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E_1931_Zeitung_Nr.082

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kaffee Kuchen und tränt

kaffee Kuchen und tränt Kaffee, und Vater Neumann spendierte allen einen Eierlikör. Spät nachts kam man heim, mit roten Backen, müden Gliedern, Mückenstichen und dem herrlichen Gefühl, einen wirklich schönen Tag verlebt zu haben. Am Montag besorgte Mutter neue Balkonkästen. Erna, die Tochter, kaufte sich Dienstags ein neues Kleid. Mutter sprach mit der Schneiderin — das war am Mittwoch. Tags darauf holte Karl sein neues Rad vom Händler. Freitags kam die Weissnäherin ins Haus, Kleinigkeiten auszubessern. Samstag nachmittags kauften sich Vater und Sohn noue Schuhe. Den Sonntag blieb man — weil es regnete — schön zu Hause und hörte Radio. »Wir sparen doch jetzt eigentlich eine Masse Geld!» meinte der Vater. Aber die Tochter winkte ab — Lohengrin sang so bezaubernd — und das kann sich ein junges Mädchen nicht entgehen lassen ... Es wurden einige Kleider zum Reinigen gegeben. Vater dachte nach, ob er seinen alten Gehrock wenden lassen sollte. Das Theaterabonnement hatte man aufgegeben, man wollte sparen. Erna hinterlegte 50 Franken und fing an, Tanzstunde zu nehmen. Von ihrem Taschengeld, das die Mutter mit einem nicht unbeträchtlichen Ausnahmezuschuss versehen hatte, kaufte sie seidene Strümpfe und Tanzschuhe. Der Vater kaufte sich eine neue Brille, und zwar eine gute, moderne mit einem dünnen Hornrand. Die war nicht billig, aber sie stand ihm sehr gut, sie gab ihm das Aussehen eines sehr guten und klugen Mannes. Am nächsten Sonntag hatte man «grosse Gesellschaft». Die Gelegenheit war günstig, man hatte doch das Lotteriegeld, da konnte man alle die Pflichteinladungen mit einem Male abmachen. Onkel Theodor mit Frau wurden eingeladen und Tante Frieda und Vetter Paul, Neumanns Bruder und seine Schwester kamen mit Familie, aus dem Bureau hatte man zwei Kollegen mit ihren Frauen gebeten, Frau Neumanns Cousine und ihre älteste Schwester kamen, den Hauswirt lud man ein, weil man sich gut niit ihm stehen wollte... so wurde das «Haus voll». Man räumte Wohn- und Esszimmer um, mietete sich eine Köchin und eine Hausangestellte vom Hauswirt, der ja geladen war, kam, um zu servieren. Für diese kleine Gesellschaft wurden einige Deckchen, ein schöner Leuchter, eine Kristallschale für das Obst und zwei Vasen gekauft. Zu essen gab es: Mocturtlesuppe, gebakkemen Zander mit Remouladensauce, Rehfilets mit Pommes frites, Madeirasauce mit jungen Gemüsen, hinterher eine Eisbombe, warme Käseplatte, Früchte, Mokka. Zu diesem aussergewöhnlich guten Essen mussten einige Kleinigkeiten angeschafft werden, z. B. ein silberner Saucenlöffel, einige Fischgabeln (leicht versilbert), vier kleine Mokkatassen, weil die andern nicht ausgereicht hätten. Die kleine Gesellschaft war sehr befriedigt von allem Gebotenen. Man hatte sich rechtzeitig ein Grammophon mit modernen Platten geliehen, die Stimmung wurde lustig und ausgelassen, und Neumanns stiegen in den Augen der Gäste scheinbar turmhoch. Aber nur scheinbar, insgeheim wurden die spitzen Zungen laut, es ging in der bekannten Tonart: «Unheimliche Verschwendungssucht — nie haushalten können — hinführen soll — böses Ende nehmen — eingebildet — immer hoch hinaus — nichts dahinter — auch bloss geborgt —» und so weiter. Am späten Abend meinte Neumann zu Warum frieren Sie in Ihrem Auto? Weil Sie noch keine Sennwaio-Auto-Decke besitzen. Bessere finden Sie in dieser Preislage nirgends. Ebenso Bind die SENNWALD-STOFFE vom währschaften Strapazier- bis zum elegantesten Genre als Qualitätsware bekannt. Verkauf ab Fabrik direkt an Private. Muster franko. Tuchfabrik Sennwald (Aebi & Zinsli). Sennwald 'Kanton St Prallen) Englische Marmet- Kinderwagen, Originalfabrik, sind vornehm, bequem, verlässlich, dauerhaft. Geschmackvolle Mo delle, schöne Farben, Metallteile chromplattiert, rostfrei, ,,Sorbo" Schwammgummireifen. Bitte verlangen Sie Kataloge.Sehr interessante Preise. Max Leopold Luisenhof, Thun. seiner Frau, als die letzten Tanten gegangen waren und die Kinder die Früchte aus dem Rest der gewaltigen Bowle fischten: «Na, war das nicht geradezu ein Fest? Und doch gar nicht so teuer! Hast du gesehen, was sie alle für Augen gemacht haben? Das wird uns sehr viel nützen! Sie werden alle denken, wunder wer wir sind! Und als ich sagte, dass es in fünf Wochen ins Wallis geht — hast du gesehen, wie die Onkels und Tanten ganz bleich wurden vor Neid? Ich freue mich riesig auf die Reise!» Frau Neumann stiegen die Tränen in die Augen: «Ach, ich glaube, du täuschest dich doch — ich muss dir sagen — das Geld — ist weg!» Der berühmte Schweizer Adrian Wettach alias Qrock, über dessen genialen Unsinn eine ganze Welt lacht, will bekanntlich der Bühne nun endgültig Adieu sagen, lieber seine Erlebnisse und seine Meinungen wurde er kürzlich von einem Journalisten interviewt» der darauf seine Eindrücke über die interessante Begegnung in der « Riviera-Wochenschau» veröffentlichte: Casino von Juan-les-Pins, Galadiner zu 125 Francs vor blumengeschmückten Tischen! Vor dem Eingang stoppen lautlos die Wagen, im Hall bewegen sich kostbare Abendkleider, elegante Pyjamas, eskortiert von tadellosen Smokings. Was ist los? Qrock ist da, Grock, der grösste Clown der Welt, Grock, die Berühmtheit der Music-halls, tritt auf. Eine internationale Welt drängt sich ins Casino. Nicht umsonst ist die Landstrasse von Mentone bis Sainte Maxime mit dem Namen Grock dekoriert. Vor dem Casino steht das riesige Schild, das ihn ankündigt. Ich warte. Wenn man Grock erwartet, hat man eine himmlische Geduld. Grock versöhnt mit der ganzen Welt, mit allen ihren Unvollkommenheiten, so vollkommen ist er. Wenn er hereinkommt, applaudieren die Rothschilds, die Rockefellers; wenn er den Riesenkoffer hinstellt, aus dem er die winzigste Geige hervornimmt, tönt der Rhythmus der Welt unbeschreiblich angenehm und ich glaube, die Fliegen hören auf zu summen und die Mücken vergessen zu stechen. Bei der Vorführung von Grock verblassen die Attraktionen, die man eben noch beklatscht hat, sie werden banal vor seiner^Sensibilität, plump von seiner Gewandtheit','langweilig vor seinem Kunstwerk, das sich in Nuancen steigert. Ich war hingerissen von dieser zauberhaften Leichtigkeit Grocks, der im zivilen Leben so simpel Adrian Wettach heisst. Ich hatte Grock bewundert und wollte Adrian Wettach kennen lernen. In solchen Fällen ist es kein Fehler, Reporter zu sein. Einem Reporter tun sich zwar gewöhnlich alle Türen auf, aber oft nicht ohne Kampf. Ich musste auch kämpfen, bevor ich zu Grock gelangte, obschon dieser selbst gar keine Schwierigkeiten machte, sondern mir mit der grössten Freundlichkeit der Welt ein Interview gewährte. Ich hatte zu meinem ersten Interview in spontaner Begeisterung den grössten Clown, eine wahrhaftige Weltberühmtheit gewählt. Als ich die Hühnertreppe, die zu den Garderoberäumen des Casinos führt, hinaufstieg, wusste ich noch nicht, was ich eigentlich fragen sollte. Aber der Portier, der mich führte, war vor einer Loge stehen geblieben, er verneigte sich und ich befand mich vor einem mittelgrossen, ganz bürgerlich aussehenden Herrn in den besten Jahren, der in grauem Anzug vor mir stand und mich hinter seiner Brille hervor forschend, wie ein wohlwollender Lehrer, betrachtete. Fr. 540.— inkl. Rö ren AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N° 82 Erst lachte Neumann, dann, als er das tränenüberschwemmte Gesicht seiner Frau sah, wurde er plötzlich ernst und fragte heiser: «Ja, wieso, was soll das heissen? Die sechshundert Franken können doch nicht weg sein — wir haben doch gar nichts Grosses ausgegeben!» Dann wird zusammengerechnet, im Stehen, ganz flüchtig, während es Tränen und Vorwürfe gibt. Neumann schüttelt den Kopf: «Soviel Geld auszugeben — das schöne Geld so zum Fenster hinauszuwerfen — ihr tut ja gerade, als hätten wir in der Lotterie gewonnen!» Ich interviewe Grock Da ich seinen bürgerlichen Namen aus seiner interessanten Lebensbeschreibung kannte, sagte ich einfach: «Guten Abend, Herr Wettach, ich komme zu einem Interview,» und da ich auch noch sehr verlegen war, erklärte ich sofort, dass dies mein erstes Interview sei. Grock hatte mir einen Stuhl angeboten und sagte geduldig: «Fragen Sie nur ganz ruhig.» Ich sah die grosse rosa Glatze mit dem Kränzlein grüner Haare auf dem Schminktisch liegen, sah auch die riesigen Schlarpen, in denen Grock auf die Bühne gelatscht kommt, unter dem Tisch stehen und überzeugte mich langsam, dass der freundliche Mann mir gegenüber wirklich identisch war mit dem berühmten Clown, den eine ganze Welt bejubelte. «Sind Sie immer so lustig wie auf der Bühne?» «Oh, man ist nicht immer so lustig. Bühne und Welt, das ist zweierlei. Auf der Bühne bin ich Grock, im Leben bin ich der Wettach.» «Aber Sie sind nicht, wie viele Komiker, melancholisch?» «Nein, gar nicht, ich habe keine Zeit melancholisch zu sein. Es gibt andere, die sind wirklich melancholisch. Mein Freund Charlie Chaplin z. B. ist sehr melancholisch. Oft wenn wir zusammensitzen, fällt er plötzlich in einen Zustand tiefster Traurigkeit, er starrt abwesend ins Leere. Dann rufe ich ihn auf: Hallo, Charlie, what is it? Er schreckt auf und lächelt ganz zerfahren.» Während Grock mir das erzählt, gestiku- , lieft und mimt er lebhaft, und einen Augenblick sehe ich Chaplins resigniertes Lächeln, reproduziert von seinem Freunde Grock. «Chaplin,» fährt dieser fort, «kann beispielsweise nicht aHein sein; er würde verrückt. Ich hingegen kann gut allein sein, es macht mir nichts.» «Ist es wahr, dass Sie sich zurückziehen wollen?» Er lächelt und ich sehe sein grosses, auffallend grosses Ohr, das er sich bei der Vorstellung feuerrot schminkt. «Ja und nein, alles ist immer ungewiss. Wenn ich vier Monate ausgesetzt habe, packt mich plötzlich wieder die alte Lust am Spielen. Ausserdem zwingt man mich dazu. Immer bekomme ich Einladungen, meine Freunde schreiben mir: Grock, Du darfst nicht gehen, ohne Adieu zu sagen! Jetzt plane ich eine Tournee von 45 Tagen durch die Schweiz.» «Spielen Sie noch immer gern?» «Oh ja, jetzt ist es geradezu ein Spass für mich. Früher bin ich oft 10, 11 Monate lang ohne Unterbrechung aufgetreten, das ist etwas anderes.» «Jetzt brauchen Sie das nicht mehr?» «Nein, ich spiele wann ich will, so ist die Arbeit schön. Aber ich bin nicht alt, ich bin jung und kräftig.» Sein Aeusseres bestätigt diese Erklärung. Das leicht melierte Haar betont ein kräftiges, Fünfröhren - Radioempfänger für Wechselstrom Eingebauter dynamischer Lautsprecher Vollständige Einknopfbedienung Beste Lautstärkeregelung Grösste Selektivität (vier Abstimmkreise) 200-2000 m Wellenbereich Hervorragende Grammo-Verstarkung Umschaitbar auf 105-120-150-220 Volt Erde nicht unbedingt erforderlich, ca. 2 m Draht genügen als Antenne Prospekte bereitwilligst durch: J. KASTL Dietikon Telephon 918.118 gesundes Gesicht, ein echtes Schweizer Gesicht. Die Elastizität dieses Bielers bildet seinen Ruhm. «Sie haben Ihr Buch betitelt «Ich lebe gern». Gefällt Ihnen das Leben?» «Ja, ich lebe gern,» sagt Grock einfach. «Und ist alles wahr, was Sie in dieser Biographie schreiben? Sind Sie wirklich auf den Fabrikschornstein gestiegen und haben dort den Hochstand gemacht und haben Sie wirklich den Ueberfall der Wölfe erlebt?» «Natürlich, alles ist wahr, ich lüge nie. Alles, was ich in meinen Memoiren geschrieben habe, ist bis ins kleinste Detail Wahrheit, ich habe nichts dazu erfunden.» Grock sagt dies fast leidenschaftlich; er ist stolz auf sein bewegtes Leben. Er hat sich eine Zigarette angezündet; er fühlt sich plötzlich wohl beim Erzählen und vergisst, dass er die Fragen eines Reporters beantwortet. «Noch vor wenigen Wochen schrieb mir mein damaliger Partner, wie er sich nicht genug wundern könne, dass ich das Erlebnis mit den Wölfen so genau behalten habe. Ha, es war eine Freude, auf sie zu schiessen!» Grocks Augen, die Augen des Schweizer Schützen, leuchten vor Vergnügen beim Andenken an diesen Meisterschuss, mit dem er den verfolgenden Wolf erlegte. «In Ungarn hat es Ihnen besonders gut gefallen?» «Ja, damals war ich ein kleiner Lehrer beim Grafen Bethlen. 0, das Leben ist komisch, sehr komisch.» Ich möchte noch allerlei fragen, aber ich habe noch nicht die sprichwörtliche Unbescheidenheit des Reporters, und soviel Freundlichkeit verpflichtet. Ich verabschiede mich, Herr Wettach reicht mir die Hand. Gleich wird er das melierte Haar mit der Glatze bedecken, das Zivil mit dem Clownkostüm vertauschen und als der berühmte Grock die Mitwelt in Entzücken versetzen. E. K. Bunte Chronik Emil Jannings und der Schwan. Jannings war noch bei einer Schmiere. Man gab Schauspiele, Operetten, ja sogar grosse Opern. Den Lohengrin stellte Jannings dar. Aber die Bühnenapparatur klappte nicht. Die Arbeiter, welche den Schwan van unten her auf die Bühne rollten, verpassten den richtigen Augenblick und schoben das Flügeltier vor den Augen des entsetzten Lohengrin davon. Es drohte zu einer ausgewachsenen Theaterskandal zu kommen. Da besann sich Jannings im letzten Augenblick und rief höchst vernehmlich in die .Kulissen hinein : « Wann geht der nächste Schwan, bitte ? » Die Situation war gerettet. New-Yorks berühmtester Verkehrspolizist. Der Verkehrs-Schutzmann Richard Daly, allgemein «Dick» genannt, ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten in New-York, denn der riesige Ire, der 193 Zentimeter misst, steht seit 36 Jahren an einer der verkehrsreichsten Stellen der Riesenstadt, an der Kreuzung des Untern Broadway mit der Maiden-lane, ganz in der Nähe von Wallstreet. Als er hier seinen Posten antrat, da gab es noch keine Wolkenkratzer und keine Autos, aber die Arbeit war deshalb nicht leichter. «Bevor die Autos kamen», so erzählt er, « musste der Verkehr 7 Minuten lang gestoppt werden. Manchmal glaubte ich. dass der Strom der Wagen gar kein Ende nehmen würde. Jetzt sind die Stauungen sehr viel geringer, und bei den schnellen Autos lässt sich alles leichter regeln.» Nach amtlichen Feststellungen lässt Daly während den verkehrsreichsten Stunden seines Dienster 60,000 Fussgänger, 14,000 Autos und 600 Strassenbahnwagen vorüberpassieren. Kein Wunder, dass der hochgewachsene stattliche Mann mit dem grauen Haare, der gesunden roten Gesichtsfarbe und der Donnerstimme vielen auffällt. Billiger Verkauf in M 1 Fabrik-Depots RYFF&Co.A.-G., BERN Kornhausplatz ^% Gurtengasse Christoph 49.51 ^ P Christoph 17.29 Grösste Auswahl am Platze

N° 82 — 1931 ÄÜTÖlWOBrL-REVUn flDase Elegance ist eine Art guter, persönlicher Regie, nach der man sich trägt und sich gibt; je besser aber eine solche Regie ist, um so weniger ist von ihr selbst zu merken, und auch von Elegance kann eigentlich nur dann wirklich die Rede sein, wenn von ihr eigentlich nicht die Rede ist. Ein Mensch, von dem es heisst, er sei elegant, das heisst: jemand, dessen Elegance auffällt, ist schon nicht ganz elegant im eigentlichen Sinn. Es ist, könnte man sagen, nicht elegant, ausgesprochen elegant zu sein. Denn Elegance bedeutet nicht das Vorhandensein von etwas Elegantem, sondern vielmals das Nichtvorhandensein von jedwedem Uneleganten. Das Gegenteil zu etwas Geschmacklosem ist etwas Geschmackvolles, zu etwas Hässlichem etwas Schönes: zu etwas Unelegantem aber ist das Gegenteil nicht etwas Elegantes, sondern vielmehr bloss etwas Selbstverständliches, und Natürliches ist das Gegenteil dazu; Elegance ist nicht das Gegenteil, sondern bloss das Nichtvorhandensein von Unelegance. Elegance als solche lässt sich also auch nicht absichtlich in Szene setzen oder gewollt herbeiführen; sie aber, die von Tausenden, die elegant sein möchten, sich nicht erwerben lässt, ist wiederum in allem Natürlichen ursprünglich schon da, nur im Unnatürlichen, im Erzwungenen und Gewollten, ist sie nicht vorhanden. So wenig Wert aber legt das Elegante darauf, bemerkt zu werden, so sehr genügt es sich selbst, dass wir uns oft erst, nachdem wir einen Menschen oder ein Ding lange Zeit kennen, der Elegance dieses Menschen oder dieses Dinges bewusst werden. Das Unelegante aber fällt sogleich in der widerlichsten Weise auf. Das Elegante ist vor allem nicht nach dem Vorteilhaften hin orientiert. Es kann jemand elegant, wenngleich vorteilhaft gekleidet sein, niemals aber wird er elegant sein, weil er vorteilhaft aussieht. Ueberhaupt hat Elegance viele Eigenschaften mit dem Unauffälligen, Bescheidenen, Edlen und Diskreten gemeinsam. Wirklich unauffällige Elegance ist immer die Angelegenheit eines guten Charakters, auffällige Elegance (insofern davon überhaupt die Rede sein kann) immer Sache eines nicht ganz einwandfreien Charakters. Es hat also — und das ist nun das Aktuelle — keinen Sinn, elegant werden zu wollen, wenn man es nicht schon ist. Man wird, durch eine solche Bemühung, immer nur noch uneleganter werden, als man es ursprünglich schon war. Das Beste ist es, an alle diese Dinge überhaupt gar nicht zu denken, sondern zu Gott zu hoffen, dass sie sich von selbst ergeben mögen. Es gibt aber Menschen, die tun können, was sie wollen, und die immer elegant sein werden, und (EB-H-BE EFTOX^EJ Elegance Von Alexander Lernet-Holenia. umgekehrt: solche, die aus ihrer heillosen Unelegance nie herauskommen werden. In Oesterreich zum Beispiel trug sich die Gesellschaft, ja selbst die Offiziere trugen sich auf nachlässige Art und fast ganz nach ihrer Phantasie, und dennoch sahen sie ausgezeichnet aus, und in Frankreich, wo so viel Wert darauf gelegt wird, gut aus^ zusehen, sehen die Männer, weiss Gott, nicht ganz so aus, wie sie wünschen —- unbegreiflich ist es nur, dass daneben die Franzosinnen zu den bestaussehenden Frauen der Welt gehören. Engländer wiederum, von denen man gemeinhin glaubt, sie wären Vorbilder des Soliden nnd Eleganten (und die es auch fast in jedem Belange sind), entwickeln oft eine so eigentümliche Vorliebe für violette Seidenstrümpfe oder — Taschentücher, changeantfarbenes Innenfutter tfnd Aehnliches mehr, dass tatsächlich die ganze Elegance ihrer übrigen Haltung dazugehört, um solche Entgleisungen nicht allzu merkbar werden zu lassen. Die Haltung eben ist es, die alles, auch das Unmögliche, oft möglich scheinen 1 lässt und umgekehrt das scheinbar Eleganteste unmöglich. Elegance ist Sache der Persönlichkeit. Ich habe Fürsten gekannt, die sich anzogen wie Narren und immer noch wie Fürsten aussahen, und Bauern gekannt, die aussahen wie Fürsten, einfach, weil sie sich unbewusst so in Szene setzten; umgekehrt aber ist das Eleganteste durch schlechte Haltung einfach zu vernichten. iungen Mann beobachtet, dass sie ihn zur Es ist zwar schon tausendmal von ele-Raisoganten Bösewichtern die Rede gewesen; ich versucht, und dass sie ihn ständig daran er- bringt, wenn er ihr zu entwischen aber halte einen eleganten Bösewicht für innert-, dass er, wenn ihr Geld nicht wäre, arbeiten oder stempeln müsste.» • eine blosse Erfindung von schlechten Romanciers und Dramatikern. Ein schlechter Zu der wichtigen Frage nehmen begreiflicherweise auch vieje Frauen Stellung. Sie Mensch ist viel zu wenig gelassen, viel zu präokkupiert und zu wenig unbefangen, fassen die Frage meist bei ihrem Kernpunkt, um wirklich elegant sein zu können; indem sie nämlich sagen: «Wenn zwei Men- sich wirklich lieb haben, spielt schlechte Leute sind, besten Falles, von ei-schen die ner Halbelegance, die um so unerträglicher sein wird, je feiner sie nuanciert ist. Wirkliche Elegance ist, letzten Endes, etwas Moralisches. Es sind nicht alle moralischen Leute elegant, aber alle wirklich eleganten Leute sind moralisch, freilich nicht im landläufigen- Sinn. Der unmoralische Mensch wird es im besteh Fall zur urier- 1 träglichen Elegance bringen, der moralische Mensch wird möglicherweise schrecklich unelegant sein, so widerlich elegant jedoch wie die Halbeleganten wird er niemals sein. Es gibt also eine Menge von Menschen, die so gerne elegant sein möchten, dass sie sich zu diesem Zweck sogar entschliessen könnten^ vorher moralisch zu werden. Nun, sie mögen es tun. Zur Elegance werden sie's ja wohl nicht bringen, möglicherweise aber wenigstens zur Moral. Und das ist immerhin etwas. Sind Geldehen glücklich ? Eine Rundfrage. Eine interessante Rundfrage veranstaltet eine ausländische Zeitschrift über diesen lebenswichtigen Punkt. Sogar Bernard Shaw ist unter den Beantwortern. Der bekannte Schriftsteller Chestlerton gibt eine Erwiderung, die die Frauen erfreut begrüssen werden: «Mein Instinkt seht dahin, dass ein Mann nicht Geld heiraten sollte, besonders nicht in diesen Zeiten. Ich habe das Gefühl, dass es sehr schlimm ist, das wenige zu vertieren, das von dem geblieben ist, was man Ehrgefühl zu nennen pflegt.» Ein Staatsmann meint: «Ich habe in dieser Angelegenheit keine Meinung. Wenn ein Mann eine Frau lieb hat, erscheint es töricht, nicht zu heiraten, nur weil sie Geld hat und er nicht. Allerdings muss ein armer Mann, „der mit einer reichen Frau verheiratet ist, sich in manche schwierige Situation finden. Es äst eine Frage, die man nicht verallgemeinern kann.» Ein hochgestellter Beamter sagt: «DieZeiten sind so aus dem Gleis gekommen, dass ich die Vermutung hege, dass manche Männer ernstlich die Möglichkeit erwägen, um Geld zu heiraten, um so aus dem Daseinskampf herauszukommen. Und es gibt Frauen, denen jedes Gefühl für Romantik abgeht, so dass sie ganz zufrieden sind, wenn sie einen einigermassen gutaussehenden Mann kaufen können. Wir wollen die Gefühlsseite einen Augenblick ausser acht lassen. Wenn eine Frau mittlerer Jahre die Zeit zurückdrehen will, die Jugend eines Mannes nimmt und ihn den armen iungen Mädchen, die nur ihr gutes Aussehen und ihren Liebreiz haben, vor der Nase wegfischt, warum soll sie dann nicht für dieses Vorrecht zahlen? Der Rest ihres Lebens wird damit hingehen, dass sie den Frage nach Geld, oder wer es hat, überhaupt keine Rolle. Wenn die Liebe zwischen ihnen nicht stark genug ist, haben beide die Verpflichtung, aus dem «Geschäft» das beste zu machen. Wenn die Frau als Gegenleistung .für ihr Geld Zuneigung und Freundschaft ;/"empfängt, würde sie ihrerseits Verständnis und Takt zu beweisen haben, da die Lage für jeden Mann schwierig wäre, aber nicht falsch, wenn er nämlich ein ehrliches Spiel zu spielen gesonnen ist.» Aehnlich äussert sich eine andere Frau.: «Wenn Mann und Frau sich wirklich lieb 15 haben, sollten sie heiraten, einerlei, wer von ihnen das Geld hat.» Eine Frau, eine bekannte Schriftstellerin, nimmt sehr scharf Stellung gegen die Geldehen: «Der Mann, der nur um Geld heiratet, ist nicht besser als der schlimmste Spekulant, und die Frau, die wissentlich zulässt, dass der Mann sie um Geld heiratet, hat entweder alle Hoffnung aufgegeben, jemals einen Mann zu bekommen oder sie tut es einer andern Frau zum Trotz, die sie aus irgendeinem Grunde hasst. Es sollte nur eine Art Ehe geben, und das ist die Heirat aus Liebe.» Eine andere Frau drückt es etwas anders aus: « Natürlich soll ein Mann eine Frau mit Geld heiraten, wenn das Mädel, das er lieb hat, Geld hat. Bekanntlich sagt man, dass es ebenso leicht ist, sieh in einen reichen Mann zu verlieben, wie in einen armen, und dies Wort kann man sicherlich auch auf das andere Geschlecht anwenden.» Zum Schluss aber soll Bernard Shaw zu Worte kommen, der, wie gewöhnlich, die Frage mit Paradoxen beantwortet: «Ein Mann, der kein Geld hat und sich daher mutmassKch nicht selber erhalten kann, ist ein Schmarotzer, einerlei ob er von seinen Eltern, seinen Verwandten, seinen Freunden, seiner Frau oder von öffentlicher oder privater Wohltätigkeit lebt. Wenn sie ihn sogern haben, das hinzunehmen, statt ihn niederzuschiessen, ist an dieser Einrichtung nichts Falsches. Wenn ein Mann sich selber ausreichend erhält odeT wenn er eine wertvolle Arbeit leistet, von der er nicht leben kann, liegt kein Grund vor, warum er nicht eine Frau heiraten sollte, die reicher ist als er selber, vorausgesetzt, dass sie keinen Müssiggänger aus ihm macht — ganz abgesehen von den allgemeinen Gründen, überhaupt nicht zu heiraten. » New-Yorker Herbst- und Wintermodeschmuck 1931 New York, überhaupt die ganzen Vereinigten Staaten und ebenso Kanada, sind ein ideales Absatzgebiet für irgendwelche Modeartikel, die einschlagen. Man macht sich in dem trotz aller Amerikanisierung noch eher individualistischen Europa keinen Begriff davon, mit welch rasender Schnelligkeit eine neue, modische Idee, einmal akzeptiert, die Gesamtheit aller Frauen drüben erobert. Phantastische Preise halten sich ein paar Wochen lang in der Fifth Avenue, die Riesensummen für ein neues Gebilde aus Stoff, aus Metall usw. zahlt, das in seinem Material fast keinerlei Wert repräsentiert, dafür aber in höchster Vollendung ausgearbeitet ist, und, wie gesagt, das eben die neue Mode repräsentiert. Als «Kopie» angeboten, wandert dann die Neuheit in die ersten Geschäfte der guten Käuferkreise, durchaus erschwinglich schon, während ein paar weitere Wochen den «billigen Modeschlager» daraus machen, der alle Frauen uniformiert. Die Fifth Avenue hat inzwischen im ewigen modischen Kreislauf schon längst wieder ihre neue und eueste Neuheit. Gegenwärtig wird neuer Modeschmuck zu den für Herbst und Frühwinter allgemein getragenen dünnen Wollkleidern lanciert. Die Pariser Kolonial-Ausstellung erlebt ein langes modisches Nachspiel, länger wahrscheinlich in den Pariser Kollektionen für Amerika als in den Pariser Modeateliers selbst. Holz, Elfenbein und Metall sind gegenwärtig für Halsketten dernier cri. Holzperlen, bunt bemalt, wechseln mit kleineren Metallkugeln, andere Modelle kombinieren Holzkugeln mit Metallgliedern, die nach alten Vorbildern antiquiert Lasst Preise sprechen! Tatsache ist, dass echte Teppiche billiger als je sind! Ein Posten Herlz, ca. 85/135 cm 4SA feste Ware zum Aussuchen St. Fr. W« — Ein Pasten Heriz, ca. 85/135 cm BA prima Qualität zum Aussuchen St. Fr. 9"m m Ein Posten Heriz, ca. 85/135 cm