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E_1931_Zeitung_Nr.089

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Ausgab«: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 30. Oktober 1931 Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. - N° 89 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Frelta« Monatlieh „Galbe UsU" Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Ft. 10.-. Im Ausland unter Portomschlag, Mlern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtllche Barteilung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Recünung 111/414. Telephon Bollwerk S9.S4 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern ÜVSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; lur Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratenscblusa 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Der Verkehr auf Schweizer-Strassen Die starke Beanspruchung der Strassen durch den neuzeitlichen Verkehr, der entweder durch neue Bedürfnisse oder zufolge Abwanderung von der Schiene entstanden ist, stellt Behörden und die Technik vor neue Aufgaben. Um all die Fragen, welche mit dem Strassenbau und dessen Finanzierung zusammenhängen nicht nur gefühlsmässig oder empirisch lösen zu müssen, sollte die Intensität und die Art des Verkehrs auf unserem Strassennetz auch zahlenmässig ermittelt sein. Einzelne Städte und Kantone haben es sich angelegen sein lassen, durch Verkehrszählungen diese Angaben zu ermitteln und die Ergebnisse bei der Aufstellung ihrer Bauprogramme nutzbringend anzuwenden. Auf nationalem Boden fehlte es aber bisher an solchen Erhebungen. Der Verband der internationalen Strassenkongresse hat in Erkennung der Bedeutung solcher Verkehrszählungen den ihm angeschlossenen Ländern deren Durchführung empfohlen. Die schweizerische Organisation der Strassenfachleute hat diese Anregung berücksichtigt und sie an die Baudirektorenkonferenz weitergeleitet. Diese ersuchte die kantonalen Verwaltungen ihr stattzugeben. So wurde denn die erste Zählung dieser Art in der Zeit vom Frühjahr 1928 bis Frühling 1929 durchgeführt. Ing. A. Meier, Aarau, hat von der Vereinigung schweizerischer Strassenfachmänner den Auftrag übernommen, das reichhaltige Zahlenmaterial, das bei diesem Anlass gesammelt wurde, zu sichten und nach einheitlichen Richtlinien zusammenzustellen und auszuwerten. Die interessanten Ergebnisse dieser gewaltigen Arbeit wurden in der Zeitschrift für Strassenwesen veröffentlicht und verdienen eingehende Beachtung auch durch ein weiteres Publikum. Die internationale Weisung, nach der sich auch die schweizerische Zählung richten sollte, um Vergleiche mit dem Ausland zu ermöglichen, und den Erhebungen überhaupt FEUILLETON Aus der Praxis eines Verkehrsfliegers Von Walther Ackermann. Automobilismus und Luftfahrt sind zwei einander sehr nahe verwandte Gebiete. Von den Nichtfachleuten hat niemand ein so grosses Verständnis für die Fliegerei, bekundet niemand ein so reges Interesse an ihr wie der Automobilist. Die nachfolgenden Ausführungen eines bekannten Verkehrsfliegers,, den wir mit vieler Mühe dazu bringen konnten, einmal den Steuerknüppel mit der Feder oder besser die dreimotorige Verkehrsmaschine mit der Schreibmaschine zu vertauschen, wird deshalb sicher das volle Interesse unserer Leser finden. ... Das ewige, unermüdliche Fragen! Es ist schon so, dass eben für viele, ja für die meisten wohl, der Beruf eines Verkehrsfliegers noch etwas äusserst «Fragwürdiges» hat. Luft hat keine Balken! Und trotz zehn Jahren regulären Luftverkehrs und trotz allen technischen Fortschrittes ist es auch heute noch für manchen eine schleierhafte Angelegenheit, wieso man sich Tag für Tag mit einem drei Tonnen schweren Möbel durch die Luft über den halben Kontinent fortbewegen und auf diese absonderliche Art sein Brot verdienen kann. Es dürfte sich schwer ein Beruf finden lassen, von dem die Auffassungen und Ansichten so verschieden — und so •einen festen Rahmen zu geben, bezeichnete als Zweck und Ziel die Feststellung des mittleren Jahresverkehres auf offener Landstrasse mit möglichster Ausschaltung der lokalen Einflüsse. Die Beobachtungen hatten an 14 über das Jahr gleichmässig verteilten Tagen während jeweilen wenigstens 12 Stunden zu erfolgen. Zählungen zur Nachtzeit wurden empfohlen. In die Erhebungen wurden zwei Sonntage einbezogen, wovon der eine im Februar, der zweite im August. Der erste Versuch hatte, wie nicht anders zu erwarten war, mit einer Reihe von Schwierigkeiten zu rechnen. So haben sich nur 11 Kantone an die für die Zählung wegleitenden Instruktionen gehalten, während mehrere Kantone die Erhebungen entweder nach eigenem Schema durchführten (weil es bisher so bei ihnen üblich war!) oder dann die Arbeit aus diesmal sicher falsch- angewendetem Sparsinn einschränken. Sechs Kantone sahen überhaupt von einer Beteiligung ab. (Ob sie es wegen eines' bereits perfekten Strassennetzes nicht mehr nötig haben, ist allerdings eine andere Frage.) Durch die so begründete Verschiedenartigkeit der Erhebungen, war man bei der Auswertung der Ergebnisse gezwungen, die Angaben erst auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen und wenn das Zahlenmaterial auch dann noch in der einen oder anderen Hinsicht zu wünschen übrig Hess, so konnten doch viele Tatsachen herausgeschält werden, welche recht wissenswert sind. So wurde der Verkehr nach seinem Tagesverlauf beobachtet. Dabei ergab sich für wichtige Durchgangsstrecken wie Zürich- Baden, Olten-Aarburg und Basel-Rheinfelden ein Nachtverkehr, der 13,5 bis 19,3 Prozent des Tagesverkehrs ausmacht. Mit zunehmender Stadtnähe nimmt der Nachtverkehr absolut und im Vergleich zum Tagesverkehr zu. i Der Wochenverlaui des Verkehrs ist natür-1 falsch sind! Meiner Erfahrung nach interessieren Lebensnotwendigkeit, wirtschaftliche Voraussetzungen und technische Einzelheften des Luftverkehrs wenig- Aber wonach viele Leute eine brennende Neugier bekunden, ist beispielsweise, ob wir Verkehrsflieger nicht jedesmal ein Stossgebet zum Himmel schikken, bevor wir uns in eine Maschine setzen, wie oft wir schon «abgestürzt» sind, ob wir nicht eine Heidenangst vor den Gewittern haben und ob es uns im Führersitz auch schon so schlecht geworden sei, dass wir uns übergeben mussten... Dann wieder wurde mir oft schon gesagt, es müsse doch auf die Dauer entsetzlich stumpfsinnig sein, so Tag für Tag zwischen Berlin und Bern, Prag und Basel oder Zürich und Paris hin und her zu zuckeln. Es würde wohl langweilig, wenn man immer wolkenlosen Himmel und Windstille hätte und wenn das Streckenfliegen eine derart einfache Sache wäre, wie es sich diese Leute vorstellen. Diese Auffassung von unserem Beruf ist genau so falsch wie jene, die uns jeden Tag mit knapper Not dem Tode entronnen glaubt. Mit dem eigentlichen «Fliegenkönnen» ist es bei der Verkehrsfliegerei noch lange nicht getan. Ein guter Flieger braucht noch lange kein guter Streckenpilot zu sein, während allerdings das Umgekehrte nicht möglich ist. Es kommt beim Streckenfliegen noch auf ganz andere Dinge an, als darauf, ein Dutzend verschiedene Maschinentypen einwandfrei fliegen zu können. Natürlich ist diese Fähigkeit auch für unsern Beruf Grundbedingung, hinzu aber treten beim täglichen Langstrekkenflug Anforderungen, die mit der eigentlichen Kunst, ein Flugzeug zu steuern, überhaupt nichts mehr zu tun haben. Wenn man am Ende einer Saison (die bei uns von März bis Oktober dauert) Rückschau hält, so bleibt als nachhaltigster Eindruck, das schlechte Wetter. Es ist das, was uns Verkehrsfliegern das Brot sauer macht und der schwierigste Teil unserer Aufgabe lässt, sich ungefähr dahin formulieren; die Flüge trotz den Hindernissen der Witterung regelmässig durchzuführen. Das will nun nicht lieh in hohem Masse vom Strassentyp und der Jahreszeit abhängig. Der Sonntagsverkehr ist in den Wintermonaten äusserst gering, während er in der Reisesaison weitaus an erster Stelle steht. In ländlichen Gegenden ohne ausgesprochenen Touristenverkehr ist er auch im Sommer kleiner als der normale Werktagsverkehr. Der Verkehr im Laufe des ganzen Jahres ist natürlich mancherlei Einflüssen unterworfen und weist beträchtliche Schwankungen auf. Um bei der Berechnung der Jahreskurve alle zufälligen Einflüsse auszuschalten, müssten bedeutend mehr Zählungen erfolgen. Der Sommerverkehr spielt auf vielen Strassen eine dominierende Rolle. Dies gilt nicht nur für Bergund Saisonstrecken, sondern auch für die Ausfallstrassen der Städte. Die Verkehrssteigerung im Sommer beziffert sich für das Flachland auf rund 30% des durchschnittlichen Jahresverkehrs, wobei sich für Ausfallstrassen folgende prozentuale Zunahmen gegenüber dem Durchschnitt ergaben: Zürich-Baden Bern-Kirohherjj Bern-Muri Genf-Versoix 41% 50% 63% 55% Bergstrassen und Routen im eigentlichen Fremdengebiet weisen sogar noch bedeutend stärkere Zunahmen auf, nämlich: Wattwil-Bicken 74% Nesslau-Wildhaus 85% Brunnen-Axenstrasse 115% Brünift 127% Pillon 165% Thun-Interlaken 135% SimmentalstTasse 115% Thun-Hilterfingen 100% Interlaken-Brienz 180% Die maximale Sommerbelastung stieg also in einzelnen Fällen bis auf das dreifache des Durchschnittsverkehres an. Da sich anderseits der Verkehr im Mittelland um kaum mehr als ein Drittel steigert, erhellt schon daraus, wie wichtig die Kenntnis des Verkehrs und die Strassenfragen für Fremdengebiete sind. Die obigen Angaben beziehen sich übrigens auf den Gesamtverkehr. Würde das Automobil allein in Betracht gezogen, so ergäben sich sogar noch höhere Zahlen. heissen, dass wir bei schlechtem Wetter unsere Passagiere und uns in unberechenbare Gefahren bringen. Die Kunst des Schlechtwetterfliegens besteht im Gegenteil darin, sich bewusst nie in eine kritische Situation zu begeben und es nie «drauf ankommen» zu lassen. Für uns ist schlechtes- Wetter in der Hauptsache gleichbedeutend mit schlechter Sicht, hervorgerufen durch Regen, Schnee, tiefe Wolken, Nebel oder starken Dunst Unser «Weg» besteht aus einer theoretischen Geraden, der Luftlinie und kürzesten Verbindung zwischen zwei Flugplätzen, die auf unseren Streckenkarten als roter Strich eingezeichnet ist. «Strich fliegen» heisst, an Hand von Karte und Kompass den kürzesten Luftweg zwischen Abflug- und Bestimmungsort nehmen. Die Richtung im grossen gibt der Kompass, während die Boden-Orientierung mit Hilfe der Karte den genauen «Weg» finden lässt. Je tiefer man fliegen muss, um so schwieriger wird infolge verminderter Uebersicht die Orientierung. Die bei schlechtem Wetter von tiefhängenden Wolken verhüllten Erhöhungen (es brauchen gar nicht immer Berge nach unsern Begriffen zu sein), über welche der kürzeste Weg führen würde, müssen umflogen werden. Oft ist ein Ausfliegen von Tälern oder sonstiges Ausbiegen itr Gelände mit besserer Sicht unvermeidlich, was Umwege bis zu einem Drittel der direkten Strecke und mehrmalige scharfe Richtungsänderungen notwendig machen kann. Vielfach hat man mich schon gefragt, warum wir in solchen Fällen nicht einfach genügend Höbe nehmen und nach Kompass und sonstigen Instrumenten durch, die Wolken fliegen, statt in neun von zehn Fällen Wie setzt sich der Verkehr nun zusammen? Als Mittel in 19 Kantonen ergab sich folgende Aufteilung: Motorlastwagen 17.1% Autobusse 1,4% Personenautos 53,8% Motorrder 16,9% Fuhrwerke 10,8% Diese Angaben ändern sich nicht unwesentlich, je nachdem der Beobachtungsort näher bei einer Stadt oder weiter im offenen Lande draussen liegt. Auch verschiebt sich das S.tärkeverhältnis der einzelnen Fahrzeugkategorien ganz beträchtlich, wenn die Velofahrer mitgezählt werden. In acht Kantonen, wo deren Berücksichtigung erfolgte, stehen sie mit 44,8% an der Spitze, gefolgt von den Personenautos mit 28,7%, den Lastwagen mit 10,1% und den Motorrädern mit 5,6%. Der über Erwarten grosse Anteil des Fahrrades am Gesamtverkehr illustriert die dringende Wünschbarkeit und Berechtigung des Postulates nach eigenen Radfahrerwegen. Diese Ausscheidung des Verkehres würde dessen Regelung wesentlich erleichtern und die Sicherheit entsprechend erhöhen. Das Vorwiegen der einen oder anderen Fahrzeuggattung auf einzelnen Strassenzügen hängt u. a. auch von der Verkehrsstärke und Verkehrslage ab. Prozentual am meisten Lastwagen fuhren auf der Strecke Schwamendingen-Qlattbrücke (54,3%). Den grössten Anteil an Personenwagen hatte die Strecke Genf-Nyon (78,2%). Auf dem Strassenstück Col des Etroits-Auberson wurden dagegen am meisten Omnibusse (23,0%) gezählt. Den grössten Motorradverkehr wies die Route Schaffhausen-Hemmenthal mit 43,6% auf. Das Fuhrwerk dominiert mit 58% zwischen Affoltern und Ottenbach, während das Motorfahrzeug ganz allgemein auf der Strecke Glattbrugg-Kemptthal mit 99,7% praktisch den gesamten Verkehr bewältigte! Mancherlei Aufschluss gibt auch ein Vergleich der Motorfahrzeugbestände laut den kantonalen Motorfahrzeugkontrollen und ihrem tatsächlichen Vorkommein auf der Strasse. Es zeigt sich nämlich dabei der Grad der Ausnützung für die einzelnen Gattungen. Nach unten durch zu lavieren. Dieses «Blindfliegen» wäre an sich ganz einfach, wenn ich nicht irgendwann und irgendwo wieder her- Im schönen Ungarn, dem Land der Leidenschaften, des Czardas, der weiten Ebenen spielt unser neuer grosser Roman: « Die vorletzte Liebe der schönen Frau Erzsebet.» Von Oskar Sonnlechner. Wir beginnen mit dem Abdruck in Nr. 90. unter müsste. Und wenn ich bei Regen oder Schnee in Dübendorf 1500 Meter hoch gehe und ohne jegliche Sicht in den Wolken fliege, so komme ich wohl in die Gegend von Stuttgart, an Hand der drahtlosen Peilung sogar ziemlich genau über den Flugplatz — aber wenn dort die Wolken nur 100 Meter hoch sind und ich beim Herabgleiten ohne Erdsicht auf einen Hügel stosse oder ein Hochkamin ramme, so ist der Zweck der Uebung verfehlt. Das sogenannte Blindfliegen kommt deshalb vorläufig nur auf Teilstrecken, vorwiegend im Flachland und bei absoluter Gewissheit genügender Wolkenhöhe am angeflogenen Orte in Frage. Auf dem gesamten Luftverkehrsnetz ist ein, namentlich in Deutschland, ausgezeichneter Wetterdienst organisiert. Auf jedem Flugplatz bekomme ich vor dem Start einen sog. Wetterzettel, der mir einen sofortigen Ueberblick der Wetterlage auf der zu befliegenden Strecke ermöglicht. Von etwa 50 Kilometern auseinanderliegenden Beobachtungsorten sind Sicht, Wolkenhöhe, Windstärke und -richtung angegeben, welche Angaben etwa eine halbe Stunde vor Start aufgenommen wurden. Die Zusammenstellung und Auswertung dieser Meldungen besorgen die Wetterdoktoren oder «Wetterfrösche»,