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E_1931_Zeitung_Nr.083

E_1931_Zeitung_Nr.083

Aasgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 9. Oktober 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. _ N° 83 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" RaibJInrifeJi Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoztigchlag, tmtum nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 HEDAKTION n. ADMINISTRATION! Breltenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rcchnuna 111/414. Telephon Bollwerk 39.84. Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Unter dieseT Schlagzeile hat sich ein führendes Genfer Blatt mit den Ergebnissender Beratungen über das Verkehrsgesetz im Ständerat auseinandergesetzt. Wir selbst waren .ob der, trotz allen Bemühungen von Bundesrat Häberlin und des Kommissionspräsidenten Bolli, erfolgten Aenderungen am Gesetzesentwurf sehr enttäuscht und haben daraus auch keinen Hehl gemacht. Die Situation nähert sich aisgemach der jenigen, wie sie Anno 1926 nach der Durchberatung des ersten Gesetzesentwurfes bestand und welche die schweizerische Verkehrsliga veran- Jasste, den Kampf gegen jenes Stuckwerk von Verkehrsgesetz aufzunehmen, das vom bundesrätlichen Entwurf noch übriggeblieben war, nachdem es die Räte zerzaust hatten. Damals stand die Verkehrsliga und die «Automobil-Revue» als Presseorgan der Motorfahrzeugbesitzer allein auf weiter Flur. Aber die Solidarität unter dieser mächtigen Gruppe von Strassenbenützern, die wertvolle U I „Rückwärtsgang" «Typ Evelin» Autosportroman von Karl Schrnidl. (18. Fortsetzung) Kurz vor Bellinzona mussten sie, durch das Signal eines Abwinkers aufmerksam gemacht, abstoppen. In langsamer Fahrt glitten sie durch eine Kurve, in der Arbeiter damit beschäftigt waren, die Trümmer eines auf die Sandsäcke aufgeprallten Rennwagens aufzuräumen. Frank warf einen ernsten Blick auf den Engländer, der stoisch murmelte: «Schicksal!» In Como war die Spannung aufs höchste gestiegen. Eine aufgeregte Menschenmenge hatte das Ziel umlagert. Rennwagen um Rennwagen lief ein. Evelin fieberte. Ihr Vater rauchte in nervöser Hast eine Zigarre um die andere. Um 11 Uhr war ein Telegramm von Bellinzona eingelaufen. «Rennwagen 18 bei Bellinzona verunglückt. Fahrer und Beifahrer verletzt» Zehn Minuten später kam eines von Ambri- Piotta. «Rennwagen 20 und 21 haben Ambrl-Fiotta passiert.» 20 war «Knock out», 21 «Typ Evelin». Kaum 20 Minuten später kam ein neues Telegramm. «Rennwagen 21 zwischen Atnbri-Piotta und Biasca auf 20 aufgefahren und aus der Bahn geworfen, 21, leicht beschädigt, fährt weiter.» Unterstützung durch die Radfahrer und schliesslich auch der ewige Harst der Neinsager, mit denen jedes Gesetz zu rechnen hat, haben dem gesetzgeberischen Fehlprodukt von Anno dazumal den richtigen Empfang bereitet Heute können wir nun mit Befriedigung feststellen, dass wir mit unserer Kritik an der Arbeit der Räte nicht mehr isoliert stehen. Es haben sich schon in den -laufenden Kommentären grosser schweizerischer Tagesblätter zu den Ratssitzungen Stimmen gemeldet, welche davor warnten, den neuen Entwurf auf die nämliche Bahn zu stossen, den der erste unweigerlich gehen musste. Während sich also im Ratsaal, und hauptsächlich beim Ständerat, in der Auffassung dem modernen Verkehrsmittel gegenüber seit einem halben Jahrhundert kaum etwas geändert hat, so vollzog sich doch in der öffentlichen Meinung eine Wandlung, die für uns sehr wichtig ist. Vor allem nimmt das welsche Organ die Wiedereinführung von GeschwindigVeitsvorschriften aufs Korn. Auf diese Weise werde der im Gesetz beabsichtigte Fortschritt hintangehalten und man bleibe bei der bisherigen Heuchelei, indem ein Konkordat Geschwindigkeitsvorschriften macht, die bald von jedermann als praktisch unhaltbar angesehen werden und die für die Sicherheit des Verkehrs nicht die geringste Rolle spielen. Man wollte dagegen dem Fahrzeugführer die Verantwortung anvertrauen und ihm die Mittel in die Hand geben, sein Fahrzeug und dessen Gangart jederzeit den bestehenden Bedürfnissen anzupassen. Das würde mehr zur öffentlichen Sicherheit beitragen als starre Zahlen, welche nie der Situation gerecht werden. Es gibt in unseren Ortschaften noch Strassen, deren Befahren im 30- Kilometer - Tempo eine Gefahr bedeutet, während anderseits moderne Verkehrswege angelegt worden sind, auf denen ohne weiteres auch höhere Geschwindigkeiten ohne Bedenken innegehalten werden können, fcs sei dies eine Ueberlegung, welche auch dem Kinde einleuchten müsse und für die der Nationalrat das nötige Verständnis leicht aufgebracht habe. Den Ständeräten aber, von denen sich manche noch der Postkutsche bedienten, falle es nun einmal schwer, im Automobil etwas anderes als ein Verkehrs- und gemeingefährliches Beförderungsmittel (und eine lästige Konkurrenz von Staats- und Dekretsbahnen, die Red.) zu sehen. Ueberzeugender hätten die Motorfahrzeuge halter selbst ihre Sache nicht vertreten können, als dies in dem Genfer Blatt geschah. Und dabei handelt es sich glücklicherweise nicht etwa um einen Rufer in der Wüste, der weder auf Jünger noch Anhängerschaft zählen kann. Diese Tatsache ist für die Verkehrsinteressenten von Bedeutung. Sie wird mit in Rechnung gestellt werden können, wenn es etwa nach der Dezember-Session eine unbefriedigende Situation abzuklären gilt. Referendumspolitisch hat man zwar im Parlament die Radfahrer äusserst sorgfältig und schonend behandelt und jeder Versuch, sie betreffend Bestimmungen zu ändern, wurde mit dem. Hinweis darauf abgetan, dass man sich damit der Gefahr eines Referendums aussetze. Nun wird die schweizerische Verkehrsliga auch heute noch auf die in Verbänden gruppierten Radfahrer rechnen können, wenn sie auf deren neuerliche Mitarbeit zählen will. Evelin zitterte. Dr. Maurus und Möller waren blass geworden. Sie sahen hinter den kurzen Worten der Depesche den Kampf auf Leben und Tod, den Frank Hörn mit einem rücksichtslosen Gegner führte. Dann kam einige Zeit nichts mehr. Endlich verkündeten die Lautsprecher: «Rennwagen «Typ Evelin» 21 passiert Bellinzona 12 Uhr 10 Minuten!» Erregte Fragen wurden im Publikum hörbar. Doch niemand konnte Auskunft geben, wo sich der Sinnisfaerewagen befand. Endlich um 12 Uhr 45 meldete ein Telegramm: «Rennwagen 20, «Knock out», passiert Bellinzona 12 Uhr 35 Minuten.» Evelin jubelte. Frank hatte den Sinnisfaerewagen überholt. Die Spannung des Publikums stieg. Plötzlich herrschte Totenstille auf dem Zielplatz. Fernes Singen eines Motors wurde hörbar. Eine Staubwolke tauchte auf. Ein Wagen raste heran. Das Publikum drängte vor. «Typ Evelin» passierte das Ziel und stand nach kurzem Auslauf still. Da war kein Halten mehr. Unter Beifallsbrüllen wälzte sich die Menge dem Wagen entgegen und umdrängte ihn. Polizei griff ein, bahnte Dr. Maurus, Evelin und Möller einen Weg zu den beiden Fahrern und begann die Strasse zu räumen. Als Evelin Frank sah, erschrack sie. Mit geschlossenen Augen, blass und regungslos lag er in seinem Sitz, seine Hand immer noch lässig am Steuer. Sealson versuchte ihm etwas Kognak einzuflössen. Dazu kommt diese bemerkenswerte Wandlung in der öffentlichen Meinung, welche der Sache der Motorfahrzeugführer nur dienlich sein kann. Es,wird sich deshalb für die Räte in der letzten Session des Jahres darum handeln, den Gang zu wechseln und auf «Vorwärts» einzustellen. Es sollen aber keine neuen Kompromisse dabei entstehen, dass der Wagen gar in einen gefährlichen Leerlauf gerät und dann in seiner Fahrt auf der schiefen Ebene nicht mehr aufzuhalten wäre. Wir haben nachgerade von Kompromissen genug. Bei der Regelung der Haft- und anderen Pflichten des Fahrzeughalters haben die Räte nicht lange gefackelt und ganze Arbeit geleistet. Ja, man ging sogar so forsch ins Zeug und will ihn für Schäden verantwortlich machen, an deren Verursachung er nicht den geringsten Anteil hat. Und jedesmal, wenn ein Artikel nicht etwa eine Besserstellung der Motorfahrzeugführer, sondern lediglich eine erhöhte Anpassung des Paragraphen an die heutigen Verkehrsverhältnisse bringen sollte, dann hat ein beschämendes Feilschen und Handeln eingesetzt. So ist der Karren unversehens in den Rückwärtsgang gerutscht, der auch der übrigen Presse nicht entgangen ist Wir werden deshalb derorts auch auf das nötige Verständnis stossen, wenn sich die Motorfahrzeugführer und ihre Ernsthafte Konstruktionen. Was bringt der Karossier, sei er nun für eine Fabrik oder als unabhängiger Künstler seines Faches tätig, am Salon 1931 Neues? Natürlich lässt ihm sein Wirkungsfeld einen weiteren Rahmen, als dies für den Konstrukteur der Fall ist. Ungestraft kann aber auch er seine Zügel nicht mehr schiessen lassen, wenn einmal das Verhältnis zwischen Motorstärke und Wagengewicht nicht leiden und das ihm zugebilligte, meist streng bemessene Budget nicht überschritten werden soll. Trotz Möller holte ein Auto herbei... Als der Wagen hinauf zu Maurus' Villa fuhr, ertönte tausendstimmiger Freudenjubel des Publikums. Frank hatte die Strecke in Rekordzeit gefahren. Doch der, dem diese Ovationen galten, hörte sie nicht. Wohl war Frank bei Besinnung und fühlte, dass liebevolle Hände um ihn beschäftigt waren, doch ihm war das alles namenlos gleichgültig. Er hatte gesiegt und wollte nichts als Ruhe. Besorgte Führer geleiteten ihn die Treppe hinauf, in ein mollig vorbereitetes Zimmer. Und dann sass Evelin allein auf der Ottomane, auf der Frank mit geschlossenen Augen ruhte. Durch die geöffneten Fenster strömte, die Vorhänge leicht bewegend, die balsamisch, milde Luft des Südens. Evelin fühlte, dass in ihr die grösste Wandlung ihres Lebens vorgegangen war. Sie war sich selber fremd. Und war doch unendlich glücklich. Es war etwas in ihr gestorben und das machte ihr das Herz wunderbar leicht. Ihr Blick ruhte auf der schlanken Hand Franks, an der in warm leuchtendem Rot der Rubin glänzte. Während all dieser Ereignisse war Sld Morton nicht untätig gewesen. Er hatte sich zuerst tagelang in Davos aufgehalten. Am letzten Tag des Rennens war er dann nach Como gekommen. Er hatte mit ehrlicher Freude Franks und Sealsons Triumph miterlebt. Doch kam er nicht mit zur Villa. Ruhig eine Pfeife rauchend, wartete er mit dem übrigen Publikum auf die Ankunft der INSERTIOXS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Gnindzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach SeltentariL InseratenschluB« 4 Taoe vor Erscheinen der Nummern Bundesgenossen nicht mehr gegen diese rückwärtige Fahrt einsetzen, sondern diese nur noch zu beschleunigen trachten, weil aus den Erfahrungen mit dem ersten Entwurf auch nicht die bescheidensten Lehren gezogen worden sind, obwohl seither wieder Jahre vergangen sind, in denen der Verkehr wahrlich nicht stillgestanden ist Wir dürfen wohl erwarten, dass die Bundesväter dieser zugespitzten Situation Rechnung tragen und sie den bevorstehenden Ausgleich der Differenzen zwischen den beiden Kammern dazu benützen, um die noch strittigen Punkte im Sinne einer modernen Verkehrsgesetzgebung zu erledigen. Man glaube ja nicht, dass man die Klippe einer Abfuhr, wie sie der erste Entwurf erlitt, umsegelt habe, weil man die Radfahrer Gutkind sein Hess. Es gibt noch mancherlei Faktoren und viele Kräfte, die für ein zweites Referendum mitbestimmend wären und die rechtzeitig in eine eventuelle Bresche eintreten würden. Und dazu gehört nicht zuletzt eine Kritik, wie sie die Zeitung von Genf gegen das Gesetz führte. Sie ist ein scharfes Symptom für jene Aenderung in der Einstellung dem Verkehr gegenüber, das uns an ein altes Liedlein mit dem Refrain erinnert: «Es taget vor dem Walde, stand uf! Die Hasen laufen balde, stand uf!» b. Der Pariser Salon 1931 (Von unserem bi-Berlchterstatter) Die Karosserle am Salon. dem sehr begrüssenswerten Streben des Wagenbauers nach Wahrung seiner Individualität, ist es nicht schwer, auch in diesem Fach deutlich gemeinsame Richtungen am Salon zu erkennen. Der zunehmenden Zahl mittlerer und kleiner Wagen, dem Bestreben nach bester Ausnützung der Motorkraft ist durch merkliche Reduktion des Wagengewichtes Rechnung getragen worden. Die weitgehende Verwendung leichterer Metalle und Legierungen hat dies ermöglicht, ohne dass die notwendige Solidität und Widerstandskraft des Oberbaues dadurch benachteiligt worden wären. Die letztes Jahr oftmals übertriebene Betonung des niedrigen, am Boden klebenden Wagens hat einer besseren Berücksichtigung des Zweckmässigen Platz gemacht Die erzielten Resultate zeigen, dass auch erhöhter Sinnisfaerefahrer. Die Menge begrüsste Holm mit Pfeifen und Johlen. Er hatte eine gewaltige Niederlage erlitten und fuhr, während Gritt hochmütig über die Masse wegsah, rasch davon. Doch mitten auf der Strasse trat ihnen Morton mit erhobener Hand entgegen. Gritt erkannte ihn sofort und gebot Holm zu halten. Der Detektiv trat näher. «Haben eine schlechte Fahrt gehabt, die Herren!» «Was wünschen Sie, mein Herr?» fragte Gritt, der sich bemühte, kühl und reserviert zu erscheinen, -während ihn doch das Erscheinen Mortons in Como mit Befürchtungen erfüllte. «Ich habe Ihnen die letzten Grüsse eines Toten zu überbringen.» «Eines Toten?» Holm und Gritt wurden unruhig. «Ja, meine Herren, der Mörder Soerners und der von Ihnen beauftragte Spion, Dunker, lebt nicht mehr. Er hat sich gestern abend in Davos mit Upas vergiftet, nachdem ich ihm die lückenlose Kette der Beweise für seine Schuld vorgelegt hatte.» Ein tödlicher Schreck durchzuckte die beiden. Sie sagten kein Wort Jeder fühlte, dass dies nicht die letzte Ueberraschung war, die der unheimlich ruhige und sachliche Engländer für sie bereit hatte. «Sie haben ihn in den Tod gejagt!» sagte Holm endlich. «Ich habe ihn vor die Wahl gestellt:' Schande oder Tod!» «Wer gab Ihnen dazu ein Recht?» (Fortsetzung folgt.)