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E_1931_Zeitung_Nr.092

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10 AUTOM OBIL-KEVUE

10 AUTOM OBIL-KEVUE nehmen, wenn sie nicht anf das ganze System abgestimmt sind. Sieht man zum Beispiel im Sangkanal des Motors eine unverhältnismässig grosso Erweiterung vor, so nimmt hier die Strömungsgeschwindigkeit der angesaugten Gase sofort ab, und es besteht die Gefahr einer Kondensation von Brennstoff. Die Regulierung der Verbrennungsgeschwindigkeit der Gasladung, die, wie oben erwähnt, von grosser Wichtigkeit für den Charakter und die Laufeigenschaften des Motors ist, geschieht hauptsächlich durch geeignete Formung des Verbrennungsraumes. So unerwünscht eine zu rasche Verbrennung ist, weil sie einen harten, rauhen Lauf der Motors verursacht, so wenig geeignet ist eine zu langsame Verbrennung, weil sie zur Folge hat, dass bei hohen Tourenzahlen ein Teil der Ladung unausgenützt entweicht und so Leistung und Brennstoff verloren geht. Hundertstelssekunden und noch geringere Zeitunterschiede in der Verbrennungsschwindigkeit sind praktisch schon deutlich bemerkbar an ihren Folgen. Um so bewundernswerter ist es, wenn man nun durch unermüdliche Versuche der beschriebenen Art dazu gelangt ist, diese äusserst raschen und subtilen Vorgänge genau zu beherrschen. Der neue Zylinderkopf wird von den Fabrikanten einzelner Wagen schon angewandt nnd demnächst voraussichtlich auch bei verschiedenen neuen amerikanischen Wagenmarken zur Verwendung gelangen. Er dürfte gegenüber dem bekannten Riccardo-Zylinderkopf einen ähnlichen Fortschritt darstellen, wie ihn vor einigen Jahren der Riccardo-Zylinderkopf gegenüber den früheren Bauarten mit sich brachte. m. Zündkerzen mit direkt wassergekühltem Mantel. Um bei Hochleistungsmotoren ein Ueberhitzen der Zündkerzenelektroden zu vermeiden, schlägt ein französischer Techniker die nnten skizzierte Zündkerzenform vor. Der äussere Mantel der Zündkerze, der gleichzeitig auch die Aussenelektrode bildet wird hier direkt vom Kühlwasser des Motors Hinflössen. Der rasch auswechselbare Teil der Zündkerze besteht dann nur noch aus dem Isolator mit der mittleren Elektrode. Der Mantel der Zündkerze wird in der Ausfühnmgsvariante gemäss Fig. 1 durch das Material des Kühlwassermantels srebildet. Fid.2. Zwei iiueführunffsformen der neuen ZündieTze. während er in Ausführungsvariante gemäss Fig. 2 nach Abheben des Zylinders ebenfalls auswechselbar ist. at Bremselnstellung kontrollieren! Die weitaus häufigste Ursache für Unfälle, die durch ein Schleudern des Wagens entstehen, ist in schlechter Einstellung der Bremsen zu suchen. Da die Schleudergefahr besonders im Winter gross wird, ist eine Kontrolle der Bremseinstellung im gegenwärtigen Zeitpunkt wichtiger denn je. «Habe ich nicht nötig, geht mich nichts an », denkt sich da mancher Fahrer. «Meine Bremsen haben sich bis jetzt immer als gut erwiesen.> Gerade dieses blinde Vertrauen erweist sich aber später manchmal als verhängnisvoll. Beurteilt man nämlich die Bremswirkung auf schlüpfrigen Strassen nach der Bremswirkung, die im Sommer auf trokkenen Strassen ausgelöst werden konnte, so kann man sich gewaltig täuschen. Auf nasser, schlüpfriger Strasse kommt der unheilvolle Einfluss einer schlechten Bremseinstellung ungleich viel stärker zur Geltung. Wenn es vielleicht im Sommer möglich war, einen ganz respektablen Stopp herbeizuführen, so kann auf glitschiger Fahrbahn die gleiche Einstellung der Bremsen unweigerlich ein gefährliches Schleudern auslösen. Eine genaue Nachprüfung und Nachstellung der Bremsen sollte prinzipiell immer nach dem Ablauf von einigen Monaten vorgenommen werden. Es ist Tatsache, dass man sich nur zu leicht über eine graduelle Abnahme der Bremswirksamkeit hinwegtäuscht. Erst wenn die Nachstellung und Neueinstellung: der Bremsen erfolgt ist, erkennt man dann, wie notwendig diese war und welche grosse Verbesserung der geringe Zeit- oder Kostenaufwand mit sich gebracht hat. Auf schlüpfrigen Strassen vermindert sich der zwischen den. Gummireifen und der Fahrbahn wirksame Adbäsionskoeffizient auf einen Zehntel des für trockene Strassen gültigen Wertes oder noch weniger. Praktisch bedeutet das, dass der Wagen beim Anhalten den zehnfachen oder einen noch grösseren Bremsweg benötigt, bis er zum Stillstand gebracht werden kann. Kommt nun noch hinzu, dass die Bremsen an sich schlecht wirken, so wird der Bremsweg vielleicht nochmals verdoppelt. Auch im günstigen Fall, dass ein Schleudern nicht eintritt, kann man sich dann in der Abschätzung der Bremsstrecke äusserst leicht verrechnen und hilflos in ein Hindernis hineinsausen. Im Sommer kommt man auf trockener Strasse selten in die Lage, so stark bremsen zu müssen, dass ein Rad blockiert wird. Hat aber ein Rad überhaupt die Neigung, vorher stillzustehen, ist also der Ausgleich der vom Fahrer ausgeübten Bremskraft auf den vier Rädern nicht vorhanden, dann wird dieses Rad auf schlüpfriger Strasse schon bei jeder schwachen Bremsung stehenbleiben. Ein blockiertes Rad hat aber keine führende Eigenschaft mehr, so dass die Tendenz des Wagens zum Schleudern schon stark gefördert wird. Trotz Blockierens eines der Räder, was natürlich auch mit entsprechendem Pneuverschleiss verbunden ist, kann die Bremswirkung im gesamten jämmerlich niedrig sein. Es besteht ja die Möglichket, dass bei diesem Zustand der Dinge die Bremsen der drei übrigen Räder noch nicht einmal angreifen. Besonders gefährlich Ist ein mangelnder Bremsausgleich zwischen dem vorderen und hinteren Radpaar. Kommen z. B. die beiden Vorderräder schon bei jedem schwachen Bremsen ins Gleiten, so wird der Wagen unlenkbar. Ein Einschlagen der Räder nach rechts oder links, wie es zum Befahren einer Kurve oder zum Ausweichen vor einem Hindernis notwendig werden kann, nützt dann nichts mehr; der Vorderteil des Wagens rutscht einfach der Richtung seiner Massenträgheit nach, also meistens geradeaus Ḃlockieren die beiden Hinterräder, dann wird der Wagen unmittelbar darauf ins Schleudern geraten und rechtsumkehrt zu machen suchen. Und wer weiss, ob dazu genügend Raum zur Verfügung steht! Bei gut eingestelltem Bremssystem soll ein bewusst starkes Niedertreten des Bremspedals alle vier Räder gleichzeitig blockieren. Durch sorgfältiges Nachregulieren der Einstellvorrichtung jeder Bremse und anschiiessende Prfifunsrsfahrten und Bremsproben anf gleichmässig schlüpfriger oder griffiger Fahrbahn kann auch ein Nichtmechaniker diesen Zustand mit nicht allzu grosser Mühe herbeiführen. Er braucht die Regulierung nur solange vorzunehmen, bis alle vier Räder die gleiche Bremsspur ergeben, TedU $•»••««§• No 92 -s. Antwort 8048. Schmierung. Zuschrift weitergeleitet. Red. Frage 8120. Zündkerze BG. Kann mir jemand den Fabrikanten oder wenigstens den schweizerischen Vertreter der Zündkerze BG nennen? B. Z. in Z. Frage 8121. Alkalische Akkumulatoren. Worin unterscheidet sich die Behandlung alkalischer Akkumulatoren von denjenigen von Bleiakkumulatoren? E. F in Z. Antwort : Vor allem rtmss man wissen, dass beim Eisen-Nickel-Akkumulator der Elektrolyt nicht aus einer Säure, sondern einer alkalischen Flüssigkeit besteht. Hält man Vorräte von beiden dieser Elektrolyten, so sind sie gut kenntlich zu machen. Jede noch so kleine Säurezugabe zum Alkali des Eisen-Nickel-Akkumulators würde unbedingt Störungen verursachen. Eine andere spezielle Eigenschaft des Eisen- Nickel-Akkumulators besteht darin, dass der Elektrolyt in geladenem oder entladenem Zustand seine Dichtigkeit nicht verändert. Die Dichtigkeit soll dauernd 1,190 betragen und braucht, wenn sie einmal herbeigeführt worden ist. gewöhnlich während längerer Zeit — eine Fabrik gibt ein Jahr an — nicht mehr kontrolliert zu werden. Hingegen ist ebenso häufig wie beim Blei-Akkumulator der Stand der Flüssigkeit zu prüfen. Was verdunstet ist, muss durch Nachfüllen von destilliertem Wasser ersetzt werden. Keinesfalls darf man gewöhnliches Brunnenwasser benützen; der Eisen-Nickel- Akkumulator ist in dieser Hinsicht noch empfindlicher als der Blei-Akkumulator. Nach zwölf Monaten soll der alte Elektrolyt entleert und durch neuen ersetzt werden. Eine periodische Kontrolle der Platten wird sich meistens erübrigen. Hingegen hat man wieder zu beachten, diss sich an den Isolatoren nnd zwischen den Zellen kein Staub und keine Feuchtigkeit ansammelt, weil sonst hier dauernd Stromverluste stattfinden, die der Batterie schädlich werden. Im Gegensatz zum Verhalten des Blei-Akkumn-' lators ist der Eisen-Nickel-Akkumulator gegen Ueberladungen unempfindlich, ja. in den meisten Fällen sind hier Ueberladuncen sogar vorteilhaft. Ueber den Ladezustand gibt aber beim Eisen- Nickel-Akkumulator nur das Voltmeter Aufschluss. Der Gasentwicklung während des Ladens kommt keine Bedeutung zu. -a. Frage 8122. Mangel der AnlasszGndungen. Können Sie mir mitteilen, warum man beute die Anlasszündunften. wie sie bei Flugmotoren eine so grosse Rolle spielen, im Motorwagen so gut wie gar nicht mehr findet? Wären solche Anlasszündungen nicht billiger nachträglich einzubauen als eine elektrische Anlasseranlage? S 0 in C. Antwort: Dor Hauptgrund dürfte darin lie- SPn dass bpi läTKTrrPm Stillstand dps Mntnrs (Ha Krise«, BOT pneus, eclatrag« electr., aveo garantie. Condiüona ayantagenses. Offrc« BOCUS chiffre Z. 2107 4 1* 0918 Revue Automobile, bureau Zürich. und St. Gallen Pellkanstr.9, ZÜRICH, Tel.32.962 • ST.GALLEN, Tel.52.91 A vendre CAMION SAURER ESSEX NEUVE. 6 cyl., 13 CV., 4 portes, Fr. 3600.— Jules Tissot, Rolle Warum Draht oder veraltete Systeme von KJemmringen gebrauchen, welche gerade an wichtigsten Stellen bei ungünstigsten Zeiten undicht werden! Mit dem patentierten Klemmring „Jubilee" können Sie dank der genialen, einfachen Anzieh- Vorrichtung: schnell und mühelos absolut dichte Verbindungen hersteilen and ebenso schnell wieder auseinander- Generalagentur: F.E. Wunderlich Pressluftanlagen, VEVEY. OCCASION! sier ou überall auf verschneiter oder vereister Straße. Sichern Sie daher JhrenWat gen so gut wie nun möglich. UNION-Schneeketten mit zäh« harten Quenstücken aus Stahl leisten die größte Sicherheit. ^ Stahl dient am besten und | widersteht am längsten. 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Bern, Dienstag, 10. Nov. 1931 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 92 Mein Freund Edison Von Henry Ford. Wir entnehmen dem soeben erschienenen kleinen Bändchen « Mein Freund Edison » -von Henry Ford (Paul List-Verlag, Leipzig) die interessante Stelle, dis das erste Zusammentreffen der später durch eine aufrichtige Freundschaft verbundenen Männer schildert. (Siehe Büchertisch.) «Meine erste Begegnung mit Edison fand ton 11. August 1896 statt. Von Angesicht gesehen habe ich ihn wohl schon im Jahre vorher. Eigentlich zusammengetroffen bin ich mit ihm erst bei einem Abendessen im Manhattaner Strandhotel, das einige Meilen von Coney Island entfernt liegt. Wir hielten damals gerade eine unserer alljährlichen Zusammenkünfte (Edison-Konvente) ab, bei denen die Oberingenieure und Leiter der Verschiedenen Edisonwerke sich zur Vergleichung ihrer Erfahrungen zu treffen pflegten. Die Tafel war eirund, Edison sass obenan, Charles Edgar, Vorsitzender der Bostoner Gesellschaft, zu seiner Rechten. Ich neben diesem. An der andern Seite des Tisches hatte Samuel Insiull Platz genommen, der eich inzwischen in der elektrischen Industrie einen Namen gemacht hat. Dann kamen I. W. Lieb, Vorsitzender der New Yorker Gesellschaft, John van Vleeck, Oberingemieur derselben, John I. Beggs und eine Anjsahl anderer Herren, deren ich mich nicht so genau entsinne. Während der Nachmittagssitzung hatte eich der Konvent hauptsächlich mit der Besprechung des neuen Betätigungsfeldes der elektrischen Industrie befasst, das sich durch den Bedarf an Ladungen für Lagerbatterien von Fahrzeugen aufgetan hatte. Der «Wagen ohne Pferde», den alle herbeiwünschten, war für die massgebenden Persönlichkeiten der elektrisch betriebene. Man sah voraus, dass bald Tausende von solchen Droschken und andere Wagen auf allen Strassen fahren würden, dass deren Bedarf an Ladungen für die Batterien und dergleichen beschafft werden und somit ungeheure Einnahmen zu erzielen sein müssten. Die Unterhaltung darüber nahm während des Essens ihren Fortgang, bis Alexander Dow über den Tisch weg auf mich wies und sagte: «Dieser junge Mann da drüben hat einen Wagen mit Gasantrieb gebaut.» Und dann erzählte er, wie er unterhalb seines Amtszimmers etwas paff-paffen gehört, dann ans dem Fenster gesehen und ein kleines unbespanntes Fuhrwerk erblickt habe, im' dem meine Frau und mein kleiner Junge Bässen. Hierauf sei ich selbst aus der Fabrik getreten, hätte mich in den Wagen gesetzt, dieser sei losgefahren, habe immerzu gepafft, und alles sei stehengeblieben, isich das Ding anzusehen. Nun wollte einer der Tischgenossen wiseen, wie ich meinen Wagen in Bewegung »etzte, und ich stand bereits im Begriff, es zu erklären, wobei ich ziemlich laut sprach, Die vorletzte Liebe der schönen Frau Erzsebet. Roman von Oskar Sonnlechner. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) «Wenn Sie einmal Pferde brauchen,» wandte er sich nach mir um, «dann schicke ich Ihnen meinen Katzenstein. Wohl ein bisschen teuer, aber... das ist nämlich mein Finanzminister. Der besorgt alles. Wenn Sie Geld brauchen — ein erstklassiger Kerl. Zinsen rechnet er freilich, dass es einem im ersten Augenblick grün und gelb vor den Augen wird, aber seine Tugend — er prolongiert. Und das ist die Hauptsache. Denn, sagen Sie selbst, Vereintester, was nützt mir das Geld mit billigen Zinsen, das ich nicht bekomme. Nur in puneto Weiber . habe ich ihn noch nicht ausprobiert,» lachte er, «die suche Ich mir einstweilen noch selbst aus. Aber, ich glaube, wenn ich ihm sagen würde, (Jljch brauche die Kaiserin von China... bei ; Katzenstein glatt zu machen. Nur eine Frage, was er dabei verdient.» «Ich kenne Ihren Finanzminister, Herr von Szöky.» Erstaunt wandte sich der Vizegespan um. «Icn war ja schon als Junge auf •dem Gut. Und nebelhaft schwebt mir etwas Krummbeiniges vor, das, wenn es mich von •weitem sah, einen steifen, schmierigen Hut bis zur Erde zog und immer entzückt grinste, dass ihm der Mund von einem abstehenden Ohr bis zum andern ging.» «Das ist Katzenstein,» lachte mein Begleiter aus vollem Halse. «Das ist Katzenstein. Aber Sie werden ihn nicht wiedererkennen. Als ich ihn entdeckte, oder vielleicht besser gesagt, er mich, hiess er Pinkas Katzenstein. Als sich unsere Geschäftsbeziehungen festigten, eröffnete er mir eines Tages, dass er sich von nun an Katzenstein Pinkas nenne, denn bei uns im Ungarischen setzt man den Vornamen hinter den Familiennamen, und seit neuester Zeit nennt er sich Katzenstein Pali, also Vorname madjarisiert. Wahrscheinlich hat er entdeckt, dass der Jordan einNebenfluss der Theiss ist. Also merken Sie sich, Katzenstein Pali. Aber sonst ein grossartiger Kerl! Kann alles, macht alles. Aber nun steigen Sie ein. Ich bringe Sie zuerst nach Hause,» und so sehr ich mich auch wehrte, es half alles nichts. Das lasse er sich nicht nehmen, bei uns möge es vielleicht Sitte sein, dass man seinen Nachbar auf der Strasse stehen lasse, aber in Ungarn... Mit einem scharfen Ruck zogen die heissblütigen Pferde an, und in einer Staubwolke verschwand die katzbuckelnde Bahnhofsgesellschaft, die der Vizegespan keines Blikkes würdigte. Wie ein Wrbelwind ging es daimit eile hören könnten (sie horchten nämlich alle auf), als Edison einige Worte aufschnappte und seine Hand an die Ohrmuschel legte, um besser verstehen zu können; er war nämlich damals bereits so gut wie stocktaub. Lieb hatte gesehen, wie Edison sich bemühte, besser zu hören, und gab mir einen Wink, ich möchte mir doch von einem Nachbartisch einen Stuhl heranholen, mich neben Edison setzen und so laut sprechen, dass alle zuhören könnten. Dieser begann alsbald, mich auszufragen, wobei ich bemerkte, dass er bereits theoretisch mit Gasmotoren befasst gewesen war. «Handelt es sich um ein vierrädriges Fahrzeug?» fragte er. Als ich bejahte, nickte er beifällig. Hierauf wollte er wissen, ob ich das Gas im Zylinder durch Elektrizität und, bejahendenfalls, durch blossen Kontakt oder mittels Zündfunken zur Explosion brächte; denn die Zündkerzen ruhten damals noch im Zeitenschoss. Ich setzte ihm auseinander, dass es sich um einen Unterbrech-ungskontakt handle und dass die Unterbrechung durch die Stösse des Kolbens erfolge; ich legte ihm auch eine Zeichnung des Kontaktmechanismus meines ersten Wagens vor, eben dessen, den Dow gesehen hatte, sagte aber, dass ich beim zweiten Wagen, an dem ich eben studierte, die Vorrichtung angebracht hätte, die man Zündkerze nennt. Er erkundigte sich nach einer Unmenge Einzelheiten, und ich skizzierte ihm alles vor. Als ich geendet hatte, schlug er mit der Faust auf den Tisch und erklärte: «Junger Mann, Sie haben's. Bleiben Sie getrost dabei. Elektrisch betriebene Wagen müssen sich immer in angemesssener Nähe von Kraftwerken halten. Lagerbatterien wiegen zuviel. Wagen mit Dampfbetrieb sind auch ausgeschlossen; denn sie .brauchen Kessel und Feuer. Ihr Wagen aber hat alles beisammen — hat sein eigenes Kraftwerk im Leib, ist ohne Feuer und Kessel, Rauch und Dampf. Sie haben's. Bleiben Sie dabei.» Dieser Hieb auf den Tisch war von unermesslichem Wert für mich. Bis dahin hatte mich noch keiner ermutigt. Ich nährte wohl die Hoffnung, dass ich den rechten Kurs steuerte; zuweilen wusste ich es bestimmt, dann wieder fragte ich mich, ob es sich auch wirklich so verhalte; nun aber hatte mir ohne weiteres und sozusagen aus heiterem Himmel heraus der Welt grösstes erfinderisches Genie vollen Beifall gezollt. Der Mann, der von Elektrotechnik mehr verstand als irgend jemand auf der Welt, hatte geäussert, dass sich für den gedachten Zweck mein Gasmotor besser eigne als jeder elektrische Antrieb — weil, wie er meinte, solche Wagen grosso Strecken zurücklegen und unterwegs an Stationen mit Brennstoff versehen werden könnten. Er gebrauchte dabei den Ausdruck «hydrocarbon» (eigentlich Kohlenwasserstoff). Es war das erstemal, dass ich diesen Kunstausdruck auf flüssigen Brennistoff anwenden hörte. Und dies alles geschah zu einer Zeit, da sämtliche Elektriker darauf schworen, dass es nichts Neues und Brauchbares geben könne, was nicht elektrisch betrieben wäre. Elektrizität war für sie die Allerweltskraft. Diese ihre Erwartung konnte freilich nicht in Erfüllung gehen, da ja Elektrizität keine ursprüngliche Bewegungskraft darstellt. Es lag nun ganz in Edisons Art, weiter zu schauen als die andern und zu wissen, dass, obwohl Elektrizität nach gewissen Richtungen hin nahezu unbeschränkte Anwendung zulasst, es doch andere gibt, wo sie günstigstenfalls nur die Rolle eines Notbehelfs spielen kann. Es war nicht die geringste unter den hervorragenden Eigenschaften des Edisonschen Geistes, dass er in die flimmernde, untergehende Sonne. Ununterbrochen zeigte sein Reitstock in die Ferne, bald dahin, bald dorthin, jedes Dorf, jeden Gutshof erklärend, man sah ihm an, dass er sich ganz als liebenswürdiger Hausherr fühlte. Eine endlose Ebene. Goldgelbe, wogende Getreidefelder, dazwischen staubgrünes Kartoffelkraut, buschige Rüben, mannshohe Kukuruzstauden, zwischen denen organgenleuchtende Kürbiskugeln hervorlugten, zartlila blühende Tabakpflanzen, keine Handbreite unbebauten Bodens, wohin auch das Auge sah, alles im Dunst der untergehenden Sonne verschwindend. Slowakische Bauern in ihrer einfachen Leinwandtracht, fast alle Erntegeräte auf der Schulter, Männer und Weiber, zogen die Landstrasse entlang. Braungebrannte, schlanke Gestalten mit dem federnden Schritt der Naturkirider, die Männer ernsthaft blickende, bartlose Gesichter, die Weiber kurzgerockt, die bunten Kopftücher zum Sonnenschutz tief in die Stirn gezogen. Still und schweigsam schritten sie dahin wie müde Arbeitstiere. Selten blitzte ein fröhliches Wort, ein sorgloses Lachen auf. Wenn sie das jagende Gespann des hohen Gutsherrn erblickten, traten sie zur Seite und zogen ergeben das schwarze Filzhütchen. befähigt war, alles unter festliegenden Gesichtspunkten zu sehen. Blinde Begeisterung kam bei ihm nicht vor. Er tritt an die Dinge weder einseitig als Elektriker noch als Chemiker heran. Seine Kenntnisse kommen einem Universalwissen so nahe, dass er weder unter die Elektriker noch Chemiker einzureihen ist. Er lässt sich eigentlich überhaupt nicht unterbringen. Sein Instinkt sagt ihm, wofür die Dimge au gebrauchen sind und wofür nicht. Edison galt für mich bereits als der grösste Mann der WelL» Herbstliche Ferienbriefe Gnädige Frau! Der Nebel will sich nicht mehr heben. Grau sind diese ersten Novembertage. Klaglos gleiten sie an uns vorüber. Die Himmelskuppel wölbt sich in stumpfem Weiss. Ich sehe Sie in Gedanken am Fenster stehen, Ihre Blicke gleiten über das Land, zu den Hügeln hinan, die ihre Heimat umschliessen. Ihr Antlitz wird von einem feinen Leid verdunkelt; Sie sterben jedes Jahr mit dem Herbst und erwachen in rauschhaftem Glück mit der ersten Vorfrühlingssonne. Sie erzählten mir einmal, dass die Kinder Ihre Liebe zu den Blumen, den Geschöpfen des Lichtes, kennen und Ihnen ganze Sträusse ins Haus tragen. Ob wohl die letzten Astern noch nicht erloschen sind? Nebel und kalte Winde streifen jetzt über das Land, feucht liegen die Wege, auf denen ich Sie einst begleiten durfte. Aus den Wiesen rauchen die weissen Dämpfe. Ich denke — denke. Verschollen in feuchtem Novemberdunst liegt jetzt wohl auch jenes einsame, alte Bauernhaus, das damals, an jenem heissen Sommertag, in blauer Hitze flimmerte. Sie stürmten lachend durch das hohe Gras. Ihre feine Stirne rötete sich vor Anstrengung, Ihre Brust bebte. Ein lachender Schrei — Sie warfen sich mit durstigem Munde gegen einen Wasserstrahl, der kristallen aus der Röhre schoss. Ihre Kehle bewegte sich rhythmisch unter den gleichmässigen Zügen, mit denen Sie das Wasser in sich tranken. Es rann Ihnen stürzend über das erhitzte Gesicht. Eine Haarsträhne tauchte voll ins Wasser. Dann kam jener kleine Junge von dem nahen Bauernhaus gelaufen, das ganz allein in dieser Einsamkeit lag. Er zog uns zum Stall, in dem soeben die Kühe gemolken wurden. Mit jener schönen Selbstverständlichkeit, die auch das Ungewöhnliche adelt, lachten uns die Bauern von ihren Melkstühlen aus entgegen. Sie reichten uns Beiden zwei dampfende Tassen voll warmer frischgemolkener Milch. Ein breites Vergnügen legte sich über ihre struppigen Gesichter, als sie unser gieriges Trinken sahen. Mir schien diese Ruhe, diese blaue Einsamkeit, das strahlende Licht dieser abendlichen Sonne, die die fernen Berge umspielte, Ihre Nähe, wie ein banger, unruhiger Traum. Noch sehe ich die grossen, (Fortsetzung folgt.) 2. erschreckten Augen des kleinen Bauernjungen vor mir, dem ich aus Verwirrung über dieses Neue ein grosses Geldstück in die Hand gedrückt hatte. Ich habe in meinen Ferien wieder Gelegenheit gehabt, die Menschen in ihren Stunden des Vergnügens zu belauschen. Irgendwo auf verlorener Höhe, vielleicht zwei Stunden von meinem vorübergehenden Aufenthaltsort entfernt, steht eine alte Bauernwirtschaft. Vom Haus aus fällt das Land in ruhigen Linien unaufhörlich bis in das tiefe Tal hinunter, aus dem sich auf der andern Seite der Boden wieder hebt und nicht mehr endet, bis er nach verschiedenen Unterbrüchen und Zwischenstücken an den Fuss der Voralpen heranreicht. Hier finden sich jeden Sonntag aus der Umgegend, von all den kleinen und, grossen Bauerndörfern, den Flecken und Winkeln die jungen Leute zum Tanze ein. Kaum dass aus dem Tale herauf am Nachmittag die letzte Kirchenglocke verstummte, begann der Handharmonikaspieler mit seiner immerwährenden Tanzmusik. Draussen flammte der Herbsttag in letzten Farben, das weiche Grün der Wiesen und die sanfte Bläue'des Himmels schmolzen am Horizont zusammen. Im Saale der Wirtschaft drängte sich das ganze junge Volk der Umgegend. Bläulicher Rauch schwellte. Wie nun die ersten Takte eines neuen Tanzes aufsprangen und durch den Raum zitterten, Schossen die jungen Burschen in ungeschickten Haltungen auf und beugten sich linkisch vor den anwesenden Mädchen. Sie hatten alle grobe, feste, ungeformte, wohl auch stumpfsinnige Gesichter. Sie wissen, ich habe mich nie der Illusion hingegeben, dass die Primitivheit dieser Menschen etwa ein beneidenswerter Zustand ist. Vielleicht ist die junge Generation in dieser zusammenbrechenden Zeit zu sehr von der Dekadenz aller geistigen Erscheinungen um sie her erfüllt, als dass sie es noch vermöchte, sich von den zweifelhaften Errungenschaften der Kultur zu trennen. Sie wissen dass ich dieseArt Menschen durchaus nicht als Ideal empfinde, im Gegenteil. Darum glaube ich Ihnen auch von den Beobachtungen, die ich in diesem von der Welt halb vergessenen Bauernlokal machte, berichten zu können, Wieviel Unhell In der Familie.im Staat.inder Welt Ist auf das Konto der Nervosität zu buchen, die von selbst nicht ab-, sondern zunehmenmuss in unserer Zeit der Hast und Unruhe, woTempo-Tempo zwangsläufig Trumpf ist. Dazu die Herzstörungen und -krankheiten, die zahlenmässig bereits die Tuberkulöse überholt haben. Neben der Lebensweise spielt natürlicji die Ernährungsweise eine grosse Rolle. Z.B. ist der Kaffee wegen seines Coffeingehaltsfür viele Menschen Jede Bohne Qualität Jeder Tropfen ein Genuss Herz u. Nerven schonend Das ist KAFFEE HAG gar nicht so harmlos,wie sie vielleicht glauben. Sicher unschädlich fOr Herz, Nerven und Nieren, ohne jede Beein» trächtigung des tiefen, kräftespendenden Schlafes Ist unter Garantie der coffei nf rele Kaffee — der Kaffee Hag. Dieser herrliche, echte Kaffee verschafft Ihnen alle Kaffeefreuden, die Sie suchen, alle Anregung, die Sie wünschen, jedoch in absolut gesunder Form. Machen Sie die Probe am Abend, Sie werden ausgezeichnet schlafen und am Morgen springlebendig sein.