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E_1931_Zeitung_Nr.076

E_1931_Zeitung_Nr.076

Beziehung zueinander

Beziehung zueinander setzen. In einem besonderen Diagramrp sind aber alle Kraftverbrauchszahlen ' auf den gemeinsamen Reifendurchmesser von 1040 mm umgerechnet worden, um eine gute* Anschauung zu geben. Hierbei sei bemerkt, dass grössere Rad- resp. Reifendurchmesser geringere Krahverbrauche ergeben als kleine. Mit jeder, Reifenart wurde nun das Fahrzeug soWohl'auf seinen Kraftverbrauch und auf seine seismographische Auswirkung gründlich untersucht. Es wurde dabei der Wagen über eine Messstrecke von 83,33 m geschickt, sowohl unbelastet, wie mit 2500 sowie mit 5000 und 6500 kg Nutzlast. Ich erwähnte bereits, dass zwei Messstrecken ausgewählt werden mussten, eine für Kraftverbrauch-Messungen, eine für die seismographischen Untersuchungen. Ihre Länge von 83,33 m wurde (analog der Versuche Quervains) aus Gründen der Rechnungsvereinfachung gewählt. Selbstverständlich sind reichliche Anfahrtsund Abfahrtsstrecken zur eigentlichen Messstrecke vorgesehen worden, damit das Fahrzeug zu jeder Versuchsfahrt wohl mit der beabsichtigten Geschwindigkeit, aber schwunglos und. damit ganz gleichmässig über die Messstrecke gefahren werden konnte. Die gewünschte Geschwindigkeit wurde mittelst des Tachometers zu erreichen versucht, aber zur genauen Kontrolle und Ermittlung noch mit Stoppuhr auf V« Sekunde ermittelt. Um Irrtümer auszuschalten, ist jede Probefahrt zweimal ausgeführt worden, indem die Messstrecke einmal hin, einmal zurück durchfahren wurde. Die Geschwindigkeit wurde von ca. 9 km-Std. an bis auf ca. 50 km-Std. an um je 50 km-Std. für jedes Fahrtenpaar gesteigert. Begönnen wurden beide Versuchsreihen mit leerem Fahrzeug von 6375 kg Eigengewicht. Die nächste Fahrtengruppe ist mit 2500 kg, die, weitere mit 5000 kg und die letzte mit 6500 kg Nutzlast vorgenommen worden. Trotzdem die letztere, welche mit ca. 12875 kg Gesamtgewicht ausgeführt wurde, also um ca. 2000 kg über dem zurzeit in Deutschland zulässigen Gesamtgewicht zweiachsiger Lastkraftwagen lag, haben sich irgendwelche abnormen Kraftverbrauchszahlen oder Erschütterungen der Fahrbahn nicht ergeben. Die späteren Ausführungen über die Auswertung der Resultate werden auch hierfür den Beweis liefern, ebenso die Gründe aufdecken. In genau analoger Weise wie die Kraftverbrauchsfahrten sind nun auch die seismographischen Untersuchungen ausgeführt worden. Auch hier wurde das mit den verschiedenen Nutzlasten beladene Fahrzeug in den gleichen Geschwindigkeiten, wie oben erwähnt, an dem Apparat vorbeigefahren. Die Apparat-Aufstellungsstelle war immer genau die gleiche und auch die Fahrbahn'wurde genau bezeichnet, so dass das Fahrzeug immer in der gleichen Spur gefahren ist. Sowohl hinsichtlich des Kraftverbrauchs wie hinsichtlich der seismographischen Untersuchung sind je ca. 650 Fahrten gemacht worden, also eine gewiss genügend grosse Zahl, um reichliches Material zu gewinnen. Es muss noch erwähnt werden, dass die Messstrecken eine reichliche Abnützung durch den auf ihnen liegenden sonstigen Verkehr, aufwiesen, aber keine starke Lochbildung aufwiesen. Die ,wenigen vorhandenen wirklichen Löcher . waren vorher repariert worden. Immerhin waren die Strecken leicht wellig: und verhältnismässig:rauh. Nun noch ein paar Worte über seismographische Untersuchungen bei Fahrzeugen. Ihr Wert ist von einem Teil der Wissenschaft umstritten. Teilweise mit einer gewissen" Berechtigung, teilweise völlig unberechtigter Weise. Man sagt, dass nicht die Grosse der Erschütterungen der Fahrbahn massgebend für die zerstörenden Einflüsse der Fahrzeuge sei, sondern die Grosse der Beschleunigung dieser Erschütterungsstösse. Da liegt nun, auch schon das Unrecht dieser Behauptung begründet. Wenn man von Stössen als i Strassenzerstörüngen durch Fahrzeuge ausgeht, kann ein Teil dieser Annahme stimmen. Aber ein Universal-Seismograph lässt, wie, schon de Quervain ganz richtig ausführte, sehr wohl auch Schlüsse auf die Beschleunigungen zu. Man muss nur den Apparat und seine Arbeitsweise kennen und verstehen. Es steht aber jetzt auch durch die neuen Versuche unweigerlich fest, dass es gar nicht so sehr die Stösse sind, welche die Strasse zerstören, als vielmehr die Zermahlungen, Zerschleissungen und Aussaugangen der Strassenoberflächen durch die Reifen. Alle aufgenommenen Seismogramme zeigen (ganz gleich bei welcher Reifenart), dass die senkrechten Bodenerschütterungen (also eben die durch Stösse verursachten) die weitaus kleinsten sind und von den Erschütterungen rechtwinklig und parallel zur Fahrbahn an Grosse weit übertroffen werden. Hier ist also der Seismograph ein sehr wichtiges Hilfsmittel; um die wirklichen Fahrbahnbeanspruchungew festzustellen. ••••> 5f> AUTÖMÖÄREVUE 1931 — JVs 76 Das war aber nur möglich mit dem in drei Ebenen arbeitenden Universal-Seismographen. Die'deutschen Ein-Ebenenapparate zeigten angeblich nur Stösse an, weil man sich eben die \ Erschütterungen gar nicht anders ausdeuten konnte. Mit dem zwingenden Nächweis, dass die Stösse bei einem auf der Strasse fahrenden Fahrzeug sehr klein sind, fällt ein sehr wesentlicher Teil der bisherigen wissenschaftlichen Theorien über 1 die Fahrbahnbeanspruchungen zusammen. Und wenn man in Probierständen Leisten auf die Versuchstrommeln befestigen lässt, um beim Fahren mit dem feststehenden Fahrzeug grosse Stösse absichtlich zu erzielen, so treibt man eben Unsinn! Unsinn, um eitie unsinnige Theorie zu beweisen! Mit dieser Feststellung fällt aber bereits eine Fülle angeblichen « Beweismaterials » gegen den Nichtluftreifen beim Lastwagen dahin. Dabei soll schon jetzt darauf hingewiesen werden, dass e£ Pheuarten gibt, die sehr erhebliche Fahrzeügstösse und damit Fahrbähnerschütterungen ergeben. Das ist ganz logisch dadurch zu begründen, .dass man die Pneu immer langlebiger machen will, für immer höhere Lasten auszubilden T«a» S» Frage 8061. Schmierung des Wechselgetriebes. Welche Schnrierart ist für ein Tourenwagen-Wechselgetriebe günstiger, diejenige mit Oel oder diejenige mit Fett? D. R. in S. Antwort: Bei allen geschlossenen Automobilgetrieben moderner Bauart ist Oelschmierung vorgesehen. Die Automobilkonstrukteure haben erkannt, dass Oel einen höheren Schmierwert hat als Fett, Weiter dringt Oel leichter zwischen die zu schmierenden Flächen als Fett und bildet so die für die richtige Schmierung unerlässliche ununterbrochene Schmierschicht auf den Zähnen, der Zahnräder. Nur «in richtig gewähltes Oel kann gegen die hohen Zahndrücke genügend Widerstand leisten, was bei Fettschmierung nicht der Fall ist. Bei Verwendung eines konsistenten Schmiermittels bilden sich mit der Zeit dem Zahnprofil entsprechende leere Gruben, so dass die Räder trockenlaufen. Dies hat grosse Leistunesverluste und starke Abnützung zur Folge. Verwendet man dagegen ein hochwertiges, entsprechend ausgewähltes Getriebesehmieröl von richtigem Flüssigkeitsgrad, dann ist man sicher, bei höchstem Nutzeffekt die längste erreichbare Lebensdauer des Getriebes zu erzielen. Oelaustritt aus den Getrieben, welcher als Hauptgrund dafür anzusehen ist, dass bei manchen Getriebekonstruktionen ein Oel-Fettgemisch angewendet wird, kann durch Verwendung eines salbenartigen Spezial-Oeles ohne Seifengrundlage behoben werden; Frage 8062. Abgenützte Hinterradreifen. An meinem Wagen, der jetzt rund 16,000 km gelaufen hat, sind, an dea. beiden Jlinterreifen die Wülste sucht und damit ganz von selbst durch grössere Gummimassen und Einlagen im Reifen zu immer höherer Steifigkeit der Reifen kommt. Zudem ist nun inzwischen in U. S. A. der Nachweis gelungen, dass die Luft im Pneu nicht Trägerin der Arbeitsleistung ist, wie man uns bisher immer glauben machen wollte, sondern dass die Arbeit während der Fahrt allein von den Seitenwänden des Reifens g&- leistet wird. Die Luft ist nur der Stabilisator der Seitenwände! Es steht weiter durch die Versuche in U. S. A. unweigerlich fest, dass für die Beurteilung eines Reifens nicht seine Einbettungsfähigkeit von Fahrbahnhindernissen massgebend ist, sondern nur seine Abroüeigenschaften während der Fahrt. Diese Ausführungen waren nötig, um von vornherein für die nun folgenden Versuchsresultate klare Anschauungen und Unterlagen : zu schaffen. Es würde aber zu weit führen, diese Ausführungen noch ausführlich zu begründen. Die nachfolgenden Ergebnisse werden an Deutlichkeit und Beweiskräftigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. (Fortsetzung folgt.) vollständig abgeschlissen, so dass dieselben nun ganz glatt sind, während die beiden Vorderreifen noch ganz tadellos sind. Von einem ReifenliefeTanten wird mir nun dringend empfohlen, keine Auswechselung der Rä- , der vorzunehmen, d. h. die Hinterräder nach vorr* zu setzen und die Vorderräder nach hinten, wie mir dies sonst von anderer Seite angeraten worden ist, mit der Begründung, dass es viel besser sei, vorne die guten Reifen zu haben mit den Wül-, sten, damit der Wagen vorne einen suten Griff habe, wodurch ein Schleudern nicht so leicht eintreten könnte. Nach meinem Empfinden sollten aber doch dieguten Reifen hinten 'sein, wie mir auch von anderer Seite gesagt wird und der Umstand, dass die- Hinterreifen doch auch schon ganz abgelaufen sind, sollte doch auch daraufhinweisen, d*ss hinten im-" mer der grösste Verschleiss, bzw. die erösste Bean- -, spruchung ist, so dass also doch die Hinterräder immer vor allem mit guten Reifen mit Wülsten ver- a sehen sein sollten. E. M. in Z. Antwort: Gewöhnlich können abgenützte Hinterradreifen unbedenklich auf den Vorderrädern ausgebracht werden. Bei einem Wagen jedoch, der Tendenz hat, mit den Vorderrädern zu gleiten, empfiehlt sich dieses Verfahren nicht. Ein Schleudern des Vorderwagens ist viel gefährlicher als r das Schleudern des Hinterwagens, weil dies« Art des Schleuderns kaum mehr korrigiert werden kann. Es ist möglich, dass sich der Rat Ihres Ge- •• währsmafnnes auf eine diesbezügliche Erfahrung • mit dem betreffenden Wagentyp stützt. In diesem Fall wäre natürlich eine Befolgung des Rates nur zu empfehlen. at. ' lind Cpfafaßoi it %5L+r.,13PS C. dUTTLINGER - AUTOMOBILES mUJZhwingachien ZÜRICH - DUFOVRSTRWTEl. M232 «-• %ßelhahmen. W. Jenny, Zürich 8 Auto- Reparatnrwerkatfctte [ Seefeldstrasse 311 Tel. 49.434 Zu kaufen gesucht einige CITROEN- Wagen nur ganz fünstig« Oeet,- sionen, gegen bar. Offerten unter Chiffre. 11745 an die, 9.615 Automobil-Revue. Bern. Inf. Geschäftsaufg. billig zu verkaufen 1 Steyr Lindner, Type XII, Erstellungsjahr 1929. 2 Steyr Torpedo, Type-II. 1 Ballonaufsatz zu Type XII. 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Bern, Dienstag, 15. Sept. 1931 HI. Blatt der „Automobil-Revue" No. 76 Knigge am Telephon... Von Karel Capek. Der alte Knigge, der einstmals unsere Grossmütter und Mütter erzog, hatte offenbar noch keine hinreichende Fühlung mit dem Telephon; daher ist das Telephon eine unerzogene und unhöfliche Sache geblieben, die bis zum heutigen Tag keine eigenen Regeln für gutes Benehmen herausgebildet hat. Namentlich das automatische Telephon führt sich eben dadurch, dass es so bequem ist, geradezu unzähmbar auf; solange es notwendig war, das Fräulein in der Zentrale anzurufen, war das Telephonieren mit solchen Schwierigkeiten und Hemmungen verbunden, dass jeder, der nicht eben dringend telephonieren musste, es lieber bleiben Hess, und das war gut so. Ich möchte ungern Lehren erteilen, denn das ist zumeist erfolglos; aber ich möchte dem Telepon an sich einige gute Regeln ans Herz legen, namentlich: 1. Es rufe uns nicht überflüssig. Heutzutage dröhnt das Telephon gewöhnlich dann, wenn wir gerade in der Badewanne sind, wenn wir uns rasieren oder vor der Suppe sitzen oder, wie man zu sagen pflegt, «momentan» anderweitig beschäftigt sind. Die goldene Regel des Telephons laute: nur dann klingeln, wenn es für uns eine freudige Nachricht hat — die andern mag es für sich behalten. 2. Wenn es uns einmal ruft, möge es ein wenig Geduld üben. Es passiert einem etwa, dass man gerade auf einer Leiter steht und einen Nagel in die Wand schlägt; da beginnt das Telephon zu dröhnen. Man lässt den Hammer fallen, klettert von der Leiter herunter und rennt zum Apparat; aber noch ehe man den Hörer in der Hand hat, ist das Telephon des Wartens überdrüssig geworden und unserem atemlosen «Hallo, wer dort?» erwidert nur ironisches Schweigen. Also, so sollte sich das Telephon nicht benehmen, es gibt Lebenssituationen, wo man nicht imstande ist, binnen fünf Sekunden beim Apparat zu sein, und wenn man feststellt, dass allem Galopp zum Trotz sich niemand mehr meldet, da sagt selbst der friedlichste Mensch:: «Donnerwetter!» oder etwas dergleichen, das man nicht sagen soll, und hegt für einige Minuten einen gewaltigen Groll auf die ganze Welt. 3. Das Telephon dient nicht der Kurzweil, sondern der Zeitersparnis; es soll knapp wie ein Telegramm sein. Manchmal müssen wir am Telephon Gespräche anhören, dass uns das Ohr zu. dampfen beginnt. Nichts verbittert so sehr das Leben, als wenn man zwanzigmal hintereinander eine Nummer anruft und diese andauernd von irgendeinem uferlosen Gespräch besetzt ist. In solchen Fällen beginnt man in einer Weise zu fluchen, die dem Menschengeschlecht nicht zur Ehre gereicht. Die grösste Tugend des Telephons sei Knappr heit. 4. Das Telephon, das ruft, soll sich zuerst melden. Ich habe mein Herz schon so weit verhärtet, dass ich, wenn mich jemand mit den Worten: «Hallo, wer dort?» empfängt, geistesgegenwärtig entgegne: «Was geht Sie das an?» Früher passierte es mir zuweilen, dass mich das Telephon rief und sprach: «Typ Evelin» Autosportroman von Karl Schmidl. fFortüetennff ans dem Haurjtblatt.1 «Merken Sie sich, Dunker,» sagte sie zum Abschied zu ihrem Verbündeten, den die Wendung im Mauruswerk sehr verstimmte, «solange die Krämer in Berlin regieren, kehre ich nicht zurück.» Im Herbst waT Dunker von Maurus, nach Rücksprache mit Möller und Frank, beauftragt worden, «Typ Evelin» in einigen Flachrennen zu fahren. Er errang glänzende Erfolge. Doch Evelin empfand keine Freude darüber. Der Sinnisfaerewagen war bei diesen Rennen nie gestartet. Warum, war ihr eigentlich rätselhaft. Franks Spion hätte Auskunft geben können. Ohne Gewissensbisse schlug FTank Sinnisfaere mit seinen eigenen Mitteln. Riesige Bestechungsgelder bezweckten, dass an Sinnisfaeres Wagen merkwürdige Fehler zutage traten, die einen Start unmöglich machten. Frank wusste, iass das einmal, und zwar ziemlich bald ein •inde haben würde und dass dann die Zeit kommen würde, in der « Knock out» wieder auf der Rennbahn erscheinen würde. Er wollte nur Zeit gewinnen. Er arbeitete mit ungesetzlichen Mitteln — das wusste er, doch «Hallo, wer dort?» «Hier Capek.» «We — wer?» «Capek!» «Was für ein Capek?» «Ich weiss nicht, welchen Sie wünschen. Hier ist der gewöhnliche Capek.» «Wer?» «Nun, Capek. C wie Tschajkowsky, A wie aspidistra, P wie Polygamie —» «Hallo, ist dort die Gebäranstalt?» «Nein. Hier ist nur der Doktor Capek.» «Aus der Gebäranstalt?» Vor einer halben Stunde bin ich in dieser grossen, wilden Stadt angekommen. Im Hotel hat man mir Zimmer reserviert; die Koffern sind von harten Fäusten weggeschleppt worden. Ein Buch unter den Arm geklemmt, verlasse ich die Hotelhalle, in die gedämpft der Lärm der Fahrzeuge tönt. Auf dem weiten Platz vor dem Gebäude bleibe ich stehen, in diesem Momente tritt die fremde Stadt an mich heran. Ich sehe ein rätselvolles Durcheinander von Maschinen, Wagen und Menschen. Zu allen Seiten schliessen gewaltige Häuserfassaden den Blick gegen den nebligen Abendhimmel ab. Fetzen von Tönen treiben aus der rasenden Flucht an mein Ohr. Schweifende Blicke von Vorübergehenden heften sich eine Sekunde an mich. Seltsam« — dieses Leben scheint sich in Zusammenhängen abzurollen, in die es keinen Eingang gibt. Alles scheint von einem mechanischen Prinzip beherrscht zu sein. Man möchte zu einem dieser Vorübereilenden hintreten, mit ihm zu reden beginnen, um den lähmenden Bann zu lösen. Aber die Stadt ist böse und wild. Ich trete zu einem Zeitungsverkäufer, der sein Blatt inmitten des fliessenden Stromes von Fahrzeugen und Menschen in die Luft hebt. Er gibt mir eine Zeitung, murmelt etwas in den scharf ziehenden Herbstwind und legt die rissige Hand -an>«(jie Mütze^an der goldene Buchstaben glänzen. •.sSM*^4 Das aufsteigende Dunkel, das sich langsam in die nach allen Seiten verlaufenden Strassenzüge legt, wird durch tausend Lichter erstickt, die rot, blau, grün aufflammen und «Nein, aus seiner Wohnung.» «Donnerwetter, ich rufe die Gebäranstalt,» protestiert das Telephon. «Das dürfte ein Irrtum sein,» beschwichtigte ich ihn: und höre ihn wütend den Hörer einhaken. Das Telephon soll also nicht bloss zum Wildwerden da sein; es soll zuerst den Namen des Rufers nennen; und wenn schon ein Irrtum passiert, könnte es «Verzeihung» sagen — es kostet die gleiche Mühe und versöhnt ein wenig den überflüssig Gerufenen. Deutsch von Otto Pick. Abend in einer fremden Stadt nervös den Häusern entlang zucken. Im Westen steht über einem riesigen Hotelkomplex ein schmutziges Gelb. Die Asphaltstrassen glänzen feucht. In den Lärm hupen in dumpfen Tönen die Fabriken. Arbeiter überschwemmen den Platz. Die Bureaus entlassen ihre Angestellte. Mädchen mit raschen kleinen Füssen winden sich durch den Strom. Hoch über dem Pflaster hängen grosse Bogenlampen, die ein weisses, kaltes Licht ausströmen. Manchmal, wenn ein Windstoss die Lichter ins Schwanken bringt, dann zittern an den prunkvollen Häuserfassaden, über Reklamen, Hotelbalkone, Kinoplakate hin dunkle Schatten, und für eine Sekunde hat man das Gefühl der Unsicherheit, der Unruhe, wie bei einer Seekrankheit. In dem grossen Zug von Heimkehrenden, Abgearbeiteten, Frohen, bin ich nun ganz aufsein Gewissen sprach ihn frei. Eines gelang jhm nicht, trotzdem er gerade darauf grössten Wert legte, nämlich die Entlarvung von Sinnisfaeres- Spion. Dadurch, dass er Dunker Startmöglichkeiten verschaffte, hoffte er Evelin zu versöhnen. Doch der Hass sass tief und wuchs unter der Sonne der Riviera täglich mehr. X. Der Gegenschlag. Dunker sass auf der Polizeidirektion, Kommissar Friedstedt gegenüber, und sah erwartungsvoll bald auf ihn, bald auf den geschäftigen Schreiber, der Papier herrichtete. «Sie wünschten mich zu sprechen, Herr Kommissar? » « Jawohl! Ich danke Ihnen für Ihre Bereitwilligkeit. Es handelt sich um die Mordsache Soerner. Hier lesen Sie diesen Brief.» Er reichte ihm ein Blatt Papier. Dunker las. «Herr Frank Hörn spioniert im Auftrag des schwedischen Automobilindustriellen Sinnisfaere das Werk Dr. Maurus aus. Er ist der Mörder Dr. Soerners und stand mit der russischen Studentin Sonja Alfieri, die zur Zeit bei Sinnisfaere in Stockholm tätig ist, in Verbindung. Ueberwachen Sie seine Korrespondenz. » Kein Datum, keine Unterschrift. Mit blitzenden Augen sah Dunker auf. gegangen. Ich lasse mich unbeteiligt mitten im Strom dahintreiben, und ich spüre die seltsame Gelöstheit dieser Stunde, dieser schönsten Stunde des Tages, die den Gesichtern den starren Zwang genommen hat. Man hört sprechen; scharfe, kleine Worte klirren an mein Ohr. Mädchen gehen eng nebeneinander und lachen ein zugleich naives und aufreizendes Kichern. Die Schaufenster glühen und flimmern. Auf den Strassen ist ein nervöses Durcheinander von Hupen und Glocken. Ein Verkehrspolizist wirft seine behandschuhte Rechte in die Luft. Aus Cafes fallen einzelne Töne, eine kleine, feine Musik spielt, Menschen sitzen an Marmortischen und lesen Zeitungen. Irgendwo schlägt eine Glocke. Ein Zug donnert über die nahe Brücke. An einer Strassenecke wartet ein Mann, mit den Händen in den Manteltaschen vergraben, und es ist schön zu denken, dass er auf eine Frau wartet. In dieser ungeheuren Bewegung von Menschen fühle ich mich isoliert, verloren. Diese Augen, die sich auf mich heften, diese Münder, deren Ton an mein Ohr trifft, haben etwas Wesenloses. Ich träume über irgendeine kleine Szene der Vergangenheit nach. Eine nass glänzende Strases, ein paar Töne, das bricht ganze Schächte der Erinnerung a|f$f Bilder geistern > vorüber, Gesichter neigerf sich, Worte fliehen vorüber.... Die Plakatwände sind überklebt mit roten und blauen Theater- und Konzertzetteln. Jetzt wird es noch eine Stunde dauern, dann werden in dieser grossen Stadt alle Säle geöffnet, dann kommen die Leute daher mit Gesichtern, in denen die Erwartung flimmert; sie werden voll innerer Gespanntheit nach der verhängten Bühne oder dem Podium sehen, wo das Glück dieses Abends aufblühen wird. * Der Lärm der Stadt saust in meinen Ohren;' ich bin müde gelaufen. Auf einem hellen Platz, unter einer leise schwankenden Bogenlampe versuche ich, aus der Zeitung, die ich bei mir trage, die wichtigsten Dinge zu erfahren. Die Buchstaben flimmern vor meinen Augen; das Blatt enthüllt nichts, das mich interessiert, und ich merke, dass ich abgespannt bin und einer fremden Stadt übergeben. Ich setze mich in dem naheliegenden Park auf eine Bank. Vor meinen Rissen liegt ein dunkler Haufen von scharf riechen- «Was meinen Sie, als intimer Vertrauter des Hauses Maurus dazu? » Dunker atmete auf. Das war das Ende des Verhassten. '«Viel Bestimmtes kann ich Ihnen natürlich auch nicht sagen, doch tun Sie gut, dem unbekannten Warner Gehör zu schenken. Dieser Hörn erschien mir schon immer etwas verdächtig und es ist mir jetzt erklärlich, warum wir keinen Erfolg mit unserer Suche nach dem Spion hatten. Während wir ihn im Werk selbst vermuteten, arbeitete er ausserhalb desselben.» « Gut. Sie halten es also für möglich, dass er der Täter ist? > « Ja, — doch. Obwohl ich keinen Unschuldigen verdächtigen möchte. Doch die Möglichkeit liegt vor.» «Wir danken Ihnen! Vielleicht benötigen wir Ihre Hilfe nochmal.» « Ich stehe jederzeit gerne zur Verfügung.» Evelin war nicht wenig erstaunt, als sie. von einer Spazierfahrt nach dem benachbarten Mentone zurückkehrend, ein Telegramm von Dunker vorfand, das die Mitteilung enthielt: «Kehren Sie sofort zurück.» Ihre Nerven bebten vor Erregung. In Berlin musste etwas Wichtiges vor sich gegangen sein. . Drei Tage später wurde Frank Hörn durch Das Rosengrab Mitten im Fleiss haschte der Tod sich das Bierilein, Aber die Rose deckt hold mit lauter Blüten sie zu; Ward' meinen Abend doch auch eine blätternde Rose so lohnen, Sterne am Himmel stirbt sich's doch leichter — mein Gott! Jakob Hannger. dem, faulendem Laub. Der Wind geht kalt; ich hülle mich eng in meinen Mantel. Durch die Bäume scheint der Himmel der tobenden, aufgewühlten Stadt, und einzelne Klänge, verirrte Töne, Autohupen, nervöses, angstvolles Geklingel von Tramwagen dringen bis in das Dunkel des herbstlich verlorenen Parkes. Ich friere. Hunger verspüre ich keinen. Vor- einem Kino, an dem ein abenteuerlicher Name verwegen, rotleuchtend, die Fassade auf- und abklettert, bleibe ich stehen. Auf grossen farbigen Plakaten beugt sich eine weisse Frau mit tief ausgeschnittenem Kleid nach hinten, und ein Mann mit nassglänzendem Haar heitet seine runden Augen entsetzt auf sie. Ein Boy drückt mir einen Zettel in die Hand; ich trete ein; das Foyer widerhallt bereits von der angeregten Diskussion auf der Leinwand, es tönt blechern. Ein zitternder Lichtkegel geleitet mich in den Kinosaal. Mein Begleiter reisst einen samtenen Vorhang auseinander und lässt mich in den Raum eintreten, in dem dicke, warme Luft liegt. Eine schwere Dunr kelheit legt sich um mich. Ich falle in einen Sessel. Versinke. Neben mir höre ich leises Atmen. Die feuchte Wärme kriecht an meinem Körper empor. Auf der Leinwand sieht man eine Frühlingswiese nft Blumen; eine junge Frau springt leichten Fusses daher und LEID und UNGLÜCK ist schon über manchen Automobilisten und seine Familie gekommen, weil die Nerven für einen Auaenblick versagten. Wenn Sie durch eine schlaflose Nacht od. lanees Fahren übermüdet sind, einer bewegten Konferenz beiwohnten, Kopfweb oder sonst Ihren schlechten Tag haben, dann nehmen Sie eine halbe oder ganze Citan-Tablette. Sie gibt Ihnen in kurzer Zeit und für den ganzen Tag klaren Kopt und Frische; Citan-Tabletten begegnen auch den Folgen von Nikotin- und Alkoholgenuss. Ein Ronrehen mit 12 Stüok Citan-Tabletten Fr. 2.50. Bei 2 Röhrohen portofreier Versand durch die Victoria-Apotheke Zürich H. Feinstein vorm. 0. Haeriin, Bahnhofstr. 71 Zuverlässiger Stadt- und Postversand ein Schreiben in die Polizeidirektion vorgeladen. Kommissar Friedsteda empfing ihn mit zurückhaltender Höflichkeit. «Herr Hörn, die Mordsache Soerner ist in ein neues Stadium getreten und wir müssen Sie um einige Auskünfte bitten. Sie wohnen jetzt Molktestrasse 2. Wo wohnten Sie vorher?» «Hollmarktstrasse 14.» «Das ist in der Nähe der Maurusschen Fabrik?» «Jawohl. Doch was hat das mit der Sache zu tun?» «Zunächst nicht viel, Herr Hörn. Doch wir von der Polizei müssen genau vorgehen. In diesem Hause wohnte eine russische Studentin namens Sonja Alfieri?» «Jawohl.» «Hatten Sie Beziehungen zu ihr?» Frank erschrack sichtlich. «Was war mit Sonja?» Ihm fiel die Stelle in ihrem Abschiedsbrief ein, welche lautete: «Ich war nicht das, wofür Du mich hieltest, ich habe Dich belogen...» Sollte Sonja mit dem Mord etwas zu tun haben? Zögernd antwortete er: «Sie war meine Freundin.» «Wussten Sie, dass diese Dame im Dienste des schwedischen Industriellen Sinnisfaere stand?» (Fortsetzung folzi >'_