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E_1931_Zeitung_Nr.084

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1931 - 84 •> xi Fah Geräuschlos schalten. Immer und immer wieder muss einem auffallen, wie viel Automobilisten es gibt, die in die Geheimnisse des Kuppeins und Schaltens noch nicht eingedrungen sind. Da gibt es Leute, die mit Gewalt und mächtigem Krach den Gang «reinhauen *, dass die Funken stieben. Andere lassen mit Ausdauer und Gefühl die Zahnräder so lange aneinander ratschen— womöglich noch ein paarmal wieder absetzend — bis der Gang drin ist. Die dritten fummeln an der Kupplung und Schaltung herum, bis der Wagen zum Rückwärtslaufen kommt, überhaupt nicht mehr in den zweiten Gang zu schalten ist, sondern, die; entsprer chenden Versuche mit Geräuschen beantwortet, die selbst Laien bedenklich stimmen. Fehler beim Kuppeln und Schalten schaden dem Getriebe des Wagens sehr, und sie wirken sich ausserdem nach dem Motor und dem Differential hin schädlich aus. Denn die Kupplung und das Getriebe stellen das Bindeglied dar zwischen Motor und Radantrieb. Beide werden, durch schlechtes Kuppeln und Schalten mehr oder minder überbeansprucht. Um richtig kuppeln und schalten zu können, müssen Das Getriebe m Leerlaufstellung. zuerst die technischen Vorgänge klar sein, die bei Bedienung des Kupplungspedals und des Schalthebels ausgelöst werden. Es gibt unter unseren Rissen nebeneinanderliegend eine Haupt- und eine Nebewelle. Die Nebenwelle ist durch die Kupplung mit dem Motor verbunden. Sie hat, um es ganz einfach darzustellen, entsprechend den drei Gängen hintereinander drei Zahnräder. Dem Motor am nächsten liegt das grosse, dann folgt das mittlere, schliesslich das kleine. Die Hauptwelle hat entsprechend drei Zahnräder, deren Grössenanordnung aber, umgekehrt ist. Dem Motor am nächsten liegt das kleine zuletzt kommt das grosse. Dem kleinen Zahnrad der -Nebenwelle liegt also das grosse Zahnrad der Hauptwelle gegenüber, und wenn beide in Eingriff kommen, sitzt der erste Gang. Die Hauptwelle ist mit dem Motor nicht verbunden. Bei haltendem Fahrzeug und laufendem Motor, wobei der Schalthebel also auf Leerlauf steht, dreht sich durch Vermittlung der Kupplung nur die Nebenwelle des Getriebes. Die Hauptwelle steht still. Nun soll das Fahrzeug anfahren. Dazu müssen wir das Zahnradpaar des ersten Ganges in- Das Getriebe mit eingerücktem 1. Gang einandergreifen lassen. Das kleine Zahnrad der Nebenwelle läuft aber im Leerlauf schnell um, während das grosse Zahnrad der Hauptwelle still steht Wie bringt man beide ohne Krach zusammen? Aus dieser Ueberlegung ergibt sich die sehr einfache Regel für richtiges Schalten : die auf den verschiedenen Wellen im Getriebe sitzenden Zahnräder lassen sich nur dann geräuschlos miteinander in Eingriff bringen, wenn sie im Augenblick des Schaltens die gleiche Umfangsgeschwindigkeit haben. Man braucht sich also nur klarzumachen, was zu tun ist, um die einander entsprechenden Zahnbrüderpaare auf die gleiche Umfangsgeschwindigkeit zu bringen. Beim Aufwärtssclialten. Die Hauptwelle und das darauf sitzende grosse Zahnrad für den ersten Gang steht still. Also muss das entsprechende, schnell umlaufende kleine Zahnrad der Nebenwelle auch zum Stehen gebracht werden. Sehr einfach. Man kuppelt aus und wartet einen Augenblick, bis die Nebenwelle, die ja nun keine Verbindung mehr mit dem treibenden Motor hat, sich aufgetrudelt hat. Dann werden beide Zahnräder für den ersten Gang ineinandergeschaltet. Zum Anfahren ist nur noch nötig, die Kupplung langsam wieder eingreifen zu lassen, damit die Nebenwelle sich von neuem dreht und das kleine Zahnrad das grosse der Hauptwelle herumwälzt Die Hauptwelle treibt dann über das Differential die Räder an. Den zweiten Gang richtig zu schalten, wiederholt man das Manöver vom ersten Gang. Die Nebenwelle läuft mit dem kleinen Zahnrad viel schneller als die Hauptwelle mit dem grossen. Es sollen die Zahnräder des zweiten Ganges, beide mittelgross, auf gleiche Umlaufgeschwindigkeit gebracht werden. Man kuppelt also aus, wartet einen Augenblick, bis die Nebenwelle so langsam läuft, wie die durch die Fortbewegung des Wagens weiter umlaufende Hauptwelle, schaltet dann ganz leicht die Zahnräder des zweiten Paares, kuppelt ein und gibt wieder Gas. Beim dritten Gang soll das grosse Zahnrad der Nebenwelle in das kleine Zahnrad der Hauptwelle greifen. Da beide Wellen im zweiten Gang wegen der etwa gleich grossen Zahnräder gleich schnell drehen, laufen die Zähne des grossen Rades der Nebenwelle schneller als die kleinen auf der Hauptwelle. Es muss also, um ein geräuschloses Schalten zu ermöglichen, die Tourenzahl der Nebenwelle wieder verringert werden. . Man könnte, wie beim ersten und zweiten Gang, nach dem Auskuppeln und Ausrücken des Schalthebels auf Leerlaufstellung etwas warten, bis die Nebenwelle langsamer trudelt. Aber besser hat sich hier das doppelte Kuppeln bewährt. Nach dem Auskuppeln und Das Getriebe mit eingerücktem 2. Gaasr. Ausrücken auf Leerlauf wird kurz ein- und sofort wieder ausgekuppelt und dann der dritte Gang eingerückt. Da nämlich beim Schalten das Gas weggenommen ist, läuft der Motor sofort langsamer, so dass bei nochmaligem kurzen Einkuppeln im Leerlauf die Nebenwelle abgebremst wird und dadurch auf die erforderliche geringe Drehzahl kommt. Beim Aufwärtsschalten kommt es also darauf an, jedesmal die Umdrehungsgeschwindigkeit der Nebenwelle, so zu verringern, dass das Zahnrad der Nebenwelle das Das Getriebe mit eingerüokem 3. oder «direktem» Gans langsamere Tempo des entsprechenden Zalfnrades auf der Hauptwelle erreicht, damit es geräuschlos einsetzen kann. Das Gegenteil ist beim Abwärtsschalten vom direkten dritten in den zweiten und dann in den ersten Gang anzustreben. Machen wir uns den technischen Vorgang klar: Im direkten dritten Gang treibt das grosse Zahnrad der Nebenwelle (die durch die Kupplung mit dem Motor verbunden ist) das kleine Zahnrad auf der Hauptwelle. Die Hauptwelle dreht sich also schnell, die Nebenwelle langsam. Beim Wechseln vom dritten in den zweiten Gang, durch den die beiden mittleren und etwa gleich grossen Zahnräder der Haupt- und Nebenwelle in Eingriff kommen sollen, muss also das Tempo der Nebenwelle vergrössert werden. Sehr einfach. Man kuppelt aus, bringt den Hebel auf Leerlauf, kuppelt ein und gibt Gas. So kommt die Nebenwelle auf grösseres Tempo. Will man also an einer Steigung in den zweiten Gang hinunter, so wird ausgekuppelt, wenn der Wagen bei der ungefähren Maximalgeschwindigkeit des zweiten Ganges angelangt ist. Dann bringt man den Schalthebel in die Leerlaufstellung, kuppelt ein, gibt Zwischengas, kuppelt wieder aus und drückt nun den anderen Gang ein. Die einzelnen Handgriffe müssen rasch und genau abgegrenzt ausgeführt werden. Man tut gut, sie zuerst bei abgestelltem Motor am stehenden Fahrzeug so lange zu üben, bis sie in Fleisch und Blut übergegangen sind. Wieviel Zwischengas beim Zurückschalten gegeben werden muss, richtet sich nach der Geschwindigkeit des Wagens. Bei grösserer Geschwindigkeit, also bei rascher Umdrehung der Hauptwelle, muss man viel Zwischengas geben, damit die Nebenwelle auf die Geschwindigkeit der Hauptwelle kommt. Bei geringer Geschwindigkeit braucht man nur wenig Zwischengas zu geben. Bei Schrittgeschwindigkeit kein Zwischengas. DreClTY-GAl^AGEwascbi schmiert und oelt, ein Auto wie es s*ch gehört. Uchenbach-Garagen ab Lager I Wellblech-, Stahl- und Beton-Bauten jed.Art. Angeb. u. Prosp. kostenlos Gebr. Achenbach, G.m.b.H., Weidenau/Sieg Eisen- und Blechwerke. Postfach Nr. 194. Fiat-Besifzer Reiiisloneii, at lassfc eure beim Reparaturen Vertreter ausführen. — Rasche Bedienuni Massige"Preise. (Umänderungen von Fiat 501, 502, 503 zu Sport- oder Rennzwecken werden ausgeführt.) 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Bern, Dienstag, 13. Oktober 1931 UL Blatt der „Automobil-Revue" No. 84 Trader Hörn Der grösste Abenteurer des Jahrhunderts. In der letzten Zeit sind, in allen Teilen Europas, einige sehr alte und sehr berühmte Leute gestorben. Aloysius Smith war 82 Jahre alt, als er auf seinem Landsitz Tankerton (Kent) starb. Lord Knutsford, der Fürst der Bettler, starb seehsundsiebzigjährig in London; mit 83 Jahren wurde Professor August Forel abgerufen, und Professor Heger ist 88 Jahre alt geworden, ehe er das Zeitliche segnete. Von allen diesen alten Männern gibt es viel zu berichten. Lord Knutsford war bekannt unter seinem Ehrennamen «Der Fürst der Bettler»; er war die führende Persönlichkeit der englischen Wohlfahrtspflege, er allein hatte bei einer Sammlung für Krankenhäuser — die Unbemittelten zur Verfügung stehen sollten — 150 Millionen Franken aufgebracht, und sein ganzes Leben und Wirken war den vom Leben Verfolgten gewidmet. August Forel, der berühmte Schweizer Sexualforscher, Psychiater und Entomologe hatte schon längst internationalen Namen. Hofrat Professor Heger, der Achtundachtzigjährige, der berühmte Wiener Etnograph, hatte sein ganzes Leben lang sich mit den Vorgängen in der Natur beschäftigt; er hat aufschlussreiche Bücher geschrieben. Der Interessanteste unter diesen Methusalemen von heute indes war Aloysius Smith, der Welt bekannt geworden unter dem Namen Trader Hörn. Seine Jugend verlief nicht anders als die eines anderen jungen Engländers aus gutbürgerlichem Hause, nur dass er seine freie Zeit dazu benutzte, fremde Sprachen zu lernen; schon als er das Gymnasium zu Liverpool verliess, beherrschte er das Spanische und das Portugiesische ebenso fliessend wie das Französische. Den Grundzug seines Wesens bildete eine geradezu fanatische Liebe zur Natur und zu ihren Geschöpfen, und diese Naturliebe war es, die 5hn forttrieb aus der Kultur des Heimatlandes, weit weg in fremde Erdteile, dorthin, wo er Tiere und Pflanzen in jener Wildheit und Ungebundenheit anzutreffen hoffte, wie sie sein ungebändigter Forschungstrieb verlangte. Aloysius Smith war 22 Jahre alt, als er 1871 England verliess, um auf einem Frachtdampfer nach Afrika zu fahren. Dann begann das vierzigjährige Abenteuerleben voller unheimlicher Sensationen, seltsamer Zufälle, atemraubender Erlebnisse. Der junge Engländer durchwanderte den schwarzen Erdteil von einem Ende zum anderen, lebte mitten unter den Negern, von denen die einen ihn als zugehörigen Freund behandeln, die anderen ihm als Todfeind nach dem Leben trachten. Die Liebe einer Negerkönigin sollte ihn auf den Königsthron bringen, und nur durch geheimnisvolle Flucht konnte er sich der zärtlichen Nähe «Typ Evelin» Autosportroman von Karl Schmidl. (FoTtsetzune aus dem Hauptblau J «Da kommt ja unser Detektiv! Wie stehen die Sachen? Sie Hessen wenig von sich hören,» rief ihnen Dr. Maurus entgegen. «Ich hatte keine Zeit dazu. Doch heute kann ich Ihnen manches sagen, was Sie überraschen wird. Also zunächst, Herr Maurus, der Spion und Mörder Soerners ist entdeckt.» «Wer ist es?» «Ein gewisser Herr Dunker.» «Ah — Evelin glaubst du das?» «Ich weiss es schon.» «Das ist wahrhaft stark! Wissen Sie es gewiss, Herr Morton?» «Ganz gewiss; er hat es mir gestanden, es schriftlich niedergelegt. Es muss ein dramatischer Auftritt gewesen sein in jener April- seiner Schönen entziehen; wurde Finanzminister eines afrikanischen Sultans, ohne dass ihn diese Würde auf längere Zeit an einen Ort fesseln konnte. Der seltsame Globetrotter war alles durcheinander: Elfenbeinläger, Goldsucher, Perlenfischer, Freiheitskämpfer im Burenkriege; er wurde eingeweiht in die Mysterien afrikanischer Eingeborenenreligion, er kämpfte an der Seite eines Negerkönigs für die Freiheit der Schwarzen. Erst dann, als er Afrika über hatte, als er seine Geheimnisse erforscht zu haben glaubte, wandte sich der Sechzigjährige einem anderen Erdteile zu, zog er aus, auch Amerika zu erobern. Dieses modernisierte, industriealisierte, von oberflächlicher Kultur überzogene Amerika wurde ihm zu einer grossen Enttäuschung. Nach einigen ergebnislosen Jahren des Umherwanderns landete der Nomade in.Mexiko — als Arbeiter. Bis der Weltkrieg ausbrach und es Smith gelang, als Minenheber auf ein englischer Kriegsschiff zu kommen, durch einen gefälschten Pass, der sein Alter auf fünfundvierzig Jahre angab. Nach dem Kriege kehrte der Weltwanderer nach England zurück, um dort seine Tage zu beschliessen. Fünfundsiebzig Jahre war er alt, als ihn das Wanderfieber von neuem packte. Es zog ihn noch einmal nach Afrika, dem Lande seiner ewigen Sehnsucht. Sein Körper indes war den Gefahren und Strapazen dieser späten Ruhelosigkeit nicht mehr gewachsen. Kaum, dass er noch die grosse Stadt erreichte, Johannisburg, ehe er zusammenbrach. Dort, im Krankenhause, verweigerte men dem Todgeweihten die Aufnahme; man habe keinen Platz für einen sterbenden Landstreicher. Der Kranke musste sich weiterschleppen, und es war ein gütiges Schicksal, das ihn zu Ethelreda Lewis führte, einer in Südamerika lebenden englischen Schriftstellerin, die hilfreich genug war, den gehetzten Vagabunden bei sich aufzunehmen. Unter ihrer sorgsamen Pflege lebte er wieder auf, und er fing an, der Wohltäterin seine Erlebnisse zu erzählen. Ethelreda Lewis horchte auf, von einer unerklärlichen Erregung gepackt. Tag und Nacht Hess sie sich erzählen, und dann ruhte sie nicht, bis ihr seltsamer Gast alles das zu Papier gebracht hatte, was er ihr die ganze Zeit über berichtet hatte. Uner dem Namen «Trader Hörn», unter dem Smith in Afrika gelebt hatte, wurden die Aufzeichnungen des grossen Abenteurers veröffentlicht, in englischer Sprache, und in allen englisch sprechenden nacht im Konstruktionsbureau. Dunker war eben, wie gewöhnlich, durch das famose Gitterfenster eingedrungen und hatte mit einem Nachschlüssel die Türe zum Bureau geöffnet. Dort harrte seiner eine grosse Ueberraschung. Kaum war er eingetreten, so flammte das Licht auf und Soerner stand Ifor ihm. «Dunker, ich wusste, dass Sie der ilump sind,» begrüsste er ihn, «und weil ich Sie für einen Schuft hielt, habe ich Sie zu meinem Freund gemacht, denn so konnte ich Sie am besten überwachen. Ich hätte meinen Kopf wetten mögen, dass Sie heute kommen.» Dunker fand kein Wort der Entgegnung. «Man wird Fräulein Evelin vor solchen Burschen, wie Sie, behüten müssen.» Das Wort «Evelin» riss natürlich Dunker aus seiner Tatenlosigkeit auf. Blitzschnell hatte er seinen malaischen Kris zur Hand. Soerner, der sich unbegreiflicherweise auf die Ueberraschung des Verbrechers und seine körperliche Ueberlegenheit verlassen hatte, — sein Revolver lag auf dem Zeichentisch — erhob die Hand zur Abwehr, der Dolch ritzte ganz leicht seinen Handrücken — mehr hatte Dunker nicht gewollt — sein Gegner war unrettbar verloren. In wenigen Minuten war alles vorbei. Upas Radja, das Fürstengift Javas, wirkte schnell. Dunker hob den Toten in den Sessel und suchte dann die Konstruktionspläne für die neue Erfindung, von der Soerner gesprochen hatte. Er fand nichts, denn Soerner hatte keine neue Erfindung gemacht.» «Wie?» fragte Dr. Maurus. «Soerner gab das nur vor, um den Verbrecher in die Falle zu locken.» «Wo befindet sich dieser abgefeimte Halunke?» «Er ist tot! Er ist durch Upas gestorben, wie sein Opfer. — Doch, ich habe noch manche Sensation für Sie. Gritt und Holm sind abgereist.» «Abgereist? — Es wird ihnen in Corno nicht sehr gefallen haben, schätze ich,» sagte Frank. «Sie sind nach — Australien gereist, um den europäischen Boden nicht mehr zu betreten. Unten in der Hotelgarage steht der «Knock out».» «Wie? — Wie kommt denn der Wagen dahin?» «Ich habe ihn gebracht.» Ländern geradezu verschlungen. Zwei weitere Bücher erschienen: «Harold the Webbed» und «Waters in Africa»; sie brachten ihrem Verfasser nicht weniger Ruhm und Gold als das erste. Eine amerikanische Filmgesellschaft Hess ihren grossen afrikanischen Jagdfilm von Smith überprüfen und korrigieren und zahlte ihm dafür dreihunderttausend Dollar. Der Vagabund, der weder . beim Goldsuchen, noch bei der Perlenfischerei mehr hatte gewinnen können als den kargen Lebensunterhalt, der fünfzig Jahre lang das Leben eines armen Landstreichers geführt hatte, war plötzlich zum Millionär geworden, durch ein paar Bücher, die nur ein Abglanz waren von dem, was er wirklich erlebt hatte. Ein satter, leise glühender Oktobertag. An den Hügeln leuchteten die Weinberge goldgelb, die Wälder spielten in den kräftigen, metallischen Farben der Laubwelke, in den Bauerngärten blühten Astern von allen Arten und Farben, weisse, rote und violette, einfache und gefüllte. Es war eine Lust, durch die Dörfer zu schlendern. Ich tat es damals, zusammen mit meiner damaligen Liebsten, ein paar unvergessliche Tage lang. Ueberall roch es nach reifen Trauben und jungem Wein, Jedermann war draussen beim Lesen oder beim Keltern, in allen den steilen Rebbergen sah man Männer in Hemdärmeln und Mädchen in farbigen Röcken mit weissen oder roten Kopftüchern arbeiten. Alte Leute sassen vor den Häusern, sonnten sich, rieben die braunen, runzligen Hände ineinander und lobten diesen schönen Herbst. Allerdings, in vergangenen Zeiten hatte es noch ganz andere Herbste gegeben! Man musste nur die Siebzigjährigen hören. Sie sprachen wichtig und belehrend von fabelhaften Jahrgängen, in denen der Wein so reichlich und so honigsüss gewesen sei, wie es heutzutage gar nicht mehr vorkomme. Man lässt sie reden, die Alten, und weiss, wie es gemeint ist. Wenn wir selber einmal siebzig und achzig sind, werden wir, denke ich, von jenem nun auch schon lang vergangenen Herbste ebenso reden. Wir werden ihn im köstlichen Gold der unerreichbaren Ferne s6heri""und werden unsere Dankbarkeit und unser Altersleid und unser Heimweh nach Jugend dareinmischen. Wir beiden jungen Leute wanderten lachend und staunend durch den Glanz und die Fülle, sahen von Berghöhen jauchzend und schweigend in das reiche grüne Land und auf den ruhig strömenden Rhein hinab und legten manchen Wiesenweg und manches Stück der ebenen Landstrassen Hand in Hand im Tanzschritt zurück. Ernteböller krachten hinter frisch geleerten Obstbäumen, Gelächter und langgezogene "Jodler tönten durch das fröhlich belebte Land. Wir bekamen hier eine blaue Traube, dort eine gelbe geschenkt, hier einen Apfel und dort einen Hut voll Wallnüsse, dazu führten wir ein gutes, herb duftendes ländliches Schwarzbrot im Rucksack bei uns, so dass wir abends in den Gasthäusern ausser dem Wein und der Nachtherberge kaum noch eine «Sie?» «Ja, ich hatte von Sinnisfaere die Vollmacht erhalten, den beiden Banditen den Wagen abzunehmen. Hier, lesen Sie!» Er reichte Maurus einen Zettel hinüber und dieser las: «Die Herren Gritt und Holm werden dem Vorzeiger dieses Papieres, Herrn Sid Morton, den Rennwagen «Knock out» übergeben. S. Sinnisfaere.» «Wieder diese verfluchte Mädchenhandschrift,» dachte Maurus und er fragte Morton: «Sagen Sie mal, Herr Morton, kennen Sie Sinnisfaere? Wer ist denn eigentlich Sinnisfaere? Kein Mensch kennt ihn oder hat ihn gesehen.» «Ich kenne Sinnisfaere seit einigen Tagen.» «So! — Wo befindet sich dieser Herr gegenwärtig?» Morton stand auf. «Meine Damen und Herren, fallen Sie jetzt, bitte, nicht in Ohnmacht, wenn ich Ihnen etwas mitteilen werde, was Sie jedenfalls sehr überraschen wird. Sinnisfaere wünscht Sie heute abend zu besuchen. Er erwartet meinen Bescheid unten im Tea-room des Hotels.» Einen Augenblick schien es, als hätten alle die Sprache verloren. Dann rief Evelin: «Wie, dieser Mensch wagt es, uns unter die Augen zu treten?» «Er bittet um eine Unterredung mit Ihnen,» antwortete Morton lächelnd. Maurus sah bald Möller, bald Frank fragend an. «Lassen Sie ihn immerhin kommen,» sagte Möller. Weinmond Von Hermann Hesse. Und auch in den letzten sieben Jahren des Reichtums, die Trader Hörn auf seinem wunderschönen englischen Landsitz verbrachte, wusste der alte Abenteurer, dass sie nicht so schön waren wie jene ungezügelten, berauschenden Jahre in Afrika, die das wahre Leben bedeutet hatten. St. F. Suppe oder ein Ei begehrten. Und unterwegs, im langsamen, bequemen Dahinwandern, sangen wir alle Lieder, die wir wussten, und von jedem alle Verse durch, lustige und traurige. Auch hatte ich ein altes Büchlein Handwerksburschenlieder in der Tasche, aus dem ich an Rastorten gelegentlich ein wenig vorlas: Zu Frankreich in Paris, Wo ich mir meine Stiefel sohlen Hess, All da gibt's viel Freud', Aber auch viel Leid, Weil der Bruder Straubinger gestorben ist. In der Nähe von Colmar sahen wir am Wege einen vergnügten alten .Mann sitzen, mit dem wir ins Gespräch gerieten. Er war im Weinberge draussen gewesen, wo sein Sohn und seine drei Enkelkinder die Lese besorgten; nun kehrte er zufrieden, mit langen Ruhepausen nach jeder Wegstrecke, auf seinen alten Beinen durch den goldig glühenden Oktoberabend in sein Dorf und Haus zurück. Sichtlich war er auf seine alten Tage beredt und gesprächslustig geworden. Und wir Jungen hörten ihm gerne zu, er wusste vielerlei, er kannte die alten volkstümlichen Namen von Fluren, Wegen, Hügeln, Brücken, dazu eine Menge Geschichten. Als ich ihn um sein Urteil über die diesjährige Ernte fragte, kniff er ein Auge ein und meinte: «Nicht schlecht, Herr, gar nicht schlecht. Sogar ganz gut, möchte man sagen. Aber so ein Herbst, wie der vom Flieger einer war, ist's doch keiner.» «Was ist das?» fragte ich, «der Flieger?» Der Name klang damals, vor 25 Jahren, anders als heute; es gab damals noch keine Flugmaschinen. «Kennen Sie die Geschichte nicht, Sie beide? Und die Fliegerkapelle am Ende auch nicht?» «Nein, was ist damit?» «Gut denn. Also da drüben, hinter dem Unser neuer Roman Demnächst beginnt unser neuer Roman « Die vorletzte Liebe der schönen Frau Erzsebet.» Von Oskar Sonnlechner. Wir machen Sie heute schon auf diesen ausserordenüichen Roman aufmerksam! «Gut, so bringen Sie ihn!» Der Detektiv wandte sich zu Sealson: «Bob, geh' hinunter!» «Wie, Sie kennen ihn auch, Sealson,» rief Frank erstaunt. «Jawohl, Sici hatte die Ehre, mich vor zwei Stunden vorzustellen. Ich habe selten einen angenehmeren Menschen kennen gelernt. Einen Augenblick, ich bin gleich wieder da.» «Herr Morton, was waren Sie, bevor Sie zu Ihrem jetzigen Beruf kamen?» fragte Möller. «Schauspieler, mein Herr, jeder tüchtige Detektiv sollte zuerst Schauspieler gewesen sein.» «So, Sie müssen ein guter Schauspieler gewesen sein.» «0, Sie täuschen sich... nein, ein herzlich schlechter, sonst wäre ich dabei geblieben. Ich wurde so oft ausgepfiffen, bis mich kein Intendant mehr nahm. Dann habe ich, notgedrungen, umgesattelt.» «Aber Sie spielen heute noch gerne Theater?» Sid Morton lachte. «Nun ja, ein bisschen ist mir geblieben und ich bitte Sie, es mir nicht übel zu nehmen, wenn ich hie und da eine Freude daran habe, einen Auftritt im Theater des Lebens durch geschickte Regie etwas dramatischer zu gestalten.» Es dauerte fast eine Viertelstunde, bis endlich Klopfen an der Türe hörbar wurde. «Herein!» rief Maurus rasch. (Schluss folgt.)