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E_1931_Zeitung_Nr.083

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ÄUTÖMOBiL-REVÜE

ÄUTÖMOBiL-REVÜE 1931 — No 83 Durch die Stände des Pariser Salons (Fortsetzung von No. 82) Bugatti bietet immer neue Ueberraschungen. Dieses Genie eines Automobilkonstrukteurs, das vielleicht nur in Ford seinesgleichen hat, findet immer wieder neue höchst originelle Wege, um die Automobiltechnik weiter zu bringen. Alle seine Schöpfungen sind dabei von einer Vollendung und Zweckmässigkeit, wie sie nur ein Künstler seines Faches hervorbringen, kann. Kein Wunder, stammt doch Bugatti selbst aus einer Bildhauer-Familie ab und hätte selbst Bildhauer werden sollen. Mit dem Rennwagenbau hat Bugatti seinen Erzeugnissen ihren einzigartigen Ruf in der Welt erworben. Mit grösstem Geschick wurden dann die hier gewonnenen Erfahrungen im Bau von Tourenwagen ausgewertet, die heute ebenfalls in ihrer Art fast einzig dastehen. Wir finden zwei Typen dieser Tourenwagen auf dem Stand vertreten, und zwar die Achtzylinder-Wagen von 3,3 Liter und von 5 Liter Zylinderinhalt. Nebenbei bemerkt, weist übrigens einer dieser geschlossenen Wagen die neue Schiebetüre unseres Genfer Karossiers Gangloff auf. Als eigentliche Sensationen des diesjährigen Salons figurieren jedoch auf dem Stand zugleich das stärkste und das wirtschaftlichste aller gegenwärtig produzierten Automobile. Im ersten Fall handelt es sich um den sagenhaften Typ Royal mit seinem 13 Liter Achtzylinder-Motor von 300 PS Bremsleistung. Das billigste Fahrzeug der Welt ist ein zweiplätziges Elektromobil mit Scintilla-Motor, das bei einem Aktionsradius von 100 km eine Geschwindigkeit von 30 Std.-km entwickeln kann. Manche finden das Wägelchen seines einfachen Aussehens wegen heute noch lächerlich. Wer weiss, vielleicht hat Bugatti wieder schon morgen recht. Als Maschine zum Kommissionen machen und sreruhsamem Spazierenfahren erfüllt es jedenfalls seinen Zweck vollkommen, um so mehr, als seine Betriebskosten pro Kilometer nur 1 Rappen betragen sollen und der Kaufpreis nur ca. 2000 Franken ausmacht. Delahaye. Dank ihres sehr ausgedehnten Kundenkreises konnte sich die Firma Delahaye seit jeher die gleichzeitige Führung verhältnismässig vieler Modelle leisten. So verwundert es auch nicht, wenn sie ihren bisherigen zwei Vierzylindern und ihren zwei Sechszylindern für das nächste Jahr einen neuen Sechszylinder beifügt. Dieser Sechszylinder, wieder ein ausgesprochenes 'Qualitätsfahrzeug, beansprucht auf dem Stand von Delahaye das Hauptinteresse. Sein Motor hat 75 mm Bohrung, 107 mm Hub, 2862 ccm Zylinderinhalt und hängende, durch Stossstangen und Kipphebel gesteuerte Ventile. Die Kurbelwelle ist so stark bemessen, dass auf jeden Schwingungsdämpfer verzichtet werden konnte. Die Gemischbildung geschieht durch einen Fallstromvergaser mit Benzinvorwärmung und Speisung durch eine mechanische Pumpe. Die Druckschmierung ist insofern besonders interessant durchgebildet, als sie eine besondere Versorgung der Zylinderwände mit Oel während der Anlass- und Warmlaufperiode des Motors vorsieht. Die grosse Wichtigkeit, die eine gute Schmierung und damit eine lange Lebensdauer des Motors beigelegt wird, geht daraus hervor, dass das Instrumentenbrett sogar mit einem Oel-Thermometer ausgerüstet ist. Das Getriebe weist wie bei allen Delahaye- Wagen vier Gänge auf. Das 900 kg schwere Chassis ruht vorn und hinten auf langen Halbelliptikfedern. Der geschlossen karossierte Wagen hat eine Maximalgeschwindigkeit von 115 km. Ausser diesem Wagen werden auf dem Produktionsprogramm beibehalten die beiden Sechszylinder von 70 X 107 mm bzw. 74,4 mal 110 mm und die beiden Vierzylinder von 69 X 100 mm bzw. 80 X 107 mm. Maybach. Das den höchsten Grad der Gediegenheit darstellende, auf grösste Lebensdauer berechnete Zwölfzylinder-Chassis zeigt gegenüber dem letzten Jahr kaum irgendwelche Veränderungen. Dem Zug der Zeit gehorchend, hat jedoch auch Dr. Maybach neben diesem Typ «Zeppelin» den Bau eines kleineren, weniger anspruchsvollen Typs aufgenommen. Es ist das ein Sechszylinder von 120 PS, der am Salon mit einem sehr schönen Kabriolett- Aufbau zu sehen ist Als Antriebsquelle dient bei diesem Wagen eine Sonderausführung des berühmt gewordenen Maybach-Ötnniljus- Motors, der nun u. a. wieder den alten, fabejr haft sparsamen Maybach-Vergaser mit regelbaren Lufttrichtern zurückerhalten hat. Das Chassis gleicht im allgemeinen dem der Zwölfzylindermodelle. Es hat jedoch das dreigängige Getriebe des seinerzeitigen Modells W 5 mit Schnellgang im Kardanrohr. Auch so vermag das Fahrzeug natürlich noch sehr weitgehenden Ansprüchen an Schnelligkeit, Geräuschlosigkeit, guter Strassenhaltung und langer Lebensdauer zu genügen. Die Ausarbeitung zeigt bis ins kleinste Detail die Präzision und Sorgfalt, denen auch die Maybach- Motoren der Zeppelin-Luftschiffe zum grössten Teil ihre Berühmtheit verdanken. Auf einer Weltkarte sind übrigens die Raids des mit Maybach-Motoren ausgerüsteten «Graf Zeppelin» durch rote Striche in eindrucksvoller Form dargestellt. Das grosse Zwölfzylinder-Chassis wird nach wie vor mit dem fünfgängigen, vom Lenkrad aus zu schaltenden Getriebe ausgerüstet. Bekanntlich hat dieses Getriebe vier geräuschlose Gänge und einzelne seiner Gänge lassen sich schalten, ohne dass das Kupplungspedal auch, nur berührt wird. Schon an den allgemeinen Abmessungen des Chassis kann man erkennen, dass man es hier mit einem Fahrzeug zu tun hat, das die Lebensdauer einer Lokomotive oder doch Schnitt durch den Maybach-12-Zylinder-Motor. mindestens eine solche von mehreren 100 000 Kilometern hat. Brennabor. Im Gegensatz zu den meisten andern Firmen, die ihre Neuigkeiten schon vor dem Salon und zum mindesten der Fachpresse bekanntgaben, brachte die Brandenburger Firma Brennabor ihr letztes Erzeugnis ganz unangemeldet nach Paris. Vorbereitet war man allerdings auf einen neuen kleinen Vierzylinder 1-Liter-Typ, dem sogar schon allerhand erstaunliche Leistungen nachgerühmt wurden. In Wirklichkeit konnte man aber seine Erwartungen noch übertroffen sehen. Neben diesem «Kleinen» beherbergt der Stand ein Fahrzeug, dem man auf den ersten Blick keine Aehnlichkeit mit etwas bisher Bekanntem abgewinnen kann. Bei näherer Untersuchung zeigt es sich, dass der unbekannte Spitzkühler eine Attrappe ist und hinter sich den Mechanismus eines Vorderradantriebes birgt. Ein Blick unter die Motorhaube lässt den bekannten «Juwel »- Sechszylindermotor erkennen — auch Brennabor ist also zum Vorderadantrieb übergegangen. Die Erniedrigung der Karosserie, die diese'Antriebsart gestattet, wurde konsequent ausgenützt. Die übrigens ausserordent- USENDE • «•verlassen sich täqlich darauf! Viel Ärger mit Reparaturen kommt von der Wahl falscher Oele und minderwertiger Benzine. Wer ruhig, sicher und wirtschaftlich fahren will, muß sich vor allem auf die Qualität des Betriebstoffes verlassen können. Standard Erzeugnisse werden mit besonderem Hinblick auf Zuverlässigkeit nergestellt. Das Standard-Verfahren bürgt dafür! Standard-Qualität und Standard - Organisation brachten der Standard - Marke in der ganzen Welt das Vertrauen aller Automobilisten. .. Sorgfältig ausgewählte Rohöle und kostspielige wissenschaftliche Versuche und Proben bedingen die Standard- Qualität. Die Standard - Organisation macht es möglich, Standard-Erzeugnisse überall in stets gleichbleibender Qualität zu beziehen. die Marke, zu der die ganze Welt Vertrauen hat

N° 83 — 1931 AUTOMOBIL-REVUE 5 Der im Fond des ausgestellten Brennabor-Vorder- Tadantriebs-Wagena eingebaute Radio-Empfänger. Die Fond-Sitze sind quergestellt. lieh formschöne Karosserie reicht einem mit dem Dach kaum bis ans Kinn, obschon sie an Innenhöhe nichts zu wünschen übrig lässt. Die erwähnte Attrappe vor dem Kühler, der unmittelbar vor dem Motor ist, reicht bis unter das Winkelgetriebe hinunter und gilt gleichzeitig als Schutz gegen Steinschlag. Amüsant ist die Möblierung des Wagens mit einem grossen Radioempfänger. Solange man nicht auf Platz erpicht ist, dürfte sie sehr angenehm empfunden werden. Natürlich handelt es sich bei dieser Karosserie mit ihren zwei quergestellten Vorsitzen nur um eine Sonderausführung für Liebhaber. Der kleinste Brennabor, der auch als Chassis zu sehen ist, zeigt den bisher üblichen, •wenn auch sehr fortschrittlich durchgebildeten Aufbau. Mercedes-Benz. Wenn es am diesjährigen Salon Schlager zu Sehen gibt, so ist einer von ihnen unbedingt der neue kleine Sechszylinder Mercedes, der ebenfalls in aller Stille herausgekommen ist. Dieser als Gebrauchswagen gedachte 1,7- Liter-Typ « 170 » stellt tatsächlich eine Spitzenleistung des internationalen Automobilbaues dar, und zwar sowohl was seine Fortschrittlichkeit im konstruktiven Aufbau, wie seine Ausführung und nicht zuletzt auch die Preisgestaltung anbelangt. Kurz zusammengefasst hat der Wagen, der sogar neben einem Mercedes-Kompressor-Chassis Typ SS und einem neuen 3,7-Liter-Sportwagen, wie ihn Delmar bei der Alpenfahrt benützte, das Hauptinteresse auf sich zieht, folgende Charakteristiken: Einzelabfederung der Vorderräder durch zwei übereinanderliegende Querfedern, Hinterradabfederung mit Schwingachsen und dämpfungsfreien Spiralfedern, Vierganggetriebe mit direktem dritten Gang und geräuschlosem vierten «Spar- oder Schongang» (durch blosses Umlegen des Schalthebels ohne Auskuppeln zu schalten), Niederrahmen, Zentralschmierung, in Gummi gelagertes Differentialgehäuse, 32 Brems-PS bei 3200 Touren und 1692 cem Zylinderinhalt, nach neuem Verfahren gehärtete Kurbelwellenlager, eine Ansaugrohr-Vorwärmung neuen Systems, schwingungsfreie Kurbelwelle, eine Wasserpumpe mit ganz neuartiger Wasserschmierung, einen Spezialvergaser mit eingebautem Anlassvergaser, der alle Anlassschwierigkeiten beseitigt, den vom «Grossen Achtzylinder» her bekannten Ueberlauf-Thermostat, um nur das Wichtigste zu nennen. Pendelachsen und Schraubenfederung am neuen 1,7-Liter-Meroedes-Wajten. In fast allen Punkten sind dabei die Konstrukteure eigene Wege gegangen, so vor allem bei der hochinteressanten Lösung der Abfederungsfrage, der Sicherung des Wagens bei Federbruch und der Vermeidung eventueller Shimmy-Schwingungen. Durch Versuchsfahrten, die über Hunderttausende von Kilometern führten, wurden diese Neuerungen aber auch den schwersten Gebrauchs- Dias neue 1,7-Liter-Meircedes-ChAMis. 1. Einer der rassigen, serien-weiae hergestellten Alfa-Romeo-Zweiplätzer, Typ Grand Sport. proben unterworfen, bevor sie definitiv Aufnahme fanden. Eine ganz besondere Ueberrisme Compresseur» in den Handel. sodann dieser Typ als auch Typ «Grand Touraschung bietet der für dieses Qualitätsfahrzeug geforderte Preis. 65 mm Hub und 88 mm Bohrung ist ein direk- Der Achtzylinder von 2336 ccm Inhalt bei ter Abkömmling der berühmten Renner, mit Alfa Romeo. denen an den diesjährigen Rennen so manche erste Preise herausgefahren wurden. Der Mo- Durch wenig andere Beispiele wird die Theorie vom fördernden Einfluss des Rennwagenbaues auf den Gebrauchswagenbau schlagender bewiesen als durch die Alfa Romeo-Wagen. Die vier Typen von Sechszylindern und der Achtzylinder, die am Salon zu sehen sind, stellen wahre Musterbeispiele fortschrittlicher, rationeller Motorfahrzeuge dar. Hinter jedem Typ steckt jahrelange Erfahrung, denn jeder wurde an unzähligen Rennen bis auf die letzten Einzelheiten geprüft. Die Sechszylinder haben alle einen gemeinsamen Inhalt von 1750 ccm. Beim Typ «Tourisme» hat der Motor senkrecht hängende Ventile, die alle durch eine einzige, obenliegende Nockenwelle direkt betätigt werden. Beim Typ «Grand Tourisme» sind die Ventile schräg hängend angeordnet und ihre Betätigung geschieht durch zwei obenliegende Nockenwellen. Beim Typ «Grand Sport» kommt ausser der schräghängenden Ventilanordnung ein Kompressor und eine besondere Ausbildung der Ansaug- und Auspuffstutzen hinzu, wodurch der Motor auf eine Bremsleistung von 85 PS bei 4400 Touren gebracht wird. In gleicher Ausführung, jedoch mit einer für die Aufnahme grösserer Karosserien in den Abmessungen etwas geänderten Chassis kommt CONTRE VENTS ET MAREES Der neue Kühler des Alfa Romeo Sechszylinderwagens. tor zeigt grosse Aehnlichkeit wie der Sechszylinder; auch hier sind die Ventile schräg hängend angeordnet. Neuartig ist jedoch der Antrieb der obenliegenden Nockenwellen von der mittleren Kurbelwelle aus. Die Karosserien sind nicht weniger raffiniert ausgebaut als der mechanische Teil. Fortsetzung der Standbesprechungen auf Seite 9. Man beachte auch die Abbildungen in der Offset-Beilage. QBBQ&iaaMauHHn • • L'efalon or du Pneumatique Der Goldstandard Geneve der Pneumatik POSE PARTOUT. a conquis la premiere place dans la carburation et il l'a conserve'e ... Les id6es de SOLEX ont ete furieusement contrebattues ... par ceux qui les ont adoptees ensuite: Demontage - Simple diffuseur Volet de depart-Absence de correcteur Arrivee d'essence en dessus Et SOLEX travaille inlassablement ä perfectionner la solution du probleme si difficile de la meilleure carburation. II ne se d£partlra jamais des directives qui ont fait son succes. SERVIR...etrestersimpleen amelioranttoujours. Agence generaie Henri Bachmann Bienne Geneve Zürich 12 b. nie de l'Hopital Tel. 4S.42 48.43 48.44 9, Place des Eaux-Vivee Tel. 25.641 31,Löwenstrass« Tel. 58.824 58.825 IIIBI11IIIBIPIBIII