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E_1931_Zeitung_Nr.083

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NO 83 AUTOMOBIL-REVUE - REVUE AUTOMOBILE 21 drängten und doch phlegmatischen Reisenden der sparsame Hinweis. In diesem durchrasselten, reklamedurchschrienen und von zuckendem Buntlicht überduschten Paris ist eine bunte menschliche Gesellschaft kaleidoskopartig zusammengeschüttet. Zunächst gibt es wie in jeder Weltstadt ganz verrufene Viertel, wo man an die Verbrecherwelt von Chicago oder New York erinnert wird. Es gibt hier Strassen, wo es keinem Boxer und keinem Schnellläufer ratsam scheint, allein zu wandeln. Hier leben unberechenbare Menschen, unabhängig von Konjunktur und Wirtschaftslage, die kein Roman je wahr geschildert hat. Aber mit diesen anrüchtigen Vierteln wird mitunter ein ganz grosser Mumpitz getrieben. Man blufft die Fremdenwelt mit einem grotesken vorgetäuschten Apachenleben. Zudem wird jeder harmlose Arbeiter, der, unbekümmert um die modische Kleiderkultur, mit einem roten Halstuch einherläuft, sofort als Apache schlimmster, beängstigender Sorte verdächtigt. Die Autocars führen diese Fremden in Betzeit noch nicht in der Moschee ist. Dann fällt er eben an Ort und Stelle auf die Knie und betet. Eine knusperige Sensation für den Fremden ist auch die Negerbevölkerung. Schwarz- Weiss ist so Trumpf wie in der heutigen Mode. Die Neger stammen aus Afrika und den Antillen. Ihr Stammlokal ist in einem Bai colonial. Hier sind aber bereits die Weissen eingedrungen, und die Neger scheinen ein anderes Lokal nun zu suchen. Die Neger amerikanischer Herkunft bilden ihre eigene Gruppe: sie dienen wesentlich der Vergnügungsindustrie, unterhalten mit grotesken, hampelmännischen Bewegungen und mit Jazz die Fremden und singen in Varietes sentimentale Lieder. Je vornehmer das Lokal ist, um so schwärzer sind die Neger. Auch die gelbe Rasse beschickt Paris mit Vertretern. Hier handelt es sich zwar zumeist um wohlhabende Leute, mit Brille und klassischer Bildung. Sie studieren an der Sorbonne und wohnen im Quartier latin. Wahrscheinlich würde die Das Maybach-Chassis 200 PS 12 Zylinder jjehört auch diesmal wieder zu den schönsten Objekten der Schau. Le chäsis Maybach 200 eh., 12 cylindres appaxtient, cette fois-ci encore, aux plus beaux objets de l'exposition. Zahlreiche technische Probleme liegen noch mert polypenhaft die Nervenstränge der Im Halbdunkel; sie brauchen Zeit, um aus den Menschen: der Herzschlag von Paris hat dauernd den rhythmisch bewegten Takt. Anfangsstadien über jahrelange Proben und Verbesserungen in die Serienfabrikation einzudringen, wenn sie nicht gar inzwischen von Stadt und immer ist man wieder zum ersten- Man kommt lOOmal in diese zaubervolle anderen Konstruktionen abgelöst werden. mal hier und lässt sich verblüffen durch die Auch die gegenwärtige Zeit des Strebens grellen Gegensätze. Hier gibt es Strassen nach Wirtschaftlichkeit im Fabrikbetriebe lässt Neuerungen erst dann aufkommen, bis man ganz sicher ist, keinen Fehlschlag damit zu tun. Bis dahin ist man vorsichtig und studiert — bei sich und bei der lieben Konkurrenz — aber mit Ausschluss der Oeffentlichkeit. Streifzüge durch Paris. Zu allen Jahreszeiten bleibt Paris eine Welttouristenstadt. Die Menschen stehen scharenweise an den Strassenrändern, im Trommelfeuer der Hupen. Man zwängt sich in die Omnibusse und in die Metros. Zeitungsverkäufer und andere Strassenhändler, alle mit ihrem eigenen Schlachtruf, womit sie die Konkurrenz überschreien wollen, schlängeln sich eidechsenhaft durch die dichte Fülle. Die Kaffeehäuser schieben ihre Tische beinahe bis auf die Strasse, in die Nähe der Strassenbahn, die sich mühsam und bimmelnd einen Weg durch das Qeknäuel der Menschen bahnt. Hundert Gerüche liegen schwer über dieser eigenherrlichen Stadt, Benzin und Parfüm überwiegen unleugbar. Der Lärm umklam- zum Elend und Strassen zum Gold, Strassen inmitten der Verkehrsekstase und Winkel heimlicher und trauter Romantik. Die Reisenden, die sich diese Weltstadt im Gefühl und im Gehirn einhämmern wollen, eilen zunächst auf die Reisebureaux. Von hier aus geht es in bequemen Autocars kreuz und quer durch Paris. Ein Conferencier, der sein ohnehin ohrenbetäubendes Pathos noch durch ein Megaphon verstärkt, enthüllt den bequemen und sensationslüsternen Fremden die heimlichen und unheimlichen Sehenswürdigkeiten, die im Geäder dieser Stadt offen oder überfirnt pulsen. Seinen Worten ist oft kaum mehr zu glauben als den Leidensgeschichten all der kleinen, netten Mädels, die in Paris ihr volles Weibtum entfalten. Im* Fllmtempo — wie ehemals die Fürsten ihre Reisen mit der Uhr in der Hand abliefen — werden dürre Angaben hingeschleudert oder phantastisch verbrämt. An viele Häuser knüpft der Conferencier seltsame Legenden, Märchen oder historische Tatsachen. Zuweilen stimmt es. Und wie Hungrige bereits vom Bratenduft gesättigt sind, so genügt diesen hitzig ge- Der Motor des neuen Acht-ZyHiMier-Mathis-Wagen«. Le moteur de la nouvelle voiture Mathis 8 cylindres. (Photo Meurisse. Paris.) Ein teilweise aufgeschnittener 15 PS r 6 Zylinder Renault-Motor. Coupe partielle du moteur Renault, 15 eh.. 6 cylindres. solche scheinbar verwegene, geiährliche Lokale, denn ein Fremder, der nicht hier war, gleicht dem Reisenden, der in Aegypten die Pyramiden nicht sah. Die einfachen und harmlosen Arbeiter reissen nun, bei Ankunft irgend eines Autocars, ihre Mützen tief in die Stirne, wenden ihre Röcke, so dass das Futter gegen die Strasse schaut, knüpfen ihr Halstuch fester als je der gordische Knoten geknüpft war, schielen wie weiland Wotan mit einem Auge hin und her, und wenn Blicke töten könnten, gäbe es eine Menge Leichen unter den Fremden. Dann wird ein Apachentanz in Szene gesetzt, eine Frau dreht sich wild und im furor im Kreis rum, und die Fremden amüsieren sich für ihr liebes Geld ob dieser wohlgelungenen Kopie aus dem Herd der Apachen, der bestimmt irgendwo in Paris schwelt, nur nicht dort, wo man die Fremden hinführt. Es genügt, dass man aber den Kitsch für bare Münze nimmt und dass man zu Hause von dem Paris der Apachen erzählen kann, so wie man im Mittelalter von Hexen auf dem Blocksberg schwabbelte. Man fällt darauf herein, wie Vögel auf gemalte Früchte. Irgendwo im Norden stösst man auf ein Stück waschechtes Orient, auf eine Moschee, in der man blendenden türkischen Kaffee und Tee trinkt. Auch die türkischen Bäder, die man hier haben kann, sind nicht zu verachten. Zuweilen geschieht es, dass ein Gläubiger zur Statistik hier überhaupt mehr Asiaten als Europäer ergeben. Im Brennpunkt abenteuerlicher Interessen sind die opiumrauchenden Chinesen. Die Japaner haben Fouhjita als Repräsentanten ihrer Rasse und feiern ihn nicht minder, als die Europäer ihn mitunter beriörgeln. Unter jden Taxichauffeuren gibt es eine Unmenge Russen, beinahe alles ehemalige russische Offiziere, die allerlei grausame und schöne Geschichtchen erzählen. Auch haben die Russen sich hier als Maler, Sänger, Schneider, Schriftsteller, Schauspieler etabliert. Einen Nimbus von Aktualität webt man um den Mörder Rasputins: Fürst Jussupoff und dessen Gattin, einer Grossfürstin von Geblüt. In gleich starkem Mass wie die russische Invasion, zeigt sich auch der amerikanische Einfall in Paris. Wenn auch der Börsenkrach in New York gewaltige Lücken in die Reihen der Amerikaner in Paris riss, so nährt sich heute doch noch ein grosser Teil der Vergnügungsindustrie vom Dollar. Wir begegnen auch auf Schritt und Tritt amerikanischen Bars. — Chinesen und Chinesinnen tragen zwar die europäische, unauffällige Tracht, indes Inder und Inderinnen das Strassenbild durch ihre malerische Nationaltracht beleben. Man sieht: es gibt wohl in Paris kaum ein Volk der Erde, das nicht hier seine Vertreter hätte. cb. GÜDEL&ZAUGG Laupenstrasse SPEZIALWERKSTÄTTE FÜR ELEK- TRISCHE ZÜND-, LICHT- UND ANLAS- SER-ANLAGEN OFFIZIELLE SERVICE-STATION Batterien EXIDE & OERLIKON 17 Telephon Bollwerk 71.17 DELCO REIWY Ladestation Wir haben autotou ristische Mifar beiter in aller Ländern, nicht für uns, sondern für Sie. Darum Hallwag Karten Psllkanstr.t, ZÜRICH, T«L 32.962 - ST. QALLEN, T«l. 52.91