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E_1931_Zeitung_Nr.081

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 2. Oktober 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. - N° 81 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG ZentraSblaft für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE» Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbtltnfleb F*. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portowschlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern tatern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche BarteUung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse i Autorevue, Bern EVSEHTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odei deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctfc Grossere Inserate nach Seltentaril. Inseratensehlusa 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Krisenzeiten sind immer da, um daraus die nötigen Lehren zu ziehen. Auch die gegenwärtige Wirtschaftsdepression mit ihrer Beunruhigung dürfte dazu angetan sein. Es ist hier nicht der Ort, um Bankfragen aufzurollen, trotzdem sie auch unsere Leser stark interessieren werden. Eine grundlegende Frage sei gestreift. Wir haben allen Grund, nach wie vor in unsere Banken volles Vertrauen zu setzen. Heute schreit man mit Ungestüm nach vermehrter Bankkontrolle. Letztere mag von etwelcher Bedeutung sein. Wichtiger ist für uns eine andere Frage. Es betrifft dies die Zweckbestimmung unserer Banken. Auch eine gewisse Fehlleitung des Kapitals dürfte mitschuld an unserer heutigen Krise sein. Mit einseitiger Finanzierungspolitik hat man unsere heute das ganze Wirtschaftsleben beherrschenden grossen Konzerne und Trusts forciert. Man hat damit gewaltige Organisationen geschaffen, die beitrugen, die unbedingt notwendige Elastizität unserer Wirtschaft in Frage zu stellen. Unsere Banken waren diesbezüglich wohl zu spekulativ und zu wenig wirtschaftlich eingestellt. Durch, eine zu scharfe Beanspruchung durch grosskapitalistische Kreise wurden die Kanäle für den Umlauf der mittelständischen Kreditmittel trocken gelegt. Dies rächt sich heute. Eine etwas largere Berücksichtigung kleinerer und mittlerer Betriebe hätte zu einer wohltuenden Dezentralisierung wesentlich beigetragen. An der Erhaltung mittlerer Gewerbe- und Industriebetriebe hat das Volksganze, hat der Staat eminentes Interesse. Im Zeitalter des Tempos ist Beweglichkeit oberstes Prinzip, Beweglichkeit in den Finanzen, Beweglichkeit im Entschlüssefassen und im Handeln. Hier stossen wir auf die grosse wirtschaftliche Bedeutung des Automobils. Ohne dieses moderne Verkehrsmittel ist ein Betrieb von einigermassen Bedeutung fast gar nicht mehr zu denken. Vielerorts aber fehlen hierzu die nötigen Betriebsmittel. Der Betrieb ist handicapiert, kann sich nicht auswirken, ist lahmgelegt. Mit Hilfe des Automobils könnte er fruchtbare • Arbeit leisten, D I L L «Typ Evelin» Autosportroman von Karl Schmidl. (16. Portsetzuna) Sid Mortan sah den Chefingenieur mit grossen Kinderaugen so sehr erstaunt an, dass dieser lächelte. «Das wollen Sie, dass ich es glaube! Sie können mich meinetwegen hinauswerfen, aber ich sage Ihnen doch, dass Sinnisfaere sein Geld nicht ehrlicher verdient, als ich meines bisher verdient habe.» «Wie meinen Sie das, mein Herr?» fragte Gritt scharf. Wieder sah ihn Sid Morton hocherstaunt an. «Ja, hat Ihnen Hörn nicht erzählt.. .> «Was?» «Dass man mich nach Schweden geschickt hat, weil ich in England mit der Polizei absolut ncht auskomme.» «Herr Hörn hat mir nichts erzählt, dass Sie mit den Gesetzen in Konflikt gekommen sind.> Sid Morton sah geistesabwesend durchs Fenster und murmelte: «So hat ihm Papa nichts davon geschrieben. Er ist doch ein feiner Mann, der was auf Familienehre hält.» Der Detektiv spielte seine Rolle so glänzend, dass sich Gritt von Minute zu Minute mehr die Gewissheit aufdrängte, dass er In ine Lehre Arbeitsgelegenheiten schaffen, die Krise überwinden. Tausende gewerblicher Betriebe sind mit dem Automobilismus aufs engste verbunden. Vermehrter Gebrauch des Automobils verschaffte willkommene Arbeitsgelegenheit, hielte das Geld im rollen, überwände eine gefährliche Stagnation. Wirtschaftlicheres und weniger spekulatives Denken unserer Banken könnte Wunder wirken. Eine andere Lehre. Starke Kräfte sind auch im Schweizerland an der Arbeit, die AusdeHhungsmöglichkeiten des Autos zu verhindern. Sie fürchten die allzu grosse Konkurrenz und sorgen um unsere gewaltigen, staatlichen Regiebetriebe. Die heutige Wirtschaftslage deckt unverblümt die Gefahren allzu starker Konzentration auf. Unsere Bahnen sind zu gewaltigen Organisationen, zu Ueberorganisationen angewachsen. Sparkommissionen haben keine grosse Wirkung auszulösen vermocht. Im kleinen Schweizerlande ist der Beamtenapparat zu einer Hydra geworden. Trotz des Verkehrsrückgangs eine Stagnation im Apparat Begreiflicherweise. Man kann Angestellte und Beamte nicht einfach auf die Strasse setzen. Der gewaltige Apparat ist festgefahren. Ihn zu lösen hält schwer. Aber der Verkehrsrückgang ist da, im Personen- wie im Güterverkehr. Die Verminderung der gesamten Betriebseinnahmen beträgt, nach letzten Mitteilungen, 12,5 Mill. Franken oder 4,61 Prozent. Die Herabsetzung der Betriebsausgaben beträgt demgegenüber jedoch bloss 1,87 Prozent, was einer bedeutenden Verschlechterung der Bilanz gleichkommt. .. Der Ueberschuss der Betriebseinnahmen ist somit für den Zeitraum Januar bis August 1931 um rund 9 Mill. Franken, d. h. um 10,49 Prozent geringer als für die Monate Januar-August 1930. Aehnliche Verhältnisse weisen ausländische Eisenbahnen auf. Es ist dies begreiflich. Unsere Bahnen hängen nicht vom Automobil, sondern von der gesamten Wirtschaftslage ab. Geht es dem Automobilisten schlecht, so geht es auch den Bahnen schlecht. ihm eine jener entgleisten Existenzen vor sich habe, mit denen man alles anfangen kann. Umso geneigter war er, ihn einzustellen, denn er brauchte solche Leute. Doch ärgerte er sich über den saloppen Ton, in dem der Fant über die Sinnisfaerewerke sprach. «Mein Herr, Sie scheinen zu glauben, dass unser Werk eine Freistätte für verkrachte Existenzen ist.» «Papperlapapp.... ich brauche Ihre Entrüstung nicht,» war die mit gedankenlosestem Leichtsinn hingeworfene Antwort, «da läuft doch bei Ihnen diese schöne Sonja herum. Ich meine, diese Dame ist auch nicht so ganz engelrein. Ich habe sie schon in anderen Gegenden gesehen. Sie hat eine merkwürdige Vorliebe für die Nähe von Automobilfabriken und schliesst gerne Angestellte in ihr weites Herz — das liebe Mädchen, Ich schätze, dass sie meinen ach so moralischen Vetter seinerzeit auch nicht so übel eingeseift hat» Gritt überlegte. Doch schon das, dass er nicht sofort auf diese Anzüglichkeiten antwortete, festigte Sid Mortons Stellung. «Greifen Sie getrost zu, Herr Gritt,» sagte er, «Sie tun keinen Fehlgriff. Ich weiss, was für Leute Sie brauchen.» Der Ingenieur sah ihn einen Moment lauernd an, dann lächelte er und sagte: «Herr Birdley, ich will sehen, dass ich Sie auf den Platz stellen kann, der ihren Neigungen angemessen ist. Verderben Sie es aber vorläufig nicht mit Ihrem Vetter. Also, Sie Müssen wir daraus nicht auch eine Lehre ziehen? Gewiss. Eine zu weitgehende Konzentrierung öffentlicher Verkehrsinstitute trägt grosse Gefahren in sich. Sie sind als starre Körper der jeweiligen Wirtschaftskonjunktur sehr stark ausgesetzt. Millionen an Kapital können gefährdet werden. Ist die Bekämpfung des Automobils angesichts dieser Sachlage nicht widersinnig? Sollte nicht gerade eine durch sie bedingte Handlungsfreiheit begrüsst werden? Warum denn so viele einschneidende, rückwärtsbindende Artikel, Verordnungen, Beschlüsse? Gewiss wäre es angezeigter, als Steuern und Abgaben beständig zu vermehren und die Wirtschaft mit ungebührlichen Belastungen und Einschränkungen zu erdrücken, dem Zuge der Freiheit zu folgen, möglichst viel Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, die heute noch zu Arbeit aufgelegten Unternehmer, die Schaffenwollenden zu unterstützen, ihnen die Bahn freizugeben und ihnen Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Die Krise lehrt uns, wer durchzuhalten vermag und nicht auf Arbeitslosenunterstützung angewiesen ist. Viel weniger krisenempfindlich als staatliche Regiebetriebe und überorganisierte Trusts sind unsere mittleren, gut fundierten, von Persönlichkeiten geleiteten mittleren Gewerbe- und Industriebetriebe, die heute den Staat vor Erschütterungen bewahren und unsere Wirtschaft gesund zu erhalten vermögen. • Die Seedammstrasse bei Rapperswil. Die Korrektion der Seedammstrasse, für die wohl seit 25 Jahren immer wieder von Gemeindebehörden und interessierten Verbänden Begehren gestellt werden, lässt noch weiter auf sich warten, obschon die Verhältnisse allgemein als beinahe unhaltbar bezeichnet werden müssen. Zwar sind nun für den grosszügigen Umbau des Seedammes die nötigen Projekte ausgearbeitet worden, die Schwierigkeiten für die Aufstellung des Verteilers der nicht geringen Kosten dürften Jedoch den Beginn der Arbeiten um beträchtliche Zeit verzögern. Es ist daher dringend geboten, auf die Gefahren, die dem Verkehr drohen, hinzuweisen, sofern die misslichen Strassenverhältnisse weiterhin bestehen bleiben sollten. Der Vorstand der Sektion St. Gallen-Appenzell des Automobil-Clubs der Schweiz hat nun auch von sich aus die zuständigen kantonalen Instanzen ersucht, den Uebelständen durch geeignete Massnahmen bis zur Durchführung des bereits erwähnten Projektes abzuhelfen. Die Eingabe erhielt die volle Unterstützung des Gemeinderates der Stadt Rapperswil, der selbst erklärt, dass sich die Seedammstrasse tatsächlich in einem unmöglichen Zustand befinde. Die Ueberhöhung des Niveaus bringt Gefahren mit sich. Die Besorgung des Strassenunterhaltes ist damit nicht erfüllt, dass nur immer Kies aufgeschüttet wird. Im jetzigen Zustand ist wegen der übermässigen Wölbung ein Strassenstreifen dürfen es nicht mit Hörn verderben, sondern Sie müssen sogar sein intimer Freund werden. Werden Sie moralisch, sehr moralisch, bessern Sie sich, nichts freut so einen aufrechten Charakter, wie unsern Hörn, mehr, als wenn es ihm gelingt, einen Sünder zu bekehren. Ja, das Theaterspielen gehört nun einmal zum Handwerk,» fuhr er fort, als er Sids saure Miene sah. «und nur als Horns Freund werden Sie mir Nachrichten vermitteln können, die ich brauche. Hörn hat da drüben eine halbe Seite seines Herzens zurückgelassen, und verstehen Sie, diese halbe Seite könnte gefährlichen Einfluss gewinnen.» «Ich verstehe, mein Herr! Ich will meinen Herrn Vetter mit viel Moral die Würmer aus der Nase ziehen, wenn es auch, wie ich Ihnen nicht verschweigen will, angenehmere Aufgaben gibt.» Gritt lachte. «Sie werden hier in Stockholm auch Gelegenheit finden, sich von den Strapazen Ihres Dienstes zu erholen.» Und zu Gritts Befriedigung wurden der angebliche Birdley und Hörn die besten Freunde. Man sah sie viel zusammen, sie machten gemeinsame Ausflüge und wurden gar nicht befahrbar. Bei gegenseitigem Ausweichen sind Unfälle, namentlich für Velound Motorradfahrer, fast unvermeidlich. Die vielen Polizeiklagen wegen Befahren des Trottoirs zeigen deutlich, welchen Ausweg die Radfahrer einschlagen. Es darf mit der Instandstellung der Strasse nicht mehr länger zugewartet werden. Die unterhaltspflichtige Südostbahn ist zu veranlassen, den Unterhalt einwandfrei zu besorgen. Es wird nicht zu umgehen sein, die Fahrbahn mit einem harten Belag zu versehen und mit diesem Provisorium den dringlichsten Missständen zu steuern. Die Seedammstrasse war von jeher ein Sorgenkind und die Stadt Rapperswil, welche ihr weitaus die grössten Opfer gebracht hat, darf heute, nachdem die Verkehrsbedeutung des Seedammes seit der Bauzeit gewaltig gestiegen ist und kaum mehr von einer lokalen Angelegenheit gesprochen werden kann, mit Recht auf richtige Instandstellung und Unterhalt dringen. Nachdem die anno 1358/60 unter Herzog Rudolf erbaute hölzerne Brücke infolge der Feindseligkeiten der Rapperswiler mit den Schwyzern und Glarnern verbrannt worden war, ordnete Kaiser Sigismund Wiederaufbau der Brücke an, die dann später ein Opfer der französischen Invasion werden sollte. Mit bedeutendem Kostenaufwand wurde in den Jahren 1818—1820 die Brücke neu erstellt, imi dann allerdings bereits nach zwei Jahrzehnten als für den Verkehr nicht mehr genügend bezeichnet zu werden. Ober-Ing. Hartmann in St. Gallen erhielt damals Auftrag zu einem Projekt und Kostenberechnung für einen massiven Chausseedamm; es fehlten aber die nötigen Geldmittel zur Durchführung, und überdies Hessen die Bahnproiekte eine abwartende Stellung geboten erscheinen. Am 31. Mai 1872 gelangte die politische Gemeinde Rapperswil an die eidgenössische Bundesversammlung mit dem Gesuch: «1. Es wolle der Bund die jährliche Brückenzollsumme von Fr. 7212.12 mit einer aversalen Kapitalsumme von 160 000 Fr. für Erstellung eines Chausseedammes an das jenseitige Seeufer ein für allemal auslösen. 2. Es wolle der Bund dieses interkantonale Werk mit 80 000 Franken unterstützen.» Der Kanton St. Gallen und die Gemeinde Rapperswil sollten sich am Unternehmen einer Zürichsee—Gotthardbahn mit Aktien im Betrage von 1500 000 Fr. beteiligen. Die Bahngesellschaft verpflichtete sich zur Erstellung des Seedammes mit der Zufahrts- in den bekannten Vergnügungslokalen der Stadt fast immer miteinander gesehen. gegnung mit ihr direkt peinlich war, musste Nach Ablauf einer Woche konnte Sid sei-sinem Chef melden, dass Frank Hörn mit dem schreiben und sie begann ihn aufmerksam zu diese Veränderung dem Fremden zu- Chefingenieur der Mauruswerke in Zürich betrachten. ein Rendezvous gehabt hatte, und dass die- Und merkwürdig! Jedesmal, wenn sie die- ser ihm vorgeworfen habe, dass er im Dienste eines Verbrechers stehe. Das quäle ihn jetzt und er wolle sich mit allen Mitteln Klarheit verschaffen. Gritt bat kurz darauf Holm zu sich und fragte ihn nach den Ereignissen in Zürich. Er wusste nichts von der Begegnung, doch als Gritt ihm davon Mitteilung machte, rief er: «Das ist möglich! Hörn empfahl sich mittags merkwürdig schnell und am Vormittag sah ich Sealson im Hotel.» Von jetzt an vertraute Gritt Sid mehr als zuvor und Frank und Sid Morton glaubten alles in schönstem Geleise. Doch zwei Augen, mit denen niemand gerechnet hatte, wachten. Seit Frank wusste, dass Sonja eine bezahlte Spionin Sinnisfaeres war, verstand er ihre Flucht aus Berlin und ihren Abschiedsbrief, und Mitleid und Verachtung stritten in seiner Seele. Er suchte ihr möglichst wenig zu begegnen. Sonja merkte, dass er vor ihr floh und zog sich zurück. Es fehlte ihr die innere Kraft zum Kampf um ihn, den sie immer noch liebte. Sie fühlte, dass Franks Hochzeitstag ihres Lebens letzter Tag sein werde. Franks neuen Freund hatte sie anfangs wenig beachtet. Jedoch als Frank sich immer mehr von ihr zurückzog, als sie sah, dass ihm eine Be-