395.85 244.48 191.02 48.15 400.00 400.00 90.53 66.32 Sonntag wieder ihre meisterhafte Fahrkunst bewiesen. Man wird nun im nächsten Jahre voraussichtlich die Fortsetzung des gewaltigen Zweikampfes zwischen Bugatti und Alfa Rotneo erleben, der zum eigentlichen MerkmaJj der diesjährigen Automobilsportsaison \tfurde. Durch den Erfolg von Maserati in Monza aber ist der Beweis erbracht, dass man in