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E_1931_Zeitung_Nr.082

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag. 6. Oktober 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 82 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlieb „«Mb« IisU" HaTbJlhrlleh Pr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portonnchlag, »afern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerft 39.84 . Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIQNS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 40 Cts. GrOssere Inserate nach Seitentarif. Inseratenselilnss 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmern Zeit ist Geld! Bis in die letzten Jahre beschränkte sich die Aktion der Eisenbahnen in der Bekämpfung der Automobilkonkurrenz im wesentlichen auf den Lastwagenbetrieb und die Personenbeförderung gegen Entgelt. Der Einbezug des Personenautomobils in die gegenpropagandistische «Einheitsfront» der Eisenbahnen ist neueren Datums. Dabei wird mit Vorliebe mit dem Begriff des «Luxus- Automobils» operiert. Diese Bezeichnung trifft, nach der Ausdrucksweise der Automobilgegner, nicht etwa nur auf besonders teure und exklusive Wagen zu. Dem ahnungslosen Leser soll vielmehr eingehämmert werden, jedermann, der sich von der «billigen» Bahn, die dem allgemeinen Volkswohl diene, separiere, um sozusagen ein Züglein für sich allein zu veranstalten, begehe eigentlich einen sträflichen Luxus. Am primitivsten drückt sich diesbezüglich wieder einmal der «Eisenbahner» aus. — Dass das Personenautomobil vorwiegend dem Luxus diene, werde kein vernünftiger Schweizer bestreiten wollen — steht in seiner letzten Nummer zu lesen. Im übrigen hält sich das Blatt namentlich über die Tatsache auf, dass auch die heutige, weitverbreitete Krisenbesorgnis nicht vermochte, die weitere kräftige Zunahme des schweizerischen Automobilbestandes hintanzuhalten. Das ganze Automobilgeschäft komme jedoch nur dem Ausland zu gut und sei.nur geeignet, die schweizerische Handelsbilanz noch mehr zu verschlechtern. Soweit der «Eisenbahner». Befassen wir uns zunächst mit der «billigen» Bahn. Die schweizerischen Bahnen haben bekanntlich der Oeffentlichkeit solange vorgerechnet, wie weit sie ihre Tarife bereits gesenkt hätten und was dafür alles an grös- FEUILLETON «Typ Evelin» Äutosportroman von Karl Schmidl. (17. Portsetzung) Sie schaute ihm gedankenlos nach. Plötzlich erbleichte sie. Eine furchtbare Vermutung war in ihrer Seele aufgestiegen. Einen Moment überlegte sie, sah unruhig umher, dann schlich sie leise zurück bis zur Tür von Gritts Zimmer und lauschte. Eben sprach Holm. «... die Ueberraschung ist nicht schlecht. Was. wollen Sie mit den beiden anfangen?» «Hm, Hörn macht gerne grössere Autotouren!» «Ich verstehe, man kann verunglücken. Bei ihm wird sich niemand wundern, wenn er mit gebrochenem Hals im Strassengraben liegt.» Eine Pause entstand, Sonja schaut durchs Schlüsselloch. Sie sah nichts, hörte jedoch Flüstern und zog sich rasch zurück. Als Frank und Sid spät nachts von einer Aufführung von Puccinis «Tosca» in aufgeräumter Stimmung heimkamen, fanden sie in Franks Wohnzimmer, wo sie noch bei einigen Gläsern Likör eine Zigarette rauchen wollten, einen Brief mit den lapidaren Worten: «An Frank Hörn und Sid Morton. «Sie sind entdeckt. Fliehen Sie! Man trachtet Ihnen nach dem Leben. Vernichten Sie diesen Brief! Sonja.» «Ich glaube, wir tun gut, den Rat dieser freundlichen Dame so rasch als möglich zu serer Geschwindigkeit, vermehrtem Fahrkomfort, verbessertem Fahrplan etc. geboten werde, bis der eine oder andere tatsächlich glauben möchte, das Reisen mit der Bahn sei in der Schweiz eigentlich ein ausserordentlich vorteilhaftes Geschäft. Dass das in Tat und Wahrheit nicht durchwegs zutrifft, wurde bereits in einer früheren Statistik in der «Automobil-Revue» gezeigt. Der Leser konnte dort feststellen, dass man von zwölf kontinentalen Staaten nur noch in Schweden teurer in der Bahn reist als in der Schweiz, dass man beispielsweise in Frankreich für fünf Schweizerfranken in Schnellzügen 138 km zurücklegen kann, in der Schweiz dagegen für das gleiche Geld in Personenzügen nur 70 km, in Schnellzügen gar nur 62 km Fahrleistung als Gegenwert erhält. So sieht es in Wirklichkeit aus mit der «Billigkeit» der schweizerischen Schienenbahnen, und auch das, was an Fahrverbesserungen und Tarifabbau erreicht wurde, ist ausschliesslich der stimulierenden Wirkung der Automobilkonkurrenz zu verdanken. Es ergibt sich aber gerade aus dem oben herangezogenen Vergleich mit Frankreich die interessante Feststellung, dass die relativ billigen oder teuren Bahntarife eines Landes für sich allein gar nicht ausschlaggebend sind für die grössere oder geringere Ausbreitung des Automobilwesens. Sonst müsste ja gerade in Frankreich, mit seinen gegenüber der Schweiz um die Hälfte billigeren Bahntaxen, der Automobilbestand gegenüber der Schweiz eine relativ geringere Dichte aufweisen. Jedermann aber weiss, dass gerade das Gegenteil der Fall ist. Wie ist das Phänomen zu erklären? Nach der Logik des «Eisenbahner» müsste das gegenüber dem Schweizer offenbar noch grössere Luxusbedürfnis der Franzosen die Ursache sein. Tatsächlich rühmt man aber gerade dem Franzosen die Tugenden eines sparsamen Geschäftsmannes und Hausvaters" 1 nach. Dies mit vollem Recht. Der «Eisen- befolgen,» sagte Sid Morton. «Gegen Heimtücke gibt es keine Waffen und diese Leute sind skrupellos, wie Ihnen Soerners Schicksal beweist. Schade, mich hätte noch vieles interessiert. Doch ich weiss immerhin manches. Ich begleite Sie.» Frank war der Abbruch seines Stockholmer Wirkens doch zu plötzlich gekommen, als dass er innerlich damit fertig geworden wäre. Selbst als sie fünf Stunden später schon im Frühschnellzug nach Malmö sassen, war er noch ganz betäubt vom raschen Wechsel seines Schicksals. «Und in acht Tagen ist das Rennen!» murmelte er. XIV. Der Rubin. «Da sind Sie nun wieder, Herr Hörn!» begrüsste Dr. Maurus seinen Besucher. «Ich freue mich, dass Sie wieder den Weg zu uns gefunden haben. Ich habe Ihnen manches abzubitten und manches gut zu machen. «Es waren Missverständnisse, böse Missverständnisse,» wehrte Frank ab, «und mein Wunsch ist nur der eine, dass man sich während meiner Abwesenheit darüber klar geworden ist.» Dr. Maurus lächelte. Er wusste sich den Sinn dieser Erklärung wohl zu deuten. «Herr Frank, wir alle haben eingesehen, wie sehr Ihnen Unrecht geschehen ist.» «Alle? So hat Fräulein Evelin erkannt, wie ungerechtfertigt der Hass war, mit dem sie mich verfolgte?» «Niemand hat Ihre Rückkehr stärker gewünscht als meine Tochter.». bahner» übersieht nämlich die Hauptsache: Wer seinen Geschäften ausschliesslich mit der Bahn, so wie sie heute funktioniert, nachgehen will, braucht Zeit. Viel" Zeit. Und Zeit ist Geld! Der Geschäftsmann, der mit dem Auto in der gleichen Zeit drei Kunden besuchen kann, wäre übel beraten, wenn er nach dem Rezept des «Eisenbahner» an den Reisespesen sparen und dafür mit der «billigen Bahn» nur einen Kunden besuchen und die übrige Zeit mit Warten vertrölen wollte. Ganz abgesehen davon, dass für sehr viele Orte, speziell auf dem Lande, die Bahn mangels Verbindungen gar nicht in Betracht kommt, ebensowenig wie für den enormen Verkehr von Haus zu Haus innerhalb des Weichbildes unserer ständig an Ausdehnung zunehmenden Städte, wo das Auto das geradezu unerlässliche Verkehrsinstrument im modernen Geschäftsverkehr geworden ist. In beiden Fällen wird der Bahn nicht das geringste weggenommen, denn sie hat auf diesem Gebiete nie etwas besessen. Wenn aber von Eisenbahnerseite immer wieder die «Billigkeit» des Eisenbahnfahrens hervorgehoben wird, so ist auf der anderen Seite auf die unvergleichlich höhere technische und kommerzielle Leistung der Automobilerzeugung innerhalb der letzten 10 Jahre hinzuweisen. Wagen, die auch der bescheideneren Börse noch ohne weiteres erreichbar sind, werden heute in einer Vollkommenheit auf den Markt gebracht, die man noch vor wenigen Jahren zum dreifachen Preis vergeblich gesucht hätte. Wir haben bereits an anderer Stelle und in anderem Zusammenhang in der «Automobil- Revue» auf die Ergebnisse der eidgenössischen Betriebszählung hingewiesen. Danach wurden schon im Jahre 1929 in 217 792 Betrieben 42 490 Motorfahrzeuge geschäftlich verwendet. Diese Tatsache allein sollte den Urhebern der leichtfertigen Anschuldigung, das Personenauto diene vorwiegend dem Luxus, zu denken geben. Ebenso leichtfertig ist der ständig gehörte Anwurf, das Automobil fülle nur den ausländischen Fabrikanten die Taschen und sei für die einheimische Volkswirtschaft wertlos. Wir wollen hier nicht ständig wiederholen, was das Automobil für den schweizerischen Fremdenverkehr bedeutet, wieviele Zehnmillionen jährlich an Zöllen, Gebühren und Steuern an Bund und Kantone abgeführt werden.. Aus der oben erwähnten eidgenössischen Betriebsstatistik geht ferner hervor, dass schon im Jahre 1929 rund 12 000 Personen ihr Frank würgte die bittere Entgegnung, die ihm auf der Zunge lag, hinunter. Er dachte an den Rubin. Dr. Maurus fuhr fort: «Evelin wird alles tun, um ihre Fehler wieder gut zu machen. Sie wünscht, dass Sie an dem Rennen «Quer durch die Alpen» den «Typ Evelin» fahren. Frank war angenehm überrascht. Er fühlte, dass man ihm so weit als möglich entgegenkam. «Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen. Ich werde den Wagen fahren. Wo kann ich Fräulein Evelin treffen, um ihr meinen besonderen Dank zu sagen?» «Sie ist droben in ihrem Zimmer und wünscht Sie bei sich zu sehen.» Evelin empfing Frank mit gesenktem Kopf. Ihr Stolz war nach der schweren Nierlage, die sie erlitten hatte, vollständig gebrochen. Sie bot dem jungen Mann einen Sessel an. «Ich habe viel gut zu machen, Herr Hörn. Werden Sie mir verzeihen können?» Franks Herz war heiss von Glück geworden, als er die über all die Dunkelheiten der letzten Zeit dennoch geliebte Frau so sprechen hörte. «Fräulein Evelin, seit der Stunde, in der mir Sealson in Zürich Ihren Brief und Ring überbrachte, habe ich Ihnen verziehen. Reden wir nicht davon. Sprechen wir so, als sei dieses böse Jahr nie Wirklichkeit gewesen. Sie wünschen, dass ich den Wagen in dem grossen Alpenrennen fahre?» «Ja, Herr Hörn. Ich habe Sie am Steuer des Sinnisfaere-Wagens gesehen — ich glaube an Ihren Sieg. Was halten Sie heute von Sinnisfaere?». Auskommen in ausgesprochen automobilgewerblichen Betrieben fanden. Dazu kommen noch eine Reihe von Unternehmungen, die statistisch nicht ohne weiteres als Automobilbetriebe erfasst werden können. Wir dürfen heute ruhig mit 25 000 Personen, die in der Schweiz im Automobilgewerbe ihr Brot verdienen, rechnen. Das sind Tatsachen, die für sich sprechen. Wir haben bereits einmal der «S.B.B.- Revue» eine bessere Reklamepraxis empfohlen. Wir können dem «Eisenbahner» gegenüber den gleichen Rat nur dringend wiederholen. Für denjenigen, der im freien Erwerbsleben den Stürmen des Wirtschaftskampfes und der Krise unmittelbar ausgesetzt ist, handelt es sich heute mehr denn je darum, seine Zeit zu nützen und einzuteilen. Zeit ist Geld! Dabei ist ihm das Automobil zum unentbehrlichen Instrument geworden. Wer sich aber kraft einer im gegenwärtigen Momente noch privilegierten Stellung über eine solche Parole erhaben glaubt, sollte in seiner Müsse immerhin etwas Besseres fertig bringen als die automobilfeindliche Schreiberei des «Eisenbahner». Solche Pfeile springen leicht auf den unvorsichtigen Schützen zurück. 4» Die Aufrauhung von Strassen. Das Thema Strassenbeläge war vor wenigen Wochen in Norddeutschland und hauptsächlich in Berlin, trotz aller übrigen Sorgen, für kurze Zeit im Mittelpunkt des Interesses. Es handelte sich für die Stadtverwaltung Berlin um die Frage, ob der bisherige Vertrag mit einer privaten Strassenbauunternehmung, welche monopolartig den Strassenunterhalt der deutschen Reichshauptstadt besorgte, zu erneuern sei. Die betr. Firma hatte sich aber auf die Erstellung von Stampfasphaltbelägen konzentriert und kapriziert, obwohl die bisherigen Erfahrungen kaum die Anhänglichkeit an dieses Material rechtfertigten. Wie wir in Nr. 79 der « A.-R. » melden konnten, ist auf Betreiben der Verkehrsverbände und einer lebhaften Kritik in der ganzen Presse der Vertrag nicht erneuert worden. Der Stampfasphalt als Strassenbelag der Grossstadt wird, wenn er nass ist, geradezu ein «gefährliches Pflaster», da die Feuchtigkeit den Strassenstaub, die Oelniederschläge auf der Stresse und alle übrigen Unreinlichkeiten zu einer eigentlichen Paste weTden lässt, durch welche der Belag äusserst glitschig und schlüpfrig wird. Durch die Lösung der vertraglichen Bindung mit der bis dato beauftragten Strassenbaufirma wird wohl auch die Aera des Stampfasphaltes in Berlin vorüber sein. Es galt aber nicht nur die Neuanläge solcher Beläge zu verhindern, sondern auch die bereits vorhandenen Strassendecken für den Verkehr sicherer, d. h. griffiger zu gestalten. Zu diesem Zwecke wurden die Strassen aufgerauht. Hierüber erfahren wir folgendes : «Entsprechende Versuche zur «Rauhmachung des Asphaltes » vor zwei bis drei Jahren mit unzulänglichen Mitteln und ungeeignetem Material zeitigten keinen oder nur «Dass er ein Verbrecher ist. Dass sein Werk von einer Sippe von gewissenlosen Menschen geleitet wird.» Er erzählte ihr seine Erlebnisse in Stockholm von seiner Ankunft an bis zu der durch Sonjas Brief hervorgerufenen, überstürzten Abreise. j ;| «So wurden Sie durch Ihre einstige Freundin gerettet?» «Lassen Sie mich darüber schweigen. Diese Frau bedeutet ein dunkles Blatt in meinem Leben, eine Episode, deren düstere Tragik mich bis an mein Ende verfolgen wird. Sie hat an das unwandelbar tragische Schicksal geglaubt und dieses Schicksal wird sie vernichten.» «Und wer hat unsere Erfindungen an Sinnisfaere verraten? Wer hat Soerner ermordet?» Frank schwieg und sah zu Boden. Angstvoll hielt Evelin ihre Augen auf ihn geheftet. «Sie wissen es, Herr Hörn! Verschweigen Sie es mir nicht!» Frank schwieg immer noch. «Sagen Sie es!» bat Evelin. «Es wird Sie schwer treffen, denn der Schuldige hat im Mauruswerk eine grosse Rolle gespielt. Er durfte sich Ihrer persönlichen Freundschaft erfreuen.» Evelin überhörte den Vorwurf. Ihre Augen weiteten sich in namenlosem Staunen vor der Wahrheit, die sie ahnte. «Dunker!» flüsterte sie. «Ja — Dunker!» sagte Frank leise. «Wer hätte das gedacht?» «Sid Morton hat die meisten Beweise schon