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E_1931_Zeitung_Nr.082

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16 AUTOMOBIL-REVUE

16 AUTOMOBIL-REVUE 1931 — N° 82 Auto und Wirtschaft. Fortsetzung oder freiwillige Einstellung der Gummiproduktion ? Bei dem heutigen niedrigen Preisniveau erleiden alle Gummiproduzenten grosse Verluste. Es fragt sich somit, wie lange die Gesellschaften es noch aushalten können, um mit Verlust weiter zu arbeiten, bis sie schliesslich gezwungen werden, die Produktion einzustellen, d. h. wie viel Kraft zum Durchhalten sie noch besitzen. Angenommen, dass man die Gummiproduktion stillegen würde, so würden die Kosten für Unterhalt und allgemeine Verwaltung ungefähr die Hälfte der Gestehungskosten weiterlaufen, anderseits auch die Einnahmen aus der Anlage der flüssigen Mittel. Der Verlust würde also noch grösser als bei Fortsetzung der Produktion zu den heutigen niedrigen Ertragspreisen. Die Erklärung der Erscheinung, dass die meisten Gummiunternehmen ihre Betriebe nicht einstellen, liegt deshalb hauptsächlich darin, weil die direkten Produktionskosten, wie die Zapfkosten nur einen verhältnismässig kleinen Teil der Gesamtunkosten ausmachen. Es lässt sich deshalb bei der Gummikultur keine Spur einer Produktionseinschränkung bemerken, im Gegenteil deuten die Produktionsstatistiken bis einschliesslich Juli 1931 auf eine sehr starke Zunahme der Produktion hin. Darin kommt nicht nur das Streben nach einer Ermässigung des Gestehungspreises pro Produktionseinheit durch stärkere Ausbeute des altern Baumbestandes zum Ausdruck, sondern sie ist auch eine Folge des allmählichen Reifwerdens von sorgfältig ausgesuchtem hochproduktivem neuem Pflanzmaterial. Wy. Aus der amerikanischen Automobilindustrie. In. der letzten Augustwoche ist die Automobilerzeugung in den Vereinigten Staaten von Amerika auf ein Rekordtiefniveau von 47,800 Privat- und Lastwagen gesunken. In der Vorwoche betrug die Produktion noch 50,000 Wagen und 66,000 Einheiten in der Parallelperiode des Vorjahres. Nach dem «Financial Times» rechnet man für 1931 mit einer Autoproduktion von 2,4 Millionen Wagen, gegenüber 3,3 Mill. im Jahre 1930 und 5,6 Mill. im Jahre 1929. Fords Anteil an der Gesamtproduktion ist mit 25 Prozent und derjenige des General Motor- Konzerns mit 45 Prozent angegeben. In die- 'er Schätzung sind die bisherigen Ergebnisse enthalten, hat doch die amerikanische Automobilindustrie ihre Produktion in den letzten Monaten erneut scharf gedrosselt, Die Produktion der Vereinigten Staaten und Kanadas, die von 161 000 Wagen im Dezember 1930 im April 1931 bis auf 352 000 Einheiten gesteigert worden war, hat nachher folgende Entwicklung eingeschlagen: Im Mai 327 000 Stück, im Juni 254 000, im Juli 223 000 und im August 197 000 Wagen. Vergleicht man die Automobilproduktion mit dem August 1930, so stellt sich diese damals auf 234 000 und im August 1929 sogar auf 500 000 Einheiten. Die Produktion der amerikanischen-kanadischen Automobilindustrie belief sich in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres auf insgesamt 2,06 Mill. Wagen, gegenüber 2,82 Mill. in der entsprechenden Periode des Vorjahres und 4,44 Mill. in der Parallelperiode des Jah-, res 1929. Gegenüber dem Vorjahre ist die Produktion somft um 27 Prozent, im Vergleich zum Rekordjahr 1929 um 54 Prozent gedrosselt worden. Wy. Wann ist ein Kraftwagen « fabrikneu » ? Bei zahlreichen Rechtsstreitigkeiten spielt oft die Frage eine Rolle, wann ein Kraftwagen als «fabrikneu» zu gelten habe. Als Grundlage für solche Auseinandersetzungen wird ein jetzt ergangenes Gutachten der Berliner Handelskammer allgemeines Interesse beanspruchen dürfen. Danach darf ein Wagen nur dann als fabrikneu bezeichnet werden, wenn er von der Herstellerfirma dem Händler als neu übergeben und noch nicht für Verkehrszwecke in Benutzung genommen wurde. Ohne Einfluss auf die Bezeichnung bleibt der Umstand, ob das Fahrzeug sich noch bei der Herstellerfirma befindet oder bei der Händlerfirma. Die Ueberführung eines Kraftfahrzeuges innerhalb Deutschlands mit eigener Kraft nimmt ihm den Charakter eines fabrikneuen Wagens nicht, sofern sich keine wesentlichen Unfälle oder grössere Beschädigungen ereignen. Die Vorführung (bis zu 1000 km) ändert an der Fabrikneuheit des Kraftwagens nichts, so lange Lack und sonstiges Aussehen keine Einbusse erfahren haben. Dagegen wird mit der polizeilichen Zulassung zum Verkehr einem Kraftwagen im allgemeinen der Charakter der Fabrikneuheit genommen, weil das Fahrzeug alsdann für den allgemeinen Verkehr freigegeben ist. Auszunehmen von dieser Regel sind die Fälle, in denen der zu Verkehrszwecken zugelassene Wagen Eigentum des Fabrikanten bleibt und zu seiner Erprobung bei Schönheitskonkurrenzen oder Propagandafahrten von normaler Dauer Verwendung findet. Der Eigentumswechsel nimmt einem verkauften Kraftwagen die Eigenschaft der Fabrikneuheit nur dann, wenn er an Einzelabnehmer verkauft worden ist. Ex. Die amerikanische Automobilindustrie als Arbeitgeberin. Nach den neuesten Mitteilungen des Washingtoner Zentralbureau für Statistik waren im vergangenen Jahre 640,100 Arbeiter und Arbeiterinnen in Automobilfabriken beschäftigt. Dazu kamen 257,700 Arbeitnehmer in Autoreparaturwerkstätten. In Garagen, Wagenwäschereien und Servicestationen waren 424,000 Personen beschäftigt und weitere 505,300 Lohnempfänger waren für Automobilvertretungen und Tankstationen tätig. Die mit dem Automobilwesen zusammenhängenden Betriebe haben demnach 1,8 Million Arbeitnehmer beschäftigt, was etwa 4 Prozent der werktätigen Bevölkerung entspricht. B. Vom amerikanischen Gummimarkt. Der Verbrauch von Rohgummi durch die amerikanischen Pneufabriken bezifferte sich im Monat Juli auf 31,900 t gegenüber 29,200 t im nämlichen Monat des Vorjahres. Verglichen mit dem Vormonat Juni stellt der Konsum allerdings einen Rückgang um 6000 t dar. Der Import an Rohgummi belieb sich im Juli auf 41,000 t, was gegenüber dem Vormonat einer Abnahme um 10 Prozent entspricht, dagegen um 20 Prozent höher steht, als die Einfuhr im Juli 1930. Der Vorrat an Rohgummi wird vom Verband der Gummifabrikanten auf Ende Juli mit 235,000 t angegeben, was eine Vergrösserung des Lagers im Vergleich zum nämlichen Monat des Vorjahres um 54 Prozent ergibt. z. Der deutsche Automobüaussenhandel aktiv. Nach einer mehrjährigen Passivität der deutschen Automobilhandelsbilanz gelang es dieses Jahr, erstmals einen Ausfuhrüberschuss zu erzielen. Die Aktivität des Handels, welche für die ersten vier Monate dieses Jahres rund 5,5 Millionen Mark betrug (siehe «Automobil-Revue» Nr. 57), hat für das ganze erste Semester 1931 angehalten. Einer Ausfuhr von 3738 Personenwagen im Werte von 12,7 Mill. Mark steht für die ersten 6 Monate dieses Jahres nur eine Einfuhr von 2248 Wagen im Werte von 9,6 Mill. Mark gegenüber. Die gesamte Ausfuhr beziffert sich auf 9673 Fahrzeuge, wovon 1409 Lastwagen und 4526 Motorräder. Dieser Export, der einem Gewicht von 71 100 Doppelzentner entspricht, beziffert sich wertmässig auf 23,1 Mill. Mark, während die Gesamteinfuhr von nur 3617 Fahrzeugen, in einem Gewicht von 27 300 Doppelzentnern, einen Wert von 11,3 Mill. Mark aufweist. Dazu kam allerdings noch eine Einfuhr von 38 300 Doppelzentner Ersatzteile, deren Wert auf 8,5 Mill. Mark veranschlagt wird. Dennoch ergibt sich für das erste Halbjahr ein Exportüberschuss von 3,3 Millionen Mark. Auf den einzelnen Wagen bezogen, hat sich der durchschnittliche Ausfuhrwert von 5500 Mark auf 3500 Mark vermindert. Da das Durchschnittsgewicht von 1220 auf gegen 1000 Kilo abgenommen hat, so ergibt sich, dass die deutsche Automobilindustrie pro 100 kg Wagengewicht gegenüber der nämlichen Periode des Vorjahres eine empfindliche Mindereinnahme zu verzeichnen hat. Bei der Einfuhr zeigte sich gerade eine umgekehrte Bewegung, indem der Durchschnittswert des importierten Wagens um fast 1000 Mark auf 4300 Mark gestiegen ist, wobei allerdings auch das Gewicht um rund 400 kg auf 1100 Kilo zugenommen hat. Als Kunden der deutschen Automobilindnstrie steht die Schweiz mit über 700 Wagen im Wert von rund 3 Mill. Mark weitaus an erster Stelle. Es folgen Belgien mit 570 Fahrzeugen, Dänemark mit 513, Schweden mit 273, Oesterreich mit 225 und Holland mit 215 Fahrzeugen. B. Die Krackanlagen der amerikanischen Erdölindustrie. Nach der neuesten Statistik des Bureaus of Mincs ist die Zahl der Krackanlagen seit 1925 stark zurückgegangen. Dennoch nahm ihre durclischnittlicheLeistung um etwa das doppelte zu. Zu Beginn dieses Jahres bestanden noch 1870 Anlagen, welche eine Tagesleistung von 1,9 Millionen Barrels zu je 159 Liter) hervorzubringen vermögen. Die Krackanlagen arbeiten nach 35 verschiedenen Verfahren, unter welchen das sogenannte Burton-Verfahren weitaus am meisten angewendet wird. Drei Viertel der Anlagen arbeiten nach fünf Verfahren und liefern 65 Prozent der durchschnittlichen Gesamtproduktion. Auf die übrigen 30 Verfahren entfallen demnach nur ein Viertel der Anlagen und etwa 35 Prozent der Produktion. befneue UileKoPJ 2- und 4-Sitzer Roadster 4-Sitzer-Limousine, Cabr lolets Lieferkastenwagen Verlangen Sie Preisliste Schönster Wagen dieser von H • • Preisklasse. — Vertreter gesucht. lieferbar BRENNABOR AUTOMOBILE VERKAUF A. G., .ZÜRICH OCCASION! 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• - * Bern, Dienstag, 6. Oktober 1931 IIL Blatt der„AatomobiLRevue" No. 82 Tausend Mädchen werden eingeführt bei Hof Zu den Vorzügen einer Monarchie gehört ein Hof mit einem Königspaar. Ist die Monarchie gut demokratisch, so sind Hof und Königspaar dazu da, vor gewähltem Publikum gelegentlich Theater aufzuführen. Eine der schönsten Aufführungen des englischen Hofes heisst: Vorstellung der jungen Mädchen bei Hof. Und das ist so: Man besinnt damit zwei Monate früher. Da beginnen nämlich die tausend Mädchen aus guten und allerbesten britischen Familien ihre Geh-, Lachel- und Knickstunden zu nehmen. Wochenlang wird bei teuren Lehrern, vor grossen Spiegeln anmutiges Gehen, Lächeln, Kopfwenden, Hofverbeugungen gelernt. Ausserdem werden Wochen im voraus die Kleider bestellt. Zur Hofvorstellung gehören ein langes Kleid mit noch längerer Schleppe, ein grosser Fächer, ein Kopfschmuck aus Straussfedern und ein Schleier, der vom Kopf zu fallen hat. Die Vorstellung findet um 10 Uhr im Buckingham-Palast statt. Um 8.30 Uhr werden die Schlosstore geöffnet. Aber um 5.30 Uhr bereits beginnen die ersten Autos mit den jungen Damen aus allerbesten Familien vorzufahren. Die zuerst Angekommenen finden nämlich Platz im Thronsaal, die andern müssen sich mit den angrenzenden Sälen begnügen. Während der drei Stunden Wartezeit werden die Autos von Tausenden von Mädchen und Matronen umringt, die zwar nicht aus allerbesten Familien stammen, aber die Debütantinnen mit einer Begeisterung und Liebe bewundern, die dem demokratischen, vorurteilslosen Sinn der Engländer alle Ehre macht. Die herausgeputzten Mädchen vertreiben sich die lange Wartezeit, indem sie Karten spielen, Bücher lesen, Sandwiches knabbern oder auf mitgebrachten Grammophonen die neuesten Blues und Yales spielen. Der Thronsaal glänzt und glitzert, schimmert und leuchtet von Gold, Licht, Orden, Schmuck, Atlas, Pelzwerk, Golddegen und der Helle von Tausenden von Lichtern. Die «Typ Evelin» Autosportroman von Karl Schmidl. Von Rom Landau. Diener tragen alte historische Kostüme aus verflossenen Jahrhunderten. Punkt 10.Uhr spielt die Gardekapelle die Königshymne God Save the King, die grosse Flügeltür wird aufgerissen, und es erscheint das Königspaar, sich wie in einem alten Menuett an der Hand haltend. Der König in der Galauniform, die Königin in einem goldenden Gewand, mit Diamanten im Haar und am Busen. Zwischen den vielen schweren Diamantenketten funkelt und leuchtet der riesige Kohinor. Hinter dem Königspaar finden Aufstellung der Prinz von Wales und die übrigen Kinder des Königspaares. Zuerst kommen die Diplomaten an die Reihe; die Männer werden dem König von dem rechts neben ihm stehenden Minister des Aeussern, die Diplomatenfrauen von der zur Linken der Königin stehenden Gattin des Ministers des Aeussern vorgestellt. Dann aber kommt die Reihe an die Mädchen aus besten Häusern. Jede wird einzeln von einer Lady vorgestellt, die einstmals selbst bei Hofe vorgestellt wurde. Während einer kurzen halben Minute muss die Prüfung für die mühevollen Stunden und langen Vorbereitungen abgelegt werden: wenige « anmutige » Schritte, Stehenbleiben vor dem Königsbaldnchin (hier werden die meisten rot, dann blass, dann wieder rot, einzelne stolpern über einen imaginären Widerstand, andere verlieren den Fächer oder vermögen nicht weiterzugehen), eine tiefe Verbeugung vor dem König, dann eine gleiche Verbeugung vor der Königin, zur Seite getreten, bitte die Nächste. Das Königspaar, fabelhaft geschult im höflichen Zeremoniell, unermüdlich in jeder Art theatralischen Dienstes am Staat, steht unbeweglich da, lächelt, grüsst, lächelt. Gegen Mitternacht ist die Zeremonie zu Ende. Das Königspaar zieht sich zurück. ich' das jetzt?» hinaus ins Grüne, ass in einem idyllisch Nun werden die Türen zu > den angrenfcett^r;.%,Da reden wir noch mal drüber!» meint gelegenen Waldgasthaus Forellen und hinterher Wiener Schnitzel. Man trank auch den Sälen geöffnet, in denen unter Bildern der Vater von Rubens, Holbein und van Dyck längs Die Tochtpr hat noch einen Einwand: Wein. Büffets der Stärkung der erschöpften Debü- «Wenn wir wirklich verreisen, dann möchte Am Nachmittag ass man in einem Wald- tantinnen dienen. Das Geschirr und die Bestecke sind aus reinem Gold. Die Diener tragen ganz alte Uniformen aus Atlas-Seide, mit Pelzwerk und Gold verziert. Kurz vor 1 Uhr verlässt die letzte Debütantin den Buckingham-Palast. Am darauffolgenden Tag sind alle Zeitungen Londons angefüllt mit den detailliertesten Bescheribungen der einzelnen Mädchen, ihrer Kleider, Namen der Schneiderinnen prangen neben Namen von Prinzessinnen und Neumanns haben sechshundert Franken in der Lotterie gewonnen. Am Abend, als der Vater aus dem Bureau gekommen ist. sitzen alle um den grossen Tisch im Wohnzimmer und beraten, was sie wohl am basten mit dem vielen, vielen Geld anfangen können. «Ich schlage vor, wir machen alle zusammen eine schöne Reise, vielleicht ins Wallis — dort waren wir noch nicht.» So spricht der Vater. Frau Neumann meint: «Wir hatten uns doch schon so lange ein Abonnement für das Theater gewünscht — daran könnten wir doch jetzt einmal denken, wo uns das viele Geld in den Schoss gefallen ist. Das Jahresabonnement für zwanzig Vorstellungen kostet für zwei Plätze 135 Franken, ich habe mich schon erkundigt. Man sähe doch einmal etwas und käme unter Menschen!» «Glaubst du nicht, dass uns allen die Reise mehr nützen wird?» fragte der Mann. Und die Tochter wirft ein: «Mutter hat ja nichts anzuziehen für das Theater.» «Nun» — meint Mutter beschwichtigend — «ein Kleid wird doch wohl noch abfallen, wenn wir recht sparsam sind!» Der fünfzehnjährige Karl: «Ihr habt mir doch immer ein Velo versprochen; krieg' Fürstinnen. Und das ganze Land liest mit Freude die Berichte des königlichen Schauspiels, als wäre ein jeder dabei gewesen, als hätte ein jeder es persönlich genossen. Und die 1000 Mädchen sind von Stund an keine Backfische mehr, sondern beglaubigte und eingeführte Mitglieder des englischen Society, die alljährlich mit unverhüllter Freude das Schauspiel dieser Hofvorstellung geniesst. ich vorher doch gerne in die Tanzstunde gehen! Ein neues Kleid muss ich auch haben und neue Schuhe!» Der Vater lacht auf: «Meine Lieben, ich glaube, es werden noch so manche Wünsche zutage kommen. Aber ich glaube, wir werden es scharfen, da wir doch erst in sieben Wochen reisen! Wenn wir die ganze Zeit tüchtig sparen, dann geht es schon. Und wenn es mit dem Gelde gar zu knapp wird, dann bleiben wir eben nur eine Woche im Wallis, das muss dann auch genügen. Morgen ist Sonntag, da wollen wir zunächst einmal einen schönen Ausflug machen!» «Soll ich den Rucksack packen?» fragte Frau Neumann. «Ach was, Rucksack!» lachte Herr Neumann. «Morgen wird gefeiert, wir wollen wie feine Leute in Gasthäusern essen und trinken und mal sehen, wie es sich mit viel Geld in der Tasche leben lässt!» «Papa wird leichtsinnig!» lachte die Tochter «Darf ich übrigens Tanzstunde nehmen?» «Jawohl, mein Kind!» «Und ich kriege wohl mein Rad?» «Natürlich, mein Junge!» So fing der erste Spartag an. Der Sonntag war schön. Man fuhr weif (Fortsetzung aus dem HauntblatO Endlich kam die Stunde der Entscheidung. Der «Knock out» wurde zuerst abgelassen. Nach kurzer Zeit folgte «Typ Evelin». Der erste Teil der Fahrt bis über den Gotthard verlief ohne besondere Sensationen. Unzählige Kurven reduzierten die Geschwindigkeit. «Knock out» lag vorne. Frank hielt seinen Wagen in gleichmässiger Distanz. Hinter Flüelen fuhren die Schweden höchste Geschwindigkeit. «Typ Evelin» folgte mühelos. Sealson lachte. Er verstand Frank. Für diesen begann das eigentliche Rennen erst auf den Strassen des Tessintals. Vor dem Gotthard hemmten die Kurven, wenn sie auch dank der automatischen Kurvung mit relativ grossen Geschwindigkeiten durchflogen wurden. Endlich war die Passhöhe überwunden und die Strasse führte in Serpentinen über Airolo in das Tal des Tessin hinab. Der Tag war klar und man hatte eine schöne Aussicht. Warme Luft strich herauf. Immer noch lag Holm vorne. Hinter Ambri Piotta, als die Strasse ziemlich gerade vor den Fahrern lag, steigerte Frank die Geschwindigkeit seines Wagens rasch. Sie. näherten sich merklich dem Sinnisfarewagen. Sealson bemerkte, wie Gritt, der dauernd den Kopf hinten hatte, Holm etwas zurief. Es begann eine wilde Hetzjagd. Holm tat alles, um vorne zu bleiben. Frank verfolgte mit aufeinandergebissenen Zähnen den Zeiger des Tachometers. 110 Kilometer! Der Abstand zwischen den Wagen blieb gleich. Sealson gab Frank einen Wink! Der Motor sang eine wilde Skala — 140 Kilometer! Die Strasse raste unter den Rädern nach rückwärts. In der Zeit von kaum einer Minute war Frank dicht hinter dem Gegner. Dieser versuchte nochmals, ihn abzuschütteln. Er holte aus seinern Motor das Letzte heraus. Plötzlich rief Sealson: «Das Tempo vermindern!» Holm hatte den Wagen zur Seite gelenkt und in ein ruhigeres Tempo fallen lassen. «Vor?» rief Frank. «Ja, aber höchstens mit 100. Er fährt nur 90!» Rasch holte Frank auf, denn «Knock out» hielt tatsächlich ein gleichmässig langsames Tempo. War das Vorsicht... oder...? «Typ Evelin» lag zwanzig Meter hinter seinem Gegner und musste ihn in der nächsten Minute überholt haben, da geschah etwas Unvorhergesehenes. Der Sinnisfaerewagen lenkte plötzlich wieder in die Mitte der Fahrbahn ein. Sealson brüllte: «Stop!» Frank hatte gebremst, so gut es eben ging. Doch es war zu spät. Mit lautem Krach fuhr der Wagen auf den des Gegners auf und glitt knirschend zur Seite, über den Flachrand der Strasse hinaus, wo ihn Frank, der das Lenkrad mit krampfhaftem Griff gefasst hielt, zum. Stehen brachte. Gleichzeitig sprangen er und Sealson nach beiden Seiten aus dem Wagen und sahen dem «Knock out» nach, der mit höchster Geschwindigkeit auf der Strasse dahinraste. «Verdammte Hunde! Sie haben uns aus dem Rennen geworfen!» fluchte der Engländer, während Frank mit finsterem Gesicht daran ging, die Beschädigungen des Wagens zu untersuchen. Seine Miene erhellte sich rasch. Es war glimpflicher abgelaufen, als er geglaubt hatte. Das starke Bremsen und die Tatsache, dass der Sinnisfaerewagen im Moment des Aufpralls bereits wieder kräftig angezogen hatte, hatten die Wucht des Stosses abgeschwächt. «Sealson, wir werden weiter fahren,» sagte Frank entschlossen, indem er die zerdrückte Motorhaube abriss und beiseite warf, «rein in die Kiste und los! Das schwöre ich, dass dies der letzte Streich dieser Kerle ist.» Ruhig, ohne Störung lief der Motor an. Als sie wieder auf der Strasse standen, sagte Frank grimmig: «So, jetzt fahren wir ohne Die Kleinigkeiten Von Gerhard Schake. Motorhaube. Jemand geht heute vor die Hunde, wir oder sie!» Wieder flog der Wagen auf der Strasse dahin. Frank Hess ihn stufenweise zu höchsten Geschwindigkeiten auflaufen. Als Sealson sich nochmals nach der Unfallstelle sah, bemerkte er Leute, die schreiend und gestikulierend die Stelle betrachteten. Man hatte den Unfall also doch bemerkt. Hinter Biasca, wo der Rennwagen mit offenem Motor natürlich beträchtliches Aufsehen erregte, wurde die Strasse immer geradliniger und Frank nützte das aus. Mit der Geschwindigkeit von 120 km rasten sie dahin und bekamen nach einer guten Viertelstunde den Gegner wieder in Sicht. Ehe sich Holm und Gritt von ihrer Ueberraschung über das Wiederauftauchen des Konkurrenten, den sie schon erledigt glaubten, erholt hatten, war «Typ Evelin» dicht hinter ihnen und bei der rasenden Geschwindigkeit des Mauruswagens, die Frank aufs höchste gesteigert hatte, blieb ihnen nichts übrig als auszuweichen, wenn sie nicht ihr Leben riskieren wollten. «Typ Evelin» stob vorüber, «Knock out» verschwand in einer Wolke von Staub. Sealson verlor ihn einige Zeit aus den Augen, dann sah er ihn ein gutes Stück hinter ihnen nachkommen. Holm schien verzweifelte Anstrengungen zu machen. (Fortsetzung fnlet.) Tessin ist Heimaterde, Sonnenland, Gesundbrunnen und ein unvergessliches Erlebnis für jedes Schweizerherz! Grosse, elegante Strandbäder, bis Ende Oktober im Betrieb. Traubenkuren. Ermässigte Hotelpreise. Prospekte, Hotelverzeichnisse und Auskünfte kostenlos durch die öffentlichen Verkehrsbureaux in Lugano, Locarno oder Bellinzona.