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E_1931_Zeitung_Nr.077

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 18. September 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. — N° 77 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG ZentraSblaft für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Fntta* Monatlich „G»lbe Uite" Halbjährlich Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.-. Im Ausland unter PortoxrochlBS, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern «•lern nicht pottamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Butellung 30 Rappen. Postcheck-Rcchnung HI/414. Telephon Bollwerk I9.S4 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Das Verkehrsgesetz vor dem Ständerat Der Ständerat verschlimmbessert die Vorlage. Die Aufhebung der Höchstgeschwindigkeit mit 20 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Versicherungsartikel betr. Strolchenfahrten an Bundesrat zurückgewiesen. Der Ständerat begann bereits am Dienstag der ersten Sessionswoche mit der Lesung des vom Nationalrat im Juni verabschiedeten Verkehrsgesetzes. In zwei langen Sitzungen wurden am Dienstag und Mittwoch 52 Artikel durchgepeitscht, so dass für die wegen kurzer Abwesenheit von Bundespräsident Häberlin aus der Bundeshauptstadt auf Donnerstag abend anberaumte,Sitzung nur noch 16 Artikel zu erledigen blieben. Es sei gleich zu Anfang bemerkt, dass das Resultat der Beratungen als höchst unbefriedigend bezeichnet werden tnuss. Es machte sich schon zu Beginn der Diskussion eine gewisse Animosität bemerkbar, die um so überraschender erschien, als man aus dem Eintretensreferat des Kommissionspräsidenten schliessen durfte, dass in bezug atif einige wichtige Punkte eine ruhigere und abgeklärtere Beurteilung der Dinge Platz gegriffen hätte. Das Eintretensreferat. Als Berichterstatter der Kommission fungierte, wie auch bei der ersten Vorlage, Oberst Bolli aus Schaffhausen. Einleitend stellte er die gewaltige Vermehrung der Fahrzeuge, namentlich der Personenwagen, fest. Aus dieser Entwicklung, die bei weitem nicht abgeschlossen ist, erhellt die Bedeutung des Verkehrs für die gesamte Wirtschaft des Landes. In den Kommissionsdebatten ist viel von den Anstalten und Betrieben, die von der neuen Konkurrenz betroffen werden, die Rede gewesen, besonders von den Eisenbahnen des Bundes und der Kantone, und dieser Faktor hat auch bei den Entscheidungen über die Lastwagen und Anhänger mitgespielt. Zugestandenermassen waren also hier nicht technische Momente, sondern wirtschaftliche Interessen massgebend. Sehr lebhaft und wiederholt ist in der Kommission die Schaffung von Durchgangsstrassen erörtert worden. Hierüber soll ja nach Inkraftsetzen des neuen Gesetzes der Bundesrat im Einvernehmen mit den Kantonsregierungen beschliessen. Im übrigen haben die Fragen der Kompetenzausscheidung zwischen Bund und L L «Typ Evelin» Autosportroman von Karl Schmidl. (12. Fortsetzung) Frank erbleichte. Sonja eine Spionin? «Nein», erwiderte er kurz. «Haben Sie mit ihr, nachdem sie Berlin .Verlassen hatte, weiter korrespondiert?» «Nein, ich weiss bis heute nicht, wo sie sich aufhält. Sie verliess mich, ohne dass ich davon wusste.» Frank geriet in Erregung. Was bedeutete dieses Verhör? «Kennen Sie diesen Brief?» Fassungslos erstaunt sah Frank auf das Schreiben, das ihm Friedstedt vorlegte. Das war einer seiner Chiffrebriefe an seinen Vertrauensmann im Sinnisfaere-Werk. Wie kam die Polizei in seinen Besitz? Rasch antwortete er: «Ja, er ist von mir geschrieben.» «Der Mann, an den er adressiert ist, ist Angestellter des Sinnisfaere-Werkes?» «Ja.» «Wollen Sie mir den Inhalt des Briefes mitteilen?» ^ Frank fühlte, wie von einer unsichtbaren Hand gezogen, ein Netz sich um ihn zusammenzog. «Nein», antwortete er entschlossen. Er wollte auf keinen Fall das Geheimnis preisgeben, weil er wusste, dass Ungesetzliches mit ihm verbunden war. Er zitterte innerlich. Hatte die Polizei seinen Spion verhaftet? Kantonen die Kommission stark beschäftigt. Dagegen hat die Frage der Haftpflicht keine grossen Schwierigkeiten gemacht. Die Kommission war ohne weiteres mit der vom Nationalrat genehmigten Lösung einverstanden. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass diesem seinerzeit so heiss umstrittenen Punkte nicht ton, in welchem das Fahrzeug seinen Stand- hat, erteilt werden. Das hiesse, meinte die Bedeutung zukommt, die man ihm bei-orgemessen hat. Die Praxis hat bei der Haftpflicht auch ohne lex specialis den Weg gemobil ein eigenes Domizil konstruieren, es der Sprecher der Kommission, für das Autofunden. Mit der Einigung in der Haftpflichtfrage, die ja ein Anlass zur Verwerfung der behandeln ! Daraus könnte nur Unsicherheit gewissermassen als sog. moralische Person ersten Vorlage war, und mit der Abschaffung und Verwirrung entstehen. Die Kommission des Kontrollschildes für Fahrräder hofft man schlug deshalb folgende neue Fassung vor, einige der Hauptschwierigkeiten beseitigt zu die mit 16 gegen 10 Stimmen zum Beschluss haben. erhoben wurde: Zu einer eigentlichen Eintretensdebatte « Die Ausweise werden durch den Kanton brauchte es diesmal nicht zu kommen. Der erteilt, in welchem der Bewerber seinen einstimmige Antrag der Kommission auf Eintreten blieb unbestritten, so dass auch der Wohnsitz hat. « Sie werden für das Kalenderjahr ausgestellt und sind jährlich zu erneuern. Chef des Justiz- und Polizeidepartements es nicht für nötig hielt, das Wort zu ergreifen. « Sie sind gültig für das Gebiet der Eidgenossenschaft. » Nur der Neuenburger Staatsrat Begüin betonte, gegenüber einigen anders lautenden Die sonstigen Artikel des Abschnittes « Allgemeine Bestimmungen» passierten in Zu- Stimmen aus der Westschweiz, die dringende Wünschbarkeit einer einheitlichen Regelung stühraung zum Nationalrat diskussionslos. des schweizerischen Yerkehrsrechts. Eine erste Niederlage der Kommission. Aber kaum hatte die artikelweise Beratung begonnen, da erlitt auch schon die Kommissionsmehrheit eine erste bedauerliche Schlappe. Art. 3 handelt von Strassen, die nicht dem Durchgangsverkehr geöffnet sind. Hier herrscht grundsätzlich die kantonale Hoheit. In Aibs. 2, der den Kantonen das Recht zu weitern einschränkenden Massnahmen auf solchen Strassen einräumt, will der bundesrätliche Entwurf und mit ihm der Nationalrat es dem Bundesrat vorbehalten, über dauernde Beschränkungen zu entscheiden. Die vom Berner Staatsrat Moser geführte Minderheit bekämpfte diese Bestimmung als unzulässigen Einbruch in das kantonale Hoheitsrecht. Sie erhielt wirksamen Zuzug aus den Innerkantonen, so dass sich ihr «Warum haben Sie von Ihrem doch so auffälligen Erlebnis in der Mordnacht nicht sofort die Polizei verständigt?» «Ich mass ihm anfangs weniger Bedeutung zu. Ausserdem war ich durch und durch nass und todmüde.» «Es ist gut.» Friedstedt drückte auf einen Knopf. Zwei Polizisten traten ein. Der Kriminalist erhob sich. «Herr Hörn, ich erkläre Sie im Namen des Gesetzes für verhaftet!» Ein heisser Schreck durchzuckte den jungen Mann. «Wie? — Warum? Unmöglich, Herr Kommissar!» «Sie sind dringend verdächtig des Mordes an Dr. Soerner und der Werkspionage in der Fabrik des Dr. Maurus.» Frank hatte seine Fassung wieder gewonnen. «So. Und das glauben Sie beweisen zu können», sagte er lächelnd, «ich, der ich Sie erst auf die richtige Spur gebracht habe?» «Das zu entscheiden, ist die Sache des Gerichts — ich bitte Sie, den Beamten zu folgen!» «Wie? — Ich stelle selbstverständlich Kaution!» «Ich bedaure, Herr Hörn. Es ist sofortige. Ueberführung in Untersuchungshaft angeordnet.» Müde senkte Frank den Kopf. Dann wandte er sich und folgte den Polizisten. Der Ring des Polykrates... Das Schicksal des Allzuglücklichen schien ihn endlich doch erreicht zu haben. Streichungsantrag trotz den vom Kommissionspräsidenten und vom Sprecher des Bundesrates vorgebrachten Gegenargumenten in der Abstimmung mit 20 gegen nur 8 Stimmen durchsetzte, womit die durch das Gesetz angestrebte Vereinheitlichung neuerdings zu Gunsten der kantonalen Eigenbröteleien durchbrochen würde. Der Fahrzeugausweis. Einer kleinen Debatte rief Art. 6 über die Erteilung der Fahr'zeugausweise. Nach dem vom Nationalrat genehmigten bundesrätlichen Vorschlag soll der Ausweis durch den Kan- Das Höchstgewicht Auch die Beratung des folgenden Abschnittes «Verkehrsvorschriften» nahm einen ungestörten Verlauf bis zu Artikel 23. Die Mehrheit der Kommission hatte sich der vom Nationalrat beschlossenen Festsetzung eines Höchstgewichts für beladene Motorwagen, wobei dem Bundesrat das Recht eingeräumt wurde, Ausnahmen für Spezialwagen bis zu 13 Tonnen zu gestatten, angeschlossen. Es fand jedoch ein in Anlehnung an eine Eingabe des Bauernverbandes vorgebrachter Minderheitsantrag Zustimmung, der die Ausnahmen für Spezialwagen an das Höchstge- «Wünschen Sie noch etwas?» fragte einer der Beamten unter der Türe. Frank blickte auf. «Ja, rufen Sie bitte Dr. Löwenbrück zu mir!» Dr. Löwenbrück war ein berühmter Verteidiger. Zwei Stunden später war er bei Hörn. Im Maurus-Werk schlug die Nachricht von Frank Horns Verhaftung wie eine Bombe ein. Direktor Möller sauste aufs höchste erregt zu Dr. Maurus, bei dem eben Evelin war. «Das dulden Sie, Herr Maurus? Ihr bester Mitarbeiter?» , Evelin lächelte höhnisch. «Wie, Sie glauben an seine Schuld, Fräulein Maurus?» «Wir dürfen nicht in den Lauf der Dinge eingreifen — Verdunklungsgefahr», warf Maurus dazwischen. «Ach so! — Dank vom Hause Habsburg.' — Nun ja, auch gut!» Er wurde plötzlich sehr ernst. «Herr Maurus, ich bedaure, in einem Hause, in dem man treuen Mitarbeitern in Tagen der Not auf solche Weise entgegenkommt, nicht mehr arbeiten zu können und bitte um meine Entlassung.» «Nichts, nichts, Möller. Um Gotteswillen, Sie sind wahnsinnig geworden!» INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit ode* deren Kaum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cü. GrSssere Inserate nach Seltentarit. Inserstenschlns* 4 Taoe vor Ericheinen der Nummern wicht von 12 t knüpft. Ferner wurde auf Antrag der gleichen Minderheit folgender Passus mit 17 gegen 10 Stimmen gutgeheissen : « Die Verwendung von Anhängern ist nur gestattet, wenn das Gesamtgewicht von Motorfahrzeug, Anhänger und Ladung 15 Tonnen nicht übersteigt.» Vergeblich hatte Bundespräsident Häberlin davor gewarnt, die Lastwagen durch schikanöse Bestimmungen zu behindern und darauf hingewiesen, dass die Bahnen sich ins eigene Fleisch schneiden würden, wollten sie aus Konkurrenzgründen den Zubringerdienst unterbinden. Immerhin, in bezug auf beladene Motorwagen ohne Anhänger Hess der Rat die Minderheit im Stich und schloss sich mit 22 gegen 12 Stimmen dem vom Nationalrat festgesetzten Höchstgewicht von 11 Tonnen an. Gegenüber dem bundesrätlichen Entwurf, der ein Maximalgewicht von 12 Tonnen vorsah, bedeutet das trotzdem eine Verschlechterung! Die Breite der Fahrzeuge. Der Nationalrat hatte, wie erinnerlich, die Ladebreite eines Motorwagens von 2,35 m auf 2,20 m reduziert und ausserdem dem Bundesrat die Kompetenz eingeräumt, für bestimmte Strecken eine Ladebreite bis zu höchstens 2,40 m zuzulassen. Der Ständerat stimmte dieser Lösung zu, die gemäss einem Zusatzantrag des Glarners Mercier folgende Fassung erhielt: «Die Ladebreite des Motorwagens darf einschliesslich seiner Last höchstens 2,20 m betragen. Der Bundesrat kann für bestimmte Strecken eine Ladebreite bis höchstens 2,40 m zulassen.» Die Höchstgeschwindigkeit wieder hergegestellt! Und nun einer der sogenannten «Schicksalsartikel» ! Es handelt sich um das viel umstrittene Problem der Fahrgeschwindigkeit. Der Bundesrat und mit ihm der Nationalrat hatte nach ausländischem Beispiel auf die ziffernmässige Festlegung der Höchstgeschwindigkeiten für alle Motorfahrzeuge verzichtet und an Stelle dieser starren Regelung grundlegende WegJeitungen für den Führer gesetzt Die Mehrheit der ständerätlichen Kommission hatte sich dieser Lösung, die als «Zeichen des Vertrauens in den anständigen Autofahrer» bewertet wurde, angeschlossen. Dies in der Meinung, dass die Handhabung der Höchstgeschwindigkeits-Vorschriften immer ungenügend sein wird; weil sie nicht kontrolliert und auch keine höhere Sicherheit im Verkehr gewährleistet werden kann. Die «Autofallen» und die Stoppuhren der Polizisten leisten nur zweifelhafte Dienste. Auch sind die Beamten und massgebendeh Praktiker keineswegs Schweissperlen standen auf Dr. Maurus Stirn. Er sah das Chaos, die Katastrophe nahen. «Lass doch, Papa, Herr Möller kann tun und lassen was er will.» «Hüten Sie sich. Fräulein Maurus, den Bogen zu überspannen. Sie haben nicht die mindeste Ahnung, dass wir in einem Machtkampf stehen, der Sie an den Bettelstab bringen kann.» Evelin war weiss wie eine Wand. So hatte noch niemand zu ihr gesprochen. Schon hatte sie eine beleidigende Entgegnung auf der Zunge, da fiel Dr. Maurus ein: «Ihre Bedingungen, Möller? Sie bleiben!» «Sie tun alles, um Herrn Hörn aus der Untersuchungshaft zu befreien, stellen ihm einen tüchtigen Rechtsanwalt und Fräulein Maurus enthält sich in Zukunft jeder Handlung, die den Interessen des Werks zuwiderläuft!» «Genehmigt!» Er reichte Möller die Hand. Evelin eilte mit Tränen in den Augen hinaus. Möller gönnte sich keinen Moment Ruhe. Nach einigen Minuten sass er im Auto und bald darauf stand er vor dem Präsidenten von Reuter und dem Staatsanwalt. Eine lange Aussprache erfolgte. Dr. Maurus wurde antelephoniert und noch vor Abend war Frank gegen eine vom Werk gestellte Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. In überströmendem Dankgefühl drückteer Möller die Hand. «Wie kann ich Ihnen danken, dass Sie mich nicht verlassen haben?» «Kampf hat es gekostet», erwiderte Möller und erzählte Frank die Szene bei Dr. Maurus. «Ich habe nie geglaubt, dass ich einmal so mit meinem Chef reden würde. Aber das Mädchen hat ja jede Vernunft verloren.»