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E_1931_Zeitung_Nr.087

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 23. Oktober 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. — N° 87 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint leden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" HUb]lbrlIeb Ft. 5.—. jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portowaschlog, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenruinstr. 97, Bern (•fern nicht postamtlieh bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Posteheck-Rectraung 111/414. Telephon Bollwerk 89.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Zur Schweizerwoche 1931 «Hat die Schweizerwoche ihre Berechtigung? Ich müsste die Frage rundweg verneinen, wenn « Schweizerwoche » gleichbedeutend wäre mit einem auch nur vorübergehenden Abschluss gegen fremde Tüchtigkeitsprodukte, mit einem Boykott ausländischer Ware.» Diesen bedeutsamen Satz stellt unser Bundespräsident seinem Aufrufe zur Schweizerwoche voran. Wenn er auch für die ganze Bewegung und die gesamte Volkswirtschaft bestimmt ist, so trifft er besonders auch für die Automobilindustrie und -gewerbe zu, als wäre er speziell für diese Branche geprägt worden. Es ist heute Binsenwahrheit, dass der Automobilaussenhandel einen erhebli chen Passivsaldo für unsere Volkswirtschaft aufweist und die Verfechter der Eisenbahn können sich nicht genug tun in Hinweisen auf die «Millionen, welche in das Ausland wandern ». Aber die Automobilwirtschaft nimmt eine ganz besondere Stellung ein. Sie ist nicht aus Gedankenlosigkeit oder aus reinen Preiserwägungen ein guter Kunde des Auslandes, sondern in vielen Fällen deshalb, weil das Inland die benötigten Produkte leider gar nicht liefert oder nicht für Lieferungen in den verlangten Quantitäten eingerichtet ist. Nun sind, zwar die Summen, welche für den Ankauf ins Ausland geben, nicht restlos für unser Land verloren. Einmal macht der Bund mit seinen hohen, in einzelnen Fällen geradezu prohibitiven Einfuhrzöllen ein Millionengeschäft aus diesem Import. Dann ist auch nicht zu vergessen, dass der Import zusammen mit der einheimischen Industrie und dem einschlägigen Handel und Gewerbe über 25,000 Arbeitnehmern Verdienst und Auskommen bringt. Endlich zahlen auch die jährlich zu kürzerem Aufenthalt in die Schweiz kommenden fremden Motorfahrzeughalter durch die für Unterhalt und Pflege des Wagens benötigten Ausgaben wieder einen beträchtlichen Teil der ins Ausland abgegebenen Beträge retour. Ein «auch nur vorübersehender Abschluss gegen fremde Tüchtigkeitsprodukte » kommt im Automobilfach also nicht in Frage, da wir für hunderterlei Artikel der Branche vom F E U I L L E T O N Die Entwicklung des Automobils im Spiegel der Vergangenheit. Wir sind in der Lage, unseren Lesern mit folgendem Aufsatz in ungewöhnlich interessanter Weise verdeutlichen zu können, welchen geradezu ungeheuren Fortschritt das Automobil in den letzten 30 Jahren erlebt hat. Der nachfolgende Aufsatz stammt aus einem Buch der fBibliothek der Unterhaltung und desWissens> aus dem Jahre 1900. Dieser Band enthält das nachfolgend abgedruckte Gespräch, in dem zu Beginn unseres Jahrhunderts ein Ingenieur die Zukunft das Automobils prophezeite Wir belassen der Genauig-, keit halber alle veralteten Ausdrücke. Kürzlich begegnete ich einem alten Bekannten, einem Ingenieur, von dem ich wusste, dass er sich besonders für Luftschiffahrt interessierte. «Nun, was gibt es Neues aus Ihren luftigen Regionen?» fragte ich ihn. «Nächstens wohl gar nichts mehr,» antwortete er zu meinem Erstaunen. «Der ganzen Luftschiffahrt droht eine grosse Gefahr. Das Interesse geht nämlich für uns verloren, und es bleibt nur noch die blasse Theorie übrig. Um die Praxis der Luftschiffahrt wird man sich in absehbarer Zeit durchaus nicht *1|hr kümmern. Viel wichtiger sind die Motorfahrzeuge oder Automobilen *), wie die internationale Benennung dieses modernsten Verkehrsmittels lautet. — Sehen Sie mich nicht so erstaunt an. Die Automobile bat eine riesenhafte Zukunft und sie wird einen noch ) alte Bezeichnung. Vor 30 Jahren Ausland vollständig abhängig sind. Hat denn in diesem Falle die Schweizerwoche für uns überhaupt eine praktische Bedeutung? Unzweifelhaft, denn es besteht für einzelne Produkte und Bedarfsartikel der Branche eine einschlägige Industrie, die teilweise sogar seit Jahrzehnten schon etabliert ist, oder es haben sich gerade unter dem Einfluss des starken Importes neue Unternehmen gebildet, welche bestrebt sind, einen Teil der Nachfrage durch inländisches Schaffen zu decken In all diesen Fällen, so führt der Bundespräsident aus, soll es sich der Mandkonsument ernstlich überlegen, ob ihm vom inländischen Produzenten nicht Angebote gemacht werden, die seine Unterstützung verdienen. Voraussetzung ist dabei, dass die einheimische p roduktion eine Oualitätsproduktion bleibt. Dieser Anforderung entsprechen nun glücklicherweise auch die grosse Mehrzahl der in der Schweiz erstellten Erzeugnisse mannigr facher Art. Wir können sie nicht einzeln aufzählen. Sie melden sich zum grössten Tei' selbst in dieser Nummer zum Wort. Eine aufmerksame Prüfung ihrer Empfehlungen sei schon deshalb aneeraten, als sie den Automobilisten eine unee f ähre Uebersicht über das bietet, was die schweizerische Produktion zur Deckung des Bedarfes beizutragen in der Lage ist. Es wird dabei wohl mancher zu seiner Ueberraschung feststellen, dass Artikel im Inland erzeugt werden, die ihm bislang nur als ausländische Produkte bekannt waren. Man wird mit Befriedigung beobachten können, dass sieh die schweizerische Initiative auch des aufstrebenden Motprfahr/eugwesens in vermehrtem Mns^e angenommen hat, der industrielle Fleiss und das gewerbliche Geschick, die in einzelnen Richtungen des Automrvbilwesens schon vor Jahren nicht nur für das Inland Pionierarbeit Geleistet haben, sich mit Frfolsr in den Dienst der einschlägigen Produktion stellen. Es ist also auch auf unserem Gebiete der Schweizerwoche zu gedenken und die Lehren daraus für das ganze .Iah* zu ziehen. Gerade weil, wie eingangs erwähnt, in der