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E_1931_Zeitung_Nr.091

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von Angetrunkenheit

von Angetrunkenheit eines Führers. Ana eindringlichsten lassen sich die Folgen der Angetrunkenheit bei der Lenkung von Motorrädern erkennen. Es ist deshalb verständlich, wenn der Qerichtsexperte die gefährdende Konzentration von Alkohol im Körper eines Motorradlenkers schon bei einem halben Promille erblickt und beim Autofahrer erst bei einem ganzen Promille. Was bestimmen andere Staaten? Die Forderung einer schärfern Führeraus- 'Iese nach einheitlichen Gesichtspunkten für alle Kantone erhellt sich ohne weiteres, wenn •man die Massnahmen anderer Staaten Revue passieren lässt: Eine ärztliche Untersuchunn wird mit Ausnahme von Frankreich und der Schweiz durch spezialisierte Sachverständige in allen nrössern Staaten von Europa durchgeführt. Einzig für Getellschaftswagen verlangt Frankreich ebenfalls ärztliche Prüfung der Kandidaten. In England hat der Bewerber ein Formular zur Feststellunc seiner Verantwortung auszufüllen, worin er eine Erklärung gibt, ob er Krankheiten oder Gebrechen habe, die die öffentliche Verkehrssicherheit gefährden können. (Grosszügige, aber ungenügende Regelung.) In Deutschland und Oestcrreicb wird moralische Befähigung für das Lenken verlangt und eine sorgfältige amtsärztliche Untersuchung durchgeführt. Als Ausschlussjjründe gelten beispielsweise In Oesterreich: Körpergrösse unter 155 cm, hochqradiq» Fettleibigkeit, konvergentes Schielen, Nachtblindheit, Gleichgewichtsstörungen, grosse Kröpfe, ausgebreitete Krampfadern, aktive Tuberkulose, ausgesprochene Herzkrankheit, Epilepsie, Neurasthenie. Hysterie höheren Grades usw. usw.; der italienische Gesetzgeber verlangt ein offizielles ärztliches Zeugnis mit Photographie und Unterschrift des Petententen Zudem finden innert zehn Jahren oder nach Anord nungen der Präfekten Revisionen statt Holland und Dänemark schreiben ebenfalls das 8r7iHch Zeugnis zur Erlangung der Führerbewi'linun" vor. Dänemark beschränkt zudem die Gültink"!* eines Führerausweises auf 5 Jahre. Bei der Erneuerung muss wiederum ein ärztliches Zeugnis beinebracht werden. Unsere Nachbarstaaten bekunden damit, 'dass sie sowohl der Bedeutung der Gebrechen wie der Bedeutung des Alkoholkonsums 'im die Fahrfähigkeit eines Motorfahrzeuglenkers ein hohes Mass von gesetzgeberischer Aufmerksamkeit zuwenden. Umgekehrt wird damit auf das Nichtgenügen der gegenwärtigen gesetzgeberischen Vorschriften in der Schweiz hingewiesen. La. Verkehrstüchtigkeit und Alkohol. Die Gefährdung des Motorfahrzeugführers 8urch Alkoholgenuss hat bereits verschiedene staatliche Behörden des Auslandes veranlasst, ent- - weder - entsprechende Gegenmassnahmen durch Alkoholverbot während des Fahrens oder durch Aufklärung des Publikums zu treffen. So wird beispielsweise in Schweden gleichzeitig mit den Ausweispapieren für den Führer ein Handbüchlein abgegeben, das über den Einfliss des Alkohols orientiert. Recht interessant sind die Ergebnisse einer vom Dänischen psychotechni sehen Institut durchgeführten Versuchsreihe, worüber uns folgendes mitgeteilt wird: «Es wurde mit 140 Personen experimentiert; die eine Hälfte bestand aus Chauffeuren, durchschnittlich im 34. Altersjahr, die andere aus Studenten, im Durchschnittsalter von 21 Jahren. Es handelte sich um Leute, die an ein gewisses Quantum Alkohol gewöhnt waren und auf Alkoholgenuss «normal » reagierten, d. h. nicht an Ueberempfindlichkeit litten. — Die Alkoholmenge betrug 0,6 cem pro Kilo Körpergewicht; für. einen Mann von 70 Kilo machte das 42 cem aus, was dem Alkoholgehalt von 1 Liter Bier, 4 Dezi Wein oder 2 Gläschen Branntwein entspricht. Genossen wurde diese Alkoholdose in Form von Whisky, verdünnt mit Wasser. Während der vier Stunden vor dem Versuche durften die Versuchspersonen nichts zu sich nehmen. Die 140 Teilnehmer am Versuch wurden in zwei gleich starke Gruppen eingeteilt: die eine war die «Alkoholgruppe •», die andere diente als alkoholfreie « Kontrollgruppe ». Es wurden vier verschiedene Uebungsgruppen ausgedacht. Nachdem alle vier Uebungen ein erstes Mal, ohne vorausgegangenen Alkoholgenuss. angestellt worden waren, erhielt die « Alkoholgruppe » Whisky, die andere Sodawasser. Nach einer Pause von 40 Minuten wurden die vier Uebungsgrurpen ein zweites Mal durchgearbeitet, und die Ergebnisse der « Alkoholgruppe » mit denjenigen der alkoholfreien « Kontrollgruppe » verglichen. Die 1. Uebungsgruppe erstreckte sich au! die Fähigkeit, rasch aus mehreren möglichen Entscheidungen die richtige zu wählen, eine Fähigkeit, derer der Autolenker besonders bedarf bei starkem Verkehr, bei grosser Geschwindigkeit, beim Zusammentreffen mehrerer Verkehrshindernisse usw. Die Versuchsperson wurde, mit einem Stift in der Hand, vor eine Platte gestellt, worin sechs Löcher angebracht waren. Ueber jedem Loch war ein Buchstabe, von A bis F, eingezeichnet. Hinter der Platte stand ein Apparat, der abwechselnd, aber regellos, die verschiedenen Buchstaben hervorschnellen liess. Sobald z. B. das E erschien, musste die Versuchsperson so rasch als möglich den Stift in das mit E bezeichnete Loch setzen, usw. Der Apparat registrierte automatisch die ausgeführten Reaktionen. Die Zeit wurde in Hundertstels- Sekunden gemessen. Ergebnis: Alkoholgenuss verminderte die Leistungsfähigkeit um 10 Prozent. Die 2. Uebungsgruppe galt der Geschwindigkeit, mit der unser Körper auf einen Gesichtseindruck mit einer bestimmten Muskelbewegung zu antworten imstande ist. An einem Gestell waren 2 Meter lange Metallstangen aufgehängt. Sobald eine Stange durch einen Schlag ausgehängt wurde und herabfiel, musste die Versuchsperson, die zum Zugreifen bereit stand, die Stange anpacken. Es wurde dabei die Fallhöhe gemessen, umgerechnet in Tausendstels-Sekunden. — Vom Augenblick, da der Eindruck, unser Sinneswerkzeug trifft, bis zur Ausführung der darauf antwortenden Muskelbewegung, vergeht eine bestimmte, wenn auch ganz kurze Zeit. Unpäßlichkeit, Müdigkeit und andere Verschlechterungen der körperlichen Frische und Gesundheit verlängern diese Zeit. Wenn es sich aber auch nur um eine Fünftels-Sekunde handelt, so legt ein Auto, das 80 km Stundengeschwindigkeit entwickelt, bereits zirka 4 weitere Meter Weg zurück. Vier Meter wenieer oder mehr können für den Autolenker bedeuten: trliick- Mches Entwischen oder furchtbares Unglück. Ergebnis: Alkoholgenuss setzte die Leistungsfähigkeit um 17 Prozent herab. Die 3. Versuchsgruppe betraf das für Autolenker so wichtige Vermögen, die Aufmerk samkeit anzuspannen und sie gleichzeitig mehreren Geschehnissen zuzuwenden. Der AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N" Apparat bestand im wesentlichen aus drei, senkrecht aufeinander zulaufenden Bändern, auf denen in unregelmässigen Abständen Querstreifen angebracht waren. Die Bänder wurden in Bewegung gesetzt. Die Versuchsperson musste dabei ihre Aufmerksamkeit auf die drei Bänder richten, um die Möglichkeit des Zusammentreffens von drei Querstreifen vorabszusehen und dann rasch ein Handgelenk zu ziehen. Die Anzahl der Fehler, d. h. der verpassten Zusammentreffen, trug der Apparat automatisch ein. Ergebnis: Der Alkoholgenuss verschlechterte die Arbeitsleistung um 35 Prozent. Die 4. Uebungsgruppe endlich betraf die Fähigkeit, die Kontrolle über den Muskelapparat der Hand zu bewahren. Die Versuchsperson bekam eine Metallfeder in die Hand und wurde vor eine dicht mit Metallstiften versehene rotierende Platte gestellt. Die Aufgabe bestand darin, die Feder inmitten der Stifte so führen, dass, sie die Stifte nicht berührte. ,]ede Berührung wurde vom Apparat registriert. Wer schon einem Autolenker zugeschaut hat, dem wird die Bedeutung der Kontrolle über die Hand ohne weiteres verständlich sein. Ergebnis: Alkoholgenuss verursachte eine Verminderung der Leistungsfähigkeit um 60 Prozent.» Wenn diese Versuche auch kein abschliessendes Frteil erlauben, so zeigen sie doch mit aller Deutlichkeit, dass ein bpstimmter Alkoholsronu.ss während oder vor einer Fahrt die Leistungsfähigkeit des Führers doch in weit grösserem Masse beeinflusst, als dies allgemein bekannt ist oder angenommen wird. Die Julierstrasse nächsten Winter nicht geöffnet. Schon längere Zeit dauert die Diskussion über die ständige Offenhaltung der Julierstrasse. Besonders aus Kreisen des Automobil-Clubs von Graubünden wurde die Frage immer wieder ventiliert, ebenso sind selbstverständlich die Engadiner Hotelierkreise sehr stark daran interessiert. Aber nicht nur diese lokalen Organisationen, sondern auch weiteste Verkehrskreise haben ein Interesse an der ganzjährigen Offenhaltung der Julierstrasse. Vergegenwärtigen wir uns die Stellung dieses Verkehrsweges im internationalen Strassennetz, so können wir folgendes festhalten : 1. Historisch betrachtet ist der Julierpass schon seit jeher eine der wichtigsten Verbindungsstrassen zwischen Deutschland und •Italien gewesen. 2. Sie ist neben dem ganzjährig offengehaltenen Brennerpass die einzige Alpenstrasse, die mit relativ geringen Mitteln und ohne Gefahren für den Ganzjahresbetrieb offengehalten werden kann. 3. Auf die Dauer wird der Julier mit dem Brenner nur konkurrenzfähig bleiben, wenn er ganzjährig offengehalten werden wird. Denn besonders in der Uebergangszeit, im Frühling und im Herbst, wenn die Strasse noch offen ist, wird doch schon ein grosser Teil des Verkehrs nach dem Brenner abwandern, weil man beim Julier nicht ganz sicher ist, ob er nicht infolge plötzlichem Witterungsumschlag gesperrt ist. 4. Es wird also durch eine Nichtoffenhaltung des Passes der grosse Durchgangsverkehr während des weitaus grössten Teils des Jahres die Schweiz umgehen, einerseits über den Brennerpass und anderseits durch die burgundische Pforte und Frankreich nach der Riviera. Daraus folgt mit aller Deutlichkeit, wie wichtig es wäre, den Julierpass ganzjährig offenzuhalten. Es scheint uns auch, dass bei einem Zusammenschluss aller daran interessierten Kreise die finanziellen Mittel aufgebracht werden könnten, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Leider scheint dies für diesen Winter noch nicht möglich gewesen zu sein, denn wie uns das Bauamt des Kantons Graubünden mitteilt, liegt es nicht in der Absicht der kantonalen ßauvenvaltung, die Julientrasse diesen Winter durchgehend für den Automobilverkehr offenzuhalten. Die Offenhaltung ist nur so gedacht, dass Pferdefuhrwerke (Einspännerschlitten) auf der Strasse verkehren können. Auf diese Art wurde übrigens der Verkehr schon in den letzten Jahren bewerkstelligt. Hoffen wir, dass die Akten über die Offenhaltung der Julierstrasse im Winter noch nicht geschlossen seien. Die Wichtigkeit des Juliers für den internationalen Durchgangsverkehr sowie auch für den lokalen Touristikverkehr verlangen gebieterisch, dass in dieser Sache weitere Schritte unternommen werden, und zwar je rascher, je besser, damit nicht der Brenner immer mehr den Automobi'durchgangsverkchr von der Schweiz wegzuziehen vermag. Es ist Sache der Fachleute, den ganzen Fragenkomplex sowohl von der finanziellen, wie verlehrspolitischen, wie strassenbautechnischen Seite eingehend zu prüfen und baldmöglichst praktisch realisierbare Vorschläge zu unterbreiten. LT. Aum» d«m Nanfonen Keine Zentralisation der Basler staatlichen Automobile. Auf ein Postulat der Rechnungskommission hin wurde der Regierungsrat des Kantons Baselstadt angefragt, ob es nicht möglich wäre, durch eine Zentralisation aller staatlichen Automobile Einsparungen zu erzielen. In einer der letzten Sitzungen des Grossen Rates crab Pegieningsrat Aemmer darüber abschlägigen Bescheid. Von zirka 60 staatlichen Automobilen dienen rund die Hälfte ausgesprochenen Spezialzwecken (Feuerwehr, Krankenwagen usw.), so dass sie von vorneherein nicht anderweitig benützt werden können. Nach den Ausführungen des Referenten sind diese Wagen in den Garagen der betreffenden Verwaltungen untergebracht. Dies erwies sich als absolut zweckmässig. Eine Zentralisierung würde fn vielen Fällen Zeitverlust bedeuten, sie wäre iuch keineswegs billiger, da spezielle Dienstwohnungen erstellt werden m'issten. Der Grosse Rat nahm von den Ausführungen in zustimmendem Sinne Kenntnis. X. Genfer Verkehrsfr??een. Die Verkehrskommission der Sektion Genf des A. C. S. wandte sich an den Chef des Genfer Justiz- und Po" lizeidermtementes mit einer Eingabe, die verschiedene Wünsrhe bezüelich des Genfer Strassenverkehrs enthält, wie sie sich aus dem eenauen Studium des Verkehrs ergaben. Die Finsrabe verlanet unter anderem folgende Aenderungen und Verbesserungen und weist auf verschiedene Missstärde hin: Mangelhafte Gefahrenbezeichnung durch Verkehrstafeln. Anbringung von weissen Streifen an nislos den Kopf. «Ich will Ihnen das erklären.» fuhr ich, über seine Miene lächelnd, fort. «Die Sache ist sehr einfach. Nahe Verwandte von mir sind in Ihrer schönen Heimat Besitzer eines Gutes. Nach Ihren ungarischen Begriffen ist es freilich nicht viel, etwa dreitausend Joch, aber für unsere Verhältnisse bedeutet es einen stattlichen Wert. Zweitausend Joch schwerer, erstklassiger Weizenboden und an die tausend Joch Wald und Wald und Wald. Aber guter, ungarischer Auwald mit einem Stand an Hochwild... mit Hirschen, die noch etwas auf dem Haupt tragen, dass einem wahren Weidmann das Herz im Leibe lacht. Ich muss. hier, Herr von Szöky, einschalten, dass die Leidenschaft meines Herzens das Weidwerk ist, und trotz meiner jungen Jahre möchte ich behaupten, dass mir ein starker Hirsch vor eine schöne Frau geht...» «Bei mir ist das umgekehrt,» warf mein Gegenüber trocken ein." «... und da verbinde ich nun das Angenehme mit dem Nützlichen. Der Verwalter des Gutes starb. Dieser Zwischenfall führt mich hierher. Meine Verwandten sandten mich auf das Gut, um die Verwaltung zu übernehmen, obwohl ich davon einstweilen nichts verstehe. Vor allem soll ich endlich einmal arbeiten. Bis ietzt war das nicht meine Stärke. Aber jedenfalls, ich mache daraus kein Hehl, will ich diese Gelegenheit benützen, um mir für meine Tronhäenschatzkammer aber auch für mein jagdliches Empfinden, einige Ihrer stolzen, ungarischen Geweihe zu holen. Ich habe...» «Täuschen Sie sich nur nicht darin,» sprach mein Reisebegleiter lebhaft dazwischen. «Auch bei uns im Lande der starken Hirsche lobt man auf diesem Gebiete so manches.» «Das trifft hier nicht zu,» musste ich kopfschüttelnd erwidern. «Meine Verwandten sind die Besitzer des Gutes seit vielen Jahrzehnten, und ich bin heute nicht das erstemal draussen. Freilich.. mein letzter Besuch ist schon ziemlich lange her... als halbwüchsiger Junge holte ich mir hier meine ersten Lorbeeren in Huberto.» «Das war woh ! damals, dass Ihnen ein starker Hirsch lieber war wie eine schöne Frau. Und heute?» Der Vizegespan kniff das eine Auge zu und sah mit einer lächelnden Grimasse zu mir hinüber. Unwillkürlich lachte ich laut auf. «Ich gebe Ihnen einen guten Rat,» setzte er fort, «stellen Sie keine solchen theoretischen Grundsätze auf. Im.Leben hält man sich doch nicht daran. Da nimmt man es, wie es einem das Glück beschert. Heute ein guter Hirsch, morgen eine schöne Frau, und übermorgen .. übermorgen hat man oft nichts wie eine armselige Flasche Wein, um sein inhaltlee r es Dasein zu ertränken. Nur keine lendenlahmen Theorien, um Lebensfreuden aufzustellen. Aber alles, was man macht, verzeihen Sie, wenn ich Ihnen scheinbar Lehren gebe, ich bin leider älter wie Sie... alles, was man macht, soll immer derart sein, dass man seine Erinnerungen in Spiritus legen kann. Ich schiesse heute nicht jeden Hirsch, der mir über den Weg läuft, und mit den schönen Frauen ist es so ähnlich. Aber in Ihrem glücklichen Alter nahm ich es nicht so genau.» «Ihre Lebensanschauungen. Herr von Szöky, teile ich endlich und schliesslich auch. Ich bin auch einer von denen, der... wie Sie früher bemerkten... nicht erst dann zum Bewusstsein kommen will, dass er auf der Welt ist, bis man an ihm die letzten, künstlichen Atmungsversuche macht. Allein ich habe vor allem die Absicht, zu arbeiten. Dies ist der Zweck meines Aufenthaltes hier. Die Jagd ist mir gewissermassen Nebensache. Und die Frauen? Dazu werde ich in meiner Abgeschiedenheit wohl kaum Gelegenheit haben!» Der Vizegespan wiegte mit einer zweifelnden Bewegung den Kopf hin und her. «Ich gedenke, sehr ernstlich zu arbeiten,» fuhr ich fort. «Was Sie damit meinen, ist mir nicht ganz klar,» warf mein Gegenüber ein. «Sie sitzen hier in der ersten Klasse und sprechen von arbeiten Bei uns hat seit Arpad noch keiner, der sich zur ersten Gesellschaft rechnet, ich nehme das von Ihnen und von mir an, etwas gearbeitet. Und wir leben noch immer. Wenn man aus guter Familie ist und etwas darauf hält, dann beweist man dies in erster Linie damit, dass man andere für sich arbeiten lässt. Arbeiten und gleichzeitig Kavalier sein, das gibt es nicht.» «Ich bin darin nicht ganz Ihrer Ansicht,» fiel ich ihm in die Rede. «Arbeiten ist end lieh und schliesslich unsere Lebensbestimmung, auch wenn wir zur sogenannten guten Gesellschaft gehören. Arbeiten soll man sicherlich nicht aus Zwang, sondern aus Bedürfnis, und wenn ich das letztere bis jetzt noch nicht empfand, so...» «... ist dies eine Alterserscheinung,» warf mein Reisegenosse ein. «Wenn man die ersten Anzeichen von Arterienverkalkung spürt. dann in Gottes Namen! Was tut man nicht alles für seine Gesundheit!» «So meine ich das nicht.» erwiderte ich lächelnd. «So lange gedenke ich nicht zu warten, aber ...» «Wenn Sie, Verehrtester, so tugendhafte Weltanschauungen haben, wozu dann die Verbannung?» Ich wusste für den ersten Augenblick nicht, was ich ihm antworten solle. «Ich glaube, ich bin in einem Zeitpunkt des Ueberganges zwischen Zwang und Bedürfnis zur Arbeit. Nebenbei verstehe ich von der Landwirtschaft so gut wie nichts.» Mein Gegenüber zuckte geringschätzig die Achseln. «Brauchen Sie auch gar nicht. Gehen Sie als Kutscher hinaus oder als Herr? Na also! Wachsen lässt der liebe Gott, und das andere überlässt man seinem Verwalter oder seinem Hausjuden. Sie haben nichts zu tun, wio immer zu schimpfen, damit man Sie nicht für einen unfähigen Landwirt hält.» «Ich will mich darnach richten.» gab ich lächelnd zurück. «Ich werde im Anfang wohl nichts anderes zu tun haben als Hinterwäldler zu praktizieren. Dann im Herbst kommt die Zeit der guten Hirschiagden. So blüht mir anfangs die Arbeit, dann das Vergnügen.» ' «Zwei Herren tonn man gleichzeitig nicht dienen.» fuhr mein Gesellschafter in seinem nationalökonomischen Vortrag eifrig fort. «Und weil man nicht gleichzeitig iagen und arbeiten kann, ist unser volkswirtschaftliches Prinzip: wir jagen und der Bauer arbeitet.» «Aber Sie schützen den Bauern bei Ihnen nicht einmal durch Ane-kennung der Wildschäden.» Er lächelte verächtlich. (Fortsetzung folgt.)

N» 91 - 1931 AUTOMOBIL-REVUE bestimmten Strassenstellen der Stadt, Vermehrung der Tafeln mit Strassennamen, Auf Stellung von Auskunitsplänen über alle Verkehrs- und Unterkunftsangaben auf den gros sen Plätzen der Stadt, besserer Strassenunterhalt auf verschiedenen Strecken innerhalb der Stadt, teilweise Verbreiterung der Trottoirs, Lösung der Verkehrsfrage an gewissen kritischen Stellen, teilweise Aenderung der Zeichengebung der Verkehrspolizisten, energischer Protest gegen das Projekt der Linienverdoppelung der Genfer Trambahngesellschaft auf dem Quai des Bergues und Vorschlag der Ersetzung der Trambahn auf diesem Quai durch einen gut eingerichteten Autobusdienst. X Zum Projekt der Prageistrasse. Mit dem 1. November lief die gesetzliche Frist zur Einreichung von Anträgen an das Memoria der nächstjährigen Landsgemeinde in Olarus ab. Unter den 12 geschäftlichen Traktanden findet sich unter anderm, von parteipolitischer Seite aus gerichtet, das Verlangen nach dem endlichen Bau der Prageistrasse mb. Die Oberalimeindkorporatlon Schwyz und die Pragelstrasse. Unsere in Nr. 75 der « Automobil-Revue » gemachten Ausführungen über das Pragelstrassenprojekt erfahren heute eine Ergänzung, indem die Landsgemeinde der grossen Oberallmeindkorporation, welche die ganze Angelegenheit ins Rollen gebracht hat, kürzlich folgendem Antrag ihre Zustimmung gab, der im wesentlichen wie folgt lautet: Die Verwaltung der Oberallmeind solle Auftrag, Vollmacht und Kredit erhalten, den von den Vertretern des Bundes und der Kantone Schwyz und Glarus gegebenen Weisungen entsprechend ein definitives Projekt mit Kostenvoranschlag für eine 3,6 m breite Güterstrasse (mit fahrbarer Grabenschale) Bergen-Pragel-Richisau aufzunehmen und mit Bezirk Schwyz und Gemeinde Muotathal mit Kostenanteil nach Verhältnis zur jetzigen Strassenunterhaltspflicht eine Korrektion und einen Ausbau des Stalden-Bergensträsschens (vergl. den bezg. Artikel in Nr. 75) gemäss den Weisungen des eidgen. Kulturingenieurs tn projektieren. Da die nächste Oberallmeind- «emeinde erst wieder im Oktober 1933 stattfindet, kann ein detailliertes Projekt und die Lösung der Finanzfrage erst in 2 Jahren vortelegt werden. Immerhin besteht bei den massgebenden Organen die Absicht, den Praeel dadurch auch dem Automobil zu öffnen. Kp. Keine Winterautos mehr in Arosa. Wie iseinerzeit der Kurort Davos hat nun auch Arosa mit 220 gegen 95 Stimmen den Motorfahrzeugverkehr im Winter für das ganze Qemeindegebiet von Arosa verboten. x. Schwelzerische Grenzzollämter, svz. Ab T. Oktober 1931 bis Ende März 1932 sind die regtementarischen Bureaustunden der schweizerischen Grenzzollämter für den Motorfahraseugverkehr wie folgt festgesetzt: 8—12 und 13—18 Uhr an Werktagen wie an Sonn- und Feiertagen. Während dieser Zeit aus- oder eingehende Motorfahrzeuge werden ohne Erhebung einer Extraabfertigungsgebühr abgefertigt Diese Gebühr, die für Ausstellung ' oder Löschung eines Freipasses ausserhalb d«r Bureaustunden verlangt wird, beträgt 5 Fr. Bei Abfertigung mit Triptyk oder Qrenzpassiersch'einheft, sowie bei Löschung von provisorischen Eintrittskarten wird keine Gebühr verlangt. S«> Tourismus «k« Eine neue Fahrer-Kategorie in Italien? in Italienischen Sportkreisen wird gegenwärtig die anlässlich der letzten Sitzung der Sportkommission des Königlich-italienischen 'Automobil-Clubs von Baron Lazzaroni aufgeworfene Frage der Schaffung einer besondern Kategorie für Amateure lebhaft diskutiert. Diese Kategorie würde ausschliesslich ganz jungen Fahrern und Amateurfahrern reserviert, die aus blosser Freude und keineswegs aus beruflichen oder finanziellen Gründen an den Veranstaltungen teilnehmen. Der Gedanke scheint im Prinzip in Italien sehr viele Freunde zu haben, da diese neu geschaffene Kategorie einmal in vermehrtem Masse die junge Generation zum Autosport heranziehen würde und weiter auch für die Industrie günstige Auswirkungen haben könnte. Sowohl sportlich wie technisch erwartet man von der Aktivierung im italienischen Autosport grosse Erfolge. Die Schaffung einer solchen Amateurkategorie, die •ganz bestimmte Arten von Fahrern umfassen •würde, stösst indessen bei der genauen De,- i"%iition der Teilnahmeberechtigten auf gewisse Schwierigkeiten. Tm Automobilsport ist es schon seit langem •üblich, dass Barpreise an Amateure nicht •ausgeschüttet werden. Anderseits scheint es •nicht mehr als recht und billig, dass auch sie für alle die finanziellen Opfer, die der Unterhalt eines für Rennen geeigneten Wagens, sowie die Teilnahme verlamrt. durch einen wenn auch kleinen Geldgewinn entschädigt werden. Die allgemeine Definition des Amateurs — zum mindestens die theoretische — bemerkt anderseits ganz richtig, dass der Amateur an einem mit Barpreisen dotierten Rennen wohl teilnehmen könne und auf Geldgewinne Anspruch habe. Dieser Gedanke kommt auch im Olympischen Reglement zum Ausdruck. Man konstatiert also hier allgemeine Unsicherheit. Es scheint, wie in der Sitzung der italienischen Sportkommission ausgeführt wurde, endlich an der Zeit, sich mit dieser •Frage im Automobilsport genauer zu beschäftigen. Wie soll nun die Kategorie der Professionalisten von den Amateuren unterschieden werden? Am empfehlenswertesten erscheint die Unterteilung der Fahrer in folgende zwei Gruppen: Professionalisten, die offiziell oder als Vertreter einer Firma konkurrieren, oder die im Laufe der letzten drei Jahre eine besonders festgesetzte Minimalsumme an Barpreisen gewonnen haben. Einer zweiten Kategorie würden alle die Fahrer angehören, die nicht in der ersten Kategorie konkurrieren können. Es würde eine bestimmte Anzahl von Veranstaltungen bezeichnet, an denen diese Teilnehmer der zweiten Kategorie starten könnten. Was die Verteilung des italienischen Meistenfahrertitels betrifft, so müssten die Fahrer an bestimmten, zum voraus festgelegten Veranstaltungen teilnehmen. Diese Bestimmung würde auch für die Fahrer der zweiten Kategorie gelten. Das Reglement der zweiten Kategorie der Fahrer würde den Amateuren auch erlauben, an Veranstaltungen der ersten Kategorie teilzunehmen. Sofern ein Fahrer der zweiten Kategorie an einem dieser Rennen den ersten Preis erhielte, würde er automatisch in die erste Kategorie übersiedeln, so dass er alle Teilnahmerechte an Veranstaltungen der zweiten Kategorie verlieren müsste. s Alle diese Erwägungen sind indessen nur Vorschläge, die gegenwärtig in Italien zur Diskussion stehen. Die Hauptsache bleibt, dass die italienische Sportkommission — mit Hilfe der Organisatoren — versucht, wenigstens probeweise in einer Reihe von Veranstaltungen die Jungen und die Begeisterten des Automobilsportes ebenfalls zur Teilnahme heranzuziehen. mb. Zum Reglement der internationalen Grossen Preise 1932. Wir haben unsere Leser bereits vor einigen Nummern über die Tagungen der internationalen Sportkommission und ihre EntSchliessungen unterrichtet. Aus Mailand kommt die Nachricht, dass der Präsident des Königlich-italienischen Automobilclubs anlässlich seiner Rückkehr aus Paris Mitteilungen gemacht hätte, nach denen es als beinahe sicher feststehe, dass der Grosse Preis von Indianapolis 1932 nach der neuen, in diesem Herbst in Paris festgelegten Rennformel ausgetragen werde, nach der auch die Automobilclubs von Deutschland, Belgien, Frankreich und Italien ihre Grossen Preise 1932 zum Austrag bringen. Die Grossen Preise dieser vier Länder dienen bekanntlich zur Feststellung des internationalen Meistertitels. Jeder der organisierenden vier Clubs wird sich mit 50,000 französischen Franken beteiligen. Die 200,000 französischen Franken werden an den Bestklassierten, der an allen vier Rennen teilgenommen hat, ausgerichtet. Die genaueren Bestimmungen für die internationale Meisterschaft werden gegenwärtig noch geprüft. Der Präsident des Königlichitalienischen Automobilclubs teilte in diesem Zusammenhang weiter noch mit, dass das Targa Florio-Rennen im nächsten Jahre auf dem neuen Circuit des Madonies ausgetragen werde. Bekanntlich zerstörten grosse Ueberschwemmungen im letzten Vorfrühling einen grossen Teil der Strassen. Bis zum Zeitpunkt des Rennens werden sie indessen wieder völlig instand gestellt sein. mb. Wenn Sie den Pariser Aptomobil-Salon nicht besucht haben, dann versäumten Sie, den neuen HOKOH 12-Zylinder kennen zu lernen, den der Grossteil der französischen Tagespresse und besonders der Automobilkritiker, Ingenieur Charles Faroux (Frankreichs Autorität) als das Meisterwerk des diesjährigen Salons bezeichnen. Dieses 1932er Modell übertrifft in Vollkommenheit Ihre höchsten Erwartungen, und trotzdem ist sein Preis aussergewöhnlich mediig. Vei langen Sie Katalog und Preisäste. BASE ^/AirmMriRiiF Eine hochinteressante Aufnahme: Ein Rennwagen gerät bei einer Schnelligkeit von 200 Stundenkilometern in Brand. Sir Henry Biilclin, der berühmte englische Rennfahrer, unternahm kürzlich auf der Broolclandsbahn einen Rekordversuch. Während der Wagen im 200-Kilometer-Tempo über die Bahn dahinfegte, brachen plötzlich, infolge Vorgaserbrandes Flammen aus der Motorhaube. Der Fahrer befand sich in einer höchst peinlichen Lage. Um der Gefahr zu entgehen, dass seine Füsse von den Flammen verbrannt würden, musste Birklin im rasenden Wagen sich erhoben, um ihn unter Aufbietung aller Geistesgegenwart zum Halten zu brngen. ZÜRICH Klausenrennen 1932 ohne Motorräder! Wie wir erfahren, konnte das Klausenrennen für Motorräder infolge eines Missverständnisses zwischen dem A.C.S. und der U.M.S. für den internationalen Sportkalender der F.I.C.M. nicht mehr reserviert werden. Das Klausenrennen soll demnach ohne Motorräder ausgefahren werden. Der jetzige Zeitpunkt erscheint für eine nachträgliche Belastung des. internationalen Motorradsportkalenders mit dem Klausenrennen am 7. August zu spät, da auf dieses Datum hin schon anderweitige Veranstaltungen notiert sind. Sollte die Tätsache des Wegfalls des Motorrad-Klausenrennens die Beschränkung des Automobil- Bergrennens auf einen Tag bedeuten ? Dies wird erst später durch die Zahl der Meldungen beurteilt werden können. mb. Ein Erinnerungsstein für Theo Sarbach. Die Freunde und Bekannten des verstorbenen Genfer Rennfahrers Theo Sarbach haben das Ziel ihrer grossen Anstrengungen erreicht: am nächsten Sonntag wird zu Ehren des am 23. März 1930 verunglückten Genfer Fahrers ein Denkmal an jener Stelle eingeweiht, an der der unglückliche Fahrer stürzte. Der Erinnerungsstein wird in Zukunft alle die vielen Freunde an den Fahrer erinnern, der im Leben so reiche Sympathien besass. Die Einweihung findet Sonntag den 8. November, vormittags 11 Uhr, in Avusy, route d'Eaux- Mortes statt. Alle Freunde des lieben Toten werden zur Teilnahme an der Erinnerungsfeier eingeladen. x. Neue Rekorde in Montlhery. Die bereits in den letzten zwei Nummern erwähnte Dauerfahrt der vier französischen Fahrer Marchand, Dele"pine, Fortin und Gombetti auf einem Citroen 3000-ccm-Wagen in Montlhery ist beendet. Sie ergab noch folgende neue internationale Rekorde : 9 Tage: 23.395 km 391 m (108,311 Std.-km). 15.000 Meilen: in 222 h. 88' 56" 29/100 (Stundenmittel: 108,422 km). 25.000 km: in 230 h. 23' 32" 78/100 (Stundeiimittel: 108,511 km). Kaum dass der Wagen seine Riesenfahrt beendet hatte, setzte sich Marchand an den Volant und stellte nacheinander über einige Runden Schnelligkeiten von 124 und 125 km auf. mb. Das englische 1000-Meilen-Rennen von Brooklands. Wie bereits aus dem von uns veröffentlichten internationalen Sportkalender 1932 zu ersehen war, findet am 3. und 4. Juni 1932 nach dem Beispiel der Mille Mjglia in Italien in England ein 1000-Meilen-Rennen statt, das der Junior-Car-Club an Stelle des auch in diesem Jahre wieder stattgefundenen doppelten Zwölfstunden-Rennens organisiert. Das. Reglement hat als Basis wiederum eine Handycap-Formel, von der sich die Engländer nun einmal nicht trennen können, mb. Äosstellun^en Der Genfer Salon 1932. Trotz der schweren Krise, welche die internationale Wirtschaft beschattet, scheint der Genfer Automobil-Salon 1932 (11.—20. März), soviel sich voraussehen lässt, wiederum zu einem Erfolg zu werden. Die Zahl von Anmeldungen, die bis zum heutigen Zeitpunkt für die verschiedenen Abteilungen eingelaufen sind, weist die gleiche Höhe wie um dieselbe Zeit des Vorjahres auf. x. ; Willkommener Ausnahmetarif der Eisenbahn. Dem schweizerischen Eisenbahn-Amtsblatt ist zu entnehmen, dass den Ausstellern am Automobilsalon von Brüssel Transport- Erleichterungen zugestanden werden. Es wird ihnen nämlich frachtfreie Rückbeförderung für die an der Ausstellung unverkauft gebliebenen Objekte nach der ursprünglichen Vesandstation bewilligt. Die Spesen dürften sich damit für eventuelle schweizerische Aussteller merklich reduzieren. z.